Feb
06
2009

Lidl/Aldi/Discounter – Profite auf Kosten der Allgemeinheit, oder: Die Spirale abwärts. Teil 1/2

lidlattacWer diesen Blog (und auch meinen musikbezogenen Coast Is Clear) seit einer Weile verfolgt, wird wissen, dass der Kampf gegen die Discounterschwemme und den Billigwahn von Anfang an ein wichtiges Thema für mich war. Schon seit längerem wollte ich an dieser Stelle eine ausführlichere Analyse der fatalen Folgen dieses Geschäftsmodells für Umwelt, Menschen und Gesellschaft schreiben – seit einigen Tagen ist ja auch in den Mainstreammedien das Interesse an Aldi, Lidl & Co. neu aufgeflammt. Ausgelöst nicht zuletzt durch den TatortKassensturz“ am letzten Sonntag, in dem es um die schlimmen Arbeitsbedingungen beim fiktiven Discounter „billy“ ging, und die anschließende Diskussionsrunde bei Anne Will mit dem Thema „Harte Bandagen beim Discounter” und Schilderungen von Betroffenen, die unter den Schikanen bei Lidl etc. zu leiden hatten und haben.

Dies nehme ich nun mal zum Anlass, genauer darzulegen, wieso Discounter ein Verarmungsmodell für uns alle (abgesehen von den Discountmilliardären selbst) und grundsätzlich nicht zu akzeptieren sind. So mancher Kritikpunkt an den Billigheimern ist natürlich schon länger bekannt, nur werden entsprechende Diskussionen meines Erachtens oft zu verengt geführt, d.h. sie berücksichtigen in der Regel nur einzelne Aspekte des leider sehr vielschichtigen und auch mit anderen Entwicklungen in der Wirtschaft & Gesellschaft verzahnten Problemfeldes. In meiner Buchrezension von Franz Kotteders Buch „Die Billig-Lüge. Die Tricks und Machenschaften der Discounter“ hatte ich vor einer Weile einige der Angriffspunkte ja bereits angerissen und dort auch erwähnt, dass die Mehrzahl der Discount-Kunden keineswegs zu den Einkommensschichten gehören, die quasi gezwungen sind, zu sparen, wo es nur geht, sondern es sich sehr wohl leisten könnte, andere Geschäfte zu besuchen.

Also, was ist so schlimm an der Aldisierung der Welt? Geld zu sparen und Lebensmittel und sonstige Waren für niedrigere Preise als im „normalen“ Einzelhandel zu kaufen, ist doch eigentlich eine tolle Sache? Ist Geiz nicht geil? Und tauchen Discounter-Produkte nicht bei Waren- und Geschmackstests immer mal wieder auf erstaunlich oberen Plätzen auf, trotz ihres billigen Preises? Wieso also mehr zahlen für eine (vermeintlich) mehr oder weniger vergleichbare Leistung?

Diese Fragen und Entgegnungen sind wohl die häufigsten, die man in entsprechenden Diskussionen zu hören bekommt. Es sind Äußerungen, die ausschließlich die (vermutete) kurzfristige Eigennutzenmaximierung ins Zentrum der Argumentation stellen und die demnach dem in unserem neoliberalen Wirtschaftssystem weithin propagierten Credo des schnellen Profits, der Quartalszahlenfixierung, kurz, dem „Nach mir die Sintflut / Hauptsache, mir geht’s gut“ perfekt entsprechen. Doch wie meistens bei extrem kurzsichtigen Betrachtungsweisen komplexer Abläufe werden die Mittel- bis Spätfolgen, die nicht nur zukünftige Generationen, sondern auch schon die Geizkäufer und Knauser selbst betreffen dürften, sowie die oft skandalösen Bedingungen, unter denen die Billigware aus dem Boden gestampft und vertrieben wird, von solchen Leuten komplett übersehen und unter den Teppich gekehrt.

Beginnen wir mit dem Punkt, den auch der Tatort und Anne Will besonders hervorhoben – den miesen Arbeitsbedingungen bei den Discountern selbst. Jedem, der sein Gehirn mal kurz einschaltet, sollte klar sein, dass die Discounter ihre billigen Preise primär auf Grund extremer Einsparungen erreichen können (und nicht etwa wegen großer Abnahmemengen oder spartanischer Architektur). Und da Mitarbeiter einen wesentlichen „Kostenfaktor“ für jede Bilanz darstellen, wird hier „natürlich“ (der Logik des Marktes folgend) als erstes gespart. Dies wirkt sich derart aus, dass in Discountläden weniger Menschen arbeiten als sonst im Einzelhandel üblich (=> höhere Belastung für den Einzelnen sowie generell steigende Arbeitslosigkeit im Sektor) und diese zudem noch schlechter bezahlt werden und generell unterhalb der üblichen Sozialstandards, wie man sie in reichen Ländern erwarten dürfte, schuften müssen.

