Nov
21
2008

„Mensch, willst du ewig kaufen?”

Das Thema Konsum- und Reklamekritik erscheint in der letzten Zeit erfreulich häufig auch in den (gehobenen) Mainstreammedien. Neulich, wie geschrieben, in DIE ZEIT, und letzte Woche sendete der Deutschlandfunk eine komplette Sondersendung über „Kommunikationsguerilla gegen Konsumkultur”.

Werbetafeln, beklebt mit: „Reklame verboten“. „Wir freuen uns auf Ihre nächsten Entlassungen und unsere Gehaltserhöhungen“, besagt die PR-Kampagne einer Bank. Amtliche Briefe fordern Notopfer für den Afghanistankrieg. Zeichen dafür, dass die Kommunikationsguerilla mal wieder zugeschlagen hat.

Ihr Ziel: die „subversive Kommunikation“ über Konkurrenz, Leistungsdenken und Zeitgeist. Außerdem: den Konsum lächerlich zu machen, denn er bestimme nach ihrer Auffassung unser Leben.

Ihre Mittel: die spaßhafte Unterwanderung, Protest durch Chaos, „Fakes“ von Werbebotschaften und politischen Verlautbarungen.

Die Guerilleros arbeiten im Verborgenen, überall in Europa. Der Autor hat sie bei Planung und Ausführung ihrer Aktionen beobachtet, beim Versuch, die Wahrheit über diejenigen zu sagen, deren Geschäft das Lügen ist.

In dieser Sendung kommt ebenfalls der Wiener Publizist Klaus Werner-Lobo („Schwarzbuch Markenfirmen”/„Uns die Welt”) zu Wort:

Lobo: Gerade natürlich im Bereich von Markenprodukten ist es so, dass Menschen sich Identitäten zulegen, in dem Sinn dass mit Produkten gewisse Emotionen verbunden sind und man hat so das Gefühl, wenn man sich dieses Produkt jetzt kauft, dann kann man diese Emotionen mit sich selbst verbinden.

Der Markterfolg, der hängt ja komplett von der Werbung ab, weil Werbung heute ja nicht mehr darin besteht ein Plakat zu drucken oder ein Inserat zu schalten, sondern da geht’s wirklich um groß angelegte Imagekampagnen. Also, die neuste Methode der Konzerne – gar nicht so neu ( … ) aber mit der sie in letzter Zeit sehr, sehr erfolgreich sind, ist die sogenannte ( … ) soziale Unternehmensverantwortung, wo sie uns weismachen wollen, dass sie jetzt ethisch und sozial denken und ( … ) quasi gute Bürger einer Gesellschaft sind. Das Ganze ist ungefähr so, wie wenn man vorher jemandem alles wegnimmt ( … ) und dann sag ich: stimmt eigentlich, der schaut arm aus und ich geb dem einen Euro.

(…)

SPRECHERIN Laut Klaus Werner-Lobo werden beispielsweise die Turnschuhe der Firma Adidas in Indonesien und China für circa vierzig Cent pro Paar genäht.

SPRECHER Um dann in Deutschland für hundert Euro über den Tisch zu
gehen.

SPRECHERIN Einen großen Teil dieses Profits schluckt die Werbung, die längst nicht mehr nur Werbung in Anzeigen und auf Plakatwänden ist.

SPRECHER Viel eher Lifestyle-Creation, umfassendes Management, das kein Produkt verkauft, sondern eine Lebenseinstellung.

(…)

Bergstedt: Adbusting ist für mich ein Teil des Eingreifens in den öffentlichen Raum, und zwar bezieht sich das vom Begriff Adbusting ja auf alles, was so an Werbeflächen da ist, für alles Mögliche, also grad egal, ob da ein Produkt angepriesen wird oder ob dort eine Partei Werbung macht oder in welcher Form auch immer ( … ) das hat sehr viel mit dem Alltag der Leute zu tun.

SPRECHERIN Die Adbuster-Szene ist eine der facettenreichsten Gruppierungen innerhalb der K-Guerilla.

SPRECHER Ihre Arbeitsweise reicht von illegal bis legal.

SPRECHERIN Komplett verweigernd – oder selbstironisch.

Leider gibt es von der Sendung keinen Podcast, aber immerhin ein pdf mit dem Sendungsmanuskript, das sich sehr amüsant und interessant liest und viele Facetten des kreativen Protests gegen Kommerz und Werbung beleuchtet.

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