Kategorie: Gesellschaft Seite 7 von 43

Starbucks, Google & Co. – die schmarotzenden Großkonzerne

So, bevor der Blutdruck zum Wochenende hin gar zu tief in den Keller sackt, hier ein kleiner Aufreger aus der ARD-Sendung Monitor, um das Blut wieder in Wallung zu bringen – „Google, Starbucks & Co.: Milliardengewinne fast steuerfrei“. Natürlich ist es für regelmäßige Leser meines Blogs nichts wirklich Neues, zu erfahren, dass die großen Unternehmen ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit machen und ihre Marktmacht durch politisches Zutun (oder zumindest politisches Nichtstun) weiter wächst, zum Schaden kleinerer Anbieter. Ich denke da nicht nur an die obskuren, ausschließlich der Steuervermeidung dienenden Firmenkonstruktionen bei Aldi & Lidl, sondern z.B. auch an Ikea.

Internationale Unternehmen wie Starbucks, Google, Facebook oder Apple machen in wohlhabenden Ländern wie Deutschland Milliardenumsätze – doch Steuern zahlen sie darauf kaum. Mit legalen Tricks verlagern sie ihre Gewinne statt dessen in Länder mit niedrigen Steuersätzen. So machte Google 2010 international einen Gewinn von 5,8 Mrd. Dollar und zahlte darauf nur 3% Steuern. Bei anderen Unternehmen sieht es ähnlich aus. Die EU könnte nur mit Zustimmung aller Mitgliedsstaaten dagegen vorgehen. Doch weil einige EU-Länder selbst von dem System profitieren, gilt das als sehr unwahrscheinlich. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat trotzdem kämpferisch verkündet, gegen diese Steuertricks vorzugehen. Was er verschweigt: In Deutschland ermöglicht es die Regierung den Konzernen, ihre Steuerzahlungen geheim zu halten – so dass die Öffentlichkeit die schlechte Steuermoral vieler Konzerne in Deutschland nicht nachvollziehen kann

P.S.: Und denkt dran, dieses Wochenende ist Buy Nothing Day – der perfekte Anlass, von obigen Firmen schon mal nichts zu kaufen.

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Der Buy Nothing Day 2012 am 23. & 24. November

Alle Jahre wieder… naht nicht nur die konsumgeile (Vor-)Weihnachtszeit, sondern auch der von den kanadischen Adbusters, den Mitinitiatoren der Occupy-Bewegung, ausgerufene Buy Nothing Day, der mittlerweile in 60 Ländern der Welt „begangen“ wird. Einen Tag lang nichts einzukaufen, ausgerechnet an dem Wochenende, an dem in den USA traditionell das Geld nur so aus dem Fenster geschmissen wird, das ist die Herausforderung. Im Jahr 2012 findet das Ganze am 23. & 24. November statt und ist gleichzeitig der Auftakt zu den Buy Nothing X-Mas. Ich übersetze mal eben den „offiziellen“ Adbusters-BND-Artikel, der im gewohnt leicht überzogenen Stil daherkommt (sich dabei natürlich an den religiös aufgeladenen „Weihnachtssound“ anlehnt):

Seit Generationen wurde Weihnachten durch den Kommerz gekidnappt… dieses Jahr werden Lehrer, Occupyers, Empörte und alle anderen Menschen in über 60 Ländern den Feiertagen zur Hilfe eilen, mit einem ganzen Monat von ent-kommerzialisierendem, lebensverändernden Spaß…

Alles beginnt mit einer persönlichen Herausforderung: nimm Dir vor, dieses Jahr am Buy Nothing Day teilzunehmen… Du könntest eine unerwartete Erleuchtung erleben!

Schließe Dich am 23./24. November Millionen anderer Menschen an und stelle fest, wie es sich anfühlt, für 24 Stunden mit dem Konsumieren zu aufzuhören. Geh auf kalten Entzug von der Konsumkultur! Wie diejenigen, die diese magische Einladung vor Dir angenommen haben, könntest Du mit einer Dein Leben beeinflussenden Verschiebung der Sichtweise belohnt werden  – einen Einblick darin, wie man weniger konsumiert und dafür mehr lebt auf diesem wertvollen Planeten…

Und dann geh den nächsten Schritt, erweitere die Freude des Buy Nothing Days, indem Du mit Deiner Familie zusammenkommst und Ihr entscheiden, Weihnachten dieses Jahr anders zu begehen.

