Kategorie: Konzernkritik Seite 30 von 33

Nestlés Genhirnwäsche

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© KillR-B, stock.xchng

Das ist eigentlich schon ganz schön traurig – vor einigen Tagen stieß ich eher zufällig auf einen Artikel aus dem Greenpeace Magazin, der aus dem Jahre 1998 stammt und „Nestlés Genhirnwäsche“ (kein Tippfehler) heißt. Bereits damals, also vor mittlerweile 11 Jahren, wussten die Autoren von den vielen Aktivitäten, die der Schweizer Konzern Nestlé rund um die Gentechnik entfaltet (siehe auch hier). Zu der Zeit ging es gerade um die Markteinführung des genmanipulierten Schokoriegels „Butterfinger“ bzw. generell von Gen-Food auf den europäischen Markt, die vom Unternehmen mit einer speziell auf Kinder und Jugendliche abzielenden Reklame- und Propagandakampagne begleitet wurde.

Auch der „Butterfinger“, der Gentech-Knusperriegel von Nestlé, der in diesen Wochen in die Supermärkte und Tankstellen kommen soll, zielt auf die Jugendlichen. „Imported from the USA“ steht in großen Buchstaben auf der Packung, und winzig daneben: „Aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt.“ Offenbar hofft Nestlé, daß Jugendliche den Knusperriegel hip finden oder der Genmanipulation wenigstens gleichgültig gegenüberstehen.

Die PR-Strategen der Gentech-Konzerne wählen die Zielgruppen ihrer Produkte stets mit Bedacht: Anfang 1998 brachte Nestlé zum Auftakt eine Sondennahrung im Infusionsbeutel mit gentechnisch veränderter Soja in die deutschen Krankenhäuser. Jetzt sind die Jugendlichen an der Reihe. Die bunten Beilagen von Monsanto und Novartis, die in „Bravo-Girl“ und in anderer Form auch im Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung „Jetzt“ erschienen, sehen dem jeweiligen redaktionellen Umfeld zum Verwechseln ähnlich. Die Glaubwürdigkeit der Redaktionen von „Bravo“ und „Jetzt“ soll auf die Gentechnik-Werbung abfärben. Der Hinweis, daß es sich nicht um Journalismus, sondern um Werbung handelt, wird klitzeklein in dem Wörtchen „Anzeige“ versteckt.

Meines Erachtens ist es absolut abstoßend, wie solche Firmen mit Hilfe der Werbeindustrie und den Medien ihre Interessen ohne Rücksicht auf Verluste durchboxen wollen. Über die unheilige Vermengung von redaktionellen Inhalten und Reklame hatte ich ja auch schon mehrfach hingewiesen – dass Werbung mehr ist als nur ein lästiges Ärgernis, dass sie mehr schadet als nützt, wird hier wieder klar deutlich.

Deshalb, und weil es an Geld nicht fehlt, laden die Unternehmen immer wieder Journalisten zu aufwendigen Reisen ein: Vier Tage mit Monsanto nach Amerika, drei Tage im Dreiländereck Schweiz-Deutschland-Frankreich mit Novartis, da lassen sich vor allem wirtschaftlich nicht so gefestigte Journalisten gerne von den Segnungen der Gentechnik überzeugen. Zumal ja hin und wieder auch ein lukrativer Auftrag abfällt. So präsentierte der Journalist Udo Tschimmel aus Hennef im September auf einem internationalen Gentechnik-Kongreß seine „Da Vinci Media Group“, mit der er für die Industrie Multimedia-CDs, Websites und Filme produzieren möchte. Die Industrie wäre dumm, würde sie auf dieses Angebot nicht eingehen, denn gleichzeitig produziert Tschimmel den ZDF-Film „Saat der Hoffnung“ – einen Sechsteiler über Landwirtschaft und Welternährung mit dem Fokus auf Biotechnologie. Am 10. Januar 1999 beginnt um 16 Uhr die Ausstrahlung auf 3sat. Wieviel Kritik wird sich Tschimmel gegenüber seinen Auftraggebern aus der Industrie wohl erlauben?

