Aug
11
2011

Schlimme Firmen – heute: Glencore

Wie Ihr inzwischen sicherlich mitbekommen habt, bin ich ja auf jeden Fall ein Verfechter eines kritischen Konsums, soll heißen, jeder Einzelne sollte bei seinen Einkäufen überlegen, welchen Unternehmen er sein Geld überlässt und welche Geschäftspolitik er damit unterstützt; kurz: was die Folgen eines Griffs zu einem bestimmten Produkt oder eines Gangs zu einem Discounter sind. Einfach ist dies bei den Dingen, die wir direkt kaufen können – dass nichts von Firmen wie Nestlé, Coca Cola, Müller Milch, Kraft, Ferrero, Nike etc. im eigenen Einkaufskorb landet, sollte selbstverständlich sein, genauso wie das Ignorieren von Aldi, Lidl und Co. oder Tierquälerbuden wie McDoof oder Kentucky Fried Chicken.

Soweit, so gut. Leider ist es aber so, dass es Unternehmen gibt, die ebenfalls massiv die Umwelt zerstören, Menschen ausbeuten und Politiker korrumpieren, ohne dass wir diese durch Boykott in irgendeiner Form umgehen könnten. Zu diesen Firmen gehören all die Industriekonzerne, die Rohstoffe gewinnen und weiterverarbeiten und so Vorprodukte für die restliche Wirtschaft liefern. In diesem Falle ist der einzelne Konsument mit seinen Eingriffsmöglichkeiten des „politischen Konsums“ dummerweise machtlos – bzw. bleibt ihm nur, generell sein Konsumniveau, vor allem an technischem Schnickschnack, auf einem niedrigen Level zu halten.

Und dennoch schadet es nichts, zu erfahren, wie manche Konzerne so vorgehen, von deren Existenz und Geschäftsgebaren die meisten von uns vermutlich bisher nichts wussten. Beispielsweise Glencore, einer der größten Rohstoffhändler der Welt, wie ich allerdings auch erst aus der ARD-Sendung Monitor erfahren habe. In „Rohstoffe – Dubiose Geschäfte eines Weltkonzerns?“ deckt der Beitrag auf, mit welchen Methoden diese Firma vorgeht und wie sie dabei durch das Geld deutscher Banken und Versicherungen gestützt wird. Ausgesprochen unerquicklich!

Viele deutsche Anleger betrachten Glencore, den größten Rohstoffhändler der Welt, als renditeträchtige Geldanlage, deutsche Banken empfehlen den Kauf und halfen beim Börsengang. Das Unternehmen steht im Verdacht, mit dubiosen Geschäftspraktiken seine Gewinne zu maximieren. Glencore streitet die Vorwürfe ab. Wichtige Player auf den Finanzmärkten haben offenbar das Vertrauen in das Schweizer Unternehmen verloren. Die Europäische Investitionsbank EIB hat das Geschäftsverhältnis eingefroren und die Anti-Betrugsbehörde OLAF eingeschaltet. Die deutsche Allianz rät intern vom Investment in Glencore ab.

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9 Kommentare »

  • TheGhostDog

    Danke für den Hinweis, werde auf jeden Fall überprüfen ob diese Firma sich in meinem Fondsdepot befindet und in diesem Zug auch generell den Sinn eines Fondsdepots hinterfragen oder zumindest erwägen zu einer Ethik/Umweltbank zu wechseln.

    Comment | 11. August 2011
  • T.K.

    Hallo Herr Marwitz,

    erstmal ein großes Kompliment für die ansprechende Seite.
    Ich habe erst ein paar Artikel gelesen, kann aber jetzt schon sagen, dass mir das Lesen Spaß gemacht hat und gleichzeitig informativ ist.

    Ich möchte einfach mal zu diesem Artikel anfügen, dass Unternehmen nicht dafür da sind ‘sozial’ zu sein oder Arbeitsplätze zu schaffen sondern einzig und allein ihren Eigentümern / Shareholdern den maximalen Gewinn zu erwirtschaften.
    Ich stimme Ihnen aber in dem Punkt zu, dass die Unternehmen sich zwingend an alle Gesetze und ethischen Maßstäben halten müssen.

    Viele Grüße
    T.K. aus dem Ruhrgebiet

    Comment | 11. August 2011
  • @ T.K. – erstmal Danke fürs Kompliment zu meinem Blog :-)

    “dass Unternehmen nicht dafür da sind ’sozial’ zu sein oder Arbeitsplätze zu schaffen sondern einzig und allein ihren Eigentümern / Shareholdern den maximalen Gewinn zu erwirtschaften.”

    Damit ist dann auch schon die Krux umrissen, dass in diesem System die Wirtschaft nicht den Menschen dient, sondern einigen wenigen, die daraus maximalen Profit schlagen. Dass das die Gesellschaft nach und nach zersetzt und zerstört, sieht man ja mittlerweile leider überall auf der Welt…

    Comment | 11. August 2011
  • T.K.

    Ich finde dieses ‘einigen wenigen’ sehr vage formuliert.
    Es steht doch jedem frei, insbesondere in den westlichen und zivilisierten Ländern, sich an dem Wirtschaftssystem zu beteiligen.
    Jeder kann durch Bildung und Fleiss ein Einkommen erreichen, dass nicht nur zum Überleben reicht.
    Es darf nicht die (monetäre) Aufgabe der Allgemeinheit (Steuerzahler) sein Lowperformer zu alimentieren.
    Ich stimme aber zu das die Ausbeutung in sog. ‘Drittweltländern’ kritisch zu betrachten ist, da sich die örtliche Bevölkerung nicht gegen Geschäftspraktiken und Kapital wehren kann.

