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Werbung am Rande der Apokalypse (Teil 1)

Über die vielen negativen Auswirkungen der Reklameindustrie und der gesamten Marketingmaschinerie, die sich in immer mehr Lebensbereiche der Menschen ausbreitet, habe ich hier im Blog ja schon des öfteren geschrieben. Dennoch ist dieses Thema so wichtig – und da es immer noch viel zu viele Leute gibt, die Werbung bloß für ein notwendiges Übel oder sogar für etwas Wertvolles halten, werde ich nicht müde, die Schädlichkeit der Reklame zu betonen. Deshalb war ich auch sehr erfreut, als ich neulich den Artikel „Advertising at the Edge of the Apocalypse“ von Prof. Sut Jhally aus dem Jahre 1999 entdeckte, der seitdem natürlich nichts an Aktualität verloren hat. Mit seiner freundlichen Erlaubnis präsentiere ich Euch seinen Text hier in der von mir übersetzten Fassung – da er sehr lang ist, werde ich ihn hier in mehreren Teilen veröffentlichen. Ich beginne heute – ganz überraschend – mit Teil 1:

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Werbung am Rande der Apokalypse

In diesem Artikel möchte ich eine einfache Behauptung aufstellen: die Werbung des 20. Jahrhunderts ist das mächtigste und dauerhafteste Propaganda-System in der menschlichen Geschichte und seine kumulierten kulturellen Auswirkungen werden mitverantwortlich dafür sein, die Welt, wie wir sie kennen, zu zerstören. Wenn sie dies erreicht, wird sie verantwortlich für den Tod Hundertausender von Menschen sein und die Menschen der Welt daran hindern, glücklich zu werden. Einfach ausgedrückt hängt unser Überleben als Spezies davon ab, die Gefahren der Werbung und der Kommerzkultur, die sie ausgelöst hat, zu minimieren. Ich habe diese Behauptung dick gedruckt, damit niemand Zweifel darüber haben kann, was in unseren Diskussionen über Medien und Kultur auf dem Spiel steht, während wir das neue Jahrtausend betreten.

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Konformität – wem gehört mein Leben?

Es tut mir leid, dass ich heute wieder nur mit einem kurzen Lesehinweis abspeisen muss, aber mein Blogschreibe-Elan ist gerade etwas erlahmt. Vielleicht bringt das neue Jahr wieder etwas mehr Schwung! Auf jeden Fall bringt es den Artikel „Konformität – wem gehört mein Leben?“, der auf weeyoo.de erschienen ist und eine interessante Betrachtung des Phänomens Anpassung etc. bringt. Dies passt auch sehr gut zum Grundthema meines Blogs, weil Konformität und Konsum in der heutigen Zeit eng miteinander zusammen hängen bzw. das eine Ausdruck des anderen ist. Ich empfehle auf jeden Fall, wie üblich, die Lektüre des gesamten Artikels!

(…) Haben wir nicht gerade durch den Kapitalismus scheinbar unbegrenzte Wahlmöglichkeiten, können uns alle ein ganz individuelles Lebenskonzept zusammenschustern, jenseits von überkommenen Traditionen und Verhaltensregeln? Einerseits schon. Andererseits, so argumentiert der Sozialpsychologe Erich Fromm in seinem “Die Kunst des Liebes” von 1956, mache der Kapitalismus die Menschen austauschbar. Maßgeblich beteiligt sei die Arbeitsteilung. Sie führe zum Verlust der Individualität und der Ganzheit des Menschen. Man vergleiche: Einen Menschen, der einen Stuhl in liebevoller Handarbeit und mit Detailfreude herstellt, ihn vielleicht sogar hübsch bemalt – und einen Menschen, der in der Fabrik eines großen Möbelhauses 373 Stuhlbeine pro Tag an einen vorgefertigten Sitz schraubt. Welcher von ihnen lebt mehr Individualität? Wer kann sich mehr ausdrücken und wer empfindet mehr Befriedigung beim Anblick seines fertigen Produktes?

