Kategorie: Medien Seite 5 von 25

PI und der braune Sumpf

© Storch Heinar

Das Tolle am Internet ist ja die unglaubliche Vielfalt, der man dort begegnen kann – oder manchmal auch muss, denn oft genug wird man ungefragt mit abseitigen Seiten konfrontiert, seien es nun unseriöse Gewinnspiele, Abofallen, Pornosites oder dubiose Anbieter von Ratgebern, mit deren Hilfe man innerhalb weniger Wochen reich wird, wenn man nur genug Freunde dazu überredet, sich den Ratgeber ebenfalls zu kaufen. Ebenso bunt wird es, wenn man sich in den Bereichen der „altenativen Medien“, also abseits von SpiegelOnline oder bild.de bewegt und versucht, glaubwürdigere Informationen als die aus den Mainstreammedien zu finden. Mit nur wenigen Klicks ist man auf einer ultralinken Seite von Anarchosyndikalisten, und genauso leicht kann man sich auch auf protofaschistische Verschwörungsseiten verirren. Nun ist es ja im Prinzip toll, dass wir in einer (Art) Demokratie leben, in der es Meinungsvielfalt gibt – und in einer pluralen Gesellschaft muss man natürlich auch konträre Ansichten aushalten können.

Was natürlich nicht heißt, dass man auch alles gutheißen sollte, was da so an den Ecken der Gesellschaft an fauligem Gedankengut blüht, wächst und gedeiht. Gerade im Internet gibt es Foren und Blogs, die mittlerweile große Aufmerksamkeit für sich verbuchen können, und das mit plumpen rassistischen, antiislamistischen, nationalistischen, chauvinistischen, erzkonservativen und ähnlichen Inhalten. Der große Anlaufpunkt für dem rechten Gedankengut zugetane Menschen ist Politically Incorrect (sowas wird von mir natürlich nicht verlinkt!), eine der meistbesuchten Seiten im deutschen Netz, was schon sehr betrüblich und auch bedenklich ist. Lange Zeit konnte sich diese bräunlich angeranzte, perverse Plattform fast unbemerkt von den normalen Medien entwickeln, aber nach dem Attentat von Oslo haben diverse Sendungen das Thema in der letzten Zeit doch auf die Tagesordnung gehoben und über die dortigen Umtriebe und auch das Treiben von rechten Kräften im Internet berichtet.

So zum Beispiel Monitor mit „MuslimFeinde in Deutschland – Volksverhetzer im bürgerlichen Gewand“:

“Nicht erst seit Oslo weiß man: Es gibt ein neues rechtes Spektrum in Europa, das sich vom Antisemitismus abwendet und einen neuen Feind entdeckt hat – den Islam. Sie nennen sich Islam-Kritiker. Kritiker, das klingt ja so sachlich. Doch sind sie wirklich nur harmlose Kritiker? Es gibt Brandstifter und geistige Brandstifter. Und hat die eigentlich jemand im Blick? Isabel Schayani und Jan Schmitt über eine neue Bedrohung, die offenbar niemand so richtig ernst nimmt.”

(…) Wächst denn die Islamfeindlichkeit? Wahlkampf in Berlin, gestern. Eine Demonstration der Partei “Die Freiheit”. Sie wollen den “Vormarsch des Islam” aufhalten. Sie sind bürgerlich, mittelständisch und gerne deutsch. Im Windschatten der Sarrazin-Debatte gründete sich die Partei am rechten Rand. Mitten drinnen Markus Hoppe, der für die Partei kandidiert. Ein Mann mit Vergangenheit. Bis letzten Sommer wählte er noch andere Methoden, um die islamische Gefahr zu bekämpfen. Er gehörte zur Berliner Gruppe von Politically Incorrect, PI. PI ist die populärste Internet-Plattform der Islamgegner. Mit antiislamisch und rassistisch ist diese Seite freundlich umschrieben. (…)

Auch die Sendung quer im Bayerischen Fernsehen ging in „Islamhass – Wie gefährlich sind die Neuen Rechten?“ dieser Frage nach:

In einem 1500 Seiten langen “Manifest” hat der Massenmörder von Norwegen sein islamfeindliches Weltbild dargelegt. Er vertritt dabei eine neue Form des Rechtsextremismus: Er ist kein Antisemit und er distanziert sich von klassischen Neonazis. Auch in Deutschland findet sich eine ähnliche europa-, fremden- und islamfeindliche Bewegung: Sie tritt nicht mehr in Springerstiefeln auf, sondern gibt sich intellektuell und will damit rechtskonservative, bürgerliche Kreise ansprechen. Extremismusexperten sind sich völlig uneinig, wie die Gesellschaft mit diesen neuen Rechten umgehen sollte.

