Apr
26
2013

Die Werbelüge des Jahres

Alle Jahre wieder – kommt sie, die Abstimmung von Foodwatch zum Goldenen Winbeutel 2013, der dreistesten Werbelüge des Jahres. Klar, Reklame ist immer Lüge, von daher ist diese „Auszeichnung“ auch mehr von symbolischem Wert, da sie die Aufmerksamkeit der Menschen darauf lenkt, den bunten Werbeversprechen keinen Glauben zu schenken und sich zu vergegenwärtigen, dass die Konzerne und ihre Marketingabteilungen uns alle nur hinters Licht führen wollen. Diesmal geht es um Reklame, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richtet.

Die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2013 ist eröffnet. Ab sofort können die Verbraucher einen Monat lang abstimmen, welches Unternehmen den Preis für die dreisteste Werbemasche des Jahres bei einem Kinderprodukt erhalten soll.

„Kinder sind die Zielscheibe der perfidesten Webestrategien von Lebensmittelherstellern“, sagt Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelwerbung bei der Verbraucherorganisation foodwatch. „Mit allen Mitteln versuchen die Unternehmen, den Einfluss der Eltern zu umgehen und Kinder für jene Produkte anzufixen, die die höchsten Gewinnmargen versprechen – und das sind nun einmal Süßigkeiten und Snacks.“ Für den Goldenen Windbeutel 2013 hat foodwatch fünf Produkte nominiert:

  1. Capri-Sonne von Wild/SiSi-Werke, nominiert für Schul-Marketing und Sport-Schwindel
  2. Monster-Backe Knister von Ehrmann für die Vermarktung überzuckerter Produkte als Spielzeug
  3. Pom-Bär von Funnyfrisch für ein Paradebeispiel scheinheiliger Werbebeschränkungen
  4. Nestlé Kosmostars für Zucker-Kleinrechen-Tricks
  5. Paula von Dr. Oetker für digitalen Kinderfang

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel 2013 bereits zum fünften Mal, in den vergangenen Jahren immer als Negativpreis für die Werbelüge des Jahres. 2012 entfiel eine Mehrheit der fast 130.000 abgegebenen Stimmen auf Hipp. Die vorherigen Preisträger waren Ferrero (2011), Zott (2010) und Danone (2009).

Mit der Kür der dreistesten Werbemasche bei Kinderprodukten in diesem Jahr möchte foodwatch das Thema Kinderlebensmittel in den Fokus rücken. Während auf der einen Seite Fehlentwicklungen bei der Kinderernährung, insbesondere grassierendes Übergewicht, beklagt werden, wird die Lebensmittelindustrie nicht zur Verantwortung gezogen. In einem Marktcheck mit mehr als 1.500 Kinderprodukten hatte foodwatch 2012 nachgewiesen, dass drei Viertel der gezielt an Kinder vermarkteten Industrieprodukte süße und fettige Snacks sind. Mit Werbung fast ausschließlich für unausgewogene Produkte verstärkt die Lebensmittelindustrie diesen Trend – gleichzeitig setzt sie darauf, die Erziehungshoheit der Eltern zu umgehen, indem sie Kinder über Sportvereine, Schulen und Kindergärten oder digitale Medien ansprich.

Stimmen Sie jetzt ab für Ihren Favoriten: www.goldener-windbeutel.de

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4 Kommentare »

  • tordis

    Boah, ich kann mich nicht entscheiden!
    Vielleicht liegt das auch an der Vorauswahl: 3 Produkte werden als “Spaßessen” vermarktet, 2 werden als gesund dargestellt. (Da hätten sie ja nur 2 stellvertretende Produkte gebraucht) Und alle 5 richten sich an Kinder.
    Wo ist denn der ganze andere Müll, der sich an erwachsene, sportliche, müde, gestresste, schwangere… Menschen richtet?
    Oder haben die da jedes Jahr Themenschwerpunkte?

    Comment | 26. April 2013
  • tordis

    Hupps ich hätte das vorher lesen sollen…
    Kann mich trotzdem nicht entscheiden.

    Comment | 26. April 2013
  • @tordis: Ja, dieses Jahr hat Foodwatch da einen Themenschwerpunkt gesetzt. Soweit ich weiß waren die bisherigen “Goldenen Windbeutel” aber nicht auf eine spezielle Reklameart/Produktbranche bezogen. Generell beziehen sie aber nur Reklame ein, in der es um Lebensmittel u.ä. geht.

    Comment | 26. April 2013
  • HenningM

    Da ist ja eins übler und schäbiger als das andere! Man weiß gar nicht, bei welcher Firma man zuerst Feuer legen soll. Spaß beseite: Selbst die renommiertesten Unternehmen (Dr. Oetker zB) sind im Grunde nur eine schmierige, kapitalistische Saubande!
    ABER! Kapitalismus 2.0 hat, wird mir immer mehr bewusst, seine entscheidende Schwachstelle eben in dieser Psycho-Werbe-Abteilung. Nicht mehr Erzeugung und Logistik von Gütern/Dienstleistungen sind der neuraligische Punkt,m sondern die Frage: Wie bringe ich das Zeugs an den Mann, an die Frau, an das Kind (!). Wir sollten vielleicht mal überlegen, wie wir im Internet aufklärerisch wirken können, und zwar massenwirksam. Vielleicht über fb und dergl.? Oder mal die pol. Parteien Mails schreiben von wegen: Was habt ihr zu diesen schäbigen Tricks zu sagen?

    Comment | 27. April 2013

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