„Biosprit“, das klingt doch irgendwie toll. So ökologisch, so nachhaltig, so sinnvoll. Und danach, dass man einfach weiterhin dem ungehemmten Autogenuss frönen kann, ohne dass man etwas ändern muss – einfach Biosprit und in den Tank und alles wird gut. Ist der Gedanke wirklich so abwegig? Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen, das ist doch genau das, was die Menschheit immer gesucht hat – Unabhängigkeit von Öl und Benzin und damit auch Unabhängigkeit von den Drohpotentialen der ölexportierenden Länder. Mit der Einführung des E10-Kraftstoffs durch die Bundesregierung wird dieser Plan auch weiter vorangetrieben – zum Vorteil von uns allen?
Kategorie: Umwelt Seite 6 von 19
Die NDR-Sendung Markt befasste sich vor einigen Wochen ja schon einmal mit dem Thema ExxonMobil – der US-amerikanische Energiemulti fördert seit Jahrzehnten Erdgas in Niedersachsen, und dies mit doch zumindest bedenklich wirkenden Methoden, nämlich unter Verwendung einer Reihe von Giftstoffen (siehe auch meinen Beitrag von vor einigen Wochen). Ganz PR-Profi-like führte ExxonMobil damals gleich eine Informationsveranstaltung für die Bürger durch, um sie zu beruhigen und von der Sicherheit der Fördermethoden zu überzeugen. Doch Markt blieb an der Geschichte dran und förderte nun ebenfalls etwas zutage – nämlich dass bereits vor einiger Zeit, allen anderslautenden Beteuerungen zum Trotz, bei einem Störfall diverse Gifte, die auch das Grundwasser verseuchen können, ausgetreten sind. ExxonMobil schwieg all die Monate dazu und rückt erst jetzt scheibchenweise mit der Wahrheit raus. Man mag sich nicht vorstellen, wieviele solcher „Missgeschicke“ in den vergangenen Jahrzehnten noch aufgetreten und vertuscht worden sind…! „Gift bei Gasförderung in den Boden gelangt“:
In Niedersachsen fördert der amerikanische Konzern ExxonMobil seit Jahrzehnten Erdgas – angeblich hat es noch nie eine Störung gegeben, hieß es bisher offiziell vom Unternehmen. Doch nach Recherchen von Markt gab es beim Erdgasfeld Söhlingen im Landkreis Rotenburg/Wümme sogar neun Leckagen an einer Leitung. Die Leitung transportierte aus dem geförderten Gas heraus gefiltertes Wasser (sogenanntes Lagerstättenwasser). Dieses Wasser, das das giftige Schwermetall Quecksilber und aromatische Kohlenwasserstoffe wie zum Beispiel das krebserregende Benzol enthielt, gelangte durch die undichten Rohrleitungen in Erdreich und Grundwasser.
Nach Angaben des LBEG handelt es sich um Quecksilber sowie die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol (BTEX). Der Toxikologe Prof. Hermann Kruse von der Universität Kiel zeigte sich gegenüber Markt äußerst besorgt. Diese Stoffe seien gesundheitsgefährdend.
ExxonMobil bestätigt Schaden
Auf Nachfrage von Markt bestätigte der Konzern ExxonMobil den Schaden im Erdgasfeld Söhlingen: “Im Rahmen der Umsetzung des genehmigten Sanierungsplanes wurden etwa 2.500 Kubikmeter verunreinigter Boden entsorgt und durch sauberen Boden ersetzt.” Weiter gibt ExxonMobil zu: “Neben dem verunreinigten Boden musste im Umfeld der Schadstellen auch eine Reinigung des Grundwassers von ausgetretenem Lagerstättenwasser erfolgen.”
Der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) kritisiert den intransparenten Umgang des Konzerns ExxonMobil und der zuständigen Aufsichtsbehörden mit dem Störfall. Das noch von 1940 stammende Bergrecht ermögliche Konzernen wie ExxonMobil, ihrer Arbeit weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit nachzugehen.
