Die Deutsche Bank – groß, protzig und rücksichtslos. Folgenden kritischen Beitrag – „Deutsche Bank: Image und Realität“ – brachte die WDR-Sendung markt gestern und wenn man die Sauereien sieht, die die Bank eiskalt finanziert, kann einem nur schlecht werden, vor allem, wenn man dann die verlogene Selbstdarstellung dieses Konzerns dagegen hält. Absolut ekelhaft. Niemand sollte bei diesem üblen Laden noch sein Konto haben – es gibt ja glücklicherweise eine Reihe ethisch vertretbarer Alternativen.
Die belgische Nichtregierungsorganisation „Netwerk Vlaanderen“ untersucht Fälle von unethischen Investments verschiedener Banken. Auf Basis einer Untersuchung der niederländischen Rechercheagentur Profundo veröffentlichte sie einen Bericht mit dem Namen „Bank secrets“. Darin schneidet die Deutsche Bank von allen untersuchten Banken am schlechtesten ab. Das Risiko unethischer Investments wird als „extrem hoch“ eingeschätzt. Auch der deutsche Verein „Urgewald“ kritisiert die Investmentpolitik der Deutsche Bank massiv. Unter dem Titel Deutsche Bank. Ein fragwürdiges Markenzeichen(pdf) hat sie in einer Broschüre zusammengestellt, mit welchen umstrittenen Geschäftspartnern die Deutsche Bank weltweit zusammenarbeitet. Bei der Wahl ihrer Geschäftspartner kennt sie keine Skrupel und stellt auch den schwärzesten Schafen Finanzierungen bereit, sagt Barbara Happe, eine der Autorinnen.
Die Glaubwürdigkeit und Freiheit des Internets ist seit jeher verschiedensten Gefahren und Angriffen ausgesetzt – neben den bekannten Ansinnen der Zensur und Sperre von missliebigen Websites zersetzt auch die fortschreitende Kommerzialisierung immer mehr den virtuellen Raum und zerstört die Werbefreiheit und damit auch Unabhängigkeit von Weblogs und Portalen. Mittlerweile werden ja beispielsweise auch bei Youtube Reklamebotschaften in einige Videos eingeblendet, und Myspace (seit jeher eine Werbeschleuder) nervt einen nach der Anmeldung nicht selten mit ganzflächiger Firmenpropaganda, zusätzlich zu dem sonstigen lästigen Bannergeblinke. „www“ steht bei solchen Seiten wohl für „weltweite Werbung“…
Besonders perfide ist die Strategie von manchen Firmen, sich die Glaubwürdigkeit, die Blogger durch ihr Schreiben erlangt haben, zu erkaufen und sie dafür zu bezahlen, geschönte Produktbeschreibungen und -lobpreisungen zu verfassen und im Web zu verbreiten. [via Grilleau] Pressetext.at berichtet aktuell über die derzeitige Entwicklung in den USA:
Einem aktuellen Bericht des Wall Street Journals zufolge hat diese Praxis in den Vereinigten Staaten inzwischen ein derartiges Ausmaß erreicht, dass die “Blogosphäre” um ihre Reputation bangt und die Federal Trade Commission (FTC) laut über die Einführung eigener Richtlinien nachdenkt, die Missbrauchsversuche verhindern sollen.
(…) “Im Gegensatz zum Internet haben Produktreviews in Magazinen oft das Problem, dass sie nicht als vollkommen objektiv angesehen werden. Bei User-generiertem Content ist die Gefahr, dass sich ein Autor eines Testberichts vom Hersteller kaufen lässt, nicht in dem Ausmaß gegeben”, erklärt der Brandflow-Geschäftsführer. Mit der Vorstellung, dass das Internet ein geschützter Bereich der Authentizität sei, könne es aber bereits in einigen wenigen Jahren vorbei sein. “Die Unternehmen versuchen immer stärker, diese Glaubwürdigkeitsbarriere zu durchbrechen und Meinungen, die online verbreitet werden, bewusst zu manipulieren”, betont Hübner.
Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch an die Marketingabteilungen der Konzerne, die in ihrem Bestreben, auch noch den hintersten Winkel des Planeten durchzukommerzialisieren und jeden Menschen zu korrumpieren, offenbar niemals Ruhe geben. Übrigens habe ich auch schon zwei Anfragen von solchen PR-Leuten bekommen, die mir großzügig anboten, kostenlos einen Artikel für meinen Blog zu schreiben, wenn sie darin auf ihre kommerziellen Websites bzw. offenbar die von Kunden (z.B. ein Onlineshop) verweisen dürften. Das habe ich natürlich dankend abgelehnt.
