Kategorie: Grundlegendes Seite 8 von 59

Arztpraxen als Profitcenter

Es hat schon was Perverses, wenn man sieht, wie auch das Gesundheitssystem im Laufe der Jahre immer mehr den Gesetzen des sog. „freien Marktes“ unterworfen wurde und somit die gleichen Gesetzmäßigkeiten von Kostensenkungen und Profitoptimierung gelten. Vor einer Weile berichtete Plusminus über eine neue perfide Idee windiger Geschäftemacher – „Arztbesuch: Lukrative Patienten“. Kunden (früher hießen sie „Patienten“) werden also auf daraufhin durchleuchtet, wieviel Geld der Arzt aus ihnen herauspressen kann und dann dementsprechend behandelt (oder abgewiesen).

Wie viel Geld hat der Patient, der auf dem Behandlungsstuhl sitzt? Lohnt es sich, ihm teure IGeL-Leistungen zu verkaufen? plusminus ist auf Software gestoßen, die den Ärzten diese Fragen beantwortet.

Mit spezieller Software können Ärzte die Bonität ihrer Patienten abfragen. Offiziell soll sie helfen, Arztpraxen vor Zahlungsausfällen zu bewahren. Unbezahlte Rechnungen und Mahnverfahren können einen Praxisinhaber langfristig stark belasten.

plusminus konnte einige der Systeme testen. Das Ergebnis bei allen Systemen: Innerhalb von Sekunden kann die Bonität von Patienten abgefragt werden. Der Arzt benötigt dazu lediglich den Name, die Adresse und das Geburtsdatum des Patienten. Die Einstufung wird zum Beispiel durch Ampelsymbole dargestellt: rot heißt, der Patient hat eine schlechte Bonität und ist bei Geldgeschäften auffällig geworden, grün bedeutet, dass alles okay ist.

Für viele Praxen kann das eine gewinnbringende Auskunft sein, denn sie können Patienten mit guter Bonität intensiver und gezielter über sogenannte IGeL-Angebote beraten. Für solche individuellen Gesundheitsleistungen und Zusatzbehandlungen wurden im vergangenen Jahr immerhin rund 1,5 Milliarden Euro ausgegeben.

 

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Starbucks, Google & Co. – die schmarotzenden Großkonzerne

So, bevor der Blutdruck zum Wochenende hin gar zu tief in den Keller sackt, hier ein kleiner Aufreger aus der ARD-Sendung Monitor, um das Blut wieder in Wallung zu bringen – „Google, Starbucks & Co.: Milliardengewinne fast steuerfrei“. Natürlich ist es für regelmäßige Leser meines Blogs nichts wirklich Neues, zu erfahren, dass die großen Unternehmen ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit machen und ihre Marktmacht durch politisches Zutun (oder zumindest politisches Nichtstun) weiter wächst, zum Schaden kleinerer Anbieter. Ich denke da nicht nur an die obskuren, ausschließlich der Steuervermeidung dienenden Firmenkonstruktionen bei Aldi & Lidl, sondern z.B. auch an Ikea.

Internationale Unternehmen wie Starbucks, Google, Facebook oder Apple machen in wohlhabenden Ländern wie Deutschland Milliardenumsätze – doch Steuern zahlen sie darauf kaum. Mit legalen Tricks verlagern sie ihre Gewinne statt dessen in Länder mit niedrigen Steuersätzen. So machte Google 2010 international einen Gewinn von 5,8 Mrd. Dollar und zahlte darauf nur 3% Steuern. Bei anderen Unternehmen sieht es ähnlich aus. Die EU könnte nur mit Zustimmung aller Mitgliedsstaaten dagegen vorgehen. Doch weil einige EU-Länder selbst von dem System profitieren, gilt das als sehr unwahrscheinlich. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat trotzdem kämpferisch verkündet, gegen diese Steuertricks vorzugehen. Was er verschweigt: In Deutschland ermöglicht es die Regierung den Konzernen, ihre Steuerzahlungen geheim zu halten – so dass die Öffentlichkeit die schlechte Steuermoral vieler Konzerne in Deutschland nicht nachvollziehen kann

P.S.: Und denkt dran, dieses Wochenende ist Buy Nothing Day – der perfekte Anlass, von obigen Firmen schon mal nichts zu kaufen.

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Affluenza – das Konsum-Virus – „Der Markt ist unser Gott“

Über das Kritische Netzwerk bin ich auf das folgende Interview aufmerksam gemacht worden, das auf Franz Alts Sonnenseite erschien und in dem Prof. Thomas Naylor, der Autor des Buches „Affluenza – Zeitkrankheit Konsum“ (eins der wichtigsten Bücher zum Thema, wenn Ihr mich fragt) interviewt wird. Sehr interessant!

