Jan
09
2012

Fernsehtipp: Der Lidl-Check

Heute Abend bringt die ARD ab 20:15 Uhr, also zu prominenter Sendezeit, „Der Lidl-Check“. Da die Discounter und ihr Treiben auch zu den wichtigen Themen in meinem Blog gehören, will ich Euch diese Doku nicht vorenthalten – wobei man halt nie so weiß, was am Ende herauskommt, denn wenn sich Fernsehsender mit Aldi, Lidl & Co. beschäftigen, werden meistens nur Teilaspekte betrachtet, also die miesen Arbeitsbedinungen oder Bespitzelungen o.ä. aber selten die fatalen Auswirkungen für die Umwelt und die Gesellschaft als Ganzes, die durch die Billigspirale ausgelöst werden. Aber vielleicht bildet die ARD-Sendung da heute eine löbliche Ausnahme!

Früher sorgte Lidl häufig für negative Schlagzeilen: zuviel giftige Pestizide in Obst oder Gemüse – Mitarbeiter, die bespitzelt wurden. Hat sich hier der Discounter, wie er von sich behauptet, wirklich verbessert? In Preisvergleichen, Produktverkostungen und Laboruntersuchungen sowie in Gesprächen mit ehemaligen und heutigen Mitarbeitern findet der Lidl-Check heraus, was von dem Discounter-Riesen zu halten ist.

Dazu schreibt news.de:

Ein Punkt im Lidl-Check ist deswegen nun auch die Fairness. Und es stellt sich heraus, dass die Arbeitsbedingungnen bei Lidl heute erheblich besser sind als ihr Ruf. Aber das Team vom WDR geht noch erheblich weiter, als nur den Umgang mit Verkäufern in deutschen Supermärkten zu untersuchen. Die Redakteure fahren bis Bangladesch, um die Arbeitskonditionen in Fabriken zu untersuchen, die Textilien für Lidl herstellen.Hauptsache billig

Kaum überraschend, dass das Check-Team dort schnell fündig wird: Während sich im Umgang mit deutschen Angestellten seit den Skandalen 2008 und 2009 einiges getan hat – Gehälter nach Tarif, bezahlte Überstunden und die Möglichkeit zur Gründung von Betriebsräten – sind die Bedingungen der Näherinnen in Bangladesch erschreckend schlecht. Der Mindestlohn liegt bei 30 Euro im Monat, mehr gibt es nur bei vielen Überstunden. Dabei arbeiten die meisten Beschäftigten schon regulär zwischen 10 und 16 Stunden pro Tag.

Gegenüber den verdeckt auftretenden WDR-Journalisten prahlen Fabrikbesitzer mit den billigen Produktionskosten – nirgendwo in der Welt würden Arbeiter weniger Lohn erhalten als hier. Dass man auch in Bangladesch von monatlich 30 Euro nicht leben kann und die meisten Näherinnen in Slums leben und Hunger leiden, ist den Lidl-Bossen offenbar egal. Hauptsache billig produzieren.

Aber das Team vom Markencheck versteift sich nicht auf die Produktionsbedingungen im Fernen Osten, sondern untersucht die deutschen Lidl-Supermärkte auch hinsichtlich Preisvorteil, Stressfaktor und Qualität. Die Redakteure gehen fair vor, vergleichen den Discounter mit seinem Hauptkonkurrenten Aldi und vermeiden es, das Thema reißerisch aufzuarbeiten.

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken

14 Kommentare »

  • Bluntman

    Kommt mir alles seltsam bekannt vor. Alle vorherigen Sendungen nochmal neu verwurstet?

    Comment | 9. Januar 2012
  • Idealistin

    @ Bluntmann,

    glaubst du etwa, nur weil man es nicht mehr hören kann – ist es tatsächlich besser geworden?
    Wie die drei Affen- Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen….bequem oder?

    Comment | 9. Januar 2012
  • ed.saxum

    hat sich etwa nichts geändert, wer hätte das gedacht.

    Comment | 10. Januar 2012
  • Soulagent79

    LIDL hat ein Statement auf Facebook veröffentlicht und mobilisiert scheinbar seine Mitarbeiter um begeisterte Kommentare darunter zu schreiben…

    http://www.facebook.com/Lidl/posts/10150526669132258

    Comment | 11. Januar 2012
  • Carsten

    Kolumne in der taz.

    http://taz.de/Kolumne-Wortklauberei/!85421/

    Comment | 12. Januar 2012
  • ed.saxum

    wie ich schon auf den ard yt kanal bei dem lidl check schrieb. das ganze wirkte eher wie eine werbung, man bekam erst ein gutes gefühl nach dem motto “gut und günstig” und am ende wird gezeigt wie die Leute hier zu Lande und in Übersee ausgebeutet werden. Was mich bei jedem Markencheck, Erst kommt “hmmm Rezept” und erst zum schluss “Fairness”. also alles toll und am Ende ohh keine Menschenkinder und die armen Kinder auf den Feldern. wenn man nen aber schon ein positives Grundgefühl hat kann man den Rest besser ignorieren, verdrängen. Gerade deswegen ist es für mich pure Werbung. Der Fairness teil sollte immer als erstes kommen. Es ist scheiß egal wie lecker, einmalig, qualitativ wertvoll, günstig ein Produkt bzw eine Firma ist wenn dort Menschenrechte ignoriert werden.

