Kategorie: Konzernkritik Seite 23 von 33

Lesetipps: Die dunkle Seite des iPads, „freedrom from porn“ und eine neue Flagge für BP

Nachdem Apples iPad unter großem Marketing- und Mediengetöse nun also auch in good ol’ Germany gelandet ist, nutzt die taz die günstige Gelegenheit der gesteigerten Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, um in der Titelgeschichte der neuen Ausgabe auf „Die dunke Seite des iPads“ hinzuweisen und in „Freitod verboten“ die Hintergründe näher zu erläutern.

Die Firma Foxconn produziert in China für den Apple-Konzern das iPad. Eine Reihe von Selbsttötungen in der chinesischen Belegschaft zeigt die Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Elektronikindustrie. […]

[…] Der jüngste Freitod des 23-Jährigen erfolgte, nur Stunden nachdem Foxconn-Chef Terry Gou erstmals in der Firmengeschichte Journalisten zum Besuch des Fabrikgeländes eingeladen und persönlich herumgeführt hatte. Bis dahin galt Longhua als “verbotene Stadt”, zu der Fremde und vor allem Journalisten keinen Zutritt hatten. Die einzige legale Gewerkschaft gilt ohnehin als Handlanger des Managements. Noch im Februar wurde ein Reuters-Fotograf, der von außen Aufnahmen gemacht hatte, von Werkschützern getreten und bedroht. […]

[…] Bereits am Dienstag hatte in Hongkong die Aktivistengruppe Sacom (“Schüler und Lehrer gegen das Fehlverhalten von Konzernen”) vor einem Foxconn-Büro protestiert, iPhones aus Pappe verbrannt und zum Boykott des neuen 4G aufgerufen. “Wir wollen das Bewusstsein der Konsumenten wecken, welchen Preis Arbeiter für die Produktion des iPhones zahlen”, sagte Debby Chan Sze-wan von Sacom. […]

Andreas Ingerl beleuchtet den taz-Artikel in „Foxconn, Apple und die taz“ durchaus kritisch, weil dort gewisse Zahlenzusammenhänge suggeriert werden, die nicht ganz stimmig sind, und eher einseitig auf Apple rumgehackt wird, obwohl Foxconn auch für viele andere große Unternehmen produziert. Was an den unhaltbaren Zuständen bei der Produktion unserer Elektronikspielereien natürlich nichts substanziell ändert – auch und vor allem in diesem Konsumbereich sollte sich jeder gut überlegen, ob er unbedingt dauernd das neueste Gerät braucht, um glücklich zu sein.

Apropos Apple – der Blog von Johannes P Osterhoff dokumentiert eine schöne Plakatnappingaktion aus dem Berliner U-Bahnhof Rosenthaler Platz. „Steve Jobs offers iPad users “freedom from porn.” And yet the iPads’ measures will offer an unprecedented porn experience. An ad-busting from Berlin Mitte.“ Da sag noch mal einer, das iPad hätte keinen praktischen Nutzen! ;)

As one can see in the relaxed posture Apple imagines for its future users, the iPad is about to offer an entirely new porn experience. The user experience of the device and its dimensions will make it a perfect hand for porn viewers. […]

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british-pollutersWo wir grad bei Adbusting sind – Greenpeace England ruft gerade zu einem Wettbewerb aus, das bisherige BP (British Petroleum)-Logo und den Werbespruch umzuarbeiten und besser an die Realitäten anzupassen. „Wanted: Neues Logo für BP“ erklärt Greenpeace auf der deutschen Seite – und die ersten kreativen Vorschläge sind bereits eingetrudelt.

Da hilft auch der Slogan Beyond Petroleum (jenseits des Erdöls) nicht viel: Der Energiekonzern BP steckt bis zum Hals in der braunen Masse. Das Markenzeichen von BP, eine leuchtend grüne Sonne, passt so gar nicht zu seinem dreckigen Geschäft mit dem Öl. Greenpeace sieht dringenden Überarbeitungsbedarf und hat zum Wettbewerb aufgerufen: Gesucht werden Logo-Entwürfe, die zeigen, wofür der Ölmulti wirklich steht. […]

