Kategorie: Wirtschaft Seite 7 von 54

Volksverdummung: Die EU und die Energiesparlampe

Im Prinzip habe ich ja nichts dagegen, wenn der Gesetzgeber die Bürger zu sinnvollem, da umweltschonendem Verhalten animiert oder von mir aus auch mal zwingt, wenn es nicht anders geht. Auch auf EU-Ebene kann man da sicherlich einiges Sinnvolle tun. NICHT sinnvoll war jedoch das Glühbirnenverbot – ein typisches Beispiel für lobbygetriebene Symbolpolitik. Statt, zum Beispiel, SUVs zu verbieten und damit wirklich etwas für die Umwelt zu tun, wird lieber so ein Unsinn betrieben, der zudem auch noch mehr schadet als nutzt. Wie auch die Sendung quer im Bayerischen Fernsehen festgestellt hat – „Volksverdummung: Die EU und die Energiesparlampe“.

Die Energiesparlampe: Eigentlich heißt sie Kompaktleuchtstofflampe, aber Energie und Sparen klingt besser. Leider hält sie keines ihrer Versprechen. Nicht nur, dass Energiesparlampen Experten zufolge keine Energie sparen, sondern das Gesundheitsrisiko der von EU, Industrie und Greenpeace als Energie-Revolution angekündigten Leuchte ist wesentlich höher als gedacht. Zerbricht eine Lampe, tritt hochgiftiger Dampf aus. Die wenigsten Verbraucher wissen um die Gefahr. Ein trauriges Beispiel dafür, wie erfolgreiche Lobbyarbeit und politische Blindheit zum Risiko für den Einzelnen werden.

Einen sachlichen Fehler enthält der Beitrag allerdings – am Ende wird behauptet, dass die Lebensdauer der Glühbirne in den letzten 20 Jahren künstlich auf 1000 Stunden gesenkt worden sei. Dieses Glühbirnenkartell ist allerdings noch viel älter (aus den 20er Jahren), wie man in der Doku „Kaufen für die Müllhalde“ sehen konnte. Was natürlich nichts daran ändert, dass hier die Konzerne auf Kosten der Verbraucher und der Umwelt gehandelt haben.

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Fernsehtipp: Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes

Diesen Film, der um 23 Uhr im Bayerischen Fernsehen läuft, müsst Ihr Euch heute alle ansehen, das ist ein Befehl! :-) „Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Magnetfeld des Geldes

Bertram Verhaags Dokumentarfilm entstand als BR-Koproduktion und erzählt am Beispiel dieser beiden Wissenschaftler vom Einfluss der Gentechnikunternehmen auf die Forschung – engagiert, parteiisch und streitbar, oder in den Worten des Regisseurs: als “dokumentarischer Thriller zum Thema Gentechnik”.

Im Frühjahr 2001 kam es in der Geschichte des renommierten Wissenschaftsmagazins “Nature” zu einem bislang einmaligen Akt: Als Reaktion auf eine Flut von Beschwerden entschied sich die Redaktion der Fachzeitschrift, sich von einem publizierten Artikel zu distanzieren. Die in “Nature” veröffentlichte und nachträglich inkriminierte Studie stammte von dem Biologen Ignacio Chapela und einem seiner Studenten, die sich mit der Vermischung einheimischer und gentechnisch veränderter Maissorten in Mexiko beschäftigt hatten. Der Großteil der Beschwerden wurde vermutlich von dem Großkonzern Monsanto initiiert, um die für das Unternehmen unliebsamen Erkenntnisse zu desavouieren. Denn der umstrittene Artikel der Forscher kam zu dem Ergebnis, dass das genetische Reservoir der Urmais-Sorten in Mexiko von der Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen bedroht ist.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im August 1998, als der Molekularbiologe Árpád Pusztai im britischen Fernsehen ein Interview gab, in dem er sich für Langzeittests für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel aussprach und Verbraucher vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln warnte. Innerhalb kürzester Zeit sah sich Pusztai einem politischen Kreuzfeuer ausgesetzt, sein Arbeitsvertrag wurde nicht verlängert und er wurde von der Royal Society, dem nationalen Wissenschaftsgremium, ausgeschlossen.

