Okt
08
2010

Hakenkreuz-Dolch vom Weltmarkt-Führer oder: Amazon rechts außen

Letztes Jahr berichtete ich ja schon darüber, dass man auf dem deutschen Ableger von des Internethändlers Amazon sehr abseitige Literatur kaufen kann/konnte, die eindeutig der Neonazi-Szene zuzuordnen ist (HIER). Man arbeitete bei Amazon sogar mit einem NPD-Ortsverband (als Marketplace-Anbieter) zusammen und stellte sich auf den Standpunkt: „die Werke sind ja nicht verboten“, sprich: die Moral ist egal, wir wollen an allem verdienen, was sich zu Geld machen lässt. In seinem Sprusko-Blog berichtet Marcus Meier nun, dass es leider trotzdem weiterhin mehr als fragwürdige Machwerke dort zu kaufen gibt und man bei Amazon in den USA sogar Dolche mit Hakenkreuzemblem und der Gravur „Blut und Ehre“ kaufen kann, natürlich auch alte Reichsflaggen u.ä. In Ade, Amazon, Teil 1 und Teil 2 legt der Autor dar, wieso er Amazon zukünftig den Rücken kehrt:

(…) Mein Umdenken begann vor einer Woche, als mir bei Aufruf der Amazon-Webseite an prominenter Stelle ein »Topseller« präsentiert wurde, der durchaus zu recht umstritten ist: »Deutschland schafft sich« ab von Thilo Sarrazin, die »Nr. 1« in der Amazon-Kategorie Bücher.

Ich sah mir die Kunden-Debatten an. Ich stellte fest: Sie sind meist voll Lobhudelei für den Sarrazin-Schund, oft kaum verhohlen rassistisch, selten jedoch von Intelligenz geprägt. Eine  national befreite Zone… gehostet von Amazon.
Amazon selbst belästigte mich mit Kaufempfehlungen, die rechtsextreme Bücher anpriesen. Beispiel: »Der Fall Sarrazin« vom »Institut für Staatspolitik«, einer Denkfabrik der »Neuen«, durchaus nicht gemäßigten Rechten. (…)
(…) Und nun? Ich will nicht wirklich in einem Umfeld shoppen, wo die Mitkunden einen rassistischen, neoliberalen Quartalsirren namens Sarrazin im Durchschnitt mit viereinhalb von fünf möglichen Sternen beehren. Wer den Verkauf von NPD-Büchern lange Zeit mit der Begründung rechtfertigt, sie seien ja nicht verboten, kann nicht mit mir als Kunden rechnen. Und ich verspüre keine Lust, mein Geld in den Rachen eines Konzerns zu schmeißen, der an Nazi-Devotionalien mitverdient. (…)

Verwandte Beiträge:

Drucken Drucken
Kommentare: 17 | Internet,Konzernkritik | Schlagwörter: , , , , |

17 Kommentare »

  • anonym

    Vor Kurzem habe ich bei Amazon aus Neugier nachgeschaut, welches Buch als Bestseller gerade verkauft wird, tatsächlich wurde mir als Nummer eins das Buch “Deutschland schafft sich ab” von Sarrazin angzeigt. Dies hat mich im wahren Sinne des Wortes betroffen, da ich auf der einen Seite ein Ausländer bin und auf der anderen, weil ich mir zu 100% Prozent sicher bin, dass es heute auf dem Makrt zig interessantere Werke gibt, die mit dem von Sarrazin unvergleichbar sind.

    Nun, wir leben aber in einer Zeit der Demokratie, in der man “frei” und “gerechtigt” handelt.
    Wenn mir aber bewußt ist, in einem Land zu leben, wo die Merheit der Menschen rassistische Ideologien unterstützt, bekomme ich Angst und denke vorläufig über Flucht nach. Und dies ist keine Freiheit mehr, sondern ein Zwang.

    Hätte allerdings Sarrazin sein Buch nicht veröffentlichten dürfen, wäre seine Freiheit ebenfalls beschränkt.

    Comment | 8. Oktober 2010
  • Bernd

    Man kann bei Amazon in Japan dann direkt noch ein paar DVDs mit leicht bekleideten Kindern dazubestellen:

    http://www.amazon.co.jp/s/ref=nb_sb_noss?__mk_ja_JP=%83J%83%5E%83J%83i&url=search-alias%3Daps&field-keywords=candydoll&x=0&y=0

    Comment | 8. Oktober 2010
  • Etwelche störenden moralischen Bedenken scheint Amazon ja nicht zu kennen – anything goes, solange man damit Profit machen kann. Ganz schön unsympathisch…

    Comment | 8. Oktober 2010
  • [...] Beim Konsumpf gibt es gerade einen Artikel über den Grund. [...]