Wenn Du bereits ein erfahrener Culture Jammer bist oder die persönliche Herausforderung des Buy Nothing Day für zu einfach hältst, dann häng ein Poster in Deiner Nachbarschaft oder dem Unigelände auf, organisier ein „Credit Card Cut Up“… zieh einen „Whirl-mart“ ab… einen „Christmas Zombie Walk“ durch Dein örtliches Einkaufszentrum… oder schmeiß eine Keine-Geschenke-Party zu Buy Nothing Xmas!

Credit Card Cut Up (Kreditkartenzerschneiden)
Stell Dich in eine Einkaufszone mit einer Schere und einem Schild, das einen einfachen Service anbietet: steigende Schulden und exorbitante Tilgungsraten mit einem einfachen Schnitt zu beenden.

Zombie Walk
Die frühlichen Untoten wandern durch die Einkaufszentren, bewundern die leeren, komatösen Gesichtsausdrücke der Shoppenden. Die Zombies sind froh, unter ihresgleichen zu sein, aber ein wenig verächtlich gegenüber denjenigen,die noch nicht am Verrotten sind.

Whirl-Mart
Du und neun Deiner Freunde fahren wortlos mit ihren leeren Einkaufswagen herum, in einer langen, unerklärlichen Polonaise, ohne jemals etwas zu kaufen.

Es gibt inzwischen auch eine eigene britische Website dazu: www.buynothingday.co.uk


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Die Gen-Verschwörung – Eine Spurensuche

Kritische Dokumentationen über Gentechnik und gentechnisch veränderte Landwirtschaftsprodukte wie Mais und Soja gibt es inzwischen ja doch einige – sehr erfreulich, dass Monsanto & Co. ihr schändliches Treiben nicht ohne Widerstand durchführen können. Die Doku „Die Gen-Verschwörung – eine Spurensuche“ lief letztes Jahr auf Phoenix, ist aber schon etwas älter, und zeigt weitere Facetten der zum Teil bedrohlich wirkenden Strukturen der Gentechnik-Konzerne:

Wie gefährlich ist die Gentechnik wirklich?
Bei seiner Recherche in Belgien und den USA findet der Film eine Menge ungeklärter Fragen zur Sicherheit gentechnisch veränderten Essens, wirft einen Blick hinter die Kulissen der Biotech-Industrie und stößt auf ein Netzwerk auf Politik und Wirtschaft bei Zulassungsverfahren. In Argentinien findet Ladwig einen bislang völlig unbeachteten Aspekt der Gentechnik: den einseitig massiven Einsatz von Pestiziden bei gentechnisch verändertem Saatgut, denn die Hersteller dieser sogenannten GMO`s sind weltweit agierende Chemieunternehmen. Die Recherche beleuchtet erstmals auch die wirtschaftlichen und politischen Hintergründe der Gentechnik.

 

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Für eine plurale VWL

Ab und an stimme ich hier im Blog ja auch mein Klagelied darüber an, dass die sog. Wirtschafts„wissenschaften“ VWL & BWL letztlich nur eine einseitige ideologische Zurichtung junger Menschen auf den neoliberalen Marktkampf darstellen und keineswegs eine kritische Auseinandersetzung mit herrschenden Dogmen fördern. Das war bereits zu meiner Zeit an der Uni so, und das hat sich bis heute, „Dank“ Bachelor etc. nicht verbessert. Darum wundert es mich auch nicht, dass es inzwischen vermehrt Versuche gibt, VWL aus dieser Sackgasse herauszubringen. Wie die Aktion „Netzwerk Plurale Ökonomik“:

Das Netzwerk Plurale Ökonomik ist ein Zusammenschluss von Initiativen, die sich für eine Veränderung innerhalb der Volkswirtschaftslehre einsetzen. Der gemeinsame Nenner ist der offene Brief, der die Notwendigkeit einer Neugestaltung der Volkswirtschaftslehre unter den Vorzeichen von Theorien- und Methodenvielfalt sowie Selbstreflexion verdeutlicht.

Mittel zur Erreichung dieses Zieles

  • Offener Brief sowie systematische Überprüfung der Forderungen an einzelnen Universitäten
  • Multiplikation erfolgreicher Veranstaltungen der Netzwerkmitglieder, z.B.: Vorlesungen, Seminare, Vortragsreihen, Kongresse
  • Entwicklung alternativer Lehrmodule
  • Aufbau und einer gemeinsamen Literatur- und Materialsammlung
  • Ausbau der derzeitigen Homepage, z.B. Überblickskarte existierender Gruppen und plurale Studiengänge
  • Regelmäßige Treffen
  • Erweiterung des Netzwerkes durch neue Mitglieder

Der vorherrschende Modellplatonismus, mangelnde Selbstreflexion und fehlende Methoden- und Theorienvielfalt haben nicht nur unser Fach in eine Sackgasse geführt: die Einseitigkeit ökonomischen Denkens trägt auch zur anhaltenden Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden Perspektivlosigkeit bei. Mit dem offenen Brief wollen wir, Studierende und Lehrende der Volkswirtschaftslehre, auf den alarmierenden Zustand unseres Faches aufmerksam machen und konstruktiv an der Neugestaltung der Volkswirtschaftslehre mitwirken.

