Jan
20
2013

Agraprofit – Hauptsache billig

Es gibt so Momente, wo ich mich frage, ob es überhaupt noch einen Sinn hat, so einen Blog wie diesen hier zu betreiben. Nein, damit meine ich nicht den allgemeinen Blogger-Blues, den jeder kennt, der selbst ins Internet schreibt. Sondern die Zweifel daran, inwieweit das, was man so schreibt, überhaupt etwas bewirkt. Bewirken kann. Denn allgemein geht man ja doch davon aus, dass man Menschen nur entsprechend aufklären müsse, und schon wird aus schädlichem sinnvolles Handeln. Gerade im Bereich des (Lebensmittel-)Konsums vesucht unsereiner durch Aufdecken von Missständen und Skandalen ein Umdenken beim Käufer anzustoßen. Wer sich allerdings dieses Video der großartigen Guerilla-Aktion Agraprofit anschaut (enstanden im Auftrag der gemeinsamen Kampagne “Öko+Fair” von Weltladen Dachverband e.V. und Naturland e.V. und von der Agentur YOOL realisiert), der kann schon verzweifeln. Unglaublich, wie tief das „Geiz ist geil“-Mantra mittlerweile bei vielen Leuten verankert ist.

Agraprofit – überwiegt die Schnäppchenmentalität oder ein „ethisches Bewusstsein“ ?

Der Kurzfilm dokumentiert eine Guerilla Aktion, die im September 2012 auf dem Wochenmarkt einer deutschen Großstadt durchgeführt wurde. Das fiktive Unternehmen „Agraprofit” ist neu auf dem Markt und hat ein innovatives Verkaufskonzept: Billige Produkte und gleichzeitig volle Transparenz der Produktionskette. Es konfrontiert die Kundschaft dezent lächelnd mit den Produktions- und Handelsbedingungen der angebotenen Billiglebensmittel. Schilder zeigen, was hinter den Produkten steckt: Zum Beispiel “Kinderarbeit? – Dann sind sie wenigstens weg von der Straße!”. Hintergrund der Aktion: Deutsche zählen zu den größten Schnäppchenjägern Europas. Noch immer ist der Preis, insbesondere bei Lebensmitteln, wichtigstes Kaufkriterium. Die Lebensmittelindustrie täuscht mit schönen Werbeslogans über die fragwürdige Entstehung der Billigprodukte hinweg. Aber wie aufgewühlt, beunruhigt oder auch unbeeindruckt reagieren die Menschen, wenn sie direkt hören, welche Zustände andernorts mit ihrem Einkauf verbunden sind? Der Film dokumentiert die verschiedenen Reaktionen und hinterlässt die Frage, wie man selbst reagiert hätte. Was die Käufer nicht wissen: Alle Erzeugnisse an diesem Marktstand kamen aus Öko-Landbau und Fairem Handel!

Die Aktion fand im Rahmen der Kampagne „Öko + Fair ernährt mehr!” von Naturland und dem Weltladen-Dachverband statt. Konzipiert und produziert wurden die Aktion und der Film von der Agentur YOOL. Mehr Infos unter: www.oekoplusfair.de oder www.agraprofit.de

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21 Kommentare »

  • Viator

    Die Menschen am Stand scheinen überhaupt nichts zu kapieren, sehen nur die angebotene Ware und greifen gierig zu.

    Ich verstehe Deine Frustration, Peter. Wenn man sowas sieht, kann man nur noch traurig den Kopf schütteln.

    Comment | 20. Januar 2013
  • Tim

    Wir Europäer begehen immer den Fehler, die Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern mit den Arbeitsbedingungen bei uns zu vergleichen. Und dann stellen wir fest: Dort müssen Kinder für Produkte arbeiten, die dann teilweise in Europa landen, shocking! Die Frage ist aber, was passiert, wenn die Kinder aufgrund solcher Aktionen wie oben skizziert künftig weniger Beschäftigungsmöglichkeiten und ihre Familien damit weniger Einkommen haben. Oft heißt das dann: Verkauf in die Prostitution oder Arbeit allein für die heimische Lebensmittelproduktion, beides in der Regel mit noch deutlich schlechteren Bedingungen.