aldi_250Beispielsweise verfügen gerade einmal 7 der ca. 3000 Lidl-Filialen in Deutschland über einen Betriebsrat, und auch die anderen Ketten wie Aldi und Schlecker unternehmen alles, um Betriebsräte zu verhindern und diejenigen, die sich gewerkschaftlich engagieren, psychisch unter Druck zu setzen und gar aus der Firma zu mobben (u.a. nachzulesen bei Kotteder). Der als-ob-leben-Blog präsentierte vor einigen Tagen eine kleine Auswahl aus tausenden von Beiträgen, die Betroffene im Discount-, aber auch dem sonstigen Handelsbereich nach der Anne Will-Sendung in den dortigen Blog schrieben und die einen erschreckenden Einblick in die Arbeitssituation heutzutage geben:

Hier mal einen kleinen Einblick in den Arbeitstag von mir und meinen Kollegen im Discounter.2 Frauen haben freiwillig gekündigt, weil sie den Druck nicht mehr aushalten konnten, ein Kollege hat sich runterstufen lassen vom Filialleiter zum stellv. Filialleiter (weniger Stunden) und ein Kollege ist so nervlich kaputt, dass er jetzt beim Arzt war und am Montag zum Nervenarzt überwiesen wurde, ganz zu schweigen von den Kolleginnen, die sich einen neuen Job gesucht haben – und das alles in eineinhalb Jahren.

Oder:

Folgendes hat sich bei mir zugetragen.
Eine Angestellte im 7 Berufsjahr wurde zu teuer.
Ich bekam vom Bezirksleiter die Anweisung “die muss weg ist zu teuer“
Ich habe nichts unternommen (Diebstahl unterschieben u.a)
Dann wurde ich aus meinem Urlaub zu Feierabend in die Filiale bestellt.
Der Bezirksleiter setzte mich und die Angestellte in den Aufenthaltsraum.
Der BZ-Leiter plusterte sich in seiner Manneskraft auf und warf der Angestellten Diebstahl vor. Sie stritt ab. Er wurde lauter und drohte!! Der BZ-Leiter erhöhte die Drohungen bis die Angestellte endlich nach gab und unter Tränen ihre Eigenkündigung schrieb.
Dann gingen alle nach Hause. Ich wusste nicht wie mir geschah.
Die Angestellte ging vor Gericht.
Ich musste aussagen.
Vor meiner Aussage wurde mir nahe gelegt, dass ich Alleinverdiener bin 3 Kinder und gebaut habe. Ich würde doch wissen, wer mein Arbeitgeber ist.
Ich der Zwangslage und unter Angst meine Existenz zu verlieren habe ich doch die Wahrheit gesagt.
Danach wurde ich so lange gemobbt bis ich selbst gekündigt habe.
Ein ex Aldi Marktleiter

aldi-chefs_250Ähnliche Schilderungen finden sich schon seit längerem auch auf der Seite Chefduzen – es lohnt sich, den dortigen Beitrag bzw. den Thread „Ob Lidl, Schlecker oder Aldi“, durchzulesen (hier als pdf, falls nicht mehr online). Er beginnt mit dem Zitat des Artikels „Fiese Arbeit – Alle unter Kontrolle“ aus der ZEIT vom 17.11.2005:

Ob Lidl, Schlecker oder Aldi – bei den Discountern regieren die Patriarchen. Und die Mitarbeiter dürfen nur eines: Funktionieren

(…) In einigen Filialen von Lidl kontrolliert bereits der Kassencomputer die Kassiererinnen. Pro Minute müssen sie mindestens 40 Artikel über den Scanner ziehen; Neulinge haben vier Monate Zeit, um die hohe Schlagzahl zu erreichen. Erzeugt wird eine Atmosphäre der Angst: Eine Verkäuferin aus Bremen berichtet, aus Furcht vor Kündigung mit hohem Fieber so lange im Laden gestanden zu haben, bis sie zusammenbrach. Lidl will sich zu einzelnen Vorwürfen nicht äußern.

(…) Der US-Handelsgigant Wal-Mart wollte seinen hiesigen Angestellten sogar ins Liebesleben hineinregieren und verbot ihnen Anfang des Jahres »private Beziehungen/Liebesbeziehungen« untereinander. Am Montag erklärte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf diesen Teil der »Unternehmensethik«-Richtlinie für rechtswidrig. Wal-Mart betonte, man habe nur Abhängigkeitsverhältnisse verhindern wollen.

