Jan
20
2012

Lidl-Check/McDonald’s-Check – Gedanken zu den „Markenchecks“ in der ARD

Da es ja nun nicht gerade an der Tagesordnung ist, dass Konzernkritik im Fernsehen zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird (statt auf einem Sendeplatz nach 23 Uhr verbannt zu werden), möchte ich auf die ARD-Markenchecks noch einmal eingehen – zwei der 45minütigen Dokus liefen bisher, in denen einmal Lidl und enmal McDonald’s „auf den Zahn gefühlt“ wurde. Ich hatte in meiner Ankündigung des Lidl-Checks ja schon gewisse Zweifel an der Härte und Tiefe der in solchen Sendungen anklingenden Kritik geäußert:

… wobei man halt nie so weiß, was am Ende herauskommt, denn wenn sich Fernsehsender mit Aldi, Lidl & Co. beschäftigen, werden meistens nur Teilaspekte betrachtet, also die miesen Arbeitsbedinungen oder Bespitzelungen o.ä. aber selten die fatalen Auswirkungen für die Umwelt und die Gesellschaft als Ganzes, die durch die Billigspirale ausgelöst werden. Aber vielleicht bildet die ARD-Sendung da heute eine löbliche Ausnahme!

Gleich vorweg muss ich dazu sagen, dass ich mir die beiden besagten Markenchecks bislang nicht angeschaut habe (und dies wohl auch nicht mehr vor habe) – ich kenne aber die früheren „baugleichen“ Markenchecks, die vor einigen Monaten im WDR liefen (z.B. zu Aldi, IKEA und Ferrero), und ich habe jetzt einige Berichte und Kommentare zu diesen Sendungen gelesen, die meinen oben geäußerten Zweifel erhärten. Zum Beispiel schreibt der Spiegel in „Die öffentlich-rechtliche Burger-Wehr“:

(…) So gesehen ist der “McDonald’s-Check” also durchaus unbequem – auch wenn ein ziemlich gerissenes Quoten-Konzept dahintersteckt: Der Film ist Teil der Service-Reihe “Der Marken-Check”, in der die Versprechen großer populärer Konzerne geprüft werden. Das heißt, die Macher können mit kritischer Haltung auftreten – und gleichzeitig mit Namen klingeln, die jedem geläufig sind. Dass die Rechnung aufgeht, bewies letzte Woche der “Der Lidl-Check”, den 6,3 Millionen Zuschauer sehen wollten. Für ein Doku-Format ist das eine echte Quotensensation.

Das Ergebnis kommt nicht von ungefähr – beim “Marken-Check” im Ersten steht Infotainment vor investigativer Recherche, die Attitüde vor der Analyse. So lässt sich der McDonald’s-Report an diesem Montag schwerlich als lückenlose Beweisführung lesen, mit der dem Fast-Food-Riesen Mitarbeiter-Ausbeutung und zweifelhafte Fleischverwertung nachgewiesen werden kann. Vielmehr geht es darum, eine Art Diskussionsanstoß über die Schnellfraßkultur und die ihr eigenen Verarbeitungs- und Verbreitungswege zu geben. Eine ideale Rampe für einen Gesellschafts-Talk wie Frank Plasbergs “Hart aber fair”, der am Montag im Anschluss eine Diskussion unter dem Motto “Billig, schnell und fett – machen Burger und Discounter unser Essen kaputt?” leitet.

So kommt der “McDonald’s-Check” als unterhaltsames Burger-Bashing daher – echte Vergehen jenseits jener gegen den guten Geschmack können allerdings nicht nachgewiesen werden. (…)

(…) Einen gewissen Respekt nötigt einem diese Primetime-Sendung dennoch ab. In seiner aktuellen Werbe-Kampagne inszeniert sich McDonald’s als eine Art Volksbildungsinstitut, das mit seiner Personalpolitik Kindern aus bildungsfernen Haushalten den Karriereeinstieg ermöglicht. Die Bratstube als Vorspiel zur Management-Laufbahn? Bei so viel Zynismus ist ein etwas verkürztes Aufklärungsfilmchen wie “Der McDonald’s-Check” allemal erlaubt.

