Sep
30
2010

Kampf den Plastiktüten

Spätestens seit dem Film Plastic Planet, der vor einigen Monaten in (ausgewählten) deutschen Kinos zu sehen war und über den ich auch hier im Blog berichtete, ist unser auf Kunststoffproduktion und -verbrauch basierende Lebensstil Thema für Diskussionen. Nicht nur Getränke aus Plastikflaschen sind ein Irrsinn (siehe HIER), auch an vielen anderen Stellen des Alltags begegnet uns die Verschwendung dieses Stoffs, der letztlich zu Umweltverschmutzung und Müllbergen führt. Ein vermeintlich nur kleines Problem scheinen da die Plastiktüten zu sein, die uns bei jedem noch so kleinen Einkauf angeboten werden – gerade, wenn man sie mit den Unmengen an Verpackungsmüll vergleicht, der uns im Supermarkt aufgezwungen wird. Selbst Bio-Teebeutel werden schön einzeln in Plastik eingeschweißt angeboten. Der Grenzgänge-Blog schreibt in „Steuer auf Plastiktüten“:

(…) Wer jetzt wieder über das pathologische deutsche Umweltbewusstsein jammert, dem sei gesagt, dass man in anderen Teilen der Welt viel konsequenter ist. San Fransicso und die englische Kleinstadt Modbury haben die Abgabe von Plastiktüten im Handel schon schon 2007 verboten. 2008 zog Los Angeles nach. Ist seitdem das Chaos im Einkaufswunderland ausgebrochen. Sieht man Menschen die ihre Einkäufe auf den Armen nach Hause tragen? Nein. Es gibt nämlich sehr gute Alternativen zum Plastik. Einkaufskörbe und/oder Baumwolltaschen zum Beispiel. Die sind nicht nur schöner. Sie werden auch immer wieder verwertet und liegen viel seltener in der Landschaft herum. (…)

Selbst in China, das nun nicht unbedingt für seine vorpreschende Umweltpolitik bekannt ist, hat man dieses Problem mittlerweile erkannt und versucht gegenzusteuern, wie Franz Alt in „China: Kampf den Plastiktüten“ berichtet:

In China sterben jedes Jahr zehntausende Wale, Robben und Schildkröten, weil sie weggeworfene Plastiktüten für essbar halten. Auch deshalb will die chinesische Regierung bis zu den Olympischen Spielen Plastiktüten verbieten und die Umweltverschmutzung im Reich der Mitte eindämmen.

Bisher werden in China jährlich drei Milliarden Plastiktüten weggeworfen, was einer riesigen Verschwendung von Energie und Ressourcen gleichkommt. Doch das Umweltbewusstsein im bevölkerungsreichsten Land der Welt mit 1.35 Milliarden Konsumenten wächst. (…) Die Idee der Mülltrennung ist in China noch neu und bislang kaum praktiziert. Doch ab 1. Juni dieses Jahres (2008) dürfen Plastiktüten nur noch gegen eine Gebühr benutzt werden. In Zukunft soll es Sammelbehälter und Recycling geben. Wer sich nicht an die neue Ordnung hält, muss mit saftigem Bußgeld rechnen. Die hauchdünnen Tüten sind zwar praktisch, aber sie verrotten nur langsam und zerfallen in hochgiftige Einzelbestandteile. Ein zweites großes asiatisches Land, dem es hierzulande niemand zugetraut hätte, nämlich Bangladesch, hat Plastiktüten schon seit sieben Jahren komplett verboten. Dort verstopften sie Abwasserkanäle und verursachten Überschwemmungen während der Monsunzeit.(…)

Und noch ein kleiner Infofilm zum Thema Plastikwahnsinn:


Oceans Exclusive – Use Less Plastic

Trailer Park Movies | MySpace Video

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7 Kommentare »

  • Die Kritik an Plastiktüten ist sicher richtig. Aber Baumwollbeutel sind leider auch nicht wirklich ökologisch, vor allem wenn sie massenhaft als Werbegeschenk verschleudert werden. Baumwolle benötigt sehr viel Wasser und meistens auch Pestizide. Ich habe mal gehört, dass jeder Baumwollbeutel die ökologischen Auswirkungen von einigen hundert Plastiktüten hat. Weiß jemand genaueres?

    Comment | 1. Oktober 2010
  • Das Problem bei den Plastiktüten ist, ganz unabhängig vom Herstellungsprozess, ja vor allem, dass sie nicht verrotten und somit noch lange Zeit Land und Meere belasten. Das dürfte bei einem Baumwollbeutel anders aussehen… Ich benutze eh seit Jahren meine Umhängetasche beim Einkaufen. :-)

    Comment | 1. Oktober 2010
  • Kampf den Plastiktüten…

    Von Peter Marwitz | Konsumpf | – Spätestens seit dem Film Plastic Planet, der vor einigen Monaten in (ausgewählten) deutschen Kinos zu sehen war und über den ich auch hier im Blog berichtete, ist unser auf Kunststoffpro- duktion und -verbrauch ba…

    Trackback | 2. Oktober 2010
  • m.ro

    Ja, Florian, die Baumwollproduktion ist enorm wasserintensiv. Zudem werden wahnsinnige Monokulturen geschaffen. Die sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen sind auch alles andere als toll. Peter, könnte glatt auch ein Thema werden für konsumpf. :-) Gibt gute Artikel auch im Vergleich zu Hanf o.ä. Alternativen.

    Was den Recyclingeffekt von Baumwolltaschen angeht, ist dieser natürlich für die breite Masse sofort ins Auge stechend.

    Problematisch wird es allerdings immer, wenn es ums Planen geht. Einkauf wird grad fix noch irgendwie gemacht. Hat man natürlich die Baumwolltasche nicht dabei. An der Kasse ist die Plastiktüte günstiger als die Baumwolltasche. Alles klar!

    Meiner Meinung nach mangelt es den meisten Menschen an ganzheitlichem Denken. Es wird nur die grad für die Befriedigung des nächsten Bedürfnises wichtige Handlung gesehen. Das war’s. Ob nun später Komplikationen daraus erwachsen ist egal. Selbst wenn mal zehn Leute ne Verknüpfung zwischen der früheren Handlung und dem Problem jetzt herstellen, dann ist’s schon viel, wenn einer daraus Konsequenzen für zukünftige Handlungen ableitet. Das ist in jeder gesellschaftlichen Schicht zu finden: egal ob Schüler, Studierter, Öko, Handwerker, Schreibtischtäter…

    Comment | 2. Oktober 2010
  • [...] Konsumpf. Danke! [...]

    Pingback | 4. Oktober 2010
  • [...] Kampf den Plastiktüten [...]

    Pingback | 16. Oktober 2010
  • bagstage

    In der Washington Post findet sich ein guter Vergleich – Papier oder Plastik?
    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/graphic/2007/10/03/GR2007100301385.html

    Comment | 3. November 2010

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