Ich möchte heute quasi eine Art Doppelposting vom Stapel lassen – denn zum einen will ich Euch eine sehr spannende Website vorstellen und ans Herz legen, die seit einigen Monaten im Netz steht und sich an alle richtet, die die derzeitige Entwicklung in Gesellschaft und Politik skeptisch sehen. „Kritisches Netzwerk“ heißt das Projekt, und der Untertitel „Das Netzwerk mit Forum für kritische Geister und konstruktive Gesellschaftsreformer“ zeigt schon an, dass es sich nicht um ein softes Social Network wie Utopia handelt, sondern um ein Austauschmedium für Menschen mit durchaus fundierter Grundsatzkritik. Natürlich finden auch konsumkritische Themen dort ihren Platz, so das das Kritische Netzwerk perfekt zum Themenkatalog meines Blogs passt:
Das KRITISCHE NETZWERK ist ein neues Internetprojekt und wurde im Dezember 2010 öffentlich. Durch die Zusammenführung von Menschen mit netzpolitischem Interesse, engagierter Aktivisten, Netzwerke, Bürgerinitiativen, Nichtregierungsorganisationen und Verbände wird es in der Lage sein, gemeinsame Nenner für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen zu finden.
Wir sind sicher, daß bei den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes große Schnittmengen an Themen und Inhalten vorhanden sind, die im KRITISCHEN NETZWERK gebündelt werden sollten. Unsere Motivation ist es, auf einer Ebene der gemeinsamen Nenner Mitstreiter aus unterschiedlichsten Bereichen (politisch-, ethisch-, sozial- und / oder umweltorientiert) zu finden, die sich unter Ausklammerung egomanischer Interessen für gemeinsame Ziele einsetzen. Auf der Basis eines humanistischen Weltbilds wollen wir mit dazu beitragen, den Weg zu einer neuen solidarischen Gesellschaft zu ebnen. Nur gemeinsam sind wir stark!
Mit Helmut Schnug, einem der Initiatoren des Netzwerks, habe ich vereinbart, dass einige meiner Konsumpf-Beiträge auch dort erscheinen werden, und im Gegenzug werde ich passende Artikel von dort auch hier vorstellen. Den Auftakt macht die folgende kurze Buchrezension von Helmut zu einem mir bis dato unbekannten werbekritischen Werk, das es leider nur noch antiquarisch gibt:
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Ulrich Eicke – Die Werbelawine: Angriff auf unser Bewusstsein.
Verlag: Knesebeck und Schuler (1991) / Knesebeck Von Dem GmbH (1999)
ISBN: 3-926901-38-1 / ISBN 978-3-926901-38-5
gebunden, 279 Seiten, für wenige Euros gebraucht zu bekommen!
Ständig werden wir auf irgendeine Weise durch Werbung beeinflußt. Ursprünglich sollte die Markenartikelwerbung dem Verbraucher durch zusätzliche Informationen zur Orientierung bei der Kaufentscheidung dienen, doch, laut Ulrich Eicke, einem Insider der Branche, „wird Werbung heute mehr und mehr im Stil des Show-Business betrieben.“
Er setzt sich in diesem Buch kritisch mit den Methoden der Werbebranche auseinander und geht unter anderem folgenden Fragen nach:
- Wieso liefert die Werbung dem Verbraucher immer weniger Sachinformationen?
- Was bedeutet die ständige Werbeberieselung durch das Fernsehen?
- Was geschieht mit Kindern, denen die Markenartikelwerbung ihre Symbole ins Gehirn “einpflanzt”?
- Wo verläuft die Grenze zwischen Suggestion und Lüge?
- Welche Auswirkungen hat die Werbeindustrie auf die Freiheit der Presse, der Print-, Funk- und visuellen Medien?
- Was bedeuten Product Placement und Kultursponsoring?
- Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Werbung und Politik?
Diese und andere Fragen untersucht Ulrich Eicke, weil Werbung unseren Alltag beeinflußt und tief in unser Bewußtsein eindringt.
Textzitat:
„Werbung bestimmt die Tagesordnung, d. h. sie kann mit riesigen Geldsummen den Konsum als einzigen Tagesordnungspunkt auf die Tagesordnung setzen. In der Schlacht um einen Anteil am öffentlichen Bewusstsein läuft das darauf hinaus, dass alles nicht Kommerzielle und alles nicht Beworbene nicht behandelt, sprich: ignoriert wird. Bereiche ohne Kommerz und Werbung, die den Musen und der Entspannung dienen, werden nicht respektiert. Werbung macht es sich mit zunehmender Macht in der Privatsphäre bequem, so dass die Stimme des Kommerzes zur dominierenden Ausdrucksweise in der Gesellschaft wird.“

Ich weiß nicht, ob sie Euch auch schon einmal aufgefallen sind – diese etwas sonderbar anmutenden Gebäude, die mit Namen wie „SelfStorage“ o.ä. beschriftet sind (bei der Einfahrt nach Hamburg über die Kieler Straße kann man z.B. so ein Exemplar „bewundern“) und im Prinzip aus Lagerräumen bestehen, die jedermann mieten kann, um überschüssigen Krams unterzustellen. Dass dieser Trend aus den USA kommt, dürfte dabei nicht verwundern. Auf jeden Fall ist dieser Geschäftszweig ein augenfälliges Symbol für unsere auf Kaufen und Horten und Besitzen ausgerichtete Konsumgesellschaft, in der die Menschen viel arbiten, um sich in der verbleibenden Zeit viel kaufen zu können – oft genug Dinge, die man nicht wirklich braucht oder nur kurzzeitig, um einem Trend hinterherzuhecheln, die aber nichts desto trotz unser Geld kosten, für das wir vorher schuften mussten. Ein irgendwie absurder Kreislauf.


Na, schon schön angegrillt in diesem Sommer? Ich weiß, dass ich mich damit zum spaßbremsigen denaturierten Miesepeter mache, wenn ich an dieser Stelle eingestehe, dass sich mir die Faszination des Grillens nicht wirklich erschließt. Nicht nur wegen der Röstung toten Tiers (es gibt ja auch vegetarisches Grillgut), sondern, ja, weiß auch nicht. Vielleicht missfällt mir dieser fast schon wie ein Zwang anmutende Hang vieler Leute, bei den ersten Sonnenstrahlen sofort den Grill anzuschmeißen. Oder der Gestank der Kohle. Aber egal, das sind natürlich nur meine ganz persönlichen Defekte, die ich mit herumschleppe, und diese wären sicherlich als Thema für einen Blogbeitrag etwas arg nichtig und unspannend. (Wer meinen Artikel bis hierher gelesen hat, wird vermutlich zustimmend mit dem Kopf nicken. Alle anderen, die schon nach dem ersten Satz die Lektüre abgebrochen haben, sind eh dieser Meinung.)