    Pingback | 8. Oktober 2010
  • ddff

    Na schau mal, die Moralkeule gegen den Kapitalismus.

    Solange es dort auch Flaggen der Sowjetunion, Anarchiezeichen und DDR-Andenken gibt, ist es Unsinn sich über Natziflaggen zu beschweren. Die Naziflaggen werden ja nicht mehr hier in unseren Landen angeboten, und anderswo sind sie legal. Warum sollte am deutschen (Verbots und Moral-)Wesen die Welt genesen?

    Comment | 8. Oktober 2010
  • Punksympathisant

    Soweit ich weiß wurde die Handelsbeziehung zu der Nazibande damals auf öffentlichen Druck von Amazon abgebrochen.

    @Sarrazin-Topic: Ich enthalte mich der Diskussion um das Buch eigentlich, weil ich das Buch nicht gelesen habe. Ich kann nicht sagen, Sarrazin ist ein Rassist, aber auch nicht, dass er recht hat, weil ich es nicht gelesen habe.

    Und genau das ist das blöde, ich glaube fast, das ist ein Marketing-Gag: Durch diesen Riesen-Hype braucht man das Buch, um mitreden zu können, also müssen auch die, die gegen ihn sind, das Buch käuflich erwerben, was dann erklären würde, warum es bestverkauft ist…

    Ich glaube, das ist so eine Verschwörung darum, und es hätte Sarrazin nichts besseres passieren können, als dass nun jeder das Buch “braucht”, um überhaupt GEGEN ihn sein zu können.

    Comment | 8. Oktober 2010
  • 1. Was hat Anarchie bitte mit Nazis oder auch dem Sowjetregime zu tun?!?!
    2. Dass die Nazi-Ideologie rassistisch und menschenfeindlich ist und nicht verbreitet werden sollte, kann man wohl kaum als “deutsches Verbots- und Moralwesen” bezeichnen, sondern hat etwas mit Menschlichkeit und Anstand zu tun. Aber natürlich hast Du recht, im Kapitalismus wird alles zu Geld gemacht, was geht.
    3. DVDs mit halbnackten Kindern (siehe Link unten) fallen wohl kaum in Dein Raster mit “Sowjetunion, DDR” etc.

    Comment | 8. Oktober 2010
  • “Ich glaube, das ist so eine Verschwörung darum, und es hätte Sarrazin nichts besseres passieren können, als dass nun jeder das Buch “braucht”, um überhaupt GEGEN ihn sein zu können.”

    Eine interessante Theorie. ;-) Aber lies Dir doch mal den Artikel von Sigmar Gabriel in der ZEIT durch, da werden einige Kernthesen zitiert und seziert. Mehr muss man über das Buch kaum wissen, denn ein Werk, in dem solche Aussagen stehen, ist inakzeptabel (selbst wenn das eine oder andere auch mal stimmen mag):
    http://www.zeit.de/2010/38/SPD-Sigmar-Gabriel

    Comment | 8. Oktober 2010
  • Subjektiv betrachtet gibt es relativ viele Leute die sich das Buch kaufen um zu wissen worum der ganze Trubel ist.

    Comment | 8. Oktober 2010
  • Punksympathisant

    Eben. Ich kenne auch viele, die das Buch zurzeit lesen, weil sie einfach interessiert, inwiefern der Thilo falsch liegt, und obwohl sie das nicht vertreten. Das meine ich. Einfach ein MArketing-Gag der scheinbar funktioniert und Sarrazin reich macht ;)

    Comment | 8. Oktober 2010
  • Bile

    @Punksympathisant
    Um das Buch von T.S. zu kritisieren muss man es nicht gelesen haben. Ich muss auch nicht “Mein Kampf” gelesen haben, um dieses als übles Werk zu kritisieren.

    @anonym
    Da du dich für Meinungsfreiheit aussprichts, hier eine
    Definition dieser…
    http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/09/das-alibi-meinungsfreiheit.html

    …vllt sollte man nicht alles damit versuchen zu rechtfertigen.