Zu keiner Zeit des Jahres wird der erzwungene Konformismus durch den Kapitalismus spürbarer als zu Weihnachten. Verzweifelt, gestresst und missmutig schlittern wir durch die Straßen, um Geld auszugeben, das wir eigentlich nicht haben – Strom-, Gas- und sonstige Betriebskostenabrechnung sei Dank. “Ich muss noch was für Papa finden” – dieser Satz kann uns wochenlang beschäftigen und in Atem halten. Obwohl Papa doch schon alles hat, was man sich wünschen kann und wenn etwas Neues auf den Markt käme, könnte er es sich im Handumdrehen selbst kaufen. “Aber ich MUSS…”

Konsumfreudig und stromlinienförmig soll er sein, der Mensch im Kapitalismus. Den Lieben selbstgemalte Bilder zu Weihnachten schenken? Geht nur, wenn man höchstens acht Jahre alt ist oder ein direkter Nachkomme Picassos. (…)

(…) So viele unserer großen und kleinen Entscheidungen legen wir in die Hände anderer Menschen und das meiste davon fällt uns noch nicht einmal auf. Weil wir bestimmte Denkmuster von der Masse übernommen haben, die unser Verhalten begründen oder zumindest rechtfertigen. Die superbilligen T-Shirts, gefertigt vermutlich von Kinderhänden irgendwo in Indien – man muss ja mit der Mode gehen. Der Job, den wir eigentlich hassen und der uns innerlich zu Grunde richtet. Irgendwie muss man ja schließlich Geld verdienen. (…)

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Lesetipps: Super-Nanny | Chiquitas Etikettenschwindel | Amazon | Givebox | Bio-Zertifikate

Weihnachtszeit, Geschenkezeit. Wenn man den Marketingleuten vom Mediamarkt Glauben schenken (!) würde, laut denen „Weihnachten unterm Baum“ entschieden wird, geht es bei dem Fest nur noch um eines: nämlich darum, möglichst viele, möglichst teure Geschenke unter die Leute zu bringen, also um den ungehemmten Konsum. Dass dies zu Stress ausartet, wie es ihn früher in der Form partiell auch schon gab, wissen wir nicht erst seit Loriot… Eine ganz andere Form des Schenkens, eine weniger zwanghafte, wird gerade in Berlin erprobt, wie der Tagesspiegel zu berichten weiß – „Givebox-Projekt – Schenken ist das neue Shoppen“. Eine tolle Idee, die hoffentlich viele Nachahmer findet und einen (wenn auch winzigen) Kontrapunkt zum Konsumwahnsinn setzt:

Wer alte Sachen los werden und anderen damit auch noch eine Freude machen will, kann das jetzt tun: Eine neue Nachbarschafts-Initiative errichtet Geschenkboxen für Jedermann. Die Initiatoren hoffen auf viele Nachahmer.

(…) Die Leute können es nicht fassen, dass ihnen jemand etwas schenken will. Einfach so. Bedingungslos. Anonym. Es sind Nachrichten wie diese, die zeigen, dass die Menschen das Schenken und Beschenkt-werden verlernt haben.

Eine Gruppe junger Berliner will es ihnen wieder beibringen – mit der Givebox, einer grob zusammengezimmerten, telefonhäuschengroßen Box, ausgestattet mit einem Regal und einer Kleiderstange. Die erste wurde vor zwei Wochen in der Steinstraße in Mitte errichtet. Die Macher wollen aber nicht genannt werden. Sie wollen das Projekt in den Mittelpunkt rücken, nicht sich selbst. (…)

(…) Die Nachbarschaft ist zusammengewachsen, seit es die Box gibt, dessen sind sich die Projekt-Initiatoren aus der Steinstraße sicher. Die Geschenkekiste ist schon nach zwei Wochen aus dem Kiez nicht mehr weg zu denken, die Bewohner sind geradezu süchtig danach. Manche kommen täglich vorbei, um zu sehen, was es Neues gibt, zum Beispiel die Kinder von der nahe gelegenen Schule.