Und Ähnliches ist auch von Panorama in „Oslo-Massaker: Deutsche Rechtsradikale in Erklärungsnot“ zu sehen:

In seinem 1500 Seiten starkem Manifest skizziert er seine Feindbilder: Zuwanderer, Andersgläubige, Demokraten – kurz: eine offene Gesellschaft. Motive und Rechtfertigungen eines Rechtsradikalen? Die Rechten in Deutschland wollen offiziell davon nichts wissen. Schon kurz nach dem Terrorakt distanziert sich die NPD von den Anschlägen. Einen ideologischen Zusammenhang zwischen ihnen und Breivik gebe es nicht.

In der Anonymität des Internets klingt das jedoch ganz anders. Und erst recht, wenn man mit den Rechten persönlich spricht. Panorama mit Reaktionen deutscher Rechtsradikaler auf die Anschläge von Oslo.

Da lob ich mir dann doch die Front Deutscher Äpfel, die der Deutschtümelei entsprechend humoristisch-aktivistisch entgegentreten.


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Surftipp: Europe versus Facebook

Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere meiner Leser und -innen ja noch an meinen selbstzweiflerischen Artikel zur Facebook-Thematik von vor einigen Wochen („Die Facebook-Krake“). Dort fragte ich mich, ob ich es wirklich mit meinem Gewissen verantworten kann, ein Facebookprofil zu haben (auch wenn ich dort herzlich wenig Privates kundtue) und ob es so sinnvoll ist, dass es sogar eine Facebook-Konsumpf-Gruppe gibt – schließlich erzeugt man mit alledem Klicks und Traffic, den Facebook wieder schön vermarkten kann. Diese Zweifel wurden noch viel stärker, als ich unlängst den Monitor-Beitrag „Facebooks Datensammelwut: Offenbarungseid der Politik“ zu sehen bekam, den ich schon erschreckend finde – dass Facebook alle möglichen Daten über seine User sammelt und sie auch dazu animiert, möglichst viel von sich preiszugeben (und sei es nur in spielerischer Form), war mir schon klar. Aber dass selbst Nachrichten und Chats, die man geführt hat, in den Facebook-Datenbanken bleiben, ist ein absolutes Unding, finde ich:

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Ökoliner und andere Sprachvernebelungen

© Mattox, stock.xchng

Vor längerer Zeit schrieb ich in meiner kleinen Serie „Werbung schadet“ schon einmal über die Sprachverhunzung, die mit dem Marketing- und Werbesprech einher geht. Schlimmer aber als Sprüche, die in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen (und damit bei jeder Verwendung in einer Unterhaltung die jeweilige Marke/das Produkt wachrufen) oder die der Sprache einfach nur durch ihre Blödheit Gewalt antun (wie viele Anglizismen), sind die Momente, in denen Unternehmen, Politiker oder andere Instanzen Sprache dazu verwenden, um Sachverhlte zu vernebeln und von den eigentlichn Problemen abzulenken. Dieses „Neusprech“ hat schon Orwell in 1984 angeprangert, es ist aber ein seit jeher gerne verwendetes Mittel, um entweder Minderheiten zu diffamieren oder eben Schwächen zu kaschieren.

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Suchanfragen des Monats: Irreführende Werbung, Weltuntergang, Privatfernsehen, Angst

Heute möchte ich mal wieder ein paar Suchanfragen abarbeiten, durch die Webuser via Google auf meinen Blog gekommen sind – sind wieder interessante Sachen dabei, wie ich finde.

„irreführende werbung beispiele“

Also, das ist ganz einfach – nimm irgendeine x-beliebige Zeitschrift, schalte irgendeinen Fernsehsender an, lauf durch die Straßen und schau auf die Reklameplakate, und schon hast Du irreführende Werbung. Sind Autos umweltschonend, nur weil die Marketingleute sie in den Spots durch unberührte Natur brausen lassen? Ist McDoof-Fastfood gesund, bloß weil ein Model dafür wirbt und knackige Salate gezeigt werden? Sehen wir den Tatsachen ins ungeschminkte Auge: Werbung ist per se so gut wie immer auf die eine oder andere Weise irreführend, vor allem dann, wenn es sich um großangelegte Kampagnen der „big player“ handelt.

