Na, habt Ihr in den letzten Tagen fingernägelkauend, schweißnass und voller Angst die Talfahrt der internationalen Börsenkurse verfolgt? Oder gar den entsprechenden medialen Rummel im Fernsehen in Euer Leben gelassen? Gut so wenn nicht, würde ich mal behaupten. Denn was mich an der „Börsenberichterstattung“ schon früher immer gewundert bis verärgert hat ist, dass sich die Journalisten hinstellen und so tun, als wenn die Kursbewegungen fundamentale, rationale, zum Teil technische Gründe hätten – oder maximal psychologische (Panik, Gier). Dass aber einfach von vielen Marktteilnehmer herumgezockt wird, dass die Kursschwankungen mit dem Unternehmen und deren Wirtschaften nur in schwacher Korrelation stehen, dass Daytrader und Hedgefonds Kurse bewusst im Laufe eines Tages mal in die eine, mal in die andere Richtung treiben, das bleibt zumeist unerwähnt. Es soll die Illusion des Wirtschaftslebens als rationaler Hort der Vernunft aufrecht erhalten werden – und genauso die Illusion, dass die Börsenkurse ein Spiegelbild der Wirtschaft wären und deshalb wichtig für jeden einzelnen Bürger. (Das stimmt nur insoweit, als dass viele Menschen über Rentenversicherungen etc. indirekt auch am Aktienmarkt beteiligt sind.) Ähnliche Gedanken machten sich auch die NachDenkSeiten – „Das Elend des Wirtschaftsjournalismus findet in der Börsenberichterstattung seine Vollendung“:
Kategorie: Banken Seite 3 von 8
Eigentlich bedarf es ja spätestens seit der 2008er Finanz- & Wirtschaftskrise keiner weiteren Beweise, dass das Finanzsystem so, wie es heutzutage ausgeprägt ist, parasitär und hochgefährlich ist. Und obwohl die Banken im Zuge der ganzen Rettungsschirme, die „damals“ und auch heute wieder (im Zusammenhang mit der Griechenlandproblematik) aufgespannt werden, ganz offensichtlich ihre Geschäfte und ihre „Traumrenditen“ auf dem Rücken der sonstigen Bevölkerung abwickeln bzw. sich von dieser, sollte mal wieder was in die Hosen gehen, rauspauken lassen, dürfen sie nach wie vor fast ungehindert weitermachen wie bisher. Die halbherzigen Versuche der Politik, hier regulierend und beschränkend einzugreifen, waren bislang zum Scheitern verurteiln – oder wurden eben mit so wenig Nachdruck voran getrieben, dass natürlich alles beim alten blieb. Wofür nicht zuletzt auch eine gut organisierte Finanz-Lobby z.B. vor Ort in Brüssel sorgt.
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Das Adbusters Magazine, selbsternanntes „Culture Jammer’s Headquarter”, macht nicht nur mit seiner Zeitschrift und dem Begründer Kalle Lasn von sich reden, sondern auch regelmäßig mit Aufrufen zu recht spektakulären konsumkritischen (Buy Nothing Day) oder sogar revolutionären (Week of Carnivalesque Rebellion) Aktionen. Immer getragen von einem sehr skeptischen Blick auf unsere Kommerz- und Reklamegesellschaft, auf unsere mediale Spektakelgesellschaft, auf unser oft sehr zerstörerisches und auf Wachstum fixiertes Wirtschaftssystem.
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Seit Freitag steht ein neuer kleiner Infofilm im Netz (diese Kurzvideos sind ein Thema, zu dem ich allgemein auch mal was schreiben werde), der sich mit der Problematik der Nahrungsmittel-Spekulation befasst und diese in leicht fassbarer, anschaulicher Form visualisiert. Nicht erst seit den empörenden Werben der Deutschen Bank für ihren Grundnahrungsmittelfonds steht das Zocken mit diesen für die Ernährung der Menschheit so wichtigen „Rohstoffen“ in der Kritik. World Economy, Ecology & Development (WEED) hast sich dieser Problematik angenommen und eine entsprechende Kampagne im Netz gestartet:
Nahrungsmittel-Spekulation
Nahrungsmittelspekulation geschieht vor allem an sogenannten Terminbörsen, die besonders groß in den USA sind und in Europa gerade wachsen. Auch wenn diese Börsen einen gewissen Nutzen für die Landwirtschaft haben können, bergen sie viele Gefahren. Vor allem durch die immer stärkere Beteiligung von Finanzspekulanten wie Banken und Fonds werden die Nahrungsmittelpreise immer mehr zum Spielball von Spekulation und Renditemaximierung. Sogar viele WissenschaftlerInnen und AnalystInnen meinen inzwischen, dass die Nahrungsmittelpreise unter anderem in der schlimmen Krise um 2008 durch Spekulation stark in die Höhe getrieben wurden (siehe Liste). Finanzspekulation war damit mitverantwortlich für Millionen zusätzliche Hungerende. Weitere Informationen finden Sie auch in dieser Präsentation.