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“Affluenza – Zeitkrankheit Konsum”: Das neue Buch von John de Graaf, Prof. Thomas Naylor und David Wann entlarvt die herrschende Konsumorientierung als Krankheit mit verheerenden Nebenwirkungen für Gesellschaft und Mitwelt. ÖkologiePolitik-Redakteur Raphael Mankau im Gespräch mit Thomas Naylor. Das Interview wird in der Juli-2002-Ausgabe von ÖkologiePolitik in einer Kurzfassung veröffentlicht.
öp: Was ist “Affluenza”?
Prof. Naylor: Wer von “Affluenza” befallen wird, ist wie besessen vom Materialismus – Konsumgütern und dienstleistungen -, angefangen bei Bier und Kosmetik, über Kleidung, Zigaretten, Soft Drinks, Fast Food, Freizeitdrogen, Videospiele und Rock-Musik bis hin zu Automobilen, Computern, elektronischen Geräten, teuren Villen, unbezahlbaren Kunstwerken, Hightech-Gesundheitsversorgung und Weltreisen. Wer sich mit dieser Krankheit angesteckt hat, leidet unter Überarbeitung und Stress, aber auch lebensgefährlichem Konsumwahn. Sie macht weder vor den Reichen noch den Armen Halt. Je mehr man hat, desto mehr will man noch dazu.öp: Worin liegt die Ursache für dieses “Virus”, das inzwischen unsere gesamte Gesellschaft infiziert hat?
Prof. Naylor: Wir fürchten uns vor Sinn- und Nutzlosigkeit – darum verbringen wir unser ganzes Leben damit, uns einzureden, wie unbezwingbar wir doch sind. Einer der Tricks, mit denen wir uns des ewigen Lebens versichern wollen, ist der Konsum. Die Konsumwelt gaukelt uns vor, dass wir absolute Sicherheit in einer ansonsten unsicheren, sinnlosen Welt finden können. Wir glauben, dass wir unser ganzes Leben in einem Zustand nicht enden wollender Selbstverwirklichung verbringen können, ohne aber auf der anderen Seite einen psychischen Preis für das Leben in hemmungsloser Vergnügungssucht zahlen zu müssen. Unser Selbstwertgefühl beruht vollständig auf dem, was wir selbst besitzen und konsumieren, und nicht auf dem, was wir wirklich sind.

Um die Auswirkungen des Schmerzes und des Leids zu betäuben, die mit der Sinnlosigkeit einhergehen, suchen viele ein Leben, das sich gründet auf Besitz, Konsum und Macht über Menschen, Dinge, Maschinen und Reichtümer. Als Antwort auf ihre unersättlichen psychischen und sinnlichen Bedürfnisse legen diejenigen, die vom “Haben” abhängen, oft ein aggressives, feindseliges Wettbewerbsverhalten an den Tag. Etwas zu besitzen ist gleichbedeutend mit Machtübernahme oder Bezwingung. Raub, Zerstörung, Überlastung und Konsumieren sind alles Formen des Habens. Wer vom Haben besessen ist, fürchtet sich vor dem Verlust an jemand anderen, den Staat oder letztlich durch den Tod. Als Nation sind wir so verrückt nach dem Haben, dass wir die Fähigkeit, als Menschen zu handeln und denken, verloren haben. Unser Glück machen wir meist abhängig von der Überlegenheit über andere, unserer Macht und unserem Geschick, andere zu manipulieren. Das kapitalistische Amerika ist die effizienteste und produktivste Nation der Welt, aber auf Kosten der Menschlichkeit.

Unsere gesamte Wirtschaft wird angetrieben von unserem ausgeprägten psychischen Bedürfnis, unser geistiges und emotionales Vakuum mit immer mehr Kram aufzufüllen und von unserer Illusion, dass die Anhäufung von Reichtum und materiellem Besitz dem Leben einen Sinn gibt. Wenn wir uns mies fühlen und uns aufbauen wollen, kaufen wir ein neues Kleid, essen in einem schicken Restaurant oder leihen uns ein Video aus. Je weniger Sinn wir im Leben finden, desto eher werden wir von diesem materialistischen Ansatz verführt, der da sagt: “Arbeite hart, amüsier dich gut” – ein Ansatz, der auf einer Lüge beruht.

Obwohl Drogenabhängigkeit illegal ist, wird die Abhängigkeit von Konsumgütern, Warenkatalogen, Einkaufszentren, Internetshopping und Kreditkarten durch die Werbung geradezu aufgezwungen. Sowohl aus Washington wie von Seiten der Wirtschaft ist die Botschaft immer dieselbe: “Kauf jetzt, spare später für den Ruhestand.” Wenn wir dieses Spiel nicht spielen, könnte das ganze Kartenhaus in sich zusammenkrachen. Wir haben die patriotische Pflicht zu konsumieren. Ein guter Amerikaner – oder guter Deutscher – zu sein, heißt, viel zu konsumieren. Wer mit dem meisten Krimskrams um sich herum das Zeitliche segnet, gewinnt das Spiel.

Die Weltwirtschaft ist ein Altar, auf dem Konsumenten wie Investoren ihre Opfer bringen. Der Markt ist unser Gott. Dabei ist die Sinnentleerung so wichtig für unsere Wirtschaft, dass der Chikagoer Ökonom David Hale einmal sagte: “Der einzige Weg, die Weltwirtschaft zu retten, ist durch verschwenderischen Konsum der Amerikaner.”