Über Facebook sorgt das Projekt international für Aufsehen. Passanten schreiben, wie sie die Box zufällig entdeckt haben, Touristen bedanken sich für das tolle Geschenk. Fans von überallher hinterlassen Nachrichten, wollen mehr über das Projekt wissen und die Idee in ihre Stadt tragen oder ihre Geschenke per Post schicken. (…)

Ein Konzern, der besonders stark von der weihnachtlichen Geschenkeflut profitiert, ist Amazon, denn immer mehr Menschen kaufen ihre Sachen online ein (sehr zum Leidwesen des traditionellen Einzelhandels). Allerdings zeigt sich Amazon selbst weniger in Geberlaune, denn das amerikanische Unternehmen nutzt geschickt Gesetzeslückenin Deutschland aus, um möglichst viele Mitarbeiter möglichst billig, zum Teil sogar auf Staatskosten, anzustellen. Eine sehr unfeine Art, das System auszunutzen, findet u.a. auch der Spiegel in „Amazon beschäftigt massenhaft Arbeitslose ohne Vergütung“:

Der Online-Versandhändler Amazon steht in der Kritik, eine Lücke des deutschen Sozialgesetzbuchs massenhaft auszunutzen. Das Unternehmen beschäftigt laut SPIEGEL nicht nur während des Weihnachtsgeschäfts in seinen fünf deutschen Logistikzentren Tausende Arbeitslose befristet als Saisonarbeiter, sondern lässt viele von ihnen zuvor eine sogenannte “Maßnahme zur Aktivierung und berufliche Eingliederung” absolvieren.

Dies dient vor allem zur Einarbeitung. Die Betroffenen arbeiten dann meist sechs Wochen, bekommen aber nur vier bezahlt. Die restlichen zwei Wochen erhalten sie weiterhin die Leistungen der Agenturen für Arbeit oder der Jobcenter. Diese Praxis ist legal. Allerdings wiederholt Amazon bei vielen der Aushilfen das Prozedere jedes Jahr, obwohl sie im Jahr zuvor bereits eingestellt waren und eine Einarbeitungszeit damit unnötig ist. (…)

Auch Report Mainz hat sich dieses Themas neulich angenommen:

Wo wir schon mal bei der Konzernkritik sind – über Chiquita gibt es ja nun bekanntlich nichts Positives zu berichten, so sehr die Firma sich auch in der Werbung schillernd und sympathisch darzustellen versucht (siehe u.a. meinen Artikel „Terror für Bananen“). Die taz zeigt in „Nachhaltige Bananenproduktion – Chiquitas Etikettenschwindel“, was hinter der bunten Fassade steckt:

Der US-amerikanische Bananenmulti hat vor sechs Jahren angekündigt, nachhaltiger und fairer produzieren zu wollen. Doch viel hat sich seitdem nicht getan. (…)

“Die Löhne stagnieren seit Jahren, aber die Arbeitsanforderungen und die Lebenshaltenskosten steigen”, klagt Martínez. Das Unternehmen setze zudem alles in Gang, damit sich die Arbeiter nicht in den unabhängigen Gewerkschaften organisieren könnten. Daran änderten auch die Kontrollen der Rainforest Alliance nichts, die inzwischen nahezu alle Chiquita-Plantagen in Mittelamerika zertifiziert haben.

Vor sechs Jahren hat der Bananenkonzern Chiquita angekündigt, nachhaltiger und fairer produzieren zu wollen. Die Umweltorganisation Rainforest Alliance sollte die Einhaltung der neuen Leitlinien überprüfen.

“Der kleine grüne Frosch versichert Ihnen, dass Produkte und Dienstleistungen in umweltfreundlicher, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger Weise erzeugt wurden”, ist auf der Homepage der Organisation zu lesen. Doch die Gewerkschaften sprachen von Etikettenschwindel.

So klagt Rodolfo Suadarez Martínez: Immer dann, wenn die Inspektoren der Nichtregierungsorganisation mit Stammsitz in New York in Nogal auftauchten, werde Tage vorher gründlich aufgeräumt. “Die Arbeiter erhalten pünktlich zum Ankunft der Inspektoren neue Arbeitskleidung, Schutzmasken und Co., aber eben nur dann”, berichtet Martínez. (…)

Etikettenschwindel ist auch das Stichwort für meinen nächsten Lesetipp, diesmal aus dem Bio-Natur-Blog – „Gefälschte Bio-Zertikate, die Spitze des Eisbergsalats“. Man sieht, dieses profitorientierte Wirtschaftssystem sorgt dafür, dass selbst gut gemeinte Ideen wie die des ökologisch-biologischen Landbaus von einige Firmen ausgenutzt werden, um ihre konventionelle Ware als „Bio“ teurer verkaufen zu können:

Nun hat die schöne Bio-Welt voller gesunder Bio-Produkte nach dem schönen Weltklimagipfel voller gesunder unabsichtlicher Absichtserklärungen also ihren nachhaltigen Skandal mit sicherlich weitreichenden ökologischen, aber wohl noch drastischeren ökonomischen Folgen für Hersteller und Vertriebsketten. In erster Linie natürlich oder eben leider nicht natürlich für die Konsumentinnen und Verbraucher, welche ihr Vertrauen in solch zertifizierte und von allerhöchster Stelle als aus biologischem Anbau erklärte Ware verloren haben bzw. noch verlieren werden, da die ganzen unerträglichen Ausmaße über die Tragweite des Handels mit gefälschten Zertifikaten erst noch unter der gefälschten Erde hervorgegraben werden müssen. (…)

(…) Dass der Standard allerdings schreibt, dass “gefälschtes Essen lukrativer als Drogen” sei, ist dann doch wohl etwas überzogen. Oder vielleicht doch nicht?

Der Markt mit falsch ausgewiesenen oder gefälschten Lebensmitteln ist ein Milliardengeschäft, das in den vergangenen Jahren massiv gewachsen ist, heißt es bei Europol: Das Risiko ist gering, der Ertrag enorm. 1000 Dollar würden, in die Lebensmittelfälschung investiert, wesentlich höhere Profite abwerfen als etwa im Drogenhandel. (…)

Und noch eine erfreuliche Meldung zum Schluss – „Super Nanny Katharina Saalfrank wirft hin“. Dass sich Frau Saalfrank erst nach so vielen Jahren dazu entschießt und noch bis vor kurzem in Talkshows vehement das Konzept verteidigte und jeden Verdacht, dass RTL an dieser Sendung mit manipulierten und gefakten Bildern arbeitet, weit von sich wies, macht sie natürlich nicht gerade glaubwürdiger… Denn es kann einem doch keiner erzählen, dass die „Super Nanny“ bislang davon nichts gemerkt habe und ausgerechnet jetzt, wo es vermehrt kritische Berichte über das Format (siehe fernsehkritik.tv) hagelt, auf die Ungereimtheiten stößt. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass diese Manipulationen erst in diesem Jahr um sich griffen.

(…) In einer internen Mail an RTL-Verantwortliche schreibt Saalfrank, 40, ihre erzieherischen Inhalte seien in diesem Jahr “massiv in den Hintergrund” gedrängt worden. “In meine Arbeit als Fachkraft in diesem Format wurde extrem…und teilweise sogar gegen pädagogische Interessen eingegriffen.” Dies sei sicher der “Entwicklung des medialen Markts” hin zu “gescripteter”, also inszenierter, Realität geschuldet. Das komme für sie nicht mehr in Frage. (…)

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Verschwendung bei Bildungsprojekten

Weil es so gut zum Thema der Schulen etc. passt, will ich heute nur kurz einen Beitrag von Frontal 21 empfehlen, über den man letztlich nur wieder den Kopf schütteln kann – offenbar ist für viel Sinnloses doch genug Geld vom Staat da…

Millionen Steuergelder, die im Namen der “Bildungsrepublik Deutschland” vom Bundesbildungsministerium (BMBF) ausgegeben werden, versickern in der Bürokratie und in teils unsinnigen Projekten. Bei den Projektträgern arbeiten laut Haushaltsplan 925 Mitarbeiter.

Das kostet allein in diesem Jahr 108 Millionen Euro – ein Anstieg von 62 Prozent im Vergleich zu 2008, als Bundeskanzlerin Angela Merkel die “Bildungsrepublik Deutschland” ausrief. Hinzu kommen weitere 53 Millionen Euro durch im Haushaltsplan nicht verzeichnete 314 Vollzeitstellen im Rahmen von “Sonderverträgen”. Dies geht aus Unterlagen des Bundesrechnungshofs und des Bildungsministeriums hervor, die Frontal21 vorliegen.

Zudem stehen bei einer Reihe von Projekten Aufwand und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis. Mit dem Praktikumsprogramm “Technikum” beispielsweise wollte das BMBF Berufsanfänger in technische Berufe locken. Doch in anderthalb Jahren fanden sich nur 52 Praktikanten, bei Verwaltungskosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro – also 73.000 Euro pro Praktikant. Das Programm wurde im September 2010 eingestellt.

