Kategorie: Klimaschutz

Transition Towns – Lebenswerte Städte schaffen; und „Einzug mit dem Brecheisen“

Es wird mal wieder Zeit, neben all der berechitgten Kritik an den bestehenden Zuständen im Lande und der Welt auch etwas Zukunftsweisendes zu zeigen. Denn manche Leute bejammern z.B. nicht nur die Zurichtung unserer Städte auf den Individualverkehr, die Zubetonierung der Landschaft mit immer ausufernderen Shoppingmalls etc., sondern sie handeln selbst, statt auf den Staat zu warten. So gibt es seit einiger Zeit die Transition Town-Bewegung, die, laut Wikipedia:

Im Rahmen des Transition Town Movement (etwa “Bewegung für eine Stadt des Übergangs”) proben seit 2006 Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in vielen Städten und Gemeinden der Welt den geplanten Übergang in eine postfossile, relokalisierte Wirtschaft. Die Bewegung, initiiert von dem irischen Permakulturalisten Rob Hopkins, lässt sich dem v.a. in den USA weit verbreiteten Gedanken des “Eco-Communalism” zuordnen, einer Umweltphilosophie, die angesichts schwindender Rohstoffe und negativer ökologischer Auswirkungen der Globalisierung die Idee des “einfachen Lebens”, der Regional- bzw. lokalen Wirtschaft sowie der Nachhaltigkeit und der wirtschaftlichen Selbstversorgung propagiert. Eine wichtige Rolle spielen auch die Gestaltungsprinzipien der Permakultur, die es insbesondere landwirtschaftlichen, aber auch allgemein-gesellschaftlichen Systemen ermöglichen sollen, so effizient und energiesparend zu funktionieren wie ein natürliches Ökosystem.

Hintergrund des Transition Town Movement sind Befürchtungen und Kritik daran, dass die jeweilige nationale Politik nicht durchgreifend genug auf die Herausforderung des Klimawandels und des bevorstehenden globalen Ölfördermaximums (“Peak Oil”) reagiert und daher die Kommunen mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren müssen. Hierzu gehören u.a. Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion von fossilen Energieträgern und zur Stärkung der Regional- und Lokalwirtschaft. Dem soll u.a. die Einführung von Regionalwährungen dienen wie etwa das “Totnes Pound” in der südenglischen Stadt Totnes.

Beispiele in Deutschland und Österreich sowie weitere Infos findet Ihr hier:
Transition Town/Energiewenden-Initiativen in Deutschland (Norbert Rost hat hier eine Landkarte mit Infos erstellt)
http://ttkiel.wordpress.com/ (Kiel)
http://transitiontownos.blogsport.de/ (Osnabrück)
http://ttbielefeld.wordpress.com/ (Bielefeld)
http://koelner.ning.com/group/transit… (Köln)
http://www.landscaping.at/blog/2007/0…
http://www.transitiontowns.org/
http://energiewende.wordpress.com/

In den Niederlanden geht man mit der Wohnungsnot in Amsterdam und anderen Städten ebenfalls alternativ und kreativ um [via Nokturnaltimes]:

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Der Rat für Nachhaltige Entwicklung

broschuere_konsum_und_nachhaltigkeit_texte_nr_31_maerz_2010-1Okay, ich gebe zu, dass ich bis zur Lektüre des Artikels „Der gutgemeinte Nachhaltige Konsum“ auf Telepolis noch nie vom Rat für Nachhaltige Entwicklung gehört habe. Bei diesem handelt es sich doch tatsächlich um ein offizielles Gremium, das die Bundesregierung in Sachen Nachhaltigkeit beraten soll und Mitglieder aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik (u.a. Klaus Töpfer!) hat. Das alles klingt erstmal eher unspektakulär, aber inzwischen liegt eine Empfehlung des Rates vor (>> hier Download als pdf), in der sogar vom Dogma des Wachstums um jedn Preis abgerückt wird:

(…) Statt mehr Konsum wird ein zukunftsfähiger Lebensstil nämlich auch “Nicht-Konsum” heißen müssen. Vertretbar sei nur ein CO2-Verbrauch von 2 Tonnen pro Kopf und Jahr, nicht jene knapp 11 Tonnen, die heute jeder Deutsche verursacht. Ins konkrete Leben umgesetzt bedeutet das, eine gut gedämmte Wohnung, nur mehr ab und zu, am besten aber gar nie alleine mit dem Auto fahren und vorwiegend pflanzliche biologische Produkte essen.

