Dez
18
2008
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Weise Worte (1)

„Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ist aus wirtschaftlichen Gründen unverzichtbar. Ein Überleben können wir uns im Interesse des Wirtschaftswachstums nicht leisten.”

[via „Es geht um was”]

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Dez
07
2008
7

„Das System steckt nicht in einer Krise – die Krise ist das System” (Teil 2/2)

[Dies ist die Fortsetzung meines gestrigen Beitrags]

Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren auch ein gesteigertes Bewusstsein bei den Verbrauchern gebildet, dass der eigene Konsum ein Mittel ist, um Veränderungen zu bewirken – die sog. „Nachhaltigkeit” ist aus aktuellen Diskussionen und auch Firmenbroschüren nicht mehr wegzudenken. Biowaren sind „in” (man denke nur an die Bionade, deren riesiger Erfolg sicher alle überrascht, mich eingeschlossen), und die Marketingfuzzis haben mit den LOHAS ein neues Marktsegment ausgemacht, das seit einer Weile mit entsprechenden Produkten, Magazinen und Blogs bedacht wird. Dies ist per se erst einmal durchaus positiv zu sehen, denn wenn statt monoformer Industrieware ökologisch verträglichere Lebensmittel auf den Tisch kommen, entlastet das die Umwelt und ist zudem natürlich gesünder für die Menschen.

ABER: kann es das schon gewesen sein, dieser „nachhaltige” oder „politische” Konsum, der die Firmen zum Umdenken bewegen und dazu führen soll, dass Konzerne mit übler Firmenhistorie in Bezug auf die Ausbeutung von Mensch und Umwelt und Sozialstandards (und das betrifft fast alle großen Unternehmen; siehe auch das „Neue Schwarzbuch Markenfirmen”) zur Besinnung kommen und „der Kapitalismus” plötzlich ein freundlicheres Antlitz bekommt? Einfach nur etwas „fairer” konsumieren, also einfach ein paar Produkte auf dem Tisch austauschen (statt der normalen Aldi-Milch Bio-Milch von Aldi nehmen z.B.), und ansonsten alles so weiterlaufen lassen? Ich habe da leider so meine leisen Zweifel. Denn es besteht die Gefahr, dass kleinere Verbesserungen der Situation schon als ausreichend angesehen werden und die Kernproblematik weiter vor sich hin gären darf und zukünftige Entwicklungen damit weiter erschwert.

Mit meinen Zweifeln stehe damit nicht alleine da – Reto Stauss hat sich in den vergangenen Wochen in seinem Blog des öfteren mit dieser Frage beschäftigt. So konstatiert er in „Den Nachhaltigkeits-Graben überwinden”:

Es gilt Brücken über den Nachhaltigkeitsgraben zu erkennen und zu beschreiten. Patentrezepte gibt es keine, wir können nur weitermachen, im Kleinen und Kleinsten, offline und online, im Sichtbaren und Unsichtbaren.

Die Anzahl und Art der Kommentare deuten darauf hin, dass die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln nicht nur von mir wahrgenommen wird und dass sich viele persönlich und im grösseren Zusammenhang die Frage stellen, warum Veränderungen trotz entsprechender Erkenntnis nicht schneller und nachhaltiger umgesetzt werden.

Und in „Green New Deal – Makulatur Gesellschaftsvertrag“ legt er kurz darauf noch einmal nach:

Allen Vorschlägen gemeinsam ist, dass der Staat rettend mit Geld einspringen soll, das System aber nicht wirklich in Frage gestellt wird. Ein bisschen mehr Kontrolle der Wirtschaft, ein bisschen mehr Umweltschutz, ein bisschen Umstellen auf erneuerbare Energiequellen – alles Pflästerli-Politik.

Grundproblem ist das Anreizsystem in der kapitalistischen Marktwirtschaft („Mehr, billiger!“) in Kombination mit der Fortschrittsgläubigkeit („Die technologische Lösung ist nah!“), welche keine Grenze kennt. Obwohl praktisch Konsens, löst „Konsumverzicht“ verbreitet Denkblockaden aus. „Weniger“ ist keine Option.