Als ich vor einigen Wochen über die neue EU-Verpackungsverordnung berichtete, mutmaßte ich (und nicht nur ich), dass diese Aufweichungen der Richtlinien die Hersteller dazu animieren würde, eine gewisse Kreativität in Bezug auf Verpackungsgröße, geringerem Inhalt und gleichbleibendem Preis an den Tag zu legen. Nun schrieb mich gerade ein Leser an und wies mich auf die aktuelle Vorgehensweise bei der Zentis Fruchtkonfitüre hin – auf deren Website wird vollmundig vom „praktischen und formschönen 200-g-Schalenbecher“ geschrieben, allerdings lasse man die nicht unwichtige Information unter den Tisch fallen, dass der Becher bislang 225g enthielt. Ach so, der Preis sei natürlich gleich geblieben, trotz über 10% Gewichtsreduktion. Ich kann diese Information nun nicht aus eigener Anschauung verifizieren, da ich industriell gefertigte und gezuckerte Marmelade („50% Fruchtanteil“, na super…) seit vielen Jahren nicht mehr kaufe, aber so etwas passt eindeutig in die Strategien vieler großer Konzerne (siehe auch abgespeist.de).
Ich habe auf jeden Fall gleich mal bei Zentis angefragt, wie es sich denn mit dem Preis der neuverpackten Marmelade verhalte, also ob dieser dementsprechend auch um 10% gesenkt werde, und erhielt jetzt diesen erklärenden Brief, den ich auszugsweise wiedergebe:
Mit der Reduzierung der Bechergröße haben wir auf den allgemeinen Trend zu kleineren Verpackungen reagiert.
(…) Neben dieser Aufwertung müssen aber auch die gestiegenen Rohstoffpreise der Vergangenheit, die gestiegenen Energiepreise sowie andere Preisfaktoren für die neue Frühstückskonfitüre beachtet werden. Alle Faktoren zusammen machten eine Verteuerung unumgänglich.
(…) Da die grundlegende Überarbeitung aber bereits feststand, haben wir uns dazu entschlossen, die Preiserhöhung erst mit der neu gestalteten Verpackung umzusetzen.
Naja, es ist aber schon ulkig, dass man mit der Preiserhöhung so lange wartete, bis man eh eine kleinere Verpackung auf den Markt bringt, wahscheinlich in der (vermutlich berechtigten) Hoffnung, dass der normale Kunde die kleinere Verpackung nicht als solche wahrnimmt. Die NDR-Sendung Markt brachte Anfang der Woche übrigens einen passenden Bericht zum Thema Preisgestaltung – „Neue Mogelpackungen: Schmu beim Grundpreis“:
Seit dem 11. April 2009 ist diese 95-Gramm-Tafel nun erlaubt. Laut einer EU-Richtlinie müssen sich Lebensmittelhersteller nicht mehr an die bisher geltenden Verpackungsstandards für Grundnahrungsmittel halten. Diese Richtlinie wird in Deutschland in der sogenannten Verpackungsverordnung umgesetzt.
Wurde Milch bisher in den festen Größen 0,5, 0,75 oder 1 Liter verkauft, sind nun auch 0,85 oder 0,96 Liter möglich. Mehl oder Zucker können in 275-Gramm-Packungen, Butter in 75 Gramm, Wasser in 1,25 Liter-Flaschen verkauft werden. Gleiches gilt für Kaffee oder Schokolade. Einzig in der Spirituosen-Abteilung ist Verlass auf alte Größen. Die Verpackungsgrößen für Alkoholisches sind noch nicht freigegeben. Verbraucherschützerin Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg befürchtet, dass “die Verpackungen alle verkleinert werden, ohne dass man das auf den ersten Blick erkennt. Das ist ein deutlicher Nutzen für den Anbieter, denn er verkauft weniger Ware für den gleichen Preis, und für uns eine versteckte Preiserhöhung.“
Beispiele dafür gibt es genug: Anbieter von Kosmetik-, Hygiene-, Putz- oder Süßwaren können schon seit Jahren freie Mengen wählen: Die ehemalige Pampers-Packung hatte zum Beispiel 44 Windeln, die neue hat nur noch 40. Der Preis ist gleich geblieben: 8,95 Euro. Beispiel Calgonit, Spezialsalz für den Geschirrspüler: Die alte Packung beinhaltet 1,8 Kilo Salz, die neue nur noch 1,5 Kilo. Beide kosten aber 5,99 Euro. Der alte Bärenmarke Schüttel-Shake hat einen Inhalt von 475 Milliliterb, der neue nur noch 400 Milliliter – beide kosten aber 76 Cent.
