Okt
15
2010

Adbusters ruft auf zu einer „week of Carnivalesque Rebellion“ im November

Das kanadische (Internet-)Magazin Adbusters, das als eine zentrale Anlaufstelle für Culture Jammer und Adbuster dient und von Kalle Lasn, einem der Vordenker der „Bewegung“ mitgegründet wurde, ruft immer wieder Aktionen ins Leben, die sich gegen den Konsumismus unserer Tage wenden. So gibt es z.B. einmal im Jahr den (inzwischen in vielen Ländern der Welt initiierten) Buy Nothing Day, es gibt die TV-Turnoff- und Digital-Detox-Week, die die Menschen zum Überdenken ihrer Konsumgewohnheiten bewegen sollen. Dieses Jahr haben die Macher noch Größeres vor – sie wollen eine „Woche der karnevalartigen Rebellion“ starten, um dem Konsumkapitalismus ein Schnippchen zu schlagen. Ich übersetze Euch an dieser Stelle den (etwas vollmundigen bis größenwahnsinnigen) Einleitungstext sowie den Anfangsaufruf, der vor einer Weile veröffentlicht wurde – „Tactical Briefing #1“:


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Seit zwanzig Jahren hat die Culture Jamming-Bewegung Schwung aufgenommen, um eine kulturelle Revolution zu starten, die den Konsumismus stürzt. Diesen November ruft Adbusters und unser weltweites Aktivisten-Netzwerk zu einer karnevalartige Rebellion auf, die den Konsumkapitalismus für eine Woche zum Erliegen bringt.

Können einige tausend „Meme-Krieger“ einen plötzlichen, unerwarteten Augenblick der Wahrheit – einen globalen Sinneswandel – hervorrufen, von denen sich die Konzern-/Konsumkräfte niemals ganz erholen werden? Im Laufe der folgenden Monate werden wir eine Reihe von kurzen Briefings herausgeben, die den sich nähernden Augenblick der Wahrheit vorbereiten – dies ist der erste.

Zwischen dem 22. und 28. November wird die gesamte Welt mit sieben Tagen der karnevalartigen Rebellion entflammen/aufleuchten!

Stellt es Euch als ein Abenteuer, eine Therapie, einen „Buy Nothing Day“ hoch einhundert vor … seht es als die Weltmeisterschaft des globalen Aktivismus an – eine Woche von Streichen und Plakatieren, des Kontra-Gebens und der Wahrheitsverkündung an die Mächtigen. Einige von uns werden unsere Schulen und Nachbarschaft mit Plakaten versehen oder einfach unsere alltägliche Routine für eine Woche brechen. Andere werden singen, ihre Kreditkarten in Einkaufszentren zerschneiden und theatralische Stunts hinlegen, die massenhaft kognitive Dissonanzen hervorrufen. Wieder andere werden Stinkbomben an strategisch wichtigen Punkten werfen und sich in besonders entscheidenden Formen des zivilen Ungehorsams ergehen,

Insgesamt werden Millionen von Menschen auf der ganzen Welt ihre Schulen, Büros und Fabriken für eine Woche verlassen und leben!

Um dies zu schaffen, müssen wir von den Misserfolgen der vergangenen G8/G20-Proteste lernen. Ein paar aufsehenerregende und spektakuläre Gewaltakte (Polizeiwagen in Brand stecken, Fenster einschlagen) werden nicht die Art von globalem Bewusstseinswandel hervorrufen, den unsere Welt so verzweifelt braucht. Und genausowenig wird dies durch Herumsitzen zu Hause und die Bildschirme Anschreien erreicht werden. Wenn unsere sieben Tage der karnevalartigen Rebellion Erfolg haben sollen, benötigen wir eine Vielzahl von Aktionen, die nicht so einfach abgetan werden können wie einzelne Vandalismusaktionen – die Aktionen müssen die Macht der Megakonzerne herausfordern, Menschen dazu bringen, jetzt über die klimatischen Umschlag-/Wendepunkte nachzudenken und die Perversität eines Systems herausstellen, das uns an den Nullpunkt des systemischen Zusammenbruchs gebracht hat.