So schön es ist, dass sich Fernsehschaffende tatsächlich mal die Machenschaften und teils dubiosen Methoden von Großkonzerne vorknöpfen und dies dann auch zur Primetime bringen – immerhin waren die beiden bisherigen Checks echte Quotenbringer für das ARD –, so gut es mir auch erscheint, dass so auf die etwas sanftere Art Zweifel an den sonst oft genug unterhalb des Amüsierbetriebsradars operierenden und sich in Imagekampagnen und Martketing blendend darstellenden Unternehmen unters Volk gebracht wird, so sehr muss man auch anzweifeln, ob hier nicht die Chancen auf tiefergehende Kritik mit weiterreichenden Folgen für die Firmen verschenkt werden. Bei der Doku über McDoof wäre beispielsweise zwingend anzumerken gewesen, unter welchen Bedingungen das Fleisch hergestellt wird, was dieses Ankurbeln von billigem Fleischkonsum für die Umwelt, für die Tiere, letztlich auch für die Menschen und die Vielfalt der Esskultur etc. bedeutet.

Eins ist klar – und hier zeigt sich mal wieder der schädliche Griff der Werbung auf eine freie Gesellschaft –, zu einem Frontalangriff auf besagte Großkonzerne kann man als Fernsehsender, der auch von den Werbekunden lebt, nicht blasen (man darf sich ja nicht den Ast absägen, auf dem man sitzt!). Da ist es dann doch besser, es bei einem mahnenden Zeigefinger zu belassen und die Menschen nicht zu sehr aufzuklären. Der Spiegel hakt hier in einem weiteren Artikel noch mal nach – „Info-Offensive – Quote machen mit Lidl, McDonald’s, H&M“:

Das Erste auf dem Verbraucherschutz-Trip: Mit der Reihe “Marken-Check” über Lidl oder McDonald’s fährt die ARD Top-Quoten ein. Trotzdem will der Programmchef seinem Publikum lieber nicht zu viele konfrontative Reportagen zur Primetime zumuten. Eine Entscheidung gegen die Zuschauer.

(…) ARD-Programmchef Herres ist über den Publikumserfolg selbst ganz hin und weg: “Erwartet habe ich es nicht”, gibt er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu. “Aber gehofft schon. Wenn man den Statistiken Glauben schenken darf, kaufen 80 Prozent der Deutschen bei Discountern. Hier geht es also um ‘Alltag’, um gelebte Erfahrung. Es ist die persönliche Betroffenheit des Publikums, die zieht.” (…)

(…) Oder vielleicht doch? An vier Werktagen laufen auf der 20.15-Uhr-Schiene ausschließlich fiktionale Formate, könnte man da nicht irgendwo zwischen der Nonnen-Soap “Um Himmels Willen” am Dienstag und dem Badelatschen-Schmonzes “Das Traumhotel” am Freitag in der Primetime ein kleines Plätzchen für ein Info-Format finden? Wie wäre es zum Beispiel, wenn man sich einfach von den B-Krimis, die den Donnerstagabend verstopfen, freimachte?

Da dämpft der Programmdirektor lieber schnell allzu hohe Erwartungen: “Nun haben wir ja die Primetime bereits am Montag ein Stück weit für härtere Information geöffnet”, so Herres. “Aber auch Fiktionales und Unterhaltungssendungen brauchen gute Sendeplätze. Großflächige Veränderungen sind nicht geplant.”

Ab übernächster Woche ist dann also erst mal wieder alles wie gehabt in der ARD-Primetime am Montag. Dann röhrt wieder das Kamel.