    Die Armut in diesen Ländern ist immer noch riesengroß und läßt sich auch nicht durch wohlwollende Aktionen bei uns beseitigen, so schlimm das auch manchem vorkommen mag. Den mit Abstand besten Weg in die Armutsbekämpfung hat China aufgezeigt: Teilhabe am internationalen Handel bei gleichzeitigen enormen Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Wer wirklich helfen will, sollte sich für zollfreie Importe aus armen Ländern und gegen Subventionen einsetzen, da hat das Agrar-Bollwerk EU noch reichlich Nachholbedarf.

    Solche Aktionen wie oben haben nur einen Haupteffekt: Wir im Westen können uns besser fühlen, weil wir vorgeblich etwas tun. Den ärmeren Ländern hilft sowas überhaupt nicht.

    Comment | 20. Januar 2013
  • “Die Frage ist aber, was passiert, wenn die Kinder aufgrund solcher Aktionen wie oben skizziert künftig weniger Beschäftigungsmöglichkeiten und ihre Familien damit weniger Einkommen haben. Oft heißt das dann: Verkauf in die Prostitution oder Arbeit allein für die heimische Lebensmittelproduktion, beides in der Regel mit noch deutlich schlechteren Bedingungen.”

    Das stimmt nicht. Du kannst Dir gerne mal anschauen, wie es den Familien geht, die auf FairTrade-Plantagen etc. arbeiten. Weil die Eltern vernünftig bezahlt werden, können die Kinder zur Schule gehen statt schuften zu müssen und somit etwas dafür tun, dass es ihnen später auch besser geht, weil sie eine bessere Bildung haben. Ausbeutung mit dem Erhalt absichtlich unterbezahlter Arbeitsplätze zu rechtfertigen (um den eigenen Profit zu sichern) ist natürlich neoliberale FDP-„Wirtschaft über alles“-Denkweise, aber “leider” unsinnig.

    “Solche Aktionen wie oben haben nur einen Haupteffekt: Wir im Westen können uns besser fühlen, weil wir vorgeblich etwas tun. Den ärmeren Ländern hilft sowas überhaupt nicht.”

    Sieh Dir ruhig mal die im Artikel verlinkten Websites an.
    Dass FairTrade u.ä. natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss ist und es generelle Schwächen im System gibt, ist klar, das will ich hier aber jetzt nicht weiter thematisieren. China als Vorbild zu nehmen ist jedenfalls nicht der Weg für die Welt.

    Comment | 20. Januar 2013
  • Tim

    Ausbeutung mit dem Erhalt absichtlich unterbezahlter Arbeitsplätze zu rechtfertigen (um den eigenen Profit zu sichern

    Asiatische Zulieferer westlicher Firmen zahlen i.d.R. wesentlich höhere Löhne als andere einheimische Firmen. Darum gelten sie ja dort auch als extrem begehrte Arbeitgeber. Unterbezahlt ist das nur aus Sicht westlicher Arbeitnehmer, was aber völlig irrelevant ist.

    Fairtrade heißt übrigens, armen Ländern Anreize zu geben, weiterhin auf Beschäftigung in Bereichen mit niedriger Produktivität zu setzen. Damit wird der Abstand zu reichen Ländern zementiert. Im Grunde ist Fairtrade eine moderne Wohlfühlform des Imperialismus: Der Westen glaubt besser zu wissen, was am besten für die Dritte Welt ist.

    ALLE großen Erfolgsgeschichten der letzten 30 Jahre hingegen basieren auf derselben Strategie: Teilhabe am Weltmarkt und Investionen in Bildung und Infrastruktur. Neben China gelang das vor allem Brasilien, Israel und inzwischen Gott sei Dank auch zunehmend Indien. Davor sind Südkorea und Taiwan exakt diesen Weg gegeben, auch mit großem Erfolg.

    China gelang die größte Armutsbeseitigung der Menschheitsgeschichte! Es ist darum nur positiv, daß es sehr vielen ärmeren Ländern als Vorbild gilt. Man wird in 20-30 Jahren in Afrika sehen (mancherorts ja schon heute), welchen positiven Einfluß der chinesische Einfluß haben wird. Die westliche Arroganz gegenüber der Dritten Welt hat glücklicherweise endlich ziemlich ausgespielt.

