Apr
14
2011

Was aus der Fabrik kommt, wird gegessen!

© donkeyrock, stock.xchng

Das Thema Lebensmittel bzw. der langsame Niedergang der Qualität durch Industriefraß ist ja schon seit Jahr und Tag ein wichtiges Thema meines Blogs. Durch Discounter und Lebensmittelindustrie forciert, isst der normale Mensch heutzutage eine Melange aus Zusatzstoffen, Ersatzstoffen und billigsten Zutaten, die ihm von der Reklame als „hochwertig“ und „naturbelassen“ angepriesen werden. Zufällig stieß ich dieser Tage auf einen Artikel in der Zeit, der aus dem Jahr 2004 stammt, aber leider heute aktueller ist denn je – „Was aus der Fabrik kommt, wird gegessen!“. Autor Marcus Rohwetter schildert in diesem umfangreichen Beitrag, wie die Industrie uns mit immer neuen Produkten den Geschmack und die Gesundheit versaut:

Jedes Jahr drücken die Lebensmittelkonzerne in Deutschland Tausende neuer Suppen, Saucen und Süßigkeiten in den Markt. Industrielle Massenware wird auf Naturprodukt geschminkt. (…)

(…) Gesunde Illusion. Meist präsentiert die Industrie neue Lebensmittel mit der Verheißung, Verbraucher könnten damit ihrer Gesundheit helfen. Viel versprechen zurzeit mit Sauerstoff angereicherte Mineralwässer, etwa Active O2 von den Adelholzener Alpenquellen. Das Unternehmen behauptet, die gesundheitsfördernde Wirkung solcher Wässer sei wissenschaftlich belegt. Andere widersprechen bereits dem Prinzip des Produkts, weil sich der natürliche Sauerstoffgehalt gar nicht steigern lasse. „Wird dem Wasser mehr Sauerstoff zugeführt, entweicht die überschüssige Menge sehr bald; das Wasser kann sie nicht halten“, berichtet der Verband Schweizer Mineralquellen. Jede gegenteilige Behauptung sei „bedeutungslos“. (…)

(…) Fließband der Nahrungskette. Die Werbung lügt, wenn sie glückliche Kühe suggeriert, die von bärtigen Latzhosenträgern gehütet werden. Keine Kuh wird mehr von Hand gemolken. Kein Almbauer rollt am Morgen den Käse ins Tal, und auch der Maître Chocolatier von Lindt bindet den Schokoladenhasen nicht persönlich die Glockenschleife um. Der Koch ist das Fließband. (…)

(…) Um seinen Gästen frisches Gemüse zu servieren, hatte ein Küchenmeister früher viel zu tun: Auswählen, Waschen, Putzen, Schneiden, Blanchieren, Abseihen und so weiter. Bonduelles „Minute-Gemüse“ muss praktisch bloß noch gegessen werden. „Nur zwei Arbeitsschritte bis zum fertigen Gericht“, preist der Lebensmittelhersteller aus Homburg an der Saar sein High-Tech-Produkt an. Der Koch macht bloß noch warm und würzt, alles andere haben die Bonduelle-Gemüsetechniker bereits erledigt. So geht es heute in vielen Profiküchen zu. (…)

Noch eine Stufe härter geht da die Dokumentation „Mahlzeit! Krank vom Essen“ zu Werke, die vor einer Weile auf Phoenix zu sehen war und die die wenig appetitlichen und unerfreulichen Hintergründe der heutigen Nahrung beleuchtet:

