Okt
28
2008

Supermarktmacht – Billig um jeden Preis?

Zunehmende Marktmacht und Konzentration auf vielen Märkten ist eines der Kernthemen meines Blogs (und auch einer der Auslöser, mich mit den ganzen Problematiken rund um Globalisierung & Co. zu beschäftigen). Dies betrifft nicht nur die von mir besonders verfehmten und “bekämpften” Billigbuden, die Discounter-Ketten, auf deren schädliche Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt ich an anderer Stelle noch ausführlicher eingehen werde (man lese aber auch meine älteren Beiträge über Lidl, HIER und HIER). Gerade in Deutschland hat die Marktkonzentration schon bedenkliche Ausmaße angenommen – inzwischen werden 90% des Einzelhandels von nur noch 6 Großkonzernen bestimmt, die somit große Einflußnahme auf Preise und Zulieferer ausüben. Und, v.a. im Falle der Discounter, auch das Lohnniveau und die Arbeitsbedingungen drücken.

Seit einigen Monaten haben Organisationen wie ver.di, Germanwatch, BUND, Südwind, Misereor und Oxfam eine eigene Initiative gegründet, die die Gefahren dieses Prozesses bewusst machen und stoppen will – Supermarktmacht.

„Je größer der Marktanteil der wenigen verbleibenden Supermärkte, desto mehr können sie ihre Einkaufsmacht gegenüber den Zulieferern ausspielen“, kritisiert Marita Wiggerthale, Handelsexpertin bei Oxfam Deutschland. Schon jetzt drückten die Supermarktkonzerne ihre Lieferanten im Preis und wälzten Kosten und Risiken auf sie ab. „Die Zulieferer müssen sich mit Zuschüssen an der Neueröffnung von Supermarkt-Filialen beteiligen, Listungsgebühren bezahlen oder rückwirkend geltende Konditionsänderungen hinnehmen“, so Wiggerthale. Der daraus resultierende Preis- und Kostendruck bewirke, dass Arbeiter/innen in den Lieferländern noch länger unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Hungerlöhnen produzieren müssten.

Auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten bei den Discountern in Deutschland verschlechtern sich zunehmend. Niedriglohn- und Minijobs verdrängen normale Arbeitsverhältnisse. “Arm sein trotz Arbeit wird in Deutschland und Europa zur Normalität“, warnt Uwe Woetzel, Experte für Arbeitsrechte bei der Gewerkschaft ver.di. „Besonders betroffen sind Frauen, Migranten und Menschen aus strukturschwachen Gebieten, die überwiegend bei Lidl, Aldi, Norma, Netto und anderen Billig-Ketten arbeiten.“ Extremer Leistungsdruck und Überwachung seien bei vielen Discountern an der Tagesordnung. Grundlegende Arbeitsrechte von Beschäftigten werden nicht respektiert und das Organisationsrecht von Arbeitnehmervertreter/innen behindert.

Auf der Website erfahrt Ihr mehr über die Hintergründe, die Forderungen und auch, worauf man als Verbraucher achten kann. (NICHT beim Discounter einzukaufen halte ich schon mal für einen guten und sinnvollen Schritt.)

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Kommentare: 12 | Discounter,Grundlegendes,Wirtschaft | Schlagwörter: , , , , |

12 Kommentare »

  • Das gehört nicht zum Artikel, aber ich habe ein generelles Problem mit dieser Seite hier:
    Das Design ist sehr gelungen, aber überfordert einen älteren Rechner. Das kann doch nicht sein, dass eine konsumkritische Seite mich dazu bringt einen neuen Laptop anzuschaffen, oder? ;-)

    Comment | 29. Oktober 2008
  • Welche Probleme gibt es denn damit? Ich habe halt ein aktuelles WordPress-Theme verwendet, das eigentlich laufen sollte, wenn man nicht gerade mit Firefox 1 oder Internetexplorer 4 unterwegs ist… :-) Übrigens läuft die Website auf meinem Rechner (Mac) problemlos, und der ist auch schon 6 Jahre alt, deshalb dachte ich nicht, dass die Site performencekritisch ist…

    Comment | 29. Oktober 2008
  • Was mache ich, wenn ich gezwungen bin, die billigsten verfügbaren Angebote zu kaufen, weil ich einfach keine Kohle hab’? Manche Leute können einfach nicht anders. Ich bin ein digitaler Tagelöhner, weiß nie, wann ich meinen nächsten Auftrag bekomme und muß dauernd tricksen, um meine Rechnungen zahlen zu können, sowie meinen Kunden in den Arsch treten, damit sie ihre zahlen – ich kenne Hartz-IV-Empfänger, die haben auch nicht weniger als ich.

    Ich sehe zu, daß ich bei frischen Lebensmitteln diejenigen kaufe, die möglichst kurze Wege zurückgelegt haben. Ich kann es aber einfach nicht vermeiden, billige Lebensmittel zu kaufen, wenn ich nicht hungern will. Ich habe allerdings auch einen ineffizienten Stoffwechsel – bin spindeldürr und dauernd hungrig, esse sicherlich doppelt soviel wie ein Normalbürger. Die Ärzte wissen auch nicht, was los ist, meinen, meine Schilddrüse sei in Ordnung und ich sei, wenn auch mager, so doch gesund.