“Schaufensterpolitik”

Das Projekt “Bürgerdialog Zukunftstechnologien” soll acht Millionen Euro kosten. Dabei haben sich bislang nur einige hundert Menschen beim ergänzenden Angebot bei Facebook und Twitter zu Themen wie “Können intelligente Pullover zukünftig einen Herzinfarkt erkennen?” gemeldet. “Wir haben ein Effizienzproblem, was im Wesentlichen dadurch zustande kommt, dass wir bei den meisten Projekten sehr viele Akteure involviert haben”, kritisiert die Leiterin des Bereichs Bildungspolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Sybille von Obernitz.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan mache bloße “Schaufensterpolitik”, klagt Klaus Hagemann, SPD-Berichterstatter für Bildung im Haushaltsausschuss. Schavan hingegen sieht auf Nachfrage von Frontal21 keine Probleme. Es gebe “unabhängige, gewissenhafte Verfahren, um die vom Steuerzahler zur Verfügung gestellten Mittel für die Forschung zu vergeben und Sorge dafür zu tragen, dass diese Mittel dahin gehen, wo sie hingehören.” Der Personalaufwand bei den Projektträgern halte sich im Rahmen, so Schavan.

Übrigens, noch ein Beitrag zur Problematik von Reklame & Kindern – in der Radiosendung Redezeit des WDR 5 ging es auch darum: „Das muss ich haben! Wie aus Kindern Konsumenten gemacht werden“ (hier als mp3).

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Angefüttert – Fernsehwerbung und ihr schädlicher Einfluss auf die Gesundheit von Kindern

Dass ich eine sehr skeptische bis kritische Haltung dem Treiben der Reklameindustrie gegenüber habe, dürfte ja mittlerweile bekannt sein. Ich frage mich immer wieder, wie diejenigen, die in dieser Branche arbeiten, es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, Kampagnen für schlimmste Firmen und übelste Produkte zu konzipieren, in denen der Verbraucher bewusst getäuscht wird. Hauptsache Geld verdienen düfte da das Motto sein… Besonders schämen sollten sich auch all die Marketingfuzzis, die ihre Kreativität und Energie in Werbung für Kinder stecken und somit mit dafür sorgen, dass nicht nur eine frühe (und in meinen Augen abartige und schädliche) Marken- und Konsumprägung stattfindet, sondern auch die Gesundheit der Kinder angegriffen wird. Und man komem mir nicht mit der fadenscheinigen Ausrede, dass doch die Eltern für die Entwicklung ihrer Sprösslinge verantwortlich seien und man deshalb seine Hände in Unschuld wasche und nur unverbindlich „Verbraucherinformationen“ biete – schließlich versucht die Reklamebranche alles, um die Autorität der Eltern zu untergraben und damit ihre Produkte an den Erziehungsberechtigten vorbei ins Bewusstsein der zukünftigen Kundschaft zu hieven. Das ist zwar der perversen Logik des Marktes nach sinnvoll, gesamtgesellschaftlich jedoch fatal.

Just um dieses Thema ging es auch neulich in der 3sat-Sendung Nano, die in „Zielgenau platziert“ aufzeigte, welche Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder die skrupellose Bewerbung von Ungesundem im Fernsehen hat – zwar sagt einem das auch bereits der sogenannte gesunde Menschenverstand, aber es ist doch auch immer wieder schön, das von anderer Seite bestätigt zu bekommen. Leider wird hierzulande vom Gesetzgeber kaum zu erwarten sein, dass, wie es in einigen skandinavischen Ländern inzwischen üblich ist, strengere Regeln für Reklame oder sogar ein Verbot für solche Kampagnen eingeführt werden, und die Konsumenten selbst sind oft genug zu unkritisch oder zu passiv, um den Firmen für ihr Treiben Feuer unterm Hintern zu machen. Auch wenn der Fernsehbeitrag nur auf die direkten gesundheitlichen Folgen (und nicht die psychischen durch die Dauerbestrahlung mit Konsumbotschaften) hinweist, so freue ich mich doch, dass die Schädlichkeit von Reklame auch in den Medien mal thematisiert wird.