Ähnlich sieht es auch der Blog landscaping in „Zukunftsfähig ohne Systemwandel?” (und wenn von unserem „System” und seinen Problemen die Rede ist, geht es übrigens nicht nur um die marktwirtschaftlichen Prinzipien oder das Konsumieren, sondern vor allem auch um die Zinseszinsproblematik, das Schöpfen von Geld aus Schuld und dem systemimmanenten exponentiellen Wachstumszwang):

Kann es zu einer nachhaltig, zukunftsfähigen Entwicklung kommen, wenn nicht grundsätzlich ein Systemwandel angestrebt wird? Die Frage wirkt für viele lähmend. Denn sie stellt grundsätzliche Prinzipien unserer derzeitigen Gesellschaft in Frage (Kapitalismus, Neoliberalismus, Zinswirtschaft, Individualismus, persönliche Freiheit, …). Für mich dagegen wirkt es zunehmend lähmend, wenn kleine Details laufend bejubelt werden und damit die Weltrettung angekündigt wird und dabei ganz vergessen wird, dass der globale Effekt vielleicht minimal ist.

Etwas drastischer fällt das Urteil der Krisis-Website (Beiträge zur Kritik an der Warengesellschaft) in ihrem „Crashkurs – Flugblatt zur Finanzkrise” aus:

Die Welt ist zu reich für den Kapitalismus

Die aktuelle Finanzmarktkrise markiert den Wendepunkt in der Epoche des fiktiven Kapitals und damit erreicht die fundamentale Krise des Kapitalismus, die sich schon in den 1970er Jahren abzeichnete eine neue Stufe. Diese Krise ist nicht nur die eines spezifischen „angelsächsischen Systems“ des „Neoliberalismus“, wie unter Mobilisierung antiamerikanischer Affekte mit teils deutlich antisemitischem Einschlag überall behauptet wird. Vielmehr zeigt sich nun, dass die Welt für die armselige kapitalistische Produktionsweise längst zu reich ist; dass die Gesellschaft auseinanderbrechen, verwildern und in Elend, Gewalt und Irrationalismus versinken muss, wenn es nicht gelingt, diese zu überwinden.

Interessant sind in dem Zusammenhang beispielsweise auch noch die Krisis-Beiträge „Weltgesellschaft ohne Geld” und „Vom Elend marktwirtschaftsgläubiger Kapitalistenkritik”. (Das Schimpfen auf die „bösen Banker” und „raffgierigen Manager” hat ja derzeit in allen Mainstreammedien Hochkonjunktur, lenkt aber von den eigentlichen Ursachen der Probleme nur ab und soll den potentiellen Zorn der Leute ein wenig kanalisieren, vermute ich mal.)

Es ist nicht nur zu befürchten, dass die Krise erst am Anfang steht und Millionen Menschen unmittelbar treffen wird, sondern auch, dass sich derlei Pseudo-Kritik irgendwann einmal äußerst handfest austoben wird. Auch das Ressentiment wird zur materiellen Gewalt, wenn es die Massen ergreift. Wehe dem, der dann zu den Bösewichten und ihren Handlangern gezählt wird. Noch ist Zeit, um der billigen Haut-den-Ackermann-Nummer ernsthafte Kapitalismuskritik entgegenzusetzen.

Und das Social Innovation Network stellt sich halbherziger „Systemkritik” ähnlich eindeutig entgegen („Umverteiler aller Flügel – Erteilt Euch!”):

Schadet die Krise der Revolution oder nützt sie ihr, lautet dabei die klassische Frage. Die übliche Antwort darauf ist, eine Krise schade der revolutionären Umgestaltung. Denn in der Krise werden die Leute rechtsextrem. Und das sei noch übler als der Kapitalismus schon üblicherweise ist. Auch der so genannte radikale Flügel teilt diese Einschätzung zumeist. Wir haben es offenbar mit einem hegemonialen Denkmuster zu tun. Will jemand ernst genommen werden, so hat er sich innerhalb dieses Musters zu bewegen. Was sich abseits davon äußert, wird ausgeblendet, weil es nicht in den Rahmen des Diskurses passt.

Dennoch wagt es der Autor P.M. (nein, das bin nicht ich ;-) in seinem Buch „SubComA – Nachhaltig vorsorgen für das Leben nach der Wirtschaft”, die ausgelatschten Pfade zu verlassen und einen radikaleren Blick über den Tellerrand zu tätigen – dies vielleicht als (durchaus utopisch geprägte) Anregung für eigene Überlegungen. Dieses Buch gibt es übrigens auch als kostenlosen pdf-Download auf seiner Website.

Was ist das für eine Welt, in der trotz gigantischer Fortschritte der Produktivität der Anteil der Armen stetig wächst? Was ist das für ein Wirtschaftssystem, das auf sklavereiartigen Arbeitsbedingungen im Süden und Sozialabbau im Norden beruht? Was ist das für eine Landwirtschaft, die mit Erosion, Bodenversalzung, und vergifteten Gewässern ihre eigene Grundlage zerstört? Was ist das für eine Weltordnung, die überall zu Bürgerkriegen, Massakern, Flüchtlingsbewegungen und hilflosen militärischen Interventionen führt?