    Comment | 29. Oktober 2008
  • Das ist tatsächlich ein Problem – also wenn man wegen des knappen Geldes gezwungen ist, Discounter etc. zu frequentieren. Ich selbst schwimme jetzt auch nicht gerade im Geld, konsumiere aber generell eher wenig, so dass ich deshalb auch die Discounter links liegen lassen kann.
    Besonders fatal ist jedoch, dass nach diversen Studien 80% der Discounter-Kunden eben nicht zu denjenigen mit niedrigem Einkommen zählen, sondern zur (noch) gut verdienenden Mittel- oder sogar Oberschicht. Wer bspw. mit seinem dicken SUV bei Aldi vorfährt, um dann da seinen Wocheneinkauf zu tätigen, hat nichts verstanden und handelt, wenn man’s mal ganz direkt heraus sagen will, sogar asozial, da er ausbeuterische Unternehmen stützt. (Und dazu noch die Umwelt mit seinem Minipanzer verpestet ;-)

    Comment | 29. Oktober 2008
  • Dargestellt wird schon richtig, aber sehr, sehr langsam. Es handelt sich um einen 700 MHz-Laptop, der bald 8. Geburtstag feiern dürfte.

    Wegen dem Geld: Eigentlich muss man es sich leisten können, billig zu kaufen. Meist zahlt man dabei letztlich doch zuviel. Ich darf mich zur Zeit sicherlich zur untersten Grenze der Verdiener rechnen.

    Comment | 29. Oktober 2008
  • Meinst Du, man muss es sich leisten können, NICHT billig zu kaufen…? (Tippfehler?)

    Zu den Discountern etc. schreibe ich bald noch mehr, aber es gab auch mal ein Spezial des Greenpeace Magazin mit dem Thema “Die hohen Kosten des billigen Preises”… das was man selbst im Moment des Einkaufs spart, zahlt man letztlich langfristig doch wieder drauf (Umweltzerstörung, Unterminierung des Arbeitsmarktes, Steuerverschiebung durch Aldi & Co. etc.)

    Comment | 29. Oktober 2008
  • Nein, kein Tippfehler. Langfristig zahlt man meistens doch drauf. Gerade die Aktionsware ist einfach nur billig und in der Regel nicht das Geld wert. Gleich in vernünftige Produkte investiert wäre billiger. Bei den Lebensmitteln sowieso. Allerdings zahlen Medikamente ja die Krankenkasse. Deswegen ist es für den Einzelnen schon billiger sich beim Discounter zu ernähren, für die Gesellschaft aber eine Katastrophe.
    Ich muss mit dummerweise biologisch hochwertig Ernähren. Sonst wäre ich einfach dick und hätte Bluthochdruck. Die Behandlungskosten und die langfristigen Folgekosten wären natürlich wesentlich höher als eine bessere Ernährung. Auch wenn das die Kasse übernehmen würde, ist es keine Alternative für mich.
    Ich war gestern das erste mal seit langem wieder bei Aldi. Unglaublich was es dort für billiges Zeug gibt, das echt ausschaut wie normales Essen. Nur die Zutatenliste belehrt dann eines Besseren…

    PS: Ohne Javascript gehen Kommentare leider verloren. Wäre nett, wenn man vorher gewarnt würde.

    Comment | 31. Oktober 2008
  • Ich kann Dir da nur zu 100% zustimmen – beim Discounter zu kaufen ist mittel- bis längerfristig für einen selbst und die Gesellschaft eine Katastrophe. Das Zeug, das man da kaufen kann, ist oft auch wirklich Mist (nicht zuletzt auch die Non-Food-Sachen). Von daher haben mich Aldi, Lidl & Co. vor einigen Monaten zum letzten Mal gesehen, das ist klar. Insbesondere, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen für Produzenten & Lieferanten die so niedrigen Preise zustande kommen…

    Das mit den Kommentaren ist ja doof, ist vermutlich dieser Spamschutz, den ich mal versuchsweise eingebaut habe. Spammer sind das allerletzte, die versauen das ganze Netz…

    Comment | 31. Oktober 2008
  • Auch mit wenig Geld lassen sich Einkäufe bei Discountern vermeiden bzw. reduzieren. Wenn ich so beobachte (ich gehöre immerhin zu den Gelegenheits-Discountern…), was so auf dem Förderband landet (haufenweise Chips, vorgeschnittene Charcuterie, Trauben im April, tonnenweise Schokolade etc.) sehe ich schon einen Handlungsbedarf.
    Eine Umstellung der Lebensweise und das Achten auf einen regionalen und saisonalen Einkauf können bereits eine Entlastung fürs Portemonnaie bringen. Solche Produkte sind meist eh schwer beim Discounter zu finden, also ab zum Detaillisten, direkt zum Bauern, auf den Frischmarkt, an den Verkaufsstand an der Strasse – oder, wenn nicht mobil und in der Stadt lebend, Einkaufsgemeinschaften bilden.

    Comment | 1. November 2008
  • Da muss ich Dir 100% zustimmen. 8-)
    Aber mit angeschaltetem Javascript surfen halte ich für ziemlich gefährlich. Recaptcha ist auch nicht übel, aber ein Hinweis in einem noscript-Block wäre ganz nett.

    Comment | 1. November 2008
  • Dass durch die Praxis der wenigen marktbeherrschenden Firmen das Lohnniveau in Zulieferländern gedrückt wird, ist das eine. Man soll aber ja nicht glauben, dass dies dazu führt, dass die Preise im Regal deshalb auch sinken.

    Und auch wenn sie nicht sinken, bedeutet dies zwangsläufig einen schleichenden Abbau der Qualität: Denn wo immer möglich wird eine höhere Marge nicht an die Konsumenten weiter gegeben. Wer aber immer mehr arbeiten muss für sein Geld oder weniger Geld bekommt, arbeitet ganz sicher nicht besser > also nimmt die Qualität in jedem Fall ab.

    Comment | 22. November 2008
  • [...] Supermarktmacht – Billig um jeden Preis? Wie wir mit einem einfachen Schritt, das schädliche Verhalten der Großverteiler zurückbinden können. [mehr] [...]

    Pingback | 20. Dezember 2008

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