Jan
15
2012

Werbung am Rande der Apokalypse (Teil 2)

Dies ist der zweite Teil meiner Übersetzung des Artikels „Advertising at the Edge of the Apocalypse“ von Prof. Sut Jhally über die negativen Folgen der Reklame auf unsere Gesellschaft. Teil 1 findet Ihr HIER.

——————–

Glück/Freude

Jede Gesellschaft erzählt sich eine Geschichte über Glück/Glücklichsein, wie die einzelnen Individuen sich zufrieden stellen können und sich sowohl subjektiv wie objektiv gut fühlen. Das Kultursystem der Werbung gibt eine ganz spezifische Antwort auf diese gesellschaftliche Frage. Der Weg zu Glück und Zufriedenheit führt über den Konsum von Dingen über den Marktmechanismus. Waren sollen uns glücklich machen. (Leiss 1976, S. 4) Im Grunde genommen ist dies die wesentliche und ausdrückliche Botschaft jeder einzelnen Botschaft innerhalb des Systems der Marketingkommunikation.

Weder die Tatsache, dass Werbung die Vorstellungswelten kolonialisiert, noch dass sie die Geschichte propagiert, dass Waren eine zentrale Rolle in der Erreichung menschlicher Zufriedenheit spielen sollte uns überraschen. Die gewaltige Anhäufung von Gütern muss konsumiert werden (um anschließend noch mehr Güter zu produzieren), und die Art und Weise, wie dies sichergestellt wird, ist, Güter mit Glücklichsein zu verknüpfen. Insider dieses Systems haben diese offensichtliche Tatsache schon vor vielen Jahren erkannt. Verkaufsanalyst Victor Liebow schrieb direkt nach dem 2. Weltkrieg: „Unsere enorm produktive Wirtschaft… verlangt, dass wir Konsum zu unserer Lebensweise machen, dass wir das Kaufen und Verkaufen von Gütern zu Ritualen machen, dass wir unsere spirituelle Erfüllung, unsere Ego-Erfüllung in Waren suchen. Wir brauchen, dass Dinge in immer schnellerem Maße konsumiert, verbrannt, aufgetragen, ersetzt und weggeworfen werden.“ (in Durning 1991, S. 153)

Wirtschaftswachstum wird also nicht nur einfach auf der Grundlage gerechtfertigt, dass es Beschäftigung schafft (letztlich könnten auch andere Nicht-Produktions-Tätigkeiten dies bewerkstelligen), sondern weil es uns Zugang zu noch mehr Dingen verschafft, die uns glücklich machen. Diese Begründung für das derzeitige System der permanent steigenden Produktion wird uns von der Werbung in möglichst unwiderstehlicher Art erzählt. Genau diese Erzählung, dass die menschliche Zufriedenheit untrennbar mit den Einrichtungen des Marktes, mit Wirtschaftswachstum verbunden ist, ist die größte Motivationskraft für soziale Veränderungen, während wir ins 21. Jahrhundert starten.

Die sozialen Umstürze in Osteuropa wurden durch diese Vision angetrieben. Gloria Steinhem beschrieb die Wandlung in Ostdeuschland: „Erst haben wir eine Revolution, dann gehen wir shoppen.“ (in Ehrenreich 1990, S. 46) Die Attraktivität dieser Vision für die Dritte Welt ist ebenfalls leicht zu erkennen. Wenn deine Realität aus leeren Mägen und leeren Regalen besteht, erscheint die Marktwirtschaft als Wundermittel für deine Probleme. Wenn Deine Realität Hunger und Verzweiflung ist, darf es niemanden überraschen, dass die verführerischen Bilder von Begehren und Überfluss, die das Werbesystem aussendet das Denken über soziale und ökonomische Politik beeinflussen. Tatsächlich ist nicht nur Glück, sondern auch politische Freiheit durch den Zugang zu den gewaltigen Warenanhäufungen möglich gemacht worden. Dies sind sehr mächtige Geschichten, die Glück und Freiheit mit Konsum gleich setzen, und Werbung ist der wichtigste Propagandaarm für diese Ansichten.

Die Frage, die wir uns in diesem Moment stellen müssen (und die praktisch niemals gestellt wird) ist: „Ist das wahr?“ Kommt Glücklichsein wirklich durch materielle Dinge? Werden wir als Gesellschaft glücklicher, wenn unser Lebensstandard noch weiter ansteigt, indem wir noch mehr Zugang zu dem gewaltigen Haufen an Waren haben? Dies sind offensichtlich sehr komplexe Themen, aber die grundsätzliche Antwort auf diese Fragen ist: „Nein“. (Siehe Leiss et al, 1990, Kapitel 10, für eine umfassende Diskussion dieser Themen.)