In der taz-Kolumne nimmt Josef Winkler kein Blatt vor den Mund und legt den Finger an die Wunde der Halb-Weichspül-Dokus – „Wortklauberei: Lidl-Dreck-Heckmeck“:

(…) Nach 35 Minuten Rumgeplänkel und Popanz mit Testkäufern, die mit Stoppuhren in Supermärkte latschen, um zu “checken”, wie lang sie dafür brauchen, irgendwelches Zeugs zu kaufen (Stichwort: “Stress im Laden”), Billigmarmelade schleckenden Probanden, einem Verbraucherexperten, der in einem “virtuell nachgebauten Lidl” erklärt, dass es psychologisch total wichtig ist, wie das Gemüse präsentiert ist, weil der Kunde daraus auf den Rest des Ladens schließt (Schlüsse aus dieser redundanten Information wurden keine gezogen, und warum man einen virtuell nachgebauten Lidl brauchte, blieb auch unklar, aber Hauptsache, der Tricktechniker vom WDR war beschäftigt und ein Experte hat irgendwas verzapfen dürfen) – nach knapp 35 Minuten Quasi-Dauerwerbesendung also gings dann in den letzten zehn Minuten beim “Check”-Punkt “Fairness” doch noch in die Vollen:

Auf einmal waren die Reporter in Bangladesch und filmten mit versteckter Kamera in Fabriken herum, wo Frauen für 30 Euro im Monat bis zu 16 Stunden täglich in einem bizarren Akkord, dass nicht einmal Zeit zum Toilettengang bleibt, der aber eh hinfällig ist, weil sie auch nichts essen und trinken dürfen (dafür kriegen sie dann wegen der Mangelernährung Vitaminpillen von der mit deutscher Entwicklungshilfe finanzierten medizinischen Versorgung), Klamotten für Lidl und den europäischen Schnäppchenjäger nähen. (…)

Und dann waren wir wieder zurück beim “Lidl-Check” – beim Fazit der Sendung. Die Reporterin hätte nun freilich die Zuschauer auffordern können, Mistgabeln aus ihren Kellern und Garagen zu kramen und noch diese Nacht gegen die örtliche Lidl-Filiale zu ziehen, diesen gottverdammten Menschenschindern die Bude anzuzünden und sie zum Teufel zu jagen, aber das wäre natürlich etwas wild. Sie formulierte es lieber diplomatischer: “In Sachen Fairness bleibt viel zu tun.”

Genau. Und irgendwer wird das dann schon irgendwie irgendwann tun. Oder anders gesagt: Wir sind dafür, dass sich Lidl vorstellen könnTE, in Sachen Fairness noch viel zu tun. Sind wir doch alle, oder? Man ist ja kein Unmensch.

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken

20 Kommentare »

  • chris

    “Gleich vorweg muss ich dazu sagen, dass ich mir die beiden besagten Markenchecks bislang nicht angeschaut habe”

    hier habe ich aufgehört zu lesen…

    Comment | 20. Januar 2012
  • @ chris – tja, das tut mir leid ;-)

    Comment | 20. Januar 2012
  • ja zum Mäckes-Check haben wir auch was geschrieben:

    Bonus, aktuelle Erkenntnisse von Greenpeace:
    “- http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5072&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=67116&cHash=b4a02fe5292e81b9e932a915930274dc neues Image = Etikettenschwindel
    - http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=6512 neueste Erfolge & Skepsis”

    mehr auf http://mikrofairkel.de/2012/01/mcdonalds-und-die-agrarindustrie

    Gruß

    Comment | 20. Januar 2012
  • Gesehen habe ich die Formate auch nicht, aber die Leute, die es gesehen haben, kritisierten ebenfalls Oberflächlichkeit und Sensationsjournalismus an den falschen Punkten.