Dazu passt auch der Beitrag von ZDF info über den beklagenswerten Zustand der VWL (man muss schon staunen, dass es wirklich Leute gibt, die glauben, eine komplexe Gesellschaft mit Hilfe von Formeln erfassen zu können). Inwieweit die Wirtschafts„wissenschaften“ zu retten sind und ob sie nicht Teil des Problems sind, das sie zu bekämofen vorgeben, ist eine spannende Frage:

 

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Lesetipps: FDP-Firmengeflecht | Euro-Tode | Hände weg von News | Wasserverschwendung

Ist es nicht wunderbar, wenn man die derzeitige Posse der Politiker sieht, wie sie sich über Steinbrücks (fürwahr fragwürdige) Nebeneinkünfte echauffieren und Transparenz fordern. Naürlich nur bei den anderen Parteien, sonst müsste man am Ende noch offenbaren, aus welchen Kanälen Leute von CDU oder FDP so ihr Geld erhalten. Für mich ist es schon reichlich rätselhaft, wieso es gestattet ist, dass gut bezahlte Bundestagsabgeordnete noch so viel Zeit aufwenden, um „nebenbei“ stattliche Summen zu verdienen. Aber gleichwie – gerade aus den Reihen der FDP sind natürlich jegliche Vorwürfe an Mitglieder anderer Parteien bezüglich undurchsichtiger Einkünfte besonders lächerlich, sind die „Liberalen“ doch DIE Klientelpartei schlechthin. Das ARD-Magazin Panorama ist der Sache mal etwas näher auf den Grund gegangen und hat dabei das Firmengeflecht der FDP unter die Lupe genommen. „Verdeckte Geldflüsse“ Unglaublich, obwohl man nichts anderes erwarten konnte…

Nach den großen Parteispendenskandalen der letzten Jahrzehnte hatten die Parteien Besserung gelobt. Mehr Transparenz, schärfere Kontrollen. Schluss mit dubiosen Geldflüssen durch dunkle Kanäle. Seitdem hat sich viel geändert. Das Geld fließt allerdings nach wie vor. Nur über noch verschlungenere Wege. Eine Partei hat es dabei zur Meisterschaft gebracht. Achim Pollmeier, Matthew D. Rose und Kim Otto haben versucht, den Überblick zu behalten im schier undurchdringlichen Firmengeflecht der FDP.

Zum Thema „Abgeordnete und ihre Nebentätigkeiten“ hat die Deutsche Welle auch noch ein bisschen was Gehaltvolles geschrieben.

(…) Die UN-Konvention gegen Korruption (UNCAC) hat Deutschland zwar im Jahr 2003 unterzeichnet, aber seit neun Jahren nicht in eigenen Gesetzen verankert. Die Beeinflussung von Abgeordneten über Geldzahlungen, Beraterverträge oder lukrative Nebenjobs ohne tatsächliche Gegenleistungen bleibe daher nahezu folgenlos, meint der Geschäftsführer von Transparency International in Deutschland, Christian Humborg: “Das ist eine Schande für einen demokratischen Staat wie die Bundesrepublik.” Deutschland verhalte sich damit nicht anders als Staaten wie Sudan, Somalia oder Syrien. (…)

Apropos Geld – der Euro ist ja nun sowas von tot. Seit langem schon, jedenfalls wenn man den Alarmisten beim ehemaligen Nachrichtenmagazin Spiegel Glauben schenken will. Meedia.de hat sich den Spaß gemacht, ein wenig in den Spiegel-Titelseiten der vergangenen Jahre zu blättern und dabei beachtliche Parallelen festgestellt – „Der Spiegel und die vielen Euro-Tode“. (Gleiches lässt sich natürlich auch bei anderen Magazinen zu anderen Themen finden – da werden Sachen gerne im Ein-/Zwei-Jahresrhythmus leicht verändert wieder auf die Bühne gezerrt. Qualitätsjournalismus eben.)

