Nov
01
2009

Der K(r)ampf ums Wasser, Teil 1: Umweltbelastung durch Discounter-Einweg

Meiner langen Liste der Discounter-Sünden und -Nachteile möchte/muss ich heute einen weiteren Punkt hinzufügen, der mir selbst bislang auch noch gar nicht so bewusst war – aber tatsächlich fördert gerade der „Erfolg“ der Discounterketten die Entwicklung hin zu Einwegflaschen, insbesondere beim Wasser. Und da Einweg ökologisch ein ziemlicher Schmarrn im Vergleich zum Mehrwegsystem ist, helfen die Billigheimer also auch hier tatkräftig mit, durch ihr Geschäftsmodell den Lebensraum der Menschen weiter zu zerstören. Genau darum ging es in der letzten NDR-markt-Sendung – „Einweg-Pfand: Schlechtes Geschäft für die Umwelt” zeigt gut auf, welche Aspekte (auch politische) hier alles mit hineinspielen:

(…) Das sei eine Katastrophe, meint die Deutsche Umwelthilfe. Sie hält die Tatsache, dass sich Mehrweg gerade im Wasserbereich im freien Fall befände, für ein ökologisches Desaster. Das Problem: Mineralwasser in Einwegflaschen ist bei Kunden beliebt. Denn zum einen sind die Flaschen aus dünnem Plastik deutlich leichter als die aus Glas und zum anderen wird gerade Wasser in Einwegflaschen seit der Einführung der Pfandpflicht besonders billig feilgeboten. Im Mineralwasser-Segment fechten die großen Discounter besonders hart ihren Preiskampf aus. Bei Lidl, Aldi, Norma, Netto und Penny etwa kostet der Liter Wasser in der Flasche nur noch 13 Cent und damit knapp die Hälfte des Pfandbetrags für die Flasche (zur Erinnerung: 25 Cent). Clemens Stroetmann von der Stiftung Initiative Mehrweg und ehemaliger Staatssekretär im Bundesumweltministerium sieht darin reine Lockangebote und vermutet, dass diese Preise sogar unter den Herstellungskosten liegen. (…)

Gas in Flaschen – Betrug am Verbraucher
Aber auch die Hersteller teurer Markenwasser setzen auf Einwegflaschen. Die Abfüller wenden sogar Tricks an, um ihre Einwegflaschen als Mehrwegverpackung zu tarnen. Beispielsweise pumpen sie Gas in die Flaschen, damit diese bis zum Öffnen fest wie die Mehrwegflaschen aus dickerem Plastik sind. Einige versehen ihre Flaschen bewusst nicht mit dem Einweglogo, geschweige denn dem Wort “Einwegflasche”. “So verschweigt man, dass es Einweg ist”, erklärt Clemens Stroetmann. Seine Einschätzung: “Im Grunde genommen ist das kriminelle Energie und Betrug am Verbraucher”.

Für die Discounter zählt anscheinend nur das Geschäft, nicht der Umweltschutz. Die Genossenschaft Deutscher Brunnen schätzt: Die großen Discountmärkte erwirtschaften mit Einwegflaschen Mehrerlöse von bis zu 400 Millionen Euro im Jahr. Möglich ist das unter anderem durch “Pfandschlupf” (nicht oder anderswo zurückgebrachte Flaschen) sowie durch den günstigeren Anschaffungspreis für Einwegflaschen. Außerdem ersparen sie sich ein aufwändiges Mehrweg-Kreislaufsystem mit entsprechender Transportlogistik und Reinigungsanlagen.

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4 Kommentare »

  • Verdammt! Ich dachte immer, die Flaschen die ich immer wegbringe würden sinnvoll wieder verwertet, aber die Gesellschaft hat mich veralbert. Beim nächsten Einkauf achte ich auf die Symbole. Danke für den Artikel! Vielen vielen dank!

    Comment | 1. November 2009
  • Was mir bei den Vergleich von Pfand und Einweg immer fehlt ist die Einbeziehung der Transportwege.

    Fall 1 – Einweg
    Ich kaufe bei Aldi meine Einwegflasche und gebe diese dort anschließend dort zurück. Die wird dann direkt geschreddert. Die Reststoffe aller Flaschen gelangen dann zum Verwerter und der macht daraus Schlafsackfüllungen.

    Fall 2 – Pfand
    Ich kaufe eine Mehrwegflasche. Die gebe ich beim Händler zurück der transportiert die schweren Flaschen zum ausspülen (z. B.) nach Wuppertal. Nach dem Spülvorgang wird wieder neues Wasser eingefüllt und zurück.
    Ist der Ort der Reinigung auch der Ort der Neuabfüllung?

    Ich bin mir immer noch unsicher was besser ist.
    Jedenfalls totaler Quatsch ist Einwegwasser aus dem italienischem Brunnen.

    Comment | 2. November 2009
  • Und der Kauf von jedweden Dingen bei Aldi oder anderen Discountern ist der größte Quatsch. ;-)

    Die Transportwegberechnung ist schon die Frage, aber woher weiß man, wie weit die Verwerter weg sind etc.? Alles nicht so einfach.

    Comment | 2. November 2009
  • Der K(r)ampf ums Wasser, Teil 1: Umweltbelastung durch Discounter-Einweg…

    Peter Marwitz | Konsumpf
    Meiner langen Liste der Discounter-Sünden und -Nachteile möchte/muss ich heute einen weiteren Punkt hinzufügen, der mir selbst bislang auch noch gar nicht so bewusst war – aber tatsächlich fördert gerade der „Erfolg“…

    Trackback | 2. November 2009

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