Auch hier scheint es so, als ob die Sanktionen das Resultat einer gezielten Kampagne gewesen sind, die als Reaktion auf Pusztais kritische Anmerkungen initiiert wurden. Beide Fälle sind Beispiele für die zunehmende Bedrohung der Freiheit der Forschung, die nicht nur die Wissenschaftsgemeinde etwas angeht. Denn wenn multinationale Konzerne kritische Veröffentlichungen von Forschern unterdrücken können, dann ist nicht nur die Demokratie in Gefahr, sondern auf lange Sicht unser aller Gesundheit bedroht.

Bertram Verhaags Dokumentarfilm entstand als BR-Koproduktion und erzählt am Beispiel dieser beiden Wissenschaftler vom Einfluss der Gentechnikunternehmen auf die Forschung – engagiert, parteiisch und streitbar, oder in den Worten des Regisseurs: als “dokumentarischer Thriller zum Thema Gentechnik”. Der Dokumentarfilm, der an diesem Abend als deutsche Erstausstrahlung zu sehen ist, wurde mit acht internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem drei Mal als bester Dokumentarfilm.

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Markt oder Moral

Es gibt ja doch immer wieder mal Dokumentationen im Fernsehen, die die GEZ-Gebühren rechtfertigen – so auch vor kurzem den Beitrag „Markt oder Moral“ in der ARD. Bereits der Titel ist hübsch gewählt, zielt er doch auf den Antagonismus von „freier“ Marktwirtschaft und moralischem Wirtschaften ab, der unser System durchzieht. In der 45minütigen Sendung wird der Frage nachgegangen, welche Folgen die Produktion unserer Waren weltweit haben und fühlt dabei renommierten deutschen Firmen wie Thyssen-Krupp auf den Zahn. Der von den Medien gerne als Wirtschaftsexperte hofierte Hans-Olaf Henkel zeigt sich hier auch von seiner unangenehmsten neoliberalen Hardliner-Seite. Wenn man mal von dem etwas merkwürdigen und arg naiv wirkenden Beginn absieht, wo sich der Autor beim Autokauf überlegt, welchen Wagen er denn ruhigen Gewissens kaufen könne – selbstverständlich ist die Produktion dieser Wagen immer mit Umweltzerstörung verbunden, schon allein beim Abbau der Rohstoffe! –, kann ich die Sendung nur empfehlen.

Was können Verbraucher mit gutem Gewissen kaufen und was nicht? Eine Entscheidung, die immer schwerer wird, denn viele Produkte entstehen mit Kinderarbeit, Niedriglöhnen, Umweltzerstörung. Während in Europa strengere Gesetze und Umweltauflagen gelten, nutzen viele international tätige Konzerne den niedrigen Rechtsstandard in den armen Ländern – und machen Milliardengewinne.

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Hagen Rether – Ökodiktatur

Wenn man sich den letzten Auftritt von Hagen Rether in „Neues aus der Anstalt“ anschaut, fragt man sich schon, wieso er eigentlich unter „politischem Kabarett“ läuft – denn in dem, was er hier über Konsumgesellschaft & Co. sagt, steckt weniger Unterhaltung als schlichtweg einiges an (unbequemer) Wahrheit. Obwohl ich jetzt keine Diktatur befürworten würde.

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Ei Ei Ei – Käfigeier in konventionellen Lebensmitteln versteckt

Sie sind ja schon zur regelmäßigen Rubrik in diesem Blog geworden – meine Berichte über die ganzen Tricks und Sauereien, die die Lebensmittelindustrie so in petto hat, um den Verbraucher zu täuschen, ihm minderwertige und ungesunde Produkte als Premium und begehrenswert anzupreisen. Passend zu Ostern gab es einen Bericht der WDR-Sendung markt über die Gepflogenheiten der Hersteller, Eier aus der besonders schändlichen Käfighaltung in ihren Produkten einzusetzen. Der Preis ist eben das wichtigste! Mal abgesehen davon, dass Eierkonsum eh nicht so sonderlich nötig ist, sollte man auf jeden Fall solche Zustände, wie sie im Beitrag „Ernährung: Verdeckte Käfigeier“ geschildert werden, nicht noch unterstützen. Der erste Satz der untenstehenden Beschreibung ist natürlich kompletter Quatsch, da man ja a) ganz auf Eier verzichten kann oder b) auf Bioprodukte zurückgreifen sollte:

 Viele EU-Länder kümmert das Verbot von Legehennen-Batterien wenig. Der Verbraucher hat keine Chance, den Schwindel zu erkennen und muss weiter Käfigeier essen.