    Comment | 20. Januar 2013
  • Viator

    Diese Armut, von der ihr hier sprecht, wird gezielt kultiviert.

    Comment | 20. Januar 2013
  • Steffen R.

    “Wir nennen das auch das goldene DinA4 Blatt”
    “Moderner Kakaoanbau für jedes Alter”

    Man hab ich gelacht, genial.

    Peter, wegen dieser Aktion würde ich noch nicht in “Bringt alles nix” Melancholie verfallen. Im Video werden sie ja auch eine Art Best-Of von Reaktionen haben, außerdem muss man die Leute rausrechnen die die Satire evtl. sogar durchschauen (der Mann der sagt “die beiden find ich sympathisch” klingt etwas danach).

    Die Reaktion einiger Leute ist ja durchaus auch “beim Discounter weiß man ja auch nicht was man kauft”.
    Was fehlt ist eine einfache Alternative. Wenn ich als Konsument den Eindruck hab, es seien eh alle Produkte irgendwie schlecht, warum mich dann über Agraprofit aufregen die es nur offen zugeben?

    Als weitere Guerilla Aktion fände ich einen zweiten Stand direkt daneben, der mit Fairtradeprodukten wirbt interessant.

    @Tim
    Du machst es dir mit deiner Argumentation sehr einfach. Kann jedes Land den Weg von China gehen? Einfach in Bildung und Infrastruktur investieren und auf einmal werden aus den Minenarbeitern und Kaffeebauern Zeitungslesende Mittelschichtler?
    Wobei in China vor allem die ökologischen Probleme durch das Wirtschaftswachstum massiv verstärkt wurden. Sinkende Grundwasserspiegel, schrumpfende Böden zum Getreideanbau, Smog um nur ein paar zu nennen.

    Zurück zum Kaffeebauern: Was schlägst du vor, statt Fair Trade?

    Comment | 20. Januar 2013
  • Yvonne

    Da haben also Leute eingekauft. Aber warum? Vielleicht liegt es daran, dass sie selbst ausgebeutet werden und kein Geld haben, um fairtrade Bio Eier aus Freilandhaltung zu kaufen? Oder haben die Menschen den leicht durchschaubaren Fake erkannt und sich gedacht, dass das nur eine Organisation sein kann, die auf all das Elend hinweisen will?

    Hoffentlich haben die Jungs am Marktstand fair eingekauft.

    Comment | 20. Januar 2013
  • @Yvonne – einfach den Film bis zu Ende schauen bzw. den Text hier im Blog ganz lesen, da steht, dass die ganzen Sachen aus FairTrade-Handel stammten und nur umetikettiert wurden für diese Aktion.

    Comment | 20. Januar 2013
  • [...] (via) [...]

    Pingback | 20. Januar 2013
  • Sepri

    Die Aktion ist super. Haben die Menschen nicht “We feed the world” gesehen?
    Aber ist wirklich der Endverbraucher so entscheidend. Ich denke da eher an globalpolitische Entscheidungen, wie keulenartige Handelsbeschränkungen, an denen Großkonzerne verdienen, gelenkt von WTO und co. Dabei sind ihre Produkte nicht nur nicht fair, sondern ungesund und auch noch teuer. Warum sind regionale Produkte so teuer? Warum können Produkte, die soweit transportiert werden billiger sein? Warum müssen wir ganzjährig Dinge konsumieren, die nicht saisonal sind? Warum kämpfen “normale” Landwirte auch hier in Europa ums nackte Überleben?
    Es ist in Deutschland vielfach möglich dem Ganzen entgegenzuwirken, nicht nur über einen bewussten Einkauf, sondern auch über den Zusammenschluss zu Foodcoops oder ähnlichen Gruppen. Auch zum Wochenmarkt zu gehen ist “vernünftig”.
    Danke für deinen Blogbeitrag! Meine Startseite, die mich immer wieder informiert und erschreckt.

    Comment | 21. Januar 2013
  • Sand.