Nachhaltigkeit verlangt nach Auffassung des Nachhaltigkeitsrates auch eine andere Gesundheitspolitik, die die Gesundheitskosten senkt. “Gesundes Leben begünstigt Zufriedenheit und Lebensfreude.” Auf Raucher, Alkohol- und Zuckerlimonadentrinker, sowie Fleischesser haben offenbar mit Maluszahlungen zu rechnen: “Fahrlässige Selbstbeschädigung und Selbstvernachlässigung, die die Solidargemeinschaft belasten, sollen im Krankenversicherungssystem neu geregelt werden.” (…)

(…) Bei der Preisbildung der Unternehmen müssten in Hinkunft die externalisierten Kosten (Umweltbelastungen etwa) hineingenommen werden und Subventionen der öffentlichen Hände sollten Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. So wurden nämlich im Jahr 2006 in Deutschland 40 Milliarden Euro an umweltschädlichen Subventionen in die Bereiche Energie, Verkehr, Infrastruktur und Agrar gesteckt, hatte der Rat 2009 festgestellt. (…)

So erfreulich es ist, dass also tatsächlich ein paar Experten im Regierungsumfeld es wagen, die herrschende Ideologie in Frage zu stellen, so skeptisch bin ich allerdings, was die Übertragung der Empfehlungen in konkrete politische Aktion angeht, denn nichts deutet darauf hin, dass irgendein Umdenken stattfinden würde. Unter Schwarz-Gelb ist damit sowieso nicht zu rechnen, das haben die ersten Monate der neuen Koalition ja „eindrucksvoll“ bewiesen.

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Film ab gegen Kohlekraft

Nicht nur Atomstrom ist ein großer Unfug, auch die Verfeuerung von Kohle durch immer größere neue Kraftwerke, wie die großen Energiekonzerne sie, angefeuert durch die schwarz-gelbe Koalition, planen ist eine Umweltsünde sondergleichen. Ganz unabhängig vom ausgestoßenen CO2 ist das eine besodners dreckige Art, Strom zu erzeugen. Oxfam hat dazu einen passenden Spot gedreht:

[via Suttnerblog]

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Giftiges Licht

Der Unsinn der EU mit dem Glühbirnenverbot hat ja letztes Jahr bereits quer durch alle Bevölkerungsschichten und Medien viel Unverständnis und Zorn hervorgerufen – wird hier doch der reinste Aktionismus zelebriert und im Namen des (an und für sich ja löblichen) Ziels der Energieeinsparung unnötig ins Leben der Menschen hineinregiert. Statt dass Wirtschaft und Industrie angehalten werden, z.B. nur noch Autos mit sparsamer Technologie herzustellen oder weniger Schmutz bei der Produktion zu hinterlassen, statt dass Atomkraftwerke abgeschaltet und der Nahverkehr ausgebaut werden, wird jedem einzelnen die nicht ausgegorene Energiesparlampentechnik übergestülpt. Dabei sollte jeder EU-Bürger besser hin und wieder mal das Auto stehen lassen, weniger fernsehen (= Strom sparen) oder nicht bei jeder Mode mitmachen und ergo weniger nutzloses Zeug kaufen und konsumieren, damit würde der Umwelt ein weit größerer Dienst erwiesen werden. Nun aber wird ein kleines Konjunkturprogramm für die Hersteller der neuen Lampen initiiert – das ist allemal wirtschaftsverträglicher als den Konsum einzuschränken. Wenn schon was verbieten, dann wären z.B. die SUV-Asi-Kutschen ein geeigneteres Ziel.

Dass die Energiesparlampen gefährlich viel Quecksilber enthalten, wurde bereits vor einiger Zeit herausgefunden, doch nun zeigt die WDR-Sendung markt, dass auch das im Vergleich zur herkömmlichen Glühbirne eher unangenehme Licht dieser Lampen sogar krank machen kann und Psyche wie Physis der Leute negativ beeinflusst: „Energiesparlampen – krank durch Licht?“ . Soweit hatten die EU-Beamten bei ihrem Gesetz offenbar nicht gedacht…

(…) Können Energiesparlampen krank machen?