[…] Greenpeace hat den Flaggenwechsel bereits im BP-Hauptquartier in London eingeleitet und in einer Protestaktion die Firmenflagge unter dem Slogan British Polluters durch eine ölverschmierte ersetzt. Nun sind unsere User an der Reihe: Die ersten Logoentwürfe sind bereits eingegangen und hier zu bestaunen. Die Vorschläge reichen von Burning Platform über Blind Profit bis hin zu Back in Black. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme am Greenpeace-Wettbewerb: Der Entwurf muss sich am ursprünglichen BP-Logo orientieren. Die drei Gewinnerbeiträge bilden das Hauptmotiv der internationalen Greenpeace-Kampagne gegen BP. […]

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(S)hell und die Verbrechen an den Menschen in Nigeria

In der Regel drucken Magazine etc. ja jeden noch so großen Schwachsinn ab, den sich die Marketingabteilungen der Konzerne ausdenken. Egal wie sehr da das Blaue vom Himmel gelogen wird, egal wie sehr Tatsachen verbogen und Images grüngefärbt werden. Wenn aber dann mal eine Anzeige Klartext redet und die Wahrheit hinter dem schillernden Firmenimage enttarnt, bekommen so manche Medien offenbar kalte Füße. So geschehen letzte Woche bei der Financial Times, die eine Werbung von Amnesty International nicht abdrucken wollte, in der die Organisation die Verbrechen von Shell an Menschen und Natur anprangert, die diese bei ihrer Ölförderung vor allem in Nigeria begehen. Im Netz kann man das Anzeigenmotiv, das sich an die Aktionäre dieser Firma richtet, die am 18. Mai zur Hauptversammlung gingen, natürlich jetzt trotzdem betrachten, z.B. im Protect The Human-Blog, oder hier (zum Vergrößern anklicken):

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Nachfolgender kleiner Film zeigt sarkastisch-drastisch noch einmal pointiert die, nun ja, bemerkenswerte Firmenpolitik von Shell in Afrika, die absolut nicht zu tolerieren ist.

Wer tatsächlich immer noch bei Shell tankt, unterstützt solch ein Treiben! Fahrradfahren ist sowieso gesünder. :)

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Kohleskandal in den USA: Schweizer Bank UBS finanziert Wegsprengen von Berggipfeln

dol-tunDass die meisten Banken, die sich so auf dem Markt tummeln, primär das Vermehren des Kapitals im Blick haben – koste es den Rest der Welt, was es wolle –, sollte eigentlich jedem bewusst sein. Moral und Ethik sind in Bankenkreisen nicht unbedingt hervorstechendste Merkmale der Firmenpolitik – sobald es um die Rendite geht, müssen alle anderen Aspekte nun mal hinten an stehen. Über die skandalösen Umtriebe der Deutschen Bank, die mit dem Hunger in armen Ländern spekuliert („Leistung, die Leiden schafft“) oder gefährliche Projekte finanziert, hatte ich ja vor einiger Zeit schon mal berichtet („Die Doppelmoral der Deutschen Bank“). Nun gibt es ein aktuelles Beispiel, das wieder einmal zeigt, wie Geschäfte heutzutage ablaufen – auch Schweizer Banken verdienen natürlich an der Zerstörung der Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen:

Als Partner von Schweiz Tourismus wirbt die UBS mit heiler Bergwelt. In den USA dagegen finanziert die Schweizer Grossbank brutale Bergbaupraktiken. Das belegt ein eben publizierter Report. Beim so genannten „Mountaintop Removal“ in den Appalachen werden ganze Bergspitzen weggesprengt und in angrenzende Täler gekippt, um an die darunter liegende Kohle zu kommen. […]

[…] Mountaintop Removal ist eine extrem zerstörerische Form des Bergbaus. Baum bestandene Bergspitzen werden einfach weggesprengt, über 400‘000 Hektaren Wald wurden so bisher vernichtet. Zur Erreichung einer dünnen kohleführenden Gesteinsschicht wird der entstehende Abraum einfach in angrenzende Täler gekippt. Bis heute wurden so bereits 3200 Kilometer Bäche und Flüsse zugedeckt oder vergiftet und die Wasserversorgung umliegender Gemeinden gefährdet. Nach Reinigung der Kohle bleibt ein giftiger Mix aus Schlamm, Kohlestaub und Stoffen wie Arsen und Quecksilber zurück, der zumeist in offenen Teichen gelagert wird.

