Jul
08
2011

Schönfärberei konkret bei Discountern

Wunderbar, da hat die CI Romero ja mal wieder eine schöne Kampagne zum leidigen Thema Discounter vorbeitet. Denn natürlich sind die Billigheimer mit ihren Billigangeboten nach wie vor, allen Charmeoffensiven im Fernsehen und ein paar Cent fuffzich mehr für die Angestellten, immer noch nur daran interessiert, möglichst viel möglichst billig ein- und weiterzuverkaufen. Nun hat CIR zusammen mit der Kampagne für Saubere Kleidung eine Mitmach-Aktion vorbereitet, die darauf abzielt, die verdummende Reklame der Discounter aktiv mit eigenen Texten zu demaskieren und zu verfremden – sowas kann ich natürlich voll und ganz unterstützen!

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Adbust der Kampagne für Saubere Kleidung: Schönfärberei konkret bei Discountern

Liebe AktivistInnen und UnterstützerInnen,

für nur 30 Euro kannst Du dich komplett bei KiK einkleiden. Verona Pooth bürgt bei KiK mit ihrem Namen für billige Qualität. Bei Aldi zahlst du nur 9,99 Euro für eine Jeans. Der Discounter-Pionier verspricht vollmundig: „Qualität ganz oben – Preis ganz unten.“ Und wenn es heißt „Lidl lohnt sich“, fragen wir uns doch nicht lange, für wen, wenn uns ein Pullover zum Preis von 5.99 Euro förmlich in den Einkaufskorb springt – oder? In Kampagnen werben die Discounter nicht nur mit Tiefstpreisen, sondern unterstreichen auch ihr grünes und soziales Image. Das Schönfärben der Unternehmen leitet KonsumentInnen in die Irre. Bei den Werbekampagnen geht es nicht um Information oder Kommunikation mit uns KonsumentInnen. Denn die Message geht nur in eine Richtung: In Deine. Du sollst haben wollen, was Aldi, Lidl und KiK verkaufen. Deine Bedürfnisse werden geweckt. Die sozialen und ökologischen Folgen der Billigprodukte werden verdrängt und totgeschwiegen. Für unsere Billigpreise zahlen die Näherinnen in den Produktionsländern und die Verkäuferinnen in den Filialen hier um die Ecke. Dass dies die Vorstände in den Konzernzentralen nicht interessiert, zeigt der Film Schön!Färber! von Peter Wedel, der mit der Unterstützung der Kampagne für Saubere Kleidung entstanden ist.

Adbust!

Deine Antwort heißt Adbust. Du bist die Zielgruppe der Werbeindustrie und jetzt hast Du die Möglichkeit kreativ die Werbung zu verfremden. Zeig es den Discountern! Es geht aber nicht darum Fernseher zu zerschlagen, Werbetafeln zu sprengen oder Zeitungskioske abzufackeln. Adbusters schlagen die Werbung mit ihren eigenen Mitteln. Entlarve die Werbung als das, was sie ist. Mit dem online-tool Schönfärben-jetzt kannst du kreative Adbusts zu Aldi, Lidl und KiK entwickeln und diese dann möglichst breit on- und offline streuen!

Hier geht’s zur Aktion: www.schönfärben-jetzt.de

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7 Kommentare »

  • Dirk

    Finde diese Sichtweise zu eindimensional. Die Läden preisen “Geiz ist geil” und du preist hier “Billig ist böse”. Das ist nur die andere Seite die Medaille und bringt auch unzulässige Vereinfachungen mit sich.

    Glaubt irgendjemand hier, bei H&M oder Peek&Cloppenburg oder wie sie alle heißen, geht mehr Geld an die Näherinnen in Bangladesch? Oder gar bei den noch hochpreisigeren läden wie Jack Wolskin gibt es ja immer wieder Reportage, die gegenteiliges aufdecken.