In einer Reihe von Studien, die in den USA von 1945 an durchgeführt wurde („Die Glücks-Studien“ genannt) suchten Forscher nach der Verbindung von materiellem Wohlstand und subjektivem Glücklichsein und kamen zu dem Schluss dass in einer Gesellschaft sowohl über Kulturen wie auch über Zeiten hinweg betrachtet, nur eine schwache Verbindung besteht. Warum sollte dies so sein?

Wenn wir uns diese Entwicklung nähr anschauen, erscheinen die Schlussfolgerungen weniger überraschend als wir nach unserem intuitiven Empfinden zunächst meinen. In einer anderen Reihe von Studien (den „Lebensqualitäts-Umfragen“) wurden Leute danach gefragt, welche Dinge wichtig für sie sind, um eine gute Lebensqualität zu erreichen. Die Befunde dieser Forschung lassen erkennen, dass, wenn die Elemente der Zufriedenheit in soziale Werte (Liebe, Familie, Freunde) und materielle Werte (wirtschaftliche Sicherheit und Erfolg) aufgeteilt werden, die ersteren die letzteren signifikant an Bedeutung übertreffen. Was Menschen wirklich in ihrem Leben wollen ist: Unabhängigkeit und Kontrolle über ihr Leben; gute Familienbande; stressfreie Freizeit; enge und gute Freunde; sowie Romantik und Liebe. Das soll nicht heißen, dass materielle Werte nicht wichtig wären. Sie bilden eine notwendige Komponente guter Lebensqualität. Aber oberhalb eines bestimmten Grades von Wohlstand und Komfort hören materielle Dinge auf, uns die Form von Befriedigung zu geben, die die magische Welt der Werbung uns vorgaukelt.

Diese Schlussfolgerungen deuten auf eine große Ironie des marktwirtschaftlichen Systems hin. Der Markt ist gut darin, die Dinge zu liefern, die ge- und verkauft werden können, und er treibt uns mit Hilfe der Reklame in diese Richtung. Aber die wahren Quellen für das Glücklichsein können vom Markt nicht geliefert werden. Der Markt kann keine Liebe, keine wirkliche Freundschaft liefern, er kann nicht für Geselligkeit sorgen. Er kann andere materielle Dinge und Dienstleistungen liefern, aber diese machen uns nicht wirklich glücklich.

Die Werbeindustrie weiß das seit den späten 1920er Jahren und hat in der Tat seitdem damit aufgehört, uns Sachen nur aufgrund ihrer materiellen Qualitäten zu verkaufen. Wenn wir uns Reklame am Ende des 19. und den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts anschauen, sehen wir, dass Werbung damals viel über die Eigenschaften der Waren sprach, was sie können, wie gut sie es können etc. Aber in den 1920er Jahren ging Reklame dazu über, über die Beziehung von Objekten zum sozialen Leben von Menschen zu sprechen. Sie begann damit, Waren (die Dinge, die sie verkaufen muss) mit kraftvollen Bildern von einem von ganzem Herzen gewünschten sozialen Leben zu verbinden, das sich die Leute wünschen.

Kein Wunder, dass Werbung uns so attraktiv vorkommt, so kraftvoll, so verführerisch. Was sie uns anbietet sind Bilder von den wirklichen Quellen menschlicher Zufriedenheit, wie Familienleben, Romantik und Liebe, Sex und Lust, Freundschaft und Geselligkeit, Freizeit und Erholung, Unabhängigkeit und Kontrolle über das eigene Leben. Deshalb ist Werbung so kraftvoll, darum geht es wirklich. Die grausame Illusion der Werbung liegt jedoch in der Art und Weise, wie sie diese Werte mit einem Ort verknüpft, der sie nicht liefern kann – dem Markt und der gewaltigen Güteransammlung. Die Falschheit der Werbung liegt nicht in den Anziehungskraft, die sie ausstrahlt (diese ist sehr real), sondern in den Antworten, die sie anbietet. Wir möchten Liebe und Freundschaft und Sexualität und Reklame weist uns den Weg dorthin über Gegenstände.

Werbung abzulehnen, weil sie falsch und manipulativ ist, geht am Kern der Sache vorbei. Der Werber Jerry Goodis hat es so formuliert. „Werbung spiegelt nicht wider, wie Menschen sich verhalten, sondern wie sie träumen.“ (Nelson 1983) Sie packt uns bei unseren wirklichen Gefühlen und verpackt diese neu, um uns an die Welt der Dinge zu binden. Was Werbung in dem Sinne wirklich widerspiegelt, ist das Traumleben unserer Kultur. Selbst dies vereinfacht einen tiefer liegenden Vorgang, weil Werber mehr machen als nur unser Traumleben widerzuspiegeln – sie arbeiten daran, es zu erschaffen. Sie übersetzen unsere Wünsche (nach Liebe, Familie, Freundschaft, Abenteuer, Sex) in unsere Träume. Werbung ist wie eine Fantasiefabrik, die unser Verlangen nach menschlichen Kontakten nimmt, es wiederverwendet, neu mit Sinn auflädt, es mit der Welt der Waren verknüpft und dann in eine Form übersetzt, die kommuniziert werden kann.

Die große Ironie liegt darin, dass, während Reklame dies tut, sie uns weiter davon entfernt, was wirklich in der Lage wäre, uns zu befriedigen (sinnvolle menschliche Kontakte und Beziehungen) und uns dem näher bringt, was dies nicht kann (materielle Dinge). In diesem Sinne reduziert Werbung unsere Fähigkeit, glücklich zu sein, indem sie uns drängt, beschwatzt, uns in die Richtung der Dinge zu bewegen. Wenn wir wirklich eine Welt erschaffen wollten, die unsere Träume widerspiegelt, wäre dies nicht die Konsumkultur. Sie würde sich deutlich von der heutigen unterscheiden – eine Gesellschaft, die die Institutionen errichtet, die soziale Beziehungen fördert statt die ewige Anhäufung von materiellen Dingen.

Die Rolle, die Werbung darin spielt, uns in diese unergiebige Richtung zu weisen, ist grundlegend. In gewissem Sinne ist ihre Funktion analog zu einem Drogendealer an der Straßenecke. Wenn wir versuchen, unsere Abhängigkeit zu Dingen zu überwinden, ist sie da, um uns andauernd den nächsten „Schuss“ anzubieten. Indem sie fortwährend die Idee transportiert, dass gutes Leben mit Waren verbunden ist, und indem sie jede Ecke und jedes Versteck unserer Kultur, in der alternative Ideen entstehen könnten, kolonialisiert, ist Werbung ein wichtiger Teil, das zu erschaffen, was Tibor Scitovsky (1976) als „die freudlose Wirtschaft“ bezeichnet hat. Die große politische Herausforderung, die aus dieser Analyse erwächst, besteht darin, wie wir unsere realen Wünsche mit einer wirklich humanen Welt verknüpfen anstatt mit der toten Welt der „gewaltigen Anhäufung von Produkten“.

———

In den nächsten Tagen folgt dann der nächste Teil des Artikels!

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22 Kommentare »

  • Das ist toll geschrieben, sehr erhellend. Vielen Dank für diese Entdeckung, insbesondere fürs Übersetzen!

    Comment | 15. Januar 2012
  • GhostDog

    Da schließe ich mich meinem Vorredner an, vielen Dank für die Übersetzung!

    Comment | 16. Januar 2012
  • Hirnchirurg

    Vielen Dank für die Übersetzungen

    Comment | 16. Januar 2012
  • First Of One

    Erst einmal auch von mir ein Danke für die Übersetzung! Schön dass es Menschen gibt die so etwas können und solche “Mühen” nicht scheuen :D

    Nun etwas Kritik am Text. Ich gehe davon aus, dass es richtig übersetzt wurde.
    Leider strotzt auch dieser Text von, einige nennen es Haarspalterei, ich nenne es Neusprech.

    Ein paar Beispiele.
    Beschäftigung wird wie so oft mit Arbeit (hier mit der Produktionarbeit) gleichgesetzt. Ein Irrglaube und leider mMn entweder Absicht (die Ich hier nicht erkennen kann) oder einfach nur jahrelange Konditionierung und nachplappern. Beschäftigen “muss” man z.B. Kleinkinder wenn/damit sie nicht ständig nerven – oder eben das “dumme” Volk, damit es abgelenkt ist und nicht über ihre eigenen Probleme nachdenken kann und schon gar nicht über das was uns andauernd “verkauft” wird (z.B. auch Politikergeschwafel).
    Bitte Leute denkt selbst mal nach was Beschäftigung bedeutet. Wenn ich unbedingt Beschäftigung brauche (nicht Arbeit), dann weiß ich als erwachsener sehr gut mit was oder wie ich mich beschäftigen kann und wenn es nur stupides TV glotzen ist.