(…) Besonders wachsam sollten Kunden sein, die meist zu den gleichen Produkten greifen. Sie achten aus Gewohnheit meist weder auf den Preis noch auf die Packungsgröße. Doch auch für alle anderen Verbraucher gilt: Augen auf im Supermarkt. Um nicht auf Mogelpackungen reinzufallen, ist es wichtig, sowohl die Füllmenge als auch den Grundpreis zu kontrollieren.
Der US-Softwaregigant Microsoft ist mir schon seit Jahrzehnten maximal unsympathisch. Nicht nur wegen seines minderwertigen, aber unverständlicher Weise erfolgreichen Betriebssystems Windows, sondern vor allem wegen des rücksichtslosen Geschäftsgebarens eines Monopolisten. Sowohl Kunden gegenüber, die bevormundet werden, damit sie z.B. ja nicht einen anderen Browser als den Explorer zu verwenden, auch den Mitarbeitern gegenüber (die teils ordentlich unter Druck gesetzt werden) – und nicht zuletzt auch den Wettbewerbern gegenüber. Die Liste der Verstöße des Redmonder Unternehmens ist lang, und wenn es noch der Beweise bedurfte, dass Quasi-Monopole nur Nachteile für die Kunden bedeuten, so hat sie Micro$oft im Laufe der Jahre immer wieder eindrucksvoll erbracht.
Passend dazu nun die Meldung aus der Financial Times Deutschland „Microsoft schwärzt Google an“. Klar ist Google schon längst nicht mehr das nette Unternehmen von nebenan, sondern auch zu einem Konzern mit vielen dubiosen bis zweifelhaften Praktiken geworden, ergo trifft man sich hier auf Augenhöhe. Von daher ist der Artikel wirklich interessant, da man mal erfährt, mit welchen Bandagen diese Konzerne so kämpfen, bis hin zu rücksichtslosem Lobbyismus und politischer Einflussnahme in Brüssel. Absolut widerlich. Natürlich ist Micro$ofts PR-Agentur Burson-Marsteller, einer der ganz großen und gewissenlosesten Firmen der Branche, die schon Diktatoren und übelste Umweltsünder positiv dastehen ließen. Abstoßend!
Anders ausgedrückt: Der Konzern (Microsoft), der behördlich attestiert dem europäischen Wettbewerb geschadet hat, schickt seine Lobbyisten aus, um seinen ewigen Rivalen anzuschwärzen – wegen Missbrauchs seiner Marktmacht. Es ist ein Angriff aus dem Glashaus.
Microsoft hält den EU-Rekord im Zahlen von Bußgeldern für Wettbewerbsbehinderung – in den vergangenen fünf Jahren 1,7 Mrd. Euro. Zwei Verfahren sind derzeit noch offen, bei denen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen. “Wir hatten Hoffnungen, Microsoft habe sich seit den ersten Verfahren geändert”, sagt ein EU-Wettbewerbshüter. “Offensichtlich haben wir uns geirrt.”
(…) Nur – Alvaro hat in der Vergangenheit schon den Veranstaltungsgastgeber für Icomp gegeben, ein Foto seiner Website zeigt ihn im Gespräch mit Sandra Heuser, der Microsoft-Beauftragten für Government-Affairs. Und bei Burson-Marsteller, der PR-Agentur von Microsoft, nennt man Alvaro schon mal “unseren Abgeordneten”.
