Nov
26
2009

Buy Nothing Day 2009 + Wildcat General Strike am 28.11.09

bnd06_manilla

Übermorgen, am 28. November (bzw. am 27. November in den USA) ist es mal wieder soweit – es ist Buy Nothing Day (Kaufnixtag). Seit nunmehr bereits 20 Jahren wird dieser bereits, initiiert von Adbusters, weltweit begangen. Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach und einleuchtend: Wenn Ende November/Anfang Dezember die kränkeste Konsumphase des Jahres eingeleitet wird, weil es auf das Fest des Kaufens und Schenkens („Weihnachten“) zu geht, sollen die Menschen wenigstens für einen Tag innehalten und 24 Stunden lang nichts kaufen. Statt den Konsum anzuheizen geht es also darum, sich mit anderen Dingen im Leben zu beschäftigen. So sehr man den BND auch als Aktion mit beschränktem konkreten Nutzen kritisieren kann (vermutlich werden die meisten Leute, die daran teilnehmen, ihre Kaufentscheidungen nur vertagen), so sehr ist doch der symbolische Gehalt des Tages herauszustreichen sowie der grundlegende Gedanke, dass Leute tatsächlich mal über ihr Kaufverhalten, das bei den allermeisten inzwischen vermutlich ein automatisiertes Eigenleben führt, nachdenken.

Dieses Jahr will Adbusters den Buy Nothing Day auf eine neue Stufe heben und ruft gleichzeitig den „Wildcat General Strike“ (wilden Generalstreik) aus – auf der Webseite zu dieser Kampagne hat Adbusters diverse schöne Aktionen und Infos aus der ganzen Welt zusammengetragen, die zeigen, wie kreativ man der Konsummaschine den Mittelfinger zeigen kann. Darunter sind auch einige deutsche Initiativen, wie in Heilbronn (>> „den Konsumwahn boykottieren“ incl. Flashmob, Straßentheater uvm.) oder Leipzig (>> „Kauf Nix Tag 2009“).

Ich erlaube mir mal eben die Übersetzung des Adbusters-Textes:

———————–

Aus diesem Grunde rufen wir an diesem 27. November (28. November in Europa und in Übersee) einen wilden Generalstreik aus. Wir rufen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt auf, die kapitalistische Konsummaschine anzuhalten – wenn auch nur für einen Moment.

Wir wollen, dass Ihr nicht nur für 24 Stunden aufhört, zu kaufen, sondern auch das Licht, den Fernseher und andere unwichtige Geräte abschaltet. Wir möchten, dass Ihr Euer Auto stehen lasst, Eure Telefone und Eure Computer für diesen Tag ausschaltet. Wir rufen zu einem Ramadan-ähnlichen Fasten auf. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang werden wir uns in Massen ausklinken, nicht nur aus dem Feiertagsshopping, sondern von allen anderen Verlockungen unseres „5-Planeten-Lebensstils“. (Anm. PM: hier wird sich darauf bezogen, dass wir, wenn die gesamte enschheit den exzessiven Lebensstil der USA oder Europäer betreiben würde, 5 Planeten bräuchten, um uns mit den nötigen Rohstoffen für unseren Konsumstandard zu versorgen.)

Wage den Schritt:
Du weißt, wie man sagt: jede lange Reise beginnt mit einem einfachen ersten Schritt. Du hast das Gefühl, dass alles auseinanderfällt – die Temperaturen steigen, die Ozeane sind aufgewühlt, die weltweite Wirtschaft ächzt – wieso nicht etwas tun? Mache einen kleinen Schritt nach vorne in eine gerechtere und nachhaltigere Zukunft. Gehe einen Pakt mit Dir selbst ein: begib dich auf eine Konsum-Diät. Schließ’ deine Kreditkarten und dein Bargeld weg und schalte dich aus dem kapitalistischen Spektakel aus. Du wirst vielleicht merken, dass das schwieriger ist, als du denkst, dass der Impuls, etwas zu kaufen, stärker in dir verankert ist als dir jemals bewusst war. Aber du wirst widerstehen und du wirst bewusster werden – vielleicht erreichst du die „Erleuchtung“, die die Welt verändern kann.