Auch Hans-Günther Gassen, Professor an der Technischen Universität in Darmstadt, gibt sich den Anschein der Neutralität: Wenn er gefragt wird, betont er als Wissenschaftler meist die Nützlichkeit und Ungefährlichkeit der Gentechnik. Zugleich ist Gassen aber „senior consultant“ der „Genius Biotechnology GmbH“, die der Industrie „PR-Management“ und Kommunikationsstrategien anbietet: Kommt einer seiner Kunden in Bedrängnis, kann der bezahlte PR-Berater Gassen den neutralen Gentechnik-Experten Gassen zum Abwiegeln an die Front schicken. Und weil alles so gut paßt, mischt Gassens „Genius GmbH“ auch beim ZDF-Lieferanten „Da Vinci“ mit.

Leider gilt solches Gebaren, das Hand-in-Hand-Gehen mit der PR-Industrie, ja heutzutage fast schon als normal…

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Surf- & Lesetipp: Coordination gegen BAYER-Gefahren

coordinationgegenWer Bayer nur für den netten Pharmakonzern von nebenan, Produzent von Aspirin und Sponsor von des Fußballclubs Bayer Leverkusen gehalten hat, wird sich vermutlich wundern, wenn er erfährt, dass die Umtriebe des Pharmariesen dazu geführt haben, dass es bereits seit 30 Jahren eine Organisation gibt, das sich ausschließlich mit den Geschäftspraktiken dieser Firma beschäftigt und sie kritisch beleuchtet. Coordination gegen BAYER-Gefahren nennt sich die Initiative, die sowohl online wie auch in Form der Zeitschrift „Stichwort BAYER“ Aufklärung betreibt.

In ihrer Jubiläumsausgabe befasst sie sich z.B. mit „Bayers Krisenmanagement: Rekorddividende und Lohnkürzungen“, und somit mit der Form von Gewinnerzielung und Geschäftsgebaren, wie sie letztlich typisch für alle großen (DAX-)Konzerne ist:

Für BAYER geht trotz Krise alles seinen kapitalistischen Gang: Die AktionärInnen erhalten Rekorddividenden und die Beschäftigten im Gegenzug Arbeitszeit- und Lohnkürzungen. „Wir müssen an den Prinzipien der freien Marktwirtschaft festhalten. Alles andere wäre auf lange Sicht verheerend“, so lautet der verheerenden Lage der freien Marktwirtschaft zum Trotz das Credo von Konzern-Chef Werner Wenning.

(…) Ganz egal, ob der Turbo-Kapitalismus nur einen kurzen Boxenstopp einlegt oder aber wegen Materialermüdung einen Unfall mit erheblichem Personenschaden baut, seine ProtagonistInnen sehen trotz kritischem Rennverlauf weniger Grund zur inneren Einkehr als zu Beginn der Pannenserie. Zweifelte letztes Jahr selbst ein Norman Greenspan an der Leitmaxime der Wirtschaftsethik: „Wenn jeder nur bedingungslos seinen eigenen Vorteil sucht, wird es auch dem Gemeinwohl zum Vorteil gereichen“, so gibt es jetzt schon wieder weniger Marx und mehr FDP. Und nach Ansicht des ALLIANZ-Chefs Michael Diekmann ist das ökonomische System bereits wieder zur Tagesordnung übergegangen. „Trotz der öffentlichen Diskussionen läuft das System hinter den Kulissen schön weiter. Ich finde das auch verwerflich. Aber ich kann Verwerflichkeit nur ändern, wenn ich den Markt dafür habe“, sagte er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und auf die Frage: „Lässt sich das nicht ändern?“ antwortete er: „Solange wir keine Gesetze haben, die das einschränken, herrscht draußen immer noch das Gesetz des Dschungels“.

Wesentlich bedrückender sind allerdings die Dinge, die in Bezug auf Bayers Kerngeschäfte, also Pharma und Chemie, ans Tageslicht gefördert werden. Bayer ist nämlich leider auch im Gen-Bereich aktiv und vertreibt genmanipulierte Rapssorten und giftige Pflanzenschutzmittel, die negative Folgen für Mensch & Umwelt zeitigen: „Traurige Ironie: EU-Zulassung von Gen-Raps

Es ist eine traurige Ironie, dass eine gar nicht mehr angebaute Raps-Sorte nun zum Import zugelassen wird. Kanadischer Raps wurde durch Auskreuzungen gentechnisch veränderter Sorten so umfassend kontaminiert, dass selbst herkömmlich angebauter Raps die Melde-Schwelle überschreitet. Damit ist genau das geschehen, was Gentechnik-Kritiker stets vorausgesehen haben. Ein paralleler Anbau von herkömmlichen und genmanipulierten Raps-Sorten ist wegen der starken Auskreuzungen prinzipiell nicht möglich.