Es sind Bilder, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte: Hühner in Legebatterien, zerrupft, teils verendet. Unsere Aufnahmen von Ende Februar stammen aus einer französischen Hühnerfarm, die der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ zugespielt wurden. Dokumente belegen, dass die illegalen Käfigeier über Großhändler ihren Weg nach Deutschland finden. Wie kann das sein?

Es gibt Höfe, da werden die Eier zusammengesammelt. Dann werden sie zu Verpackungsstationen geschickt“, berichtet Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Sie werden wieder von verschiedenen Einkäufern weiterverkauft an Unternehmen, die diese Eier wieder verarbeiten für Produkte anderer Unternehmen – eine völlig intransparente Verarbeitungskette. Und genau dazwischen fehlt jegliche Kennzeichnungspflicht, die am Ende dem Verbraucher sagt, welches Ei wirklich in dem Produkt ist.

Verbraucher verunsichert

Bei einem Streifzug durch den Supermarkt finden wir etliche Lebensmittel wie Nudeln, Gebäck oder Soßen, bei denen nicht zu erkennen ist, woher die Eier stammen. Begriffe wie Eipulver oder Vollei verschleiern die Herkunft. Es kann theoretisch ein Käfigei sein.

Wir fragen bei großen Lebensmittelkonzernen nach, ob Käfigeier verwendet werden. Die Antworten fallen dürftig aus. Die Firma Kraftfoods etwa schreibt uns: „Den ausschließlichen Bezug von Ei-Halbfertigprodukten aus Boden- und Freilandhaltung prüfen wir regelmäßig, insbesondere im Hinblick auf die Verfügbarkeit.“ Ein Dementi klingt anders.

Die Lebensmittelindustrie klagt über zu wenige Eier aus alternativer Haltung. Dabei hatte sie zwölf Jahre Zeit, sich auf die Umstellung vorzubereiten. Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch wirft Industrie und Politik Versagen vor. Zwölf EU-Länder seien dem Legebatterie-Verbot nicht nachgekommen. Das nutzten viele Hersteller jetzt aus: „Am Ende des Tages ist es so, dass die billigsten Eier in Gestalt von Flüssigeiern in der Industrie landen“, erklärt Wolfschmidt. „Ob die deutsche Ernährungsindustrie auf Käfigeier verzichtet, die ja illegal sind, lässt sich aus unserer Sicht nicht genau feststellen.“ (…)

Kostendruck kontra Tierschutz

Solange es Legehennen-Batterien gibt, werden auch weiter illegale Käfigeier in Lebensmitteln auf den Tellern der Verbraucher landen. Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund wirft der Politik Versäumnisse vor: „Es bleibt festzustellen, dass hier die gesamte politische Klasse auf europäischer Ebene schlicht versagt hat. Zwölf Jahre lang gab es eine Übergangsfrist. Offenbar hat niemand kontrolliert, welches Land sich daran hält. Jetzt wird darüber lamentiert, man habe keine Handlungsmöglichkeiten. Die deutsche Regierung hat Handlungsmöglichkeiten. Sie kann eine nationale Kennzeichnungspflicht einführen, sie muss mutig sein, dann kann zumindest der Verbraucher am Regal entscheiden, welches Produkt er noch will und welches Produkt er nicht mehr will.

Doch das ist reines Wunschdenken. Die Bundesregierung lehnt eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Käfigeiern ab. Selbst Ostereier können Käfigeier sein. Denn sobald sie gekocht und gefärbt sind, gelten sie als verarbeitet. So einfach ist das. Der Verbraucher wird es nicht erfahren.

