So, nachdem ich letzten Freitag schon über die vom Adbusters Magazin geplante „Week of Carnivalesque Rebellion“ vom 22.–28. November berichtet habe (HIER), folgen heute wie versprochen die von mir übersetzten Briefings #4 bis #6, in denen es um weitere Details und Vorbereitungen für die große weltumspannende Culture Jamming-Aktion geht.
Kategorie: Globalisierung Seite 11 von 19
Passend zu meinem Beitrag von gestern heute noch mal etwas zum Thema Mode. Über den Irrsinn, Jeans mit Hilfe von Sandstrahlgebläsen künstlich altern zu lassen, um den modisch angesagten „vintage look“ zu erzeugen, wurde bereits vor gut einem Jahr in den Medien berichtet (z.B. der Spiegel: „Tödlicher Sand in der Jeans-Maschine“) – denn viele der Arbeiter, die diese Anlagen bedienen, werden dadurch krank und sterben sogar. Aufgrund des damaligen allgemeinen Entrüstungssturms haben Firmen wie Levi’s und H&M nun dieser Produktionsweise öffentlich abgeschworen. Leider wird dieses Verfahren (und auch andere, bei denen hochgiftige Stoffe zum Färben zum Einsatz gelangen) z.B. in der Türkei aber immer noch angewendet, wie die WDR-Sendung Markt herausfand – „Jeans mit Risiken“. Der „Segen“ der billigen globalisierten Produktion: die gefährliche Drecksarbeit machen andere und hierzulande sieht der Konsument nur die Glitzerfassade von Marketing und Modeindustrie.
(…) Das Sandstrahlen ist zwar seit über einem Jahr in der Türkei verboten, trotzdem sind solche Jeans weiter auf dem Markt. Sedat Kayas Gewerkschaft hat neue Hinweise. Vor wenigen Tagen hat ihn ein Arbeiter angerufen: „Wie er uns gesagt hat, ist hier immer noch eine Firma, die das Sandstrahlen benutzt, um Jeans zu bleichen. Wenn wir eine Möglichkeit haben, können wir vielleicht die Fabrik sehen. Aber ich kenne die Realität in meinem Land. Es wird sehr schwer sein, etwas Genaues zu sehen. Aber wie auch immer: Wir versuchen es.“
Der Wettbewerb auf dem Markt ist global und gnadenlos. So kostet eine Jeans aus Bangladesch bei der Einfuhr knapp fünf Euro, aus China um die sieben Euro und aus der Türkei knapp 15 Euro. Zudem gibt es in der Türkei eine Besonderheit: Die Aufträge werden immer weiter aufgeteilt. Ein Subunternehmer gibt den Auftrag an den nächsten. So sind die Zulieferer nur schwer zu kontrollieren. (…)
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Den Wahnsinn unseres Konsumzeitalters kann man Jüngeren sicherlich besonders gut in spielerischer Form vermitteln. Nicht ohne Grund sind z.B. die kritisch-satirischen Filme von Alexander Lehmann („Du bist Terrorist“, „Rette Deine Freiheit“) oder auch „The Story of Stuff“ so beliebt, denn dort werden komplexe Zusammenhänge aufs Wesentliche reduziert und amüsant und unterhaltsam dargereicht. Einen vergleichbaren Weg schlägt auch die österreichische Forum Umweltbildung („Österreichisches Portal zur Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung“) ein – in ihrem Onlinespiel „Konsumaniac“, das auch für den Einsatz in Schulen konzipiert ist, will sie die Auswirkungen, die Konsumentscheidungen jedes einzelnen haben, beleuchten und zeigt darin ebenfalls, welche Probleme beim ganz normalen Einkauf im Supermarkt oder Kleidungsgeschäft lauern – die Hintergründe von billigen Preisen und miesen Produktionsbedingungen kommen hier ebenso zur Sprache wie die Gefahren der Verschuldung für den Konsum. Ebenso werden Alternativen wie Second Hand-Läden oder Car Sharing vorgestellt. Also alles sehr löblich!
