Apr
10
2013

Die 20 größten Konsumsünden

Auf 3sat läuft gerade die große Themenwoche „Hauptsache Konsum“ – klar, dass ich darauf in meinem Blog gerne verweise. Den Startschuss gaben gestern „Die 20 größten Konsumsünden“. Leider in Form dieser unsäglichen Rankingshows aufgemacht werden in der Sendung doch viele wichtige Punkte angesprochen, die zeigen, wo unser aller Konsum die Probleme der Welt vergrößert.

Die 20 größten Konsumsünden
Worauf unsere Zuschauer nicht verzichten wollen
Wir haben unsere Zuschauer gefragt, worauf sie auf keinen Fall verzichten wollen: Die meisten hängen an ihren Elektroartikeln, Kaffe und dem Auto.
Unser Alltag ist von Konsum geprägt. Doch unser Konsum hat häufig die Ausbeutung von Mensch und Natur zur Folge. Bei vielen Produkten wissen wir das und beruhigen unser Gewissen mit Emissionszertifikaten, “Fairtrade”-Produkten und Bio-Siegeln. Wir suchen Entschädigungen für unser verschwenderisches Leben – doch eines möchten wir nicht: unseren Lebensstil ändern.


Helmut Schnug vom Kritischen Netzwerk hat sich einmal die Mühe gemacht, und die Essenz aus dieser Sendung zu Papier (bzw. Bildschirm) zu bringen. Ihr findet seinen kompletten Beitrag HIER.

In der Themenwoche “Hauptsache Konsum?” erlaubt 3sat von Montag, 8., bis Freitag, 12. April 2013 Einblicke ins und Gegenentwürfe zum Konsumverhalten der modernen Gesellschaft.
“10.000 Dinge besitzt ein Europäer im Durchschnitt – das meiste davon belastet ihn mehr als es ihm hilft: Autos, Nahrung, Kleider, Smartphones beladen uns mit Informationen, Lärm und mit Müll. Das macht krank, sagen die Soziologen. Tatsächlich ist der Mensch biologisch als Geschöpf des Mangels konzipiert. Das bedeutet: Er kann mit dem Wenigen, was Fauna und Flora zu bieten hat, optimal auskommen. Doch von “Mangel” kann in der westlichen Welt kaum die Rede sein. Steht die moderne Lebensweise damit im Konflikt zu unserer Natur? Oder ist der moderne Mensch den nächsten Schritt gegangen, und jetzt gepolt darauf, seine Gelüste ausleben? Ein Leben jenseits der 10.000 Dinge ist für die meisten Menschen jedenfalls kaum vorstellbar.
“Worauf wollen wir am wenigsten verzichten?”
Die Abstimmungsfrage der Wissenschaftsshow “Die 20 größten KonsumSünden” zielt mitten in das Konsumentenherz. Dabei geht es nicht darum, die schwerste Umweltbelastung zu benennen oder den moralisch verwerflichsten Konsum, sondern lediglich um das eigene subjektive Empfinden: Könnte ich eher auf Fleisch verzichten oder auf mein Auto? Ist mir Mode wichtiger als mein Mobiltelefon? Kommentare von Prominenten, Wissenschaftlern, Comedians und Querdenkern ergänzen die Show”. (Quelle 3sat.de)
Ich habe die überaus interessante Filmdokumentation mehrere Male aufmerksam verfolgt und kann für die deutschlandweit praktizierte Gleichgültigkeit, Ignoranz, Dummheit und vor allem aber über die Inkonsequenz vieler Konsumenten nur verständnislos den Kopf schütteln. Die TOP-20 von den Zuschauern gewählten Konsumsünden habe ich hier aufgelistet und zusätzlich mit Fleißarbeit und einer gehörigen Portion Zeitaufwand eine Auswahl der informativsten bzw. markantesten Aussagen des Films in die jeweilige Platzierungen transkripiert. So bleiben die Kernaussagen auch noch bestehen, sollte das Video zur Sendung mal irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Platz 20: Plastikspielzeug

  • Schrille Massenware aus Fernost, die Kinderherzen höher schlagen lässt: bunt, abwaschbar aber leider auch gefährlich für die, die es bespielen
  • Statt Giftstoffe zu reduzieren, erlaubt die EU ab Mitte 2013 sogar höhere Grenzwerte für Schadstoffe wie Arsen, Blei oder Quecksilber – ein Triumph der Spielzeuglobby
  • Produktion in Billiglohnländern mit niedrigen Standards und fehlenden Kontrollen