Von den Überwachungsskandalen speziell bei Lidl (für die das Unternehmen auch gerichtlich verurteilt wurde) hatte ich an dieser Stelle ja schon mal berichtet – und dass diese Art des „Mitarbeiterhandlings“ sich leider bei den anderen Ketten in ähnlicher Weise wiederfindet, zeigt z.B. dieser Bericht über Bespitzelungen bei Plus (die Staatsanwaltschaft ermittelt auch in diesem Fall).

Dieses war der erste Streich – morgen folgt Teil 2 meines Discount-Diskurses, in dem es um all die anderen üblen Auswirkungen der Billigheimer-Schwemme geht.

Verwandte Beiträge:

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23 Kommentare »

  • Huhu, ja ich hab deinen Blog aus dem W-Forum. Hatte den Blog 2 Monate offline, da ich nicht so recht wusste, ob das alles noch einen Sinn macht, auf hübsche Artprojekte aufmerksam zu machen. Aber nun ist er wieder online, auch erreichbar unter http://www.jungesdeutschland.de.

    Dein Blog ist toll und deine Linkempfehlungen auch. Es ist wichtig dass man sich diesbezüglich des Themas mal austauscht und auch vernetzt, da so viele den Sinn dahinter nicht verstehen.

    Wirtschaft is the key xD

    Grüße aus Köln

    silvi

    Comment | 6. Februar 2009
  • Idealistin

    Hallo, schließe mich silvi an. Aber eine kleine Korrektur zum Lidl. Es sind etwa 3000 Läden in Deutschland und es müssen 45 Artikel über den Scanner gezogen werden. Zudem werden alle Kassenabläufe mit einem Hintergrundprogramm nicht nur archiviert, sondern auch die Leistungen der Kassiererinnen kontrolliert. Einerseits werden die erreichten Posten pro Minute festegehalten, sowie “Ruhezeiten” der Kasse, Kundenanzahl, Durchschnittseinkauf, Durchscnittkassierzeit eines Einkaufs, sogar wie lange die Kassiererin benötigt den “Zahlungsverkehr” abzuwickeln wird festgehalten und noch mehr, worüber ich nicht im Einzelnen informiert bin. Es ist ein Spionageprogramm, wenn man so will!!
    Ansonsten ist es ein sch… Arbeitsplatz, ohne Lobby und Eigenverantwortung. Harte Arbeit, 80% Teizeitverträge und Keine Jobsicherheit. Man ist quasi eine Marionette im bösem Spiel um den maximalen Profit!!. Wie im Film: Kein Platz für menschliche Regungen.

    mfg
    Idealistin

    Comment | 6. Februar 2009
  • freu mich schon auf morgen.

    grilleau;-))

    Comment | 6. Februar 2009
  • o.me

    Gibt’s morgen auch ein paar Lösungsansätze? Daran hapert es ja meistens in so einer Diskussion.

    Comment | 6. Februar 2009
  • Konkrete Lösungsansätze außer den, diese Läden komplett zu meiden und lieber bei Geschäften einzukaufen, die weniger ausbeuterisch tätig sind, gebe ich morgen nicht – letztlich hilft, durch sein eigenes Kaufverhalten, entsprechend nachhaltigere Alternativen zu unterstützen und eben nicht dem Billigtrend hinterherzulaufen. Lösungen in Bezug auf die schlimmen Arbeitsbedingungen etc. können vermutlich nur auf höherer politischer Ebene angegangen werden – aber dazu muss eben auch Druck von unten, vom Konsumenten kommen. Solange der einen niedrigen Preis über alles stellt und Konsum als Allerheiligstes auffasst, ist wenig zu machen, fürchte ich… Auf jeden Fall ziehe ich mein Geld seit längerem aus diesem Discountsystem komplett ab.

    Comment | 7. Februar 2009
  • Danke für den Hinweis, hab die Ladenzahl gleich mal geändert. Was die Anzahl der Artikel angeht, das war ja ein Zitat aus der ZEIT, das kann ich nicht nachträglich korrigieren. :-) Aber so oder so schlimm genug…

    Comment | 7. Februar 2009
  • [...] mich durch! hier klicken und den zweiteiligen artikel [...]