    Unsere Träume.
    Warum nicht Sehnsüchte, Wünsche, Bedürfnisse o.d.g.?
    Ich glaube nicht, dass nur ein Traum von mir für irgend eine Werbung herhalten kann – außer evtl. für einen Trailer zu einem Horrorstreifen *G* – niemand (ausser evtl. Freud und noch ein paar andere Traumdeuter) würde da etwas verstehen! Mir, wenn ich darüber nachdenke, suggeriert diese Verwendung “Unerreichbarkeit” oder sogar “Angst”. Was soll das?
    Was soll in dem Zusammenhang auch immer das “unsere”, “wir”, “alle” – Sind denn alle Menschen gleich? Rhetorischer Kniff und NLP – Absichtlich? Ja, bewusst oder unterbewusst wird damit die Aufmerksamkeit gelenkt.
    In dem Zusammenhang – “Werbung ablehnen…. geht am Kern der Sache vorbei” Ist das hier von Adblock-Plus mit neuer Default-Einstellung?? Ich bin nicht “ALLE” und ich lehne Werbung Ab! Egal welchen Kern der gute ausgemacht haben will! Werbung spiegelt auch nicht wieder wie Menschen Träumen (siehe oben), sonder wie sie gefälligst “träumen” sollen!

    1. Wenn wir wirklich eine Welt erschaffen wollten….
    Wirklich???
    In dem Zusammenhang:
    2. Eine wirklich humane Welt….
    Zu 1.
    “Wir” müssen/können keine Welt erschaffen – sie ist schon da!!
    “Wir” müssen/können sie gestalten, erhalten – lebenswert!
    Zu 2.
    Was soll es sonnst sein als eine Human(e)oide Welt (aus Sicht des Menschen) human wird immer mit “Gut” “moralisch überlegen” o.s.ä. gleichgesetzt – nur ist der Mensch in all seinen Fassetten nicht ausschliesslich Gut oder moralisch überlegen” usw. er ist ebenfalls eine Bästie u.v.m.
    “das ist doch unmenschlich!” hört man immer wieder bei Greultaten usw. – Ist es nicht! Was soll es sonnst sein? Es sei den es war ein Tier das z.B. jemand gefressen hat. Dann war es nicht-/un-menschlich.
    Zu 1. u 2.
    MMn Gotteswahn – das Ebenbild Gottes, gottesgleich usw. moralisch höchste Instanz. über die Jahrtausende eingetrichtert Wahn zur Kontrolle von Massen.

    Das soll mal genügen. Ist eh harter Tobak für einige/viele.

    Nicht für ungut und nochmal Danke für das Übersetzen. Ich lese gern hier das Blog.

    LLAP =Λ=

    Comment | 17. Januar 2012
  • @ First of One: ich denke, die Haarspaltereien sind überflüssig, da ich ja den Text nur ruckzuck übersetzt habe und es sinnlos ist, sich an einzelnen Begriffen aufzuhängen, die ich in Ermangelung eines besseren benutzt habe (zumal man Begriffe ja immer auch in verschiedene deutsche Worte übertragen kann und es demnach offen ist, wie genau es der Autor gemeint hat – ich bin kein professioneller Übersetzer und empfehle deshalb die Lektüre des Originals, wenn Zweifel bestehen). Z.B. kann man unter “dreams” natürlich auch Sehnsüchte etc. verstehen (ich kann bei der Übersetzung halt nur ein Wort benutzen, sonst müsste ich bei jedem englischen Begriff sowas wie “Träume/Begierden/Sehnsüchte/Wünsche” schreiben, was die Lektüre unmöglich macht), und unter Arbeit wird ja im Text explizit NICHT nur Produktionsarbeit verstanden, darauf weist der Autor ja direkt hin.

    In dem Zusammenhang – “Werbung ablehnen…. geht am Kern der Sache vorbei” Ist das hier von Adblock-Plus mit neuer Default-Einstellung?? Ich bin nicht “ALLE” und ich lehne Werbung Ab! Egal welchen Kern der gute ausgemacht haben will! Werbung spiegelt auch nicht wieder wie Menschen Träumen (siehe oben), sonder wie sie gefälligst “träumen” sollen!

    Das hast Du auch vollkommen falsch verstanden – es geht nicht darum, dass es am Kern der Sache vorbei ginge, Werbung abzulehnen, sondern sie aus den von Dir mit … ausgeblendeten Gründen abzulehnen. Ansonsten sagt der Autor ja genau das, nämlich dass Reklame den Leuten etwas vorgaukelt und quasi auf ein paar tiefempfundene Wünsche aufsetzt, um diese (pervertiert) mit Waren in Verbindung zu setzen.

    Comment | 17. Januar 2012
  • First Of One

    Schade dass Du es auch Haarspalterei (ein anderes Wort ist “Wortglauberei”) nennst seis drum… war mir Bewusst, das das so kommen könnte.

    Trotzdem eins dazu “NICHT nur Produktionsarbeit” – Richtig! Dennoch Arbeit und Beschäftigung ist NICHT Arbeit!! Und. Unabhängig von diesem Text taucht das überall auf – Selbst bei so genannten Experten (z.B. auch Beschäftigungsverhältnis für ein Arbeitsverhältnis :lol: )

    Schade ob deiner Scheuklappen und wenig Wille sich etwas Zeit zu nehmen…. Vielleicht schrieb ich aber auch im Falschen Blog/Kommentarbereich – sry.