    Comment | 8. Oktober 2010
  • jack

    Das waere doch vollkommen paradox, wenn Amazon USA alles zensieren wuerden, was sie moralisch fragwuerdig finden (und war wuerde das fuer einen Aufschrei geben). Im Gegensatz zur deutschen Gesetzgebung faellt dort auch “Mein Kampf” unter die “Freedom of speech”. Das kann man fragwuerdig finden, unmoralisch ist es nicht. Was generell verkauft werden darf und was nicht, soll der Staat entscheiden. Stell dir vor, Amazon.com wuerde ein globalisierungskritisches Werk aus eigenen Interessen unterdrucken…

    Comment | 8. Oktober 2010
  • Mr Grudenko

    Zum Thema “Kundenbewertungen bei Amazon” auch lesenswert (auch wenn von 2005): “Hell Is Other People On Amazon.Com” von John Dolan

    http://exiledonline.com/hell-is-other-people-on-amazon-com/

    Comment | 9. Oktober 2010
  • Sajón

    Wunderbar – Amazon Deutschland boykottieren weil der amerikanische Ableger Nazi-Zeug verkauft und man im Deutschland ein Buch kaufen kann, über das es derzeit eine heiße Debatte gibt, in der viel zu wenig das Buch überhaupt gelesen haben und die u.a. deswegen sehr wenig ergiebig ist. Und Nazis sind da auch Kunden…

    Wenn ich jetzt in keinem Laden mehr einfkaufen würde, wo nicht auch schonmal ein Zeitgenosse mit (latent oder nicht) brauner Einstellung eingekauft hat, würde ich verhungern, verdursten, erfrieren… Und was für ein Auto fahren? Schonmal keins der Mercedes-Gruppe, die haben ja das Apartheids-Regime beliefert. Damit fallen auch Mitsubishi (Kriegsflugzeuge für Japan), Smart, Chrysler, Renault (haben ja auch zu Vichy-Zeit Panzer für die Nazis gebaut!), Nissan und Jeep weg. Bei Ford gibts diese hässliche Geschichte mit dem Antisemiten Ford Senior und seinen Pamphleten gegen das Judentum, also auch Ford und damit Volvo, Mazda, Rover und Jaguar nicht als Auto. Über Volkswagen und damit Seat, Audi und Skoda brauche ich ja gar nicht reden. Honda, Toyota – hässliche Verganenheit als Lieferant fürs japanische Militär, Bauer von Tötungsmaschinen. Und leider haben fast alle diese Unternehmen Anteile an Maschinenbauunternehmen, die U-Bahnen und Busse herstellen, also auch kein ÖPNV. Also halten wir es mit der Band Bonapart:

    I BOYKOTT EVERYTHING THAT COMES NOT FROM MY HANDS!

    Comment | 9. Oktober 2010
  • Also Deiner Meinung nach sollte man alles, was Konzerne tun, klaglos hinnehmen und deren Zeug weiter kaufen (sofern man es beeinflussen kann – beim ÖPNV oder irgendwelchen Zwischenprodukten wird es natürlich schwierig)? Ich würde Amazon jetzt nicht nur wegen dieser Nazischeiße boykottieren, finde es allerdings sowieso wenig ansprechend, mit meinen Käufen irgendeinen großen Konzern zu mästen, während ich das meiste für ähnliche Preise auch anderswo, z.B beim Buchladen um die Ecke bekommen kann. Von daher habe ich meine Amazonkäufe in den letzten Jahren stark reduziert. Die Wunschzettelfunktion ist natürlich sehr praktisch, so kann man sich merken, was man sich irgendann mal durchlesen will, hehe.
    Ansonsten ist es eh eine gute Idee, so wenig wie möglich zu konsumieren. ;-)

    Comment | 9. Oktober 2010
  • Es geht ja nicht darum, dass in einem Laden ein “Zeitgenosse mit brauner Einstellung” eingekauft hat,das wäre besonders in Bezug auf Lebensmittel völlig absurd.

    Bücher gibt es auch in Bibliotheken und sind auch gebraucht erhältlich.
    In diesem Zusammenhang würde mich interessieren ob man mir eine vernünftige(am besten nicht profitorientierte) Tauschbörse empfehlen kann.

    Comment | 9. Oktober 2010
  • Martin W.

    @wasabi:
    Gucke hier: http://www.tauschticket.de
    Wobei die seit Neuestem eine kleine Gebühr zur Deckung der Kosten nehmen. Ansonsten selbst schon getestet und für gut befunden.

    Comment | 11. Oktober 2010

Kommentare per RSS Feed verfolgen. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Anti-spam image

Konsumpf 2008 - Powered by WordPress | Aeros Theme | TheBuckmaker.com WordPress Themes