    Anmerken möchte ich, dass es das öffentlich-rechtliche Fernsehen war, die es gesendet haben. Die brauchen nicht auf die Quote zu achten, weil sie einen Informationsauftrag haben. Wie die Sender so gerne beteuern.
    Und auch auf Werbepartner braucht man nicht zu achten, weil der größte Teil ihrer Einnahmen nicht durch Werbung sondern durch Gebühren reinkommt.

    Comment | 20. Januar 2012
  • “Und auch auf Werbepartner braucht man nicht zu achten, weil der größte Teil ihrer Einnahmen nicht durch Werbung sondern durch Gebühren reinkommt.”

    Idealerweise sollte das so sein, aber ich fürchte, dass man sich trotzdem scheut, ganz klare Kante zu zeigen. Aber natürlich gibt es im Privatfernsehen viel weniger (quasi gar keine) kritischen Töne, da die ja ein perfektes Werbeumfeld schaffen müssen.

    Comment | 20. Januar 2012
  • First Of One

    Ich habe die beiden Folgen auch nicht gesehen und ich werde auch die nächst über H&M nicht sehen. Warum. Weil ich der Meinung bin, dass das ganze “gut” gemachte PR ist – weiter nichts.
    Ich habe meine Meinung über die Medien und im speziellen über den ÖRR und die habe ich mir über Jahrzehnte gebildet. Das soll jetzt urplötzlich alles ganz anders sein? Das ich nicht lache!!!
    Und da ich am Tag der Mc Kotz PR das Morgenmagazin sah, in dem sie immer Werbung für diese PR machen (Schleichwerbung per Excelence), und dort schon verbreitet wurde wie toll doch das Fleisch von MC Kotz wäre, alles nur von echten deutschen Bauern usw., da war mir klar, dass ich mir den Tittitainment Schrott nicht antun werde.

    Greetz

    Comment | 20. Januar 2012
  • Ed Saxum

    Ich hab mir beides angeschaut. ich war sogar so doof und habe die mieseste hart aber fair sendung meines Lebens angschaut. die nach mcGeneTechAntiBetriebsrat.. also ach ihr wisst schon.
    Bei McMörder hätte man mehr darauf eingehen sollen wie wir richtig als Kinder angefixt werden.
    ansonsten passt meine Kritik die ich hier beim LidleCheck geschrieben hab schon sehr gut.

    die hätten den check mal wie gewohnt um 23:00 senden sollen dann aber auch richtig bissig. So ändert sich nichts oder zu wenig.

    richtig abartig beim WDR Ferrero check, wie da am ende das UTZ Siegel gelobt wurde.

    Comment | 20. Januar 2012
  • Tommy

    Ich habe beide Checks gesehen und kann mich da nur anschließen. Ich finde es super das sich solche Fernsehformate immer mehr auch in den etablierten Medien/Sendezeiten durchsetzen, denn es ist auf jeden Fall ein Fortschritt.

    In beiden Sendungen wurde als erstes ala Galileo Manier kräftig eingekauft um das ganze nach Geschmack, Aussehen, Verträglichkeit zu prüfen. Schön und gut, auch wenn solche Aspekte für mich nicht im Vordergrund stehen. Als sie jedoch dann NOCH mal 100 Leute mit Essen von den jeweils 3 Burgerketten bewirtschafteten war für mich das Motiv nicht mehr klar ersichtlich. Mehrere hundert Mc Donalds Menus zu kaufen und daraus kein wirklich realistisches Ergebniss zu ziehen, dass als wirkliche Abschreckung dienen kann, ist schon etwas enttäuschend gewesen. Zumal ja genug einfaches Potenzial vorhanden wäre.
    Zudem die geringe Ausseinandersetzung mit ökologischen und wirtschaftlichen Folgen von Fastfoodketten und allgemein der exzessiven Fleischverwertung.
    Im Großen und Ganzen zu harmlos für meinen Geschmack, wobei ich mir nicht vorstellen kann das sich Zuschauer von solchen Formaten abgeschreckt fühlen, sofern es interessant gemacht ist, dh. informativ, objektiv recherchiert und einfach der Gegensatz zwischen unserem unendlichen Konsum und dem Preis den man dafür (nicht mehr) zahlt. Wie gesagt das Potenzial solcher Formate ist noch lang nicht ausgeschöpft, leider hat mir die ARD zu arg nach Jumbo Schreiner Würstchenmillionär geschmeckt.

