Dez
02
2010

Ausbeutung: Casting-Idole und ihre Wirkung

© ljleavell, stock.xchng

Ich halte ja bekanntlich nicht viel von dem ganzen Wirbel um Castingshows und Castingsternchen – dieser Ansatz, jungen Leuten ein eindimensionales Idealbild vorzusetzen, das letztlich darin besteht, in (vergänglichem) Ruhm und medialer Aufmerksamkeit den ultimativen Lebenssinn zu sehen, ist nicht nur oberflächlich, sondern natürlich auch eine wesentliche Triebfeder der „Gesellschaft des Spektakels“ (Guy Debord), in der wir leben. Die Medien vermitteln in Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar oder Germany’s Next Topmodel (und vermutlich vielen weiteren dieser Art) gerne den Eindruck, dass die von ihnen selbst aufgebauschte Pseudo-Wichtigkeit, die meist auch nur für kurze Zeit erstrahlt, etwas Substanzielles, Natürliches wäre, also ein sozial bedeutsames Ereignis, an dem man teilhaben müsse, um „cool“ und „in“ zu sein. Dass Fernsehsender, Zeitschriften usw. die mit gewissen Illusionen in das Business gestarteten Menschen am Ende nur ausnutzen, um möglichst viel Geld aus ihnen herauszupressen, dass genormte und geformte „Persönlichkeiten“ produziert werden und echte Individualität bei der Vermarktbarkeit eher stört – solch negative Aspekte werden in den Mainstreammedien in der Regel gerne mildtätig verschwiegen. Lieber schildert man das ausschweifende Luxusleben der „Stars“, um den vor den Bildschirmen mitfiebernden Nachwuchs auf die passenden „Werte“ einzuschwören. (Dies war ja auch Thema der britischen Dokumentation „Starsuckers“, die ich vor einer Weile hier im Blog vorstellte – nach wie vor sehr sehenswert!)

Eher zufällig stieß ich nun auf einen Beitrag der NDR-Sendung Zapp aus dem letzten Jahr, die sich genau mit diesen Castingshows und den Wirkungen der solcherart fabrizierten hohlen „Idole“ (deren einzige Leistung es in der Regel ist, irgendwie berühmt zu sein und im Fernsehen aufzutauchen – also eine höchst selbstbezügliche, zirkuläre Angelegenheit) beschäftigte:

Die Jugendlichen stehen Schlange, um sich von Heidi Klum und Dieter Bohlen öffentlich erniedrigen zu lassen. An einer Casting-Show teilzunehmen, ist für viele ein Traum – tatsächlich aber ein Alptraum.

Ein User auf der Website Infopirat kommentierte den ganzen Mechanismus des Medienzirkus sehr treffend:

(…) Unterm Strich der Rechnung steht “Geld”, denn wenn man auch weiß, eine Frau hat mehr Busen als gute Stimme, wird auch sie eine Weile für Anrufe und Geldeinnahmen sorgen, ebenso wenn schlechte Sänger zu den Teenieidolen von Backfisch-Mädchen werden… Sex sells und Träume ganz allgemein eben auch…

Was auch dazu gehört, jedoch nicht offen ausgesprochen wird, ist, dass Menschen sich den Medienmachern möglichst in Gänze unterwerfen müssen und sich von ihnen wie Marionetten zu dirigieren haben lassen. Stimme mag gesucht werden, doch unter dem Hauptaspekt “Mit wem ist am meisten Geld zu verdienen?” Nur das zählt bzw. die Stimme ist sekundär – wenn überhaupt.

Wer sich nicht anpassen will oder kann, glücklicherweise gibt es solche Menschen auch, kommen erst gar nicht weiter bzw. scheiden aus. Teils geschieht dies dann auch klammheimlich bzw. unter Lügen. Und die Massen die das ansehen: kaum dass jemand nachfragt. Es gibt ja noch genug andere Möchtegern-Stars bzw. Superstars von morgen, die medienkonform sich verbiegen lassen. Ehm, was bitte hat das mit Persönlichkeit zu tun, die angeblich zum Gesamtpaket gehört? Persönlichkeit ja, doch geformt nach medienkonformen Bilde? (…)


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4 Kommentare »

  • Es gilt nun mal wie fast in jeder Branche: Alles ist erlaubt was die Verkäufe antreibt und das Geld zum Sprudeln bringt.
    Und da die Leute anscheinend diese hohlen, medienkonformen Persönlichkeiten wollen, wird ihr Bedürfnis nach diesen auch befriedigt. Leute, die dieses Bedürfnis nicht haben schauen sich wahrscheinlich eine solche Sendung auch gleich gar nicht an.
    Ich würde das mal wieder in die Kategorie einordnen: Selbstschuld! Um- oder Abschalten kann schließlich jeder sehr leicht und damit verhindern, dass solche Formate in Zukunft weiter über unseren Bildschirm flimmern…

    Comment | 2. Dezember 2010
  • Naja, es ist halt nicht ganz so einfach – da diese Formate und die dahinter liegenden “Wertevorstellungen” so massiv in den Medien ausgebreitet werden, verführen sie Heranwachsende durchaus dazu, sich entsprechend zu orientieren. Natürlich muss man für sowas empfänglich sein, klar, aber dennoch sorgen solche Sendungen für den entsprechenden Hintergrundsound bei der Vorbereitung der Bürger auf ein Leben, in dem Schein und Konsum und Reichtum hohe Prioritäten haben. Und als junger Mensch ist man für diese Einflüsterungen durchaus noch offen, würde ich mal sagen. Es gibt da doch auch diverse Studien, die zeigen, wie die Berufswünsche der Jugendlichen sich über die Jahre verändert haben und “Star” mittlerweile ganz oben auf der Liste steht. (etwas, was früher undenkbar war) Ich denke, da haben die Medien eine gewisse Mitschuld…

    Comment | 2. Dezember 2010
  • Vogel

    Tja, Menschen, auf allen drei Seiten der Geschichte: Veranstalter, Teilnehmer, Zuschauer – alles durchschnittlich einssiebzig hoch gestapelte Zellhaufen :-(

    “Und als junger Mensch ist man für diese Einflüsterungen durchaus noch offen, würde ich mal sagen.” Eher Nein!! Bildung und Elternhaus sollten da nachhaltig immunisieren. Ich weiß wovon ich rede, hab’ ich doch vier Pänz

    Comment | 2. Dezember 2010
  • “Und als junger Mensch ist man für diese Einflüsterungen durchaus noch offen, würde ich mal sagen.” Eher Nein!! Bildung und Elternhaus sollten da nachhaltig immunisieren. Ich weiß wovon ich rede, hab’ ich doch vier Pänz

    Die Medien tun aber alles, um die Autorität der Eltern zu untergraben und den Nachwuchs schon früh aufs Konsumleben einzustimmen. Wohl dem, der Eltern hat, die da gegensteuern – aber das ist sicher nicht die Regel.

    Comment | 3. Dezember 2010

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