    Pingback | 8. Februar 2009
  • Olaf

    wal mart lässt sich in der ny post reinwaschen: http://www.nypost.com/seven/02072009/postopinion/opedcolumnists/fly_on_the_wal_154007.htm?page=1

    Comment | 10. Februar 2009
  • Eine sehr gute Übersicht über die Zusammenhänge. Bin mir des Problems zwar auch schon länger bewusst, muss aber auch zugeben, dass ich im Alltag da nicht sehr oft dran denke. Zu der “Lösung”, dass man diese Märkte einfach meiden muss bleibt wohl auch nur zu sagen, dass das wohl kaum so bald von der Mehrheit geschehen wird. Ich denke hier muss wirklich bald mal einen Schritt weiter gegangen werden und vor allem auch von Seiten der Politik ein Umdenken erfolgen und Maßnahmen verbreitet kommuniziert und durchgesetzt werden. Ohne ein generelles Umdenken, das natürlich nur äußerst mühsam zu erreichen ist, kommen wir aus der Abwärtsspirale wohl kaum raus.

    Comment | 17. Februar 2009
  • @ Otto Normalverbraucher:
    Du hast schon Recht, dass die Lösung des Problems nicht nur vom Verbraucher kommen kann. Allerdings ist es schon so, dass die Discounter ja nicht den Massen ihr Konzept aufgezwungen haben und die Leute es widerwillig akzeptieren, sondern dass dieser Drang zum Sparen, koste es was es wolle, halt schon vom Kunden (mit) kommt. Von daher, wie Du schon sagst, braucht man ein generelles Umdenken. Und man muss den Firmen zeigen, dass man dieses Konzept nicht unterstützt, indem man dort nicht mehr einkauft. Ich jedenfalls fühle mich auch besser, wenn ich diese Baracken meide. Was die Politik angeht, so helfen neue Ge- & Verbote vermutlich nur wenig – denn es gibt ja auch schon jetzt ein strenges Arbeitsrecht in Dtl., das die Discounter aber umgehen/aushöhlen. Solange in diesem System Profitmaximierung das wichtigste ist und unter Profit lediglich monetärer Gewinn minus monetäre (direkte) Kosten verstanden wird – und die Kosten nicht die sozialen Kosten mit berücksichtigen), solange werden die Discounter mit ihrem Turbokapitalismus auch weiter existieren, fürchte ich. Sofern nicht die Kunden ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

    Comment | 18. Februar 2009
  • Scooter

    Deinen Bloq finde ich sehr informativ. Besonders mit deinem letzten Kommentar hast du recht. Das große Problem ist, dass die gesellschaftlichen Kosten nicht in die Kostenrechnung der einzelnen Unternehmen miteinfließen. Dies ist aber ein Problem, dass sich durch alle Wirtschaftsbereiche zieht. Gewinne lassen sich individuell durch Ausbeutung von gesellschaftlichen Resourcen erwirtschaften, die Kosten für die Spätfolgen werden auf die Gesellschaft umgeschlagen.

    Comment | 13. Juli 2009
  • Insider

    Hallo Konsumpf Admin Peter M.
    Habe schon öfters von Deiner kritischen WS gehört und auch die Infos gelesen. Sehr ausführlich und informativ. Gratulation- weiter so. Vor allem zutreffend; bin der gleichen Meinung aus gutem Grunde. Ich könnte auch div. ausführliche Interna- Kommentare beisteuern; ist aber hier nicht mehr relevant, bzw. erforderlich; es gibt bei Dir genügend Infos.Wir haben sicher sehr viele idelogische Gemeinsamkeiten. Vor allen Dingen zeigt es aber, wenn auch noch nicht effizient wirkunsvoll genug, dass es doch mehr aktive, (aktivistische) Menschen gibt, als so manche, gedankenlose “Discounterfans” (div. Angestellte/Manager) und Konsumenten (davon kurzfristig partizipierende) ahnen, bzw. wahrnehmen wollen.Viele, ob Verbraucher, die Politik oder sogar die eigenen relativ vielen (1 für 3 !) Mitarbeiter solcher Unternehmen wie Aldi, Lidl,Schlecker, Kik und Co. machen sich offensichtlich leider keine Gedanken, warum dieses deutsche “Billig System” (Deutschland Schnäppchenland) unsozial-ja letztendlich assozial ist; langfristig allen Menschen schadet. Es wird verdrängt, dass dieses Discountersystem schon längst in unserer Gesellschaft/Wirtschaft auf jeden einzelnen Menschen negativ zurückschlägt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es einen selbst an anderer Stelle (ganz unvermutet) trifft.