    Comment | 12. Januar 2012
  • @ ed saxum: da kann ich Dir nur 100%ig zustimmen! Bei diesen “Markenchecks” wird viel Potential verschenkt. Aber immerhin: ein Freund, der bisher immer Nutella etc. kaufte, lässt Ferrero-Sachen nach dem “Ferrero-Check” fortan im Regal liegen. Diese Sendungen können also doch was bewegen. Aber egal: Niemand sollte bei solchen Buden Aldi, Lidl & Co. einkaufen, Punkt.

    Comment | 12. Januar 2012
  • Ed Saxum

    @ peter

    Dieses UTZ Siegel von Mars bei der Schokolade beim Balisto. Was für einen Wert hat es?
    Kann man denn sicher sein, dass dort keine Inder arbeiten oder ist das sone Augenwischerei?

    Comment | 12. Januar 2012
  • @ Ed Saxum: also um ehrlich zu sein weiß ich über das UTZ-Siegel nichts weiter, deshalb kann ich auch keine qualifizierte Antwort geben, welchen Wert es hat. Aber ich kann einige grundsätzliche Dinge anmerken:

    1) Man sollte generell niemals einem Großkonzern trauen; viele Initiativen, die nach außen hin gut aussehen, sind nur Augenwischerei oder Greenwashing, mit denen sie versuchen, ihr Image zu verbessern und ein paar kritische Geister an sich zu binden.
    2) Ich kaufe eh nichts, was groß beworben wird.
    3) Selbst wenn das Siegel korrekt ist und Arbeiter fair bezahlt werden etc., stammen die Zutaten eben dennoch etwas aus industrieller Landwirtschaft, aus Massentierhaltung usw., deshalb ist das Siegel für mich kein Kaufanreiz.

    Comment | 13. Januar 2012
  • Ed Saxum

    Ja es ist ja nicht nur für mich Wichtig sondern eher doch also … nochmal von Vorne. Es ist wichtig um zu Informieren und Informiert zu sein. Ich hab noch einen weiten Weg vor mir und ändere nach und nach ein wenig an meinen Verhalten. Ich hoffe ich komme irgendwann mal da an wo ich ich dich einschätze.

    Wenn ich den Spiegel Artikel richtig Verstanden haben ist UTZ soetwas wie fake Fairtrade oder Fairtrade light. einen einen Fairtrade Produkt muss 100% Fairtrade drinnen sein. bei einen UTZ Produkt muss nur 30% UTZ drinnen sein.
    Dazu fließt ein ganz klein wenig mehr Geld und es muss Versprochen werden “Keine Kinderarbeit”. Nachdem Motto “Versprochen ist Versprochen und wird auch nicht gebrochen” verzichten dann die UTZ Leute auch auf Kontrollen.
    Also ist meiner Meinung nach das UTZ Siegel mal wieder nur Verblendung. Das Gefühl hatte ich aber eh als erstes gehabt.

    Achja hier die Quelle. gerade wiedergefunden. Wenn ich es Falsch verstanden habe dann kläre mich bitte auf.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,665977,00.html

    Comment | 13. Januar 2012
  • LIDL Sklave

    Ich als langjähriger LIDL Mitarbeiter, kann nur sagen, dass sich nichts geändert hat. Sicherlich wird offiziell gesagt das jede Minute bezahlt wird, aber das sie dir eine Pause Tag für Tag abziehen, die du nicht machst, darüber verliert keiner ein Wort. Und wenn du dein Pensum in deiner Arbeitszeit nicht schaffst, machst du freiwillig unbezahlt weiter, bevor der Chef dir sagt wie unproduktiv du bist. Es werden weiterhin Testkäufe getätigt und Inventurdifferenzen werden sowieso nur durch das unqualifizierte Personal verursacht. Und wehe dem du bist mal krank. Man muss ständig erreichbar sein, (Wochenende, Urlaub, Krankheit; Feierabend) als Lidlianer gibt es kein Privatleben. Und zu Facebook muss ich sagen, dass dort nur positives steht, da du sonst sofort gesperrt wirst, wenn du Kritik an LIDL äußerst. Suche 5 – 12 Jobs für gequälte LIDL Mitarbeiter :(
    Die sollen nur aufpassen, dass es ihnen nicht bald so geht wie der Familie Schlecker! Genau das passiert wenn man seine Leute, die die wirklich harte Arbeit machen und an der Hauptquelle sitzen “versklavt”. Armes Deutschland!