    Comment | 20. Januar 2012
  • Das Groteske an der Sache ist ja die Tatsache, dass es tatsächlich die eine oder andere öffentlich-rechtliche Doku gibt, die tatsächlich kritisch und aufklärerisch ist … nur wird so etwas natürlich nie um 20:15 Uhr und auch nicht in den “Hauptsendern” gebracht – die Nischensender müssen ja eine Daseinsberechtigung haben. Informationen werden also auf “Seite 17″ versteckt, während man zeitgleich Scheinkritiken und Propaganda auf “Seite 1″ präsentiert. Allein das sollte doch auch dem letzten Schläfer verdeutlichen, welche Intentionen hier verfolgt werden.

    Ich habe am Freitag auch gerade etwas zum Dreck im Essen geschrieben und dazu zwei Dokus verlinkt (http://narrenschiffsbruecke.blogspot.com/2012/01/dreck-im-essen-der-kapitalistische.html ) – und ich frage mich schon lange nicht mehr, weshalb so etwas nicht um 20:15 Uhr in der ARD oder im ZDF läuft. Es gibt da zwei wahrscheinliche Auswirkungsszenarien: Entweder würde fast niemand mehr diese Sender einschalten – oder es gäbe alsbald eine weit über “Occupy” hinausgehende Revolte. Beide Varianten sind den Verantwortlichen (sprich: den politischen “Eliten”) nicht genehm. Also werden pseudokritische Feigenblätter produziert, die keine wirkliche Information beinhalten und damit auch keine echte Wirkung haben. Diese Leute haben ihre Lektionen in Sachen Propaganda und Reklame verdammt gut gelernt.

    Comment | 21. Januar 2012
  • Samson08

    Ich habe sie mir auch nicht angeschaut. Ich besitze keinen Fernseher, Radio und blocke konsequent die Seiten ÖR im Netz. Warum? Ganz einfach! Solche Sendungen, so gut sie auch gemeint sind haben den gegenteiligen Effekt auf die meist passiven Zuschauer: Sie wirken wie Werbung und steigern dem Umsatz solcher Konzerne (Markt-Psychologie) :-)

    Comment | 22. Januar 2012
  • ed.saxum

    Sauerei! beim ARD Markencheck lassen die tatsächlich noch bei KiK einkaufen! nach den ganzen Skandalen…

    Comment | 23. Januar 2012
  • Ken

    Hab eben einen H&M check gesehen, fand da auch blöd das es wieder nur auf die Meinung von den Leuten auf der Straße ankam und man son paar Mädels einkaufen geschickt hat, wirkte eher wie positive Werbung für die jeweiligen Ketten.

    Aber man hat diesmal auch mehr als 10 min gezeigt wie dreckig es den Näherinnen ud ihrem Familien in Bangladesh geht und so.

    Comment | 23. Januar 2012
  • ed.saxum

    nachtrag
    natürlich war alles wieder mal eine richtig große werbung für h und m

    Comment | 24. Januar 2012
  • Steffen R.

    Hab den Markencheck von H&M gesehen. Von der Dreiviertelstunde war etwa eine halbe Stunde Dauerwerbesendung für Kik, Esprit, C&A und H&M, bzw. wurde nur darüber berichtet welcher der vier wie teuer ist, wie die Klamotten aussehen, was Leute auf der Straße denken welche Kleidung von welchem Laden ist.

