Dez
13
2010

Todes-Bananen und halbgare Öko-Versprechen

© steved_np3, stock.xchng

Bananen sind lecker und gesund. Und beliebt bei Alt und Jung – nicht ohne Grund sind Unternehmen wie Dole oder Chiquita zu Weltkonzernen aufgestiegen. Dass sie dabei wirtschaftliche und soziale Gefälle in den verschiedenen Regionen des Erdballs geschickt zu ihren Gunsten ausnutzen und ihr Geschäft oft auf dem Rücken der Arbeiter auf den Bananenplantagen austragen, dürfte niemanden mehr verwundern, denn nur so scheint man in unserem System erfolgreiche Firmen aufbauen zu können. Ich hatte bereits vor einiger Zeit hier im Blog über das zweifelhafte Gebaren der Branchengrößen berichtet („Das Bananen-Kartell“), und fand damals unter anderem auch die Beiträge von Oxfam („Endstation Ladentheke“ (pdf)) und dem Umweltjournal („Die krumme Tour der Supermärkte“), die darüber aufklären, dass auch die Handelsketten in Deutschland ausbeuterisches Verhalten der Konzerne vor Ort mit ihrer Einkaufpolitik unterstützen – logisch, dass auch die allseits beliebten Discounter mit ihrer Kostendrücker- und Billigpreispolitik wieder mit an der (Daumen-)Schraube drehen:

Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro sind mit verantwortlich dafür, dass Tausende von Arbeiter/innen in Entwicklungsländern zu Hungerlöhnen und unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Die genannten fünf größten deutschen Supermarktketten bedienen 70 Prozent des Marktes und nutzen diese Macht schamlos aus. Am Beispiel des Bananen- und Ananasmarktes belegt die neue Oxfam-Studie „Endstation Ladentheke“ die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Arbeiter/innen in Costa Rica und Ecuador.

Neulich wurde ich durch den Artikel „Todes-Bananen und unter dem Öko-Deckmäntelchen“ auf dem Mein Blog über die wichtigen Dinge noch auf einige weitere Aspekte des „Bananenbusiness“ aufmerksam gemacht, die ebenfalls thematisch gut in den Konsumpf passen, zum Beispiel:

(…) Nach wie vor werden die Bananen, im Übrigen auch von den anderen großen Bananen-Produzenten wie z. B. Dole, ungeniert mit Pestiziden und Fungiziden behandelt. Im „Schwarzbuch der Markenfirmen“ und bei Spiegel Online ist zu lesen, dass dieser Einsatz drastische Folgen hat. So kamen Babys ohne Gehirn zur Welt oder Plantagen-Arbeiter wurden impotent. Im späteren Verlauf mussten aufgrund der Krebsgeschwüre die Genitalien bei den Plantagen-Arbeitern amputiert werden. Allein eine Kanzlei vertritt über 12000 Opfer. Dole selber bestreitet alles und ist der Meinung, dass die Dosen nicht zu einer Beeinträchtigung hätten führen können. So werden die Opfer noch auf die angemessene Entschädigung warten müssen.

Inzwischen hat sich Chiquita das Ökosiegel der Rainforest Alliance auf die Fahnen geheftet – welches allerdings, wie z.B. die Epoch Times klarstellt, eher ein wachsweiches industriefreundliches Siegel ist, zumal sich selbst Firmen wir Nestlé oder Kraft Foods, also einige der ganz großen Global Player (auch wenn es um Umweltzerstörung, Ausbeutung etc. geht) mit dieser Auszeichnung schmücken dürfen, was dann auch entsprechend kommentiert wird – „Chiquita-Bananen im Öko-Deckmäntelchen“:

(…) Als irreführenden Marketing-Gag kritisiert die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 die ab heute beginnende Kennzeichnung aller Chiquita-Bananen mit dem „Rainforest Alliance“-Aufkleber. „Die Marketingaktion von Chiquita soll bei den KonsumentInnen den Eindruck erwecken, mit dem Kauf der Bananen ein umweltfreundliches Produkt zu erwerben. Dies ist jedoch nicht der Fall. Nur fair gehandelte Bio-Bananen können als ökologisch verträglich bezeichnet werden“, kritisiert GLOBAL 2000-Regenwald-Sprecher Daniel Hausknost.

Die Umweltschützer kritisieren nicht die von Chiquita durchgeführten Maßnahmen auf den Bananenplantagen, sondern deren offensive Auslobung mit dem „grünen Frosch“ der Rainforest Alliance. „Chiquita hat seine Produktionsbedingungen von menschenunwürdig auf halbwegs erträglich korrigiert. Dies sollte jedoch der zu erwartende Mindeststandard sein und rechtfertigt kein überzogenes Eigenlob.“ Nach wie vor werden von Chiquita massiv Pestizide und Fungizide eingesetzt und nach wie vor werden nur die miserablen gesetzlichen Mindestlöhne ausbezahlt. „Die Konsumenten sollen nun jedoch glauben, mit dem grünen Frosch auf der Banane den Umweltprinzen wachzuküssen. Das ist schlicht irreführend!“, argumentiert Hausknost. (…)

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