(Quelle: Erklärung von Bern 2010)

Auf der neuen Kampagnenwebsite der EvB „Banken und Menschenrechte“ werden weitere, teils wirklich erschreckende Beispiele für die Verstrickungen der Schweizer Banken UBS und Credit Suisse in Umweltzerstörung, Waffenhandel, Diskriminierung/Ausbeutung uvm. aufgelistet. Spätestens an dieser Stelle muss man sich schon fragen, welche Art Unternehmen und deren Geschäftspraktiken hier als „systemrelevant“ gelten und unbedingt mit Steuergeldern gerettet werden müssen… Der Ekel und die Abneigung, die viele Menschen mittlerweile gegenüber den Finanzleuten empfinden, wird umso verständlicher, wenn man sich einige der auf der Website aufgeführten Fälle durchliest (z.B. über Giftmülltransporte oder Streumunition).

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Buchbesprechung: Andreas Völlinger „Im Zeichen des Marktes“

voellinger-im-zeichen-des-marktesNach all den Büchern, die sich mit den mehr praktischen Aspekten des Culture Jamming und der Konsumkritik beschäftigen, stieß ich vor einigen Wochen zu meiner Freude auf ein theoretisch ausgerichtetes Werk, das diese Widerstandsform und die kritische Auseinandersetzung mit dem Konsumkapitalismus (so nennt der Autor unser System konsequent im gesamten Buch) von (kommuniktions)wissenschaftlicher Seite her beleuchtet. Andreas Völlingers „Im Zeichen des Marktes. Culture Jamming, Kommunikationsguerilla und subkultureller Protest gegen die Logo-Welt der Konsumgesellschaft“ gelingt es dabei, die Grundlagen des sog. „semiotischen Widerstands“ gegen die herrschende Logo- und Zeichenflut, die uns durch die Kozerne via Marketing, Werbung und Medien aufgezwungen wird, gekonnt darzulegen als auch über verschiedene Formen subkulturellen Widerstands (wie Skateboarding, Graffitti und Adbusting) zu referieren.

Auch wer sich schon intensiv mit der gesamten Thematik befasst und z.B. die Bücher von Kalle Lasn oder Naomi Klein gelesen hat, wird hier noch einiges Neues entdecken, zumal der Reiz dieser Untersuchung des Autors sicherlich darin liegt, dass er einen weiten Bogen von postmodernen / poststrukturalistischen Theorien von Eco, Debord, Barthes oder Bourdieu, wie sie manch Studenten in der Uni begegnen, hin zu den praktischen und konkreten Aspekten (The Yes Men, Subvertising) schlägt. Dies geschieht alles auch mit einer eindeutigen Sympathie für die Absichten von Culture Jammern und anderen Gruppen, die sich gegen die Durchkommerzialisierung des Alltags stemmen (wie vor allem im persönlich geprägten Ausblick am Ende des Buches deutlich wird). Auf knapp 150 Seiten wird ein umfassender und dennoch recht kompakter Überblick gegeben, wie breit die Ideen des „zeichenhaften Widerstands“ in der Gesellschaft bereits gestreut sind und in welch unterschiedlichen Ausprägungen sie vorkommen können und wo die Grenzen und Risiken liegen. Der Autor zeigt auch, wie weit Konzerne mit ihren Symbolen und Logos in unserem Alltag hereinreichen und dass öffentliche Räume (und damit das gesellschaftliche Miteinander) immer stärker gefährdet sind, zu reinen Konsumräumen zu werden.

Die wissenschaftlich gehaltene Sprache und die vielen Literaturangaben und Querverweise mögen dabei vielleicht den einen oder anderen Aktivisten erst einmal abschrecken – sollten sie aber nicht! Eine wahre Fundgrube stellt nämlich die umfangreiche Literaturliste im Anhang dar, die auch für mich noch viele bis dato unbekannte Internet-Quellen und auch Leseanregungen bereit hält – davon werden alle Leser meines Blogs in der Zukunft sicher noch profitieren. :-)

Mein Fazit: ein spannendes Buch, das eher für Fortgeschrittene gedacht ist bzw. für Menschen, die sich Themen lieber wissenschaftlich-theoretisch nähern. Von daher ist Völlingers Werk natürlich kein Ersatz für „Aufrüttler“ wie Lasns „Culture Jamming“ oder „Das Schwarzbuch Markenfirmen“, sondern eine gute ergänzende Lektüre, die einige neue Facetten der Bewegung aufzeigt und Culture Jamming und Adbusting auch im wissenschaftlichen Diskurs verstärkt ankommen lässt. Ein Angriff auf die Deutungshoheit der Zeichen, die bisher bei den Konzernen und ihren Medien liegt, muss meiner Meinung nach sowieso von den verschiedensten Seiten aus erfolgen, wenn eine Schwächung Aussicht auf Erfolg haben soll, um ein kritischeres Bewusstsein bei den Menschen für die sie umgebenden Botschaften zu wecken und zu schärfen.