    Die letzten 10 Minuten gingen zwar tatsächlich umd ie Arbeitsbedingungen in Banglasdesch und es durften sogar ArbeiterInnen von dort zu Wort kommen – der Tenor am Ende lautete jedoch versöhnlich, das hieße natürlich nicht dass man nun nicht mehr bei H&M einkaufen solle, sondern nur dass sich unbedingt was ändern müsse. Irgendwie halt. Keine Erwähnung der Möglichkeit der Produktion fairer Kleidung, kein Hinweis auf faire Läden, kein Hinweis auf das FairTrade-Siegel – in meinen Augen ein Schlag ins Gesicht von an (sozialer) Nachhaltigkeit interessierten Menschen.

    Comment | 24. Januar 2012
  • Steffen

    Leider wurde die meiste Sendezeit des H&M Check damit verschwendet kleinen Kindern Geld zu geben und diese bei H&M, Kik, Esprit und C&A einkaufen zu lassen. Der Trendfaktor wurde dann dadurch ermittelt wie häufig H&M auf der Straße erkannt wurde, echt schlecht. Die letzten 10 min. in denen es um Nachhaltigkeit und Kinderarbeit ging war interessant, der Rest leider nicht wirklich informativ.

    Comment | 24. Januar 2012
  • @Steffen R.: ich finde besser kann man das auch nicht beschreiben :) thx

    das passt leider in weiter oben diskutierte Kritik bzgl. Pseudo-Aufklärerische Dokus. (Es kann nat. auch grobe Fahrlässigkeit oder der Grund sein, dass die ARD zur PrimeTime nicht mögl. Werber abschrecken möchte)

    Was ich dennoch positiv anmerken möchte, dass dieses Format die Mögl. bietet, dass in Zukunft noch mehr (& deutlich kritischer) Konsum-Themen im Öff. Rechtl. TV behandelt werden. (Vielleicht wollten die Macher nicht gleich mit dem Kopf durch die Wand wie wir, Besucher dieser Seite)