Was geschehen muss
Damit Spekulanten nicht auf Kosten der Armen und Hungerenden Gewinne machen können, braucht es eine starke Regulierung der Rohstoffmärkte. Das umfasst:
• Handel auf Börsen oder über Clearingstellen, soweit möglich
• Für außerbörslichen (OTC) Handel hohe Sicherheitsleistungen
• Berichtspflicht mit öffentlichen Berichten
• Preisaufsicht und Preislimits
• Verhinderung exzessiver Spekulation und Positionslimits
• Verbot für Handel von Publikumsfonds und für Eigenhandel
• Kontrolle der Spekulation der multinationalen Agrarkonzerne
• Transaktionssteuer auf RohstoffterminhandelDie politische Debatte
In der G20 hat der französische Präsident Sarkozy das Thema zu einem der Schwerpunkte gemacht. Die G20-Finanzminister wollen bis zum Gipfel in Cannes im November 2011 über Maßnahmen entscheiden. In der EU wird die Reform der Richtlinie für Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) eine wichtige Rolle spielen. Im Juli 2011 hat WEED mit 13 anderen Organisationen einen Brief an Binnenmarktkommissar Barnier geschrieben. Darin wird gefordert, dass Spekulation mit Nahrungsmitteln durch in der MiFID angegangen wird. Auch zur neuen EU-Verordnung zu Derivaten waren WEED und andere auf europäischer Ebene aktiv, unter anderem mit einer Email-Aktion. In Deutschland hat sich Landwirtschaftministerin Aigner wiederholt kritisch geäußert, aber die Haltung der deutschen Regierung bleibt vage. Spekulation mit agrarischen Rohstoffen war im Juni 2011 Thema einer Anhörung im Bundestag, zu der WEED als Sachverständiger geladen war (siehe Stellungnahme).
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„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.“ Dieses Zitat aus Goethes Faust scheint heutzutage aktueller denn je. Nicht nur, weil es tatsächlich in gewissen Kreisen (die sich gerne auch auf entsprechenden Websites im Netz tummeln) angesagt ist, Gold als die einzig sichere Anlageform zu sehen und so den Goldpreis auf ungeahnte Höhen zu treiben – nein, generell läuft ohne Geld in unserer Gesellschaft herzlich wenig. Vieles hat nur noch dann einen Wert, wenn dieser in Geld ausgedrückt werden kann. Das Einkommen eines Menschen gilt als Maßstab für dessen Erfolg und gesellschaftliches Renommee. Alles erscheint käuflich, es kommt nur auf den Preis an. Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander ist ohne Geld schwierig, weshalb auch permanent um Hartz IV-Sätze u.ä. gerungen wird. In einem solchen Umfeld ist es logisch, dass Banken gerettet werden müssen und dass der Profit eines Unternehmens im Zentrum des Strebens steht.
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Schon „lustig“, wie schnell sich Geschichte doch zu wiederholen scheint – noch vor zwei, drei Jahren, als die sogenannte „Finanzkrise“, ausgelöst u.a. auch durch Immobilienspekulationen und damit einher gehendes unverantwortliches Risikoverhalten der Banken, die Weltwirtschaft erschütterte, mussten die Banken als „systemrelevante“ Institutionen gerettet werden, was im Prinzip nichts anderes hieß, als dass der Steuerzahler für das Gezocke der Banken einsprang. Nachdem diese all die Jahre zuvor die Profite für sich eingestrichen hatten. Groß war das Gezeter „damals“, die Politik wollte so etwas zukünftig vehement unterbinden und die „Finanzjongleure“ bändigen. Was ist geschehen? Man könnte es mit dem kleinen Wörtchen nichts ganz gut umschreiben.