öp: Wodurch manifestiert sich die Affluenza in unserer Gesellschaft – neben den verheerenden Auswirkungen des Konsums auf unsere natürliche Mitwelt?
Prof. Naylor: Damit der Kapitalismus reibungslos funktioniert, müssen die Menschen daran glauben, dass der Weg zur Glückseligkeit die Anhäufung von genug Geld und Guthaben erfordert. Dadurch sind wir im Stande, ein schick eingerichtetes Häuschen, ein paar Autos, einen Computer, ein Boot und die Universitätsausbildung unserer Kinder zu finanzieren. Um uns all jene Dinge leisten zu können, müssen wir hart arbeiten, bis wir in den Ruhestand gehen oder sterben. Je härter wir arbeiten, desto mehr Geld haben wir, desto mehr können wir kaufen und umso glücklicher werden wir sein – das will man uns weismachen.

Aber wenn das wirklich wahr wäre, warum sind so viele Menschen in den USA oder in Deutschland so wütend, so unglücklich, zynisch, ausgebrannt? Woher kommt die hohe Zahl der Scheidungen und Selbstmorde, woher die Depressionen, Abtreibungen, der Drogenmissbrauch und die hohe Zahl der Häftlinge, wenn doch der amerikanische Traum so funktioniert, wie es immer heißt? Obwohl sich die Pro-Kopf-Ausgaben für Konsumgüter im letzten halben Jahrhundert beinahe verdreifacht haben, ist der Anteil der Menschen, die sich für “sehr glücklich” halten, tatsächlich um 5% gefallen. Der Sozialindex ist seit 1973 um fast 50% gefallen.

Wir leben in einer Zeit noch nie dagewesenen Wohlstands, aber dennoch ist es auch die Zeit der “lebenden Toten”. Viele Amerikaner, die sich praktisch nichts an materieller Befriedigung vorenthalten, wirken eher tot denn lebendig. Wie der Romancier Walter Percy sagte: “Es gibt etwas Schlimmeres als des Lebens beraubt zu werden, und zwar des Lebens beraubt zu werden, ohne es zu wissen.”

Viele von uns, die von Affluenza befallen sind, benehmen sich, als wären sie spirituell, emotional und intellektuell tot. Die lebenden Toten befinden sich überall – sie surfen im Internet, überprüfen ihre eMails, besuchen Internet-Chatrooms, befassen sich mit Aktienhandel, kleben an CNN in der Hoffnung, irgendein Ereignis mitzubekommen, das ihren ansonsten ereignislosen Alltag belebt, fahren allein durch die Stadt, um auf der anderen Seite im Wal-Mart weiteren Plastikmist zu suchen, halten bei McDonald´s für ein schnelles und geschmacksfreies Essen, geben vor, sich für ihren stupiden Bürojob erwärmen zu können und schauen “Wer wird Millionär?” im Fernsehen. Unsere Regierung, unsere Politiker und die Hohepriester der Wirtschaftswelt betätigen sich dabei als Strippenzieher.

öp: Was schlagen Sie zur Heilung vom Konsum-Virus vor?
Prof. Naylor: Nach meiner Meinung ist die Affluenza fest in der Conditio Humana begründet – bedingt durch Sinnlosigkeit, Isolation, Machtlosigkeit und Verdrängung des Todes. Wie bei Drogen- und Alkoholmissbrauch gibt es keine schnellen Allzweckwaffen gegen Affluenza. Man muss an die Wurzeln gehen! Entsagen, Entschlüsseln, Zurückfahren, Dezentralisieren – das ist die Aufgabe.

Entsage dem Getümmel, zieh’ den Fernsehstecker, kündige deinem Internetprovider, stell’ das Radio aus, reduziere deine Zeitschriften- und Zeitungsabos, fahr’ weniger, reise weniger, kauf’ weniger Plunder, meide das Einkaufszentrum, schalte den Anrufbeantworter ab, wirf dein Handy weg, vereinfache dein Leben, setz’ dich damit auseinander, was es heißt, ein Mensch zu sein, der lebt, liebt, arbeitet, spielt, leidet und stirbt, anstatt manipuliert zu werden.

Entschlüssle die Bedeutung, die bestimmte Begriffe auf dein Leben haben – Technologie, Märkte, Medien, Bildung, Gesundheitsfürsorge, Religion, Regierung, Globalisierung, Außenpolitik, Verteidigung. Was lösen diese Begriffe bei dir aus? Wie beeinflussen sie dich und andere? Wie stehst du zu ihnen? Ist deine Beteiligung aktiv, passiv oder nichtexistent? Welchen Sinn können sie in deinem Leben stiften?
Fahre deinen Aktionsradius zurück – begnüge dich mit einem kleineren Land, einer kleineren Stadt, einem kleineren Haus, einem kleineren Arbeitgeber, einer kleineren Schule, Universität, Kirche, einem kleineren Einkaufszentrum, Krankenhaus, Auto. Die umgekehrte Annahme besagt, dass alles Große schlecht ist.

Dezentralisiere und delegiere in jeder Einrichtung alle Entscheidungen auf die niedrigst-mögliche Ebene.

Affluenza wird niemals durch bloßen passiven Widerstand ausgerottet werden – es bedarf schon offener Rebellion gegen das System.