Was würdest du tun, wenn du Tausende von vernetzten Demonstranten rund um den Globus mobilisieren könntest? Sende uns deine besten Ideen für koordinierte Aktionen zivilen Ungehorsams an memewarriors@adbusters.org und wir werden die ansprechendsten in unseren nächsten Briefings vorstellen.

Um die Sache in Bewegung zu bringen möchten wir mit einem persönlichen Schritt beginnen, den du sofort machen kannst: schwöre dir, niemals mehr in eine Starbucks-Filiale zu gehen. Statt dessen suche dir den nächstgelegenen unabhängigen Coffeeshop in deiner Gegend. Lerne die Leute kennen, die den Laden bereiben und motiviere deine Freunde und Kollegen dazu, es dir gleich zu tun. Auf der individuellen Ebene mag sich dies wie ein Tropfen auf den heißen Stein anfühlen, aber wenn alle 86.000 in unserem Netzwerk dies gemeinsam tun, können wir anfangen, die Macht von den Großkonzernen zurück zu unseren Freunden und Nachbarn zu verlagern.

Diese kleine Veränderung in unserem Leben ist ein guter Weg, um uns in die richtige Stimmung zu versetzen … und während der Woche der Rebellion im November werden diese unabhängigen Cafés zu unseren Treffpunkten und Basen.

AKTION #1: #NOSTARBUCKS

Ein weltweiter Starbucks-Boykott.

Überall in den Städten kehren wir kehren wir dem Konzernkaffee den Rücken und gehen statt dessen in kleine unabhängige Läden.

Verbreite #NOSTARBUCKS über Twitter oder Facebook, verschicke E-Mails, ruft es von den Dächern. Verbreitet die Aktion und schickt uns Feedback. Lasst uns die Stimmung für eine weltumspannende Revolution brauen.

ZIEL: 1 Million florierender unabhängiger Kaffeehäuser bis zum 28. November.

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Seit dem Briefing #1 sind bislang noch 5 weitere von Adbusters veröffentlicht worden. In Tactical Briefing #3 geht es um das „unswooshing“ von Nike:

Im TACTICAL BRIEFING #1 und #2 riefen wir zu einem weltweiten Boykott von Starbucks und einer Wiederbelebung der unabhängigen Cafés auf. Nun setzen wir unseren Angriff auf die Megakonzerne fort und rufen zum „unswooshen“ von Nike auf.

Nachdem Nike im Jahr 2003 Converse übernommen hat, dachte der Konzern, dass er damit den rebellischen Geist, der einstmals das Tragen von Chucks begleitete, einkaufen könnte. Aber weder Revolution noch Coolness sind käuflich – und nun ist der Zeitpunkt gekommen, sich von diesem absolut lächerlichen Megakonzern und seinen Tochterfirmen loszusagen: Converse, Hurley, Umbro und Cole Haan. Benutzt dieses Hashtag für Eure Twittereinträge: #UNSWOOSHNIKE

Tut es einfach: kauft kein weiteres Turnschuhpaar von Nike und regt Eure Freunde an, dies ebenfalls zu tun. Wenn du bereits ein Paar besitzt, übermale das Logo mit einem schwarzen Punkt („blackspot“), so dass es alle sehen können. Nächstes Mal, wenn du an einem Nike-Geschäft vorüber gehst, klebe ein Just Douche It oder All Empires Must Fall Poster an die Eingangstür oder ein Fenster … oder noch besser, geh rein und male überall Blackspots.

Und hilf dabei, das #UNSWOOSHNIKE-Mem zu verbreiten, so dass die Welt weiß, dass Nikes Versuch der von oben gesteuerten, konzernprodizierten Coolness endlich aufhört.