Zufällig stieß ich neulich im Netz auf diese Reklameeinblendung der Telekom, die vor dem Hintergrund der diversenDatenschutzskandale rund um dieses Unternehmen einer gewissen unfreiwilligen Komik nicht entbehrt, wie ich finde. :-)
„Ja, die Yogurette, die schmeckt so himmlich joghurt-leicht“, tralala. Wer kennt ihn nicht, diesen grenzdebilen Singsang aus dem Fernsehen, mit dem Ferrero seit Jahren (Jahrzehnten?) ihre Erdbeer-Joghurt-Schokolade bewerben und sie in den Rang einer natürlich-leckeren, sportlich-aktiven und damit eigentlich gesunden Schleckerei zu erheben versuchen. Sicher sind auch schon Millionen Gutgläubiger auf diesen Reklameschmarrn reingefallen – denn mit der Realität hat das Image dieses Produkt leider nur wenig zu tun. Tatsächlich ist dies mal wieder ein sehr „schönes“ Beispiel dafür, wie Werbung funktioniert und den Verbraucher in die Irre führen soll. Auf die Idee, zu suggerieren, dass man durch das Verzehren gezuckerter Produkte etwas für seinen Körper, für seine Fitness gar täte, muss man auch erst einmal kommen, Hut ab vor dieser Dreistigkeit der Marketingabteilung.
Die Foodwatch-Initiative Abgespeist hat sich dieses Treiben nun lange genug mit angesehen und zerlegt die Reklameversprechen von Ferrero aktuell gerade in ihre Einzelteile. So erfahren wir, dass Yogurette mehr Kalorien und Fett enthält als eine normale Vollmilchschokolade, der Käufer darüber auf der Packung aber gar nicht aufgeklärt wird. Nur über den Nährwert von Erdbeeren, von denen in dieser Schokolade sicherlich bestenfalls Spurenelemente enthalten sein dürften, lässt sich der Hersteller hier aus. Genauer gesagt besteht die Yogurette zu 5.5% aus Erdbeergranulat, eine Mischung aus Zucker, Fett und etwas Erdbeerpulver. Lecker, was? Gesunde Nahrung sieht natürlich anders aus, und wer tatsächlich glaubt, sich mit dem Verzehr dieses Produkts etwas Gutes zu tun, befindet sich ganz schön auf dem Holzweg. Alles weitere erfahrt ihr auf der entsprechenden Seite von Abgespeist, dort kann man dem Hersteller auch mit einem vorbereiteten E-Mail-Formular seine Meinung zu dieser Irreführung geigen.
Ich finde es immer wieder spannend, zu sehen, auf Grund welcher Suchbegriffe/Fragen so mancher Besucher auf meinen Blog stößt – und einige dieser Fragen will ich hier jetzt einfach mal direkt beantworten, um die Suche nach Informationen zukünftig zu verkürzen.
bela b. werbung h&m
Seit einiger Zeit kommen auffällig viele Besucher via Google auf meinen Artikel über Tobi Schlegls Buch „Zu spät“ (in dem er Bela B. von der Band Die Ärzte interviewt), die obige Suchbegriffe eingegeben haben. Das hat mich stutzig gemacht – sollte Bela B., der doch in Schlegls Buch noch derart auf nachhaltige Entwicklung und so setzte, wirklich für H&M und damit für unter oft dubiosen Bedingungen hergestellte Massenmode Reklame machen? Tatsächlich – an der Bushaltestelle bei mir um die Ecke prangt so ein Plakat, und der Typ darauf sieht irgendwie Bela B. recht ähnlich. Doch eine weitere Recherche ergibt – es handelt sich dabei um den exzentrischen amerikanischen Schauspieler Vincent Gallo. Wäre das auch geklärt. Und ich bin irgendwie beruhigt, dass Bela B. nicht „umgefallen“ ist.
wieso verdrängen Lidl&co Mitarbeiter die eigene Ausbeutung?
Eine sehr interessante Frage – ich vermute mal, dass viele Mitarbeiter dies zähneknirschend ertragen, weil sie ganz einfach auf das Geld angewiesen sind. Die Discountmilliardäre nutzen die Notlage vieler Menschen halt schamlos aus…
was hat Aldi mit nachhaltigkeit zu tun?
Einfache Antwort: absolut nichts! :-) Discounter sind das Gegenteil von Nachhaltigkeit, auch wenn inzwischen ein paar Biowaren im Sortiment auftauchen – es geht bei diesem Geschäftsmodell letztlich nur um den schnellen, maximalen Warendurchsatz und die Verdrängung anderer Anbieter, koste es die Umwelt & die Gesellschaft, was es wolle. Zu den üblen Folgen des Discountwahns für uns alle habe ich in meinem Blog ja nun schon oftgenugberichtet.
cola light mastmittel?