    @peter
    also ich fand den film zunächst einmal wirklich zum heulen.

    ich glaube nicht, dass das problem ist, dass die leute zuwenig information hätten. diese leute sind nicht schockiert, weil das schreckliche gar nichts neues ist, wir ALLE kennen die fakten doch längst.

    die beiden freundlichen jungen männer… die leute achten mehr darauf, dass sie zuvorkommend behandelt werden als auf hintergründe, die letztendlich ganz weit weg sind. die entsetzlichen umstände der produktion werden nicht am eigenen leib sinnlich erfahren – und sind deshalb irreal für die leute.
    viele menschen in unserem kulturkreis haben wenig vorstellungskraft und einfühlungsvermögen. das wird einfach nicht gefördert, ist nicht kapitalistisch verwertbar. die leben dann in einer art wachkoma in bezug auf fast alle facetten der sozialen realität. die frage ist: wie kriegt man sie wach? schwierig, denn da sind diese wachposten vor ihrem bewusstsein: gier, distanz, zynismus, ausreden, müdigkeit aufgrund des ständigen überlebenskampfes, resignation u.v.a.

    ich finde deinen blog wirklich wichtig, weil er die hoffnung wach hält. weil es ermutigend ist, deine ausdauer zu sehen. es ist wichtig, mitzubekommen, dass es menschen gibt, die diese perversionen nicht unwidersprochen als normalität hinnehmen.
    was ich noch ganz wichtig finde: dein blog ist eine art plattform für notwendige reflexionen und verlinkungen. das fehlt mir sonst. für mich ist konsumpf einer der richtig guten freien kanäle. eine ergänzung zu reinem aktionismus (der, ohne die großen zusammenhänge in den blick zu nehmen, ein kampf gegen windmühlen bleiben muss).dein blog ist ein gegenpol zu den kommerziellen medien, deren echte informationen vom müll, den sie mitliefern, übertönt werden.

    Comment | 21. Januar 2013
  • Erschreckend das ganze. Da ich selbst schon mal selbst ausgedachte Umfragen machte, weiß wie dumm viele einfach sind. Ich weiß jetzt aber nicht was mich mehr angewidert hat, die Kunden oder die Kommentare hier von Tim.
    Ich finde die Aktion löblich und gut gemacht. Danke fürs verlinken

    Comment | 21. Januar 2013
  • chapultepec

    “…Einfach in Bildung und Infrastruktur investieren und auf einmal werden aus den Minenarbeitern und Kaffeebauern Zeitungslesende Mittelschichtler?…”

    Ha-Joon Chang zeigt in seinem Buch “Bad Samaritans: The Myth of Free Trade and the Secret History of Capitalism” (das Buch ist leider nicht übersetzt worden), dass der Weg zur Industrialisierung nicht ohne Investitionen in Bildung und Infrastruktur UND vor allem Protektionismus NICHT möglich ist. Diese Aussage ist also nicht so abwegig wie die oben erwähnte rhetorische Frage es andeutet

    hier ein winziger Ausschnitt:

    “…Korea, one of the poorest places in the world, was the sorry country I was born into on October 7 1963. Today I am a citizen of one of the wealthier, if not wealthiest, countries in the world. During my lifetime, per capita income in Korea has grown something like 14 times, in purchasing power terms. It took the UK over two centuries (between the late 18th century and today) and the US around one and half centuries (the 1860s to the present day) to achieve the same result.[3] The material progress I have seen in my 40-odd years is as though I had started life as a British pensioner born when George III was on the throne or as an American grandfather born while Abraham Lincoln was president…”

    “…Now, if it was only Korea that became rich through such ‘heretical’ policies, the free-market gurus might be able to dismiss it as merely the exception that proves the rule. However, Korea is no exception. As I shall show later, practically all of today’s developed countries, including Britain and the US, the supposed homes of the free market and free trade, have become rich on the basis of policy recipes that go against the orthodoxy of neo-liberal economics.

    Today’s rich countries used protection and subsidies, while discriminating against foreign investors—all anathema to today’s economic orthodoxy and now severely restricted by multilateral treaties, like the WTO Agreements, and proscribed by aid donors and international financial organizations (notably the IMF and the World Bank). There are a few countries that did not use much protection, such as the Netherlands and (until the First World War) Switzerland. But they deviated from the orthodoxy in other ways, such as their refusal to protect patents. The records of today’s rich countries on policies regarding foreign investment, state-owned enterprises, macroeconomic management and political institutions also show significant deviations from today’s orthodoxy regarding these matters.

