Okt
17
2010

Das McDonald’s Happy Meal Project – Unverrottbares Fastfood?

© Sally Davies

Mmmmh, lecker! Dass Junk-Food von McDoof & Co. nicht gesund ist, ist ja bekannt. Dass es seinen Geschmack primär durch Gewürze und Zucker erhält, auch. Dass ein Burger und die dazugehörigen Fritten jedoch offenbar so hergestellt werden, dass sie im Laufe der Zeit nicht verrotten oder verschimmeln wie richtige Lebensmittel, sondern sich quasi selbst ewig erhalten, ist schon ein starkes Stück. Herausgefunden hat dies die Amerikanerin Sally Davies mit ihrem „McDonald’s Happy Meal Project“, wie Yahoo in „McDonald’s Burger nicht biologisch abbaubar?“ zu berichten weiß:

(…) Insgesamt sechs Monate lang machte Sally Davies täglich ein Foto von den Speisen. Ihr Endergebnis: “Die einzige Veränderung, die ich erkennen kann, ist, dass sie hart wie Stein geworden sind”, berichtet sie der “Daily Mail”. Darüber hinaus habe sich ein Acrylfilm auf Burger und Pommes gebildet. Obwohl Sally Davies sich als Veganerin eigentlich vor ihrem Studienergebnis ekeln müsste, nimmt sie die ganze Sache mit Humor. “Wenn ich eine Fleischesserin wäre, würde mir bei diesem Anblick schon etwas anders werden”, gibt sie allerdings zu. (…)


Alle Fotos, die den Nicht-Zerfall dieser „Nahrung“ dokumentieren, gibt es auf der Flickr-Seite der Künstlerin – HIER. Von dort stammt auch das Foto, das den Endzustand des Happy Meals nach sechs Monaten zeigt. Und sowas essen Leute freiwillig… Besonders lustig wird dies auch, wenn man bedenkt, wie sehr sich McD in ihren Reklamespots darum bemüht, den Menschen glauben zu machen, dass man sich von ihrem Kram gut ernähren könne – Promis wie Heidi Klum lassen sich dafür bereitwillig vor den Werbelügenkarren spannen. Immerhin werden zukünftige Generationen bei Ausgrabungen unserer bis dahin untergegangenen Zivilisation neben Technikschrott auf mumifizierte Burger stoßen und sich somit ein gutes Bild der jetzigen Zeit machen können. :-)

Wer sich die Kommentare auf der Flickr-Seite durchleist, wird feststellen, dass einige Leute die Beobachtungen von Sally Davies aus eigener Erfahrung bestätigen konnten – Fritten, die unter den Autositz gepurzelt waren und Monate später erst wiederentdeckt wurden, hatten immer noch das selbe Aussehen wie am ersten Tag, waren nur steinhart. Ich vermute ja mal (wie ich auch hier in einem Blogkommentar schrieb), dass die Zubereitung der Speisen, das Fritieren und Braten diese so „langlebig“ machen. Dass dies nicht wirklich gesund sein kann, schwant wohl manchem, der die Fotostrecke von Frau Davies betrachtet – somit könnte die Künstlerin mit ihrem Projekt stärker dazu beigetragen haben, Menschen die Augen über Fast Food zu öffnen als so manche moralinsaure Aufklärungskampagne. So funktioniert der „Kampf der Meme“, also der Wettstreit der Gedanken und Bilder, selbst wenn man sich noch darüber streiten kann, ob das in diesem Falle wirklich so fair war, da es natürlich auch andere Lebensmittel gibt, die nicht so schnell verrotten. Egal, warum soll immer nur die McD-Marketingabteilung ihre verlogenen Bilder in die mediale Gegend pusten dürfen…

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18 Kommentare »

  • Bernd Henneberg

    Warum heißt fast food fast food?
    weil es fast was zum essen ist.

    Comment | 17. Oktober 2010
  • Nicht schlecht, das. Oder eben doch ganz schlecht…

    Ich schätze, die hiesige nahrungsmittelchemische Industrie wird sich das interessiert angucken und versuchen, herauszufinden, was dieser Hersteller mit seinen nahrungsmittelähnlichen Produkten anstellt, das aufgrund von Gesetzen offenbar nicht auf der Verpackung deklariert werden muss.

    Comment | 17. Oktober 2010
  • Punksympathisant

    das ist, wie wenn man Papier ist. Es ist bestimmt nicht giftig, aber bringt dem Körper halt auch keine Nährstoffe und so(wobei Burger vielleicht ein bisschen Fett noch in sich haben, daher auch der Name FA(s)T Food)

    Comment | 17. Oktober 2010
  • Leider ist das “Papier” von McDoof ja auch noch gesüßt (Ketchup, Senf), man pfeift sich also schon so einiges an Ungesundem wie auch Zucker rein. Kann ja auch meinetwegen jeder machen, wenn er Bock drauf hat, nur dass McD seinen Fraß als gesund und lecker anpreist und durch billige Burger den Fleischkonsum (aus Massentierhaltung) anfacht, ist abzulehnen.