Während die Mitglieder einer subkulturellen Gemeinschaft durch semiotischen WIderstand hauptsächlich Abgrenzung betreiben, kann Culture Jamming als Mittel der Kontaktaufnahme dienen, um gerade dort anzusetzen, wo herkömmliche Argumentation gegen das herrschende System versagt:

„Wo Aufklärung nicht ankommt, kann Kommunikationsguerilla die wirksamere Taktik sein, wo es eine aufnahmebereite Zielgruppe oder gesellschaftlichen Druck gibt, ist Aufklärung und Information angesagt, und oft greifen beide ineinander.“ (autonoma a.f.r.i.k.a. gruppe)

Aus dieser Warte bietet Culture Jamming eine Möglichkeit, Gesellschaftskritik auch zu jenen Menschen zu tragen, die sich dieser verweigern – Debord würde hier wohl argumentieren, dass sie der vom konsumkapitalistischen Spektakel erzeugten Passivität erlegen sind – und möglicherweise auch bei ihnen einen Denk- und vielleicht sogar Umdenkprozess anzuregen.

Dieser Aus- und Ansicht des Autors schließe ich mich gerne an.

Andreas Völlinger „Im Zeichen des Marktes. Culture Jamming, Kommunikationsguerilla und subkultureller Protest gegen die Logo-Welt der Konsumgesellschaft“, Tectum Verlag 2010, 148 S., 24.90 €

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Das Umundu-Festival in Dresden – Konsumkritik zum Anfassen und Mitmachen

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Ab nächster Woche findet in Dresden das Umundu-Festival für global nachhaltigen Konsum statt, auf dass ich Euch gerne hinweisen möchte. Denn die Initiatoren haben für die Zeit vom 27. Mai bis 5. Juni ein sehr vielfältiges Programm entwickelt, das von Filmvorführungen über konsumkritische Stadtführungen und Vorträgen bis hin zu Smartmobs reicht. Wer also in den Tagen im Raum Dresden unterwegs ist, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen! Hier die offizielle Pressemitteilung:

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Auftakt zum zweiten Umundu-Festival für nachhaltigen Konsum
„Nachhaltige Geldwirtschaft“ ist Fokus-Thema der Informations- und Kulturwoche in Dresden

Dresden, 27. Mai 2010. Mit einem vielfältigem Programm und einem Smart-Mob auf der Dresdner Einkaufsmeile Prager-Straße startet am 27. Mai 2010 das „2. Umundu – Festival für global nachhaltigen Konsum Dresden”. Bei der Straßenaktion zu Beginn der Veranstaltungsreihe beten Menschen symbolisch den bekanntesten Dresdner Einkaufstempel an, um die zentrale Rolle des Konsums in unserem Alltag kritisch zu hinterfragen. “In einer bunten Mischung aus Kultur und Informationsveranstaltungen wird im Rahmen des Festivals die Rolle des alltäglichen Einkaufs und seine globale Auswirkung der Öffentlichkeit kreativ näher gebracht. Aus aktuellem Anlass der Finanzkrise setzt das diesjährige Umundu-Festival den Themenfokus dabei auf die nachhaltige Geldwirtschaft und informiert über interessante Alternativen“, erklärt Dr. Patrick Ribeiro, Mitbegründer des Festivals. „Experten wie Katharina Beck vom Institute for Social Banking (ISB) werden aufzeigen, wie wir mit der Wahl unserer Geldanlagen und der Form der Bankgeschäfte einen wichtigen Beitrag für den nachhaltigen Wandel des Bankensystems leisten und zudem persönlich profitieren können“, so Dr. Ribeiro. Aber auch interessante Filme, Vorträge oder Stadtführungen zu den Themen Ernährung, Mobilität, Energie und Textilien umfasst das Programm.

Den Höhepunkt der Veranstaltungsreihe bildet ein bunter Festival-Tag am 05. Juni auf dem Martin-Luther-Platz inmitten der Dresdner Neustadt. An diesem Tag präsentieren sich Dresdner Vereine und Händler der Öffentlichkeit und informieren die Gäste über konkrete Möglichkeiten im Alltag nachhaltig zu konsumieren. Unterstützt werden sie dabei von Dresdner Künstlern, die den Tag mit Konzerten, Kleinkunst und Tanzperformances bereichern. Die ehrenamtliche Initiative zu dem von nun an jährlich stattfindenden Festival stammt von Dresdner Bürgern. Detaillierte Programminformationen sind unter www.umundu.de zu finden.

Diesjähriger Sponsor des Festivals ist die in Dresden ansässige Landeskirchliche Kredit-Genossenschaft Sachsen, die im Bereich der nachhaltigen Geldanlage aktiv ist. Zudem wird die Informationswoche von der InWent gGmbH gefördert und von der VG Verbrauchergemeinschaft für umweltgerecht erzeugte Produkte eG sowie zahlreichen Dresdner Vereinen unterstützt.

– Einladung zur Auftaktveranstaltung „Smartmob-Aktion: Konsumtempel“ –
27. Mai 2010, 18 Uhr, Prager-Straße, Haupteingang Centrumsgalerie / ACHTUNG: Ein kurzes Vorbereitungstreffen bei Interesse bereits ab 17.30Uhr hinter dem Karstadt (Ferdinandplatz).
Weitere Details zu der Aktion kommen ab Dienstag, den 25. Mai, via Mail oder können unter www.umundu.de/smartmob bzw. über das Infotelefon 01577-5793939 abgerufen werden.
Wir freuen uns gemeinsam mit euch ein Zeichen gegen Konsumfetischismus und für global nachhaltigen Konsum zu setzen!
Kontakt vor Ort: Dr. Patrick Ribeiro und Sascha Kornek, Tel.: 0162/9390619
Aktuelles Bildmaterial heute ab 19 Uhr unter www.umundu.de/presse.

Hintergrund: Kreative Förderung für nachhaltigen Konsum in Dresden
Unser Konsum ist ein alltäglicher Prozess mit enormer Wirkungskraft. Unsere Konsumgewohnheiten und die Wahl der Produkte entscheiden millionenfach über Leben und Lebensräume von Menschen – und das täglich, lokal und global. Die Folgen rein gewinnmaximierender Produktionsabläufe drängen Mensch und Natur an den Rand ihrer Existenz: Kinderarbeit, Lohnsklaverei und exzessive Zerstörung von natürlichen Lebensräumen sind die Folge. Kleinste Änderungen unserer Konsumgewohnheiten vor Ort können globale Auswirkungen nach sich ziehen, scheitern häufig jedoch an fehlenden Hintergrundinformationen und einer Sensibilisierung der Konsumenten. Mit der Realisierung des Umundu-Festivals soll diesen Defiziten entgegengewirkt werden und eine öffentliche Diskussionsplattform für lokale und globale Nachhaltigkeit entstehen. Der Festivalname ‘umundu’ ist von dem portugiesischen Wort ‘eine Welt’ (um mundo) abgeleitet. Ebenfalls bedeutet ‘umundu’ in mehreren Sprachen in Ostafrika ‘Mensch’. Initiiert wird das Festival von jungen Dresdnern und  Vereinen.

Ansprechpartner:
Dr. Patrick Ribeiro
Sascha Kornek
Louisenstraße 93 · 01099 Dresden
Tel.: 0162 / 939 0619
E-Mail: presse@umundu.de
http://www.umundu.de

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Lobbyisten gegen Verbraucher – Wie die Lebensmittelindustrie ihre Interessen durchsetzt