    So Long…

    Comment | 17. Januar 2012
  • @ First of One – das Wort “Haarspalterei“ hast Du ja selbst benutzt. ;-) Und das mit den Scheuklappen lasse ich so natürlich nicht stehen – da Du Dich auf meine eilig hingeklöppelte Übersetzung und deren Begriffe beziehst, die vollkommen austauschbar sind, ist es aber m.E. nicht so sonderlich sinnvoll, da auf einzelnen Teilaspekten herumzureiten. Leider habe ich nicht so viel Zeit im Moment, um über jeden Satz lange nachzugrübeln – mir ging es darum, den Artikel möglichst schnell in den Blog zu bringen, für alle diejenigen, die des Englischen nicht so mächtig sind. Und an dem Artikel als solchen kann ich eh nichts ändern, der stammt nicht von mir. Ja, die Amis schreiben leider gerne in diesem “wir”-Stil, den ich auch nicht mag. Das ändert dennoch nichts an der Richtigkeit der grundsätzlichen Aussagen, die sich ja auf die Schädlichkeit und Funktionsweise der Reklame beziehen und keine soziologische Abhandlung darüber darstellen sollen, wie genau die Träume einzelner Menschen aussehen. ;-) Klar kann man sich auch Gedanken darüber machen, was nun eine “menschliche Welt” bedeutet und dass Arbeit nicht gleich Beschäftigung ist – nur darum ging es in dem Text eben nicht, das würde den Rahmen eines (ohnehin schon sehr umfangreichen!) Artikels vollkommen sprengen. Ich denke, ich kann das, was Du zu den Themen schreibst, durchaus nachvollziehen.

    Comment | 17. Januar 2012
  • First Of One

    Ok, eins noch zu deinem Nachtrag:

    “Werbung abzulehnen, weil sie falsch und manipulativ ist, geht am Kern der Sache vorbei.”

    Was ist daran falsch zu verstehen? Ich erachte Werbung eben als falsch und manipulativ und deswegen (u.a.) lehne ich sie ab. Und. Das nicht mit ausgeblendeten Gründen.

    “Ansonsten sagt der Autor ja genau das…”
    Ich habe nicht den ganzen Text zerissen und finde auch einiges gut und lesens- wie nachdenkenswert.

    Sry für Kritik…

    Comment | 17. Januar 2012
  • Ich lehne Werbung ja auch aus den Gründen ab – aber der Autor meint eben, dass die Gründe für eine Ablehnung der Werbung noch tiefer liegen als das, was man in manchen Diskussionen über Reklame leider oft genug hört. Ich fand’s einen interessanten Gedanken des Autoren – selten genug, dass Werbekritik mal so ausführlich dargelegt wird. :-) Ich hätte vielleicht schreiben sollen: “Werbung NUR AUS DEM GRUND abzulehnen, weil sie falsch und manipulativ ist, …”

    Comment | 17. Januar 2012
  • First Of One

    “das Wort “Haarspalterei“ hast Du ja selbst benutzt.” ja – das ANDERE das oft so sehen – anscheinend so auch du.

    “…begriffe … die vollkommen austauschbar sind…”
    tut mir sorry – nein – das sind sie nicht!

    entschuldige bitte das ich dir deine zeit “stehle” – ich muss jetzt auch los…

    so long…

    Comment | 17. Januar 2012
  • Ich wiederhole mich da noch mal:
    “Leider habe ich nicht so viel Zeit im Moment, um über jeden Satz lange nachzugrübeln – mir ging es darum, den Artikel möglichst schnell in den Blog zu bringen, für alle diejenigen, die des Englischen nicht so mächtig sind. ”

    Von daher muss ich mich bei der Übersetzung schnell für einen Begriff entscheiden – dass das im Einzelfall nicht immer ideal gelingt und bei dem einen oder anderen für Stirnrunzeln sorgt, ist halt so, damit muss ich dann leben. Wie gesagt, Deine Kritik ist (vom Grundsatz her) sicherlich auch berechtigt – und natürlich kann ich auch nicht alles uneingeschränkt gutheißen, was bzw. wie der Autor schreibt.

    Comment | 17. Januar 2012
  • First Of One

    Hallo Peter,

    danke für deine Wiederholung bzw. ergänzende Erklärung. Ich glaube ich kann das jetzt nachvollziehen (ganz verstehen kann ich es jedoch nicht, will das jetzt aber nicht ausbreiten – es sei denn Du fragst direkt danach ;) ).

    Bei “all diejenigen, die des Englischen nicht so mächtig sind.”, da fühle ich mich auch angesprochen. Ich kann zwar Englisch aber nicht derart gut, das ich alles verstehen würde und es oft mühselig und zeitintensiv ist, all das was ich nicht verstehe nach zuschauen (davon abgesehen, dass nicht alles was man nachschaut immer den Sinn auch wirklich trifft). Da bin ich froh wenn sich ein andere die “Mühe” (deshalb in Anführungszeichen, weil es ja nicht immer Mühe sein muss, sondern auch Freude sein kann) macht und so etwas dann veröffentlicht.
    Wann immer ich Zeit und auch Lust dazu habe, lese ich so etwas gerne :D

    Comment | 17. Januar 2012
  • Christian

    Hallo First of One,

    kannst du mir erklären, wie du Werbung konkret “ablehnst”? Wie dir das gelingt, meine ich? Es klingt so, als ob du Werbung komplett aus deinem Leben verbannt hättest. Da wäre ich neugierig.

    Die rein bewusst-kognitive Entscheidung oder auch eine kritische Entscheidung “gegen Werbung” macht ja noch lange nicht immun gegen die Einflüsse einer Werbekultur, die nahezu alle Lebensbereiche durchdringt.

    Wenn ich den Text richtig erinnere, ging es dem Autoren darum, dass “Werbung ablehnen” viel zu kurz greift. Es ging nach meiner Erinnerung um die Erkenntnis, dass Werbung als übergreifendes Kulturmedium längst unsere Werte, Normen und Weltbilder prägt, ja, beeinflusst und durchdringt. Das geschieht keinesfalls auf einer rein bewussten Ebene und ist auch mit einer bewussten Ablehnung von Werbung nicht zu korrigieren.

    Dann mal los, ich bin gespannt.

    Comment | 18. Januar 2012
  • First Of One

    @ Christian,
    Du hast natürlich recht, Werbung komplett aus dem Leben verbannen geht nicht, aber das weißt Du ja selbst und ich denke deshalb, Du hast das schon bewusst konstruiert, denn das habe ich nie so gesagt!

    Zu 100% immun gegen Werbung, das würde ich auch nicht behaupten, dass ich das bin – aber – wohl zu 98%.
    Wie ich das mache – nun – ich befasse mich schon seit Jahren mit dem menschl. Bewusstsein, dem Unterbewusstsein, mit Methoden der Manipulation, Mit PR, Werbung etc.
    Warum also nicht zu 100%. Ganz einfach. Ein Manipulierer will nicht dass die Manipulation erkannt wird, denn dann ist es keine Manipulation mehr – ergo, gerade deshalb ist es oft schwer so etwas zu erkennen bzw. unmittelbar zu erkennen.

    Wenn Du mir nicht glaubst, dass ich mittlerweile sehr gut erkennen kann was Werbung ist und was nicht, oder was manipulieren bzw. beeinflussen soll (tatsächlich versuchen Menschen so gut wie immer andere zu manipulieren (beeinflussen) – so z.B. auch hier das Blog mit diesen Texten. Ob das gut oder schlecht ist, das muss jeder für sich entscheiden), dann ist das Deine Meinung, Tatsache ist es aber nicht.

    “… Werbung als übergreifendes Kulturmedium… unsere Werte … prägt…”
    Bitte spreche nur für dich und nur für die die du kennst, die das auch so sehen.
    Ich hingegen sehe Werbung weder als Kultur(-medium oder -gut), Werbung ist für mich einfach nur Trash/Crap, noch lasse ich mich dadurch prägen oder gar mein Weltbild bestimmen, in der Art wie es die Lügenwerbeindustrie will. Mein eigenes Weltbild wird durch Werbung nicht geprägt, aber bzw. allenfalls durch Werbung bestätigt.

    “…Werbekultur, die nahezu alle Lebensbereiche durchdringt. …”
    Nochmal. Werbung und Kultur geht für mich niemals zusammen!
    Wenn Du dir zu allen deinen Lebensbereichen Werbung hinzu fügst und diese auch unentwegt beachtest, sry, dann ist das deine eigene schuld.

    “…Das geschieht keinesfalls auf einer rein bewussten Ebene und ist auch mit einer bewussten Ablehnung von Werbung nicht zu korrigieren….”
    Teilweise falsch und teilweise richtig!
    Richtig ist, die Manipulation geschieht nicht nur auf einer bewussten Ebene, sondern werden auch und das nicht zu knapp unterbewusste Mechanismen getriggert und darüber hinaus noch zusätzliche konditioniert. Aber.
    Du musst dir erst mal bewusst werden was da abläuft um dann auch deinem Unterbewusstsein beizubringen wie es mit Werbung/Manipulation umgehen soll – in dem fall das Dilema zu korregieren. Um etwas im Unterbewusstsein zu verankern, muss es vorher bewusst trainiert werden.