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20 Kommentare »

  • Permafrust

    Ganz gewiss, tausche ich nicht Weihnachten gegen Ramadan. Soll hier Konsumkritik zur einer Art Konvertierungsshow werden?
    Sicher konsumieren wir im Westen zuviel und oft auch sinnlos.
    Nur ist ein Nichtkauftag ziemlich sinnfrei. Entweder hat man ganzjährig ein konsumkirtisches Bewußtsein oder nicht. Dann hilft ein Tag nicht weiter.
    Vor allem nicht, wenn abends wieder konsumiert/gefuttert wird, wie im Ramadan.
    Immer oder nie!

    Comment | 26. November 2009
  • Wenn Du den Text aufmerksam durchgelesen hättest (auch den auf der Adbusters-Seite), wüsstest Du, dass es (wie ich auch in dem Text schrieb) eben genau darum geht, das grundlegende Bewusstsein der Menschen zu schärfen, was ihr Konsumverhalten angeht und NICHT nur um diesen einen Tag Nicht-Kaufen (das wäre ja komplett nutzlos, klar). Der BND soll lediglich diese grundlegende Malaise ins Bewusstsein holen, indem an diesem einen Tag der Fokus darauf gerichtet wird und manche Leute dann vielleicht mal beginnen, sich weiterführende Gedanken zu machen. “Immer oder nie” ist übrigens eine bescheuerte, weil arg binäre und einschränkende Maxime. ;)

    Comment | 26. November 2009
  • So eine Art von Großboykott halte ich schon mal nicht durch. Schon gar nicht am 27ten an dem ich herumreise. Findest du nicht, dass das ein wenig zu hoch angesetzt ist? So geht der Effekt ja gegen Null.

    Comment | 27. November 2009
  • Erst einmal geht es um den 28. ;-) , und zum zweiten, nein, es ist nicht zu hoch angesetzt, sondern zeigt eher noch jedem, wie tief das Konsumieren schon in sein Leben verwoben ist, wenn man es nicht mal einen Tag lang durchhält. Ich habe in der Regel mehrere “Buy Nothing Days” pro Woche, werde es aber am Samstag wohl auch nicht schaffen, nichts zu kaufen, da ich zumindest Geld für eine Karte für das Heimspiel von Holstein Kiel ausgeben werde… :-) Aber shoppen gehen werde ich sicher nicht. Schade, dass es hier im Norden keine solchen Aktionen gibt wie die in Heidelberg, daran würde ich auf jeden Fall teilnehmen. Vielleicht hätte ich sowas mal selbst initiieren sollen…

    Ach so, was fändest Du denn nicht “zu hoch angesetzt” – an einem Tag mal nur Sachen der Firma XY nicht zu kaufen oder nichts zwischen 12:30 und 13 Uhr zu konsumieren? Es soll halt auch eine gewisse Herausforderung darstellen. Abgesehen davon geht es, um mich noch mal zu wiederholen, primär ja auch darum, das Bewusstsein fürs eigene Konsumverhalten zu schärfen, sprich, sich zu überlegen, ob man wirklich all das, was man normalerweise so kauft, kaufen muss etc.

    Comment | 27. November 2009
  • [...] Ausführlich zum Buy Nothing Day (Ansatz, Hintergründe etc.) hat Peter auf konsumpf.de geschrieben. [...]

    Pingback | 27. November 2009
  • Buy Nothing Day 2009 + Wildcat General Strike am 28.11.09…

    Von Peter Marwitz | Konsumpf
    Übermorgen, am 28. November (bzw. am 27. November in den USA) ist es mal wieder soweit – es ist Buy Nothing Day (Kaufnixtag). Seit nunmehr bereits 20 Jahren wird dieser bereits, initiiert von Adbusters, weltweit begangen…

    Trackback | 27. November 2009
  • so etwas hat ja schon ewige tradition wenn man mal an ramadan oder an die christliche fastenzeit denkt :)

    nun soll es halt mit dem konsum sein, why not :)