2007 war auch in Deutschland Gen-Raps von BAYER (trotz fehlender Zulassung) gefunden worden. Anbauflächen von über 1000 Hektar mussten umgepflügt werden. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren forderte BAYER auf, für den Schaden aufzukommen.

Zudem ist jede Technologie, die auf dem giftigen Herbizid Glufosinat beruht, abzulehnen. Hormonaktive Substanzen wie Glufosinat müssen sofort vom Markt genommen werden.

Auf der Website des CBGnetwork kann man auch im Archiv der vergangenen Jahre blättern und stößt dabei auf eine Fülle von Fällen, die an dem in Reklamekampagnen des Weltkonzerns gerne propagierten sauberen Image zweifeln lassen, wie „Bauern oder BAYER – wem gehört das Grundwasser“ (über den Streit ums Wasserwerk in Wacken) oder „Wir sind seit 1947 Versuchskaninchen der Chemieindustrie“ (über  amerikanische Bayer-Institute). Nicht ohne Grund ist Bayer auch im Schwarzbuch Markenfirmen vertreten, wo ihnen u.a.vorgeworfen wird:

Import von Rohstoffen aus Kriegsgebieten, Finanzierung unethischer Medikamentenversuche, Behinderung eines Entwicklungslandes bei der Herstellung und Vermarktung lebenswichtiger Medikamente, Vertrieb gefährlicher Pflanzengifte, Ausbeutung und Kinderarbeit bei Rohstofflieferanten

Nach dieser ganzen Lektüre braucht man erst einmal eine Kopfschmerztablette – aber bitte nicht von Bayer! :-P Ein Spaziergang an der frischen Luft wirkt da auch schon oft Wunder.

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And the winner is…

actimel_goldenerwindbeutel_90_gerBzw. sollte man in diesem Falle vielleicht eher von einem Verlierer sprechen – denn der Goldene Windbeutel 2009, der Preis der Initiative Abgespeist für die dreisteste Werbelüge, geht in diesem Jahr an Actimel von Danone. Verdient hat ihn sich die Firma durch seine im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaften Versprechungen über die angeblichen Wunderwirkungen dieses Trinkjoghurts.

Mit der Wahl will foodwatch öffentlich machen, wie wir beim Kauf von Lebensmitteln tagtäglich mit kleinen Schwindeleien, größeren Lügen und einer endlosen Reihe von Tricks verwirrt und in die Irre geführt werden. Denn wenn Werbung uns – ganz legal – in die Irre führt und Etiketten nicht ehrlich sind, können wir nicht wissen, was wir kaufen. Wenn nicht drauf steht, was drin ist und nicht drin ist, was draufsteht, dann können wir nicht selbst bestimmen, was wir essen.

Die Verbraucher haben gewählt: Der Trinkjoghurt Actimel, vermeintliches Wundermittel gegen Erkältungen, ist für sie die dreisteste Werbelüge des Jahres. Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch verleiht Hersteller Danone daher am heutigen Freitag in München den „Goldenen Windbeutel 2009“. „Die Verbraucher haben sich für einen würdigen Preisträger entschieden“, sagte Anne Markwardt, Leiterin der foodwatch-Kampagne abgespeist.de: „Actimel schützt nicht vor Erkältungen – es stärkt das Immunsystem nur ähnlich gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt, ist aber vier Mal so teuer und doppelt so zuckrig. Die Werbung von Danone ist ein großes probiotisches Märchen.“

Wer Danone zu diesem tollen Preis gratulieren möchte, kann dies über die Abgespeist-Website tun, dort gibt es ein bereits vorbereitetes E-Mail-Formular.