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Was macht man am besten, wenn man als Unternehmen davon abhängig ist, dass einem die Gesellschaft nicht die Geschäftsgrundlage entzieht und sie einen außerdem vor wirtschaftlichen Rückschlägen schützt – so wie im Bankenbereich? Richtig, man bemüht sich schon möglichst früh, Lobbyarbeit an der Basis zu leisten, um das Meinungsbild der Menschen entsprechend ganz im eigenen Sinne vorzuformatieren. Nun ist es nicht neu, dass große Konzerne sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder und vermehrt in den Bildungsbetrieb einmischen – man denke an die Bertelsmann Stiftung oder auch an BP; das britische Unternehmen hat eigene (bewachte!) Bereiche an amerikanischen Unis, an der Studenten exklusiv für sie forschen (was in der Doku „Gekaufte Wahrheit“ von Bertram Verhaag sehen kann). Aus der Sicht der Unternehmen, die ihren eigenen Profit und den Ausbau ihrer Marktmacht im Blick haben, ist das durchaus verständlich. Ob es auch für die gesamte Gesellschaft von Vorteil ist, wenn einstmals freie Lehre solcherrt kanalisiert wird, darf bezweifelt werden. Von daher finde ich die beiden folgenden Meldungen eher bedenklich – die taz berichtet in „Wissen von der Deutschen Bank“ darüber, wie sich das Bankinstitut an Berliner Unis mit eigenen Instituten einen Wissensvorsprung zu sichern versucht:
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Atomkraft ist momentan das Top-Reiz-Thema für Umweltaktivisten und Freunde nachhaltiger Energien. Was viele dabei allerdings vergessen – keineswegs sind nur die großen Energiekonzerne Profiteure von der weltweit betriebenen Atomenergie. Viele Banken, darunter (natürlich) auch die Deutsche Bank u.a., finanzieren unverantwortliche Projekte im Bereich der Kernkraft – sie sind „nuclear banks“, wie die gleichnamige Initiative sie bezeichnet. Auch der Verein Urgewald fragt deshalb „Wie radioaktiv ist meine Bank?“ und ruft zum Wechsel der Bank auf, hin zu sozial und ökologisch verträglicheren Instituten.
Unsere Verbraucherbroschüre „Wie radioaktiv ist meine Bank?“ untersucht die Finanzdienstleistungen elf deutscher Banken für die internationale Atomindustrie: von der Vergabe von Firmenkrediten über die Ausgabe und den Besitz von Anleihen bis zur Ausgabe und dem Besitz von Aktien.
Banken reden gerne über ihr Engagement bei den Erneuerbaren reden, sie schweigen sich jedoch zu ihrer Finanzierung für die Atomindustrie aus. Dieses ‚Atomgeheimnis’ wollen wir in der Broschüre lüften und haben die Zahlen dazu recherchieren lassen. Gemeinsam mit internationalen Umweltorganisationen hat urgewald 80 der weltweit wichtigsten Atomunternehmen ausgewählt und untersuchen lassen, welche Banken diesen Atomkonzernen Geld geben. Die Ergebnisse für die deutschen Banken liegen nun erstmals gesammelt vor. Platz Eins belegt die Deutsche Bank, die zwischen 2000 und 2009 die Atomindustrie mit 7,8 Mrd. Euro unterstützt hat. Ihr folgen die Commerzbank mit 3,9 Mrd. Euro und die UniCredit/Hypovereinsbank mit 2,3 Mrd. Euro Unterstützung.
Die Broschüre gibt Verbrauchern die Möglichkeit, gezielt zu prüfen, ob und welche Atomunternehmen ihre Bank finanziell unterstützt hat. Neben der ‚Negativrecherche’ zeigen wir auch Alternativen und haben Informationen zur GLS, Triodos, Umwelt- und Ethikbank zusammen gestellt – Banken, die Atomfinanzierungen explizit ausschließen. Da der Bankwechsel nicht allen Menschen leicht fällt raten wir zu verschiedenen Aktionen: Wir empfehlen Kunden der großen ‚Atombanken’ den Kontowechsel, wer das nicht kann oder will, soll zumindest protestieren, um einen Wechsel in der Geschäftspolitik anzuregen.
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Schon etwas älter, aber leider immer noch hochaktuell, ist das Interview, das die Süddeutsche Zeitung vor einer Weile mit Margrit Kennedy geführt hat, die sich besonders intensiv mit der Thematik alternativer Währungssysteme bzw. der Struktur unseres momentanen Geldsystems beschäftigt und u.a. die Zinsabhängigkeit als ein großes Übel der Jetztzeit beschreibt. „Kreditnehmer sind die neuen Sklaven“, so der etwas plakative, aber letztlich zutreffende Titel des Interviews:
(…) SZ: Wut und Angst – das sind starke Gefühle, die Sie in Ihren Büchern im Zusammenhang mit unserem, wie Sie es nennen, “pathologischen Wirtschaftswachstumszwang” verbinden. Was macht Sie so wütend?
Kennedy: Was mich wütend macht, ist, dass es eigentlich so einfach zu verstehen ist: Das exponentielle Wachstum, das durch unser Geldsystem angeheizt wird, ist auf Dauer nicht durchzuhalten auf einem endlichen Planeten. Das kann man jedem einigermaßen intelligenten Menschen mit Volksschulabschluss in fünf bis zehn Minuten erklären. (…)