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Ausbeutung heute: Mit Leiharbeit aus der Tarifbindung

Die WDR-Sendung Markt beschäftigte sich letzte Woche mit dem Thema Leiharbeit. Seit einigen Jahren breitet sich diese Form der Beschäftigung immer weiter aus, sorgt so für das vermeintliche deutsche „Jobwunder“, hilft Unternehmen dabei, ihre Kosten zu senken – und führt dazu, dass immer mehr Menschen mit immer weniger Geld auskommen müssen. Eine gefährliche Entwicklung, mit der sich die Firmen letztlich auch ins eigene Fleisch schneiden. „Mit Leiharbeit aus der Tarifbindung“:

Aus der Automobilindustrie kommen zurzeit spannende Schlagzeilen: Viele Autobauer haben so große Gewinne gemacht, dass sie Ihre Mitarbeiter mit einmaligen Bonuszahlungen daran beteiligen wollen. Teilweise gibt es da bis zu 10.000 Euro! Doch von den insgesamt 3,6 Millionen Arbeitnehmern in der Metallindustrie ist nur jeder Zehnte bei Automobilkonzernen beschäftigt. Alle anderen, auch die Mitarbeiter der Zulieferer, gehen da leer aus. Und nicht nur die: Inzwischen gibt es in der Metallindustrie gut 300.000 Leiharbeiter, die teilweise denselben Job machen, aber bei diesen Bonuszahlungen ebenfalls leer ausgehen.

Mit der Leiharbeit haben die Gewerkschaften ohnehin immer mehr Probleme. Zunehmend werden normale Arbeitsplätze mit Leiharbeitern besetzt, für die der Metalltarif gar nicht gilt. Die IG-Metall will diese Verdrängung ihrer Mitglieder nicht länger hinnehmen und fordert in den aktuellen Tarifverhandlungen daher auch Regelungen zur Leih- und Zeitarbeit.

Fünf Euro weniger pro Stunde

Bei der Firma Hako in Wuppertal bauen viele Leiharbeiter Scharniere für Autos. Im Werk drehen dürfen wir nicht, ein Interview lehnt Hako ab. Aber einer der dort beschäftigten Leiharbeiter geht vor die Kamera – anonym: „Ich bin da jetzt zwei Jahre als Leiharbeiter, aber es gibt Leute, die sind acht Jahre und noch länger da als Leiharbeiter. Das ist ein riesengroßer Unterschied: Ich sage mal acht Euro im Gegensatz zu 13 Euro, die die Festangestellten kriegen.

Gut ein Drittel weniger Stundenlohn für die gleiche Arbeit – für Hako ein gutes Geschäft sogar in doppelter Hinsicht: Die Firma hat nämlich eine eigene Zeitarbeitsfirma gegründet und verleiht die billigen Arbeitskräfte in großem Stil an das eigene Schwesterunternehmen. Auch davon berichtet uns einer der Leiharbeiter, der anonym bleiben will: „Zum Beispiel in der Schweißerei, die 2008 aufgebaut wurde: Da arbeiten 50 Leute, davon sind 44 Leute von der Verleihfirma.

Insgesamt sind seit Jahren fast die Hälfte aller Mitarbeiter dieser Firma Zeitarbeiter – und die sind nicht nur billig, sie sind auch erpressbar. „Die Schweißerei hat irgendwann mal Terror gemacht wegen zu wenig Geld. Da haben die aus dem Büro gesagt, ja ist egal, dann werdet ihr einfach ausgetauscht.

Vor allem Automobilzulieferer setzen auf Leiharbeit. In der Metallbranche arbeitet schon fast jeder zehnte als Leiharbeiter. Zusammen mit dem wachsendem Niedriglohnsektor hat das auch für die Tarifpolitik Konsequenzen: Für festangestellte Arbeitnehmer gab es in den letzten zehn Jahren immerhin etwas Lohnsteigerung. Weil aber immer weniger Menschen nach Tarif bezahlt werden, ist der Durchschnitt aller Löhne sogar gesunken.