Die Stimmung ist gekippt. Globalisierung, New Economy, Informationsgesellschaft, Modernisierung und wie all die hochtrabenden Begriffe noch heißen mögen, haben begonnen ihren Glanz zu verlieren. Immer mehr Menschen merken, daß auch die New Economy nur die alte Tretmühle ist, nur schneller, riskanter und mehr Lebensbereiche durchdringend. Die Modernisierungsgewinnerinnen von heute sind die Modernisierungsverliererinnen von morgen – am Schluß sind wir alle Verliererinnen. Und daneben melden sich immer lauter auch jene, die seit 500 Jahren immer nur Modernisierungsverliererinnen waren. (…)

Der Zweck dieses Buches besteht darin, jenem Teil der Bewegung Argumente zur Verfügung zu stellen, der nicht mehr an die Reformierbarkeit des kapitalistischen Systems und dessen Weltorganisationen glaubt und daher eine planetarische Alternative dazu verwirklichen will. Es geht um theoretische Überlegungen und die Auswertung praktischer Erfahrungen, um inspirierende Ideen und um die Diskussion von Umsetzungsszenarien.

Konkrete Ideen, Neues zu wagen und zu denken, findet Ihr auch in Retos Postings hier, hier oder hier. Denn es gibt natürlich keine Patentrezepte zur Lösung. An dieser Stelle kommt auch noch ein weiterer wichtiger Faktor ins Spiel: es reicht nämlich nicht, nur anderen Leuten oder anonymen „Sachzwängen” Schuld zuzuweisen – wir müssen auch in der Lage sein, aus unserer eigenen „comfort zone”, aus der eigenen Bequemlichkeit auszubrechen, von bisherigen Gewohnheiten abzuweichen. Und so etwas kann seine Zeit dauern. Auf jeden Fall lohnt es sich nicht, auf irgendeine „Revolution” zu warten, sondern man fängt am besten schon bei sich selbst an, Energie aus dem aktuellen Konsumsystem abzuziehen; indem man weniger bei Konzernen kauft, die das ganze Hamsterrad in Gang halten; indem man die Hatz nach immer mehr Geld, um sich davon dann immer mehr „leisten” zu können, hinterfragt. Es bleibt also spannend!

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Dez
06
2008
1

„Das System steckt nicht in einer Krise – die Krise ist das System” (Teil 1/2)

Wenn man sich erst einmal in die Materie Culture Jamming, Konzernkritik, Nachhaltigkeit usw. einliest und Informationen, die gerade zu Zeiten dieser „Finanzkrise” von allen Seiten auf uns einströmen, miteinander verquickt, wird einem eigentlich relativ bald klar, dass Konsumkritik mehr ist als nur das Nachdenken über ein paar Justierungen am eigenen Konsumverhalten (kein Kauf bei Discountern, mehr Bio etc.). Wer das Dogma „Kaufen macht glücklich” bzw. „Mehr Konsum ist besser als weniger Konsum” in Frage zu stellen beginnt, rüttelt damit nämlich automatisch auch an den Grund„werten”, die unser Wirtschafts- und Alltagsleben mittlerweile nahezu komplett durchdrungen haben. Ich denke, dass dieses Rütteln jedoch absolut angebracht und notwendig ist, um (noch) Schlimmeres zu verhindern!

In der letzten Zeit wird zunehmend deutlich, dass genau dieses System des permanenten Wirtschaftswachstums, in dem wir in der westlichen Welt uns so bequem eingerichtet haben, größere Risse bekommt und eventuell gar auf einen großen Knall zu steuert. Gerade wenn man sieht, wie verzweifelt die Politik aktuell versucht, das System nun hektisch mit Abermilliarden von Euro und US$ zu stützen (Milliarden, die letztlich von uns allen erst erwirtschaftet werden müssen und für die auch noch unsere Kinder und Kindeskinder blechen werden), dämmert es immer mehr Menschen, dass hier wohl etwas grundlegend falsch läuft.

Nach den nutzlosen Steuererleichterungen für alle Neu-Pkw-Käufer ist das neueste Beispiel die hanebüchene Idee einiger „Spitzenpolitiker” in der SPD, 500 €-Konsumgutscheine auszugeben, um den Konsum endlich wieder anzukurbeln. Hier geht es gar nicht mehr um sinnvolle Investitionen oder gar eine bedürfniszentrierte Produktion o.ä., sondern um das reine Geldausgeben als Hauptsinn und -zweck eines jeden Bürgers. (Frankreich hat diesen Blödsinn übrigens gerade beschlossen – 200 € pro Familie gibt’s für insg. 3.8 Mio Familien; eine kurze Party, deren Kosten, wie gesagt, zukünftige Generationen tragen dürfen.)