Die anderen drei Briefings werde ich dann demnächst in einem weiteren Blogbeitrag übersetzen.

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7 Kommentare »

  • “[..]etwas vollmundigen bis größenwahnsinnigen[..]”
    Ja, klingt in der Tat größenwahnsinnig.
    Mich würde interessieren was der Autor von diesen Aufrufen hält.

    Wär zwar toll wenn man im großen Stile culture jamming betreiben würde, aber wie kann man Leute zu etwas aufrufen, wenn ein Großteil der Bevölkerung absolut kein Problem im Konsum sieht oder diesen relativiert? Ich glaube wohl kaum das die Welt dadurch “aufleuchten” wird.

    “unswoosh nike” ist in meinen Augen absolut sinnfrei. Man muss doch nicht Nike noch mehr Kohle in den Rachen schmeißen nur um das Logo zu übermalen.
    Gut,wenn ich Nike Klamotten oder Schuhe gebraucht finde oder bereits Zuhause hätte, würde die Sache wieder anders aussehen.

    Ich schau mir mal die restlichen “tactical briefings” an.

    Comment | 15. Oktober 2010
  • ““unswoosh nike” ist in meinen Augen absolut sinnfrei. Man muss doch nicht Nike noch mehr Kohle in den Rachen schmeißen nur um das Logo zu übermalen.”

    Hm…? Das hast Du wohl etwas missverstanden. Es geht ja gerade darum, NICHTS mehr von Nike zu kaufen, wie auch im Aufruf steht. Man soll eben über die existenten Swooshs was drübermalen und (wovon ich mich natürlich aus juristischen Gründen strikt distanzieren muss ;-) ) in die Läden gehen und die dortigen Schuhe “entswooshen”, natürlich ohne sie vorher zu kaufen.

    “Mich würde interessieren was der Autor von diesen Aufrufen hält.”

    Meinst Du mich? Ich bin nur der Übersetzer ;-) aber ich finde die Sache im Prinzip sehr spannend und es wäre schön, wenn wir in einer Welt leben würden, in der Menschen so kritisch mit Konzernen etc umgehen wie die Adbusters zB. Wie Du schon schreibst, sehen die meisten Leute halt kein Problem im Konsum – aber letztlich geht es halt bei der Aktion jetzt darum, für ein wenig mehr Bewusstsein zu sorgen und zu zeigen, was die Abgründe hinter den schillernden Markenfassaden sind.

    Comment | 15. Oktober 2010
  • Ah,ich hatte versehentlich das K vor dem “ein” im Satz “kauft kein weiteres paar Turnschuhe von Nike” überlesen.
    mea culpa.

    Spannend ist es auf jeden Fall,wir werden sehen wie sich das entwickelt.

    Comment | 15. Oktober 2010
  • Habnix

    Verweigert einfach den Kauf im Kosumtempel soweit wie möglich.

    Das reicht.

    Stillstand

    Comment | 15. Oktober 2010
  • Hilli

    Genau solche Aktionen verhindern, dass die breite Masse der Bevölkerung die Ernsthaftigkeit und vor allem Sinnhaftigkeit (!) der Proteste begreifen kann.

    :(

    Als ich die Überschrift im RSS-Reader gesehen habe ich mich noch über hintersinnige Aktionen der Adbuster gefreut.

    Comment | 15. Oktober 2010
  • @ Hilli: Erklär doch bitte kurz, wie Du das meinst bzw was für Dich “hintersinnige Aktionen” wären, die mehr brächten.

    Comment | 15. Oktober 2010
  • klingt super, hierzulande hat aber nicht mal der buy nothing day fuktioniert. es gibt keine zusammenhängende culture jamming szene oder so etwas, nur vereinzelte individuen, im wahrsten sinne des wortes, die meist noch selbst zu sehr im system drin stecken.

    Comment | 21. Oktober 2010

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