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Schleichwerbung macht sich breit

Tierbilder sind im Internet ja besonders beliebt!

Dass ich von Reklame und sonstiger Kaufpropaganda herzlich wenig halte, dürfte regelmäßigen Lesern meines Blogs bekannt sein. Zu sehr greift das Marketing inzwischen in alle Lebensbereiche ein und versucht, jeden Fitzel Privatheit zu einem Konsumevent zu machen, als dass man der Werbebranche noch irgendwie auch nur ansatzweise positiv gegenüber stehen könnte. Aber wenigstens findet „klassische“ Werbung wie Plakatwände oder Spots im Fernsehen noch mit einer Art offenem Visier statt, denn jeder weiß, dass es sich hier um Reklame und also um das Verkaufenwollen von Produkten und Anpreisen von Unternehmen geht. Längst ist die Werbezunft aber über diese Formen der „Verbraucher(des)information“ hinaus, denn sie hat natürlich längst erkannt, dass offene Reklame auf wenig Gegenliebe stört, oft sogar direkt abgelehnt wird und nur noch mäßige Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit genießt. Was liegt da näher, als die Konsumbotschaften verstärkt auf Umwegen in die Köpfe der Konsumenten zu bringen?

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RTL und die asoziale „Super Nanny“

„Mein Mülleimer”

Ich will mal stark annehmen (oder doch zumindest hoffen), dass nur die wenigsten meiner Stammleser sich den Quatsch anschauen, den Sender wie RTL tagtäglich in die Welt rotzen – vor allem die ganzen „Doku“-Formate, in denen manipuliert und getrickst wird, um die erwünschten Aufreger zu produzieren, sind seit jeher unter aller Kanone. Gerne wird da unter dem Deckmäntelchen der vermeintlichen Hilfe für in Not geratene Zuschauer und Familien mit gefaketen Inhalten Quote gemacht, ohne Rücksichtnahme auf die Würde der Beteiligten. Von daher ist die Aussage „Scheiß RTL“ nach wie vor unumstößlich gültig. Ich selbst schaue seit längerem kein Privatfernsehen mehr, da ich von dem bunten, kommerzdurchsetzten Geblubber nur Pickel kriege. Mein einziges Fenster in diese Abgründe ist deshalb (wie ich auch schond es öfteren hier schrieb) Holger Kreymeiers fernsehkritik.tv, ein Video-Podcast mit einem kritischen Auge auf den Blödsinn, der den Leuten tagein, tagaus als televisionärer Abraum in die Wohnzimmer gebeamt wird.

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Surftipp: Alternative Realität

Als ich zum ersten Mal von dem neuen Website-Projekt Alternative Realität gehört hatte, war ich sofort fasziniert – okay, das Logo sieht mit seinen Herzchen am Baum etwas zu süßlich aus für meinen Geschmack, dafür haben es die Inhalte wirklich in sich:

Wie können wir unsere lokalen und internationalen Probleme lösen? Was gibt es für Alternativen zu diesem oder jenem?

Die Plattform «Alternative Realität» sammelt Momentaufnahmen unserer Gegenwart und blickt zugleich auf mögliche Lösungen, Konzepte und Visionen für eine bessere, sozialere, demokratischere, nachhaltigere, fairere und ökologischere Welt.

Wir wollen Alternativen präsentieren und diskutieren. Und Du bist herzlich eingeladen, an diesem Austausch teilzunehmen!

Gesucht werden Filme, Artikel, Podcasts, Präsentationen, Fotos und Grafiken etc.

  1. die verschiedenste Aspekte und Herausforderungen unserer Gesellschaft und unseres Planeten aufzeigen. Somit Momentaufnahmen der aktuellen Realität.
  2. zu möglichen Lösungen, Konzepten und Technologien, die aktuelle Herausforderungen und Probleme lösen könnten. Ob Prototyp für eine alternative Energiegewinnung, neue wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Formen bis hin zu visionären – vielleicht auf den ersten Blick – utopisch erscheinenden Ideen für eine alternative Realität.