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Die Akte kik

Das Thema Discounter ist und bleibt leider aktuell wie eh und je und ist quasi ein Dauerthema auch in meinem Blog. Dabei stoßen wir nicht nur bei den klassischen Lebensmitteldiscountern wie Aldi und Lidl auf viele Verstöße und Probleme, auch bei Drogerieketten wie Schlecker oder dem „Textildiskont“ kik geht so manches in die völlig falsche Richtung. Ausbeutung und Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter, Ausbluten der Dritten Welt, Ausnutzen der Notsituation vieler Menschen, Arbeitsrechtsverletzungen, Umweltschäden, Ressourcenverschwendung uvm. – von Nachhaltigkeit, Ethik oder Menschenwürde keine Spur. Vor einer Weile gab es schon einmal eine ausführliche Studie, die sich damit befasste, wieso die Jeans bei Lidl & kik so billig sind. Angesichts der aktuellen peinlichen Reklamekampagne von kik via BILD (die ich natürlich nicht verlinke!) erscheint mir nachfolgender Fernsehbeitrag aus dem ORF 2 aktueller denn je. [via]

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Stoppt die Biopiraten

biopirateriePiraten, das sind wilde Gesellen, wie man sie heutzutage vermutlich am ehesten aus Hollywoodschmock der Marke „Fluch der Karibik“ kennt – oder aus den jüngsten Medienberichten über die bösen Banden vor Somalias Küsten, wie sie brave EU-Handelsschiffe ausplündern. Dass jedoch eine legalisierte Form der Piraterie seit vielen Jahren und Jahrzehnten weltweit betrieben wird, ohne dass Regierungen oder Armeen eingeschaltet werden, ja, dass diese Piraten nicht mit Kopftuch und Augenklappe, sondern in Anzug & Krawatte und im Namen großer Konzerne unterwegs sind, ist leider weniger bekannt. Biopiraterie nennt man die inzwischen beliebte, von Pharma- und Genkonzernen betriebene Form der Raubzüge, bei denen sie sich Patente und Eigentumsrechte auf Pflanzen (Heil- und Nutzpflanzen) sichern und so für sich exklusiv vermarktbar machen. Die Rechte der ansässigen Bevölkerungen, die dieses Wissen seit Jahrhunderten entwickelt haben und bewahren, werde dabei mit Füßen getreten – das einzig wichtige für diese Firmen ist, Profit aus jeder Pore dieses Planeten zu schlagen, und nicht, Rücksicht auf Menschen(-rechte) zu nehmen. Die Politiker der reichen westlichen Industrienationen interessiert dies naturgemäß eher wenig, schließlich profitieren „unsere“ Konzerne ja von der bestehenden Rechtslage und Machtverteilung.

Doch in den letzten Jahren regt sich vermehrt Widerstand – sowohl in den betroffenen Ländern vor Ort (z.B. gegen das Patent auf den indischen Neem-Baum), als auch bei uns. Dabei tut zunächst auch die Aufklärung über diese Form des Raubrittertums not, da weite Teile der Bevölkerung davon eben noch nie etwas gehört haben dürften. Von daher sind Bücher wie „Die Biopiraten – Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie mit dem Bauplan der Natur” (Econ) von Michael Frein und Hartmut Meyer ein wichtiger Schritt, diese Problematik ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zu heben. Ebenso wie die BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie, einer von der Bundeskoordination Internationalismus (ein Dachverband von über 120 Dritte-Welt- und Solidaritätsgruppen) und anderen Einrichtungen getragenen und unterstützten Initiative.

Mit dem Begriff “Biopiraterie” bezeichnen wir grundsätzlich die Aneignung genetischer Ressourcen von Pflanzen und Tieren und des Wissens um ihre Verwendung. Biopiraterie geschieht meist durch transnationale Saatgut-, Pharma- und Kosmetikkonzerne des “Nordens” (OECD-Staaten) im Verbund mit Forschungseinrichtungen und lokalen Helfern in den Zentren biologischer Vielfalt des “Südens”. Biopiraterie bleibt Biopiraterie, auch wenn eine kleine Entschädigung gezahlt werden sollte.

Die BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie kritisiert die vorherrschende Art und Weise, in der über biologische Vielfalt nur als Naturschutzthema geredet wird. Dadurch wird verschleiert, dass es multinationalen Konzernen in Zusammenarbeit mit staatlichen Forschungsinstituten um die Aneignung biologischer Vielfalt geht. Die Ablehnung von Biopiraterie steht im Zusammenhang mit einer radikalen Kritik des bestehenden Nord-Süd-Verhältnisses und des globalen Kapitalismus’, seiner Herrschaftsformen und Machtstrukturen.