    “Größter Preissturz aller Zeiten” zum 10. Mal in diesem Jahr frohlockt das deutsches Boulevardblatt „Bild. Also Preise runter = Löhne runter. Hinter den Kulissen ist Billig- Klappe halten, schneller,Leistung- ohne Rechte, ohne Ansprüche längst Usus. So denken die Geldmaschinen-Effizienzexperten von Aldi Lidl und Co. schon lange(und die „Bild“ mit ihrer ambivalenten Verdummungs-Schnäppchenwerbung hilft ihnen dabei. (die Methoden und Auswirkungen von Lidl,Aldi und Co werden verschwiegen) Übermorgen steht wieder in diesem Blatt :“Hurra, wir sparen“ uns zu Tode“ – aber das tun viele (wir alle) schon lange –„Schnäppchenjagen“ auch auf Kosten anderer.(wir beuten uns sogar selbst schon (gegenseitig) aus, ohne es zu merken!)
    Die Mutter der Aldi Brüder sagte irgendwann vor vielen Jahren schon: „wenns den anderen Menschen schlecht geht, dann geht’s uns gut!“ Recht hatte sie – allerdings etwas entscheidendes unterschlagen. Das System ihrer geschäftstüchtigen, damals schon geizigen Albrecht Söhne -inkl.deren Nachahmer/Kopierer –und davon gibt’s immer mehr, hat dazu entscheidend beigetragen, dass ihr vermeintliches „Billig“-System selbst der Input ist, (selbst der Sargnagel ist- die Spitze des Eisberges ), dass es den Menschen schlecht geht, denen inzwischen das Hirn vernebelt wird, indirekt oder direkt gezwungen sind bei solchen “Wölfen im Billi(g)- Schafspelz” sogar einzukaufen. Man sollte nicht vergessen – nicht durch große Abnahmemengen, rationaler Logistik und Management, 3 % Direktrabatt sind diese Burschen (und die nächste Generation D.Schwarz, Schlecker, Heinig und Co.) so groß geworden, sondern vorrangig durch das Unternehmenskonzept > Ausbeutung – gepaart mit Arbeitslosigkeit zur „richtigen“ Zeit am „richtigen Ort“ ->Deutschland! Dadurch wurde den Brüdern und seinen Kopierern von billiger Arbeitskraft, deren Bezahlung, bzw. quasi letztendlich Nicht-Bezahlung –für Umme – ihrem vermeintlich oberflächlich cleveren –aber perfiden- Unternehmenskozept subsummierend, gleichzeitig wiederum System- potenzierend Tür und Tor geöffnet. Der Staat schaute zu; heute noch. Die Mitarbeiter, Erzeuger und Zulieferer sind seit vielen Jahren die Dummen, augequetscht, verarscht,dem Verbraucher billig vorgegaukelt und sei es nur der Kopfsalat für 9 cent – die Milch für 49 cent, ect. billige Jeans, oder nicht zuletzt die „Schnäppchen“ aus China für 1 Euro. Solche Preise und solche Waren braucht kein Mensch – nicht einmal die Allerärmsten –es fördert höchstens noch die Ausbeutung in anderen Ländern – inkl. die durchsichtige Marketing- PR der „Gönner“. Z.B. für die inzwischen nicht umsonst auch schon in Frage gestellten Suppenküchen/ bzw. Tafeln sogar ausgerechnet in einem der reichsten Länder der Erde; bei uns. Das ist der nächste Wahnsinn, inkl. H4. Immer weniger Arbeits-Rechte fairer Behandlung, immer mehr nach unten sich bewegender Arbeitsbedingungen, Arbeitsplätzen und Löhnen; kein Wunder.
    Wenn wir als Handlanger(und Knechte) der Deutschen Discountermilliardäre dazu beitragen, dass bereits ganze Wirtschaftszweige (letzendlich auch deren Mitarbeiter) mittelfristig in den Ruin getrieben werden, wird es logischerweise nicht ausbleiben, dass es irgendwann an jeden Einzelnen, an unsere eigene Existenz geht. Dann gibt’s nichts mehr „billig“zum „sparen“, ob als eigener Mitarbeiter oder als Verbraucher. Denn Gier und Geiz macht arm –nicht nur im Geldbeutel-beim Einkommen, der Lebsensqualität, sondern auch im Hirn. Aufdiktierte, aufgezwungene, genormte, minimalistisch, standardisierte (sich schnell umschlagende), einseitige Produkte- von Discounter Monopolstrukturen, deren Unternehmens und Marktideologie ausbeuterisch ausgetüftelt des reinen Profits der Konzerne willen. Das sollte jedem Verbraucher bewusst sein.
    http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=38546660&top=SPIEGEL