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Weil sich Wirtschaftsunternehmen mit millionenschweren Kampagnen legal und unter viel beifälligem (da bezahltem) Mediengetöse gerne grünwaschen, ist es um so erfreulicher, dass es auch einige Menschen und Organisationen gibt, die die vielen Missetaten mancher Konzerne nicht so einfach in Vergessenheit geraten lassen wollen. Wie zum Beispiel mit Hilfe des auch dieses Jahr wieder stattfindenden Public Eye Awards, für den sechs Firmen zur Auwahl stehen, die 2010 viel Leid über die Menschheit gebracht haben. Im einzelnen sind dies BP, die chinesischen Foxconn (die u.a. für Apple unter miesesten Bedingungen Elektronik fertigen lassen), AngloGold Ashanti, Philip Morris sowie die finnische Ölfirma Neste Oil und der Schweizer Stromversorger Axpo. Stimmt mit ab, um der ganzen Aktion noch mehr Gewicht zu verleihen!
>> Hier geht’s zur Abstimmungseite mit weiteren Infos zu den einzelnen Firmen
Eine Reihe schöner Adbusts haben sich die Veranstalter zu jedem der „nominierten“ Konzerne ebenfalls ausgedacht.
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Dass Plastik in der Masse, wie es unsere Wegwerfgesellschaft täglich tonnenweise produziert, Mensch und Natur schädigt, und vieles davon auch noch unsinnigerweise verwendet wird, hatte ich ja vor einer Weile schon berichtet („Kampf den Plastiktüten“). Auch der Film Plastic Planet zeigte in erschreckender Weise, wie weit Plastik mittlerweile in den (ehemals) natürlichen Kreislauf eingedrungen ist und Tiere tötet und zu genetischen Veränderungen und Defekten (Unfruchtbarkeit) führt (siehe auch HIER). Arte brachte vor einiger Zeit die Dokumentation „Plastik über alles“, die sich ebenfalls sehr kritisch damit auseinandersetzt, was es für uns alle und zukünftige Generationen bedeutet, wenn wir so weitermüllen wie bisher [via Auftragselfe]; hier Teil 1:
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Winterzeit, Kaminzeit. Während draußen „arktische“ Kälte herrscht, greifen immer mehr Menschen zu dekorativen Kaminen, die mit Ethanol befeuert werden. Dass diese modische Marotte nicht nur eine gefährliche, sondern (mal wieder) auch umweltschädliche Heizmethode ist, zeigt die aktuelle Online-Unterschriftenaktion von Regenwald.org – „Ethanol-Kamine: Schädlich, unverantwortlich und brandgefährich“. Also bitte alle die entsprechende Online-Petition an Ministerin Aigner unterzeichnen!:
Ethanol wird aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen hergestellt. In Europa dienen dazu vor allem Weizen und andere Getreide sowie Zuckerrüben, in den USA Mais und in Brasilien Zuckerrohr. Brasilien ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Ethanolproduzent. Da die heimischen Anbauflächen nicht ausreichen und die Produktionskosten bei uns hoch sind, wird Ethanol in großen Mengen aus Brasilien importiert. Die Ethanol-Einfuhren der Europäischen Union aus Brasilien belaufen sich auf etwa 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Angebaut wird das tropische Süßgras auf riesigen industriellen Monokulturen. Schon neun Millionen Hektar sind in dem südamerikanischen Land mit den grünen Zuckerrohrwüsten der Großgrundbesitzer, Investoren und multinationalen Konzerne belegt.