Zielgenau platziert
Werbung für Süßigkeiten im Kinderprogramm

“Alles spricht für eine bewusste Platzierung der Werbung im Umfeld von Kindersendungen”, sagt Tobias Effertz vom Institut für Recht der Wirtschaft in Hamburg.
Die meisten Werbespots würden gerade im Kinderprogramm geschaltet, zudem sei der Inhalt auf diese Zielgruppe abgestimmt. Kinder in Deutschland sehen so mehr als 12.000 Werbespots, deren jeder fünfte für Lebensmittel wirbt. Dabei, zeigt seine Auswertung von 16.000 Spots in 613,5 Stunden Sendezeit, gehe es bei 73 Prozent der Werbung um Nahrungsmittel mit “geringem Gehalt an Nährstoffen” und hohem Antiel von Fett und Zucker. Damit schneide Deutschland im Vergleich unter neun westlichen Industrieländern sowie China und Brasilien am schlechtesten ab.

In einer EU-weiten Selbstverpflichtung hatten sich elf Firmen verpflichtet, auf Werbung zu verzichten, die Kinder unter zwölf Jahren anspricht. Aber: “Die Situation hinsichtlich der auf Kinder gerichteten Werbung für ungesunde Lebensmittel ist trotz der freiwilligen Selbstverpflichtung der Industrie schlechter geworden”, sagt Effertz. Der Anteil an Werbung für ungesunde Lebensmittel habe in einzelnen Sendern sogar noch zugenommen. 2010 hat Effertz, seinerzeit noch an der schwedischen Uni Göteborg, gezeigt, dass Kinder auf Werbung ansprechen.

Bereits 2007 ist ein Team der Universität Liverpool im Experiment zu gleichem Ergebnis gekommen: Es hatte 60 Kindern im Alter von neun bis elf Jahren Werbeblöcke für Lebensmittel oder für Spielzeug gezeigt. Nach der Essenswerbung verzehrten die Kinder rund zwei Mal so viel an Snacks und Süßem wie nach der Spielzeugwerbung. Übergewichtige und fettleibige Kinder erwiesen sich dabei als noch anfälliger für die Verführungen des Bildschirms. Während die Kinder mit Normalgewicht ihre Nahrungsaufnahme um 84 Prozent steigerten, aßen die übergewichtigen Kinder um 101 Prozent, die Fettleibigen um 134 Prozent mehr.

Demgegenüber sagt Andrea Moritz vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), dass Werbung bei der Entstehung von Übergewicht überhaupt “keine wissenschaftlich belegte Rolle spielt”. 600 Millionen Euro lässt die Industrie sich die Werbung für Süßigkeiten kosten.


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Surftipp: Destructables – Anleitungen zum Widerspruch

Vielleicht erinnert sich ja noch der eine oder andere Leser meines Blogs an meinen Surftipp Centennial Society, in dem ich das umfassende Adbusting/Culture Jamming-Websiteprojekt von Packard Jennings vorstellte. Nun hat Jennings eine neue Seite am Start, die sich mit der gleichen Thematik befasst, also kreativem Widerstand gegen herrschendes Unrecht, passende Antworten auf Reklame- und Marketingzumutungen uvm. Es nennt sich Destructables und ist eine „Do-It-Yourself-Website für Projekte des Protests und kreativen Widerspruchs“ – und passt somit natürlich perfekt in den Konsumpf. Folgendes schreibt der Autor über sein neues Webprojekt (ich übersetze den Text mal eben aus dem Englischen):

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Fernsehtipp: Die Rosen-Story (WDR, 28.11., 22 Uhr)

Heute nur ein kurzer Fernsehtipp von mir – um 22 Uhr läuft im WDR die Dokumentation „Die Rosen-Story“, die über die teils beschämenden Zustände in der afrikanischen Blumenproduktion berichtet. Denn irgendjemand zahlt natürlich den Preis dafür, dass wir hier bei Aldi & Co. für ein paar Euro fuffzich „schön billig“ Blumen an der Supermarktkasse kaufen können … dieses Prinzip gilt ja generell für unsere scheinbar so günstigen Konsumgüter…

Die Rose – das Symbol der Liebe, vom Blumenhändler um die Ecke. Die Blumen selbst aber kommen aus Kenia, aus Ecuador oder Äthiopien. Wie ist es möglich, Blumen um die halbe Welt zu schicken, wenn ein Strauß Rosen im Supermarkt nur € 1,99 kostet?