Diese kommentierte Aussage eines Users im Tagesschauforum aus dem als-ob-leben?-Blog trifft den Nagel auf den Kopf:

„Was ich an diesem „Konsumgutschein“ interessant finde, ist wie offen auf diese Weise unser Wirtschaftssystem als das entlarvt wird, was es ist…nämlich ein auf (möglichst) immer weiter ansteigendem Konsum basierendes System.

Ein System, in dem der Idealbürger offensichtlich jemand ist, der, wenn er nicht gerade fleißig arbeitet (egal was er dabei macht… die Sinnfrage stellt sich gar nicht), das erworbene Geld sofort wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückspült.

Ich frage mich, wie es in einem solchen System möglich sein soll „nachhaltig“ zu wirtschaften. Wie soll ein System, das auf dem grenzenlosen Konsum basiert mit „weniger“ auskommen? Weniger Müll? Weniger Umweltverschmutzung? Weniger Energieverbrauch? Unmöglich, wenn gleichzeitig „immer mehr“ konsumiert werden muss.“

und ich ergänze das mit dem auszug aus einem alten kommentar meinerseits zum beitrag über die toten der hiesigen „sozialpolitik“:

„egal, aus welcher perspektive ich mir die zustände auch betrachte: die „party“ namens westlicher lebensstil ist zu ende. definitiv. jedes weitere aufschieben dieser einsicht und v.a. der daraus folgenden konsequenzen ist untrennbar verbunden mit einer täglich größer werdenden existenziellen gefährdung all dessen, was sich als unsere menschliche substanz begreifen ließe, ja inzwischen sogar der biologischen und ökologischen grundlagen unserer existenz.

Wie hilflos die Politiker sind und wie sehr ihr Denken in diesem System gefangen ist, sieht man an all diesen „Rettungspaketen” und „Programmen” – nach dem Motto: wenn die Menschen nur schön wieder kaufen, wird alles gut… Auf der n-tv-Seite kann man u.a. lesen („Gutscheine für alle – Konjunkturprogramm 2.0”)

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, warnte davor und erklärte, ein Großteil der Summe würde investiert in Dinge, die „man ohnehin kaufen wollte“.

Es ist schon bezeichnend, dass befürchtet wird, dass die Leute Sachen kaufen, „die sie ohnehin kaufen wollten” – dass also ein Weg aus der Krise eher darin gesehen wird, dass die Bürger demnach Dinge kaufen sollen, die sie nicht kaufen wollen, sprich: sich überflüssigem, sinnlosem Konsum hingeben. Noch bezeichnender sind vielleicht die Pläne einiger CDU-Politiker, die „Finanzkrise” mal schnell dazu zu nutzen, Klimaziele zu verwässern und statt dessen das Land mit weiteren Straßen und Kohlekraftwerken (!) zuzupflastern. Dreister und kurzsichtiger geht es wirklich nicht mehr.

Oettinger und Rüttgers machten sich – ähnlich wie es Bundestagsfraktionschef Volker Kauder auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart – für andere Konjunkturhilfen stark. „So könnte man noch einmal zwei Milliarden Euro in den Ausbau der Bundesfernstraßen stecken (…)” Rüttgers will den Bau neuer Kohlekraftwerke fördern, um die Konjunktur anzuschieben, ohne staatliches Geld auszugeben. Es sei möglich, „Geld zu mobilisieren, das bei den Energieversorgern vorhanden ist. Dazu müssten nur die Investitionsbedingungen etwa beim Emissionshandel verbessert werden.“

Was aus alledem deutlich wird: in politischen Kreisen findet eine reine Symptombekämpfung statt – ein „thinking outside the box”, sprich allein das Nachdenken über neue, andersartige, ungewohnte Wege scheint schon völlig unvorstellbar (und ist vermutlich auch unerwünscht, solange starke Interessensgruppen von der Fortführung der derzeitigen Verhältnisse blendend profitieren). Man kann hier zumindest eine erstaunliche Naivität oder Betriebsblindheit konstatieren, gespeist durch ein z.B. auch von den Wirtschafts„wissenschaften” vermitteltes Weltbild (Ideologie), das im Prinzip von bis in alle Ewigkeit gültigen stabilen Bedingungen ausgeht, in der die Märkte ihr magisches Wirken zum Wohle aller vollziehen werden. Oder wie es der FDPler Rainer Brüderle neulich im Bundestag unmissverständlich ausdrückte (diese Aussage nehme ich nur als Beispiel für das festgefahrene Denken, aus dem es für die meisten Politiker, quer durch alle Parteien, offenbar kein Entrinnen gibt):