Wenn es nach dem Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel ginge, dann müsste der Euro schon längst weg sein. Untergegangen, verbrannt, zerbrochen, zerbombt, vernichtet. Viele Male hat der Spiegel den Euro auf seinem Titelbild schon sterben lassen und dabei fleißig Welt- und Gelduntergangsstimmung geschürt. Auch auf dem Spiegel-Titel dieser Woche zerfließt der Euro mal wieder. Wir haben die Euro-Untergangs-Titel der vergangenen drei Jahre des Spiegel mal zusammengefasst.

Bei all solchen Nachrichten frage ich mich ja bekanntlich schon zuweilen, ob es nicht besser ist, den Zustrom von solchen Informationen zu bremsen. Vor allem die normalen Nachrichten wie Tagesschau etc. meide ich tatsächlich schon seit langem, weil hier oft profanen Ereignen eine Pseudo-Wichtigkeit zuerkannt wird, die den Blick aufs große Ganze verstellt. Dieser Meinung ist auch Rolf Dobelli in Der Zeit – „Klarer Denken: Hände weg von News“:

(…) Wir sind so gut informiert und wissen doch so wenig. Warum? Weil wir vor zweihundert Jahren eine giftige Wissensform namens »News« erfunden haben, Nachrichten aus aller Welt. News sind für den Geist, was Zucker für den Körper ist. News sind appetitlich, leicht verdaulich – und langfristig schädlich.

Vor drei Jahren startete ich ein Experiment. Ich beschloss, keine News mehr zu konsumieren. Ich kündigte sämtliche Tageszeitungsabos. Fernseher und Radio wurden entsorgt. Ich löschte die News-Apps vom iPhone. Ich berührte keine einzige Gratiszeitung mehr und schaute bewusst weg, wenn im Flieger vor mir jemand die Zeitung aufspannte. Die ersten Wochen waren hart. Sehr hart. Ständig hatte ich Angst, etwas zu verpassen. Doch nach einer Weile stellte sich ein neues Lebensgefühl ein. Das Ergebnis nach drei Jahren: klareres Denken, wertvollere Einsichten, bessere Entscheidungen und viel mehr Zeit. (…)

Zum Abschluss noch zwei Artikel, die thematisch nicht direkt zu dem bisherigen passen, deshalb führe ich sie einfach mal so auf. Das Klimaschutzkochmobil hat eine anschauliche Grafik veröffentlicht, die den Wasserverbrauch unterschiedlicher Nahrungsmittel zeigt und verdeutlicht, was für eine Umweltsünde Fleischkonsum darstellt (einfach auf das Bild klicken, um es in lesbarer Größe zu sehen):

Der Eifelphilosph macht sich in „Der Maschinengott des Todes und die Menschen: Anleitungen zum Widerstand“ seine Gedanken über unsere moderne Wirtschaftsgesellschaft. Etwas längerer, aber lohnenswerter, da durchaus streitbarer Artikel:

Sonntag, 7.10. 2012. Ein Tag, an dem man eigentlich dankbar sein sollte, dass es die Kirche gibt. Warum? Ganz einfach: ohne Kirche kein Sonntag. Wird gerne vergessen, aber ist halt so. Sonntagsarbeit galt als “Sonntagsfrevel”: die Seele drohte Schaden zu nehmen (siehe Wikipedia).  Nun – die Maschinenwelt hat keinen Sinn für solch’ romantischen Unsinn, der Sonntag wird zunehmend zu einem ganz normalen Tag, an dem der Bürger seinen Produktionsdienst abzuleisten hat. Dieser Produktionsdienst ist in unserer Kultur elementar wichtig – so wichtig wie das Gebet für die Kirche. Rational ist er nicht mehr zu begreifen – eher im Gegenteil. Wird die moderne kapitalistische Kultur nicht gestoppt, dann wird sich die Erde in einen leblosen  Müllplaneten verwandeln, dessen Werte als elektronische Informationen auf einer Riesenfestplatte gespeichert sind, die sicherheitshalber in einem Satelliten die Erde umkreist. Vielleicht werden wir in einer Million Jahre dann von Teleskopen von der Venus beobachtet, von Leuten, die sich fragen, warum es wohl auf der Erde gar kein Leben gibt – und warum sie dem Mars so ähnlich ist. Manche Romantiker werden davon träumen, das es vielleicht dereinst Leben auf der Erde gegeben hat  – so wie dann auf der Venus. Sie werden ausgelacht werden, während sie durch ihre Teleskope starren und die Zukunft ihres eigenen Planeten direkt vor Augen haben.

