Kategorie: Ernährung Seite 8 von 19

Das Geschäft mit dem Schwein

Ich denke, ich erzähle meinen Lesern hier nichts Neues, wenn ich mal wieder auf die unsäglichen Zustände in der Massentierhaltung hinweise. Anlass ist die Sendung von Panorama – die Reporter mit dem Titel „Das Geschäft mit dem Schwein“, in der deutlich wird, wie verheerend die Auswirkungen des Discount-Billigwahns auf die Qualität der Lebensmittel und auf die Lebensqualität von Tieren ist. Natürlich, es fällt, wie schon bei anderen Beiträgen zum Thema Turbomast in Niedersachsen, unangenehm auf, dass sich Leute erst dann darüber aufregen, wenn sie direkt davon betroffen sind, weil ihr Grundwasser verschmutzt wird oder es zu sehr stinkt – 99% dieser Menschen würden aber vermutlich bedenkenlos zu Billigfleisch greifen, wenn es nur 50 km weiter entfernt „angebaut“ werden würde. Das ist das „Not in my backyard“-Phänomen… Besser als ein Verschieben der Mastbetriebe in andere Regionen wäre natürlich eine Umstellung der eigenen Ernährungsgewohnheiten, weg vom Fleisch. Aber unabhängig davon kann ich den Panorama-Beitrag durchaus empfehlen – er ist derzeit (noch) in der Mediathek abrufbar – HIER.

In Niedersachsen leben 8 Millionen Menschen und 8 Millionen Schweine. Das hat Folgen: zu viel Gülle, zu viele Keime, belastete Böden, und unwürdige Tierhaltung.

(…) Doch die Nutztierhaltung hat die Region auch wohlhabend gemacht. Die sogenannte “Veredelungswirtschaft” ist wichtiger Teil der deutschen Agrarindustrie. Mehr als 50 Millionen Schweine werden in Deutschland jährlich geschlachtet – mehr als 16 Millionen davon allein in Niedersachsen. Die deutsche Schweinefleisch-Produktion gehört hinter den USA und China zur Weltspitze.

Auch der Landwirt Dirk Frahne ist Teil der Agrarwirtschaft. Er hält etwa dreihundert Sauen in Goldenstedt – knapp fünfzig Kilometer nordöstlich von Damme. Seine Tiere sehen zwar satt und sauber aus, doch sie stehen dicht gedrängt auf Betonboden, eingezwängt in massive Metallgitter – kein Stroh, keine Bewegung, kaum Tageslicht. Die Luft ist stickig. Es stinkt. Kot und Urin werden durch schmale Spalten im Boden gedrückt – in den darunter liegenden Güllekeller. Beißendes Ammoniak liegt in der Luft.

“Das Maximum aus den Sauen rausholen”

Dirk Frahne sagt, er müsse das Maximum aus seinen Sauen herausholen. Er müsse günstig produzieren, das wolle der Verbraucher so. Jeder Deutsche isst im Durchschnitt knapp vierzig Kilogramm Schweinefleisch im Jahr. Die meisten Schweine in der konventionellen Haltung haben keine Ringelschwänze mehr, die werden in der Regel gekürzt. Da die Tiere wenig Platz und kaum Beschäftigungsmöglichkeiten haben, würden sie sich sonst gegenseitig die Schwänze blutig beißen. Und das kann zu schweren Infektionen führen. (…)

Massentierhaltung auch eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen

Kritiker der intensiven Tiermast sorgen sich allerdings nicht nur um das Wohl der Tiere, sondern inzwischen auch um die Gesundheit der Menschen. Der Tierarzt Hermann Focke, früher Amtsveterinär in der Region, warnt schon lange vor einem verantwortungslosen Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Ein Riesenskandal sei es, kritisiert der Veterinär, dass man bis heute nicht einmal wüsste, wie viele Antibiotika insgesamt in der Nutztierhaltung eingesetzt würden. Tiere und Menschen werden dadurch resistent, und Antibiotika helfen dann bei Infektionen nicht mehr.

Mit der Zeit konnte sich so ein gefährlicher Keim verbreiten: MRSA – das steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus. Dieser Keim ist gegen viele Antibiotika resistent und kommt auch häufig in Schweineställen vor. Dort kann er auch von Tier zu Mensch übertragen werden. Schweinehalter gehören deshalb zur Risikogruppe. Und wenn die ins Krankenhaus müssen, verbreiten sie den Keim dort möglicherweise weiter.

