Aug
30
2010

Die Schädlichkeit der Discounter am Beispiel des Wassers (II)

Dass das Trinken von Wasser aus Plastikflaschen ein großer Unfug ist, hatte ich ja neulich schon berichtet (HIER). Wie immer, wenn es darum geht, ein umwelt- und sozialschädliches Verhalten zu propagieren, sind die Discounter natürlich ganz vorne mit dabei. Vor einer Weile waren die negativen Auswirkungen des Einwegpfands ja schon Thema in der NDR-Sendung markt (siehe „Umweltbeslastung durch Discounter-Einweg“), und nun befasste sich das Wirtschaftsmagazin Plusminus ganz speziell mit der Problematik, wie die Marktmacht der Billigläden wieder einmal eine ganze Branche in den Abgrund reißt – „Preiskampf Mineralwasser  – Discounter verdrängen Brunnenbetriebe und Mehrwegflaschen“. In diesem Beitrag wird auch sehr schön das Märchen von den vielen Arbeitsplätzen, die die Discounter angeblich schaffen, widerlegt, denn wie in dem Film bei den kleineren und mittleren Brunnenbetrieben zerstören Aldi, Lidl & Co. in ihrem Umfeld, also bei ihren Zulieferern, massiv das Arbeitsplatzgefüge. Von der Ausrottung einer (regionalen) Angebots-Vielfalt mal ganz zu schweigen.

Die Deutschen sind Weltmeister in Sachen Umweltschutz. Beim Mineralwasser aber scheitern viele, weil beim Pfand keiner mehr durchblickt. Mehrweg oder Einweg? Die Flaschen sehen gleich aus, auf beides zahlen wir Pfand. Nur wer ganz genau hinschaut, erkennt die Flasche mit diesem Zeichen als Einweg. Und nur wo Mehrweg draufsteht, werden die Flaschen wieder verwendet. Ein Pfand-Wirrwarr im Kleingedruckten, das die Discounter geschickt ausnutzen. (…)

(…) Wasser in Einwegflaschen: Das Geschäft mit den Discountern machen Großabfüller wie hier im hessischen Breuna. Kosten für Arbeitsplätze, Logistik und Abfüllanlage haben sie auf ein Minimum reduziert. Wie die Kampfpreise beim Wasser genau zustande kommen, wollen sie Plusminus nicht erzählen. Mittlerweile beliefern fünf Großabfüller fast den gesamten Discountmarkt in Deutschland. (…)

(…) Umwelt hin oder her, auch beim Wasser regiert der Preis. Und da haben die Discounter mit 19 Cent für 1,5 Liter die Kunden längst an der Angel. Billig, praktisch, lecker: Der Verbraucher hat den Umweltgedanken beim Wasser schon längst verloren. Der Preiskampf um das Mineralwasser ist ein Lehrstück über die Marktmacht der Discounter und das Scheitern der Politik in Sachen Umweltschutz.

Offenbar sind viele Leute offenbar so kurzsichtig, nicht zu erkennen, dass Wasser aus dem Wasserhahn (selbst wenn man es filtert) noch viel günstiger (und viel wenige rumweltschädlich) ist als das Discountergesöff…

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14 Kommentare »

  • Idealistin

    Beim angeblichen Sparen hört das Gehirn auf zu arbeiten….
    Niemand versteht, dass er indirekt alle fehlenden Arbeitsplätze bezahlt, die der Discounter in seinen unterbesetzten (im Jahr ein- bis zweistelligen Millionenumsätzen) einspart. Läden, Servicewüsten mit 1200m² Verkaufsfläche und wenn eine Schicht „gut“ besetzt ist, mit einem Filialleiter und zwei Verkäuferinnen/Kassiererinnen, die den ganzen Arbeitsaufwand bewältigen müssen, vom Toiletten putzen angefangen – bis zur Büroarbeit. In einem „normalen“ Supermarkt stehen schon mehr Verkäuferinnen hinter der Wursttheke, die nur einen winzigen Bruchteil des Umsatzes eines Discounters erreicht. Hier, ein heimischer Verbrauchermarkt seit 40 Jahren in privater Führung mit über 100 Mitarbeitern, viele langjährig dabei, die dort bis zur Rente arbeiten können, in Vollzeit oder auf Wunsch auch als Teilzeitkraft beschäftigt. Aber nicht erzwungene Teilzeit-wie bei Aldi/ Lidl und Co. – den VOLLZEIT-ARBEITSPLATZVERNICHTERN! Das Discountsystem profiliert sich nur über Teilzeit und geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse – Ausnahme n gelten nur für Führungskräfte, sowie Auszubildende, die aber nach der Prüfung sofort abgestuft- oder entlassen werden.
    Im heimischen Verbrauchermarkt wird auch Tarif bezahlt, sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Wasser bekommt man da in Mehrwegflaschen und aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit leider auch in Einwegflaschen. Allerdings beobachtet man auch dort, das das Verhältnis Einweg : Mehrweg gleichermaßen verlagert wird. Einerseits ist es der günstigere Preis, andererseits die leichten Kunststoff-Flaschen ohne Kiste. Aber insgesamt treten im gesamten Getränkebereich des Verbrauchermarktes Umsatzeinbußen auf, weil alles zum Discounter rennt (obwohl man ebenfalls Wasser für 19 Cent anbietet). Daher wird auch in einem Markt dieser Größenordnung, der Verdrängungswettbewerb der Discounter zum Verhängnis der Angestellten, die, wenn es hart auf hart kommt, mit Stundeneinbußen bis hin zum Arbeitsplatzverlust rechnen müssen. Diese Arbeitsplätze sind dann für immer weg- Discounter kompensieren die zusätzlichen Umsätze dank der ausbeuterischen Effizienz der gestellten Arbeitsanordnungen an die Angestellten und erzeugen so Arbeitslosigkeit. Zahlen wird das der Verbraucher, der ja – so wie er meint beim Discounter spart- aber nicht begreift, dass er an anderer Stelle wieder draufzahlt- nämlich an Vater Staat und in Form von Kassenbeiträgen- zum Unterhalt der eingesparten Arbeitsplätze.Discountbillige Waren, die nur deshalb so billig sein können, weil an Personal gespart wird, weil die Hütten so billig gebaut werden, weil Service ein Fremdwort ist und weil es dank dem Massenansturm die Massenabverkäufe soviel Gewinn bringen, dass man damit zum Supermilliardär wird-auf Kosten der Beschäftigten, die nach der Schicht vollkommen ausgelaugt sind. Billig geht immer nur unter billigen und ausbeuterischen Methoden- die nicht zu billigen sind.