    Der Mensch ist in diesem Discounter- Markt- System reduziert, degeneriert worden, auf eine einfache, Konsum- und Billiggesellschaft bis hin zum sozialen, kulturellen, intellektuellen NICHTS – dem Untergang – in dem die Verursacher/Konzern-Inhaber gleichzeitig zu den reichsten Menschen des Erdballs werden. Das sind diese schon längst; jeden Tag noch mehr. Durch das inzwischen längst ausgehebelte, Gesetz des Gleichgewichts unserer (superkapitalistischen) Wirtschaft – ersetzt durch eigene Gesetze des Dschungels, das Gesetz des Stärkeren,der Raffgier und Unmoral. Sozial und fair ist da gar nichts mehr. Entweder nur noch Arbeit egal welche, zu welchen Bedingungen -oder keine- am Tropf des Staates zu dessen Bedingungen -egal nach vieler Jahre engagierter Arbeit. Das zählt nicht mehr -nur noch ein Oben und Unten. 10% unserer Elitemenschen ganz oben – 90% ganz unten –dank unseres Verteilungssystems – div. Wirtshcaftunternehmen. Die Discounter machen es vor. Immer mehr Menschen leben auf Pump – am sozialen Absturz durch solche Verhältnisse mit entstanden. Das muss ein Ende haben.
    John Ruskin,engl.Sozialreformer, Philosoph und Künstler sagte bereits vor 100 Jahren -heute mehr denn je zutreffend: “Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und ein wenig billiger verkaufen könnte,und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften“!
    D. Bosshart –ein renomierter Schweizer Wirtschaftwissenschaftler sagt ganz aktuell 2009: „Wenn man heute von einer “Aldi/Lidl -isierung der Gesellschaft spricht, sollte man wissen wie kollektiv an einer Spirale gedreht wird, die die große Mehrheit nach unten drückt.: “Wer ganz unten ist in der Lohnhierarchie, kann noch so schnell laufen, er wird in diesem System nie ein respektables Auskommen erreichen. Im Gegenteil: Er braucht die tiefen Preise, weil sein Lohn sinkt.” Ende. Diese Mitarbeiter sind also gleich in der nächsten Schleife (der Staat trägt auch noch dazu bei)- sogar abhängig und gezwungen bei den Verursachern (siehe oben) evtl. ihr eigener Arbeitgeber nicht nur als deren Sklaven zu arbeiten, sondern ihren mikrigen Verdienst nach den diktierten Bedingungen der Discounterchefs und Co. auf ein Minimum reduziert, vorne im den Laden wieder hineinzutragen, dort auszugeben. Der doppelte Profit -das „Trojanische Pferd“ oder die “Doppelhelix” des Discountsystems zugunsten der im Geld schwimmenden, unsozialen, unmoralischen Super- Multi-Milliardäre. (mit Verdienstkreuz)
    Wendelin Wedeking, ex Porsche Manager (wenn auch selbst umstritten) sagte dazu: „Geiz
    ist geil« heißt nichts anderes als »Billig ist gut«, und billig zerstört die gesellschaftliche Anerkennung für Arbeit. Wer als Werker täglich suggeriert bekommt, dass das, was er mit seiner Hände Arbeit schafft, nur durch Verramschen zu etwas Kleingeld gemacht werden kann, verliert jegliches Wertegefühl. Konkret: Es geht eine Werteordnung kaputt, in der Arbeit eine wichtige Rolle spielt. Recht hat er –genau so ist es; wer hat Schuld, wer ändert dies als wir selbst?
    http://www.zeit.de/2005/18/W_Wiedeking
    http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=1357
    Wenn sich nichts ändert, auch in unseren Köpfen, den Konzernen, den Discountern wie Aldi,Lidl&co ein Ende ihrer perfiden Unternehemnspolitik mit allem Nachdruck aufgezeigt wird, dreht sich die Endlosschleife nach unten immer weiter. Eigentlich müsste doch schon längst die Realität in unserer Gesellschaft, in unseren Familien, unserer reduzierten Arbeits- und Lebensqualität in der Lage sein, den Billig-Hype als Ausdruck der Paradoxie einer sich globalisierenden Welt zu entlarven“. Dem ist offensichtlich noch längst nicht so – wir Verbraucher –auch Arbeitnehmer (oder mancher Arbeitgeber ) kaufen bei Aldi,Lidl und Co. schon längst noch den „billigen“ Strick dazu, um uns selbst daran aufzuhängen. Es wäre Zeit,bereits 10 nach 12 (siehe Bankencrash deren Folgen) dass sich in den Köpfen von uns selbst (auch in der Politik) endlich etwas in die richtige Richtung bewegt- wieder zum Vorteil und der Notwendigkeit einer fairen Wirtschaft, bzw. Gesellschaft. Sicher schreibe ich Dir hier nichts neues – ich möchte es aber trotzdem nochmals ausdrücklich unterstreichen.
    Ps.
    Geiz war nie geil, wenn auch in aller Munde – aber leider ist auch Dummheit salonfähig geworden- ein bisschen mehr Intelligenz würde nichts schaden,dann vielleicht endlich das Richtige bewirken. (ein bwl Studium ist dazu nicht erforderlich – nur der gesunde Menschenverstand..
    Ach übrigens… Lidl.Aldi und Co deren Methoden zur Profitgenerierung haben offensichtlich schon ziemlich weite Kreise gezogen – passt. Wie auf einer anderen Seite von Dir schon angesprochen, das Märchen vom Öko- Image, bzw. Fair- Traide Produkte -siehe:
    http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/unfaire-fair-trade-kette/

    Comment | 20. Oktober 2009
  • Wow, danke für den ausführlichen und leidenschaftlichen Kommentar – das kann ich so voll und ganz unterschreiben. Und es wäre schön, wenn mehr Menschen dieses Bewusstsein hätten, was ihr Tun (zB ihr Konsum) für Folgen hat. Leider ist es vielen ja doch eher egal, welche Ausbeuter sie mit ihrem Geld unterstützen, Hauptsache, sie selbst sparen in dem Moment etwas…

    Comment | 20. Oktober 2009
  • Idealistin

    Hallo Peter, hallo Insider,

    da haben sich die zwei “richtigen” endlich gefunden :-)

    Idealistin

    Comment | 21. Oktober 2009
  • Idealistin

    @Insider,

    ach, noch was-> was und wie lange hat man dort denn “gearbeitet” :-( !?

    Comment | 21. Oktober 2009
  • Idealistin

    und noch was Neues:

    http://www.kiwi-verlag.de/36-0-buch.htm?isbn=9783462041859&print=1

    Eine Lidl-Betriebsrätin schreibt über ihren Arbeitalltag bei Lidl.
    Der Titel:

    IHR KRIEGT MICH NICHT KLEIN!

    Comment | 22. Februar 2010
  • Gut, dass solch ein Buch veröffentlicht wird, auch gerade jetzt, wo Lidl sich plötzlich mit der Mindestlohnsache ein barmherziges Mäntelchen umzuhängen versucht! Ich fürchte nur, dass all diejenigen, die tagtäglich beim Discounter einkaufen, dieses Buch nicht lesen werden, sondern eher nur jene, die sowieso schon überzeugt sind, dass Lidl & Aldi & Penny & Co. Mist sind…

    Comment | 23. Februar 2010
  • Vogel

    Ein paar unsortierte Anmerkungen zu dem hervorragenden Artikel:
    1) Kenne 2 ALDI-Märkte, den einen ca. 10 J, den anderen ca. 1,5 J. – in beiden wechselt das Personal nicht (außer es kommen immer wieder Azubis) – scheint also zufrieden zu sein. (ALDI iss auch personalseits nich so in der Kritik wie kik, schlecker, Lidl) aber die These: Billig auf Kosten des Personals zieht hier nich so einfach.
    2) Es iss nich der “eigennutzenorientierte Kunde” denn der “homo oeconomicus” ist schon längst tot (http://www.wiwi-treff.de/home/index.php?mainkatid=1&ukatid=12&sid=46&artikelid=1730). Das Problem iss erheblich größer: Ein Riesenbündel von Motiven schwingt da mit! Richtig iss, dass da unter anderem das “Nach mir die Sintflut” Bedeutug hat, der Mensch ist grundsätzlich gegenwartsorientiert. Es ist nicht nur das Argument: Billiger! andersrum wird ein Schuh drauß’ Hier krieg’ ich mehr für mein Geld! Wer möchte nich mehr haben für das selbe Geld? Klar, die Kosten tragen andere … seh’ ich nich, weiß ich nich (Dachau? nie gehört …), geht mich nix an.

    Ich kaufe nich nur bei ALDI, aber auch. Saturn & Co. nutz’ ich zur Orientierung, ebenso ämäsn (Kundenrezessionen lesen, ISBN-Nr. notieren …) – und dann geht’s ab zum Händler des Vertrauens, gelle?