Von der Lehre in die Leiharbeit?

Die IG-Metall will den Trend zur Leiharbeit bremsen. Und nicht nur das: Eine weitere Forderung betrifft vor allem junge Metallarbeiter wie Steven Kunz. Vier Lehrlinge gab es in seinem Jahrgang. Am Tag der Abschlussprüfung gab es dann eine böse Überraschung: „Nach unserer Prüfung wurden wir dann in die Personalabteilung bestellt. Dort hat man uns dann beglückwünscht und hat uns dann aber gebeten, unsere Sachen abzugeben und das Werksgelände zu verlassen.“ Kein Lehrling wurde übernommen, obwohl die Firma in einem Zweigwerk durchaus Personal brauchte. Steven Kunz berichtet weiter: „Ein paar Tage später hat man uns dann in die Personalabteilung eingeladen und uns gefragt, ob wir einen Job annehmen möchten in Zwickau – zu Zwickauer Konditionen.“ (…)

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Wie die Industrie aus Kindern Junkfood-Junkies macht

Es ist – zumal für Leser meines Blogs – eigentlich keine neue Erkenntnis, die uns Foodwatch da vorgestern als Ergebnis einer Studie vorlegte. Die Angebote der Nahrungsmittelindustrie, die speziell auf Kinder abzielen (in Aufmachung, Reklame, Rezeptur) wurden gründlich unter die Lupe genommen, und für überwiegend zu süß, zu ungesund, zu fett befunden. Trotzdem werden diese Produkte von der Marketingmaschinerie der Konzerne ungestraft als „gesunde Mahlzeit“ o.ä. angepriesen – während in anderen Ländern Reklame für Kinder sogar schon verboten ist, darf hierzulande noch gelogen werden, dass sich die Balken biegen. Natürlich sind auch die Eltern dafür mitverantwortlich, was die Kinder zu sich nehmen, aber solange die Unternehmen gehirnwäschegleich ihre Desinformationen ausstreuen, wird es für viele schwierig, Fakten von Märchen zu trennen. Ein Mitglied der Konsumpf-Facebookgruppe fragte zu Recht, was eigentlich in den Köpfen von Unternehmern, Herstellern, Werbeleuten, Händlern vor geht, dass sie hier nicht selbst die Reißleine ziehen – und statt dessen den eigenen Profit vor das Wohl der Kinder setzen.

Hier nun also zur Foodwatch-Studie „Wie die Industrie aus Kindern Junkfood-Funkies macht“:

Unausgewogene Produkte, perfides Marketing und überbordende Lobbyarbeit: Die Lebensmittelindustrie leistet keinen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung von Kindern, sondern trägt massiv zur grassierenden Fehlernährung bei. Das belegt der Report „Kinder kaufen“, den foodwatch heute in Berlin vorstellte.

Das ist das Problem: In Deutschland sind 15 Prozent der Kinder übergewichtig, 6 Prozent sogar adipös – ihnen drohen Krankheiten wie Diabetes, Gelenkprobleme, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Der wichtigste Grund für das Übergewichtsproblem: Kinder ernähren sich falsch. Sie essen zu viele Süßigkeiten, fettige Snacks und Fleisch, trinken zu viel Limonade; Obst und Gemüse kommen dagegen zu kurz.

Das ist der Stand: Ein umfassender Marktcheck von foodwatch zeigt: Das Angebot an industriellen Kinderlebensmittel besteht fast ausschließlich aus Süßigkeiten und Snacks. Dieses Junkfood drängt die Industrie den Kindern mit perfiden Marketingstrategien auf – und verhindert jede Regulierung, angefangen bei einer transparenten Nährwertkennzeichnung, durch massive Lobbyarbeit. Die Hersteller sind damit mitverantwortlich für die schlechte Ernährung der Kinder.