    Übrigens, Wasser aus der Leitung ist tatsächlich am günstigsten und man braucht nichts zu schleppen :-) Zudem ist es das am meisten überwachte Lebensmittel und das in oftmals besserer mikrobiologischer Qualität, als die im Handel angebotenen Mineralwassersorten. Außerdem ist es mittlerweile unbestreitbar bewiesen, dass Kunsstoff-Flaschen schädliche Stoffe ans Wasser abgeben- also auf Dauer gesundheitsschädigend wirken können. Das gilt übrigens auch für andere Lebensmittel…..

    Comment | 30. August 2010
  • Danke für den Kommentar, Idealistin – ich hätte das nicht treffender zusammenfassen können. :-)

    Comment | 30. August 2010
  • [...] Die Schädlichkeit der Discounter am Beispiel des Wassers (II) [...]

    Pingback | 30. August 2010
  • Idealistin

    Danke Peter,

    sitze gerade in der VHS in Sachen Homepage:-)

    Comment | 30. August 2010
  • Martin W.

    Danke Idealistin für diesen wunderbaren Kommentar, der sagt alles.

    In meinem Supermarkt gibt es nur noch eine(!) Sorte Wasser in Glasflaschen. Der Rest ist PET oder eben Einweg. Wasser aus unserer Leitung ist nicht geeignet (so die Aussage vom Wasserwerk), weil es gefiltert wird und so Nährstoffe auf der Strecke bleiben.

    Comment | 1. September 2010
  • Hm, das mit dem Filtern ist ja merkwürdig, denn das sog. “Tafelwasser” (Bonaqua etc.), das in Flaschen verkauft wird, ist ja auch nur gefiltertes Leitungswasser. Da man sich ja nicht nur von Wasser ernährt, dürfte man die Nährstoffe doch ohnehin auch auf anderem Wege bekommen…?

    Comment | 1. September 2010
  • Martin W.

    @Peter: Sicher richtig. Da ich aber offen gestanden zu faul bin, mir das hiesige Wasser in allen Werten genauer anzugucken, greife ich auf das Wasser in Glasflaschen zurück. Hier kosten 0,7 ltr. auch nur 0,19 Euro. Damit, so hoffe ich einfach mal, decke ich einen Gutteil des täglichen Bedarfs ab.

    Comment | 1. September 2010
  • Idealistin

    Hallo Martin W.,

    der Trend ist wirklich traurig. Ich habe auch das Problem 0,5 l Flaschen als Mehrwegflasche zu kaufen. Außer Vilsa gibtes hier keinen anderen Anbieter (außer Coca cola aber das iat Limonade und die wollen wir nicht). So haben meine Töchter und ich abgespochen, dass wir wieder zur guten alten Methode übergehen, selbstgekochten Tee, Fruchtsäfte,ect. in Flaschen die man in der Haushaltwarenabteilung kaufen kann abzufüllen. SIG,mit bis zu 25€ nicht billig in der Anschaffung, aber dafür auch für kohlesäurehaltige Getränke geeignet.Im Nachhinein auch billiger als kleine Flaschen zu kaufen und ökologisch höchstwahrscheinlich eine der besten Vorgehensweisen,umweltgerecht zu konsumieren…..
    Im kleinen fängt es an…

    Übrigens ist Leitungswasser hier in Deutschland eigentlich immer eine gute Alternative. Filterungsanlagen machen da Sinn, wo es besonder kalkhaltig ist, wie z.B in BaWü. Die Mineralstoffe, wie sie in Mineralwässern enthalten sind, kann man auch anders zu sich nehmen.