Was wir nicht brauchen, ist eine Debatte über die Systemfrage. Ohne Frage ist die soziale Marktwirtschaft die überlegene Wirtschaftordnung. Leider ist es aber so: Selbst wenn Sie ein Auto mit tollen Airbags und Radarsteuerung bauen, wenn der Falsche am Steuer sitzt, fährt er trotzdem gegen die Wand. Das liegt aber nicht am Auto, das liegt nicht an der sozialen Marktwirtschaft, sondern an der falschen Handhabung. Seit Jahren wird gegen den Geist der sozialen Marktwirtschaft verstoßen, indem man in die Märkte hinein interveniert.

Von politischer Seite her sind also kaum irgendwelche zukunftsweisenden Lösungsansätze oder gar neue Ideen zu erwarten (obwohl mit Die Basis gerade eine, zumindest auf dem Papier, ganz interessante neue Partei gegründet wurde), hier werden lieber altbekannte Fronten abgesteckt, Phrasen gedroschen, in den eingefahrenen Gedankenbahnen herumgeschwebt („Neoliberalismus” hier, „demokratischer Sozialismus” dort), und der politische Gegner beharkt und diffamiert.

Kurz und gut – wir müssen es (auch) selber richten, wenn wir etwas gegen den Zerfall der Welt tun wollen, allein auf „den Staat” zu warten bringt wohl leider nichts.

[Fortsetzung folgt – morgen]

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Dez
03
2008
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„Weihnachtsaktion” vom BILDblog

Der BILDblog hat sich schon seit Jahren als Korrektiv zu den Lügengeschichten spannenden Reportagen, Verzerrungen Enthüllungen und Halbwahrheiten Erkenntnissen, die Deutschlands größte auflagenstärkste Boulevardzeitung tagtäglich verbreiten darf, etabliert – akribisch und mit einer Prise Ironie werden in diesem Blog Ungereimtheiten und tendenziöse Meldungen mit VerschleierungsAufklärungsabsicht der BILD-„Zeitung” analysiert und veröffentlicht. Man kann nur immer wieder aufs Neue den Kopf schütteln, wenn man so sieht, welches Informations„niveau” die BILD da jeden Tag ins Land trötet.

Seit ein paar Tagen hat der BILDblog nun seine Weihnachtsaktion „BILDblog für alle” gestartet und die Leser zum Mitmachen aufgefordert:

Es weihnachtet schon wieder. Und wir nutzen die Gelegenheit diesmal für einen Blick über den Weihnachtstellerrand – und machen im Advent „BILDblog für alle“: Statt nur auf die Unzulänglichkeiten einer großen deutschen Boulevardzeitung zu starren, schauen wir uns einfach mal genauer an, was an Fehlern, Falschmeldungen, Persönlichkeitsrechtsverletzungen, Irreführendem und Unsinn… kurzum: wieviel „Bild“ in anderen Medien steckt.

Die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme im „Trierischen Volksfreund“ oder in der „Süddeutschen Zeitung“, auf RTL, im „heute journal“, auf „Spiegel Online“ und natürlich, wie gehabt, in „Bild“.

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Nov
29
2008
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Buy Nothing Day 2008 – offizielles Statement von Adbusters

BUY NOTHING DAY ORGANIZERS CONFRONT THE ECONOMIC MELTDOWN HEAD ON

Now in its 17th year, Buy Nothing Day is celebrated every November by environmentalists, social activists and concerned citizens in over 65 countries around the world. Over the years, Buy Nothing Day (followed by Buy Nothing Christmas) has exploded into a global movement, inspiring the world’s citizens to live more simply and buy a whole lot less.

Designed to coincide with Black Friday (which this year falls on Friday, November 28) in the United States, and the unofficial start of the international holiday shopping season (Saturday, November 29), the festival takes many shapes, from relaxed family outings, to free, non-commercial street parties, to politically charged public protests, credit-card cut-ups and pranks and shenanigans of all kinds. Anyone can take part provided they spend a day without spending.

Featured by such media giants as CNN, USA Today, MSNBC, Wired, the BBC, The Age and the CBC, Buy Nothing Day has gained momentum in recent years as the climate crisis has driven people to seek out greener alternatives to unrestrained consumption.