Viele werden nun denken: hier wird übertrieben.

Schön, wenn man noch so naiv sein kann.

Das geht wohl nur mit ganz viel privaten Verblödungsfunk und öffentlichen Wohlfühlmedien, deren Aufgabe vor allem darin besteht, den WAHREN GLAUBEN zu vermitteln, der besagt, das unser Gott der einzig wahre ist, das alle anderen Götter gar nicht existieren und das jemand fürchterliche Frevel begeht (dem Sonntagsfrevel gar nicht so unähnlich), wenn er an nicht so lebt wie wir. Unser Gott? Nun – öffentlich wahrnehmbar ist es der “Gibt-kein-Gott”- Gott, der Atheismus, der eine der stärksten und ignorantesten Formen von Glauben darstellt. Das aber ist nur ein Eckpfeiler jener neuen Religion, die uns alle in ihren Dienst zwingt. Ein anderer Eckpfeiler ist “der Markt”, der als Hand des neuen Gottes auf Erden wahrnehmbar ist. Jeder zittert vor ihm, jeder fürchtet sich vor ihm und wirft sich ehrfürchtig und demütig in den Staub, sobald er naht.

Ist natürlich irrationaler Mumpitz wie jede Religion. Und wie so oft: die Priester wissen das. Sie verdienen gut an diesem Glauben. Der Spiegel demonstriert das gerade sehr gut: in einer Infografik wird erläutert, wie Hedgefonds automatisch Bürger enteignen. Die Enteignung geht inzwischen sogar soweit, das sogar Marineschiffe beschlagnahmt werden (siehe ebenfalls Spiegel) – der erste Schritt zu Auflösung auch der militärischen Souveränität der Staaten scheint getan. Sollte man sich merken, wird irgendwann ein historischer Tag, vielleicht sogar ein Feiertag der neuen Religion. (…)

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Schönheitssalon für Fünfjährige – Abartiges aus unserer Mediengesellschaft

Na, mal Hand aufs Herz – wer von Euch sieht zumindest gelegentlich das reklameverpestete Privatfernsehen, und dort am besten noch solche Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel” oder ähnlichen Castingquark? Ich hoffe mal, dass sich keiner meiner Leser angesprochen fühlt ;-) – ich jedenfalls bekomme die Abgründe und Auswüchse des Kommerzfernsehens nur noch via fernsehkritik.tv mit und bin nach den wenigen Ausschnitten dann bereits mehr als bedient. Neben den unsäglichen Sendungen, in denen Leute bloßgestellt und vorgeführt werden – schönfärberisch als „Doku-Soap“, „Scripted Reality“ o.ä. bezeichnet –, die mit Sicherheit nicht dazu beitragen, Menschlichkeit und Solidarität zu erzeugen, sind es vor allem die oben von mir genannten Formate, in denen abstruse Schönheitsideale aufgebaut und ausgeschlachtet werden, die mir sauer aufstoßen.

Denn mitnichten ist das alles nur „bloße Unterhaltung“ (so nach dem Motto: wen’s nicht interessiert, der muss es ja auch nicht einschalten!), die da vor sich hin dudelt und als Beiwerk zu den Werbestrecken dient (und von daher vorwiegend kommerziellen Charakter hat) – sondern solche Sendungen sickern nach und nach ins Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten ein, erzeugen Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen und lassen eben überhöhte und künstlich aufgebauschte Vorbilder entstehen. Dieses Thema hatte ich ja in meinem Blog schon einige Male am Wickel, ich erinnere da an die britische Dokumentation Starsuckers, die zeigte, was solche Inhalte mit Menschen und der Gesellschaft anstellen, oder an meinen Artikel „Ausbeutung: Casting-Idole und ihre Wirkung“. Aber man kann meines Erachtens gewisse Dinge durchaus öfter thematisieren, und dies will ich heute tun.

Denn die BR-Sendung quer brachte unlängst einen Beitrag, der einen durchaus zum Nachdenken anregen könnte – „Marktlücke Prinzessin: Schönheitssalon für Fünfjährige“. Ich weiß nicht, wie Ihr das findet, aber mri läuft es da kalt den Rücken runter, wenn ich das sehe:

Dass in München vor kurzem ein Beauty-Salon speziell für junge Mädchen eröffnet hat, ist nichts Exotisches mehr. Casting-Agenturen für kleine Prinzessinnen, Makeup für Sechsjährige, glamouröse Hochfrisuren – immer mehr versucht die Industrie unsere Kleinsten bereits zu erwachsenen Frauen zu machen, die einem rückwärtsgewandten Rollenbild entsprechen. Doch nun formiert sich Widerstand.