Der wichtigste Rosenzüchter weltweit hat seine Heimat in Schleswig-Holstein. Seit über 100 Jahren züchten Wilhelm Kordes Söhne die „Königin der Blumen“. Heute ist die Firma völlig unabhängig vom deutschen Markt und beliefert Rosenproduzenten vor allem in Afrika und Lateinamerika mit ihren Züchtungen.

Besonders in Kenia, am Naivashasee, ist Kordes präsent. Dort haben sich fast hundert Rosenfarmen angesiedelt, die täglich Millionen Rosen produzieren – unter fragwürdigen Bedingungen. Die kaum mehr als 30 Euro monatlich sind für die Arbeiter zu wenig, um ihre Familien zu ernähren, und der massive Pestizid-Einsatz führt oft zu gesundheitlichen Schäden. Der Wasserspiegel des Naivasha ist gesunken, der See selbst durch Abwässer der Farmen verdreckt.

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Die Vitaminfalle

Sinnloser Konsum ist bekanntlich ein beliebtes Thema in meinem Konsumpf-Blog – solches Konsumverhalten zeigt sich nicht nur zur Weihnachtszeit in verschärfter Form, sondern begleitet viele Menschen tagein, tagaus, beispielsweise, wenn man mal wieder meint, irgendeinem Hype oder Trend hinterherhecheln zu müssen und so sein Handy alle paar Monate wechselt oder der neuesten Mode folgt und der Kleiderschrank deshalb aus allen Nähten platzt. An die damit einhergehende Ressourcenverschwendung wird selten genug gedacht – und die Marketingabteilungen der Konzerne befeuern diese zerstörerische und kostspielige Tendenz zum Impulskauf noch weiter mit bunten Reklamekampagnen, die den Menschen suggerieren sollen, dass sie durch den Erwerb eines industriell gefertigten Massenprodukts irgendwie glücklicher oder gar „individueller“ werden würden (was, wenn man es mal kurz mit kühlem Kopf bedenkt, ziemlicher Schwachsinn ist). Dieser Hang zu Überkonsum zeigt sich natürlich auch, wenn es um die eigene vermeintlich richtige und gesunde Ernährung geht. Lebensmittel- und die Pharmaindustrie versuchen hier schon sein längerem, ihre Umsätze durch spezielle Produkte zu steigern, die angeblich besondere Wirkungen haben (siehe das jüngste Beispiel der ordentlich teuren „Nachtmilchkristalle“, deren positive Effekte auf den Schlaf mehr als umstritten sind) oder mutmaßlichen Mangelerscheinungen vorbeugen sollen.

Seit vielen Jahren sind hier (Multi-)Vitaminpräparate besonders beliebt bei Alt und Jung, und so manch einer wirft sich jeden Morgen statt einer natürlichen gesunden Mahlzeit (Obst oder Gemüse z.B.) einen Cocktail aus überteuerten Pillen und Pülverchen ein. Dass dies nicht nur Geldverschwendung ist (für diese Präparate kann man eine Menge Geld aus dem Fenster werfen), zeigte unlängst die SWR-Dokumentation „Die Vitaminfalle“:

Mit Vitaminen tut man sich etwas Gutes. Und wer nicht genügend Obst und Gemüse isst, für den gibt es ja Ersatz in Form von Brausetabletten oder Pillen. Schon lang mahnen Wissenschaftler, dass dies so nicht stimmt: Kein Mensch braucht bei normaler Ernährung ergänzende Vitamine. Jetzt aber gibt es alarmierende neue Fakten: Immer mehr Studien zeigen, dass zu viel künstliche Vitamine sogar krank machen und Krebs auslösen können. Was ist dran an diesen Gefahren? Und drohen sie nur bei hochdosierten Brausetabletten oder auch schon durch Lebensmittel?


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OccupyXMas – Konsumbefreite Weihnachten

Jedes Jahr, seit inzwischen 20 Jahren, ruft das Adbusters Magazine zum Buy Nothing Day auf, der traditionell am amerikanischen Thanksgiving-Wochenende (= heute und morgen) stattfindet, da dies der Höhepunkt des (vorweihnachtlichen) Shoppingwahns ist. Dieses Jahr wird, so die vollmundige Ankündigung der Mannen um Kalle Lasn, der BND auf eine neue Stufe gehoben, da er in Verbindung mit der #occupy-Bewegung (ebenfalls mitinitiiert durch Adbusters) gebracht wird. Das Ergegbnis nennt sich OccupyXMas und steht unter dem schönen Motto „Alles ist gut, kauft einfach weiter ein“.

