Nov
30
2010

Wie die Banken den Euro verspielen und sich ihre Gesetze selber schreiben

Die Finanzkrise, wisst Ihr noch? Ein Gespenst ging um in der Welt. Düstere Prognosen machten die Runde, manche Mainstream- wie Indiemedien überschlugen sich geradezu darin, die Zukunft in den apokalyptischsten Farben zu malen (ich erinnere an die Prognose des LEAP, dass die USA im Sommer 2009 Staatsbankrott anmelden müssten); auch in meinem Blog habe ich 2008/2009 so manch unerfreulichen Ausblick gegeben (wer mag, kann sich ja mal durch’s Archiv klicken). Scheinbar ist, zumindest in Deutschland, das Schlimmste ausgeblieben – das öffentliche Leben funktioniert immer noch, wir haben Strom, Internet und fließend Wasser und auch die Supermarktregale sind nicht verwaist. Ist das nicht toll? Ein echtes Wunder, Ergebnis einer umsichtigen Politik und emsiger Arbeiter?

Naja… wenn man bedenkt, dass die Staaten weltweit die Finanzmärkte und andere Wirtschaftsunternehmen mit Aberhunderten von Milliarden von Euro geflutet haben, ist das, was jetzt die Presse zu einem kleinen Wirtschaftswunder hochstilisieren will, nichts Überraschendes. Umso überraschender dürfte dann für viele, die den offiziellen Verlautbarungen Glauben schenken, wiederum die nächste Krise werden, die, und da muss man kein Prophet sein, mit ziemlicher Sicherheit kommen wird. Denn natürlich sind all die Probleme, die „damals“ zu der Finanz- und Wirtschaftskrise führten, nicht gelöst worden – sie wurden nur zugdeckt und in die Zukunft verschoben. Das Leben auf Pump, das Schöpfen von Unmengen von Geld und das hemmungslose Zocken an den Finanzmärkten geht weiter als wäre nie etwas gewesen. Ja, die Banken gehen letztlich sogar gestärkt aus jeder Krise hervor, weil sie jedesmal mit dem Geld der Steuerzahler rausgepaukt werden, wenn es mal eng wird. Ein Erfolg für die Lobbyisten und Strippenzieher des Finanzwesens, Chapeau!

Die Sendung quer im Bayerischen Fernsehen befasste sich letzte Woche gleich in zwei Beiträgen mit der alles andere als rosigen Lage, die unter Jubelmeldungen der Art „unter 3 Mio. Arbeitslose“ aus den Augen mancher Leute geraten ist. In „Irland-Krise – wie die Banken den Euro verspielen“ wird kurz und knapp aufgezeigt, wie die Banken auch an dieser Krise, die sie mitverschuldet haben, ordentlich verdienen – zu unser aller Lasten.

Bis zu 85 Milliarden Euro braucht der Pleitestaat Irland von der EU und dem Internationalen Währungsfond. Im schlimmsten Fall müsste Deutschland für ein Viertel der Finanzhilfen haften. Trotzdem pochen deutsche Banker auf schnelle Hilfe und beschwören die europäische Einheit. Kein Wunder, schließlich sind sie zweitgrößter Gläubiger Irlands und haben eine Menge zu verlieren. Finanzexperten kritisieren nun, dass einmal mehr die Europäische Union den Banken aus dem Schlamassel helfen soll – mit dem Geld der Steuerzahler.

In der selben Sendung wird auch Wirtschafftsprofessor Max Otte interviewt – „Es ist natürlich ein Skandal“, so kommentiert er das Vorgehen der Banken und das Kuschen der Politik:

Max Otte ist Professor für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule in Worms. Den Börsencrash von 2008 hatte er schon 2006 vorhergesagt. Über Lobby und Juristen, meint er, schreiben sich die Banken den größten Teil ihrer Gesetze selbst.