Tierindustrie boomt – auch in Mecklenburg-Vorpommern

Trotz Umweltschäden und drohender Gesundheitsprobleme boomt die intensive Schweinehaltung. Die Deutschen produzieren immer mehr Fleisch, die Discounter bieten es immer billiger zum Kauf an. Schon längst werden mehr Schweine geschlachtet, als in Deutschland gegessen werden. Immer mehr Fleisch wird deshalb exportiert. (…)

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Eigentlich gilt der Sommer ja eher als Saure-Gurken-Zeit in der Presselandschaft – weil Urlaub herrscht und Schulferien sind und die Hitze und die Sonne sowieso aufs Hirn schlagen und zu Müßiggang und Herumhängen animieren. Aus diesem Grunde erscheinen in so mancher Zeitung in den Sommermonaten auch eher unspektakuläre, vielleicht sogar langweilige oder künstlich aufgeblasene Meldungen, um das sogenannte „Sommerloch“ zu füllen. Leider hat der immer weiter voran schreitende qualitative Verfall der Mainstreammedien dafür gesorgt, dass das ganze Jahr hindurch inzwischen Zeilen geschunden und mit halbseidenen Themen um Aufmerksamkeit gebuhlt wird – und das auch abseits des Boulevard, der sowieso seit jeher auf diese Weise sein Geld verdiente.

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Lesetipps: Fastfood-Mischgeschmack | Keimschleuder Agrar-Fabrik | Christiania | Ferrero

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Na, Hand aufs Herz, wann war jemand von Euch zuletzt bei McDoof oder einer ähnlichen Fastfood-Bude? Früher sah man mich auch ab und an in diesen Läden auftauchen, und schon damals wunderte ich mich, wieso das Zeug eigentlich nach wenigen Minuten, wenn es etwas erkaltet war, nach nichts mehr schmeckte und man zudem eine Viertelstunde nach dem Essen bereits wieder Hunger hatte. Während des Essens fiel die Kost, die man sich da reinzog, nicht wirklich auf, sie kitzelte den Gaumen nur peripher und hinterließ keine geschmacklichen Nachwirkungen, lediglich der Magen fühlte sich etwas pappig an. Durch den Der Moustachio-Blog habe ich jetzt den passenden Fachbegriff für diesen Mullmampf kennengelernt: „Mischgeschmack“. Das Äquivalent zu RTL, BILD und DJ Ötzi, sozusagen:

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Ausbeutung für Bio-Ware

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Hach, ist sie nicht schön, die wunderbare Vorstellung, dass man seine Einkäufe einfach nur auf „Bio“ umstellen muss, um sich politisch und ökologisch korrekt zu verhalten und dem Elend in der Welt ein Ende zu bereiten? Der Grundgedanke der LOHAS, also die Politik des Einkaufwagens, durch die man sich ein reines Gewissen erkauft, erscheint auf den ersten Blick auch nicht verkehrt – und es ist definitiv wichtig, darauf zu achten, was man konsumiert und welchen Unternehmen man sein schwerverdientes Geld in den Rachen wirft. Das ist ja auch eine der Grund„regeln“, die ich hier im Blog propagiere – Konzernen, die aktiv daran mitarbeiten bzw. deren Geschäftsprinzip es ist, die Umwelt zu zerstören, Abhängigkeiten zu erzeugen, Menschen und Tiere auszubeuten, nur um die eigenen Aktionäre zufrieden zu stellen, die die potentiellen Kunden mit irreführender Reklame behelligen und versuchen, sich mit Hilfe von aggressivem schönfärberischen Marketing und Lobbyismus Vorteile zu verschaffen, dürfen nicht noch für ihr Treiben dadurch belohnt werden, dass man auch noch ihre Produkte kauft. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein – Globalisierungsgegner, die mit Nike-Sneakern an den Füßen und einer bei Lidl gekauften Coke in der Hand durch die Gegend ziehen, haben offensichtlich nicht so ganz zu Ende gedacht…

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Gefährliches Gemüse – Antiobiotikaresistente Bakterien

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Für das Gemüse kommt es derzeit wirklich knüppeldick – seit einigen Tagen beherrschen Horrormeldungen zur Gemüsegrippe Belastung von Gemüse aus Norddeutschland Spanien die Medien, die mit sogenannten Ehec-Bakterien belastet sind, einer Seuche, die für den Menschen sogar tödlich enden kann. Wer rohes Gemüse zu sich nimmt, lebt also im Moment (scheinbar) gefährlich. Wie Blogleser „Insider“ vorgestern in einem Kommentar hier im Konsumpf schon richtig anmerkte, ist es kein Wunder, dass der Trend zu massenhafter Billigproduktion in der Landwirtschaft sich am Ende wieder gegen den Menschen wendet, wie auch schon vergleichbare Seuchen wie BSE oder der Vogelgrippe, aber auch Dioxin in Eiern etc. pp in der Vergangenheit immer wieder gezeigt haben. Gerade in Spanien herrschen wohl unglaubliche Zustände, dort geht es nur noch nach der reinen Masse, koste es Umwelt und Menschen was es wolle:

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Lesetipps: Wie Goldman-Sachs die Agrar-Symmetrie zerstörte | Energiewende | Gärtnern in der Stadt | Die Datenfresser | Apple(-Fanboys) in der Kritik

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Darüber, dass mit Spekulation auf Nahrungsmittel weltweit die Preise nach oben getrieben werden und dass Geldinstitute wie die Deutsche Bank sich nicht schämen, offensiv mit Fonds zu werben, die genau diese Spirale weiter anheizen, habe ich im Konsumpf ja schon das eine oder andere Mal berichtet. Auf dem Blog von Markus Gärtner bin ich nun auf einen weiteren interessanten Artikel gestoßen, der diese für jeden denkenden Menschen unerträglichen Strukturen weiter beleuchtet – „Säen, gießen, indexieren – Wie Goldman Sachs die Agrar-Symmetrie zerstörte“, der sich auf einen Beitrag in Foreign Policy bezieht:

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Lesetipp: Oya – Selbermachen (und Geld)

Ein bisserl spät, aber dennoch heut kurz mein Lesetipp – das tolle und abwechslungsreiche Oya-Magazin hatte Anfang des Jahres mit seiner 6. Ausgabe das Thema „Selbermachen!“, in dem es um Selbstversorgung geht, auch um Souveränität und Unabhängigkeit, um Handwerkliches, um „Selbermachen als Schritt zu einer gewaltfreien Zivilisation“ uvm. Wirklich sehr interessant und so facettenreich wie unterhaltsam wird die Thematik hier beleuchtet – und wie üblich kann man alle Artikel auch online im Archiv abrufen. Aber in gedruckter Form macht das Ganze natürlich noch mehr her!

Die neueste Ausgabe beschäftigt sich übrigens mit dem Thema „Geld“ und ist somit auch brandaktuell – und regt ebenfalls zum Selbermachen (Regionalgeld etc.) an.

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Agropoly – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion

Globalisierung ist heutzutage zwar ein in den Medien häufig auftauchender, oft aber doch eher abstrakt bleibender Begriff. Bananen aus Ekuador, Kiwi aus Neuseeland, Elektrokram aus China – ist das bereits die Globalisierung? Nein, es gibt natürlich noch viele weitere Facetten. Dass die Konzentration auf den Weltmärkten für Lebensmittel (und deren Produktion) inzwischen weit fortgeschritten ist, habe ich durchaus ansatzweise geahnt, jedoch machte mit erst die neue EvB-Dokumentation „Agropoly – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion“ klar, WIE weit dieser Prozess mittlerweile gekommen ist. Die Redaktion des Schweizer Vereins Erklärung von Bern hat sich in ihrem 17-seitigen, sehr übersichtlich und ansprechend gestalteten Heft einmal die Mühe gemacht, der Frage nachzugehen, wer unser Essen beherrscht. Dazu haben sie die einzelnen Märkte für z.B. Futtermittel, Saatgut, Pestizide, die Produktion, Verarbeitung und den Handel unter die Lupe genommen und zeigen, dass mittlerweile nur noch wenige Konzerne auf vielen Märkten dominieren – mit fatalen Folgen für Artenvielfalt, Umwelt und die Menschen.

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Was aus der Fabrik kommt, wird gegessen!

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Das Thema Lebensmittel bzw. der langsame Niedergang der Qualität durch Industriefraß ist ja schon seit Jahr und Tag ein wichtiges Thema meines Blogs. Durch Discounter und Lebensmittelindustrie forciert, isst der normale Mensch heutzutage eine Melange aus Zusatzstoffen, Ersatzstoffen und billigsten Zutaten, die ihm von der Reklame als „hochwertig“ und „naturbelassen“ angepriesen werden. Zufällig stieß ich dieser Tage auf einen Artikel in der Zeit, der aus dem Jahr 2004 stammt, aber leider heute aktueller ist denn je – „Was aus der Fabrik kommt, wird gegessen!“. Autor Marcus Rohwetter schildert in diesem umfangreichen Beitrag, wie die Industrie uns mit immer neuen Produkten den Geschmack und die Gesundheit versaut:

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Gensoja – Fluch oder Segen? Der Vortrag als Audiodatei

Ich hatte letzte Woche ja den Vortrag von Prof. Dr. Antonio Ignacio Andrioli zum Thema Gentechnik/Gensoja/Monsanto empfohlen, der im Offenen Kanal Kiel ausgestrahlt wurde (also extremes Spartenprogramm!). Ich habe daraus einmal eine Audiodatei gemacht, die Ihr Euch HIER herunterladen könnt (im mp3-Format). Die Datei hat gut 90 MB, aber der Vortrag dauert auch 1,5 Stunden – und ist sehr lohnenswert!

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