Das fordert foodwatch:
  • Industrie in die Verantwortung nehmen: Die Lebensmittelindustrie muss dort Verantwortung übernehmen, wo ihre Verantwortung tatsächlich liegt: In der Produktion ausgewogener Kinderlebensmittel – nicht in PR-trächtigen Alibi-Maßnahmen wie Bewegungsinitiativen und Ernährungstipps für den Schulunterricht. Die Verantwortung für die Fehlernährung von Kindern darf nicht auf die Eltern abgewälzt werden!
  • Kein Kinder-Marketing für Süßigkeiten: Produkte, die nicht ausgewogen sein können (wie Süßigkeiten) dürfen nicht länger als Kinderprodukte beworben und mit Comicfiguren, Spielzeugbeigaben, Gewinnspielen oder Idolen direkt an Kinder vermarktet werden.
  • Werbefreie Schulen: Schulen und Kindergärten müssen werbe- und PR-freie Räume werden.
  • Schluss mit der Alibi-Sport-Förderung durch die Industrie: Die Junkfood-Industrie ist kein geeigneter Partner für den Staat, für Schulen und Sportverbände wie den Deutschen Fußballbund (DFB). Sponsoring-Partnerschaften und gemeinsame Programme zur Bewegungsförderung oder Übergewichts-Bekämpfung dienen den Unternehmen als Ablasshandel und müssen beendet werden.

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Pillen aus der Drogerie: Wirksam oder unnötig?

Hin und wieder beschäftige ich mich hier im Blog ja auch mit einer besonderen Form des Konsums – nämlich dem von Medikamenten und Ähnlichem. Denn wenn es um die Gesundheit geht, ziehen Unternehmen den Menschen mit teils abenteuerlichen, teils ausgesprochen windigen bis unseriösen Reklameversprechen das Geld aus der Tasche. Die NDR-Sendung Markt hat neulich einige dieser frei erhältlichen Nahrungsergänzungsmittelchen unter die Lupe genommen und kam zu wenig schmeichelhaften Ergebnissen. Sehr schön zu sehen, wie sich die Hersteller da herauszureden versuchen – „Pillen aus der Drogerie: Wirksam oder unnötig?

160 Millionen Euro Umsatz haben Supermärkte und Drogerien innerhalb eines Jahres in Deutschland mit freiverkäuflichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gemacht. Ob schwere Beine, Rheuma oder Gedächtnisstörungen – für viele Leiden scheint es die richtigen Pillen zu geben. Aber wie gut sind die Mittel tatsächlich?

Es ist so bequem, neben dem Shampoo auch gleich eine Pille für das Gedächtnis oder die Blase zu kaufen. Was ist an den Werbeversprechen von Pillen aus der Drogerie dran?

(…) Karin Riemann-Lorenz von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht insbesondere im Zulassungsverfahren von Nahrungsergänzungsmitteln einen Missstand: “Wir sehen da viel Wildwuchs. Im Prinzip kann jedes Lebensmittel in Pillenform gepresst werden und als Nahrungsergänzung mit einer Gesundheitswirkung belegt und verkauft werden, ohne dass der Hersteller bislang Nachweise dafür bringen musste.” Darauf ist auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, aufmerksam geworden. Sie untersucht zurzeit die sogenannten Health Claims, also gesundheitsbezogene Angaben auf den Verpackungen, und überprüft, ob ein Wirkstoff hält, was die Verpackung verspricht.

Untersucht wurden zum Beispiel Cranberry-Produkte, die die Blasenfunktion unterstützen sollen, oder Produkte gegen schwere Beine mit Rutin. Für beide Wirkstoffe reichen die wissenschaftlichen Belege für einen medizinischen Nutzen laut EFSA nicht aus. Hier hat die Behörde die “Health Claims” abgelehnt. Im nächsten Schritt leitet die EFSA die Ergebnisse an die EU-Kommission weiter. Diese muss dann eine Liste mit “Health Claims” für einen Wirkstoff veröffentlichen, die weiter verwendet werden dürfen. Rein formalrechtlich ist es im Moment noch legal, mit abgelehnten “Health Claims” zu werben. Einen nachweisbaren Nutzen sollten Verbraucher aber nicht erwarten.