Dazu passt auch die aktuelle Meldung des Handelsblatts „Wikileaks will US-Großbank bloßstellen“:

Gründer der Internet-Plattform Wikileaks, Julian Assange, hat in einem Interview angekündigt, als nächstes die Wirtschaft ins Visier nehmen zu wollen. Nach der Veröffentlichung von US-Regierungsdokumenten solle Anfang nächsten Jahres eine amerikanische Großbank das nächste Ziel werden, sagte der Australier in einem Interview des US-Magazins „Forbes“, das am Dienstag online veröffentlicht wurde.Dabei gehe es um Zehntausende interner Dokumente der Finanzinstitution, schreibt das Magazin. Die Offenlegung des Materials eröffne „wahre und repräsentative Einsichten, wie sich Banken auf der Managementebene verhalten“, sagte Assange weiter. Die Folge dürften „vermutlich Untersuchungen und Reformen sein“. „Forbes“ schreibt, die Veröffentlichung ermögliche jedem Kunden, Konkurrenten und den Regulierungsbehörden den Blick auf die Geheimnisse der betroffenen Bank. (…)

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6 Kommentare »

  • Vogel

    Moin Peter,
    “Dazu passt auch die aktuelle Meldung des Handelsblatts „Wikileaks will US-Großbank bloßstellen“”

    Na endlich, kann man da nur sagen, jezz wird’s richtig interessant. Das ist doch die richtige Reihenfolge: Erst das Kapital (Banken, Versicherungen, FD-Sektor [-Industrie(?) was produzieren die eigentlich?]), dann die Konzerne (die große Wirtschaft, die Globelplejer), dann das Elitariat – dann erst die Büttel der Vorgenannten, die Politniki.

    Jezz also beschäftigt sich Wikileaks mit ‘nem wichtigen Thema. Da werden die Politniks wieder alle Hände voll zu tun kriegen: Hände auf die Ohren, Hände vor die Augen, Hände vor’n Mund, Hände auf’n Rücken oder in die Taschen, aufpassen, dass man bloß nix kapiert, neue (terroristische!!) Ablenkungsmanöver oder Bedrohungsszenarien erfinden/aufbauschen …
    (frei nach Hagen Rether: “Haben Sie Angst vorm Islam? Haben Sie Angst vor Terroristen? Jedes Jahr kommen in Deutschland tausende wegen Alkohol ums Leben. Haben Sie Angst vor Riesling?”)

    Ich freu’ mich drauf: Feste auf die Kacke hauen und guggen wie weit es spritz – und wer alles dreckig wird.

    Wikileaks: Weiter so!

    Comment | 30. November 2010
  • wolfgang

    super beitrag!!!

    dazu sehr passend das neue 10 budget lügen von attac:
    http://www.attac.at/budget-luegen.html

    Comment | 30. November 2010
  • Hallo Peter,
    Es gibt da noch eine Initiative Namens Monetative, die die Idee der 4. Staatsgewalt für die Schöpfung von Geld eintritt: http://www.stern.de/politik/deutschland/professor-haeberle-zur-plagiatsaffaere-guttenbergs-doktorvater-geht-auf-distanz-1658731.html
    Viele Grüße, Martin

    Comment | 28. Februar 2011
  • @ Martin: Danke für den Hinweis – stimmt der Link? Der Sternartikel befasst sich ja mit dem Freiherrn von & zu…

    Comment | 28. Februar 2011
  • Dirk P.

    Bitte teilt den Aufklärungslink gegen den ESM-Vertrag mit euren Freunden, Bekannten auf Facebook (an die Pinnwand des Freundes posten), per Mail und so weiter – die Zeit wird knapp, umso mehr sich darüber informieren, um was es sich bei diesem diktatorischen Ding handelt, umso besser!

    Hier der Link zu dem Video auf YouTube

    http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0

    Comment | 1. Juni 2012
  • Thomas.S(Dorsten)

    Bodenlose Frechheit was Merkel aus der Zukunft der jungen Leute in unserem Land macht!Wieder eine neue Möglichkeit für die so oftmals geretteten Banken noch mehr Geld zu scheffeln,da Kredite wiedermal nicht ankommen werden.Die Mehrheit der Großunternehmen schreiben seit Jahren hohe Vorsteuer Gewinne und den kleinen Bürger versucht man mit Niedriglöhnen abzuspeisen.Wachstum fängt mit etwas Kleinem an.Das hat uns schon die Biologie gelehrt!Den eigenem deutschen Volk wird es verwehrt zu wachsen,da man ihm alle Möglichkeiten raubt Existenz erst zu schaffen.Menschen in unserem Land gehen jahrelang buckeln um in der Situation der Arbeitslosigkeit erniedrigt zu werden.Zu dem kommt oftmals die traurige Erkenntnis aus dem verfluchten Teufelskreis nicht mehr raus zu kommen.Wem hilft das ganze beschissene Gerede ums Europa?Den Menschen aus all den zugehörigen Ländern ging es damals besser als heute!Mehr Wachstum,weniger Arbeitslosigkeit,all das war doch der Preis für ein vereintes Zusammensein,wo der eine den Anderen ums sauer verdiente Geld bringt.Das beste Beispiel ist nun mal Griechenland.Die netten Leute dort,sahen den Beitritt als einen Freifahrtsschein ins Paradis,den sie jetzt abstempeln.Oder wie sollte man die Tatsache des Geldes das sie jetzt von den Banken abheben (ca 800 Mill Euro täglich) den sonst betrachten?Und nun kommen die dummen Deutschen und werfen die nächsten Pakete rein!Griechenland wird das Geld gerne nehmen und anschließend so weiter machen wie vorher,uns sie Frau Merkel werden das ebenfalls tun!Wir Deutschen sind doch genau so am Ende wie alle anderen Pleitestaaten.All die nichtsozialversicherungspflichtigen Jobs sind doch Sicht auf Armut!!!!!!Wovon sollen diese Menschen sich eines Tages ernähre?Wenn diese nun im Alter nicht mehr die Kraft haben werden sich zu versorgen,sei es aus der Situation des Rentenalters,oder sogar aus der von Frau Merkel verursachten Armut,dann sollten wir alle nur hoffen,das es für diesen Notfall ebenso Rettungsschirme für uns geben wird.Das was hier mit uns betrieben wird ist Diebstahl und Raubrittertum der Modernen Zeit. Frau Merkel sie verschulden nicht nur mich und meine Mitbürger,nein sie verschulden auch meine Kinder,die momentan noch nicht einmal geboren sind.So verantwortungslos mit dem Leben aller Bürger dieses Landes umzugehen ist nicht unverschämt und skurril,sondern reine Kapitalvernichtung auf höhstem Niveau!
    Solange alle Märkte nicht dazu genötigt werden zu gleichen Preisen und fairen Konditionen zu produzieren,bleibt die Chance der Verleitung zur Steuerflucht nun mal groß!Das Geld der Griechen,oder sollten wir lieber sagen auch unser Geld,das bei uns niemals ankommen wird fließt wiedermal in die Schweiz und in andere Paradiese!Ich möchte anmerken das selbst in Italien schwarze Häfen (Häfen in denen Länder wie China die Möglichkeit haben Plagiate Straffrei am Zoll vorbei zu führen)alltäglichen Bestand haben.Versucht man das einem klar denkendem Menschen zu erklären,würde dieser wohl mit dem Kopf schütteln.Ist das der nächste Staat dem sie ein Rettungsschirm zuwerfen wollen Frau Merkel?Das schlimmere Vergehen ist für mich nicht das Thema der schwarzen Häfen,als vielmehr die Tatsache das Politiker wie sie es wissen und nichts dagegen unternehmen!Wie viele dieser Häfen gibt es in Griechenland Frau Merkel?Waren sie nicht vor kurzem in China und lobten den Finanzminister und den dortigen Außenminister für die tolle Zusammenarbeit und die gute Export und Import Arbeit beider Länder?Sie sind entweder nicht ganz auf der Höhe,oder sie glauben tatsächlich ihre Mitbürger wären zu dumm dieses zu erkennen.Das wird offensichtlich auch der Grund ihrer Vorgehensweise in der aktuellen Finanz Problematik sein.Anders kann ich mir den Verrat am eigenen Volk nicht erklären!Oder soll die Begeisterung für die Schulden der Griechen nur über die Eigenen hinwegtäuschen?Zeitlich verschieben können sie die Schmach die auf ihnen lasten wird,abwenden jedoch nicht!
    Eines lassen sie sich gesagt sein,sie werden Geschichte schreiben Frau Merkel,jedoch keine Positive!Und noch etwas,lieber jetzt raus aus der Misere,100 Milliarden verlieren und Deutschland aufbauen,als alles verlieren und sich nach ihrer Amtszeit Buh Rufen aussetzen zu müssen.Zum Wohle des Volkes und zu ihrem Eigenen.

    Comment | 19. Juni 2012

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