Seit einiger Zeit versuchen Verbraucherschützer und Organisationen wie foodwatch (und inzwischen auch Wissenschaftler) sowohl Politk wie auch Wirtschaft davon zu überzeugen, auf den Packungen von Lebensmitteln die sog. „Ampel“ verbindlich einzusetzen. Sie soll signalisieren, ob ein Produkt in punkto Zucker oder Fett im grünen oder roten Bereich liegt. Ein Modell, dass in England inzwischen erfolgreich umgesetzt wurde, auch gegen den anfänglichen Widerstand der Industrie. Nun halte ich so eine Ampel nun auch nicht für soo aussagekräftig, da sie nichts darüber aussagt, wie gesund ein Produkt wirklich ist und unter welchen Folgen für Umwelt und Gesellschaft es hergestellt wurde – und ich gehe davon aus, dass man mit etwas gesundem Menschenverstand von alleine merken kann, dass es am besten ist, frisches Obst & Gemüse zu essen statt abgepackter Industrieware. Dennoch ist so eine Ampel sicher nicht verkehrt, um den besonders dreisten Werbelügen vieler Konzerne einen Riegel vorzuschieben, denn von Nestlé & Co. werden z.B. extrem gezuckerte „Frühstückszerealien“ (das Wort allein ist schon ein Hohn) ja gerne als gesund vermarktet. Bezeichnend ist, dass die Lebensmittelbranche gegen diese Vorschläge zur Ampelkennzeichnung Sturm läuft und ihre Lobbyisten in Berlin und Brüssel massiv in Stellung bringt – wie üblich kommt der Konzernprofit vor der Gesundheit der Konsumenten.

Der Frontal 21-Beitrag „Lobbyisten gegen Verbraucher: Streit um die Lebensmittelampel“ zeigt das dichte Geflecht auf, das die EU-Politiker bei ihrer Arbeit massiv beeinflusst.

[…] Im Juni will das EU-Parlament darüber entscheiden, ob die “Lebensmittelampel” europaweit zur Pflicht wird oder nicht. Und so tummeln sich derzeit zahllose Lobbyisten in Brüssel und machen Stimmung – gegen die Ampel und für freie Fahrt von Fett und Zucker. […]

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BP – der grüne Lack ist ab

Reklame ist ja so eine Sache, vor allem, wenn kaum noch ein konkretes Produkt, sondern nur noch ein Firmen- oder Markenimage medial aufgebaut werden soll – nicht selten eines, das mit der Realität der Unternehmenspolitik wenig zu tun hat oder diesem sogar konträr entgegengesetzt ist. Da lassen Autofirmen ihre stinkenden und umweltzerstörerischen Vehikel durch grüne Landschaften rasen, um zu suggerieren, dass den Konzernen etwas an grüner Natur liegt. Discounter wie Lidl inszenieren sich als verantwortungsvolle Arbeitsgeber. Oder Atomkonzerne stellen in ihren Werbespots quasi als Feigenblatt ihre mickrigen Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien in den Vordergrund, um damit zu überspielen, dass ihr Hauptgeschäft ein gefährliches und dreckiges ist. Genauso geht es auch bei den Ölmultis zu – Abermillionen fließen hier in PR und Reklame, um die Öffentlichkeit Glauben zu machen, dass ihr Kerngeschäft völlig ungefährlich und eher ein Segen für den Planeten und die Menschen sei.

Selten ist dies so krachend nach hinten losgegangen wie derzeit bei BP. All die schönen hohlen Werbsprüche von „beyond petroleum“, all die teuren Werbespots und gekauften schönfärberischen Präsentationen in den Medien sind mit einem Schlag als die Makulatur und das Greenwashing entlarvt worden, die sie schon immer waren. Dies bringt auch das NDR-Magazin ZAPP in „Wie BP jahrelang ein grünes Image vortäuschte“ ganz klar auf den Punkt:


Man sollte diese Erfahrungen und Erkenntnisse dazu nutzen, NOCH kritischer all das zu betrachten, was einem Konzerne so via medialer Berieselung zu erzählen versuchen. Je größer der Konzern und je aufgeblasener und paradiesischer die Werbung, desto mehr Dreck dürfte das jeweilige Unternehmen am Stecken haben. Das Vorgehen von BP, das ZAPP aufzeigt, ist in dieser Hinsicht geradezu „mustergültig“, denn hier wird mehr Geld für das Erzeugen des Images als für tatsächliche Änderungen im Konzern ausgegeben. Man muss sich an der Stelle übrigens auch mal fragen, inwieweit die Medien, die solche Reklame und PR abdrucken/Senden nicht auch mitschuldig am Grünwaschen sind…

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Monsanto strebt Patent auf Schweinefleisch an