Platz 19: Kreuzfahrten

  • Titanic-Nervenkitzel, Suche nach Abenteuer und Romantik
  • Kehrseite der schwimmenden Hotels: tonnenweiser Verbrauch von Schweröl (ein Abfallprodukt aus den Raffinerien, das auch zur Herstellung von Teer und Asphalt genutzt wird)
  • der Qualm dieser Dreckschleudern ist hochgiftig, deshalb wechseln sie den Kraftstoff wenn sie in einen Hafen einlaufen (aber längst nicht alle)
  • Hamburg ist die einzigste Stadt, die keine Feinstaubzone hat – warum wohl?
  • Kreuzfahrtschiff verbraucht auf einer Reise soviel wie 5 Mio. Pkws
  • bis 2020 können die Rußschleudern die Natur noch mit ihrem billigen Treibstoff verpesten – erst dann gelten strenge Emissionswerte

… weiter …

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14 Kommentare »

  • Was mir spontan als “auf der Liste fehlend” einfällt: Wasser (oder andere unsinnige Getränke) in (Plastik-)Flaschen.

    Auch völliger Irrsinn abgestandenes Wasser hunderte Kilometer durch die Weltgeschichte zu schippern.
    Wird aber mit Vorliebe getan.

    Ok, wo braune, übelriechende oder bleiverseuchte Brühe aus dem Hahn kommt … nachvollziehbar.
    Aber das dürfte ja nur die wenigsten betreffen.

    Comment | 10. April 2013
  • chapultepec

    Platz 7: Smartphone
    Diese Geräte, wie alle anderen Elektrogeräte wie NetBooks, Laptops, Rechner, Spielkonsole usw. enthalten einige Mineralien (Stichwort: Coltan) die höchst problematisch sind. Im Kongo sind in den letzten Jahren über 5 Millionen Menschen gestorben (s. zweiter Kongokrieg). Hier gibt es natürlich keinen Ruf nach einer “humanitären Intervention”, wahrscheinlich weil im Falle eines Friedens die Preise für Coltan zu sehr steigen würden und die Kosten für die Produktion v. Handys u.ä. Geräte ebenfalls nach oben gehen würde. Also weiter mit dem Morden! Und außerdem wer braucht denn schon ein Militärstützpunkt im Kongo?

    Platz 4: Süßigkeiten
    Unter Süßigkeiten wird wahrscheinlich auch Schokolade gemeint -> Problem: ein großer Anteil der Produktion wird von Kindersklaven erledigt

    Wo bleiben ebenfalls die Lebensmittel, die nicht regional produziert werden sondern durch die halbe Welt transportiert werden müssen, weil man der Meinung ist nicht darauf verzichten zu können? Und was ist mit den Fertiggerichten, die nach nichts schmecken würden, wenn man nicht Unmengen an Salz, Zucker und Fett reinkippen würde, mit den mehr als gut bekannten Folgen für die Gesundheit der Menschen? Und was ist mit den immensen Verbrauch an Energie um letztendlich Berge von giftigen Verpackungsmaterial herzustellen?

    Comment | 10. April 2013
  • Diese Liste ist doch absurd. Wenn man alle diese 20 “Konsumsünden” vermeiden will, muss man nackt im Wald leben. Also ignoriert man es ganz oder freut sich über die Dinge, auf die man eh verzichtet (z.B. Kreuzfahrten). Aber wenn man für eine Sache kein Geld ausgibt, gibt man es für etwas anderes aus. Mit zwei einfachen Lebenseinstellungen kann man schon viel erreichen:

    Geld für gute, statt für “schlimme” Sachen ausgeben, z.B. Ökostrom statt Atomstrom, Bahn statt Auto, Nahurlaub statt Flugreise, Gemüse statt Fleisch, einkaufen beim Einzelhändler statt bei internationalen Ketten, Buchhändler statt Amazon etc.

    Langfristig investieren, statt kurzfristig zu sparen, z.B. energietische Gebäudesanierung, energiesparende Geräte, langlebige Produkte wie Kleidung und Möbel etc.

    Comment | 11. April 2013
  • HenningM

    Und nun?
    Nun gilt es für JEDEN EINZELNEN – auch für die ach so klugen und vor allem natürlich moralischen Autoren von Beiträgen! -, sich mal selbst an die Nase zu fassen und sich zu fragen, welche dieser Konsumsünden hängen denn MIR PERSÖNLICH auch an – und dann wird diese Sünde angegangen.
    Immer ins statistisch Abstrakte wegzurennen (durchschnittlich kosumieren … im Mittel der Bevölkerung … pro Kopf ergeben sich … etc.), ist der bequemste, billigste Weg, um seinen moralischen Zeigefinger auch ja wieder besserwisserisch schwingen zu können.
    Wer sollte diese Welt denn ändern, wenn nicht jeder erst mal für sich damit anfängt?