    Discount (“Diskonnt”) kenn’ ich seit Mitte der sechziger, war damals im Seitengässchen (quasi der Schmuddelecke): Noname, nackte Holzregale usw. Discount hat seine Funktion im Markt, die Dominanz, mit der alles überdeckt und dominiert iss äußerst Ungut aber nur ein Symptom. Die Ursache liegt in den durchschnittlich einssiebzig hochgestapelten Zellhaufen die sich Mensch nennt, ein Schweinesystem etabliert hat … der halt eben auf ‘ner Mission iss: “Macht euch die Erde untertan!” “Befehl ausgeführt *klapp*! Sieht jetzt aus wie der Mond!*klapp*”

    Thema kann bibliothekenweise fortgeführt werden …

    Comment | 17. September 2010
  • Menschenfreund

    Hallo Vogel,

    nehme mal an, das Dein Beitrag so gemeint ist, wie er ankommt- Reine Satire…..

    Inhaltlich folge ich da schon eher Peter Marwitz und dem Beitrag von Insider
    Fraglich ist nur, ob man das Gesagte/Geschriebene nur auf die Discounter anwenden lässt. Oben und unten sind zwei Gegenpole und gehören doch zusammen. Jeder Lebensmittelhändler kommt an dieser Entwicklung nicht mehr vorbei, was in erster Linie am Anspruch der Verbraucher liegt, die mit ihrem Einkaufverhalten geradezu alle Händler gezwungen haben ein Billigsegment einzuführen. Nur Feinkostläden und extreme Spezialitätengeschäfte dürften weitgehend davon verschont geblieben sein.
    Insider macht den Eindruck, als sei er persönlich ein Lidl-Geschädigter, oder zumindest jemand aus seinem engen Umfeld .betroffen,. wie dem auch sei, das ist mir ein wenig zu einseitig und zeigt das Problem nicht mit all seinen Facetten auf.
    Da ich selbst in allen Sparten des EZH gearbeitet habe, kann ich dass, so nicht gelten lassen, weil es bei allen Händlergrößen und Branchenübergreifend massive negative Entwicklungstrends gibt. Der Markt ist nicht nur übersättigt, sondern durch ein Überangebot an Geschäften geprägt. Da ist es nicht verwunderlich, dass Kunden heiß umkämpft werden und Preise generiert werden, die man kaum noch nachvollziehen kann.
    Nicht akzeptabel ist allerdings der Umgang mit Untergebenen, Zulieferern und Produzenten (weltweit).

    @ Marwitz und Pseudo-Wallraffer…..

    Eine Bekannte von mir, die selbst bei Lidl gearbeitet hat, berichtete mir von Insider und Konsumpf. Sie war einige Zeit selbst im Blog und bat mich darum eure Beiträge zu lesen.

    @Insider
    Sie war ziemlich bedrückt und unsicher und wusste nicht, wie sie sich weiterhin verhalten sollte. Nach mehrmaligen mehrstündigen Telefonaten habe ich gerettet was zu retten war! Manche Diskussionen nehmen einen Verlauf, die die härtesten Burschen umnieten, erst recht so eine sensible wie ist. Bei allen Diskussionen, bitte in Zukunft immer darauf achten, dass niemand zu Schaden kommt…

    Pädagogen braucht das Land
    Solidarische Grüße (auch kritische)
    vom Menschenfreund

    Comment | 2. November 2010
  • Menschenfreund

    QInsider
    Entwarnung! Suche abgebrochen.Idealisiertes Bild im Kopf ausgemerzt :-)

    Comment | 2. November 2010
  • [...] das Billigsystem in der Gesellschaft und weltweit anrichtet (siehe dazu meine Grundsatzartikel „Lidl/Aldi – Profite auf Kosten der Allgemeinheit, oder: die Spirale abwärts“). Kurz gesagt fehlt auch bei durchaus investigativ gemeinten Sendungen der Blick auf das große [...]

    Pingback | 2. März 2011
  • Peter

    Fantastisch gut geschriebener Bericht! Echt sehr lesenswert, vielen Dank für die Mühe und weiter so! Worauf ich noch hinweisen will sind auch die Zustände im Textil-Discount-Handel. Folgende Links führen da weiter:

    http://www.spiegel.de/thema/kik/
    http://www.youtube.com/watch?v=e2L8N6uNxW4

    Alles Gute weiterhin!

    Comment | 5. Juni 2011
  • [...] diese Bio Produkte gibt es bei Norma. Ich bin normalerweise absolut kein Freund des Discounters(aus diesen Gründen) und mache einen großen Bogen um diese Geschäfte, so weit es nur geht(hier noch mehr zum [...]

    Pingback | 7. August 2011

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