Apr
20
2011

Chiquita – Terror für Bananen

© lusi, stock.xchng

Viele der weltweiten Konzerne haben eine Menge Leichen im Keller und sind mitnichten so harmlos und menschenfreundlich, wie sie sich in der Außendarstellung gerne geben. Das ist für den regelmäßigen Leser meines Blogs natürlich keine wirkliche Neuigkeit – seien es nun Lidl, die Mitarbeiter ausbeuten und bespitzeln, Coca Cola, die mit den Nazis kollaborierten und in Südamerika unliebsame Gewerkschaftler verschwinden lassen (siehe dazu auch die Doku „The Coca Cola Case“), Nestlé, die Gentechnik vorantreiben und dem eigenen Profit das Leben von Menschen in Afrika oder Indien unterordnen, oder Monsanto, die Agent Orange produzieren, mit dem im Vietnamkrieg fürchterliche Greueltaten an der Bevölkerung begangen wurden. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen – BP, Dow Chemical, Bayer, Deutsche Bank, Shell…

Ganz besonders tief in die Historie hinab kann man jedoch bei einem Unternehmen tauchen, das auf den ersten Blick eigentlich halbwegs unverdächtig erscheinen mag, beschäftigt es sich doch „lediglich“ mit Obsthandel – Chiquita. Klar, natürlich werden die Arbeiter auf den Plantagen ausgebeutet und kommen mit Gift in Berührung, weil sie nicht immer die richtige Schutzkleidung tragen – das erscheint einem in dieser globalisierten Welt ja schon als fast normal und wurde von mir z.B. in „Todes-Bananen unter dem Öko-Deckmäntelchen“ thematisiert. Nun stieß ich aber auf einen Artikel auf Heise, in dem weitergehende Verstrickungen des Chiquita-Konzern angesprochen werden – „Terror für Bananen“:

Justizdokumente belegen eine enge Zusammenarbeit zwischen dem US-Unternehmen Chiquita und rechten Paramilitärs in Kolumbien

Das US-Justizministerium hat 2007 nach einem mehrjährigen Verfahren gegen den Bananenkonzern Chiquita Brands International offenbar Dokumente außer Acht gelassen, die eine systematische Zusammenarbeit des US-Unternehmens mit Militärs und bewaffneten Gruppen in Kolumbien belegen. Das geht aus Justizakten hervor, an die das US-Institut National Security Archive gelangt ist. Die Forschungseinrichtung an der George-Washington-Universität in der US-Hauptstadt hat über das Informationsfreiheitsgesetz FOIA Zugang zu rund 5.500 Akten aus dem Verfahren gegen Chiquita erhalten. Die darin erhaltenen Informationen bringen nicht nur den Agrarkonzern in Bedrängnis, sondern auch die Regierungen in Washington und Bogotá. (…)

Und wenn man ein wenig tiefer in der Geschichte von Chiquita gräbt, stößt man schnell darauf, dass sie vor einigen Jahrzehnten aus der United Fruit Company hervorgegangen ist, die bereits seit 1899 tätig war und eine Unmenge von Schandtaten auf dem Kerbholz hat, die in direktem Zusammenhang mit dem US-amerikanischen kolonialen Vorgehen in Mittel- und Südamerika stehen und einem die Haare zu Berge stehen lassen. The Third World Traveler gibt ein wenig Auskunft über die Hintergründe und die Verstrickungen der United Fruit Company – „A “killing field” in the Americas: US policy in Guatemala“:

(…) Under dictator Jorqe Ubico (1931-1944), American-owned United Fruit Company (UFC) gained control of forty-two percent of Guatemala’s land, and was exempted from taxes and import duties. The three main enterprises in Guatemala — United Fruit Company, International Railways of Central America, and Empress Electrica — were American-owned (and controlled by United Fruit Company). Seventy-seven percent of all exports went to the US and sixty-five percent of imports came from the US. (…)

United Fruit was a state within the Guatemalan state. It not only owned all of Guatemala’s banana production and monopolized banana exports, it also owned the country’s telephone and telegraph system, and almost all of the railroad track. In addition to redistributing United Fruit land, the government also began competing with United Fruit in the production and export of bananas. (…)

Der Schnakenhascher geht in „Blutige Bananen“ noch ein wenig mehr auf das Treiben der UFC und Chiquita ein – definitiv ein (weiterer) Grund, diese Firma nicht noch mit dem Bananenkauf zu unterstützen!

Jeder kennt Chiquita-Bananen und andere tropische Früchte von Chiquita, welche in den Obst-Regalen unserer westlichen Welt liegen. Doch kaum jemand kennt die Geschichte des Chiquita-Konzerns, der mit seinem Obsthandel gar nicht so ungefährlich ist, wie er sich gerne darstellt. Die Firmengeschichte ist gekennzeichnet von Ausbeutung, Landraub, Umweltzerstörung, Kokainschmuggel, Mord, Regierungsstürzen, Errichtung von faschistischen Militärdiktaturen und anderer Schweinereien. (…)

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6 Kommentare »

  • Ach, sie haben alle Dreck am Stecken….

    Von wegen Bananen: Del Monte bietet in den USA jetzt ein neues Produkt an. Die “Single sealed Banana”. Eine Banane einzeln in einem Plastiksack abgepackt….

    Comment | 20. April 2011
  • [...] und menschenfreundlich, wie sie sich in der Außendarstellung gerne geben. Konsumpf nimmt sich mal Chiquita vor. Maidemo: "Ein rauer Wind weht uns entgegen: Sozialabbau, Zwangsmassnahmen gegen sozial [...]

    Pingback | 20. April 2011
  • Tai Fei

    Leider ist das noch lange nicht ins Bewusstsein vieler Konsumenten vorgedrungen. Entweder hat das Greenwashing mit der Marke funktioniert oder es scheint die Leute nicht zu interessieren. Gerade hier im Osten müsste UFC unter den älteren Semestern eigentlich ein Begriff sein. Das konnte ich gerade auch in jüngerer Vergangenheit leider nicht bestätigen. Da brüsten sich einige doch tatsächlich nur eben diese Bananen zu kaufen. :(

    Comment | 20. April 2011
  • Bananen gibt’s mittlerweile in Bio – Qualität in fast jedem Supermarkt. Ob die aber auch unter fairen Bedingungen produziert werden?

    Hier gibt’s den passenden AdBuster dazu:
    http://ethify.org/content/mehr-banane-geht-nicht-0

    Comment | 25. April 2011
  • hopefaith

    Danke für den Beitrag, das wusste Ich auch noch nicht. Leider gibt es in unserer ganzen Stadt ausschließlich Chiquita-Bananen. Ich werde mir wohl was einfallen lassen müssen.

    Comment | 25. September 2011
  • Michael Knorr

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen die besser verdienen, sich mehr Gedanken um solche Themen machen und sich die überteuerten Öko-Lebensmittel leisten können. Solange aber assozialen Konzerne wie Chiquita unsere Wirtschaft in der Hand haben und Politiker schmieren, wird sich das leider niemals ändern.

    Comment | 14. Februar 2012

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