Die Kampagne will Widerstand gegen Biopiraterie aufbauen und gesellschaftliche Alternativen diskutieren und unterstützen.

grane-beuteZusätzlich zu der informativen Website, auf der der Besucher mehr über die Hintergründe, über die bekanntesten Fälle, aber auch die Auswirkungen der Biopiraterie erfährt und wo Kampagnen koordiniert und Widerstand organisiert wird, haben die Verantwortlichen auch ein eigenes Buch zur Thematik verfasst – „Grüne Beute: Biopiraterie und Widerstand“ (Trotzdem Verlag). Dieses Buch wird auf einer eigenen Internetseite präsentiert, und dort kann man es auch kostenlos als pdf herunterladen (unter Creative Commons, also der passenden offenen Veröffentlichungsform).

Selbst das überlieferte Wissen einheimischer Spezialistinnen und Spezialisten über die Verwendung dieser Pflanzen betrachten diese Jäger nach grüner Beute als ihren Schatz.

Die »BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie« betrachtet die fortschreitende Privatisierung von Heil- und Nutzpflanzen als illegitim, auch wenn sie geltender Rechtslage entsprechen mag. In diesem Buch wird an konkreten Beispielen aufgezeigt, wie die Biopiraten ihre Beutezüge durchführen und auf welche rechtlichen Rahmenbedingungen sie sich dabei stützen können. Davon ausgehend schildert »Grüne Beute« den Widerstand, der an vielen Orten gegen Biopiraterie aufkeimt.

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Ausbeutung auch für Microsoft, Dell, IBM oder Hewlett Packard

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© nkzs, stock.xchng

Die Discounter, deren Geschäftspraktiken und die daraus resultierenden Folgen für Gesellschaft und Umwelt diese Konzerne besonders tief im Konsumpf stecken lassen, sind leider nur die Spitze des Eisberges, d.h. die offensichtlichste und offensivste Versinnbildlichung der sog. „freien Marktwirtschaft“, in der der Wettbewerb der Unternehmen um die größten Marktanteile und Profite dazu führt, dass am Ende nur derjenige besteht, dem es gelingt, die Kosten soweit wie nur möglich zu drücken. Die Konsumenten sehen in der Regel nur die Konsequenzen, die dieses System beim Einkauf direkt auf ihren Geldbeutel hat: die Firmen schlagen sich um die niedrigsten Preise, und die Käufer (zumindest in unseren Breitengraden) lachen sich ins Fäustchen, dass sie wieder so ein tolles Schnäppchen haben machen können. Gerade im Elektronikbereich, in dem mit besonders harten Bandagen gekämpft wird und wo auch die Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber aufgrund der gewaltigen Investitionskosten recht hoch sind, scheinen alleine der Fortschritt und steigende Stückzahlen Leistung von Computern und Unterhaltungstechnik immer billiger bzw. leistungsfähiger zu machen.

Die Kehrseite der Medaille wird gerne ausgeblendet und verdrängt: diese Preise, die uns MediaMurks & Co. bieten, befinden sich nicht zuletzt deshalb auf solch einem recht niedrigen Niveau, weil die Konzerne das Gefälle an Lohnkosten und Sozialstandards auf der Welt rücksichtslos zu ihren Gunsten ausnutzen. Es lebe die Wegwerfgesellschaft. Von Lidl, Aldi & Co. erwartet man sowieso nichts anderes, leider betreffen diese Vorwürfe auch namhaftere Marken wie z.B. Dell, Microsoft, IBM oder Hewlett Packard. Ein Drucker für unter 50 €, wie kann das eigentlich sein? Der Standard aus Österreich veröffentlichte neulich unter dem Titel „Ausbeuter: Chinesische Hardwarefabrik stellt namhafte Technologiekonzerne bloß“ eine amerikanische Studie, die fatal an diejenigen über Aldi-Zulieferer und Lidl/kik-Kleidungsfabriken erinnert.

Ein Bericht der US-amerikanischen Menschenrechtsorganisation National Labor Committee (NLC) hat aufgedeckt, dass die Arbeiter einer Hardwarefabrik im chinesischen Dongguan absolut menschenunwürdigen Bedingungen ausgesetzt sind.