Ganz eindeutig ja, meint der Heidelberger Arzt Alexander Wunsch. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Auswirkung von Licht auf den Körper. Das harte Licht der Kompaktleuchtmittel (Energiesparlampen) kann seines Erachtens zu Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel oder Schlafstörungen führen. Seine Erklärung: „Der Blauanteil im Licht sorgt für eine hormonell gesteuerte Belastungs- und Stressreaktion. Das blaue Licht ist mit dafür verantwortlich, dass in der Zirbeldrüse, einem Teil des Zwischenhirns, weniger Melatonin (Schlafhormon) produziert wird, was gesundheitlich bedenklich ist. Herkömmliche Glühbirnen haben ein kontinuierliches Spektrum, das annähernd dem Sonnenlicht entspricht. Ähnliches gilt für Halogenglühlampen, deren Vorteile neben dem gewohnt warmen Licht und der langen Haltbarkeit im geringeren Stromverbrauch liegt.“ Hinzu kommt das Flimmern der Sparlampen, das Alexander Wunsch mit einem Messgerät für Lichtmodulation hörbar machen kann: Die alte Glühlampe summt sehr leise, die Energiesparlampe brummt laut. (…)

(…) Noch ist die Glühlampe und auch die Halogenlampe die natürlichste Kunstlichtquelle, was im Farbspektrometer nachgewiesen werden kann. Der gleitende Verlauf entspricht ungefähr dem des Sonnenlichts, während eine Leuchtstofflampe ein zackiges, scharfkantiges Spektrum aufweist. Das betrifft auch die sogenannten WarmLight-Varianten der Hersteller. Selbstverständlich weisen Hersteller wie Osram eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung von Energiesparlampen weit von sich.

Allerdings klagen immer mehr Menschen über Symptome, die mit der Benutzung von Energiesparlampen zusammenhängen könnten. In Zuschriften, die bei Alexander Wunsch eingehen, klagen Menschen über Übelkeit, Augenbrennen oder Sehstörungen. An die Öffentlichkeit trauen sich die wenigsten, denn „man hat Angst, dass die Leute einen für verrückt erklären“, so Olaf Posdzech. „Und es gibt ja auch kaum Ärzte, die sich auskennen.“ (…)

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Schrottlawine: Die rostige Hinterlassenschaft der Abwrackprämie

Schon fast ist eine der großen Schwachsinnsaktionen der Politik in diesem Jahr der großen Krise wieder vergessen – die Abwrackprämie. Als Subvention für die schwächelnde Autoindustrie und zum Ködern von Wählerstimmen initiiert, habe ich hier in meinem Blog ja einige Male sehr kritisch darüber berichtet (z.B. hier), steht doch diese schönfärberisch als „Umweltprämie“ titulierte Initiative sinnbildlich für unsere auf Verschwendung und sinnlosen Konsum getrimmte Wegwerfgesellschaft. Auch quer widmete sich in seinem Jahresrückblick dieses umstrittenen Themas und zeigte im Beitrag „Schrottlawine: Die rostige Hinterlassenschaft der Abwrackprämie“ die vielen langfristig negativen Folgen auch für die Wirtschaft:

Autoverwerter Kroher versteht die Welt nicht mehr: Da hat ihm die Abwrackprämie so viele ausrangierte Karossen wie noch nie zuvor beschert – und doch liegt sein Geschäft am Boden. Denn mit den Ersatzteilen, die Kroher aus den Altautos ausbaut, ist kein Cent mehr zu verdienen, seit die Abwrackprämie den Gebrauchtmarkt plattgewalzt hat: Kein Mensch braucht mehr Türen oder Kotflügel von älteren VWs oder Opels, seit die alle in der Schrottpresse verschwunden sind. quer zeigt, wie eine Auto-Subvention eine ganze Branche in den Abgrund gerissen hat.

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Die Mär vom klimaschonenden Aluminium