Diese Greenpeace-Pressemitteilung passt bestens zu dem hier im Blog veröffentlichten Gen-Pflanzen-Artikel von neulich („Genfood mal wieder in aller Munde“) – diese Konzerne kennen offenbar keine Skrupel mehr bzw. zeigen sie ihre Rücksichtslosigkeit immer unverhohlener:

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Greenpeace: Kein Patent auf Schinken und Schnitzel

300 Organisationen fordern neue Patentgesetze

Der US-Agrarmulti Monsanto startet den nächsten Versuch, mit Patenten in der Schweinemast Landwirte und Verbraucher zur Kasse zu bitten. Nach Recherchen von Greenpeace und weiteren Organisationen beansprucht der Konzern das Fleisch von Schweinen, die mit Monsantos Gen-Pflanzen gefüttert wurden, als patentierte Erfindung. Die Patentanmeldung auf Schinken und Schnitzel (WO 2009097403) wurde 2009 bei der Weltpatentbehörde in Genf eingereicht. Greenpeace und rund 300 Umwelt- und Landwirtschaftsorganisationen fordern heute in einem internationalen Appell ein Verbot der Patentierung von Pflanzen, Tieren und Lebensmitteln. Erst vor einer Woche hatte das Europäische Patentamt (EPA) ein ursprünglich von Monsanto beantragtes Patent auf ein Verfahren zur Schweinezucht nach einem Sammeleinspruch zurückgezogen.

Auf dem Lebensmittelmarkt wird gerade der große Kuchen verteilt, sagt Christoph Then, Patentberater für Greenpeace. Mit und ohne Gentechnik treiben die Konzerne ihre Patentansprüche über die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung voran. Das ist ein Missbrauch des Patentrechtes. Schnitzel und Schinken sind keine Erfindung.

Monsantosierung des Lebensmittelmarktes

In dem Patentantrag führt Monsanto an, dass die Verfütterung der hauseigenen Gen-Soja zu einer erhöhten Konzentration von ungesättigten Fettsäuren im Schwein führt. Daher seien die entsprechenden Fleisch- und Wurst-Produkte eine exklusive Erfindung des Konzerns. Im März 2010 reichte Monsanto eine ähnliche Patentanmeldung (WO 201027788) auf Fische aus Aquakulturen nach: Der Konzern reklamiert alle Fischprodukte für sich, die mit Gen-Futterpflanzen von Monsanto hergestellt wurden.

Der Recherche zufolge hat sich auch die Zahl der Patentanmeldungen auf normale Pflanzen und Saatgut zwischen 2007 und 2009 verdoppelt. Verbraucher, Landwirte, Züchter und Lebensmittelhersteller sind von diesen Patenten gleichermaßen betroffen. Erfahrungen aus den USA zeigen beispielsweise, dass sie zu Marktmonopolen, zu steigenden Preisen und Abhängigkeiten sowie zu einer reduzierten Auswahlmöglichkeit führen. US-Staatsanwälte prüfen derzeit, ob Monsanto gegen Kartellrecht verstößt. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, durch Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung die Preise für Saatgut und Spritzmittel nach oben getrieben zu haben.

300 Organisationen fordern eine Neufassung der Patentgesetze

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat sich erst letzte Woche erneut dafür ausgesprochen, dass Patente auf Nutztiere und -pflanzen verboten werden, sagt Then. Sie muss nun in Brüssel die Neuverhandlung der EU-Patentgesetze einfordern. Der Ausverkauf von Lebensgrundlagen muss endlich eingedämmt werden.

Da die europäischen Patentgesetze von 1998 bis heute in wesentlichen Fragen schwammig formuliert sind, ist die Patentvergabe Auslegungssache der Patentämter. Seit Jahren erteilt zum Beispiel das EPA in München Monopolrechte an Tieren und Pflanzen, die oft nur durch Einsprüche neu verhandelt und zurückgezogen werden.

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Genmanipulierte „Bio“-Baumwolle bei C&A, H&M und Tchibo?