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Givebox – Ein Geben und Nehmen

Heute will ich Euch mal wieder etwas aus der Rubrik „Alternativen zum kapitalistischen Warenverkehr“ präsentieren – an vielen Ecken gibt es nämlich Initiativen von Bürgern, um dem Diktat des Marktes, des Kaufens und Verschwendens entgegenzutreten und der industriellen Marketingmaschinerie ein Schnippchen zu schlagen. Seit einiger Zeit tauchen immer mehr sog. „Giveboxes“ in diversne Städten auf, die eine Ergänzung zu den Bücherschränken sind, in die jedermann etwas reinstellen und wieder rausnehmen darf. Die WDR-Sendung markt brachte in „Givebox: Geben ohne Bedingungen“ einen kleinen Bericht zum Stand der Dinge:

Wer kennt das nicht: Da lagern irgendwo noch ausrangierte Kleidungsstücke, gelesene Bücher und vieles mehr. Was hier nutzlos verstaubt, kann aber woanders vielleicht noch sinnvoll genutzt werden.

Die Idee ist einfach: Was noch gut ist, man aber selbst nicht mehr braucht, kommt in die Givebox. Das ist ein einfacher Holzverschlag irgendwo am Straßenrand oder auf einem Platz. Man kann sich ein anderes Stück herausnehmen oder auch nicht. Einfach spenden ist erlaubt, wie auch einfach mitnehmen.

Am Düsseldorfer Hermannplatz zum Beispiel ist die Givebox so ein schlichter Holzverschlag mit Dach und einem Duschvorhang als Tür. An drei weiteren Stellen in der Stadt sowie in Münster, Siegen, Frankfurt, Hamburg und Berlin haben Bürger inzwischen solche Tauschcontainer aufgestellt. Da können Tauschwillige auch schon mal einen Markenanzug, Brettspiele, Spielzeug und Bücher finden. Eine Givebox ist also kein Müllabladeplatz, sondern eher eine Mischung aus permanentem Flohmarkt und Tauschbörse.

Bürger für Bürger

Entstanden sind alle Boxen auf Eigeninitiative engagierter Menschen. Gebaut wurde mit möglichst bescheidenen Mitteln, gefragt wurde niemand, oft nicht einmal die Behörden. Haftung bei Unfällen und Vandalismus stellen jedoch ernste Probleme dar. In Düsseldorf wurde eine Givebox angezündet und brannte ab. Einige Monate später stand jedoch schon wieder Ersatz an der gleichen Stelle. Lokale Paten schauen sich regelmäßig die Box an, sortieren Unbrauchbares aus und sind Ansprechpartner für Mitbürger und Behörden.

Doch die Lösungen sind bei fast jeder Givebox anders. Mal wurde vorher doch mit den Behörden gesprochen, mal sich der Hilfe einer Kirchengemeinde versichert. Wie viel Verantwortung einer übernehmen will und wie viel Engagement jeder zeigen will, ist ihm selbst überlassen.

Organisiert wird übers Internet

Zur Organisation werden häufig die lokalen Givebox-Gruppen auf Facebook genutzt. Dort werden Termine und Pläne ausgetauscht und auch größere Gegenstände wie Kühlschränke direkt zum Verschenken angeboten. Entscheidend ist jedoch, dass sich genug Unterstützer für den Bau und die Arbeitstreffen zusammenfinden.

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Da hilft doch nur noch Auswandern

Als ich am Freitag zufällig vor der heute show das Politbarometer sah, staunte ich wahrlich nicht schlecht – die Deutschen sind offenbar noch blöder, als man das gemeinhin schon meinen muss:

Wie kann das sein, dass das schwarz-gelbe Chaos, die Klientelpolitik und das Durchlavieren durch unsoziale Projekte als „gute Regierung“ empfunden wird? Welche Drogen haben 60 % der Befragten genommen? Oder ist das nur Realsatire, haben sich die Befragten einen bösen Scherz mit dem ZDF erlaubt? Zu solchen Umfrageergebnissen, wie auch der Tatsache, dass angeblich eine Mehrheit der Deutschen auf eine Große Koalition hofft, fällt mir echt nichts mehr ein. Aber wie der Trueten-Blog schon ganz richtig konstatiert:

Was bleibt dann als wirkliche Gegenwehr? Die Beispiele aus Griechenland, Spanien und Portugal zeigen es vielleicht am schärfsten. Es wird am Aufbau von Massenbewegungen zu arbeiten sein, die soviel Druck erzeugen, dass sogar fest zusammengebackene Regierungskoalitionen am Ende sich brüchig zeigen. Auch für die, die daran interessiert sein sollten, hat ab heute die Vorbereitungszeit begonnen.