    Comment | 11. August 2011
  • “Ich finde dieses ‘einigen wenigen’ sehr vage formuliert.”

    Es geht auch konkreter – die obersten wenigen % der Menschen besitzen über 90% der Güter, der Grundstücke usw., genauso wie die 500 größten Konzerne der Welt den Großteil der Profite einfahren, mit zunehmender Tendenz zur Konzentration (habe die genauen Statistiken grad nicht zur Hand, die sind aber schnell zu finden). Wer hier also von dem System profitiert, ist klar zu erkennen, nämlich eine kleine Minderheit.

    “Es steht doch jedem frei, insbesondere in den westlichen und zivilisierten Ländern, sich an dem Wirtschaftssystem zu beteiligen. Jeder kann durch Bildung und Fleiss ein Einkommen erreichen, dass nicht nur zum Überleben reicht.”

    Das ist ja doch eher ein Ammenmärchen, das gerne von den Fans neoliberaler “freier” Märkte verbreitet wird. Wie gut die Chancen für viele, auch motivierte, Menschen sind, sich “am Wirtschaftssystem zu beteiligen” sieht man ja an dem Boom der Billigjobs, der Leiharbeit bzw. generell der Arbeitslosigkeit etc. in anderen Ländern. Fakt ist, dass derjenige, der viel Geld hat und zudem das Glück, in die richtige “Schicht” hineingeboren zu werden, viel bessere Chancen hat als andere, die eventuell komplett abgehängt werden. Und dieses System fördert zudem die Akkumulation von Kapital in wenigen Händen. Nein, mit der oben geäußerten Ansicht stoßen Sie hier im Blog (und bei mir) doch eher auf Unverständnis, tippe ich mal ;-)

    “Es darf nicht die (monetäre) Aufgabe der Allgemeinheit (Steuerzahler) sein Lowperformer zu alimentieren.”

    “Lowerperformer”…? Oh je, die FDP lässt grüßen…

    Comment | 11. August 2011
  • Jasper F.

    Die 500 größten Privatunternehmen produzieren ca. 52% des Weltbruttoprodukts.

    bzgl. FDP und Ähnlichem empfehle ich Volker Pispers – Bis neulich! (komplett bei Youtube)

    Comment | 12. August 2011
  • idealistin

    Hallo Peter,

    http://faszinationmensch.wordpress.com/author/bartonitz/

    einfach mal das Video ansehen – genial und auf Punkt getroffen. (Globalisierung/ Prekariat)Rhetorisch super und klasse Gedankengänge.

    Comment | 17. August 2011
  • Sand

    Ich bin jetzt grad über das Wort “Lowperformer” gestolpert. Ich nehme jetzt einmal an, mit Lowperformer sind nicht die Besserverdiener gemeint, die in Relation zu ihrer Bezahlung oft eine ziemlich schlechte Performance hinlegen? Insbesondere im Verhältnis zu all jenen, die sich für wenig Geld oft täglich bis zur Erschöpfung ausbeuten müssen? Spontan würde ich das Wort Lowperformer den (im Verhältnis) ZU-GUT-VERDIENENDEN zuordnen. Die Besserverdiener werden aber komischerweise so viel ich weiß von den Flern und Ähnlichen als LEISTUNGSTRÄGER gefeiert. WEil: Geld verdient Respekt, und: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, bekommt daher auch Wörter wie “Lowperformer” ab. DAs ist ja wohl die Haltung dahinter. Um tatsächlich (Arbeits-)Leistung geht es ganz gewiss nicht. Sonst müsste man nämlich auch fragen, warum die einen fürs Nichtstun viel besser bezahlt werden als die anderen – ist das Nichtstun der Leistungsträger qualitativ hochwertiger? Ich meine jetzt bezahlte “freie” Zeiten wie: Krankenstand, Pension, Arbeitslose. Die Leistungsträger hätten ja an sich so viel verdient (AUCH durch die großzügige Haltung der Gesellschaft ihnen gegenüber), dass sie sich für Notzeiten etwas auf die Seite hätten legen können. Was bei den working poor ganz unmöglich ist. Die brauchen das Geld also viel eher. Weil sie sich praktisch UMSONST – wenns gut geht für Kost und Logis – für die Allgemeinheit ausgebeutet haben. Der DAnk der Gesellschaft für diese Selbstausbeutung: In Notzeiten wirst du noch kürzer gehalten als sonst schon. Weil: Du bist den niedrigen Lebensstandard schon gewohnt. Hast ja auch nie viel einbezahlt ins System (wie auch, wenn du so wenig rausbekommen hast für deine Arbeit?). Ich rede nicht von mir, ich lasse mich möglichst wenig ausbeuten, aber es gibt eben Leute, die erwischen es gar nicht gut.

    Comment | 28. Oktober 2011
  • glencore macht noch viel mehr, wie ich erfahren musste siehe beitrag ” ein dreckiges geschäft” auf meinem blog http://www.sauraandlimon.wordpress.com
    lg david müller

    Comment | 18. November 2012

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