    Comment | 24. Januar 2012
  • Insider

    Hi Peter,
    möchte Dir mal hier wieder zum aktuellen Thema schreiben.
    Wie Du Dir sicher vorstellen kannst, habe ich auch die Discounter Checks, insbesondere über die Discounter Lidl&Co.der ARD gesehen. Die Sendung, und sei es noch so als neues Format für die Verbraucher gedacht, ist natürlich noch ziemlich harmlos und wie gewohnt auch oberflächlich. Das kritisierst Du wie andere User hier schon zurecht. Von mir mal ganz abgesehen, da ich die Tricks und Machenschaften von den Protagonisten seit vielen Jahren in -auswendig kenne, nicht umsonst die Kritik bei Dir und auch an anderer Stelle anbringe.
    Trotz alledem- glaube ich festzustellen, dass sich an den Sendungen- sowohl in der relativ zunehmenden Häufigkeit als auch an der journalistischen Informationen (investigativen) gegenüber früherer Nacht-Sendungen z.B. nur auf Phoenix, 3.Programme, 3sat und Co. gesendet -nun zu besten Abendsstunden doch ziemlich zugenommen haben. Und das ist gut so, wenn es auch sehr langsam vorwärts geht, wir Kritiker sollten uns unterm Strich darüber sehr freuen. Die Auswirkungen von Geiz ist Geil werden bereits auch in Talkshows heiss diskutiert,das gabs vor einiger Zeit auch noch nicht. Die Qualität und Tiefe der Sendungen werden irgendwann wahrscheinlich fast automatisch durch div. Kritik in deren Internet-Blogs zunehmen. Ich habe mir in früheren Zeiten mit meiner Erfahrungen und Meinung die Finger fusslig geschrieben (Du weisst schon!), wen hats interessiert?
    Das unbekannte, bzw. verdrängte Problem spielte sich bisher doch leider nur fast innerhalb eines geschlossenen Kritiker-Systems ab. Bestehend aus den Gewerkschaften, den Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen (Attac,Human rihgts watch, Greenpeace, ect.) sowie einigen privaten Kritikern und Aktivisten. Die Discounter- Milliardäre interessierte das weiterhin absolut nicht, mahcten weiter wie bisher. Sogar viele Mitarbeiter der Discounter, die vielen Verbraucher/ Kunden sowieso, haben viele Jahre die Kritik nicht verstanden, oder die (auch ihre eigenen Probleme verdrängt, was deren Unternehmensystem mit unserer aller Lebensqualität zu tun hat. Viele Mitarbeiter und Verbraucher haben solche Arbeitgeber sogar mit Zähnen und Klauen verteidigt, obwohl sie oftmals selbst mit Aufstockerlöhnen subventioniert werden mussten. Was die Ursache ist wurde nicht erkannt. kein Wunder dass die Konzerne davon weiter profitierten. Nicht viele Menschen merkten die Zusammenhänge, Dass wir uns längst durch Wechselwirkungen zwischen der Gier der Unternehmen und unserem Verbraucherverhalten durch einen sich entwickelnden komplexen Teufelskreis von schlechten Arbeitsbedingungen die Discounter daran beteiligt abhängig gemacht haben. Derjenige der dies noch vor Jahren bereits sagte,davor warnte, wurde leider angefeindet, fast für verrückt erklärt. Auch das hat sich immerhin positiv verändert. Inzwischen werden immer mehr Menschen durch div. Verbrauchersendungen, bis zu Kochsendungen, (auch durch You Tube&Co. ect.),Tierschutz-, Datenschutz- insbesondere aber durch Magazine/ Reports im Fernsehen, inklusive der wichtigsten Printmedien über die Machenschaften und Skandale der Discounterkonzerne und Co. angesprochen keiner kann sich noch herausreden er wisse von nichts.
    Ob über Lidl, Aldi, Schlecker oder der KIK Report (von NDR/ Lütgert)
    http://www.youtube.com/watch?v=e2L8N6uNxW4

    ….und siehe ganz aktuell: Jan. 2012
    Die Supermarkt-Razzien bei Netto und Kaufland (Lidl&Schwarz)
    „Die Dumping-Tricks der Discounter“
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,811399,00.html

    Viele soziale Brennpunkte, (z.B.bei den Textilarbeitern in Bangladesch, Handyproduktion in Taiwan,China, Fa. Foxconn, sind endlich keine Tabus mehr. Sogar die “New York Times” berichtet nun aktuell über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den IT Fabriken wie Foxxcon. Und genau wie die deutschen Discounter weist Apple und Co. natürlich alle Verantwortung und Vorwürfe zurück. Das kennen wir doch schon, oder?
    Aber, ich glaube die Zeit solcher Beschwichtigungen und Nebelkerzenwerfer ist vorbei.
    siehe u.a.:
    http://www.modulopfer.de/2012/01/11/foxconn-angedrohter-massenselbstmord-ausbeutung-nimmt-kein-ende/
    Viele Konsumenten sind durch o.g. Infos auch über die Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern sensibilisiert worden. Immer weitere kleine Mosaiksteinchen an wichtigen Informationen, werden in immer kürzeren Abständen bekannt und auf den „großen Berg“ der bisherigen platziert. Das hat Wirkung.
    Inzwischen unterschreiben sogar bereits einige Fabrik- Näherinnen der Billig- Kleider Zulieferfirmen von Aldi, Lidl, KIK und Co. in Asien eidesstattliche Versicherungen bei Berichten über die katastrophalen Arbeitsbedingungen, wohlwissend, dass sie das ihren Job kosten könnte. Insofern hat sich also doch irgendetwas verändert.
    Nur bei uns in Deutschland, lässt dies bis heute noch ziemlich zu wünschen übrig. Gerade in unseren westlichen Ländern, hätten die Mitarbeiter sogar noch viel mehr Möglichkeiten die Verbraucher aufzuklären. Dazu fehlt leider immer noch ihr Engagement und ihre Solidarität. Natürlich wegen der Angst um den Arbeitsplatz. Der Absturz in H4 hält die MA leider immer noch zurück. Für viele wären die Konsequenzen auch brutal. Keiner fragt mehr wenn du da unten angekommen bist, wie und warum enstanden. Was hat der Staat (durch wegschauen) selbst damit zu tun.
    Aus diesem Grund müssen bei uns also eher die perfiden Unternehmenstricks auf anderen Wegen durch die Fallstricke ihres eigenen Größenwahns bekannt werden. Deren System also am besten selbst inplodieren – siehe z.B. Schlecker. (Verstärkung der Wirkung nach aussen durch die Verdichtung von Insider- Informationen/ alle Medien,ect.)ich trauere dem tort der Konsequenzen für die Mitarbeiter keine träne nach, im Gegenteil. Vielleicht
    ist dies endlich eine wichtige Warnung an andere,dass dieser offensichtlich seine über viele Jahre herrschenden Arbeitsbedingungen, zumindest dessen Folgen, insbesondere auch die überraschenden Reaktionen der Verbraucher (bei anderen Discountern noch nicht so sichtbar) völlig unterschätzt hatte.