In der Reklamewelt laufen die Dinge bekanntlich etwas anders als in der Realität – da ist das Trinken von Cola light figurförderlich, McDoof-Burger sind gesund oder die Telekom schert sich um ihre Kunden. Gerne lässt man ja auch dicke Stinkeautos durch intakte Naturlandschaften brausen, um zu suggerieren, dass Autofahren so ziemlich das ökologischste ist, was man tun kann. Jeder Meter, den man mit einem PKW zurücklegt, ist quasi ein gewonnener Meter für die Umwelt. Weil dieser Unfug alleine nicht mehr zieht, werden nun leichtere Autos aus Aluminium als das Nonplusultra angepriesen – die einfache Logik der Marketingfuzzis: Die Dinger wiegen weniger, verbrauchen deshalb weniger Sprit und tragen somit zum Erhalt der Umwelt bei. In der WDR-Sendung markt ging der Beitrag „PKW: Aluminium nicht klimafreundlicher“ diesen steilen Behauptungen einmal näher auf den Grund und kam zu eher ernüchternden bis erschreckenden Ergebnissen – auch was die vermeintlich positive Auswirkung von Wasserkraft auf die Natur hat, übrigens. Wieder einmal zeigt sich, dass unsere Vorstellung von Wirtschaften und Mobilität dem Rest der Welt nur schadet:

Weil leichtere Autos weniger Sprit verbrauchen, schonen sie die Umwelt. Das sagen Autohersteller, die immer mehr Stahlbauteile durch Aluminium ersetzen. Doch die Rechnung geht nicht auf, das Klima wird woanders belastet.

Die CO2-Diskussion veranlasst die Autobauer, sich nach leichteren Alternativen zum Stahl umzuschauen. So wird der Einsatz von Aluminium nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Aluminiumindustrie bis 2010 in europäischen Fahrzeugen auf durchschnittlich 160 Kilogramm pro Fahrzeug ansteigen. Die gängige Rechnung lautet: „Durch die Gewichtsersparnis sparen wir Treibstoff und durch die Treibstoffersparnis CO2.“ Eine schöne Rechnung – nur nicht für alle. Denn sobald man den Herstellungsprozess von Aluminium mitbetrachtet, ist die Umweltbilanz eine andere. (…)

(…) Die Umwandlung von Bauxit in Aluminium ist ein zweistufiges Verfahren. Dabei entsteht unter anderem ein stark alkalischer, also giftiger Schlamm, der aufgefangen und deponiert werden muss. Immer wieder kommt es dabei zu Zwischenfällen, die die angrenzende Umwelt schwer belasten. Vor allem aber verbraucht der Umwandlungsprozess ungeheure Mengen Energie in Form von Strom. Der wird in Brasilien häufig mit Wasserkraft erzeugt.

Einer der Hauptenergieversorger für die brasilianische Aluminiumindustrie ist der Tucuruí-Stausee. Sein Gebiet, größer als das Saarland, wurde vor der Flutung nicht gerodet. Nun verfault die Biomasse am Grund. Eutrophierung wird dieser Prozess genannt, der zur Bildung von Methangas führt. Methan ist ein stark wirkendes Treibhausgas. Dr. Günter Gunkel, Wasserwissenschaftler an der Technischen Universität Berlin, hat brasilianische Stauseen untersucht. Er sagt: „Wasserkraft ist in vielen Bereichen keine ökologische Energiequelle. Das liegt eben daran, dass Stauseen, die eutrophiert sind, zu ganz erheblichen Methanemissionen führen, die in der Summe der Treibhausgase dann größer sind als die vergleichbare Emission bei der Energiegewinnung durch Kohle.“ (…)

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Peak Oil und die Folgen

Manche von denen, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel für einen Schwindel halten, glauben auch gerne, dass Theorien wie Peak Oil, also dem Erreichen einer gewissen Maximalfördermenge an Erdöl und dem anschließenden Rückgang der Ölförderung, unzutreffend sind und dass wir quasi unbegrenzt und ungestraft immer so weiter machen können wie bisher, weil Ressourcen nie zu Ende gehen. Dass dies wohl eher nicht so sinnig ist, zeigt folgender Beitrag von Norbert Rost von der Regionalentwicklung.de-Website [via Feldpolitik]:

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Nuking the climate – Strahlendes Klima

Atomstrom ist ja – entgegen den Phrasen von gewissen, derzeit an der Regierung seienden Parteien und den mit ihnen verbandelten Energiekonzernen – alles andere als ein „sauberes Geschäft“. Gerade der radioaktiv Abfall macht die Stromproduktion auf diese überholte und veraltete Weise gefährlich und gerade im Hinblick auf zukünftige Generationen nicht tolerierbar. Das dachten sich auch das junge Team von „Nuking the climate – Strahlendes Klima“, die aus Sorge um die Umweltschäden durch Atomkraftwerke nicht nur eine eigene Website ins Leben gerufen, sondern auch den aufklärenden Dokumentarfilm „Uranium is not a country – Eine Spurensuche nach der Herkunft von Atomstrom“ gedreht haben, den man sich auch kostenlos im Netz anschauen kann (wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich auch die DVD bestellen und Vorführungen organisieren).