Hey dreamers, occupiers, rabble-rousers,

You’ve been sleeping on the streets for two months pleading peacefully for a new spirit in economics. And just as your camps are raided, your eyes pepper sprayed and your head’s knocked in, another group of people are preparing to camp-out. Only these people aren’t here to support occupy Wall Street, they’re here to secure their spot in line for a Black Friday bargain at Super Target and Macy’s.

Occupy gave the world a new way of thinking about the fat cats and financial pirates on Wall Street. Now lets give them a new way of thinking about the holidays, about our own consumption habits. Lets’ use the coming 20th annual Buy Nothing Day to launch an all-out offensive to unseat the corporate kings on the holiday throne.

This year’s Black Friday will be the first campaign of the holiday season where we set the tone for a new type of holiday culminating with #OCCUPYXMAS. As the global protests of the 99% against corporate greed and casino capitalism continues, lets take the opportunity to hit the empire where it really hurts…the wallet.

On Nov 25/26th we escape the mayhem and unease of the biggest shopping day in North America and put the breaks on rabid consumerism for 24 hours. Flash mobs, consumer fasts, mall sit-ins, community events, credit card-ups, whirly-marts and jams, jams, jams! We don’t camp on the sidewalk for a reduced price tag on a flat screen TV or psycho-killer video game. Instead, we occupy the very paradigm that is fueling our eco, social and political decline.

Historically, Buy Nothing Day has been about fasting from hyper consumerism – a break from the cash register and reflecting on how dependent we really are on conspicuous consumption. On this 20th anniversary of Buy Nothing Day, we take it to the next level, marrying it with the message of #occupy…

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Das Umundu Festival für nachhaltigen Konsum in Dresden

Kaum zu glauben, aber tatsächlich ist schon wieder ein Jahr rum! Und so gibt es auch 2011 das Umundu Festival in Dresden, bei dem sich vom 10.–20. November alles rund um nachhaltigen Konsum und artverwandte Themen dreht. Mehr Infos, z.B. das genaue Programm, findet Ihr auf der Website des Festivals.

Das Umundu-Festival möchte auch in diesem Jahr mit einem vielfältigen Programm die lokalen und globalen Auswirkungen unseres alltäglichen Konsumverhaltens beleuchten. In Vorträgen, Filmen und Diskussionsrunden, bei Stadtführungen sowie mit Kunst- und Kulturveranstaltungen sollen BesucherInnen und VeranstalterInnen gemeinsam Ideen und Konzepte der Nachhaltigkeit kennenlernen, erleben und gemeinsam weiterentwickeln. Den Höhepunkt des zehntägigen Programms bildet natürlich wieder unser bunter Umundu-Abschlussmarkt.

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IM FOKUS: TRANSITION TOWN – STADT IM WANDEL

Klimawandel und Peak Oil: vom Ende des „billigen“ Erdöls

Der Klimawandel dominiert die öffentliche Agenda spätestens seit dem dritten Bericht des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC 2001). Ein nicht minder wichtiges Problem aber rückt dabei oftmals in den Hintergrund öffentlicher Aufmerksamkeit: die zunehmende Verknappung fossiler Energieträger, allen voran die des billigen Erdöls. Deren Verfügbarkeit ist jedoch Voraussetzung für das Funktionieren unserer (Konsum-)Gesellschaft.
Mit dem Themenschwerpunkt TRANSITION TOWN Stadt im Wandel widmet sich das diesjährige Umundu-Festival der drängenden Frage, wie sich lokale Gemeinschaften auf die Verknappung fossiler Rohstoffe vorbereiten können und wie alternative Versorgungs- und Konsumstrategien aussehen. Vorbild hierfür ist eine junge dynamische Bewegung, die nun auch in Dresden angekommen ist: Weltweit entstehen Transition Towns, in denen sich die Bewohner auf eine lokale und nachhaltige Lebensweise nach dem Erdöl einstellen und dabei immer wieder auch Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe entdecken und verwirklichen.

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