    Auch die aktuellen,unglaubwürdigen Kapriolen der Politischen Elite (Wullf und Co.) trägt sicherlich ebenfalls dazu bei, dass endlich die Spirale ins Nirwana erkannt wird. Ergo: Die Überlegungen über die eigene Lebensqualität, was Billig mit dem eigenen Arbeitsplatz zu tun hat, nimmt offenbar zu.
    Siehe Anne Will ARD vom 1.Feb.2012
    “Unten schuften, oben kassieren – sieht so unser Jobwunder aus”?
    Und auch morgen am Montag den 6.2.12 – 21.00 Uhr im Fernsehen – ARD -Hart aber Fair:
    Titel: “Sind wir doch blöd? Warum Geiz sehr ungeil sein kann”!
    http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/

    Viele Bürger in unserem Land merken offensichtich immer mehr was der Billig Schnäppchenrausch mit uns, unseren Arbeitsbedingungen macht.Ich hoffe sehr, dass dies auch durch die Verbrauchercheck´s im Fernsehen weiter so anhält.

    Comment | 6. Februar 2012
  • Hi Insider,
    guter und ausgiebiger Kommentar deinerseits – dem kann man nur zustimmen :)
    Trotz aller verbreiteter Dummheit in unseren Massenmedien glaube ich auch, dass ein langsamer Paradigmen-Wechsel stattfindet (s. Bio-/ Fairtrade-Siegel = Anfang) und die Dokus stehen für ein allmähliches Umdenken.
    Ich glaube auch, dass NGOs es langsam verstanden haben, die Dinge treffender zu formulieren und an den Konsumenten heran zu tragen. Wir ‘Aufgeklärtere’ müssen aber sicherlich noch weiterhin unser Umfeld dafür sensibilisieren, damit der Bewusstseinswandel auch einen breiteren Teil unserer Gesellschaft erreicht.

    Comment | 7. Februar 2012
  • idealistin

    Die Schweizer begreifen auch langsam was Lidl für ein Unternehmen ist….

    http://www.netzschau.net/2012/03/26/lidl-suisse-ex-mitarbeiter-beklagen-bespitzelung-und-kaltherzigkeit/#comment-2

    Comment | 6. April 2012
  • Ein Grund für so viele Dokus im öffentlich-rechtlichen ist, man macht in den Ländern gerne Urlaub.

    Bezahlen tut das ja ein anderer, man muss nur einen mehr oder minder lange und oder sinnlose Dokumentation drehen.

    Comment | 17. Oktober 2012

Kommentare per RSS Feed verfolgen. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Anti-spam image

Konsumpf 2008 - Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes