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Pillen aus der Drogerie: Wirksam oder unnötig?

Hin und wieder beschäftige ich mich hier im Blog ja auch mit einer besonderen Form des Konsums – nämlich dem von Medikamenten und Ähnlichem. Denn wenn es um die Gesundheit geht, ziehen Unternehmen den Menschen mit teils abenteuerlichen, teils ausgesprochen windigen bis unseriösen Reklameversprechen das Geld aus der Tasche. Die NDR-Sendung Markt hat neulich einige dieser frei erhältlichen Nahrungsergänzungsmittelchen unter die Lupe genommen und kam zu wenig schmeichelhaften Ergebnissen. Sehr schön zu sehen, wie sich die Hersteller da herauszureden versuchen – „Pillen aus der Drogerie: Wirksam oder unnötig?

160 Millionen Euro Umsatz haben Supermärkte und Drogerien innerhalb eines Jahres in Deutschland mit freiverkäuflichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gemacht. Ob schwere Beine, Rheuma oder Gedächtnisstörungen – für viele Leiden scheint es die richtigen Pillen zu geben. Aber wie gut sind die Mittel tatsächlich?

Es ist so bequem, neben dem Shampoo auch gleich eine Pille für das Gedächtnis oder die Blase zu kaufen. Was ist an den Werbeversprechen von Pillen aus der Drogerie dran?

(…) Karin Riemann-Lorenz von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht insbesondere im Zulassungsverfahren von Nahrungsergänzungsmitteln einen Missstand: “Wir sehen da viel Wildwuchs. Im Prinzip kann jedes Lebensmittel in Pillenform gepresst werden und als Nahrungsergänzung mit einer Gesundheitswirkung belegt und verkauft werden, ohne dass der Hersteller bislang Nachweise dafür bringen musste.” Darauf ist auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, aufmerksam geworden. Sie untersucht zurzeit die sogenannten Health Claims, also gesundheitsbezogene Angaben auf den Verpackungen, und überprüft, ob ein Wirkstoff hält, was die Verpackung verspricht.

Untersucht wurden zum Beispiel Cranberry-Produkte, die die Blasenfunktion unterstützen sollen, oder Produkte gegen schwere Beine mit Rutin. Für beide Wirkstoffe reichen die wissenschaftlichen Belege für einen medizinischen Nutzen laut EFSA nicht aus. Hier hat die Behörde die “Health Claims” abgelehnt. Im nächsten Schritt leitet die EFSA die Ergebnisse an die EU-Kommission weiter. Diese muss dann eine Liste mit “Health Claims” für einen Wirkstoff veröffentlichen, die weiter verwendet werden dürfen. Rein formalrechtlich ist es im Moment noch legal, mit abgelehnten “Health Claims” zu werben. Einen nachweisbaren Nutzen sollten Verbraucher aber nicht erwarten.

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Massentierhaltung und der Mensch, Teil II

Zufällig hat das Magazin quer im Bayerischen Fernsehen in seiner neuesten Ausgabe auch die Massentierhaltungproblematik thematisiert – allerdings aus einem anderen Blickwinkel, denn der Beitrag „Kritische Masse – Dorf kämpft mit Schweinemast“ zeigt, die die Tierfabriken ganz konkret vor Ort das Leben der Menschen negativ beeinträchtigen. Der Beitrag ist zwar eher zahm und stellt nicht zuletzt auch das „Not in my backyard“-Phänomen dar – d.h., dass Menschen sich erst gegen etwas wehren, wenn die negativen Folgen direkt in ihrem Wohnumfeld sichtbar werden; die Leute wollen billiges Fleisch, aber die entsprechenden Produktionsstätten nicht im eigenen Ort; sie wollen mehrmals pro Jahr in den Urlaub fliegen, aber natürlich keine Startbahn vor dem eigenen Schrebergarten etc. Dennoch beleuchtet die Sendung ein paar interessante Facetten der Massentierhaltung und zeigt den Wahnwitz der industriellen, nur am Profit orientierten Landwirtschaft.

Im niederbayerischen Hohenthann hat die Schweinemast in den letzten Jahren immer größere Ausmaße angenommen: Mittlerweile kommen auf etwa 4000 Einwohner 200.000 Mastschweine pro Jahr. Damit steht der Ort beispielhaft für eine Entwicklung, die auch vor Bayern nicht Halt macht: Die bäuerliche Landwirtschaft verschwindet, Großbetriebe entstehen. Von der Politik gefördert, exportiert Deutschland billiges Fleisch bis nach Indien und China. Die Leidtragenden sind die Anwohner der Mastbetriebe – auch in Hohenthann.

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Massentierhaltung schadet auch den Menschen

Das Thema Massentierhaltung, wie überhaupt Fleischkonsum, sowie die damit verbunden gesundheitlichen Risiken, z.B. durch Antibiotika im Fleisch, habe ich hier im Blog ja schon mehrfach angeschnitten. Da die WDR-Sendung markt sich der Problematik jüngst erneut widmete und damit die Geschichte ins Bewusstsein der Zuschauer hob, will ich Euch deren aktuellen Erkenntnisse nicht vorenthalten (auch wenn die Redakteure den wichtigsten Tipp, nämlich einfach gar kein Fleisch zu essen, natürlich „vergessen“ haben)! „Antibiotika: Resistente Keime“:

Durch die Gabe von Antibiotika entwickeln Keime im Körper der Tiere Resistenzen. Diese Keime, die Fachleuten und den Bezeichnungen MRSA und ESBL bekannt sind, siedeln auf der Haut oder im Darm der Tiere. Und genau solche Keime wurden nun in hoher Zahl auf Hähnchenfleisch aus deutschen Supermärkten entdeckt. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) war jedes zweite Hähnchen aus der Stichprobe belastet. Kritiker bemängeln, dass es sich bei der Untersuchung nur um eine Stichprobe handele, die nicht repräsentativ sei.

Im Auftrag von markt untersuchten Wissenschaftler der Freien Universität Berlin nun erneut 20 Hähnchen – frische und tiefgekühlte, aus konventioneller und biologischer Aufzucht. Dr. Christa Ewers fasst das Ergebnis zusammen: „Wir haben tatsächlich in 80 Prozent der Proben, die wir untersucht haben, multiresistente Keime identifizieren können. Das ist eine sehr besorgniserregende Zahl, auch vor dem Hintergrund, dass es sich natürlich nur um eine Stichprobenuntersuchung handelt.“ Die Forscher identifizierten neben dem Keimtyp MRSA noch andere resistente Keime, vor allem ESBL-Keime.

Auch beim Menschen entstehen bei hohem Antibiotikaeinsatz resistente Keimtypen wie MRSA und ESBL. Das führt im Krankenhaus zu Problemen. Lösen die Keime Infektionen aus, helfen Antibiotika nicht mehr. Das müssen in Deutschland jedes Jahr über einer halbe Million Patienten erfahren. Nach Schätzungen erliegen jedes Jahr etwa 40.000 Infektionsopfer den resistenten Keimen. (…)

Die Forscher gingen aber noch einen entscheidenden Schritt weiter: Sie verglichen die ESBL-Keime aus dem Fleisch mit Stuhl- und Blutproben von betroffenen Patienten. Die Übereinstimmung war immens: 60 Prozent! Die Schlussfolgerung von Professor Kluytmans: „Wenn man das alles zusammennimmt, dann sagen wir, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Hühnerfleisch ein Brunnen, eine Ursache ist für das ESBL bei den Menschen – nicht für alle ESBL, aber ein substanzieller Teil von dem, was wir jetzt beim Menschen finden, wird vom Hühnerfleisch kommen.

Die niederländischen Forscher schätzen, dass mindestens zehn Prozent der Niederländer heute ESBL in sich tragen. Sieht es in Deutschland ähnlich aus, sind hierzulande acht Millionen Menschen Keimträger. Sie müssen davon nicht krank werden, aber sie könnten.

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Fernsehtipp: Der Lidl-Check

Heute Abend bringt die ARD ab 20:15 Uhr, also zu prominenter Sendezeit, „Der Lidl-Check“. Da die Discounter und ihr Treiben auch zu den wichtigen Themen in meinem Blog gehören, will ich Euch diese Doku nicht vorenthalten – wobei man halt nie so weiß, was am Ende herauskommt, denn wenn sich Fernsehsender mit Aldi, Lidl & Co. beschäftigen, werden meistens nur Teilaspekte betrachtet, also die miesen Arbeitsbedinungen oder Bespitzelungen o.ä. aber selten die fatalen Auswirkungen für die Umwelt und die Gesellschaft als Ganzes, die durch die Billigspirale ausgelöst werden. Aber vielleicht bildet die ARD-Sendung da heute eine löbliche Ausnahme!

Früher sorgte Lidl häufig für negative Schlagzeilen: zuviel giftige Pestizide in Obst oder Gemüse – Mitarbeiter, die bespitzelt wurden. Hat sich hier der Discounter, wie er von sich behauptet, wirklich verbessert? In Preisvergleichen, Produktverkostungen und Laboruntersuchungen sowie in Gesprächen mit ehemaligen und heutigen Mitarbeitern findet der Lidl-Check heraus, was von dem Discounter-Riesen zu halten ist.

Dazu schreibt news.de:

Ein Punkt im Lidl-Check ist deswegen nun auch die Fairness. Und es stellt sich heraus, dass die Arbeitsbedingungnen bei Lidl heute erheblich besser sind als ihr Ruf. Aber das Team vom WDR geht noch erheblich weiter, als nur den Umgang mit Verkäufern in deutschen Supermärkten zu untersuchen. Die Redakteure fahren bis Bangladesch, um die Arbeitskonditionen in Fabriken zu untersuchen, die Textilien für Lidl herstellen.Hauptsache billig

Kaum überraschend, dass das Check-Team dort schnell fündig wird: Während sich im Umgang mit deutschen Angestellten seit den Skandalen 2008 und 2009 einiges getan hat – Gehälter nach Tarif, bezahlte Überstunden und die Möglichkeit zur Gründung von Betriebsräten – sind die Bedingungen der Näherinnen in Bangladesch erschreckend schlecht. Der Mindestlohn liegt bei 30 Euro im Monat, mehr gibt es nur bei vielen Überstunden. Dabei arbeiten die meisten Beschäftigten schon regulär zwischen 10 und 16 Stunden pro Tag.

Gegenüber den verdeckt auftretenden WDR-Journalisten prahlen Fabrikbesitzer mit den billigen Produktionskosten – nirgendwo in der Welt würden Arbeiter weniger Lohn erhalten als hier. Dass man auch in Bangladesch von monatlich 30 Euro nicht leben kann und die meisten Näherinnen in Slums leben und Hunger leiden, ist den Lidl-Bossen offenbar egal. Hauptsache billig produzieren.

Aber das Team vom Markencheck versteift sich nicht auf die Produktionsbedingungen im Fernen Osten, sondern untersucht die deutschen Lidl-Supermärkte auch hinsichtlich Preisvorteil, Stressfaktor und Qualität. Die Redakteure gehen fair vor, vergleichen den Discounter mit seinem Hauptkonkurrenten Aldi und vermeiden es, das Thema reißerisch aufzuarbeiten.

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Billige Brötchen: Die Spur der Teiglinge

Ein Blogleser gab mir neulich den Hinweis auf eine interessante Doku des SWR, die hervorragend zu den im Konsumpf ja auch des öfteren zur Sprache kommenden Themen Discounter/Billige Lebensmittel/Industriefraß passt – „Billige Brötchen: Die Spur der Teiglinge“.

==INHALT

Die Sendung beobachtet kritisch die Entwicklung in der Backwarenbranche: Kleine Handwerksbäcker müssen schließen, Filialen großer Unternehmen sind auf dem Vormarsch. Dort werden die Backwaren aber nicht mehr von Hand gebacken, sondern in Fabriken hergestellt, tiefgefroren und an die Filialen verschickt. Oft kommen dabei Enzyme zum Einsatz, um Eigenschaften des Teigs zu verbessern; die Verwendung von Enzymen muss nicht gekennzeichnet werden. Es wird diskutiert, ob diese Enzyme mit Lebensmittelallergien in Zusammenhang stehen und ob Gentechnik zum Einsatz kommt.

==LINKS
SWR über die Doku
http://www.swr.de/betrifft/broetchen-billig-teiglinge-betrifft/-/id=98466/nid=98466/did=8832656/1gevbfz/index.html
Gourmet-Report.de über die Doku
http://www.gourmet-report.de/artikel/340452/betrifft-Billige-Broetchen.html

Weiteres zum Thema:
Gentechnik in Brötchen?
http://www.transgen.de/datenbank/lebensmittel/2094.brot-broetchen-backwaren.html
Enzyme -> Lebensmittelallergie?
http://www.medica.de/cipp/md_medica/custom/pub/content,oid,8625/lang,1/ticket,g_u_e_s_t/mcat_id,7922/local_lang,1/~/Enzyme_machen_Backwaren_locker_-_und_Bäcker_krank.html

Ich erinnere da z.B. auch an den erschreckenden Bericht von Günter Wallraff über eine Lidl-Brotwarenfabrik „Unser täglich Brötchen“. Zum Glück ist die SWR-Doku inzwischen bei YouTube aufgetaucht:

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Apfelpflücker auf Bestellung

Nach all den bösen Meldungen der letzten Tage will ich heute doch mal wieder etwas Positiveres, Harmloses posten – normalerweise stelle ich hier im Blog zwar keine kommerziellen Projekte vor, aber hin und wieder mache ich dann doch mal eine Ausnahme. Die NDR-Sendung Markt berichtete unlängst in „Apfelpflücker auf Bestellung“ über eine löbliche Initiative in Hamburg, die gegen das ungenutzte Verrotten von Obst wirkt:

Überall im Norden sind die Apfelbäume momentan voll mit Früchten. In diesem Jahr sind es sogar besonders viele. Knackig, lecker und gesund – doch viele Gartenbesitzer sind schlichtweg überfordert mit der Masse an Äpfeln. Es sind einfach zu viele, um sie selbst zu ernten, geschweige denn zu essen. Zigtausende Kilo Äpfel verderben deshalb jedes Jahr. Sie bleiben am Baum hängen oder landen auf dem Kompost.

Naturbelassener Apfelsaft statt überflüssiger Äpfel

So erging es auch Jahr für Jahr den Äpfeln von Jan Schierhorn. Unter seinem eigenen vollen Apfelbaum kam ihm vor drei Jahren die Idee, mit Äpfeln, die keiner will, Arbeitsplätze zu schaffen. Der 42-Jährige gründete das Projekt “Das Geld hängt an den Bäumen”. Seine Mitarbeiter ernten überall in Hamburg – in privaten genauso wie in öffentlichen Gärten und auch auf Kirchenflächen – überflüssige Äpfel kostenlos. Daraus wird dann naturbelassener Apfelsaft ohne Konservierungsstoffe oder Zucker produziert.

20 feste Arbeitsstellen

Der Saft wird an Restaurants, Firmen und Privatpersonen verkauft. Sogar das Hamburger Rathaus gehört zu den regelmäßigen Abnehmern. Schierhorns “Saftladen” brummt. Aus der Idee sind mittlerweile mehr als 20 feste Arbeitsstellen entstanden, hauptsächlich für Menschen mit Behinderungen und Krankheiten, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt oft schwer haben.

Wobei ich an der Stelle noch anmerken möchte, dass es auch mundraub.org gibt – eine Website, auf der überschüssiges Obst gemeldet und dann kostenlos geernet werden kann.

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Lesetipps: Krise und Wahn | 147 Konzerne kontrollieren die Wirtschaft | Fundamentalisten | Öko

© ZigZauer, stock.xchng

Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die man mit Fug und Recht ja auch als Systemkrise auffassen und bezeichnen kann, hält die Welt weiterhin in Atem; ich könnte täglich etwas dazu posten, denn überall auf der Welt gibt es neue Brenn- und Knackpunkte. Natürlich werde ich NICHT jeden Tag auf dem Thema herumreiten, da es zum einen vom Kern meines Blogs ein wenig wegführt (obwohl Konsumkritik im Prinzip auch eine Systemkritik darstellt) und auch zu deprimierend ist. Dennoch will ich Euch heute einen sehr gelungenen Beitrag auf Telepolis ans Herz legen – in „Krise und Wahn“ beschreibt Tomasz Konicz meines Erachtens sehr treffend, wie die mediale Aufbereitung der aktuellen Geschehnisse aussieht, die gerne an den eigentlichen Problemen vorbeiführt bzw. diese vermutlich durchaus bewusst vernebelt. Ich empfehle den etwas längeren Artikel unbedingt als Lektüre (z.B. für die jetzt vor uns liegenden langen und dunklen Herbstnächte)!

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Das Umundu Festival für nachhaltigen Konsum in Dresden

Kaum zu glauben, aber tatsächlich ist schon wieder ein Jahr rum! Und so gibt es auch 2011 das Umundu Festival in Dresden, bei dem sich vom 10.–20. November alles rund um nachhaltigen Konsum und artverwandte Themen dreht. Mehr Infos, z.B. das genaue Programm, findet Ihr auf der Website des Festivals.

Das Umundu-Festival möchte auch in diesem Jahr mit einem vielfältigen Programm die lokalen und globalen Auswirkungen unseres alltäglichen Konsumverhaltens beleuchten. In Vorträgen, Filmen und Diskussionsrunden, bei Stadtführungen sowie mit Kunst- und Kulturveranstaltungen sollen BesucherInnen und VeranstalterInnen gemeinsam Ideen und Konzepte der Nachhaltigkeit kennenlernen, erleben und gemeinsam weiterentwickeln. Den Höhepunkt des zehntägigen Programms bildet natürlich wieder unser bunter Umundu-Abschlussmarkt.

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IM FOKUS: TRANSITION TOWN – STADT IM WANDEL

Klimawandel und Peak Oil: vom Ende des „billigen“ Erdöls

Der Klimawandel dominiert die öffentliche Agenda spätestens seit dem dritten Bericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC 2001). Ein nicht minder wichtiges Problem aber rückt dabei oftmals in den Hintergrund öffentlicher Aufmerksamkeit: die zunehmende Verknappung fossiler Energieträger, allen voran die des billigen Erdöls. Deren Verfügbarkeit ist jedoch Voraussetzung für das Funktionieren unserer (Konsum-)Gesellschaft.
Mit dem Themenschwerpunkt TRANSITION TOWN Stadt im Wandel widmet sich das diesjährige Umundu-Festival der drängenden Frage, wie sich lokale Gemeinschaften auf die Verknappung fossiler Rohstoffe vorbereiten können und wie alternative Versorgungs- und Konsumstrategien aussehen. Vorbild hierfür ist eine junge dynamische Bewegung, die nun auch in Dresden angekommen ist: Weltweit entstehen Transition Towns, in denen sich die Bewohner auf eine lokale und nachhaltige Lebensweise nach dem Erdöl einstellen und dabei immer wieder auch Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe entdecken und verwirklichen.

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Bye Bye Bayern – Der Flächenfraß

Quelle: Wikipedia, Nicolas17

Immer wieder schrecken einen Meldungen, die irgendwo auf Seite 39 der Tageszeitung unter Vermischtes auftauchen, für einen kleinen Moment auf: jeden Tag gehen in Deutschland Flächen von soundsoviel Quadratmeter, das entspräche der Ausdehnung von soundsoviel Fußballfeldern, verloren, weil sich Gewerbegebiete und Wohnflächen ausbreiten. Kurz darauf ist diese Information auch schon wieder vergessen und man kann damit weitermachen, sich ein neues Haus irgendwo am Stadtrand, „im Grünen“, zu bauen oder den halben Samstag damit verplempern, in eins der „stadtnahen“ Einkaufszentren zu fahren, die es ja praktischerweise und zum Glück bald überall gibt, so dass man es von seinem Reihenhaus bis zum nächsten Sperrmüllvorverkauf (wie ein Professor an meiner Uni Möbelhäuser wie Roller einmal bezeichnete) gar nimmer so weit hat und nicht länger als eine halbe Stunde unterwegs ist, bis man sich wieder ein neues Sofa, das Schnäppchen aus dem Discounter oder ein paar Pflanzen für den Garten kaufen kann. Super, oder?

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Nimm2 ist nicht für Kinder und Danones Verpackungsschwindel

Foodwatch und abgespeist.de vergeben ja alljährlich den „Goldenen Windbeutel“ für die Werbelüge des Jahres. 2011 hat diesen Preis Ferrero für die Milchschnitte „gewonnen“. Sehr schön war dabei auch der Beitrag über Nimm2, die ebenfalls nominiert waren, und den ich Euch nicht vorenthalten möchte, weil die Kackdreistigkeit des Herstellers, der sein verlogenes Marketing hier zu verteidigen sucht, schon beachtlich ist. Dementsprechend süffisant wird Storck von Foodwatch mit der Realität konfrontiert.

Auch sonst wird es den Leuten von abgespeist.de so schnell nicht langweilig, da die Reklamefritzen der Konzerne nicht müde werden, den Konsumenten in spé einen vom Pferd zu erzählen und mit teils hanebüchenen Geschichten zum Kauf zu animieren. Danone tut sich da mal wieder hervor – nachdem ihr Actimel sich als genauso gesund oder ungesund wie normaler Joghurt erwiesen hat (nur dass Actimel eben viel teurer ist), versucht sich die Firma nun ein grünes Mäntelchen umzuhängen und bewirbt ihren neuen Activia-Joghurtbecher als „umweltfreundlich“. Von wegen!