    Comment | 27. November 2009
  • Mit dem großen Unterschied, dass hier keine religiöse Verbrämung dahinter steht, sondern es ganz pragmatische Gründe hat, weniger zu konsumieren – um den Fortbestand der Menschheit und einer lebenswerten Erde nicht weiter zu gefährden…! Aber fasten, um sich auf Wesentliches im Leben zu konzentrieren, hat natürlich auch ähnliche Wirkungen, nehme ich mal an. :)

    Comment | 27. November 2009
  • Buy Nothing Day 2009 + Wildcat General Strike am 28.11.09…

    Von Peter Marwitz | Konsumpf | – Morgen, am 28. November (bzw. am 27. November in den USA) ist es mal wieder soweit – es ist Buy Nothing Day (Kaufnixtag). Seit nunmehr bereits 20 Jahren wird dieser bereits, initiiert von Adbusters, weltweit be…

    Trackback | 27. November 2009
  • uem

    Hier ist auch was interessantes zu diesem Thema:

    http://www.taz.de/1/zukunft/konsum/artikel/1/kauf-nix-konsumier-doch/

    Comment | 27. November 2009
  • AndyCarl

    Ich schlage einen “No-Breath-Day” vor. Einen Tag lang die Luft anhalten um Zeit zu haben, über die Luftverschmutzung im Besonderen und die Umweltverschmutzung im Allgemeinen nachzudenken.
    Würden das alle machen, hätte die Natur die meisten Probleme gelöst.

    Comment | 27. November 2009
  • Äh, ja – sicherlich total pfiffig/lustig gemeint, nur leider ist’s halt ein strukturell gänzlich unpassender Vergleich zum BND, weil ja nicht das Atmen die Luft verschmutzt und es somit nichts mit der Luftverschmutzung zu tun hat. Kaufen ist hingegen schon verantwortlich für all die Zerstörungen und Verwerfungen, die der Konsum auf der Welt anrichtet. (u.a. auch Luftverschmutzung auf Grund der industriellen Produktion der zu kaufenden Güter) Mit etwas Schädlichem aufzuhören/innezuhalten, um auf diese Schädlichkeit hinzuweisen, passt – mit etwas ganz normalen, Lebensnotwendigen aufzuhören, um auf etwas ganz anderes hinzuweisen, ist a Schmarrn. Wenn Du permanentes Kaufen allerdings als so überlebenswichtig ansiehst wie permanentes Atmen, dann bist Du natürlich genau die Zielgruppe, die der BND erreichen will. ;)

    Was heißt hier übrigens “die Natur…” – sind wir Menschen nicht Teil der Natur?

    Comment | 27. November 2009
  • AndyCarl

    Der Kaufzwang hat seine Ursache nicht im Bereich des durch den Menschen direkt Beeinflussbaren. Zwar hat der Einzelne schon Selbstbestimmungsmöglichkeiten. Getrieben wird er aber von einem zutiefst zerstörerischen Geldsystem, das die Geldvermehrung und in der Folge die materielle Vermehrung fest eingebaut hat. Wer also auf Missstände hinweisen will, der sollte das doch an der richtigen Stelle tun. Mit einem BND treffe ich immer die Falschen, so gesehen ist der Vergleich mit dem Atmen durchaus angebracht.

    Comment | 27. November 2009
  • “Der Kaufzwang hat seine Ursache nicht im Bereich des durch den Menschen direkt Beeinflussbaren. Zwar hat der Einzelne schon Selbstbestimmungsmöglichkeiten.”

    Allerdings, denn ich muss ja nichts kaufen, Zins hin, Zins her – oder wer sollte mich dazu zwingen, zu konsumieren? Ich kaufe herzlich wenig. Du meinst, weil es Zins gibt, fühlt sich jeder einzelne verpflichtet zu kaufen? Klingt nicht sehr plausibel. Zwar will die Wirtschaft gerne, dass möglichst viel konsumiert wird, nur achen die Leute da ja bereitwillig und gerne mit – müssten sie aber nicht!

    Wenn man nur auf den Zins als den bösen Schuldigen verweist (das das ganze System, und damit der Zins, krank ist, habe ich hier im Blog ja auch schon oft genug vermerkt) , nimmt man den Menschen schön die Eigenverantwortung für vieles, was sie verbocken ab, weil man das ja nicht so einfach beeinflussen kann, und jeder kann sich gemütlich zurücklehnen und weiterhin unsinnigen Konsum betreiben. Tatsächlich muss man die Probleme von verschiedenen Seiten angehen – sich auf einem hohen Konsumniveau auszuruhen, ist jedenfalls keine Lösung.