John de Graaf / David Wann / Thomas Naylor
Affluenza – Zeitkrankheit Konsum

Riemann Verlag 2002, Euro 22,90
ISBN 3-570-50026-8

Quelle:
ÖkologiePolitik

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Der Buy Nothing Day 2012 am 23. & 24. November

Alle Jahre wieder… naht nicht nur die konsumgeile (Vor-)Weihnachtszeit, sondern auch der von den kanadischen Adbusters, den Mitinitiatoren der Occupy-Bewegung, ausgerufene Buy Nothing Day, der mittlerweile in 60 Ländern der Welt „begangen“ wird. Einen Tag lang nichts einzukaufen, ausgerechnet an dem Wochenende, an dem in den USA traditionell das Geld nur so aus dem Fenster geschmissen wird, das ist die Herausforderung. Im Jahr 2012 findet das Ganze am 23. & 24. November statt und ist gleichzeitig der Auftakt zu den Buy Nothing X-Mas. Ich übersetze mal eben den „offiziellen“ Adbusters-BND-Artikel, der im gewohnt leicht überzogenen Stil daherkommt (sich dabei natürlich an den religiös aufgeladenen „Weihnachtssound“ anlehnt):

Seit Generationen wurde Weihnachten durch den Kommerz gekidnappt… dieses Jahr werden Lehrer, Occupyers, Empörte und alle anderen Menschen in über 60 Ländern den Feiertagen zur Hilfe eilen, mit einem ganzen Monat von ent-kommerzialisierendem, lebensverändernden Spaß…

Alles beginnt mit einer persönlichen Herausforderung: nimm Dir vor, dieses Jahr am Buy Nothing Day teilzunehmen… Du könntest eine unerwartete Erleuchtung erleben!

Schließe Dich am 23./24. November Millionen anderer Menschen an und stelle fest, wie es sich anfühlt, für 24 Stunden mit dem Konsumieren zu aufzuhören. Geh auf kalten Entzug von der Konsumkultur! Wie diejenigen, die diese magische Einladung vor Dir angenommen haben, könntest Du mit einer Dein Leben beeinflussenden Verschiebung der Sichtweise belohnt werden  – einen Einblick darin, wie man weniger konsumiert und dafür mehr lebt auf diesem wertvollen Planeten…

Und dann geh den nächsten Schritt, erweitere die Freude des Buy Nothing Days, indem Du mit Deiner Familie zusammenkommst und Ihr entscheiden, Weihnachten dieses Jahr anders zu begehen.

Wenn Du bereits ein erfahrener Culture Jammer bist oder die persönliche Herausforderung des Buy Nothing Day für zu einfach hältst, dann häng ein Poster in Deiner Nachbarschaft oder dem Unigelände auf, organisier ein „Credit Card Cut Up“… zieh einen „Whirl-mart“ ab… einen „Christmas Zombie Walk“ durch Dein örtliches Einkaufszentrum… oder schmeiß eine Keine-Geschenke-Party zu Buy Nothing Xmas!

Credit Card Cut Up (Kreditkartenzerschneiden)
Stell Dich in eine Einkaufszone mit einer Schere und einem Schild, das einen einfachen Service anbietet: steigende Schulden und exorbitante Tilgungsraten mit einem einfachen Schnitt zu beenden.

Zombie Walk
Die frühlichen Untoten wandern durch die Einkaufszentren, bewundern die leeren, komatösen Gesichtsausdrücke der Shoppenden. Die Zombies sind froh, unter ihresgleichen zu sein, aber ein wenig verächtlich gegenüber denjenigen,die noch nicht am Verrotten sind.

Whirl-Mart
Du und neun Deiner Freunde fahren wortlos mit ihren leeren Einkaufswagen herum, in einer langen, unerklärlichen Polonaise, ohne jemals etwas zu kaufen.

Es gibt inzwischen auch eine eigene britische Website dazu: www.buynothingday.co.uk


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Gastbeitrag „Wer Energiepflanzen sät, erntet Hunger“

Heute möchte ich Euch, nach längerer Zeit, mal wieder einen Gastbeitrag in meinem Blog vorstellen – er stammt von Daniel Koch und Wolfgang Waltgenbach und befasst sich mit dem Thema Biogas bzw. Anbau von Pflanzen zur Energieherstellung, auf deren negative Auswirkungen ich im Konsumpf ja auch schon ein paar Mal hingewiesen habe. Die Autoren haben dabei konkret einen Neubau in Göllheim (zwischen Kaiserslautern und Mannheim) im Blick. (Danke ans Kritische Netzwerk für den Tipp!)

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Ein Beitrag zur Verquickung Profitstreben Agromethangaslobby und Hunger in Entwickungs- und Schwellenländern

Wer Energiepflanzen sät, erntet Hunger

Stoppt die Göllheimer NawaRo-Agromethangasanlage!

Unsere Nahrungsmittel vom Feld dienen längst nicht mehr unserer Ernährung. Immer mehr Nahrungsmittel vom Acker wandern als Energiepflanzen in „Bio“gasanlagen oder auch in Autotanks – das zynische an dieser Sache ist, dass wir uns in Deutschland und weiten Teilen von Europa diesen verschwenderischen Umgang von Nahrungsmitteln glauben „leisten“ zu können.