This year, Buy Nothing Day organizers are confronting the economic meltdown head-on – asking citizens, policy makers and pundits to examine our economic crisis.

„If you dig a little past the surface you’ll see that this financial meltdown is not about liquidity, toxic derivatives or unregulated markets, it’s really about culture,“ says the co-founder of Adbusters Media Foundation, Kalle Lasn. „It’s our culture of excess and meaningless consumption — the glorified spending and borrowing of the past decade that’s at the root of the crisis we now find ourselves in.“

Economic meltdown, together with the ecological crisis of climate change could be the beginning of a major global cultural shift — the dawn of a new age: the age of Post-Materialism.

„A simpler, pared-down lifestyle – one in which we’re not drowning in debt – may well be the answer to this crisis we’re in,“ says Lasn. „Living within our means will also make us happier and healthier than we’ve been in years.“

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Nov
26
2008
5

Flughäfen = Konsumismus in seiner reinen Form

Ich fliege ziemlich selten und auch eher ungern. Letztes Wochenende „musste” ich aber nach London, um mir das Abschiedskonzert einer der großartigsten Bands der Neuzeit, Carter USM, anzuschauen (siehe HIER). Mein Rückflug ging von London Luton aus, und als ich dort einige Stunden auf meinen Flieger wartete, wurde mir die unglaubliche Künstlichkeit dieses Ortes bewusst. In der Abflughalle sitzen die Passagiere in der Mitte eines riesigen Saales, wie verloren, rundum umzingelt von glänzenden, blinkenden, bunten, prall gefüllten Geschäften und Verköstigungsstationen (wie bspw. Starkacks u.ä.), auf die man fortan stundenlang blicken muss. Aus reiner Langeweile kaufen denn auch viele Leute irgendeinen überteuerten Kram, den sie normalerweise vermutlich nicht erworben hätten. Es scheint, dass Konsumieren das einzige ist, was man den Wartenden zutraut – ein Flughafen, in dem es beispielsweise kostenlose Bibliotheken, Ausstellungen, Vorträge, Aufführungen oder etwas anderes den Geist Anregendes gibt, erscheint in unserer Gesellschaft irgendwie utopisch, fast schon deplatziert (und schwer finanzierbar), jedenfalls bei den „kleineren” Flughäfen der Billiglinien. Dann doch lieber kaufenkaufenkaufen und sich von bunten Reklamebotschaften beschallen lassen, bis das Flugzeug kommt und einen (für eine Weile) rettet. Zum Glück gibt es während des Fluges ja auch noch ein paar Konsummöglichkeiten, wo kämen wir da hin, wenn Mensch mal eine Stunde lang kein Geld ausgeben könnte!

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Nov
24
2008
2

Veranstaltungstipp Kiel: „Viele Gründe für Proteste – ist ein neues ‚1968‘ möglich”?

„Viele Gründe für Proteste – ist ein neues ‚1968‘ möglich“?
Montag, 24.11.2008 um 19.30 h im großen Saal der Pumpe Haßstr. 22, 24103 Kiel

„Neue Linke” von 1968 in Kiel fast vergessen? – Nicht für attac Kiel – Diskussionsveranstaltung

Während in den großen Städten, Berlin, Hamburg und Frankfurt/Main, mit umfangreichen und kompetent besetzten Kongressen des Jubiläums „40 Jahre 1968” gedacht wurde, tat sich in Kiel bislang – nichts. Nein! In dem kleinen widerständischen, gallischen Dorf der attac Gruppe laufen seit einigen Wochen die Vorbereitungen für eine Diskussionsveranstaltung, die nicht beim Gedenken an die Ereignissen 1968 stehen bleiben, sondern den Blick auf das Heute und die Zukunft werfen möchte.

Dabei soll es nicht nur um linke Theorie gehen. Diese und die Köpfe, in denen sie sich in der Zeit um 1968 bewegte war fast zur Gewalt geworden, die zwar – wenn nicht die Massen – so doch große Mengen von StudentInnen, in anderen Ländern auch ArbeiterInnen und viele Frauen erfasst hatte. Es war die Zeit der ersten Großen Koalition in Deutschland, ein heftig kritisierter Krieg der USA tobte, Überproduktionskrisen erschütterten erstmals wahrnehmbar die Bundesrepublik. Oberflächlich gesehen drängen sich Parallelen zur heutigen Situation auf. Wieder eine Große Koalition, wieder ein z. T. heftig kritisierter US-amerikanischer Krieg, wieder eine Krise, dieses Mal sogar mit weltweiter Erschütterung des Finanz- und Bankensystems.

