Mrz
01
2011

Discounter: Reibach auf dem Rücken der Menschen – Beispiel Netto

Soweit ich mich erinnern kann war ich noch nie in einem Netto-Discounter. Und obwohl ich hier im Blog ja schon des öfteren was zu den anderen Billigbuden wie Aldi, Lidl oder Schlecker geschrieben habe, ist diese Kette bisher im Konsumpf ungeschoren davon gekommen – das geht natürlich nicht an, denn Netto gehört zu den besonders Schlimmen der Branche. Anlass dazu war ein Beitrag der NDR-Sendung Markt, in dem es um das besonders rücksichtslose Gebaren dieser Handelskette geht – „Hungerlöhne bei Netto“.

Kleine Bemerkung am Rande: So erfreulich es auch ist, dass das Treiben der Discounter von den Medien durchaus des öfteren kritisch hinterfragt wird, so traurig finde ich es, dass bei solchen Berichten meist sehr eindimensional ausschließlich auf die Arbeitssituation der dort in den Läden angestellten Mitarbeiter eingegangen wird. Dies ist natürlich auch sehr wichtig, aber in der Regel unterbleibt jeglicher Blick über den Tellerrand, also das, was das Billigsystem in der Gesellschaft und weltweit anrichtet (siehe dazu meine Grundsatzartikel „Lidl/Aldi – Profite auf Kosten der Allgemeinheit, oder: die Spirale abwärts“). Kurz gesagt fehlt auch bei durchaus investigativ gemeinten Sendungen der Blick auf das große Ganze, auf den Zusammenhang, also dass der Preis- und Kostendruck durch die Discounter eben auch zu Rationalisierungen, Einsparungen und Ausbeutung bei den Lieferanten, Zulieferern, Zwischenhändlern und Produzenten führt und sich somit in viele Teile der Wirtschaft hineingefressen hat. (An dieser Stelle mein Hinweis auf die löbliche Recherche von Günter Wallraff bei einer Billigbackfabrik, die für Lidl produziert – „Unser täglich Brötchen“.) Außerdem bedeutet die Discounterschwemme sinkende Standards bei den Produktionen auch im Ausland, absinkende Sozialstandards und Umweltverschmutzung. Anders formuliert – auch ein Mindestlohn in der Einzelhandelsbranche würde viele Auswüchse der Billigheimer mitnichten beheben.

Mit seinen “kleinen Preisen” (Eigen-Werbung) hat Netto 2009 etwa elf Milliarden Euro Umsatz erzielt – wohl auch auf dem Rücken der Beschäftigten. Nun häufen sich die Beschwerden.

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14 Kommentare »

  • Genau das nervt mich auch immer wieder an den Beiträgen. Es fehlt einfach der Gesamtzusammenhang für die Gesellschaft.

    Comment | 1. März 2011
  • Bluntman

    Eine Ausnahme waren die kik Berichte von Christoph Lütgert.

    Aber diese oberflächlichen Betrachtungen a la netto sollen wohl einfach nur kurz für Empörung sorgen und morgen gehen die Zuschauer dann wieder da oder bei lidl einkaufen.

    Comment | 1. März 2011
  • cent

    Es ist ja nicht nur bei den Lebensmitteldiscountern. Es ist ja in vielen Branchen und Wirtschaftsteilen so das ständig Druck gemacht wird, alles muss immer schneller, besser, effizienter und natürlich zu einem super “günstigen” preis sein.

    Comment | 1. März 2011
  • Kann mich dir und den vorherigen Kommentartoren nur anschließen, der Bericht beleuchtet die Thematik nur sehr einseitig. Auf der anderen Seite würde deine Dokumentation in Spielfilmlänge, welche das Thema im größeren Zusammenhang darstellt, nur irgendwann nachts um halb 12 gesendet werden könnte, wenn die meisten Berufstätigen schon im Bett liegen … wirklich schade eigentlich!

    Comment | 1. März 2011
  • Insider

    Hi Peter,
    habe ich schon mal vor einiger Zeit an anderer Stelle
    geschrieben (!) und den Link veröffentlicht.
    Bei Aldi,Lidl,Schlecker KIK und Co. angefangen.
    Man schenkt sich inzwischen nichts mehr.
    Billig und die Gier der Unternehmen auf Kosten der Angestellten -siehe >
    1000 Überstunden umsonst im Jahr bei Netto -ein Filialeiter packt aus:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,622053,00.html
    Die anderen Discounter haben das gleiche perfide (Monopoly-) Spiel vorgemacht!