    Ich hoffe das beantwortet Deine Frage weitgehend.

    —————————

    “Dann mal los, ich bin gespannt.”
    *rofl* Hochmut kommt vor dem Fall ;)

    Comment | 20. Januar 2012
  • @ First of One: Deine Einstellung zu Reklame an sich finde ich sehr sympathisch , die deckt sich auch mit meiner Ablehnung. :-) Dass leider nicht alle Menschen so denken, wurde mir vor einer weile wieder klar, als eine Freundin, die in der Werbebranche tätig ist, allen Ernstes meinte, dass Reklame ein wichtiger Teil der Kultur sei und die Leute informiere! Da fiel mir natürlich auch erst einmal die Kinnlade herunter…

    “…Werbekultur, die nahezu alle Lebensbereiche durchdringt. …”

    Ich denke, da hast Du etwas falsch verstanden. Es geht keineswegs darum, Werbung als wertvolles Kulturgut zu empfinden, sondern dass Reklame, Kommerz und der von ihnen vorangetrieben Konsumismus die ganze Kultur beeinflussen nd durchziehen; teils offensichtlich (Sponsoring & Co.), teils verdeckt. Und DIESEM Einfluss kann man sich auch dann nur schwerlich entziehen, selbst wenn man Reklame ansonsten vermeidet.

    Comment | 21. Januar 2012
  • First Of One

    Hallo Peter,

    wie jetzt, Du nennst Werbeheinis deine Freunde? *fg*

    Wie schreib ich jetzt um nicht zu weit auszuholen hmmmm

    Ok, erst einmal, es ist natürlich deine Sache wen Du als deinen Freund/in betrachtest. Es liegt mir fern und steht mir auch nicht zu Dir da Vorschriften machen zu wollen.

    Ich habe es auch versucht und lange Zeit mit ein paar Menschen verkehrt, die direkt oder indirekt in der Werbebranche tätig sind/waren. Letztendlich brach ich den Kontakt ab. Die Meinungen und Einstellungen gingen einfach zu weit auseinander um diese Menschen in meinem Freundeskreis zu dulden. Hin und wieder muss ich mit Marketingfuzzies zusammenarbeiten. Das beschränkt sich dann aber auf die Arbeit und geht niemals bis in die Freizeit – da trenne ich mittlerweile rigoros – Selbst Firmenfeiern dieser Heinis meide ich konsequent.

    Natürlich lebe ich auch in dem was ist, also auch in der, wie die das nennen, Werbekultur. Aber. Wenn es nicht ich bin, der sich dem entzieht, wer sollte es sonnst für mich tun. Soweit wie ich das kann, soweit tue ich das auch und immer wenn es mir nicht gelingt bin ich regelmäßig angewidert – mal mehr mal weniger.

    OK, ich möchte das jetzt nicht zu sehr in die Länge ziehen. Es gibt nur wenige Menschen (zumindest kenne ich nur wenige) die das verstehen, verstehen können und auch verstehen wollen und immer wieder muss man sich erklären.

    Comment | 21. Januar 2012
  • First Of One

    noch etwas zu deiner Freundin.
    Es ist das was sie glauben soll. Das was man ihr beigebracht hat und möglicherweise ist es sogar zu ihrer Überzeugung geworden.
    Konfrontiert man solche Menschen mit dem schädlichen oder mir Gräueltaten der Konzerne etc. machen die regelmäßig zu und wolle es gar nicht wissen. Sie wollen sich nicht selbst prüfen und ihr handeln überdenken.
    Nur ein Beispiel. Ich habe mal ein paar Leute die als Dienstleister für Coca-Cola tätig sind auf die Webseite killercoke.org und den dazu gehörenden Dokumentarfilm “the coca-cola case” (gibts auf youtube auch in deutscher sync). Alle wollten es nicht wissen, sogar der Chef dieser Firma nicht, dass da Menschen ermordet werden usw. – manche behaupteten sogar es wäre ein Fake und nicht die Wahrheit.

    Comment | 21. Januar 2012
  • @ First of One – tja, ich bin halt tolerant und dulde auch Menschen mit Reklamehintergrund in meinem Freundeskreis, ja. :-) Übrigens passt sie nicht ganz in Dein Klischeebild, da sie sogar “Culture Jamming” von K. Lasn gelesen hat und durchaus bereit ist, über solche Dinge nachzudenken und zu diskutieren. Zudem ist sie noch jung, also formbar, hehe, deshalb werde ich da weiter am Ball bleiben. Ich halte sie für noch nicht verloren! Man muss ja bedenken, dass Kalle Lasn selbst in einer Werbeagentur gearbeitet hat, bevor ihm klar wurde, was er da macht, und so manch Mitarbeiter bei Adbusters hat ebenfalls Erfahrung in der Branche.