Moderne Ernährung in der Wohlstandsgesellschaft: Fertiggerichte, Fast-Food, Snacks. Folgen: Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Gicht, Allergien und auch Krebs, uvm. – Essen, das krank macht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor zu viel Zucker in der Ernährung, warnt vor einer dramatischen Zunahme chronischer Krankheiten. Reaktion: Die US-Zucker-Lobby, ein machtvoller Zweig der internationalen Agrarindustrie, macht Druck, die US-Regierung droht mit einer Kürzung ihrer Beiträge zur WHO, wenn der kritische Bericht über den Zucker im Essen nicht korrigiert wird. Die Tiefkühlfirma “Frosta” in Bremen will ihre Produktpalette erweitern. Die Manager planen eine “Öko-Linie”, zusatzstofffreie Lebensmittel, die “Frosta” künftig über den Lebensmittelhandel anbieten will. Reaktion: Die Lebensmittelproduzenten stellen fest, dass es fast unmöglich ist, “reine” Grundprodukte zu bekommen. Die EU plant eine Verordnung über “ehrliche” Werbung. Die Werbeslogans sollen keinen Gesundheitseffekt vortäuschen, der nicht wirklich vorhanden ist. Reaktion: Massive Proteste von der Industrie, von der Werbewirtschaft – so gehe es nicht, außerdem mache Zucker ja wirklich “gute Laune”. Aspekte eines Themas, das alle angeht: Was essen die Menschen eigentlich, wie gesund ist Nahrung, werden Verbraucher “krank vom Essen”? Der Film begibt sich auf eine Spurensuche und überprüft gängige Klischees, zeigt neue Erkenntnisse und klärt auf, wie riskant Nahrung heutzutage sein kann. Nicht Fett allein ist ein Problem, die Lebensmittelindustrie hat eine “Kohlehydrat-Zucker-Falle” produziert, in die Konsumenten massenweise tappen.


Mahlzeit! – Krank Vom Essen von Flensburger

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8 Kommentare »

  • erwähnenswert an dieser Stelle ist die Doku ‘Unser täglich Gift’, welche vor Kurzem auf Arte lief (interessant bzgl. der Erstellung von Grenzwerten & der Nahr.industrie, die kritische politische Entscheidungen verhindert)

    ein weiser chinesischer Philosoph sagte einmal:
    http://www.youtube.com/results?search_query=unser+t%C3%A4glich+gift&aq=0&oq=unser+t%C3%A4gli

    Grüße ;)

    Comment | 14. April 2011
  • sinsumpf

    das video sieht bei mir seltsam aus – bildstörungen,
    habe einen link zu besserer quali :
    http://www.veoh.com/watch/v19289789rGr57yNM

    Comment | 14. April 2011
  • Danke für den Hinweis – leider kann man bei veoh nur 5 Minuten davon sehen, oder?

    Comment | 14. April 2011
  • D.h. selbst das Lesen von Etiketten hilft da nicht mehr?
    Also komplett auf Produkte direkt vom Produzenten, sprich Bauern um die Ecke umsteigen. Fastfood komplett meiden.
    Produkte nur von bestimmten Labeln wie Alnatura kaufen.
    Ich habe selbst gemerkt, wie viel ich gekauft habe, ohne mich vorher zu informieren. Ich nehme inzwischen sämtliche Lebensmittelverpackungen in die Hand und prüfe nach Inhaltsstoffen. Das hat aber ein Zeit gebraucht, denn wir sind Gewohnheitstiere und eine Umprogrammierung braucht was länger …

    Comment | 15. April 2011
  • [...] via Konsumpf » Was aus der Fabrik kommt, wird gegessen!. [...]

    Pingback | 16. April 2011
  • Aus diesen und weiteren Gründen bin ich der Meinung, dass ich nur noch direkt von Bäuerinnen und Gärtnerinnen kaufen möchte, die ich kenne. Und nach und nach einen immer größeren Anteil meines Essens selbst anbauen.

    Liebe Grüße,

    Michael

    Comment | 1. Mai 2011
  • [...] beschäftigen wir damit, auf unterschiedliche weise. Inhaltlich verweisen wir da auf den Artikel „Was aus der Fabrik kommt, wird gegessen!“ (mit Videoverweis) auf dem Blog: Konsumpf.de , ein Blog in dem es um Themen wie Werbung, Verblendung [...]

    Pingback | 4. Juni 2012
  • [...] schreibt Konsumsumpf. Glücklich darüber ist der Autor aber nicht: „Durch Discounter und Lebensmittelindustrie [...]

    Pingback | 16. Oktober 2012

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