Willkommen beim neuen KonsuManiac, dem spielerischen Blick hinter die Kulissen von Lebensstil und Konsum
Wir kennen alle das Gefühl in Mitten eines samstäglichen Konsumrausches zu sein: Eingequetscht zwischen der Vorfreude am soeben Gekauften und dem Stolz des/der „Neubesitzenden“ pocht es leise aber aufdringlich – das schlechte Gewissen: KonsumfetischistIn, KonsuManiac!!! Genährt aus den letzten Berichten über Kinderarbeit und untermalt von neuen Infos über das Sündenregister einzelner Produktmarken kommen die ersten Fragen, ob das eine oder andere Produkt auch wirklich notwendig gewesen ist bzw. ob es nicht eine nachhaltigere Alternative gegeben hätte. Aber, muss es überhaupt immer nur Konsum sein, der uns Befriedigung verschafft, oder gibt es einen nachhaltigeren Lebensstil, der Freude schafft, ohne dem täglichen Konsumwahn zu verfallen?
Wie sieht nun ein nachhaltiger Lebensstil aus? Inspiriert von dieser Frage hat das FORUM Umweltbildung im Auftrag des BMFLUW ein neues interaktives Tool entwickelt: den KonsuManiac. Zielte die erste Version des KonsuManiac auf nachhaltige und vor allem bewusste Konsumentscheidungen (ein Schwerpunkt, der immer noch im Bereich „Check Deinen Einkauf“ erhalten ist), geht der neue KonsuManiac einen Schritt weiter: Als Alternativen zur modernen Identifizierung über Produkte und „Shoppen“ wollen wir spielerisch Ideen und Beispiele aufführen, die Lebensfreude und Aktivität mit den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung verbinden. Aktuelle Trends wie Upcycling, DIY oder Tauschkreise sollen erste Einblicke in eine Bewegung geben, die im scharfen Kontrast zum alltäglichen und sinnleeren Konsumwahnsinn steht. In Zukunft wird unser KonsuManiac auch in weiteren Bereiche wie etwa bei Urlaub oder Freizeitgestaltung aufzeigen, dass ein nachhaltiger und bewusst gewählter Lebensstil nicht nur eine gesellschaftliche Notwendigkeit darstellt, sondern viel mehr auch Spaß und Freude bedeutet.
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Schokolade is(s)t i aller Munde, doch die meisten Menschen denken nicht darüber nach, unter welchen Bedingungen die Inhaltsstoffe ihrer Milka- oder Nestlé-Schokolade eigentlich hergestellt wird. Klar ist – wer solche Süßigkeiten in Nicht-Bio-Qualität kauft, unterstützt damit auf jeden Fall schon mal Massentierhaltung, denn die Milch für diese Industrieware muss natürlich so billig wie möglich hergestellt werden. Und wenn die Schokolade nicht fair gehandelt wurde, bedeutet das oft genug auch Ausbeutung in den Anbauländern. Darüber berichtete ich hier im Blog auch schon einmal (HIER), und nun wird die Dokumentation „Schmutzige Schokolade“ in der ARD gezeigt, und zwar am Mittwoch, dem 6.10. um 23:30 Uhr (klar, wie immer, wenn ein wichtiges Thema angesprochen wird, das die Menschen in ihrer satten Konsumzufriedenheit aufschrecken könnte, wird so etwas in die Nachtstunden verschoben). Zu dem Projekt gibt es eine eigene Website – www.thedarksideofchocolate.org – und auch eine Facebook-Gruppe. Monsters & Critics schreibt zu dem Film:
Ein Kind aus Burkina Faso kostet 230 Euro. Zu diesem Preis zumindest wurde es Miki Mistrati angeboten, als er undercover auf einer Kakao-Plantage an der Elfenbeinküste recherchierte. Der investigative dänische Dokumentarfilmer reiste nach Afrika, um den Gerüchten um Kinderarbeit und Kinderhandel auf den Plantagen weltweit führender Schokoladenhersteller nachzugehen. Was er vor Ort sah, zeigt nun die schockierende Dokumentation ‘Schmutzige Schokolade’ (eine Koproduktion des NDR), die erstmals in der ARD zu sehen ist und in anderen Ländern Europas bereits für Aufsehen sorgte. Auch hierzulande dürfte manchem Zuschauer der Appetit auf den süßen Kakao vergehen. (…)
(…) In Skandinavien, Belgien und Portugal sorgte die erschütternde Dokumentation bereits für Aufsehen. Demnächst soll sie unter anderem auch bei Al Jazeera und in Australien zu sehen sein. Der mehrfach preisgekrönte Filmemacher hat die Hoffnung, dass die Konsumenten etwas gegen die Misstände in Afrika bewegen werden. Er selbst will auch künftig seinen Teil dazu beitragen und das Thema weiterhin publik machen: Bis zum Ende des Jahres soll eine Fortsetzung von ‘Schmutzige Schokolade’ entstehen.
Wem das noch nicht genügt, der kann sich ja um 0:50 Uhr (also in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag) im ZDF die Dokumentation „Da wird mir übel“ über die Tricks der Nahrungsmittelindustrie anschauen; das Ganze gibt es bereits jetzt in der Mediathek – HIER.
Was exakt in jener Wurst steckt, in die sie da gerade genussvoll gebissen haben, werden viele wohl gar nicht so genau wissen wollen. Denn schlecht schmeckt sie nicht, diese rote, wohlgeformte … – was eigentlich? Die Wahrheit über unser Essen kann schwer verdaulich sein. Trotzdem räumt “Da wird mir übel” mit den vielen Beschönigungen, Verschleierungen und Irreführungen beim Anpreisen von industriell gefertigten Lebensmitteln gründlich auf.
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Spätestens seit dem Film Plastic Planet, der vor einigen Monaten in (ausgewählten) deutschen Kinos zu sehen war und über den ich auch hier im Blog berichtete, ist unser auf Kunststoffproduktion und -verbrauch basierende Lebensstil Thema für Diskussionen. Nicht nur Getränke aus Plastikflaschen sind ein Irrsinn (siehe HIER), auch an vielen anderen Stellen des Alltags begegnet uns die Verschwendung dieses Stoffs, der letztlich zu Umweltverschmutzung und Müllbergen führt. Ein vermeintlich nur kleines Problem scheinen da die Plastiktüten zu sein, die uns bei jedem noch so kleinen Einkauf angeboten werden – gerade, wenn man sie mit den Unmengen an Verpackungsmüll vergleicht, der uns im Supermarkt aufgezwungen wird. Selbst Bio-Teebeutel werden schön einzeln in Plastik eingeschweißt angeboten. Der Grenzgänge-Blog schreibt in „Steuer auf Plastiktüten“:
(…) Wer jetzt wieder über das pathologische deutsche Umweltbewusstsein jammert, dem sei gesagt, dass man in anderen Teilen der Welt viel konsequenter ist. San Fransicso und die englische Kleinstadt Modbury haben die Abgabe von Plastiktüten im Handel schon schon 2007 verboten. 2008 zog Los Angeles nach. Ist seitdem das Chaos im Einkaufswunderland ausgebrochen. Sieht man Menschen die ihre Einkäufe auf den Armen nach Hause tragen? Nein. Es gibt nämlich sehr gute Alternativen zum Plastik. Einkaufskörbe und/oder Baumwolltaschen zum Beispiel. Die sind nicht nur schöner. Sie werden auch immer wieder verwertet und liegen viel seltener in der Landschaft herum. (…)
Selbst in China, das nun nicht unbedingt für seine vorpreschende Umweltpolitik bekannt ist, hat man dieses Problem mittlerweile erkannt und versucht gegenzusteuern, wie Franz Alt in „China: Kampf den Plastiktüten“ berichtet:
In China sterben jedes Jahr zehntausende Wale, Robben und Schildkröten, weil sie weggeworfene Plastiktüten für essbar halten. Auch deshalb will die chinesische Regierung bis zu den Olympischen Spielen Plastiktüten verbieten und die Umweltverschmutzung im Reich der Mitte eindämmen.
Bisher werden in China jährlich drei Milliarden Plastiktüten weggeworfen, was einer riesigen Verschwendung von Energie und Ressourcen gleichkommt. Doch das Umweltbewusstsein im bevölkerungsreichsten Land der Welt mit 1.35 Milliarden Konsumenten wächst. (…) Die Idee der Mülltrennung ist in China noch neu und bislang kaum praktiziert. Doch ab 1. Juni dieses Jahres (2008) dürfen Plastiktüten nur noch gegen eine Gebühr benutzt werden. In Zukunft soll es Sammelbehälter und Recycling geben. Wer sich nicht an die neue Ordnung hält, muss mit saftigem Bußgeld rechnen. Die hauchdünnen Tüten sind zwar praktisch, aber sie verrotten nur langsam und zerfallen in hochgiftige Einzelbestandteile. Ein zweites großes asiatisches Land, dem es hierzulande niemand zugetraut hätte, nämlich Bangladesch, hat Plastiktüten schon seit sieben Jahren komplett verboten. Dort verstopften sie Abwasserkanäle und verursachten Überschwemmungen während der Monsunzeit.(…)
Und noch ein kleiner Infofilm zum Thema Plastikwahnsinn:
Oceans Exclusive – Use Less Plastic
Trailer Park Movies | MySpace Video
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Dokusoaps sind ja so eine Sache – oft gescriptet und gecastet und weit an der Realität vorbei. Manchmal kommt aber doch etwas Interessantes dabei heraus – wie bei der britischen 4-teiligen Serie „Blut, Schweiß und T-Shirts – Hinter den Kulissen indischer Textilfabriken“, die seit gestern noch bis Freitag immer um 19:15 Uhr auf ZDF neo läuft (hab leider auch erst heute davon erfahren, sonst hätte ich den Tipp schon früher lanciert!):
Sechs Fashionvictims reisen nach Indien. Einen Monat leben und arbeiten sie mit den Billiglohnarbeitern in den Textilfabriken und werden zum ersten Mal in ihrem Leben mit den Bedingungen konfrontiert, unter denen ihre Kleider hergestellt werden.
Ihre Reise beginnt in einer Textilfabrik in Delhi, die Kleidung für den Export produziert. Die meisten der Textilien landen in beliebten englischen Markenshops. Doch unter welchen Bedingungen werden diese T-Shirts eigentlich produziert?
Leben am Existenzminimum
Das findet die Gruppe während ihres einwöchigen Aufenthalts in der angesehensten Fabrik Delhis heraus. Die Arbeitsbedingungen sind im Gegensatz zu indischen Standards hoch, doch schon hier stoßen einige der Sechs an ihre Grenzen. Auch das Leben in einem der ärmsten Vororte Delhis schockiert sie.Die zweite Station der Reise führt die sechs Fashionvictims in einen kleinen Betrieb in West Dehli. Die Gehälter liegen bei einem Minimum, für das Nähen einer Bluse gibt es nur zwölf Rupien – knapp 20 Cent. Und die Arbeitszeit beträgt bis zu 15 Stunden täglich. Geschlafen werden kann sehr zeitsparend gleich neben den Maschinen, zwischen den anderen Arbeitern. Hier können die Sechs herausfinden, wie die Einheimischen ihre eigene Lebenssituation empfinden. Die Reise wird zu einer der härtesten Herausforderungen ihres Lebens.