    Comment | 1. März 2012
  • Idealistin

    Hallo Lidl-Sklave

    Schreiben, schreiben, schreiben – wozu noch? Wie du schon sagst – es hat sich nichts Wesentliches geändert. Andere Discountersind ähnlich heftig und Firmen wie Edeka, Bünting (Combi) haben ihre Packsklaven gemietet, die für ein Taschengeld Waren verräumen und an den Kassen sitzen überwiegend 400€-Kräfte, die untertariflich bezahlt werden. Da man das Tarifgehalt rigoros unterwandert, werden Subfirmen nach verräumten Paletten bezahlt, nicht nach Stunden.

    Unser ganzes Wirtschaftssystem ist ein einziger Sauhaufen, errichtet von einer selbst ernannten Elite (die sich als Elite der Unmoral und Skrupellosigkeit erweist) Blutsauger, die uns auspressen wie eine Zitrone. Die Medien manipulieren uns, genauso wie die Politik die uns nur dass erzählt, was ihr dient und uns dadurch dazu bringt, für eine kleine Oberschicht immer mehr Geld zu verdienen und wir selbst werden dabei immer ärmer. Wir werden verladen – und zwar richtig Der schlimmste und gewollte Nebeneffekt ist aber die immer größere werdende Abhängigkeit vom System. Kleine Rädchen die sich immer schneller drehen müssen, um alles in Gang zu halten (WIR).

    Aber es geht auch anders – man kann es durchbrechen, indem man sein Leben umkrempelt, weniger arbeitet, weniger konsumiert und sich nicht von den Werbefuzzis vorgaukeln lässt, man sei nur mit bester materieller Ausstattung ein liebenswerter, sympathischer erfolgreicher und glücklicher Mensch. Wenn das richtig wäre, müsste man in den Industrieländern weitaus mehr lachen als in Afrika – das Gegenteil ist der Fall.

    Ich war fast elf lange Jahre bei Lidl und habe dann endlich einen Schlussstrich gezogen. Als die Selbstmitleidsparty ein Ende hatte, kam die Tatkraft zurück. Du hast nur drei Wahlmöglichkeiten – du bleibst und leidest, du fängst an dich zu wehren, oder du gehst – gehen ist am einfachsten….

    PS: Hier findest du viel konsumkritisches – aber wenn du etwas ändern willst, musst du zuerst bei dir selbst anfangen.
    Sieh dir mal dies hier an:

    http://www.federleicht-leben.de/10-wir-texte/wolfgang-texte/occupy-federleicht/02-unsere-welt/index.html

    und

    http://faszinationmensch.wordpress.com/2012/01/22/kritik-an-unserem-schulsystem-daruber-wie-wir-unsere-kinder-verdummen/#more-2049

    letztere ist vielschichtig und beleuchtet mehrere Aspekte. Kann beide sehr empfehlen.

    Comment | 4. März 2012
  • Lilu

    Ich als LIDL Mitarbeiterin, in Elternzeit kann nicht wirklich gutes über LIDL berichten. Wir kleinen Mitarbeiter sind doch für die Oberen keine Menschen, sondern Arbeitsmaterial. Ziet man in der Elternzeit in eine andere Geselschaft und möchte nach vielen Jahren im Unternehmen dort wieder eisteigen, wird man aussortiert. Da war man diesem Unternehem viele Jahre treu, bald ein ganzes Jahrzehnt hat man sich echt den A… wund gearbeitet, dass zählt nicht. Ich habe da schon so einige Schen mit machen und ertragen müssen,Psychischen druck (stress), Erpressung und Mobbing, durch Verkaufsleiter und Filialleiter. Nicht grundsätzlich alle bei LIDL in oberen Etagen sind schlecht, aber hast du einen A… vor dir, hast du verloren und davon gibt es bei denen jede Menge. 2 Jahre Elternzeit und ein Umzug und schon sind sie dich ohne das man sie ran kriegen kann “los”. Also liebe FRAUEN, wollt ihr einen Kolanten Arbeitgeber…GEHT NICHT ZU LIDL. Der Verkaufsleiter hier sagte zu mir, “ich habe zwei Damen, die kommen jetz aus der Elternzeit, die muss ich nehmen, die kann ich nicht ablehnen”.

    Comment | 6. Mai 2012
  • pom

    :-(

    Comment | 6. Mai 2012

Kommentare per RSS Feed verfolgen. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Anti-spam image

Konsumpf 2008 - Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes