Okt
30
2011

Bye Bye Bayern – Der Flächenfraß

Quelle: Wikipedia, Nicolas17

Immer wieder schrecken einen Meldungen, die irgendwo auf Seite 39 der Tageszeitung unter Vermischtes auftauchen, für einen kleinen Moment auf: jeden Tag gehen in Deutschland Flächen von soundsoviel Quadratmeter, das entspräche der Ausdehnung von soundsoviel Fußballfeldern, verloren, weil sich Gewerbegebiete und Wohnflächen ausbreiten. Kurz darauf ist diese Information auch schon wieder vergessen und man kann damit weitermachen, sich ein neues Haus irgendwo am Stadtrand, „im Grünen“, zu bauen oder den halben Samstag damit verplempern, in eins der „stadtnahen“ Einkaufszentren zu fahren, die es ja praktischerweise und zum Glück bald überall gibt, so dass man es von seinem Reihenhaus bis zum nächsten Sperrmüllvorverkauf (wie ein Professor an meiner Uni Möbelhäuser wie Roller einmal bezeichnete) gar nimmer so weit hat und nicht länger als eine halbe Stunde unterwegs ist, bis man sich wieder ein neues Sofa, das Schnäppchen aus dem Discounter oder ein paar Pflanzen für den Garten kaufen kann. Super, oder?

Okay, die eine oder andere Prise Ironie ist mir da vermutlich in die Zeilen gerutscht, das streite ich nicht ab. Dass ich generell diesen „Mega-Malls“ und anderen Konsumtempel reichlich skeptisch bis ablehnend gegenüber stehe, dürfte ja bekannt sein, nicht zuletzt seit meinem Beitrag „Die Stadt in der Stadt – Wie Einkaufszentren Innenstädte zerstören“. Dass die Landversiegelung, die durch die Zergliederung der Städte (immer mehr Menschen wollen ein eigenes Haus haben, so dass immer weitere Neubaugebiete entstehen und amerikanische Verhältnisse zur Folge haben, sprich, man alles nur noch mit dem Auto erreicht)  und die Wucherungen der Gewerbegebiete hervorgerufen wird, weder schön nich nachhaltig ist, ist auch keine neue Erkenntnis. Nun aber beginnen sich auch ernsthafte Konsequenzen für die Landwirtschaft und damit die bezahlbare Ernährung der Menschen zu ergeben, wie der Bericht des Magazins quer zeigt – „Bye Bye Bayern – Flächenfraß bedroht bayerische Natur“. Dieser Landverlust könnte dazu führen, dass die industrielle Intensiv-Landwirtschaft weiter zunimmt, weil sie ja mehr Ertrag auf weniger Fläche verspricht. Schlechte Nachrichten für Ökolandbau!

Übrigens ist dies ein Beitrag, den sich zum Beispiel auch die Wachstumskritiker-Kritiker wie Albrecht Müller von den NachDenkSeiten vielleicht einmal anschauen und zu Herzen nehmen sollten, denn was Wachtumszwang konkret für Umwelt und Mensch bedeutet, wird hier sehr deutlich. Mitnichten ist permanentes Wachstum eben nur mit virtuellen oder reinen Dienstleistungen zu bewirken.

Größere Wohnflächen, neue Gewerbegebiete, zusätzliche Verkehrsverbindungen, Infrastrukturprojekte wie die 3. Startbahn des Münchner Flughafens, aber auch der Boom der bioenergetischen Anbauflächen: Der Flächenverbrauch in Bayern hat in den letzten beiden Jahren dramatische Züge angenommen, derzeit verschwindet im Freistaat die Natur in einer Größenordnung von fast 30 Fußballfeldern täglich. Politik, Bauern und Bürgermeister sind alarmiert, die Staatsregierung will mit einem Masterplan den Flächenfraß bis 2020 drastisch reduzieren.

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4 Kommentare »

  • Holger Breit

    Leider ist es doch so, dass es nicht nur in Bayern so läuft, sondern eben Bundesweit! Aber wer braucht denn auch schon normales Essen, wenn man sich doch mit Flachbildschirmen und Handys versorgen kann!? Es reicht doch dann, passend dazu, Genfutter in sich rein zu stopfen. Dieses bekloppte Wachstum macht uns krank und kaputt und diese Dauerparolen Wachstum und Nachhaltigkeit sind für mich die Unworte unserer Zeit, genau so, wie alternativlos.

    Comment | 30. Oktober 2011
  • Sand

    So ist das eben in der FREIEN Marktwirtschaft. Alternativlosigkeit ohne Ende. Sachzwänge zum Schweinefüttern. Sehr praktisch! So braucht wirklich keiner in die Verantwortung zu gehen. Wenns ja eh keine Alternativen gibt. Ich frag mich nur, warum es dann so viele Leute gibt, die wahnsinnig gut verdienen, weil sie anscheinend so viel Verantwortung tragen. Verantwortung ohne Entscheidungsfreiheit.

    Comment | 30. Oktober 2011
  • Peter

    stimme dem Artikel durchaus zu, aber das mit dem eigenen Haus gehört da für mich nicht rein, gehört ja wohl zu den Grundbedürfnissen und ging vor etlichen Jahren, bevor alle in die Städte zogen, auch wunderbar(in Bezug auf die Landwirtschaft). Die Bevölkerung lag da bei 62Millionen…

    Comment | 31. Oktober 2011
  • Bambi

    Lieber Konsumpf
    Wieder Mal ein sehr interessanter Artikel bei Dir…mir gefällt deine Seite und dein Denken, schau immer wieder gern hier vorbei…weiter so!
    Gruss
    Bambi

    Comment | 31. Oktober 2011

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