Eines sollte uns jedoch klar sein, wir leisten uns diese Recourcenverschwendung nur auf Kosten von Hunger und Leid in der Welt, da sich die Menschen, gerade in den Entwicklungsländern, diese Nahrungsmittel nun nicht mehr leisten können. Allzu oft hört man als Entgegnung von unseren Bundespolitikern, auch unseren Kommunalpolitikern, sowie den Profiteuren und Lobbyistengruppen aus Wirtschaft und Agrarbereich, dass diese Sachlage so nicht richtig wäre – mit Stammtischfloskeln, wie folgender, wird der Welthunger allzu gerne abgetan, überspielt und verharmlost: “Diese Anlagen sind politisch gewollt”, “Wir brauchen speicherbare Energie”, “Wir brauchen den Energiemix”, „Es gibt genug Ackerland“ – „das ist ein Verteilungsproblem“, deutsche „Bio“gasanlagen sind nicht für den Welthunger verantwortlich…“ …nur um einige dieser Entgegnungen vom Sinn her wiederzugeben…

Doch sind diese Argumente richtig?

Unsere Bundespolitiker fördern durch die EEG-Umlage, d.h. unsere Steuergelder, den Anbau von Energiepflanzen (NawaRo) und deren anschließender Vergärung in so genannten „Bio“gasanlagen *. Die Ackerflächen zum Anbau von Grundnahrungsmitteln werden aber durch diese Maßnahme künstlich verknappt. Gleichzeitig nimmt jedoch die Zahl der Menschen auf unserem Planeten stetig zu – ALLE MENSCHEN BRAUCHEN NAHRUNGSMITTEL !

Die Größe der weltweiten Ackerflächen ist jedoch begrenzt. Wenn durch staatliche Politik dieser Anbau von Energiepflanzen gefördert wird, dann werden Flächen für Brot- und Futtergetreide künstlich verknappt. Steigende Nachfrage und schwindendes Angebot sind die Folge und das wiederum führt zwangsläufig zu steigenden Preisen. Seit gut einem Jahrzehnt folgen die Lebensmittelpreise einem einzigen Trend: Sie gehen nach oben. Jedem dürfte klar sein, dass hierdurch Flächen für Brot- und Futtergetreide künstlich verknappt werden und demzufolge nicht mehr auseichen eine stetig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Steigende Kosten für Grundnahrungsmittel, vor allem in den Entwicklungsländern, sind zu beobachten. Hungersnöte, Hungertode in Entwicklungsländern sind die Folge – doch die sieht man ja nicht und diese haben auch nichts mit deutschen Agromethangasanlagen zu tun!?!

Unlängst mahnte unser Bundespräsident Joachim Gauck und rief zur Solidarität mit den Hungernden und zur Hilfe auf. “870 Milionen Menschen leiden weltweit Hunger, jeden Tag sterben 6.000 Kinder an Hunger”,so Gauck, in seiner Funktion als Schirmherr der Welthungerhilfe.

Selbst unsere Anbauflächen in Deutschland reichen nicht mehr aus, um unabhängig von Nahrungsmittelimporten auszukommen. Diese Nahrungsmittelimporte stammen meist aus Entwicklungsländern, eben dort, wo man günstig „einkaufen“ kann. Die Folge ist, dass zwar die Produzenten (Landwirte) in diesen Ländern mehr Geld für den Verkauf ihrer Nahrungsmittel an ausländische Unternehmen erhalten, doch der dortigen Bevölkerung wird der Einkauf von Grundnahrungsmitteln durch die steigenden Preise immer mehr erschwert oder unmöglich gemacht.

2007 kam es in Mexiko zu der so genannten Tortillakrise als durch die Flächenversiegelung für die “Bio”spritproduktion in den Vereinigten Staaten die Preise für Maismehl derartig explodierten, dass es zu Hungeraufständen der Bevölkerung kam. Erschreckend ist nur, dass so viele Menschen, selbst viele der geistlichen Vertreter, davon nichts wissen oder wissen wollen?

Die Folge, deutscher Agromethangasanlagen, ist somit eine nicht zu leugnende Verschärfung des Welthungerproblems und eine Verknappung der Ernährungsgrundlage! Vor allem wenn man zusätzlich die Vorbildfunktion Deutschlands und den “Domino” bzw. “Nachzieheffekt” durch andere “entwickelte” Industrieländer berücksichtigt.

Um die Weltbevölkerung mit Nahrung zu versorgen und unser Klima, unsere Umwelt, unser Trinkwasser zu schützen, muss unsere heutige Energiepolitik sowie die damit einhergehende Subventionspolitik grundlegend überarbeitet werden. Satt ineffiziente und „flächenversiegelnde“ Agromethangasanlagen zu subventionieren muss anstatt dessen auf intelligentere Lösungen gesetzt werden.

Etliche Wissenschaftler haben sich mit der Thematik „Energiepflanzenanbau“ befasst, unlängst erschien eine Studie der alterwürdigen Leopoldina Universität in Halle. Sie haben die Folgen für die Umwelt, die Wasserhaushalte, das Klima, das soziale Umfeld und die Preise von Energie und von Lebensmitteln untersucht. Die Ergebnisse gehen fast alle in die gleiche Richtung: Energiepflanzen leisten keinen Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels, sie verbrauchen wahnsinnig viel Wasser, sie schaden der natürlichen Vielfalt, und sie tragen zur Verknappung von Lebensmitteln bei.

Nichts rechtfertigt staatliche Unterstützung von Energiemais, unsere ethischen und moralischen Grundsätze verbieten es!

Deshalb fordern wir (Progoellheim):

  • Der Nahrungsmittelanbau muss uneingeschränkten Vorrang vor der Energieerzeugung haben, d.h. die Erzeugung von Methangas aus ‘nachwachsenden Rohstoffen’ muss gestoppt werden! Die globale Versorgung mit Lebensmitteln muss Vorrang haben!
  • Bundesumweltminister Altmaier muss den weiteren Ausbau von Agromethangasanlagen sofort stoppen!
  • Der Bau der Göllheimer Agromethangasanlage muss zum Schutz unserer Heimat gestoppt werden
  • Deshalb global denken – lokal handeln! Stoppt die „Bio“gasanlage in Göllheim – wer jetzt nichts tut, baut mit…!

*  Biogasanlagen haben nichts mit „bio-“ gemein. Sachlich richtig ist der Begriff NawarAgromethangasanlage, da hier speziell angebaute Rohstoffe (Energiepflanzen) zur Energieerzeugung vergärt werden; der Begriff „Bio“ gibt keine Auskunft darüber, ob diese Anlagen mit NawaRo oder mit biologischen Abfallstoffen betrieben werden und suggerieren dem Leser eine Verharmlosung dieser Thematik.

Daniel Koch und Wolfgang Waltgenbach, Progoellheim,  http://www.progoellheim.eu

Infobroschüre “Was Sie schon immer über Biogas wissen wollten”  – hier bitte klicken und weiterlesen

 

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Irreführende Gütesiegel – Täuschen & Tricksen der Industrie

Mittlerweile sollten wir es ja gewohnt sein, dass uns die Lebensmittelindustrie mit immer neuen Tricks und Kniffen hinters Licht zu führen versucht. Da werden Inhaltsmengen bei gleicher äußerlicher Verpackungsgröße schrittweise verkleinert, da werde gute Zutaten durch billigere ersetzt, es wird mit künstlichen Aromastoffen, Geschmacksverstärkern und vielem mehr hantiert, immer auf der Suche nach dem Weg, den Verbraucher maximal auszunehmen. (Langfristige) gesundheitliche Aspekte spielen in den Überlegungen der Unternehmen offenbar keine Rolle, wie auch foodwatch immer wieder aufdeckt.

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Schönheitssalon für Fünfjährige – Abartiges aus unserer Mediengesellschaft

Na, mal Hand aufs Herz – wer von Euch sieht zumindest gelegentlich das reklameverpestete Privatfernsehen, und dort am besten noch solche Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel” oder ähnlichen Castingquark? Ich hoffe mal, dass sich keiner meiner Leser angesprochen fühlt ;-) – ich jedenfalls bekomme die Abgründe und Auswüchse des Kommerzfernsehens nur noch via fernsehkritik.tv mit und bin nach den wenigen Ausschnitten dann bereits mehr als bedient. Neben den unsäglichen Sendungen, in denen Leute bloßgestellt und vorgeführt werden – schönfärberisch als „Doku-Soap“, „Scripted Reality“ o.ä. bezeichnet –, die mit Sicherheit nicht dazu beitragen, Menschlichkeit und Solidarität zu erzeugen, sind es vor allem die oben von mir genannten Formate, in denen abstruse Schönheitsideale aufgebaut und ausgeschlachtet werden, die mir sauer aufstoßen.

Denn mitnichten ist das alles nur „bloße Unterhaltung“ (so nach dem Motto: wen’s nicht interessiert, der muss es ja auch nicht einschalten!), die da vor sich hin dudelt und als Beiwerk zu den Werbestrecken dient (und von daher vorwiegend kommerziellen Charakter hat) – sondern solche Sendungen sickern nach und nach ins Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten ein, erzeugen Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen und lassen eben überhöhte und künstlich aufgebauschte Vorbilder entstehen. Dieses Thema hatte ich ja in meinem Blog schon einige Male am Wickel, ich erinnere da an die britische Dokumentation Starsuckers, die zeigte, was solche Inhalte mit Menschen und der Gesellschaft anstellen, oder an meinen Artikel „Ausbeutung: Casting-Idole und ihre Wirkung“. Aber man kann meines Erachtens gewisse Dinge durchaus öfter thematisieren, und dies will ich heute tun.

Denn die BR-Sendung quer brachte unlängst einen Beitrag, der einen durchaus zum Nachdenken anregen könnte – „Marktlücke Prinzessin: Schönheitssalon für Fünfjährige“. Ich weiß nicht, wie Ihr das findet, aber mri läuft es da kalt den Rücken runter, wenn ich das sehe:

Dass in München vor kurzem ein Beauty-Salon speziell für junge Mädchen eröffnet hat, ist nichts Exotisches mehr. Casting-Agenturen für kleine Prinzessinnen, Makeup für Sechsjährige, glamouröse Hochfrisuren – immer mehr versucht die Industrie unsere Kleinsten bereits zu erwachsenen Frauen zu machen, die einem rückwärtsgewandten Rollenbild entsprechen. Doch nun formiert sich Widerstand.