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Schweine für den Müllcontainer – Billigfleisch und seine Folgen

Schade, dass die wirklich wichtigen Filme eher auf versteckten Sendeplätzen laufen – der SWR zeigte diesen Mittwoch um 21 Uhr Edgar Verheyens brisante Dokumentation „Schweine für den Müllcontainer – Warum es zu viel Fleisch gibt“:

Fressen und gefressen werden: Die moderne Landwirtschaft hat diesen Kreislauf durchbrochen. Millionen Schweine werden niemals gegegessen: Sie sterben nur, um weggeworfen zu werden. Warum ist das so? Wer verdient daran? Geht es auch anders?

55 Millionen Schweine werden jährlich in Deutschland geschlachtet. Bis zu einem Drittel davon landen niemals in einer Bratpfanne, sondern auf dem Müll. Trotzdem boomt die industrielle Schweinezucht, es entstehen riesige neue Tierfabriken. Und die sind politisch offensichtlich gewollt. EU, Bund und Länder fördern eine industrielle Massentierzucht, die zu Überproduktion führt. Für die großen Züchter lohnt sich dieses Geschäft selbst dann noch, wenn der Markt längst übersatt ist.

Der Film nimmt die Zuschauer mit auf die Suche nach den vielen Geldquellen, die die Politik für immer mehr Billigfleisch erschließt. Und er zeigt die Folgen. 20.000 Mastschweine in einem Stall, das bedeutet: Dahinvegetieren in Schmutz, Enge und Dunkelheit, ständig geplagt von Krankheitserregern. Der Gestank ist entsetzlich, der Mensch hält es nur kurze Zeit in den Ställen aus, berichtet ein Tierschützer, die Zustände in deutschen Zuchtbetrieben mit der Kamera dokumentiert. Rund zehn Prozent der Schweine sterben dort, bevor sie schlachtreif sind.

Der Film ist an vielen Orten dabei, wo Fleisch auf dem Müll landet: Von dem, das in den Handel gelangt, werfen die Supermärkte bald darauf vieles weg, weil es die Haltbarkeitsgrenze überschritten hat. Die Gastronomie kann sich zu niedrigen Kosten mit Vorräten eindecken – das Wegwerfen schmerzt später kaum. Ebenso legen viele Verbraucher abgepacktes Fleisch quasi auf Verdacht in den Einkaufswagen und werfen es oft unausgepackt weg.

Die Dokumentation von Edgar Verheyen fragt aber auch nach einer Alternative. Das Filmteam besucht die Hermannsdörfer Landwerkstätten, einen Musterbetrieb nachhaltiger Tierzucht. Sein Gründer ist Karl Ludwig Schweisfurth, einst Pionier der Fleischindustrie in Deutschland, als Chef des Herta-Konzerns europäischer Marktführer. Das Geschäft, das ihn einst reich machte, sieht er längst kritisch: Haben wir das gewollt – immer billiger, damit wir immer mehr Fleisch fressen? Fazit: Fleisch essen, ohne sich zu ekeln – das ist möglich. Aber wenn alle Schweine, die die Deutschen essen, so leben sollten wie in Schweisfurths Landwerkstätten, dann wäre Fleisch um ein Vielfaches teurer.

Wiederholt wird das Ganze an folgenden Tagen, falls jemand kein YouTube empfängt ;-) :

am 28.09.2012, 01.15 Uhr im SWR Fernsehen
am 02.10.2012, 00.45 Uhr im SWR Fernsehen
am 02.10.2012, 18.30 Uhr in EinsPlus
am 03.10.2012, 11.45 Uhr in EinsPlus
am 04.10.2012, 08.45 Uhr in EinsPlus
am 05.10.2012, 05.00 Uhr in EinsPlus
am 06.10.2012, 02.00 Uhr in EinsPlus

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Too much information? Von Überfluss und Überdruss

© flaivoloka, stock.xchng

Vor einer Weile las ich den zwar nur kurzen, aber dennoch nachdenklich stimmenden Artikel „Vom Leben unter’m Himmel, der uns gleich auf den Kopf fällt“ im Digital Diary-Blog, nebst der dazugehörigen Diskussion im Kommentarbereich. Sie wirft darin die Frage auf, wie man als informierter und kritischer Mensch mit den ganzen Hiobsbotschaften, die tagtäglich auf einen einprasseln, umgeht:

Vielleicht lese ich einfach zuviel? Derzeit kann ich gar nicht anders als mir morgens die Nachrichten über die laufenden Katastrophen zu Gemüte zu führen. Steigende Schulden, sinkendes Wachstum, kriselnder Euro, Kaputtsparen der Länder und Gemeinden, radikale Republikaner auf dem Weg an die US-Macht, Kampf ums Internet und letzte Rohstoffe, Kriegstreiberei in Nahost, massenhafte Verarmung, insbesondere im Alter, wogegen Reiche immer reicher werden. Und während alledem schmilzt das Polareis in der Arktis wie noch niemals zuvor, was unser gewohntes Leben in “gemäßigten Breiten” auf Dauer mehr bedroht als alles andere. (…)

Angesichts dieser Diskrepanz zwischen gefühltem Alltagsbefinden und katastrophaler Weltlage ist mir seltsam mulmig zumute. Der Himmel droht uns auf den Kopf zu fallen, fällt jeden Tag ein wenig mehr – aber noch geht alles so weiter als wär’ nichts.

Eine Frage, der ich mich in der letzten Zeit auch vermehrt stelle. Der derzeitige Sparmodus, in dem mein Konsumpf aktuell läuft, hat zwar vor allem mit stark eingeschränkter Zeit auf meiner Seite zu tun, aber ich komme doch nicht umhin, auch eine gewisse Schreibblockade oder Schreibmüdigkeit bei mir zu konstatieren. Wenn man sieht, welche Strömungen weltweit an Einfluss gewinnen (seien es nun die Rechten in den USA um die Tea Party und Präsidentschaftskandidat Romney, oder auch islamistische Extremisten) und wie große Konzerne immer größer und mächtiger werden, während die Bevölkerung im gleichzeitig atemlos am Ticker von Spiegel Online hängt, um zu erfahren, welche tollen neuen Features wohl das neue iPhone 5 von Apple haben mag, dann kann man schon verzweifeln.

Auf der einen Seite fühlt man sich dann machtlos, weil anscheinend wirklich nur ein geringer Prozentsatz der Menschen sieht oder sehen will, was um sie herum passiert, auf der anderen Seite muss man ernstlich Angst haben, dass unsere jetzige angeblich „freie“ Gesellschaft auf eine große Katastrophe zusteuert. Sehenden Auges, untermalt von den apokalyptischen Reitern von medialer Verblödung und Reklametamtam. Eine extreme Kurzsichtigkeit sowohl bei den Leuten selbst als auch bei den gewählten Vertreten, den Mächtigen, scheint das vorherrschende Paradigma zu sein. Hauptsache irgendein Problem durch Flickenmaßnahmen für ein paar Monate, bis zum Ende der Wahlperiode, in die Zukunft verlagern, und der Rest muss einen dann ja nicht mehr kümmern. Genauso wie für den Erhalt mies bezahlter Jobs Umwelt und Gesundheit geopfert werden, werden viele so halbwegs laufende Prozesse, die aber langfristig zerstörerisch sind (man denke nur an den Wahnsinn Auto) aufrecht erhalten, weil: „wurde ja schon immer so gemacht“! Konservative und beharrende Kräfte gewinnen wieder an Macht, hierzulande ist eine Frau Merkel beliebteste Politikerin, obwohl sie ihre Entscheidungen vor allem auf dem Kalkül der Machterhaltung trifft. Aber Hauptsache, Kandidatin XYZ schafft es in der Supermodelshow in die nächste Runde, dann kommt alles andere von ganz alleine…

Kurz und gut – die Frage, die ich mir auch stelle, ist, ob man nicht eventuell zu viel (negative, bedrückende) Information aufsammelt, wenn man sich in kritischen Blogs und Netzwerken tummelt, und ob einen diese Informationen am Ende vor allem lähmen. Ich weiß es manchmal selbst nicht, zumal ich mit meinem Blog ja durchaus auch viel Mahnendes verbreite. Werden solche Informationen überhaupt etwas verändern oder passieren die wirklich wichtigen Weichenstellungen nicht eh ganz woanders, und ob wir nun Bio und Fair Trade einkaufen oder Nestlé-Produkte meiden, macht am Ende keinen Unterschied. Naja, das musste ich mal loswerden – mal schauen, wie ich mich aus dem aktuellen Motivationsloch wieder empor arbeite. Bleibt mir gewogen. :-)

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