Die Zuckerrohrschneider schuften als moderne Sklaven auf den Plantagen zu Hungerlöhnen. Bei mörderischer Hitze und Staub müssen sie 15 Tonnen Zuckerrohr und mehr am Tag ernten. Jedes Jahr werden von der brasilianischen Bundespolizei mehrere Tausend Zuckerrohrarbeiter aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit. Enorme Mengen kostbaren Wassers werden zur Bewässerung der Felder und für die industrielle Produktion vergeudet. Immer tiefer fressen sich die Plantagen in die Tropenwald- und Savannengebiete des Landes hinein. Indianer und Kleinbauern werden dafür von ihrem Land vertrieben und oftmals ermordet. Die brasilianische Regierung plant, die Anbaufläche für Zuckerrohr zu versiebenfachen. Auf 65 Millionen Hektar soll Zuckerrohr kultiviert werden – das entspricht der Fläche Deutschlands und Polens.
Der größte Teil des in die EU importierten Ethanols wird dem Auto-Benzin als sogenannter „Biokraftstoff” beigemischt. Darüber, wie viel Ethanol in den Dekokaminen verfeuert wird, gibt es keinerlei offizielle Angaben. Mit einem Liter Ethanol brennen die Wohnaccessoires zwei bis drei Stunden. Manche lassen sich nicht einmal „abstellen“: Sie brennen in jedem Fall so lange, bis das Ethanol verbraucht ist. Die Hersteller werben damit, dass weder ein Schornsteinanschluss noch eine Genehmigung nach der Feuerstättenverordnung erforderlich sind. Doch der von vielen beworbene Heizeffekt ist minimal. Die Dekokamine sind kaum mehr als ein optischer Gag.
Damit sich nicht zu viele giftige Abgase in der Raumluft ansammeln, muss zudem permanent gelüftet werden. Wissenschaftler sorgen sich um den Schadstoffausstoß – darunter krebserregende Stoffe – auf den Straßen durch den fünfprozentigen Ethanolanteil im Auto-Benzin. Doch was passiert, wenn stundenlang 96-prozentiges Ethanol mitten in deutschen Wohnzimmern abgefackelt wird? Ethanol ist leicht entzündbar und wird auch als Brandbeschleuniger eingesetzt. Ab 21 Grad Celsius Raumtemperatur bildet sich ein hochexplosives Gemisch. Läuft Ethanol beim Befüllen aus und entzündet sich, brennt schnell der ganze Raum lichterloh. Wöchentlich berichten die Medien von solchen Wohnungsbränden, Verpuffungen und Explosionen. Ende November erlag eine Frau in Schleswig-Holstein ihren schweren Brandverletzungen. Prüfnormen existieren nicht. Die Stiftung Warentest warnt daher vor den Geräten.
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Das Wort „Nachhaltigkeit“ wird ja seit einiger Zeit geradezu inflationär benutzt – viele Unternehmen schmücken sich in ihren Werbekampagnen mit „nachhaltigen“ Versprechungen, die sich bei näherem Hinsehen als Mogelpackung entpuppen: Nachhaltigkeit bedeutet für viele bereits, ein Produkt in den Markt zu drücken, dass die Umwelt etwas weniger zerstört. Dass dies großer Unsinn ist, ist vermutlich jedem halbwegs denkenden Menschen klar. Wie der Nachhaltigkeitsbegriff allerdings genau definiert ist, war mir ehrlich gesagt bis zur Lektüre des Buches „Kommunikation von Nachhaltigkeit in Fernsehen und Web 2.0“ von Caroline Glathe auch nicht so recht klar. Denn Nachhaltigkeit in der heutigen Auffassung umfasst (sofern es sich nicht auf den Bereich der Forstwirtschaft bezieht) oft drei Dimensionen – die ökologische Dimension (Schutz der Ökospähre), die ökonomische Dimension (wirtschaftliche Entwicklung unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte) und die soziale Dimension (Verteilungsgerechtigkeit). (EDIT: Wie ich darauf hingewiesen wurde, umfasst die original Definition
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Das papierlose Büro – erinnert sich noch jemand an diese vollmundige 80er Jahre Zukunftsvision der IT-Industrie? Computer und ihr digitalen Speichermedien sollten der Zettelwirtschaft und Papierflut ein Ende bereiten und so letztendlich auch die Umwelt entlasten. Leider wurde nichts daraus, wie wir inzwischen wissen – in Büros werden heutzutage massenhaft E-Mails ausgedruckt und abgeheftet, Berichte in dicken Ordnern gestapelt und der Papierbedarf eher noch gesteigert. Gegen die Unsitte, jeden Klimperkram unbedingt auf Papier bannen zu wollen hat sich der WWF etwas ausgedacht – ein neues Dateiformat namens wwf, das quasi ein pdf ist, das man aber nicht drucken kann. So wird dem druckwütigen Empfänger also die Lust an der Papierverschwendung genommen. Dass dies natürlich für viele Inhalte nicht so sinnvoll ist, ist klar, aber für einige Anwendungsmöglichkeiten mag es doch als taugliches Format zu einsetzbar sein. Derzeit gibt es die kostenlose Software nur für den Mac, andere Systeme werden alsbald folgen.