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Lesetipps: Angst macht böse | Verlierer der deutschen Krise | Geplante Obsoleszenz | Der Barbar als Kulturheld

Es ist schon ein bisschen her, dass ich mal meine Rubrik Lesetipps mit ein paar neuen Preziosen aus dem Netz bestückt habe – heute will ich das endlich mal nachholen und ein paar Artikel vorstellen, die bei mir in der Warteschleife hängen. Zunächst, ganz aktuell, den kleinen Beitrag „Die Verlierer der deutschen Krise“ aus der Zeit, in dem sich Wolfgang Höhler-Brockmann kritisch mit der momentanen Entwicklung in unserem „Musterländle“ (jedenfalls bemühen sich viele deutsche Medien, Deutschland als herausragende Lichtgestalt in der internationalen Wirtschaft darzustellen) auseinandersetzt:

Halb Europa befindet sich im Abschwung, nur Deutschland angeblich nicht. Dabei hätten wir alle Grund zur Sorge, meint Leser Wolfgang Höhler-Brockmann. (…)

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Schweröl – gut fürs Geschäft, schlecht für die Umwelt

Es gibt ja so Trends, die komplett an mir vorüber gehen. Was die Leute an Lady Gaga finden z.B., muss mir wohl für immer ein Rätsel bleiben. Genausowenig verstehe ich, wie man gerne mit Minipanzern (SUVs) durch die Gegend brettern kann. Oder auch, tausende von Euro auszugeben, um wochenlang auf einem Schiff übers Meer zu schippern. Aber soll ja jeder machen, wie er lustig ist. Weniger lustig ist allerdings die Umweltbelastung, die von den in immer größerer Zahl eingesetzten Kreuzfahrtschiffen ausgeht – die WDR-Sendung Markt berichtete über den Einsatz von Schweröl als Treibstoff und bezeichnete die Schiffe als „schwimmende Sondermüllverbrennungsanlagen“. Wieder einmal zeigt sich, wie durch Profitstreben und Kurzsichtigkeit zukünftige Probleme herangezüchtet werden. „Schifffahrt: Risiko Schweröl“:

Das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia birgt eine große Gefahr für Mensch und Umwelt: Schweröl. Damit sind auf den Weltmeeren rund 60.000 Schiffe unterwegs.

Der deutsche Kreuzfahrtriese AIDA präsentiert sich in seiner Werbung als Umweltschützer: „Als Marktführer auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt ist es unsere Pflicht, unserer Verantwortung für die (…) Umwelt gerecht zu werden.“ Doch befragt zum Einsatz von Schweröl als Treibstoff auf seinen Kreuzfahrtschiffen gibt es kein Interview. Schriftlich teilt uns das Unternehmen mit, man halte sich an geltendes Recht und strebe an, „bessere Lösungen für eine saubere Umwelt zu realisieren“.

Doch das gilt offenbar nicht für den Einsatz von Schweröl, so der Vorwurf von Umweltschützern wie Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund: „Der ökologische Fußabdruck der Reedereien liegt aber nun mal darin begriffen, dass sie Schweröl nutzen und keine Abgastechnik an ihren Schiffen verbaut haben. Deswegen ist auch AIDA letztlich unterm Strich ein ökologisch sehr fragwürdiges Unternehmen.

Gift für die Umwelt

Schweröl entsteht in Raffinerien als Abfallprodukt bei der Herstellung von Benzin und Diesel. Es enthält in gefährlicher Konzentration Schadstoffe wie Schwefel, Phosphor, Stickstoff, verschiedene Schwermetalle und die hochgiftigen PAK, polzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Schweröl ist deshalb Sondermüll und müsste eigentlich teuer entsorgt werden. Stattdessen landet es in den Tanks von Schiffen. Diese sind dann quasi fahrende Verbrennungsanlagen für Sondermüll, und das oft ohne Schadstofffilter.

Das ist hochgefährlich und an Land strikt verboten. Lars Mönch vom Umweltbundesamt erklärt, warum: „Durch die Partikelemissionen aus dem Schwerölbetrieb können starke gesundheitliche Beeinträchtigungen entstehen. Diese sind vorrangig zum Beispiel Erkrankung der Atemwege, Kreislaufprobleme, Lungenkrankheiten bis hin zu Krebserkrankungen.“ (…)

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