Die Arbeiter dürfen sich während ihrer Fließbandarbeit nicht unterhalten, keine Musik hören und ihre Hände und Köpfe nicht heben. Sie müssen zwölf Stunden täglich auf harten Holzhockern an einem Fließband sitzen, wo ihnen 1,1 Sekunden bleiben, um jeweils eine Taste einer Computertastatur zu montieren. Unbezahlte Überstunden sind Pflicht und pro Monat haben die Arbeiter im Schnitt nur zwei freie Tage zur Verfügung. Ihr Stundenlohn beträgt rund 64 Dollar-Cent, was nicht einmal genug ist, um die grundlegendsten Bedürfnisse zu stillen. Da die Arbeiter auf dem Firmengelände untergebracht sind, bekommen sie netto sogar nur 41 Dollar-Cent. Regelverstöße werden mit Gehaltsabzügen bestraft. Sie leben in überfüllten Schlafsälen am Firmengelände, das sie vier Tage in der Woche nicht verlassen dürfen. Um zu verhindern, dass Informationen nach außen dringen, werden die Arbeiter zudem jedes Mal durchsucht, bevor sie das Gelände verlassen.

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Wer nun schulterzuckend darauf verweist, dass die Arbeitsbedingungen in anderen Teilen der Welt eben nicht mit denen hierzulande zu vergleichen und solche Zustände darum quasi „normal“ und von hier eh aus nicht zu ändern seien, macht es sich sehr einfach. Und er ist zudem auf dem Holzweg, wie der Bericht „Kapitale Ängste: US-Konzerne drohen chinesischer Regierung mit Investitionsrestriktionen“ der Jungen Welt aus dem Jahre 2006 zeigt, in dem deutlich wird, dass sich US-Konzerne sogar aktiv dafür engagieren, dass Verbesserungen in diesen Bereichen blockiert werden. Es ist einfach nur erbärmlich…!

Laut dem Bericht der GLS drohten namhafte US-Konzerne wie Wal-Mart, Google, UPS, Microsoft, Nike, AT&T und Intel mit einer Verminderung ihrer Investitionen in China, sollte der derzeit diskutierte Entwurf des neuen Arbeitsrechts wie geplant im Mai 2007 in Kraft treten. Die Lobbyvereinigung des in China tätigen US-Kapitals, die »American Chamber of Commerce« (ACC), sandte ein längeres Schreiben an die Regierung in Peking, in dem die Vorbehalte und Änderungswünsche der amerikanischen Unternehmen artikuliert wurden. Neben der in Schanghai ansässigen ACC, die 1300 US-Konzerne vertritt, haben sich auch das »US-China Business Council« und die 860 Unternehmen repräsentierende »European Chamber of Commerce« in längeren Schreiben an die chinesische Regierung gewandt. Laut der GLS drohten alle drei Verbände mit dem Abzug ausländischer Konzerne, sollten ihre Einwände nicht gebührend berücksichtigt werden.

Die geplanten Änderungen sind für chinesische Verhältnisse nahezu revolutionär. Laut Anita Chan, einer Expertin für chinesisches Arbeitsrecht, würden die Löhne für einheimische Wanderarbeiter um 50 oder mehr Prozent steigen. Alle Lohnabhängigen sollen nur noch mit Verträgen arbeiten dürfen, um die prekäre Beschäftigung einzudämmen. Zur Zeit haben nach Schätzungen 15 Prozent aller abhängig Beschäftigten in den Städten Chinas keinen Arbeitsvertrag, auf dem Land sollen es sogar 70 Prozent sein. Die Probezeiten für Neueingestellte sollen auf sechs Monate begrenzt werden. Die derzeit bei Unternehmen beliebte Praxis, sich die Einarbeitungszeit einer neuen Arbeitskraft von dieser als »Training« bezahlen zu lassen, wäre in Zukunft verboten.

Ganz anders als besagte Konzerne bemüht sich das Südwind-Institut mit seiner lobenswerten clean-IT-Initiative darum, faire Arbeitsbedingungen in der IT-Branche weltweit zu erreichen:

Mit Unterstützung europäischer KonsumentInnen üben wir Druck auf Computermarkenfirmen aus, Verantwortung für die Arbeitsbedingungen und ökologischen Auswirkungen der Herstellung ihrer Produkte zu übernehmen.