    Why then don’t the rich countries recommend to today’s developing countries the strategies that served themso well? Why do they instead hand out a fiction about the history of capitalism, and a bad one at that?

    In 1841, a German economist, Friedrich List, criticized Britain for preaching free trade to other countries, while having achieved its economic supremacy through high tariffs and extensive subsidies. He accused the British of ‘kicking away the ladder’ that they had climbed to reach the world’s top economic position: ‘[i]t is a very common clever device that when anyone has attained the summit of greatness, he kicks away the ladder by which he has climbed up, in order to deprive others of the means of climbing up after him’ …”

    Comment | 21. Januar 2013
  • chapultepec

    ich wollte sagen: “…dass der Weg zur Industrialisierung ohne Investitionen in Bildung und Infrastruktur UND vor allem Protektionismus NICHT möglich ist…”

    Comment | 21. Januar 2013
  • Also ich muss sagen ich fand das Video lustig und erschreckend zu gleich und zeigt doch noch einmal deutlich wie sehr Arbeit deine unbedingt notwendig ist. Zwar wurden die Menschen in dem Video direkt auf die Probleme hingewiesen, aber wirklich darüber nachgedacht hat keiner der Käufer. Zwar könnte man auch einfach sagen, naja gut sind halt Egoisten. Aber auch als Egoist sollte man wissen das sich ein nachhaltiger Lebensstil sich positiv auf jeden auswirkt. Und wenn sie das nicht kapieren wollen, vormachen, aufzeigen, aufklären…:-)

    Weiter so mit deinem Blogprojekt!

    Comment | 21. Januar 2013
  • kunstseidenes

    Zugegeben, ich habe schon länger ein Bild des durchschnittlichen Konsummenschen, wie es im Film repräsentiert ist, und bin nicht überrascht.

    Dennoch oder vielleicht gerade deswegen kann ich den Frust gut verstehen. Aber bitte lass dich dadurch nicht vom posten abhalten…klar ist so ein Blog Teil des Phänomens “preaching to the converted”, doch gerade deshalb finde ich ihn auch wertvoll. Mir begegnen hier immer wieder Initiativen, die mir Hoffnung machen, und Hintergrundinformationen, die mich mein eigenes Handeln überdenken lassen.

    Ich gehe ja auch nicht demonstrieren (Stichwort “Wir haben es satt”), weil ich im Ernst glaube, dass Passanten sich plötzlich für Tierleid interessieren oder zum nächsten Bioladen rennen. Sondern weil ich ein Zeichen setzen und mich vernetzen will.

    Das Argument, Kinderarbeit sichere die Existenz der Familien usw., habe ich bereits öfter gehört, auch seitens meiner eigenen Familie. Meines Erachtens steckt hinter solchen Positionen wie überhaupt hinter der ganzen “Was-diese-Länder-tun-sollten”-Debatte (neben einer nicht zu unterschätzenden Bequemlichkeit) vor allem die
    übliche eurozentristische Arroganz – nachdem wir Menschen und ihre Ressourcen ausgebeutet haben (Kolonialzeit) bzw. weiterhin ausbeuten/missbrauchen (Rohstoffe, Agrosprit, verschiffter Elektroschrott etc. etc.), stellen wir uns jetzt hin und verkünden, wie diese Länder “entwickelt”=”industrialisiert”=unserer Lebensweise angepasst werden sollen. Wir wissen das natürlich, denn wer könnte mehr Ahnung haben als privilegierte Weiße?
    Typisch.

    Und China als Positivbeispiel??
    Come on…

    Ich bin nicht sicher, ob ich Fair Trade als Lösung begreife, da ich den Argementen in Richtung verkürzte Kapitalismuskritik auch das Ein oder Andere abgewinnen kann. Zumal fair auch nicht immer fair ist usw. Dennoch halte ich mich lieber an das Prinzip: wo fair bzw. bio draufsteht, ist mehr fair bzw. bio drin, als wenn es nicht draufsteht.