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Der K(r)ampf ums Wasser, Teil 1: Umweltbelastung durch Discounter-Einweg

Meiner langen Liste der Discounter-Sünden und -Nachteile möchte/muss ich heute einen weiteren Punkt hinzufügen, der mir selbst bislang auch noch gar nicht so bewusst war – aber tatsächlich fördert gerade der „Erfolg“ der Discounterketten die Entwicklung hin zu Einwegflaschen, insbesondere beim Wasser. Und da Einweg ökologisch ein ziemlicher Schmarrn im Vergleich zum Mehrwegsystem ist, helfen die Billigheimer also auch hier tatkräftig mit, durch ihr Geschäftsmodell den Lebensraum der Menschen weiter zu zerstören. Genau darum ging es in der letzten NDR-markt-Sendung – „Einweg-Pfand: Schlechtes Geschäft für die Umwelt” zeigt gut auf, welche Aspekte (auch politische) hier alles mit hineinspielen:

(…) Das sei eine Katastrophe, meint die Deutsche Umwelthilfe. Sie hält die Tatsache, dass sich Mehrweg gerade im Wasserbereich im freien Fall befände, für ein ökologisches Desaster. Das Problem: Mineralwasser in Einwegflaschen ist bei Kunden beliebt. Denn zum einen sind die Flaschen aus dünnem Plastik deutlich leichter als die aus Glas und zum anderen wird gerade Wasser in Einwegflaschen seit der Einführung der Pfandpflicht besonders billig feilgeboten. Im Mineralwasser-Segment fechten die großen Discounter besonders hart ihren Preiskampf aus. Bei Lidl, Aldi, Norma, Netto und Penny etwa kostet der Liter Wasser in der Flasche nur noch 13 Cent und damit knapp die Hälfte des Pfandbetrags für die Flasche (zur Erinnerung: 25 Cent). Clemens Stroetmann von der Stiftung Initiative Mehrweg und ehemaliger Staatssekretär im Bundesumweltministerium sieht darin reine Lockangebote und vermutet, dass diese Preise sogar unter den Herstellungskosten liegen. (…)

Gas in Flaschen – Betrug am Verbraucher
Aber auch die Hersteller teurer Markenwasser setzen auf Einwegflaschen. Die Abfüller wenden sogar Tricks an, um ihre Einwegflaschen als Mehrwegverpackung zu tarnen. Beispielsweise pumpen sie Gas in die Flaschen, damit diese bis zum Öffnen fest wie die Mehrwegflaschen aus dickerem Plastik sind. Einige versehen ihre Flaschen bewusst nicht mit dem Einweglogo, geschweige denn dem Wort “Einwegflasche”. “So verschweigt man, dass es Einweg ist”, erklärt Clemens Stroetmann. Seine Einschätzung: “Im Grunde genommen ist das kriminelle Energie und Betrug am Verbraucher”.

Für die Discounter zählt anscheinend nur das Geschäft, nicht der Umweltschutz. Die Genossenschaft Deutscher Brunnen schätzt: Die großen Discountmärkte erwirtschaften mit Einwegflaschen Mehrerlöse von bis zu 400 Millionen Euro im Jahr. Möglich ist das unter anderem durch “Pfandschlupf” (nicht oder anderswo zurückgebrachte Flaschen) sowie durch den günstigeren Anschaffungspreis für Einwegflaschen. Außerdem ersparen sie sich ein aufwändiges Mehrweg-Kreislaufsystem mit entsprechender Transportlogistik und Reinigungsanlagen.

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Zwei Aktionstipps für den Samstag: Flashmob in Kiel und Carrotmob in Berlin

Was kann man an einem Samstag Besseres machen, als „schön shoppen“ zu gehen? Sehr viel. Für Leser in Kiel und in Berlin bieten sich morgen, am 24.10., konkret zwei Aktionen an, denen auch eine sinnvolle Absicht zugrunde liegt.