    In der heutigen Vielfalt des Nahrungsangebotes, muss man sich tatsächlich gut informieren, wenn man sich ausgewogen ernähren möchte. Eigentlich ganz schön verrückt, dass man übervolle Supermärkte hat und faktisch, wenn man sich schlecht ernährt, krank essen
    -auch Hungern- kann.

    Viele Grüße
    Idealistin

    Comment | 2. September 2010
  • xy

    Bei euren Überlegungen zu den “bösen” Discountern und “normalen” Supermärkten solltet ihr eventuell mal mit einbeziehen das vielleicht nicht für jeden super duper Bioprodukte und “normale” Supermärkte erschwinglich sind!

    Comment | 4. September 2010
  • Jaja, das ist der übliche Einwand – die Discounter-Kritik richtet sich natürlich vor allem an diejenigen (und das ist die Mehrheit der Discount-Kunden!), die sich sehr wohl anderes leisten könnten, aber in ihrer “Geiz ist geil”-Mentalität denken, dass es bei Konsum vor allem darum geht, kurzfristig seinen eigenen Geldbeutel zu schonen. Koste es die Gesellschaft, die Umwelt und zukünftige Generationen, was es wolle. Dass es auch nicht wenige Menschen gibt, die von so wenig Geld leben müssen, dass sie nicht darum herum kommen, Discount-Produkte zu kaufen, ist klar und auch ein Skandal. Die Discounter sind mit ihrem Preis- und Kostendruck auf den Einzelhandel und die Zulieferer und auch Anbeubetriebe aber nicht unschuldig daran, dass das Lohnniveau unter Druck gerät, das muss man auch sehen.

    Gerade beim Wasser in Flaschen zieht das Argument mit dem “nicht erschwinglich” aber nun eben gar nicht, weil Leitungswasser viel günstiger (und meist nicht schlechter) ist als z.B. das Billigwasser von Aldi, Lidl & Co.

    Comment | 4. September 2010
  • xy

    Es ist durchaus sinnvoll nicht sein ganzes Geld auszugeben und eine gewisse Sparquote zu haben.
    Das mit dem Wasser mag zwar stimmen aber ich denke es gibt einige Menschen die ihr Wasser lieber sprudelnd trinken. Ja ich weiß man kann es auch zu Hause mit CO2 versetzten aber das finde ich persönlich zu aufwendig und ist auch garantiert umweltschädlicher.
    Zudem ist es das Prinzip der Marktwirtschaft das die Unternehmen versuchen müssen günstig zu sein, damit die Leute ihre Produkte kaufen. Unser jetztiger Lebensstandard den wir genießen basiert auf diesem System. Jetzt kommen wieder die üblichen Einwände Unternehmen und Wirstschaft sind doof und blabla

    Comment | 4. September 2010
  • “Jetzt kommen wieder die üblichen Einwände Unternehmen und Wirstschaft sind doof und blabla”

    Solche Einwände in der Form (“doof”) gibt es vielleicht im Kindergarten, aber nicht hier. ;-)

    “Es ist durchaus sinnvoll nicht sein ganzes Geld auszugeben und eine gewisse Sparquote zu haben.”

    Das mag schon so sein, hat aber mit dem Discountereinkauf nicht zwingend was zu tun – denn oft genug wird zwar beim Discounter geknausert (und damit die Spirale abwärts weiter angefacht, unter der die Discountkunden selbst ebenfalls zu leiden haben), dafür aber das Geld nicht gespart, sondern dann anderweitig für irgendeinen Plunder aus dem Fenster geworfen. Mal abgesehen davon, dass man es sich gut überlegen sollte, welche Geschäftspolitik man mit seinem Geld so unterstützen will. Du kannst Dir ja selbst hier im Blog bzw. auch vielen Kommentaren zu diversen Postings ein Bild von der Vorgehensweise der Discounter machen.

    Comment | 4. September 2010
  • xy

    Doch wenn ich beim Discounter einkaufe spar ich Geld hat also zwingend etwas damit zu tun. Wofür das andere eingesparte Geld verwendet wird ist natürlich auch eine Frage. Aber vielleicht leben die Menschen dadurch glücklicher, das sie sich “Plunder” kaufen anstatt das sie glücklich mit einer Tomate sind, die sie für 20cent mehr erworben haben.

    Comment | 4. September 2010
  • Wer kurzsichtig/-fristig und egoistisch denkt, könnte vielleicht zu solchen Schlussfolgerungen kommen, ja (und sich von oftmals minderwertigen Lebensmitteln ernähren). Wenn man etwas Ahnung davon hat, was das Discountersystem so alles bewirkt (und eben letztlich auch jeden einzelnen negativ betrifft), der könnte sein Handeln eventuell ein wenig überdenken und über den eigenen Tellerrand hinaus blicken…

    Comment | 4. September 2010

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