Auf der Website findet der interessierte Verbraucher Informations- und Kampagnenmaterial, so z.B. das Infoplakat „HighTech Sweatshops abschaffen! Für Arbeitsrechte und Umweltschutz in der Computerindustrie!“:

Es bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen zu den Stichworten: Rohstoffe, Herstellung, Nutzung und Verschrottung von Computern und erklärt, wie die öffentliche Beschaffung ihre große Kaufkraft dazu verwenden kann, soziale und umweltschonende Produktionsbedingungen in der Computerindustrie durchzusetzen.

Diverse englischsprachige Studien über die teils unmenschlichen Verhältnisse in den Fabriken für z.B. MP3-Player oder Computertastaturen bietet auch die Partnerseite Make IT fair zum kostenlosen Download an.

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Keine Anzeigen

Die meines Wissens einzige Zeitschrift im deutschen Raum, die auch regelmäßig Adbusts – also Werbeparodien bzw. Anti-Anzeigen, die die wahre Aussage hinter der gewöhnlichen schillernden Reklamefassade aufdecken – veröffentlicht, ist das Greenpeace Magazin, das sich solche Dinge erlauben kann, da es sich nicht durch Werbung finanziert und sich somit nicht so sehr im Würgegriff des Kommerzes befindet wie viele andere Druckerzeugnisse. Alle zwei Monate ziert die Rückseite des Magazins eine schön gemachte Nicht-Anzeige, die vor allem Konzerne aus dem Energie- und Autosektor aufs Korn nimmt und deren oft dreisten Werbelügen karikiert. Ein paar besonders schöne Beispiele möchte ich Euch hier vorstellen – alles natürlich „Keine Anzeigen“, wohlgemerkt. :-) Bei der AKW-, Braunkohle- und McDonald’s-Werbung („Ich habe mir fest vorgenommen, nicht mehr auf meine Ernährung zu achten. Auf zu McDonald’s!“ – sehr schön!) lohnt es sich, die Un-Anzeigen in der vollen Größe anzuschauen (draufklicken!), um auch das Kleingedruckte lesen zu können.

e-wie-entsetzlichKeine Anzeige
bmw-klmakllr-fake_2_08Keine Anzeige
atomkraft
mcdoofKeine Anzeige
braunkohle

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Lesetipp: Klaus-Werner Lobos Wirtschaftskolumne bei jetzt.de

kw-loboDen Wiener Autoren Klaus-Werner Lobo habe ich ja schon ein paar Mal in meinem Blog erwähnt – und Lobo bleibt hochaktiv. So hat er seit drei Wochen eine eigene Kolumne bei jetzt.de, dem Jugendblog der Süddeutschen Zeitung, und in seinen interessanten Texten nimmt er des Themas Globalisierung und Konzernkritik an. In Folge 1, Zum Beispiel Globalisierung geht es um die grundlegende Problematik, die mit der rein auf (finanz-)wirtschaftliche Zwecke und Ziele ausgerichteten Globalisierung einhergehen.

Das Problem dabei: Diese Art der Globalisierung bringt nur Vorteile für jene, die von den großen Einkommensunterschieden zwischen reichen und ärmeren Ländern, von der Ausbeutung von Menschen, Umwelt und billigen Rohstoffen profitieren. Das hat dazu geführt, dass heute die zwei reichsten Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte der Weltvermögen besitzen, während sich die ärmere Hälfte der Menschheit gemeinsam ein Prozent der Reichtümer der Erde teilen muss und in absoluter Armut lebt. Es ist vor allem eine Globalisierung der Konzerne: Die 500 größten Firmen der Welt dominieren 70 Prozent des globalen Handels und fast die Hälfte des Weltsozialproduktes, obwohl sie nur 0,05 Prozent der Arbeitsplätze weltweit sichern und kaum noch Steuern zahlen, um zum Sozialsystem beizutragen.

In Folge 2, Zum Beispiel Freiheit wird über die Folgen für Freiheit und Demokratie des sog. „neoliberalen“ Weltbildes berichtet – denn die Wanderbewegungen von Menschen sind, anders als die weltweiten Warenströme, alles andere als frei –, und in Folge 3, Zum Beispiel Bayer schildert Lobo, auch als Reaktion auf einige Kommentare im Blog, anhand des konkreten Beispiels von Bayers Geschäften im Kongo, wie große Konzerne vorgehen, um an Rohstoffe und Einfluss zu gelangen und die dritte Welt („legal“) auszuplündern.