    Comment | 22. Januar 2013
  • kunstseidenes

    Post scriptium:
    Sand hat die Gründe, die für dieses Blog sprechen, bereits viel besser ausgedrückt, sah ich gerade.
    Also nochmal ausdrücklich: keep it up!

    Comment | 22. Januar 2013
  • @ all: Danke danke für die vielen freundlichen Worte – schön zu hören, dass mein Blog bei Euch so gut ankommt. Da bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, als weiterzumachen. ;-)

    Comment | 22. Januar 2013
  • Janina

    Lieber Peter,

    zunächst mal: Dein Blog ist nicht umsonst! Er hat mir schon in so vielen Langen geholfen, die richtige Entscheidung zu treffen, oder sagen wir mal, das geringere Übel. Außerdem tut es gut, hier zu sehen, dass es noch viele andere gibt, die glücklich leben wollen, ohne anderen damit Leid zuzufügen. Was mir jedoch fehlt ist der Gegenpol. Die Unterstützung “der Guten”. Ich denke man könnte noch mehr bewegen, indem man darüber schreibt, wo man guten Gewissens einkaufen gehen kann, welche gemeinnützigen Vereine etwas bewegen, welche Antikapitalisten glücklich sind und und und …

    Die Aktion Agraprofit halte ich für nicht aussagekräftig. Die meisten Menschen sind verwirrt, wenn sie Grün drücken sollen, und der grüne Knopf hat die Aufschrift Rot. Ich stelle mir mal vor ich bin auf einem trubeligen Markt, morgens, verschlafen und wie immer keine Lust von irgendwem angeguckt oder angesprochen zu werden. Ich würde ein Blatt Papier auf dem steht “wir lassen auch die Kleinen mit anpacken” o.ä. gar nicht ernst nehmen. Vermutlich hätte ich an dem Stand nichts gekauft, weil das Sortiment ein Witz ist. Ein Stand der NUR Bananen verkauft, wäre noch mal was anderes. Mit den Typen hätte ich mich gar nicht befassen wollen, da sie ja offensichtlich Quatsch erzählen.

    “Denn allgemein geht man ja doch davon aus, dass man Menschen nur entsprechend aufklären müsse, und schon wird aus schädlichem sinnvolles Handeln.”

    Wenn man ein guter Mensch ist, glaube ich dass es so ist. Es gibt auch genug die sich nur für sich selbst interessieren, was, denke ich, meist auf die Kindheit zurückzuführen ist. Trotzdem: Die große Masse wird sich um die Umwelt Gedanken machen und möchte das Richtige tun. Aber wir vertrauen auch auf unser Land und unsere Gesetze. Und wenn da jemand sitzt und einen Stand von Agraprofit genehmigt hat, dann muss das ja seine Richtigkeit haben. Dieses Vertrauen ist doch erst die Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie. Ich bin der Meinung, dass die Hauptverantwortung bei den Klugen und Starken liegt, bei den Führungspersönlichkeiten, die das Rudel hinter sich her ziehen. Das mag wie eine Ausrede klingen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Scheußlichkeiten wie Ignoranz zutiefst menschlich sind und genau durch dieses Rudelverhalten vorprogrammiert sind. Das müssen wir realisieren und damit umgehen.

    Comment | 25. Januar 2013
  • Das ist einfach nur der helle Wahnsinn, wie sich die Leute verarschen lassen. Bitte entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber man kann es in diesem Zusammenhang gar nicht anders ausdrücken. Da sieht man mal wieder, dass im Moment der Konsum-Gier das eigenständige und kritische Denken komplett ausgeschaltet wird. “Geiz ist Geil!” und das um jeden Preis. Aber wie Peter schon sagt, da fragt man sich am Ende wirklich ob das aufklärerische Schreiben und die ganze Arbeit wirklich einen Sinn haben, wenn sich Menschen schon von so einer einfachen (und zugleich sehr effektiven wie der Film zeigt)Aktion überzeugen lassen. Ich finde es einfach nur beschämend!

    Comment | 27. Januar 2013
  • [...] sorgt das Video in zahlreichen Blogs für Aufsehen. Und alle Kommentare in all den Blogs zeigen. Wir, ja wir stehen auf der richtigen [...]

    Pingback | 27. Februar 2013

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