Der Becher fällt nicht weit vom Stamm
Spätestens seit Actimel und Activia wissen wir, wie die Damen und Herren von Danone mithilfe wissen-schaftlicher Studien Marketing machen: Minimale messbare Effekte werden in der Werbung maximal aufgeblasen, um Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der jüngste Clou: Activia gibt’s neuerdings im vermeintlich „umweltfreundlicheren“ Becher aus Mais-stärke (PLA). Blöd nur, dass der neue Becher gar nicht wirklich „umweltfreundlicher“ ist als der alte, wenn man die Ökobilanz-Maßstäbe vom staatlichen Umweltbundesamt ansetzt. Unser Fazit: Wie der Joghurt, so der Becher – ein dreister Schwindel.

Activia activiert Unterlassungserklärung
Die Marketing-Menschen bei Danone haben Phantasie, das muss man ihnen lassen. Immer wieder kommen sie mit neuen Ideen daher, wie sie aus schnöden Joghurts angeblich ganz besondere Produkte kreieren können – erst mit Gesundheitsversprechen, jetzt mit dem vermeintlichen Ökobecher. Nur haben die Danones die Rechnung dieses Mal ohne die Umweltorganisation Deutsche Umwelthilfe gemacht. Die hat den Konzern nämlich schon abgemahnt und nun eine Klage angekündigt – Danone soll die irreführenden Öko-Aussagen zum neuen Becher unterlassen. Doch der Konzern weigert sich zu unterzeichnen.

Das Blaue vom Recycling-Himmel
„Den Becher bitte in den gelben Sack entsorgen, damit dieser optimal verwertet bzw. recycelt werden kann.“, so der Werbetext auf der Packung des vermeintlichen Verdauungswunders. Der Haken: Der Activia-Becher wird momentan nicht recycelt, sondern in der Regel verbrannt. Er wird von den Recycling-Anlagen nämlich gar nicht aussortiert. Ein sogenannter geschlossener Kreislauf sei laut Danone zwar geplant, doch das ist – wenn überhaupt – Zukunftsmusik. Trotzdem verspricht der Konzern auf der Verpackung das Blaue vom Recycling-Himmel.

Wählerisch wie eine Diva beim Dorftanz
Eine von Danone finanzierte Studie des IFEU-Instituts kommt zu dem klaren Ergebnis: Der neue Becher ist insgesamt nicht besser für die Umwelt als der alte. Wählerisch, wie die Danones sind, picken sie sich einzelne Aspekte aus der Studie raus, bei denen der Neue besser abschneidet: Treibhausgase und fossiler Ressourcenverbrauch. Bei Auswirkungen der Herstellung auf z.B. Böden und Gewässer ist der neue Becher aber schlechter als der alte. Darum empfiehlt das Institut, stets auch die Nachteile zu nennen. Das ignoriert Danone gnadenlos, wenn man die Werbetexte auf der Verpackung liest.

Zertifiziert naturferne Intensivlandwirtschaft
Auf der Packung fabulieren Danones Werbetexter von nachhaltigem Mais, aus dem der Becher hergestellt werde. Wer sich da einen idyllischen Bio-Bauernhof im Alpenvorland vorstellt, hat weit gefehlt. Für den Maisanbau sind unter anderem Pestizide und Mineraldünger erlaubt. Das führt zu Belastung von Böden und Gewässern – Intensivlandwirtschaft eben. Mit dem, was der Verbraucher unter „nachhaltig“ versteht, hat es also wenig gemein.

Drei Schritte voraus
Danone weiß sogar selbst, dass der neue Becher nicht der große Wurf ist. Unter anderem, weil er derzeit überhaupt nicht aussortiert und recycelt, sondern in der Regel verbrannt wird. Der Konzern argumentiert damit, dass irgendwann genug PLA-Becher im Umlauf sein sollen, um ein Recycling zu ermöglichen. Dabei ist noch völlig unklar, welche Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sich am besten eignen und am umweltfreundlichsten sind. Im Werbetext auf der Becher-Banderole suggeriert Danone trotzdem schon mal, der Neue sei ein Verpackungswunder, weil „umweltfreundlicher“ als der alte. Das ist schlichtweg gelogen!

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