    Leider kümmern sich weder die Verbraucher noch die Politik
    im richtigen Maße darum. Erst wenn das Kind im Brunnen liegt, ist das bedauernde “sich drum kümmern” Geschwafel groß. (Siehe auch Schleckerdiskussion über Leiharbeit und Auslagerung zu noch billigeren Löhnen der eigenen Mitarbeiter -bis zum derzeitigen Lebensmittel-Dioxin Skandal.)
    siehe dazu auch———->
    http://www.focus.de/finanzen/news/lebensmittel-kartellamt-vermisst-wettbewerb-im-lebensmittelhandel_aid_603857.html
    Wann wacht der deutsche Michel auf?

    Comment | 2. März 2011
  • EinseitigBerichtet

    Hi Peter,
    angesichts von Niedriglöhnen von unter 7 Euro in der Biobranche (z.B. Bio Company, Viv) finde ich, man müsste mal wirklich “objektiver” berichten. Nachdem was ich aus der Biobranche höre (ehemalige Personaler, Berater der Geschäftsführung etc.) ist die Biobranche keinen Deut besser! Sicher es gibt Ausnahmen: z.B. Alnatura, die schnell dazu gelernt haben. Aber welcher Bioladen zahlt Tariflöhne? Ich kennen einen Einzigen!

    Sorry Peter, aber die Arbeitsbedingungen bei den “Konventionellen” sind ein Witz gegen das, was in vielen Unternehmen der Biobranche passiert!

    Yoga machen (Falls du auch so einer bist) und Deinem demonstrativen Konsum frönen hilft da beileibe nicht!

    Comment | 3. März 2011
  • Es geht hier, wie ich in meinem Beitrag schon deutlich unterstrich, aber hier gerne noch mal betone, nicht nur um die schlechte Bezahlung von Mitarbeitern, sondern darum, dass das gesamte Discountersystem mit dem Billigbilligbillig und Preis- & Kostendruck letztlich die Gesellschaft untergräbt und zerstört. Dass anderswo auch Mitarbeiter ausgebeutet werden, steht außer Frage, aber bei den Discountern ist das eben Geschäftsgrundlage…
    Und – nee, Yoga mache ich nicht. ;-)

    Comment | 3. März 2011
  • Fanz

    Ich sage es ist nicht mehr hinnehmbar was hier passiert.Warum sieht das denn keiner?Es wird echt Zeit für Bürgerinitiativen.Wer macht mit?Denn schreiben und meckern kann jeder!Man muss etwas tun!

    Comment | 3. März 2011
  • Insider

    @ Fanz – Peter und andere
    es tut sich schon etwas-
    was dabei herauskommt bis zum Supergau bei den Discountern
    oder anderswo ist leider eine andere Frage!
    FDP Brüderle unser Oberwirtschaftsminister -hoffentlich nicht mehr lange – wollte noch vor Kurzem, dass der teure
    Benzin von den Discountern Lidl,Aldi und Co verkauft wird. Dass dieser natürlich billiger wird. Solche Politiker haben doch etwas gewaltig an der Waffel. Es wäre eher Gelegenheit gewsen,die deutsche Autoindustrie verantwortlich zu machen, innovatives Ingeniuer- Gehirnschmalz für neue Motoren und Antriebe verpasst und verschlafen zu haben. Dafür zu verwenden dass diese endlich mindestens die Hälfte Sprit von heute verbrauchen. Vom 3 Liter Auto sind wir deshalb noch weit entfernt. Die SUV von Mercedes,Audi oder BMW – inkl. den 300 Ps Protze (20-30 l Spritfresser)sind nicht umsonst ganz groß IN!
    Und gerade den Spritkonzernen unterstellt man auch Preisabsprachen -Herr Brüderle!
    Wie übrigens jetzt aktuell bei den Discountern!——–>
    Wäre kein Wunder – so werden u.a. Milliardäre gemacht.

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kartellamt-untersucht-aldi-co-die-legende-der-discounter-1.1061772

    Was wird bei der Kontrolle herauskommen, NICHTS. Léider.
    Dieses Discountersystem ist nicht nur bei der Ausbeutung von Mitarbeitern und Verbrauchern schlau. Es gibt davon wie bekannt noch einige andere Varianten.
    Billig und Geiz macht Arm.
    Wann hat dies endlich ein Ende???
    Change the Lidl/Aldi World!