    Comment | 27. November 2009
  • AndyCarl

    Vermutlich sind wir näher zusammen als wir beide wahrhaben wollen.
    Ich habe nicht geschrieben, dass sich nicht jeder kasteien darf, so sehr er das für richtig hält. Was es anzustreben gilt, ist ein “vernünftiges” Geben und Nehmen. Nichts anderes ist Arbeitsteilung. Ersetze Konsum mit “Etwas von meinem nächsten brauchen”, dann bemerkst Du vielleicht, wie gemeinschaftszerstörend “Konsumverzicht” ist. Ich unterscheide den auf vielen Gebieten mittlerweile herrschenden Konsumwahn im Hinblick auf schwachsinnigen Mist sehr wohl von einer Wirtschaftsweise, die auf gegenseitiges Vertrauen und das aufeinander angewiesen sein aufbaut.
    Das wiederum bedeutet nicht, dass ich nicht auch einen eigenen Kräutergarten habe und Salat, Tomaten, Gurken und vielerlei Obst anbaue.

    Du kannst Dich im Konsum noch so sehr einschränken, beim Bau des nächsten Staudammes, Kernkraftwerkes usw. bist Du beim “Konsum” dabei, ob Du das willst oder nicht. Die treibende Kraft ist das Kapital, das sich selbst vermehrt. Die Realwirtschaft hat da Schritt zu halten oder sie verliert immer mehr ihres Anteils am Kuchen, wie wir leidvoll an sinkenden Lohneinkommen und steigenden Kapitaleinkommen feststellen können. Vielleicht lohnt es sich die eine oder andere Scheuklappe beiseite zu legen, den Menschen Mensch sein zu lassen und sich auf die Bedingungen zu konzentrieren, deren Rahmen wir uns selbst schaffen.

    Comment | 27. November 2009
  • Teils hast Du sicher recht, aber es geht nichts ums “kasteien” (weniger zu konsumieren ist eher eine Befreiung als ein Verzicht), sondern darum dass eben genau unser kranker, auf Umweltzerstörung und Ausbeutung basierender Konsumlebensstil nicht von Dauer sein kann. Ganz unabhängig davon, ob Zinsen das nun zusätzlich anheizen oder nicht (ich nehme mal fast an, dass unsere Generation mittlerweile schon so auf Kaufen vorinitialisiert ist, dass völlig unabhängig von den durch die Zinssystematik ausgelösten Wirtschaftswachstumszwängen schön weiter Unsinn gekauft und verbraucht wird).

    Eine Wirtschaftsweise, die auf gegenseitiges Vertrauen aufbaut, wäre wirklich hilfreich. Davon sind wir aber weit entfernt – Konzerne tricksen und verarschen, wo sie nur können, um ihren Plunder unters Volk zu bringen…

    Wo würdest Du den Hebel ansetzen, um was zum Positiven zu verändern (und zwar auf der Ebene des einzelnen Menschen)?

    Comment | 27. November 2009
  • Punksympathisant

    was hätten wir von weniger luftverschmutzung wegen Luftanhalten, wenn wir dabei sowieso sterben :D

    Comment | 27. November 2009
  • Naja, diejenigen, die eine begriffliche Trennung von Mensch & Natur vornehmen, sehen darin dann natürlich eine Befreiung der Natur vom zerstörerischen Handeln des Menschen. (Da gibt es ja auch andere Ansätze, wie den von Prof. Braungartner mit seinem Cradle2Cradle.)

    Comment | 27. November 2009
  • [...] Zieles spekulierten, verweise ich heute mit bekräftigendem Gesichtsausdruck auf den heutigen weltweiten Kaufnixtag: Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach und einleuchtend: Wenn Ende November/Anfang Dezember die [...]

    Pingback | 28. November 2009
  • Wie wäre es mit Zusammenarbeit! Meldet euch bei mir.

    Michi

    Comment | 17. Dezember 2009

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