    Comment | 11. April 2013
  • @ Florian: Klar ist die Aufzählung dieser “Konsumsünden” nur ein Anhaltspunkt bzw. soll sie deutlich machen, auf welchen Feldern Konsum überall negative Folgen nach sich zieht. Ich würde das auch nicht so verstehen, dass man nichts von der Liste machen “darf”. Aber wie Du schon schreibst, den eigenen Konsum überdenken, das ist der richtige Ansatz.

    Comment | 11. April 2013
  • Peinhart

    Wir leben in einem System, das immer mehr produzieren muss, nur um sich selbst überhaupt zu erhalten. Denn die materielle Fülle, die wir produzieren, ‘zählt’ nicht für’s Wachstum, da zählt nur der (Geld-) Wert. Da aber jeder Artikel mit steigender Produktivität immer billiger wird, trotzdem Umsatz und Gewinn mindestens erhalten werden, noch ‘besser’ immer steigen müssen, müssen wir auch ständig mehr Zeug produzieren. Das bekommt man natürlich noch nicht dadurch geändert, wenn man ‘nur’ sich selbst und seine Konsumgewohnheiten ändert. Trotzdem ist es natürlich richtig, das zu tun. Gerade auch, weil es das System untergräbt. Es sollte einem aber auch bewusst sein, dass man es untergräbt – und dass es damit noch nicht getan ist.

    Comment | 11. April 2013
  • Patrick

    Was hier immer wieder gesagt wird: Viele arme Menschen müssen für Hungerlöhne arbeiten, damit wir das Zeug billig haben können. Wenn der Preis für ein Produkt der doppelte ist, dann würde ich zunächst mal vermuten, dass die dahinterstehenden Konzerne mehr davon haben, aber nicht der Arbeiter der das Zeug herstellt…

    Comment | 11. April 2013
  • @ Patrick: Der Preis ist tatsächlich kein ausreichendes Kriterium für vernünftigen Konsum. Klar, bei billigen Sachen WEISS man, dass Ausbeutung und Umweltzerstörung (und oft auch niedrige Qualität) dahinter steckt, aber höhere Preise werden gerade von den großen Konzernen in Form ihrer durch Reklame aufgeblähten Marken auch abgeschöpft, ohne dass wirklich etwas positiver in der Herstellung läuft. Da muss man dann doch auf entsprechende Siegel usw. achten.

    Comment | 11. April 2013
  • chapultepec

    “…Um Europas Bedarf an Lebensmitteln und Konsumgütern zu befriedigen, werden zusätzlich zu der am Kontinent dafür beanspruchten Fläche 120 Millionen Hektar Land auf anderen Erdteilen verbraucht. Zu diesem Ergebnis kommt das in Wien ansässige Sustainable Europe Research Institute (SERI) in dem von Global 2000 präsentierten Bericht “Kein Land in Sicht”.

    Die von EU-Staaten zusätzlich beanspruchte landwirtschaftliche Fläche entspricht etwa 14-mal der Größe Österreichs. Berechnet wird dieser auch als “virtuelles Land” oder “Land-Fußabdruck” bezeichnete Flächenbedarf nach dem Produktionsaufwand für Konsumgüter…”

    http://derstandard.at/1362107747203/Wie-viel-Land-Europa-ausserhalb-seiner-Grenzen-verbraucht

    Comment | 11. April 2013
  • chapultepec

    s. http://www.weltagrarbericht.de/aktuelles/nachrichten/news/de/27212.html

    Comment | 11. April 2013
  • chapultepec

    und…

    “…Ein Kleinbauer erzielte 22,4 Tonnen Reis (statt 4 bis 5) auf einer Anbaufläche von einem Hektar im Bundestaat Bihar im Norden Indiens. Kleinbauer Sumant Kumar freut sich über diesen Weltrekord-Ertrag, auch wenn westliche Wissenschaftler dagegen wettern…”

    http://www.gute-nachrichten.com.de/2013/02/erfolgsgeschichten/biologischer-anbau-fuehrt-zu-rekord-ernte/

    http://www.guardian.co.uk/global-development/2013/feb/16/india-rice-farmers-revolution

    Comment | 11. April 2013
  • Rene

    Unterhaltsame Doku, aber übertrieben. Die grösste Verschwendung: Wasser in Plastikflaschen, wurde nicht gezeigt, dabei ist das Meer voll Plastik…. PFUI

    Comment | 21. April 2013
  • “Übertrieben” finde ich die Doku sicher nicht. Eher untertrieben bzw. halt alles nur kurz anreißend. Da fehlt noch so einiges in der Liste – das Plastikflaschenwasser ist natürlich ein wichtiger Punkt, stimmt.

    Comment | 21. April 2013
  • gaston

    Milch fehlt noch auf der Liste!

    http://youtu.be/ZCMAIMnI8iw?t=1h41s

    Comment | 23. April 2013

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