In Kiel wird am weltweiten Klimaaktionstag auf dem Rathausplatz versucht, gerade die Kieler Verantwortlichen aufzurütteln, die sich durch wenig klimabewusste Planungen (so wurde zusammen mit Vattenfall ein neues Kohlekraftwerk geplant und erst durch Bürgerinitiativen verhindert) nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Hier der Aufruf von BUNDjugend und Attac:

Attac wird mit einem Stand und vielen Leuten dabei sein, außerdem mit einer Mobilisierungszeitung für den Klimagipfel in Kopenhagen.
Vorab schon mal eine Internetseite mit vielen Links zu diesem Thema:
www.gegenstromberlin.net

Die Aktion wird in Kooperation mit der “Klimastadt” Kiel durchgeführt, ok, aber bisher hat diese Stadt sich in ihren Planungen nicht als besonders klimabewusst hervorgetan. Der Ausbau des Flughafens und des Kohlekraftwerkes wurden von Bürgerinitiativen blockiert und nicht von der tieferen Einsicht der Ratsversammlung od. eines Bürgermeisters. Von daher wäre eine große Beteiligung zu begrüßen, um Herrn Todeskino/der Ratsversammlung vor Augen zu führen, dass die Bürger sehr wohl eine Klimastadt wollen und unterstützen.

24.10.2009 weltweiter Klimaaktionstag
Großer Luftbild-Flashmob auf dem Kieler Rathausplatz, 11 Uhr gehts los!

ACT NOW! – Handelt jetzt!
Weltweit werden an diesem Tag Gruppen fordern, die Treibhausgaskonzentration weltweit auf 350 ppm zu reduzieren (heute 390 ppm), um sicherzustellen, dass die globale Erwärmung bei unter 2°C bleibt.
Auch die BUNDjugend Schleswig-Holstein ist dabei. Mit einem riesigen Luftbild wollen wir unsere Forderung deutlich machen. Und dazu brauchen wir Dich, Deine Familie, Freunde, Bekannte, Verwandte… Denn wir wollen mit Menschen die Forderung auf dem Rathausplatz in Kiel formen und wollen dabei die magische Zahl von 350 Aktiven knacken.
Für Musik, kleine Ansprachen und Infostände ist gesorgt! Auch unser Bürgermeister Herr Todeskino wird die Aktion begleiten und eine kleine Rede halten.
– In Kooperation mit der Stadt Kiel –
Zieh Dir etwas Buntes an. ;-)

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Die zweite Samstagsaktion hat ebenfalls mit dem Klimaaktionstag zu tun – es geht um den 2. Carrotmob in Berlin. Über Sinn und Unsinn von Flash- und Carrotmobs kann man sicherlich vortrefflich streiten, aber es ist schon mal zu begrüßen, wenn Menschen sich engagieren, statt alles nur gedankenlos hinzunehmen und bräsig in der Sitzschnecke abzuhängen. Hier die Pressemitteilung der Veranstalter (siehe dazu auch diesen Beitrag in Blogpatenschaften):

Carrotmob Berlin
‘Sex sells’ war gestern – Carrotmob stürmt den heißesten Imbiss in Berlin-Mitte!

24. 10. 2009, 10 Uhr, Berlin-Mitte – Hunderte von Menschen schreiben wieder einmal Geschichte: nämlich Ihre eigene. Sie entern einen Laden im Zentrum der Hauptstadt mit einem simplen Ziel vor Augen: “Essen gehen und die Welt verändern!” Das geht – weil Sie nur das Geschäft mit Kundschaft belohnen, das bereit ist, ihre Forderungen umzusetzen. Aus der Machtlosigkeit des Einzelnen wird so die Macht der Konsumenten.

Die Suche nach einem geeigneten Imbiss landete einen Volltreffer: Mit satten 45 des Tagesumsatzes wird Jens Riewe, Inhaber von eve&adam’s, sein Geschäft energieeffizienter umbauen, seine CO2-Bilanz verbessern und damit direkt etwas fürs Klima tun. Und eine Masse “williger Konsumenten” wird ihm dabei helfen.

Ausgewählt wurde der Laden, der bereit ist, in einer Wettbewerbssituation mit 30 anderen Imbissbetrieben, mehr als die Anderen in energiesparende Maßnahmen zu investieren. Der Carrotmob gibt dem Besitzer die Chance, sein Nachhaltigkeits-Image und seine Bekanntheit zu steigern und außerdem an dem Tag der Aktion eine Menge Umsatz mehr zu machen! Für ihn heißt das ganz klar: Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Für den Konsumenten heißt das: Den “Erfolg und Misserfolg am Markt” mit sozialer und ökologischer Verantwortung zu verbinden.