Damals brodelte es: bei den StudentInnen, Lehrlingen, Frauen, Lesben und Schwulen. Hippies und Rocker prägten völlig andere Lebensstile. Eine Neue Linke bildete sich, eine außerparlamentarische Opposition trug ihre Proteste auf die Straße, Kultur und Politik verbanden sich zu einer „Kulturrevolution“. Die westliche Welt veränderte sich.

Heute demonstrieren ökologische, humanistische, soziale und globalisierungskritische Netzwerke: gegen soziale Ungerechtigkeiten weltweit, gegen klimaschädliche Energieformen, gegen Kriege, gegen den Überwachungsstaat, gegen  Rassismus, gegen die Abschottung der westlichen Welt gegenüber Wirtschaftsflüchtlingen aus der „Dritten“ Welt. Die Proteste scheinen jedoch an den Zentren der Macht abzuprallen.

Wie kam es, dass „1968“ Wirkung zeigte? Was tun, um heute „eine andere Welt möglich zu machen“, wie attac es sich auf die Fahnen geschrieben hat? Eine Welt, in der vieles auf dem Prüfstand steht: Unser Konsumverhalten und unser Lebensstil, das Wachstumsstreben der Wirtschaft, unsere Einstellung zur Natur und nicht zuletzt das Verhältnis zwischen den Geschlechtern.
Diesen Fragen will sich die attac Kiel stellen und hat dazu kompetente ReferentInnen eingeladen:

Sven Giegold (38 Jahre), Wirtschaftswissenschaftler, Mitbegründer von attac Deutschland und Kandidat für die Europa-Liste von Bü90/Die Grünen,

Prof. Dr. Ulrike Schultz (48 Jahre), Entwicklungssoziologin, z. Z. Vertretung des Lehrstuhls für Internationalisierung und Entwicklung an der Ruhr Universität Bochum Schwerpunkte: Geschlechterbeziehungen und Globalisierung in Afrika, Haushaltsökonomie, Geschlechterpolitik, Forschung und Workshops in N- und O-Afrika u. a. zu Feminismus, Islam und Geschlechterpolitik,

Prof. Dr. Detlef Siegfried (50 Jahre), Associate Professor für Neuere Deutsche Geschichte und Kulturgeschichte an der Universität Kopenhagen, Schwerpunkte Geschichte der Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren, „1968“,  Monographie zu diesem Thema „Time Is on My Side. Konsum und Politik in der westdeutschen Jugendkultur der 60er Jahre“ und

Hilde Wackerhagen (62 Jahre), von Beginn an in der Frauenbewegung aktiv (Weiberrat), Mitglied des legendären Karl-Napp-Chaos-Theater (Kleinkunstpreis Mainz 1980), heute politische Kabarettistin.

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Nov
12
2008
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Das Internet aus chinesischer Sicht

Neulich fand ich im Blog Für Eine Bessere Welt eine sehr „schöne” Firefox-Erweiterung – Programmierer in Hong Kong haben sich zur Aufgabe gesetzt, mit dem China Channel-Addon das Internet auch für Nicht-Chinesen so darzustellen, wie es jemand in China erlebt. Also gefiltert und zensiert, viele Seiten werden gar nicht erst angezeigt und weggeblockt.

In ihrer Kritik an den Zensurmaßnahmen halten sich die Entwickler aus Hongkong auch bei westlichen Unternehmen nicht zurück. Immerhin werde die Große Firewall, die 1,3 Mrd. Chinesen umgibt, mithilfe von westlicher Technologie umgesetzt, die von Cisco, Google oder Yahoo geliefert wird, schreiben die Programmierer von China Channel.

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Nov
11
2008
1

Hilfe, die arme Autoindustrie!

Ich habe in den vergangenen Wochen ja schon einige Male darauf hingewiesen, dass es wirklich faszinierend ist, wie derzeit all das, was unsereins in den letzten Jahren über die Segnungen eines völlig freien Marktes eingetrichtert wurde, binnen kürzester Zeit als Geschwätz entlarvt wird, als ein Prinzip, das nur solange zu gelten scheint, wie alles glatt läuft. Nach den bankrotten Banken ist nun also die schwächelnde Autoindustrie an der Reihe, sich die Unterstützung vom Staat abzuholen. Ausgerechnet die Autoindustrie, die gerade hierzulande den Trend zu sparsameren Modellen oder gar alternativen Antrieben weitgehend verschlafen hat und die Straßen statt dessen mit diesen hässlichen Minipanzern (SUV) und ähnlich benzinschluckenden Boliden überschwemmt.