    Comment | 24. April 2011
  • betroffener Mittelständler

    Hallo zusammen,
    ich habe die Kommentare sehr aufmerksam gelesen. Und irgendwie ist es beruhigend, daß nicht ALLE diesem Geiz ist geil erliegen, sondern sich doch einige Menschen in diesem Land Gedanken machen wie das mit den Billigpreisen möglich ist. Und nebenbei werden die Albrechts (ALDI) innerhalb weniger Jahrzehnte die reichsten Deutschen – laut Forbes momentan Süd bei 25,5 Milliarden = 25.000 Millionen US-$ und Nord nur 14,6 Milliarden US-$. Schaut Euch mal die Forbes-Liste an: unter den ersten 20 sind hauptsächlich Handelsketten-Besitzer. Und der ganze Reichtum auf Kosten der eigenen Mitarbeiter und insbesondere der Lieferanten, die ausgequetscht werden bis auf den letzten Cent – viele Insolvenzen hat die Branche Einzelhandel dem Mittelstand beschert und es wird weitergehen, da die Gier zu groß ist. Und die Politik kümmert sich einen Dreck – der Mittelstand schafft Arbeitsplätze, zahlt brav Steuern, hat aber keine Lobby. In der Lebensmittelzeitung (Fachzeitung des Einzelhandels) vom letzten Freitag konnte ich lesen, daß ALDI sich nun um die Logistik kümmert, weil sie denken, daß noch Geld auf der Straße liegt. Im Klartext: jetzt kommen die Spediteure dran, da könnte doch noch einer trotz Maut und gewaltiger Benzinpreiserhöhungen eventuell einen Cent Gewinn machen, den ALDI abgreifen möchte. Funktioniert dies, fällt denen schon wieder was Neues ein.
    Wie wäre es mit fairen Preisen für in Deutschland zu fairen Löhnen hergestellten Produkten?

    Comment | 22. November 2011
  • Ralf

    Ich war als billig Aushilfe für ca.8 Monaten bei Netto tätig. Am Schaufenster hing ein Aushang:suchen Aushilfe auf 327€ basis die genauere Summe habe ich leider nicht mehr im Kopf. Ausgezahlt bekam ich für meine ca.2 Stunden pro Tag Arbeit 297€ im Monat.Ich habe mit einem Team aus Plus Mitarbeiter gearbeitet.Dann hat der Filialleiter zu Aldi gewechselt,danach bekamen wir eine 30Jährige neue Leiterin die alle Aushilfen mich mit inbegriffen ohne plausibelen Grund gekündigt hat .Die Plusmitarbeiter wurden herum vermietet an anderen Netto-Filiallen wenn einer krank war oder auch Urlaub hatte.Sie konnten es sich nicht aussuchen.Sie versuchte dadurch ein gutes Image über sich zu schaffen.Und weil Sie Regionalleiterin werden wollte,mußten manch anderer daran glauben.

    Comment | 16. August 2012
  • Florence Siwak

    Hallo
    Gut, dass sich so mancher Gedanken macht.
    Aber: wenn ich jetzt teuer bei Reichelt oder in einem anderen Supermarkt kaufe, kann ich da sicher sein, dass
    1. das Personal
    2. die Lieferanten
    3. die Hersteller (auch oder gerade im Ausland)
    fair bezahlt werden?
    Stecken da die Spitzen nicht eher noch mehr ein?

    Florence

    Comment | 15. November 2012
  • Wenn Du bedenkst, dass die Discounter-Besitzer (Albrecht, Schwarz…) zu den reichsten Deutschen gehören, ist schon klar, wie “billig” Discounter wirklich sind bzw. wer davon vor allem profitiert… Natürlich weiß man auch im “normalen” Supermarkt nie genau, wer da wie ausgebeutet wird, aber die Discounter sind nun mal die treibende Kraft beim Preisdrücken, welches automatisch dazu führt, dass Mensch & Umwelt darunter leiden.

    Comment | 15. November 2012
  • Paul

    Ich hab in Berlin, in Kreuzberg am Imbis schon folgendes Angebot gesehen: 1/2 Hähnchen für 99 Cent. ;o))) Mhmmm, lecker! Mir ist nicht ganz klar, wie daran noch was verdient werden kann.

    Comment | 14. März 2014

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