Ja, in der Tat, die künstlichen Süßstoffe, der in Cola Light und ähnlichen Getränken verwendet werden, die ja angeblich die schlanke Linie fördern sollen, werden auch in der Schweinemast zum schnellen Aufpäppeln der armen Tiere eingesetzt (siehe auch hier).
Abwrackprämie Nachhaltigkeit
Diese Frage ist eben grad eingetrudelt – nein, auch die Abwrackprämie ist nicht nachhaltig, trotz des von der Politik ausgegebenen euphemistischen Namens „Umweltprämie“. Die Vernichtung von funktionsfähigen Sachwerten ist nicht besonders clever, und die Produktion eines Neuwagens kostet soviel Energie und belastet die Umwelt so stark, dass man mit diesem neuen Wagen erst einmal jahrelang fahren muss, um das wieder reinzuholen, selbst wenn das neue Auto 1 oder 2 Liter pro 100 km weniger verbrauchen sollte. Leute, die nur wenig fahren, werden diesen Rucksack an Umweltbelastung durch die Produktion vermutlich nie wieder reinholen. Das Ganze ist nichts weiter als eine Subventionierung der Autobranche aus Steuermitteln und ein Versuch, sich bei den Wählern einzuschleimen. Also sehr erbärmlich! (Siehe auch hier.)
Heißa, das ist doch mal was – gestern hat die Bundesregierung den einzigen bisher in Deutschland zugelassenen genmanipulierten Mais, die Sorte MON 810 des Agrarriesen Monsanto, verboten! Somit haben die heftigen Proteste, u.a. ja auch von Campact! organisiert, scheinbar doch die Politiker zum Nachdenken gebracht (die nahenden Wahlen halfen bei dem Prozess möglicherweise zusätzlich ein wenig auf die Sprünge…). DerSpiegel schreibt zu dieser erfreulichen Entscheidung in einem lesenswerten, sympathisch harschen Artikel „Verbot für Monsanto-Sorte: Deutschland demütigt den Agro-Giganten“:
Er ist weltweit erfolgreich, nur in Deutschland klappt es nicht: Trotz gezielter Lobbyarbeit konnte der Saatgutmulti Monsanto das Verbot seiner Genmaissorte MON 810 nicht stoppen. Ein überraschender Rückschlag – meist bricht der Konzern jeden politischen Widerstand.
(…) Doch mit dem Erfolg könnte es jetzt vorbei sein, denn die Front der Monsanto-Gegner wächst langsam, aber stetig. “Bislang ist Monsanto beim Endverbraucher so gut wie nicht in Erscheinung getreten”, sagt Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. “Aber das ändert sich langsam – und damit wächst der Widerstand gegen die Methoden des Konzerns.”
(…) Denn das Unternehmen ist nicht zimperlich, wenn es um seine Gegner geht. “Skrupellos” und “rücksichtslos” nennt Greenpeace-Experte Hissting das Vorgehen des Konzerns. Bestechung, das Verdrehen von Fakten, das Zurückhalten von Informationen und das Diskreditieren von Wissenschaftlern, die unangenehme Fragen stellen – all das werfen Kritiker dem Konzern vor. Wenig Gutes trägt auch die Konzerngeschichte bei: Monsanto war einst wesentlicher Produzent des dioxinhaltigen Kampfstoffes Agent Orange, der im Vietnam-Krieg eingesetzt wurde.
(…) “Monsantos Geschäftsprinzip basiert darauf, den Bauern zu verbieten, was sie seit Jahrtausenden getan haben: aus der Ernte Saatgut für die nächste Aussaat zurückzuhalten”, sagt Marie-Monique Robin.