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Wegezoll – Reiche Bahn lässt Regionalverkehr ausbluten

Wenn man den Heilslehren der Marktfanatiker glauben darf, ist es ja immer besser, der Staat hält sich aus allem raus und „der Markt“ regelt alles von alleine. Wie es tatsächlich läuft, kann man gut an der Bahn sehen, die seit langem für den Wettbewerb fit gemacht werden soll, zu Lasten all derjenigen, die die Bahn als alltägliches Transportmittel brauchen. Wenn man den Autoverkehr wirklich verringern wollen würde (was im Autoland Deutschland natürlich keine Partei wirklich will), wäre es doch meines Erachtens unumgänglich, die Bahn kostengünstig und komfortabel zu gestalten. Die Sendung quer nimmt sich dieses Themas in „Wegezoll – Reiche Bahn lässt Regionalverkehr ausbluten“ entsprechend an:

Sprit ist teuer wie nie. Kein Wunder, dass die Zahl der Fahrgäste im Regionalverkehr in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte gestiegen ist. Mittlerweile herrscht in den Zügen deshalb oft ein unzumutbares Gedränge. Doch trotz des Erfolges ist kein Geld da, um die Zug-Kapazitäten angemessen zu erweitern. Das läge in erster Linie an den hohen Trassengebühren, die die DB – immer noch Eigentümerin des Schienennetzes – verlangt, behaupten die privaten Regionalverkehrsbetreiber. Finanziert die Deutsche Bahn, die gerade wieder einen Gewinnsprung vermeldet, ihre internationale Expansion auf Kosten des Regionalverkehrs? Bayerische Politiker und auch die EU-Kommission schlagen Alarm.

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Islands Weg aus der Krise – ein Lehrstück?

Was manche vielleicht schon wieder vergessen haben – Island war das eines der ersten Länder, das durch die Finanzkrise in die Knie gezwungen und in den Staatsbankrott getrieben wurde, weil ihre Finanzinstitute sich, vernetzt mit den Banken anderer Länder, tief in den weltweiten Spekulationssumpf hineinwagten. Doch anders als hierzulande oder in anderen europäischen Staaten haben die Isländer Mut zu radikalen Schritten gefunden, wie das ARD-Magazin Plusminus (das zwischen neoliberaler Propaganda durchaus auch immer wieder Kritisches berichtet) in „Vorbild Island: Ausweg aus der Krise“ zu erzählen wusste:

Island war einer der ersten Staaten, den die Eurokrise voll erwischt hat. Inzwischen läuft wieder alles nach Plan auf der Insel – und zwar weitgehend ohne soziale Einschnitte für Bürger und Steuerzahler. Wie hat Island das nur geschafft?

“Finanz-Wunderland”

Island – ein Naturwunder, berühmt für seine heißen Quellen. Und zuletzt berüchtigt für ein zwielichtiges Wirtschaftswunder. Vor zehn Jahren wurde die Insel zum heißen Finanztipp. Die Banken locken mit Traumrenditen ausländisches Kapital an. 2008 ist ihre Bilanzsumme fast zehnmal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt. Das kleine Reykjavik wird zur Boomtown, der neue Reichtum protzig in Szene gesetzt.

Doch dann kommt die Finanzkrise. Die Blase platzt. Der Reichtum war nur vorgespiegelt. Alle wollen ihr Geld abziehen. Viele Banken gehen bankrott. Der Kurs der Krone fällt um 50 Prozent, und viel Wohlstand löst sich in Luft auf. Die Bevölkerung ist empört über die verantwortungslose Finanzpolitik; der IWF muss mit Notkrediten einspringen

Geir Haarde war damals Premierminister. Unter dem Druck der Bevölkerung trifft die Regierung eine unkonventionelle Entscheidung. Sie hatte damals beschlossen, die Banken nicht zu retten, berichtet Geir Haarde. “Wir wollten nicht, dass der Steuerzahler für die ausländischen Schuldner aufkommt. Aber wir haben mit einem Notfallplan dafür gesorgt, dass der heimische Finanzsektor trotzdem weiter funktioniert.”

Neue Bank gegen alte Bankschilder

Die Regierung lässt mehrere Finanzhäuser pleite gehen. Aber es kommt weiter Geld aus den Automaten. Weil der Staat die Banken übernimmt. Er schrumpft sie auf Normalmaß zurück und macht aus den Spielcasinos wieder solide Dienstleister für die heimische Wirtschaft.

Gleichzeitig wird eine eigene Staatsanwaltschaft gegründet, um die Hintergründe des Finanzcrashs energisch aufzuklären. Zwei mächtige Banker sitzen schon im Gefängnis. In über hundert weiteren Fällen wird ermittelt.

Das Bankgeheimnis war bei der Aufklärung kein Problem, sagt Staatsanwalt Björn Povaldsson. Die Ermittler hätten alle Informationen bekommen, die sie benötigten. “Es wurde ein spezielles Gesetz verabschiedet, als wir diese Ermittlungsbehörde gegründet haben. Das Bankgeheimnis gilt in diesen Fällen nicht.”