Das ist nur eines von vielen Beispielen, die ich über die Machenschaften korrupter Konzerne recherchiert habe. Ist es wirklich übertrieben, hier von Raubzügen zu sprechen? In den Geschichtsbüchern liest man von den Raubzügen, die König Leopold II im 19. Jahrhundert im Kongo veranstaltete – obwohl er niemals einen Fuß dorthin gesetzt hat. Der belgische Monarch betrachtete das afrikanische Riesenland als sein Privateigentum und profitierte von der Kautschukausbeutung. Die Folge: Millionen tote Kongolesinnen und Kongolesen. Die Chefs und die meisten AktionärInnen von Bayer waren vermutlich auch noch nie im Kongo, aber sie profitieren von der Tantalausbeutung. Auch hier: Millionen tote Kongolesinnen und Kongolesen.

Was also ist der Unterschied zwischen den finsteren Zeiten von Kolonialisierung und Sklaverei des 19. und der neoliberalen Globalisierung des 21. Jahrhunderts? Damals konnte jeder, der es wissen wollte, von den Raubzügen Leopolds und anderer skrupelloser Kolonialherren erfahren. Heute muss ich mich als Journalist an den Rand der Illegalität begeben, um überhaupt nachweisen zu können, woher ein multinationales Unternehmen seine Rohstoffe bezieht. Der globalisierte Kapitalismus ist also nur anonymer und schneller geworden.

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Das Märchen von der sauberen Kohle

In den USA versucht die Kohleindustrie gerade, sich mit verlogenen teuren Reklame- und PR-Kampagnen (Clean Coal) ein saubereres Image zu geben und Kohle als sichere und umweltfreundliche Alternative zu anderen Energieformen zu positionieren. Dass dies ein hoffentlich letztes Aufbäumen einer sterbenden Industrie ist und es natürlich keine „saubere Kohle“ gibt, haben auch die Coen-Brüder in einem netten 30sekündigen Anti-Werbespot bebildert. [via]

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Der Attac-Kapitalismuskongress

Unter dem Slogan „Kapitalismus am Ende?“ findet vom 6.–8. März in Berlin der (erste) Kapitalismuskongress von Attac statt. Drei Tage lang wird analysiert, debattiert und beraten und Alternativen zum derzeitigen Wirtschaftssystem beleuchtet.

Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Energiekrise, Umweltkrise. Schafft der Kapitalismus sich selbst ab? Mit dem größten Crash an den Finanzmärkten seit der Weltwirtschaftskrise 1929 ist das Modell des Finanzmarktkapitalismus kollabiert. Die Weltwirtschaft rutscht in die Rezession. 3,1 Milliarden Menschen leben in Armut, davon 1,4 Milliarden unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Die Klimaerwärmung beschleunigt sich, die fossilen Energien werden knapp.

Immer mehr Menschen reiben sich die Augen und fragen, ob ein Wirtschaftssystem, das solche katastrophalen Krisen hervorbringt, wirklich „das Ende der Geschichte” sein kann. Es ist an der Zeit, über den Kapitalismus zu reden – und vor allem über Alternativen.

Der Attac Kongress vom 6. bis 8. März 2009 in Berlin wird die Bühne werden für die Diskussion der systemischen Ursachen der Krisen und für die gemeinsame Suche nach Alternativen. Wir möchten Menschen in die Diskussion einbeziehen, die von verschiedenen Auswirkungen betroffen sind, einzelne Aspekte des Kapitalismus kritisieren oder eine ganz andere Gesellschaft wollen: aus den Gewerkschaften, aus sozialen Bewegungen, aus NGOs, Verbänden, Kirchen oder einfach nur Interessierte, die nirgendwo organisiert sind. Das Projekt soll seine Anziehungskraft auch aus der anregenden Mischung der Positionen und den spannenden Referenten und Referentinnen ziehen. Gemeinsam wollen wir über den Kapitalismus und mögliche Alternativen reden – offen, kritisch und überzeugt, dass niemand ein fertiges Programm in der Tasche hat.

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