Das passt ja perfekt zu meinem Beitrag von vor einigen Tagen, in dem es um die teils etwas zweifelhaften Ergebnisse von Öko-Test ging: Viele Firmen und Händler benutzen in ihrer Reklame das von Verbrauchern als besonders seriös geltende Siegel der Stiftung Warentest in der offensichtlichen Absicht, Käufer mit falschen oder veralteten Siegeln zu täuschen. Natürlich wieder vorn dabei, wenn’s darum geht, Konsumenten hinters Licht zu führen: Discounter wie Aldi, Lidl oder Penny, aber auch viele andere Unternehmen. Die NDR-Sendung Markt brachte Anfang der Woche einen interessanten Bericht über diese Aktivitäten – „Testsieger: Mit irreführenden Siegeln Kasse machen“:
Hersteller und Werbetreibende wissen also genau, was sie dürfen und was nicht. Trotzdem sind Mogeleien mit dem Siegel nicht selten: “Der Missbrauch, also die nicht korrekte Verwendung unserer Testergebnisse, zieht sich durch alle Branchen, es kommt alles vor, es kommt häufig vor, jährlich werden etwa 100 Fälle verfolgt”, so Winfried Ellerbrock von der Stiftung Warentest. Und viele machen bei dem Siegelschwindel mit. Markt liegen alle Fälle aus jüngster Zeit vor. “Aldi”, “Lidl”, “Norma” oder “Penny” wurden wegen wettbewerbswidriger Werbung mit Ergebnissen der Stiftung Warentest genauso abgemahnt wie “Real”, “Karstadt” oder “Saturn”. Aufgedeckt werden die Fälle von aufmerksamen Verbrauchern und einem Berliner Anwalt. Eine systematische Kontrolle aller im Umlauf befindlichen Siegel bleibt aus. “Wir haben leider nicht die Möglichkeit, flächendeckend zu verfolgen, was am Werbemarkt passiert”, so Winfried Ellerbrock.
Die Liste der Tricksereien ist lang. Besonders häufig: die Werbung mit veralteten Testergebnissen. Das geschieht zum Beispiel immer wieder bei Matratzen, aber auch bei Handys. Ebenso beliebt: Günstige Einzelnoten werden hervorgehoben und weniger günstige weggelassen – zum Beispiel bei Kosmetikprodukten. Manche Hersteller sind besonders dreist und erfinden Testsiegel. Sie versehen ihre Produkte mit einem “sehr gut”, obwohl es nie getestet wurde. Oder übertragen ein Testurteil einfach auf eine komplette Produktreihe, obwohl nur ein einzelnes daraus getestet wurde.
Na klasse – da wirbt der RWE-Konzern in der für die großen Energiefirmen typisch vernebelnden Art und Weise für einen neuen, überteuerten, zu 2/3 aus Atomstrom zusammengebastelten Strommix als „ProKlima“ und erträgt es dann nicht, dass Urgewald und ausgestrahlt eine Parodie auf dieses Reklamemotiv in den Umlauf bringen, sondern lässt seine Reklameagentur Jung von Matt eine Klage androhen. Sehr peinliche Aktion, die hoffentlich für RWE & Konsorten voll nach hinten los geht! (Siehe auch HIER.)
Die Hamburger Agentur Jung von Matt, die sich selbst zu den bekanntesten deutschen Kreativagenturen zählt, erdachte für ihren Kunden RWE eine Werbekampagne, die helfen soll, den billig produzierten Atomstrom des Konzerns unter der Bezeichnung “ProKlima Strom” teuer unter die Leute zu bringen.
Musik der Neuen Deutschen Welle war schon zu ihrer besten Zeit, den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht unbedingt erste Wahl, sondern eher naiv und dümmlich. Ausgerechnet für den “ProKlima Strom” gruben die Kreativen die NDW-Formation “Trio” aus Großenkneten wieder aus und lassen sie für RWE werben. Trio steht dabei für 3 Jahre Preisgarantie und für ein gutes Klimagewissen. Die dadaistische Kampagne soll den Verbraucher darüber hinwegtäuschen, dass der ProKlima-Strom weitaus teurer ist als echter Ökostrom. Und schlimmer noch: Die Kampagne spielt mit den Ängsten der Verbraucher: vor Preiserhöhungen und vor dem Klimawandel und präsentiert ein Stromprodukt, das zu 68 % aus Atomstrom besteht als Lösung.
(…) RWEs Kreativ-Agentur Jung v. Matt droht urgewald mit Strafanzeige, Gerichtskosten, Schadensersatz und sonstigen Unannehmlichkeiten und stellte ein Ultimatum bis zum 2. April 12:00 Uhr. Das Ultimatum verlangt die Unterlassung der Verbreitung des Protestmotives.
Hier hätte man hier besser mit Humor statt mit der Rechtsabteilung Größe beweisen können! Doch leider ist die Sache trotzdem ernst, denn es geht um mehr als ein karikiertes Kampagnenmotiv. Hier ist das demokratisches Grundrecht auf Kritik und freie Meinungsäußerung in Gefahr!