Unmenschliche Arbeitsbedingungen
Diesmal geht es für die sechs Fashionvictims zur Baumwollernte. Sechs Stunden fahren sie mit dem Zug von Dehli weiter ins Landesinnere. Dabei sind nicht nur Ungeziefer und Enge unangenehm, die vorbeiziehende Landschaft zeigt Unterkünfte anderer Farmarbeiter und lässt die Teilnehmer erahnen wie ihre kommende Woche aussehen wird. Die harte Arbeit ist nervenaufreibend, bald leidet auch die Stimmung der ganzen Gruppe darunter.Die letzte Folge führt die sechs Fashionvictims nach Mumbai. Jedes Jahr strömen hunderttausende Menschen hierher, um ihren Traum vom Job in der Modeindustrie zu verwirklichen. Doch die meisten landen am Ende in Dharavi, dem größten Slum Asiens. Hier endet ihre Reise. Nach Geschlechtern getrennt arbeiten sie die letzte Woche nochmals an den Nähmaschinen. Massenweise Kleidung, die zum Export hergestellt wird, stammt aus diesen Fabriken Mumbais. In engen und dreckigen Arbeitsräumen wird Kinderkleidung produziert und ausgerechnet hier arbeiten sie auch mit Kindern zusammen. Mehr denn je sind sie von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der indischen Kleiderindustrie schockiert. Werden die sechs nun ihr Konsumverhalten ändern?
EDIT: Die Website glasdemokratie.to hat die Dokumentation nun in drei Teilen bei einem Videportal hochgeladen – hier sind sie:
Blut, Schweiss und T-Shirts 1.Teil
Blut, Schweiss und T-Shirts 2.Teil
Blut, Schweiss und T-Shirts 3.Teil
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Ich freue mich ja immer wieder, wenn die Zahl der kritischen Stimmen im Netz zunimmt und dadurch an Gewicht gewinnt. Kritische politische Blogs und Webseiten gibt es inzwischen schon eine ganze Reihe, KONSUMkritisches ist aber zumindest in Deutschland, der Hochburg der Autoindustrie und der Discounter, leider noch viel zu selten zu hören. Um so begeisterter bin ich, Euch heute zwei neue Mitglieder der Bloggosphäre vorstellen zu können: zum einen Dirks „Mein Blog über die wichtigen Dinge!“, der seit einigen Wochen online ist und in dem viele Themen zur Sprache kommen, die mir ebenfalls unter den Nägeln brennen. Dazu gehören zum Beispiel Konzernkritik, Gedanken zum Konsumwahnsinn und der Tendenz zu immer billigeren Produkten mit all ihren Folgen für die Gesellschaft.
Ebenfalls sehr spannend und für alle interessant, die sich mit Adbusting und Culture Jamming befassen, ist der Kaufkrampf-Blog, der im Rahmen einer Seminars über „Corporate Design/Corporate Identity“ entstanden ist. Besonders schön sind die vielen dokumentierten Aktionen, in denen in die Auslage von Discountern und Supermärkten interveniert wird. So wird verpacktes Billigfleisch mit einem Aufkleber „Dieses Huhn hat 98,4% kürzer gelebt“ verziert oder zwischen all die „Werbung“-Schildchen an den Regalen einer Kauflandfiliale ein „Werd dumm“ geschmuggelt. Ich bin gespannt, was dort noch alles so an Anregungen für eigene Adbusts kommt. :-)
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Unternehmenspropaganda wird ja im Schönsprech der heutigen Zeit Werbung genannt. Oder Verbraucherinformation, wie sich einige Sender nicht entblöden, Reklame zu bezeichnen. Was der ganze Marketing- und PR-Schmu tatsächlich bedeutet, bringt der nachfolgende, satirisch-ernste Clip der Kampagne für Saubere Kleidung kurz und knackig auf den Punkt. Er zeigt, dass Discounter mittlerweile auch erkannt haben, dass sie Geld in ihre Imagewerbung stecken müssen, nachdem immer öfter ihr unappetitliches Geschäftsgebaren in der Kritik steht. Aber natürlich wird kein Geld ausgegeben, um wirklich etwas an den schlimmen Zuständen zum Beispiel bei den Zulieferbetrieben zu ändern, die den ganzen Billigplunder für unser Konsumwunder herstellen.
Ein Blick in ein typisches Vorstandsbüro eines Discounters, wo eine Imagekampagne hilft, sich die Welt SCHÖNer zu FÄRBEN! In der EU ansässige Unternehmen sollen für die weltweiten Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Menschen und Umwelt gesetzlich haftbar gemacht werden.
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Darauf wollte ich doch noch kurz hinweisen – aktuell findet, initiiert von TransFair, dem Verein zur Förderung des Fairen Handels, die Faire Woche statt. Deutschlandweit gibt es über 1.400 Veranstaltungen, die sich mit diesem Thema befassen. Auf der dazugehörigen Website finden sich Informationen in Hülle und Fülle, sehr schön aufbereitet:
„Fair schmeckt mir!“ – dem Motto der diesjährigen Fairen Woche stimmten die Gäste des Spitzenkochs Simon Tress voll und ganz zu. Gemeinsam mit Dr. Hans-Christoph Bill, Vorstand des Forum Fairer Handel, und Reginaldo Vicentim, Geschäftsführer der Fruchtsaftkooperative Coagrosol in Brasilien verteilte er faires Fingerfood am Brandenburger Tor. Damit ist die Faire Woche 2010 offiziell eröffnet.
„Ob beim Einkauf von Lebensmitteln oder während eines Restaurantbesuches – wir können täglich einen bewussten Beitrag leisten zu einer partnerschaftlichen und ökologischen Entwicklung des Südens“, betont Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, Schirmherr der Fairen Woche. Dr. Hans-Christoph Bill würdigte das große Engagement der vielen Aktiven zur Fairen Woche: „Mehr als 1.400 Veranstaltungen zur Fairen Woche finden in den nächsten Tagen bundesweit statt. Das ist eine großartige Einladung an die Verbraucherinnen und Verbraucher, den Fairen Handel kennen zu lernen und gleichzeitig ein beeindruckendes Zeugnis vom Engagement der Akteure des Fairen Handels.“
Reginaldo Vicentim berichtete von den positiven Wirkungen des Fairen Handels für seine Organisationen und Gemeinde: „Der Faire Handel bietet unseren Kleinbauernfamilien und den Pflückerinnen und Pflückern eine Zukunftsperspektive. Viele kleinere Orangenbauern im Umfeld mussten längst ihre Felder aufgeben.“ Mit vier weiteren Gästen aus Costa Rica, Ecuador, Guatemala und Kenia wird er in den nächsten Wochen bundesweit Veranstaltungen der Fairen Woche besuchen.
Zur Fairen Woche 2010 sind insbesondere Gastronomen aufgerufen, sich zu beteiligen und fair gehandelte Produkte in ihr Angebot aufzunehmen. Simon Tress räumte hierzu mit Vorurteilen auf und betonte: „Ich freue mich über die Vielfalt hochwertiger fair gehandelter Produkte, die ich als Koch inzwischen zur Verfügung habe und gerne in meinen Restaurants verwende.“ Viele Restaurants, Cafés und Kantinen bieten zur Fairen Woche und darüber hinaus Gerichte mit fair gehandelten Zutaten an.
Im Vorfeld der UN-Konferenz zu den Milleniumsentwicklungszielen (MDG) hoben die Fair-Handels-Akteure hervor, welche Bedeutung gerechte Handelsstrukturen für die Armutsbekämpfung haben. „Der Faire Handel wirkt! Er versetzt Millionen Menschen in Entwicklungsländern wirksam in die Lage, sich und ihre Organisationen aus eigener Kraft weiterzuentwickeln und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Dies ist ein konkreter Schritt auf dem Weg zur Erreichung der MDGs, zu dem Verbraucherinnen und Verbraucher im Alltag beitragen können“, erklärte Dr. Hans-Christoph Bill und forderte die Politik auf, die Unterstützung für eine nachhaltige, kleinbäuerlich geprägte Landwirtschaft auszubauen.
Hintergrund – Die Faire Woche 2010
Im September sind zum neunten Mal zur Fairen Woche Weltläden, Initiativen und Aktionsgruppen, Supermärkte, Gastronomie, Verbände und Einzelpersonen dazu aufgerufen, der Öffentlichkeit den Fairen Handel näher zu bringen. Bei fairen Menüs, Vorträgen und Gesprächen mit Produzentenvertretern, Fahrradtouren und vielfältigen anderen Veranstaltungen wird der Faire Handel erlebbar. Die Aktionswoche zum Fairen Handel wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED)/Brot für die Welt und dem Bischöflichen Hilfswerk MISEREOR finanziell gefördert. Sie ist eine Aktion des Forums Fairer Handel. Hier haben sich die wichtigsten Akteure des Fairen Handels in Deutschland zusammengeschlossen, um ihm eine stärkere Stimme zu geben. Der Faire Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Der Faire Handel in Deutschland weist seit Jahren hohe Wachstumsraten auf und erzielte im Jahr 2009 einen Umsatz von rund 320 Millionen Euro.
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Papier umgibt uns im Alltag allüberall, und auch die früheren Visionen eines „papierfreien Büros“ durch Computer & Co. haben sich absolut nicht bewahrheitet. Papier ist für unsereins ein billiger, stets verfügbarer Rohstoff, über den man sich selten Gedanken macht, dessen Produktion jedoch oftmals höchst bedenklich und naturschädigend ist. Im österreichischen Blog Auftragselfe wurde ich durch den Artikel „Papier, Papier…“ darauf aufmerksam gemacht, dass es vielerlei Gründe gibt, seinen Umgang mit Papier (wie auch mit anderen Ressourcen) zu überdenken:
(…) Wenn für unser Papier, das wir verwenden, Regenwälder und Lebensräume zerstört und Menschenrechte verletzt werden, müssen wir genauer darüber nachdenken und handeln. Papier- und Pappehersteller wie Aracruz besitzen tausende Hektar Monokulturen und über 90 % der gewonnenen Zellstoffe werden exportiert: An Konzerne wie Procter & Gamble, die damit dann Millionengewinne machen, unter anderem mit Klopapier und Taschentücher (Tempo, Pampers, Bounty…). (…)
Deutschland verbraucht beispielsweise mehr Papier als Afrika und Lateinamerika zusammen, um genau zu sein: 224 kg pro Person und Jahr (ausgerechnet von der UNEP). Jeder 5. weltweit gefällte Baum landet in einer Zellstoffmühle. Papier und sein Faserrohstoff werden aus insgesamt 130 Ländern der Erde nach Deutschland eingeführt.Durch Sojaanbau, Staudämme, Bergbau, Ölpalmplantagen (siehe meinen Blog unter Palmöl) etc… und eben auch durch Kahlschläge für Zellstoffe und Papier schrumpft der Wald immer weiter. Gerade Primärwälder (Urwälder) brauchen Jahrtausende für ihre Entstehung, sie können nicht gepflanzt werden – einmal abgeholzt, sind sie für immer verloren. Plantagen trocknen die Böden aus, in Monokulturen gibt es keine Artenvielfalt mehr und werden anfällig für Schädlinge, dadurch kommt es zum Einsatz von Pestiziden, Kunstdünger belasten weiter die Böden und Gewässer – ein Teufelkreis. (…)