855876_85822149Falls es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die großen Konzerne den Biotrend höchstens mitnehmen, um ihr Image aufzupolieren bzw. auch ein paar vermeintlich „kritischere“ Verbraucher abzugreifen, der kann sich ja mal die aktuelle Meldung der FTD durchlesen – „Betrug mit angeblicher Biobaumwolle”, in dem es das in der Reklame groß angeprisesene Angebot an Bioklamotten von H&M, C&A und Tchibo geht. Natürlich wollen die Firmen nichts davon gewusst haben, dass die angebliche Biobaumwolle oftmals genmanipuliert ist…

Die Textilbranche wird von groß angelegtem Betrug mit angeblicher Biobaumwolle erschüttert. Nach FTD-Recherchen sind erhebliche Mengen als “bio” verkaufter Baumwolle aus Indien gentechnisch verändert worden – was den strengen Ökostandards widerspricht, mit denen große Handelsketten bei entsprechenden Produkten werben. Betroffen sind zahlreiche Unternehmen wie H&M, C&A und Tchibo.

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Lidl mal wieder: Discounter täuscht Verbraucher – Menschenrechtler verklagen Lidl

liddl-lohnt-sichDas Thema Discounter wird wohl ein heißes bleiben, solange es diese Form des ausbeuterischen und zerstörerischen Handels und Handelns geben wird. Nachdem KiK vor ein paar Tagen eine eigene Fernsehsendung gewidmet wurde, ist nun wieder die Urmutter aller Skandalfirmen an der Reihe: Lidl. All die teuren TV-Reklamespots und Imagekampagnen haben nichst genutzt, die Menschen lassen sich nicht so leicht hinters Licht führen, wie sich das die Konzernleitung vermutlich wünschen würde. Besonders interessant darin finde ich, dass ausgerechnet diese Werbung Lidl nun zum Verhängnis wird, wie u.a. der Stern zu berichten weiß: „Discounter täuscht Verbraucher: Menschenrechtler verklagen Lidl“:

(…) Verbraucherschützer und Menschenrechtler gehen gerichtlich gegen Deutschlands zweitgrößten Discounter Lidl vor. Das Unternehmen löse Versprechen über faire Arbeitsbedingungen bei seinen Bekleidungslieferanten in Bangladesch nicht ein, erklärte die Verbraucherzentrale Hamburg am Donnerstag. Gemeinsam mit der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) habe sie daher Klage beim Landgericht Heilbronn wegen irreführender Werbung eingereicht. “Lidl täuscht die Verbraucher”, sagte der Geschäftsführer der Hamburger Verbraucherzentrale, Günter Hörmann in Hamburg. (…)

Lidl hatte in Anzeigen zu seinen Kleidungskollektionen nach Angaben der Verbraucherzentrale stets darauf verwiesen, sich “weltweit für faire Arbeitsbedingungen” einzusetzen. Das Unternehmen arbeite nur mit Produzenten zusammen, “die bereit sind und nachweisen können, soziale Verantwortung aktiv zu übernehmen”, hieß es demzufolge darin. (…) “Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen der öffentlichen Darstellung Lidls und den tatsächlichen Verhältnissen in den Produktionsstätten der Lieferanten”, erklärte ECCHR-Sprecherin Miriam Saage-Maaß zur Begründung der Klage. Die CCC warf dem Discounter vor, sich “ein Sozialmäntelchen” umzuhängen und mit der Werbung “Schönfärberei” zu betreiben. Nach Darstellung der Verbraucherzentale war Lidl zuvor wegen seiner angeblich irreführenden Werbung abgemahnt worden, hatte aber nicht reagiert. Deshalb sei die Klage eingereicht worden.

Auch der Spiegel greift das Thema auf – „Juristen leiten Hungerlohn-Klage gegen Lidl ein“, wie die taz („Nähen für Lidl bringt Hungerlohn“) oder Die Zeit („Dumpinglöhne in Fernost“) und ebenso das Nachrichtenportal Ostholstein: „Hängt sich Lidl ein Sozialmäntelchen um?“ (Antwort: ja! Das ist das Discount-Prinzip.) Nicht vergessen werden darf bei diesen Berichten natürlich, dass Aldi oder andere Billigheimer da kein Stück besser sind, wie z.B. die Studie des Südwind-Instituts letztes Jahr ergab. Und selbst viele teure Marken lassen ihre Klamotten unter unwürdigen Bedingungen produzieren…

(Dass Werbung irreführend ist und schadet, ist natürlich nichts Neues für unsereins, aber schön, dass auch die Mainstreammedien dies immer öfter konstatieren.)

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