    Nein, gut und günstig muss sich nicht ausschließen. Und genauso bedeutet teuer nicht gut. Ich halte das Disountprinzip für hervorragend, denn ich z.B. brauche keine NoName-Produkte. Ob mein Joghurt von Danone oder XYZ kommt, ist mir egal -> Der Geschmack zählt. Wichtig ist, dass bei den Discountern wichtige Rahmenbedingungen erfüllt werden. Und DAS werden sie leider momentan noch nicht, z.B. die Querstellung der Unternehmensführung gegen Betriebsräte. Aber warum es keinen Discounter geben soll, der sozial fair und trotzdem günstig ist, erschließt sich mir nicht. Ohne Werbung machen zu wollen, aber dm scheint mir da z.B. ein positives Beispiel zu sein, welches auf ganz praktisch aufzeigt, dass es sich eben nicht aufschließt. Anstatt generall auf Discounter einzuschlagen, sollten lieber differenziert die Missstände in den jeweiligen Unternehemne aufgezeigt werden.

    Comment | 8. Juli 2011
  • “Und DAS werden sie leider momentan noch nicht, z.B. die Querstellung der Unternehmensführung gegen Betriebsräte. Aber warum es keinen Discounter geben soll, der sozial fair und trotzdem günstig ist, erschließt sich mir nicht.”

    Ich denke, da hast Du das Discountprinzip nicht ganz zu Ende gedacht – es geht keineswegs nur um die (leider) in den Medien vorrangig betrachteten Missstände bei den sozialen + Arbeitsbedingungen hier vor Ort, sondern eben um das generelle Prinzip der Spirale abwärts, wenn man die Preise drückt. Das betrifft auch nicht nur die Produktionsbetriebe in den armen Ländern, sondern auch Zwischenhändler usw. usf. Ein sozial und ökologisch fairer Discounter wäre halt nicht mehr so billig wie bisher, und würde auch nicht den Massenkonsum anstacheln… und wäre damit kein Discounter. dm sehe ich nicht als solchen, da er sich wie ein “normaler” Einzelhändler aufführt und nicht an allem spart.
    http://konsumpf.de/?p=2766

    P.S.: Täusche ich mich eigentlich und meldest Du Dich hier nur in den Kommentaren zu Wort, wenn es was zu meckern gibt? ;-)

    Comment | 8. Juli 2011
  • Dirk

    Ok, ich denke das ist jetzt eine Definitionssache, was ein Discounter ist. Für mich ist ein Discounter ein Unternehmen, welches einen großen Bestandteil von NoName-Artikeln hat und preisgünstig ist. Wie halt eben dm als Beispiel von mir angeführt würde das nicht unbedingt heißen “billig um jeden Preis”. Und zu den von mir oben genannten Grenzen gehören für mich auch soziale Standards und Umweltschutz in den Produktionsländern, die es auch für Discounter zu beachten gilt.
    Prinzipiell ist aber finde ich auch nichts gegen Preise drücken zu sagen, so lange man seine Marktmacht nicht ausnutzt. Darüber muss das Kartellamt wachen. Denn Mengeneffekte zu nutzen finde ich nicht böse. Warum soll man bei einem kleinen Tante-Emma-Laden kaufen, der die selben Produkte wie Lidl führt und nur teurer ist, weil er eben weniger und damit teurer abkaufen muss. Das zusätzliche Geld beim Produzenten fließt nämlich auch meistens nicht an die Arbeiter, sondern in die Taschen irgendwelcher Bonzen.
    Insofern: Mengenabnahmen ja, Marktmacht ausnutzen nein. Günstig sein ja, günstig um jeden Preis sein nein.

    PS: Da hast du uneingeschränkt Recht :D Bei Artikeln, welchen ich zustimme macht es ja keinen Sinn zu kommentieren “Ja, du hast Recht”. Da ich trotzdem alles lese kannst du also stillschweigend davon ausgehen, dass ich dem Rest zustimmen :)

    Comment | 8. Juli 2011
  • Wolltür Sockenfledermaus

    Dass es durchaus auch anders geht, zeigt die dm-Kette.