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Es ist schon sehr erstaunlich bis erschreckend – da mehren sich seit Jahren die mahnenden Stimmen, die vor zu viel Fleischkonsum warnen, die sowohl die gesundheitlichen Folgen wie auch die für die Umwelt, das Klima und nicht zuletzt die Tiere selbst thematisieren und vermehrt ins Licht der Öffentlichkeit bringen. Da wird sogar ein fleischkritisches Sachbuch – „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer –, das zu Vegetarismus animieren soll, zu einem Bestseller. Auch in den Medien machen immer wieder Skandale im Zusammenhang mit Massenkonsum und Billigfleisch die Runde. Und dennoch scheint die Expansionswut der industriellen Fleischproduktion ungebrochen zu sein, denn es werden immer mehr und immer größere Tierzuchthallten gebaut. Vermehrt machen sich auch ausländische Investoren daran, hierzulande gigantische Tier-Fabriken aus dem Boden zu stampfen, in denen zigtausende Schweine oder Hühner unter übelsten Bedingungen der Turbomast zugeführt, also in kürzester Zeit unter Einsatz von chemisch optimiertem Futter, Hormonen etc., zur Schlachtreife aufgepäppelt. Neben all den moralischen Bedenken und auch direkt gesundheitlichen Gefahren, die solch ein Industriefleisch mit sich bringt, zerstören diese Tier-KZs auch die umliegende Natur, z.B. durch eine schleichende Vergiftung des Bodens durch Ausbringung der riesigen Güllemengen, die im Produktionsprozess Tag für Tag anfallen.
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Bei der ganzen erhitzte Debatte rund um die Kernkraft, und bei den massiven Auseinandersetzungen bei den aktuellen Castor-Transporten kann es nicht schaden, noch einmal ein wenig Sachlichkeit einziehen zu lassen. Denn die Ablehnung der Atomenergie ist keineswegs nur eine emotionale Angelegenheit, sondern lässt sich mit vielen guten Gründen untermauern. Unlängst hatte ich ja schon die ZDF-Sendung WISO zitiert, die der Frage nachging, was uns als Steuerzahler und als Gesellschaft insgesamt der „billige“ Atomstrom wirklich kostet (HIER). Drei neue kurze Beiträge will ich hier einmal aufführen, die in den letzten Tagen im Fernsehen liefen – für viele meiner Leser sicher nichts Neues, aber eventuell findet der eine oder andere darin ja doch noch ein paar Argumentationshilfen für die nächste Diskussion oder den nächsten Versuch der Überzeugungsarbeit bei Zweiflern und Zögerern. Und wer weiß, eventuell geschieht ja sogar das Undenkbare und ein schwarz-gelber Politiker kommt mal ins Grübeln, was er mit seiner Entscheidung zur Laufzeitverlängerung sich und den folgendenden tausend Generationen alles antut.