    Deine Ansichten zur Werbung allgemein verstehe ich gut, denke ich, und ich teile sie auch.

    Comment | 21. Januar 2012
  • First Of One

    Hmmmm Peter,

    ich muss mir da wohl an die eigene Nase fassen, anscheinend habe ich da etwas zu verallgemeinernd geschrieben. Diesen Vorwurf darfst Du mir gerne machen. Ich bin auch nicht perfekt und gestehe mir sogar Fehler zu, aus denen ich lernen kann. Zumal die Informationen die mir über diese Frau vorlagen, mehr als mangelhaft waren und ich deshalb zuerst auch gar nichts zu ihr schreiben wollte (erster Kommentar dazu). Warum ich dann doch dazu schrieb? Nun. Ich bin auch nur ein Menschlein und nicht perfekt.
    Sicherlich hast Du auch andere Erfahrungen und Beobachtungen wie ich, zum Glück sind wir ja nicht alle gleich. Aber.
    Meine Beobachtungen und Erfahrungen dann sogleich als Klischee hin zustellen, das halte ich doch, wohlwollend formuliert, als etwas frech. Weiter will ich das jetzt gar nicht ausführen und klinke mich hier jetzt aus.

    Viel Glück noch auf deiner Mission, andere retten zu wollen (klingt mir nach einer Art religiösem Fanatismus). Was ich davon halte, andere nach seiner Vorstellung formen zu wollen, das soll sich der geneigte Leser bitte selbst denken.

    Comment | 22. Januar 2012
  • “Viel Glück noch auf deiner Mission, andere retten zu wollen (klingt mir nach einer Art religiösem Fanatismus). Was ich davon halte, andere nach seiner Vorstellung formen zu wollen, das soll sich der geneigte Leser bitte selbst denken.”

    Meine Güte, nimmst Du hier aber jede Formulierung ernst… Versuchst Du nie, in Diskussionen, Leute mit Informationen zu versorgen, die ihnen bisher fehlten, so dass sie vielleicht ins Nachdenken kommen? Fändest Du es “religiös fanatisch”, “nach der eigenen Vorstellung formen”, wenn jemand, indem man ihn/sie mit entsprechenden Hintergrundinfos füttert, aufhört, Reklame für etwas Wertvolles zu halten? Klar versuche ich andere auch zu beeinflussen, sonst gäb es ja den Blog hier nicht. Aber sonst bräuchte man ja auch gar nicht zu kommunizieren (also z.B. auch nicht in die Kommentarspalte eines Blogs zu schreiben ;-) Letztlich formt unsere “Werbekultur” die Menschen ja leider viel stärker, und dort ein Gegengewicht zu setzen (z.B. mit dem Blog, in Diskussionen etc.) halte ich für wichtig.

    Comment | 22. Januar 2012
  • First Of One

    Du musst dich nicht rechtfertigen, es wäre nur schön wenn Du auch das schreiben würdest, was du meinst.
    Es macht für mich überhaupt keinen Sinn hier weiter zu kommentieren, wenn das was Du eben noch geschrieben hast, im nächsten Augenblick etwas ganz anderes bedeuten soll. Wenn man Dich nicht ernst nehmen soll, Warum schreibst du nicht einfach Komödie oder Satire dazu?
    Ach und das “hehe”, das spricht für mich doch eine eindeutige Sprache, auch wenn du das ganz anders siehst, bzw. Du Dir scheinbar erst hinterher Gedanken machst was Du verzapft hast, oder es vielleicht einfach nur relativieren möchtest.

    Nimm das alles nicht so persönlich. Ich kenne Dich gar nicht persönlich!

    Danke für die Aufmerksamkeit!
    So long und mach es Gut!

    Comment | 22. Januar 2012
  • “Du Dir scheinbar erst hinterher Gedanken machst was Du verzapft hast, oder es vielleicht einfach nur relativieren möchtest.”

    Es ist eher so, dass ich nicht davon ausgehe, dass meine Worte hier auf die Goldwaage gelegt werden. Ich könnte Deine Ausführungen hier in der gleichen Art sezieren und mich auf diskutable Einzelheiten/Formulierungen fokussieren wie Du bei den meinigen – nur kommt dabei nichts Zielführendes heraus. Ich vermute ja zu verstehen, was Du meinst, da muss ich dann nicht ein einzelnes Detail beleuchten. Und damit dann auch genug dieser Diskussion, sie führt uns zu weit weg vom eigentlichen Thema des Artikels. :-)

    Comment | 22. Januar 2012

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