    Comment | 8. Juli 2011
  • “Für mich ist ein Discounter ein Unternehmen, welches einen großen Bestandteil von NoName-Artikeln hat und preisgünstig ist.”

    Das trifft dann aber auf dm sicher nicht zu, da ist das meiste doch von bekannten Markenherstellern. (Was es deshalb auch nicht besser macht, dort Produkte von zweifelhaften Herstellern zu kaufen als anderswo.)

    “Prinzipiell ist aber finde ich auch nichts gegen Preise drücken zu sagen, so lange man seine Marktmacht nicht ausnutzt. Darüber muss das Kartellamt wachen. Denn Mengeneffekte zu nutzen finde ich nicht böse. Warum soll man bei einem kleinen Tante-Emma-Laden kaufen, der die selben Produkte wie Lidl führt und nur teurer ist, weil er eben weniger und damit teurer abkaufen muss.”

    Es ist aber halt auch ein Märchen (eins, das Aldi & Co. gerne verbreiten), dass die niedrigen Preise nur auf die reine Menge zurückzuführen wären, also quasi eine Art normaler Mengenrabatt wären. Das trifft sicher auch ein wenig zu, aber gerade die großen Discountketten nutzen ihre Marktmacht natürlich aus (wie jeder große Konzern) und drücken zudem noch in vielen weiteren Bereichen den Preis, sprich, sie diktieren die Preise, weil sie sonst eben zu einem anderen Produzenten wechseln. Die Folgen haben dann all diejenigen zu tragen, die in anderen Zulieferbetrieben arbeiten und wo der Druck, den die Discounter ausüben, an sie weitergereicht wird. Generell setzt der Preiskampf ja auch andere Einzelhandelsketten unter Zugzwang, die dann ebenfalls mit der Preisdrückerei anfangen, so dass Produkt- und Lebensmittel-Qualität und die Entlohnung der Arbeiter immer weiter in den Keller gehen. Eben die Spirale abwärts, von der ich ja auch in unten verlinktem Artikel schrieb. Dass Lidl, Aldi, Netto usw. ihre vermeintlich günstigen Preise auch durch die sattsam bekannten Daumenschrauben im sozialen Bereich erreichen, dass die “billigen Preise” dazu führen, dass Leute unnötig mehr konsumieren, viel mehr wegwerfen (“ist ja so günstig!”), dass Rohstoffe vergeudet und Umwelt vergiftet wird (je niedriger die Umweltauflagen desto niedriger der Preis), dass Arbeitsplätze vernichtet werden, sind weitere Kritikpunkte an dem Billigwahn. Aber ich will jetzt hier nicht den ganzen Artikel resümieren. ;-) Es gibt von meiner Seite her also nichts wirklich Positives zu den Discountern zu sagen.

    Dass auch Markenhersteller Dreck am Stecken haben und ihre schäbige Produktion nur mit Reklame & Marketing zu einem “Event” aufblasen, steht auf einem anderen Blatt und ist auch absolut verwerflich.

    Comment | 8. Juli 2011
  • Besucher01

    Es gab mal Zeiten da musste man für eine Jeans und ein paar Schuhe ein halbes Jahr arbeiten. Da kannte man noch so ungefähr den Wert eines solchen Produktes.

    Heutzutage fallen selbst soziale Angelegenheiten Discountern zum Opfer. Facebook könnte man als äquivalent dazu sehen.

    Comment | 9. Juli 2011
  • Hannelore Garnier

    Nachdem der Preisvergleich in der ARD “Lidl Check” bei den getesteten Dicountern fast gleich war und nur bei REWE die gleiche Ware (ein ganzer Korb im Wert. von 50,– Euro) nur 1,70 Euro teurer war, werde ich wegen diesem Betrag nicht die Ausbeutung der Ärmsten unterstützen.
    Ich habe dort noch nie eingekauft und würde dies auch nie tun.

    Comment | 10. Januar 2012

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