Über die Schwachsinnigkeit des „Konjunkturpakets” lässt sich auch der BUND in einer Pressemitteilung aus. Schließlich soll Käufern von Neuwagen die Kfz-Steuer für ein Jahr erlassen werden, so dass derjenige, der ein besonders hochpreisiges/großes Auto kauft, besonders viel geschenkt bekommt. Natürlich werden die paar hundert Euro niemanden dazu veranlassen, einen Pkw zu erwerben, aber derjenige, der das sowieso vor hatte, dürfte sich über das Extrageld vom Staat freuen. Eine Lenkungsfunktion hin zu ökologisch sinnvolleren (= weniger schädlichen) Modellen findet damit sowieso nicht statt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält wesentliche Teile des heute vom Bundeskabinett beschlossenen Konjunkturpakets für umweltpolitisch kontraproduktiv. Mit Steuermilliarden werde der Anstieg von CO2-Emissionen angekurbelt, anstatt das Land zukunftsfähiger zu machen. Spritfressern und Dieselfahrzeugen würden höhere Steuernachlässe versprochen als sparsamen Fahrzeugen. Der Bau neuer Autobahnen und die Subventionierung des Kaufs ineffizienter Pkw setzten die falschen Signale. Während in anderen Ländern Marktanreize für CO2-arme Pkw eingeführt würden, beschreite Deutschland einen Irrweg. Abgesehen vom Klimaschaden hätten darunter auch die Verbraucher zu leiden, wenn sie an den Tankstellen mehr bezahlen müssten.

Mit der geplanten Steuerbefreiung für alle neuen Pkw setze die Bundesregierung die Verunsicherung der Autokäufer fort. Sie fördere Spritfresser und kündige zugleich eine CO2-basierte Kfz-Steuer für 2011 an, mit der genau diese Fahrzeuge dann stärker zur Kasse gebeten werden sollen.

Dazu passt auch diese aktuelle Meldung von gestern: „Ein Fall für die Kanzlerin – Opel bittet um Hilfe”. Der Neuwagenabsatz soll mit weiteren Finanzspritzen angekurbelt werden, ungeachtet der immensen Klimaprobleme, die jede Produktion eines neuen Wagens mit sich bringt. Ein Wirtschaftszweig, der davon abhängig ist, dass die Menschen (potentielle Käufer) von außen dazu animiert werden müssen, ihre Waren zu kaufen und diese dann auch noch schädlich sind, sollte m.E. eigentlich nicht unterstützt werden.

Und der süffisante Kommentar bei MMNews dazu:

Das größte Hilfsprogramm der Geschichte läuft an. Marode Industrien werden künstlich beatmet. Mit freien Märkten hat das freilich nichts zu tun.

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Nov
10
2008
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Fossile Energien sind mit Schuld an der Finanzkrise

Neulich hatte der Bonner General-Anzeiger in seiner Wochenendbeilage einen interessanten Artikel zum Klimawandel – „Die unsichtbaren Rucksäcke”, in dem es u.a. um dem Ressourcenverbrauch ging („Wir nutzen die Ressourcen, als hätten wir vier Erden”), den die Produktion vieler Güter heutzutage bedingt, sodass es nützlicher sein kann, mit einem alten Auto weiterzufahren als ein neues zu kaufen, das zwar weniger Kraftstoff verbraucht, nur eben in seiner Produktion die Umwelt so stark belastet, dass der Spareffekt ins Gegenteil verkehrt wird. Dieser Artikel ist leider nicht online zu finden – dafür aber „Ist die Finanzkrise der erste gekippte Dominostein?”, der so auch in der Zeitung Der Westen abgedruckt wurde und in dem Hermann Ott vom Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt zu Wort kommt:

Banken- und Rohstoffkrise seien miteinander verwoben: „Diese Finanzblase ist ja auch eine Art Eiterbeule auf einem kranken Körper – und dieser kranke Körper ist tatsächlich unsere Wirtschaft.“ Ihr fehle Nachhaltigkeit, da sie auf ungehemmter Ausbeutung natürlicher Ressourcen beruhe.

Die Finanzkrise zeige: „Nur dann, wenn tatsächlich alles im Zusammenkrachen ist, wird reagiert.“ Die Klimakatastrophe nahe leise. Dürren, Unwetter und Überschwemmungen schreckten die Menschen kurzfristig auf. Alle gingen aber rasch wieder zur Tagesordnung über. Wenn der Planet aber Schaden genommen habe, werde keine Zeit mehr sein zu reagieren.

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