Und so finden sich auf der Site denn auch, unterteilt in Bereiche wie „Realität“ – zur schonungslosen Bestandsaufnahme all dessen, was in der Welt im derzeitigen System so alles schief läuft und verbessert werden muss – und „Vision“/„Alternative“ – mit der Vorstellung von möglichen anderen Ansätzen zur Gestaltung des menschlichen Miteinanders – schon einige anregende Dokumentationen und Filmhinweise sowie Diskussionsbeoträge. Darunter sind Verweise auf Projekte zu Creative Commons oder Cradle to Cradle und auch Informationen zum Bedingungslosen Grundeinkommen (siehe unten) und der Energiewende – und eben auch einige kritische Beiträge zum Ist-Zustand wie „Deadly Dust – Todesstaub“, die klar machen, dass sich etwas ändern muss.

Grundeinkommen – Der Film from Global Change 2012 on Vimeo.

EDIT: So schnell kann’s gehen – nun ist das Logo der Alternativen Realität begrünt und entkitscht. :-)

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Lesetipps: Die Facebook-Krake | Privatisierung ist oft teuer | Windows 7-Sünden

via elfpunkt.net

Es wird Zeit für ein Geständnis – ja, ich bin seit einer ganzen Weile bei Facebook. Aber ich weiß gar nicht mehr, warum. Lange Zeit habe ich dieses „soziale Netzwerk“ komplett abgelehnt und ignoriert, irgendwann habe ich mich dann (aus Neugier? Weil ich durch andere überredet wurde? Keene Ahnung) doch mal dazu herab gelassen, mich dort anzumelden, allen negativen Schlagzeilen bezüglich mangelnder Privatsphäre bzw. Facebooks laxem Umgang mit dem Datenschutz zum Trotz. Es verging wieder eine ganze Weile, bis ich dort auch mal was „machte“, also vor allem Links postete oder die von anderen kommentierte. Es kann halt schon ganz lustig sein, sich da herumzutreiben und zu sehen/lesen, was andere (Freunde, Bekannte) so posten und machen.

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Lesetipps: ZEIT-Edition – Plutokratie, Niebel und Libyen

© somadjinn, stock.xchng

Über die Mainstreammedien wird ja vor allem in der Bloggerszene gerne hergezogen und als „Totholzmedien“ beschimpft, um ihre Rückständigkeit zu unterstreichen. So sehr die Kritik an den Medien, die in der Hand einiger weniger Großkonzerne befindlich sind, auch berechtigt erscheint, so einseitig und pauschalisierend ist sie leider auch manchmal, denn immer wieder gibt es absolut zutreffende Analysen und kritische Stimmen zu lesen, die sich oft genug gegen den sonstigen Tenor der Zeitung/des Senders stellen. Leider gehen diese kritischen Töne in der Kakophonie der Meinungen und dem alles verschlingenden Mahlstrom des permanenten Meldungsregens unter und werden schnell wieder von tagesaktuellen Geschehnissen verdrängt, so dass ihre Wirkung nur beschränkt ist. Dennoch erreichen Zeitungen wie DIE ZEIT ein großes Publikum, so dass es zu begrüßen ist, wenn dort mal Tacheles geredet wird. Deshalb will ich in meinen heutigen Lesetipps mal nur Artikel aus der ZEIT berücksichtigen – zwei positive Beispiele für gelungenen investigativen Journalismus und ein abschreckendes für Meinungsmache.

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Aufmerksamkeitsökonomie

Uebermorgen TV, der Teil des Videopodcasts „Elektrischer Reporter“ von Marius Sixtus ist, skizziert seit inzwischen zehn Folgen mögliche Entwicklungen in Gesellschaft und Technik, ausgehend von den sich heute bereits abzeichnenden Änderungen und Forschungen. Vor allem die Gedanken zum Thema Kommerzialisierung/Marketing/Reklame sind dabei alles andere als erfreulich, wie man auch in der 10. Folge im Abschnitt „Aufmerksamkeitsökonomie“ sieht. Sollte es wirklich so kommen wie Sixtus es sich hier überlegt, wird man in der Zukunft auf die heutige Zeit als die güldenen Tage der Kommerzfreiheit zurückblicken! Gegen die Allgegenwart des Konsumierens trete ich in meinem Blog ja seit jeher ein, also wollen wir mal hoffen, dass die Menschen doch irgendwann zur Vernunft kommen.

Immer häufiger zahlen Menschen für einen Service im Web nicht mit Geld, sondern mit ihrer Aufmerksamkeit. Nachrichtenportale und soziale Netzwerke beispielsweise finanzieren sich, indem sie die eingesammelt Aufmerksamkeit ihrer Nutzer an Werbekunden weiterverkaufen. Wie könnte es übermorgen weitergehen, mit der Aufmerksamkeitswirtschaft im Web?

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