Das Konzept überzeugt durch den hohen Nutzen für alle Beteiligten, den aktiven Ansatz, mit kleinen Schritten Großes zu erreichen und durch die fortschrittliche Organisation: Über das Internet schließen sich die „Carrotmobber“, wie bei einem Flashmob, zusammen und speisen alle zusammen. Jens Riewe wird 45 des durch den Mob generierten Umsatzes in Energiesparmaßnahmen in seiner „biosalad&smoothie bar“ investieren. Damit der Erlös sinnvoll angelegt wird, wurde Christian Reha, Energieberater der Kampagne “Klima-sucht-Schutz”, zu Rate gezogen. Energiesparmaßnahmen werden nun je nach Erlös der Aktion an der Beleuchtung, der Kühlung und der Warmwasseranlage ansetzen und die CO2-Bilanz durch Ökostrom verbessern.

Am Klima-Aktionstag, dem 24. Oktober, sollen Politiker an ihre Verantwortung für den Planeten erinnert werden, damit sie sich auf der UN-Klima-Konferenz im Dezember in Kopenhagen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzen. Die derzeitige Konzentration von CO² in der Atmosphäre muss auf 350ppm gesenkt werden, um den Klimawandel zu stoppen – aus diesem Grund steht die Zahl 350 beim Klima-Aktionstag im Mittelpunkt. Außer den 350ct Aktionen beim Carrotmob, werden ab 15 Uhr 350 Raver angestimmt von Dr. Motte in der „Silent Climate Parade“ vom Potsdamer Platz zum Alex tanzen, die Klimapiraten 350 Rosen an die Klimakanzlerin überreichen, 350 Tonnen CO² durch Emissionszertifikate gelöscht und 350 Taucherbrillen und Schnorchel für ein Berlin unter Wasser verteilt werden.

Mehr Infos zum Carrotmob Berlin: www.carrotmobberlin.com
Grafiken für Print- und Onlinemedien: www.carrotmobberlin.com/press + PM in RTF/DOC/PDF

Pressekontakt
Im Vorfeld: Tanja Peuker, +49 (0) 176 27 11 05 12
Am Carrotmob-Tag selbst: Alexander Steinhart, +49 (0) 178 198 46 50
Mail: berlin@carrotmob.de

Eventablauf
Beginn: 10 Uhr, Ende: 20 Uhr
Musik: u.a. 18.30 Uhr die Indie-Band New Found Land
Ort: eve&adam’s – biosalad&smoothie bar, Rosa-Luxembourg-Str. 24-26, 10178 Berlin

Zu Carrotmob Berlin
Ein Carrotmob ist ein Netzwerk von ökologisch bewussten Konsumenten, die durch strategischen Konsum die Unternehmenswelt nachhaltig zum Positiven verändern wollen. Dazu bieten wir Geschäften Anreize, umwelt- und sozialverträgliche Entscheidungen zu treffen. Es werden diejenigen Geschäfte unterstützt, die den vergleichsweise größten Beitrag dazu leisten werden. Bei der ersten Aktion im Juni wurde ein Berliner Späti gemobt: In nur drei Stunden wurde damit soviel Umsatz wie in normal drei Stunden generiert und 35 davon für umweltfreundliche Maßnahmen investiert. Die Carrotmobs in Berlin werden von einer Gruppe junger Leute freiwillig und unentgeltlich ins Rollen gebracht: „Für uns alle ist Nachhaltigkeit seit längerem ein wichtiges Thema und damit das jeder versteht, war es Zeit etwas Neues zu probieren.“

Zu 350.ORG
Gegründet vom Author und Umweltschützer Bill McKibben ist 350.org die erste großangelegte globale Kampagne gegen Klimawandel. Zu ihren Anhängern gehören führende Wissenschaftler wie Rajendra Pachauri (IPCC) oder James Hansen (NASA), Regierungen von 89 Ländern und sehr viele verschieden Nichtregierungsorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Gesundheit, Entwicklung und Religion. Alle sind sich einig, dass die aktuelle Menge an CO2 in der Atmosphäre – 390 ppm – dem Planeten und seinen verletzlichsten Bewohnern Schaden zufügt und dass die Regierungen bei der Klimakonferenz in Kopenhagen handeln müssen, um den CO2-Gehalt der Atmosphäre schnell zu senken.  Mehr Infos: http://www.350.org

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