Allerdings: Trotz des Schuldenschnitts kämpfen viele noch mit den Folgen der Krise. Rund die Hälfte der Haushalte soll in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Wir fahren aufs Land zu Thrainn E. Der gelernte Koch musste nach einem schweren Autounfall und einem Herzinfarkt in Frührente gehen. Weil die Kredite in Island oft an die Inflation gekoppelt sind, wurde die Belastung für ihn nach der Krise immer höher. Beinahe hätte er sein Haus verloren.

Zwei Jahre musste Thrainn E. schwer kämpfen. Aber dann habe die Regierung den Zuwachs der Kredite begrenzt und die Berufsunfähigkeitsrente wurde deutlich erhöht. “Ich konnte deutlich spüren, dass meine Belastung geringer wurde. Das habe ich der Regierung zu verdanken.”

Sozialsysteme stärken

Der Staat hilft den Opfern der Krise, nicht den Banken und Spekulanten. Das genaue Gegenmodell zu der (vor allem von Deutschland geforderten) radikalen Kürzungspolitik. Und diesen Kurs will die neue Finanzministerin, Oddny G. Hardardottir, beibehalten. Nicht nur, weil es humaner sei. Sondern, weil es offensichtlich besser funktioniere, um aus der Krise zu kommen.

“Wir haben eine gemischte Politik gemacht,” sagt die Ministerin. “Wir haben Ausgaben gekürzt, aber versucht, nicht im Sozialsystem zu sparen. Und diejenigen zu schützen, die am meisten Hilfe vom Staat brauchen.” Außerdem hätte die Regierung die Steuern der Wohlhabenden stärker erhöht als die Steuern von Geringverdienern.

Sparen – nicht um jeden Preis

Trotz Steuererhöhung geht es in Island wieder aufwärts. Aktuell liegt das Wachstum über vier Prozent, und die Arbeitslosigkeit geht wieder deutlich zurück. Dabei hilft vor allem auch der stark gesunkene Kurs der Krone. Die Exporteure können ihre Waren nun billiger in Europa anbieten.

Der niedrige Kurs lässt auch die Touristen wieder vermehrt nach Island strömen. Sie baden in der Blauen Lagune, kaufen isländische Produkte und besuchen die Gaststätten.

Der Erfolg der Maßnahmen war auch möglich, weil sich die Regierung den radikalen Kürzungsforderungen des IWF widersetzt hat. So wurde ein sofortiger Absturz wie in Griechenland oder Spanien vermieden. Sparen ja, aber erst dann, wenn das Land und die Menschen es wirklich leisten können. Das war die Devise, auch für die Notenbank Islands. Präsident Mar Gudmundsson bestätigt, dass man erst angefangen habe zu konsolidieren, als der Aufschwung schon spürbar war. „Ende 2010 ging es wieder aufwärts, und das war auch die Zeit, als wir mit dem Schuldenabbau begonnen haben”.

Ungewöhnliche Wege aus der Krise

Und Island griff zu einem weiteren ungewöhnlichen Mittel: Kapitalverkehrs-Kontrollen. Sie verhindern, dass weiter Geld ins Ausland fließt und der Wert der Krone weiter abstürzt. Für den Bürger ist das sehr lästig. Euro kann er nur eintauschen, wenn er zum Beispiel ein Flugticket vorzeigt. Aber die Kontrolle des Kapitalverkehrs hat die Währung und das Land stabilisiert. Auch dieses Instrument hat Island beim IWF durchgesetzt, obwohl es sehr verpönt ist.

Das Land hielt dem internationalen Druck stand. Auch bei der Pleite der Icesave Bank. Der Präsident setzte zwei Volksabstimmungen durch. Die Isländer stimmten dafür, dass ausländische Anleger nicht entschädigt wurden.

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Die Energiewende als unsoziales Projekt auf dem Rücken der Bürger

Ja, heute gleich mal wieder ein Beitrag, der einen die Haare zu Berge stehen lässt – das BR-Magazin quer hat sich frisch aus der Sommerpause gleich mit einigen heißen Eisen befasst, beispielsweise der Energiewende, die in Deutschland zu Lasten der Bürger und zum Vorteil der Konzerne durchgeführt wird. Das ist zwar schon etwas länger bekannt, aber so kompakt auf den Punkt wurde das selten gezeigt wie hier. Da fällt mir nichts mehr zu ein… „Öko-Paradox: Geld sparen mit Stromverschwendung

Letztes Jahr sagte Angela Merkel, die Umlage für den Ökostrom würde nicht mehr steigen. Jetzt steigt der Strompreis aber wieder gewaltig. Nur für Privathaushalte, wohlgemerkt. Eine steigende Anzahl “energieintensiver” Unternehmen wird davon befreit. Das Paradoxe am Ökostrom: ökologisch handelnde Firmen werden für ihre Nachhaltigkeitsbemühungen bestraft. So wie Helmut Drechsel aus Oberfranken. Er hat in einen energiesparenden Maschinenpark investiert und bleibt dadurch unter der Befreiungsgrenze. Gleichzeitig beobachtet er, wie manche Betriebe ihre Maschinen jetzt sogar extra Tag und Nacht leer laufen lassen, nur um die Befreiungsgrenze zu überschreiten.

 

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