    Comment | 17. Oktober 2010
  • Marc

    Also, ich bin der Letzte, der für den McDoof-Fraß eine Lanze brechen will, aber dass das Essen dieser Kette nicht biologisch abbaubar sein soll, kann ich nicht glauben. Wenn dem so wäre, könnte man es ja auch nicht verdauen. Außerdem frage ich mich, wie denn auf einmal ein Acryl-Film auf dem Essen entstanden sein soll. Ich denke vielmehr, dass die “Künstlerin” nach ein paar Tagen mit etwas Acryl-Lack nachgeholfen hat, um das Ganze vor dem Vergammeln zu schützen und um ihrer Aktion mehr “Bedeutung” zu verleihen.
    Und was den Ekelfaktor angeht: jedes Essen sieht zum Brechen aus, wenn man es tagelang stehen lässt…

    Comment | 18. Oktober 2010
  • Tja, tut mir leid, ich hätte es auch nicht für möglich gehalten, aber schau Dir mal die Kommentare auf der Flickr-Seite des Projekts an – diverse Leute bestätigen, dass auch sie zB nach Monaten McD-Fritten unterm Autositz gefunden haben, die noch unverändert aussahen (aber eben steinhart waren). Kann ja auch jeder selbst ausprobieren – einfach mal beim McD um die Ecke irgendwelche Reste von den Tischen einpacken und irgendwo in eine Kammer (Keller) legen und dann schauen, was draus wird… Übrigens scheint das Acryl ja vom Acrylamid zu kommen, das beim Frittieren entsteht. Vermutlich verrotten Kartoffelchips auch nicht so schnell. :-)

    Bezüglich Ekelfaktor besteht der hier darin, dass das Essen quasi unverändert aussieht, und das nach einem halben Jahr! Klar sieht normale, also natürliche Nahrung eklig aus, wenn sie verschimmelt, verrottet, aber das war hier eben gar nicht der Punkt.

    Comment | 18. Oktober 2010
  • Vogel

    @Marc
    Ging mir erst auch so: Unglaublich! Ich, für meinen Teil, hab’ keine Lust, den Test nachzuvollziehen, ich trau’ der Sally Davies. Sollte das eine Ente sein, kommt sicher ‘ne amerikanische Großkanzlei auf sie nieder und fordert ‘n paar Mrd§ Schadensersatz. Davon werden wir dann ja auch hören.

    Alles was ich noch dazu sagen kann: Rein in den Mailverteiler und alles, was nich schnell genug auf die Bäume kommt, anmailen!

    PS.: Die Erfahrung mit den Fritten in irgend ‘ner Ecke haben wahrscheilich schon viele gemacht (ich auch) – aber die Konsequent nich wahrgenommen.
    PSS.: Peter, der Tipp mit den Kartoffelchips, der iss gut!

    Comment | 18. Oktober 2010
  • Marc

    Das mit dem Acrylamid ist ein interessanter Punkt. Da bin ich gar nicht drauf gekommen. Wahrscheinlich schützt diese Acrylschicht Frittiertes generell vor bakteriellem Zerfall. Meine Freundin benutzt Acryllack ständig, um z.B. Blumensträuße “haltbar” zu machen und dann aufzuhängen. Vermutlich dasselbe Prinzip. Aber dann muss man fairerweise zugeben, dass die Haltbarkeit des McD-Zeugs überwiegend auf das enthaltende Acrylamid zurückgeht(was natürlich auch nicht toll ist), aber eben nicht auf einen selbst für Bakterien ungenießbaren Chemiecocktail.

    Comment | 18. Oktober 2010
  • edg

    mich würde mal interessieren, ob das in Deutschland genauso aussehen würde nach 6 Monaten.
    nich nach dem Motto: McD is super duper und so.
    Aber McD Germany macht nach meinen Infos schon ziehmlich nen eigenes Ding und allgemein is unsere Nahrung hier mit Sicherheit hochwertiger als in den USA.

    Comment | 19. Oktober 2010
  • “und allgemein is unsere Nahrung hier mit Sicherheit hochwertiger als in den USA”

    Davon würde ich ehrlich gesagt nicht ausgehen, wenn man so sieht, was die Lebensmittelindustrie alles für einen Mist unters Volk bringt.

    Das mit McD kann man ja einfach selbst ausprobieren – mich würde es nicht wundern, wenn das Zeug auch bei uns nicht verrottet. Sollte ich irgenwann mal zufällig in der Nähe eines McDs sein, nehme ich mal eine rumliegende Fritte mit zum Testen. :-)

    Comment | 19. Oktober 2010
  • edg

    also grade Brot und anderes Gebäck sind anders.
    Vielleicht ist es auch einfach ein regionaler Unterschied und eine gewisse Vertrautheit zu einheimischen Lebensmitteln. So das es einfach nur “anders” ist.
    Aber es richt schon ganz eigenartig in Brotabteilungen in den Staaten.
    Vielelicht mach ich den Mitnehmtest wirklich mal.

    …und was unsere Lebensmittelindustrie angeht. Das is mir schon klar. Ich lese ja nicht umsonst immer die Zutatenlisten. Aber zum glück wird hier immernoch mehr deklariert als anderswo. Das unsere lebensmittel vollgepumpt mit Haltbarkeits-, Konsistenz- und Geschmacksverändernden Substanzen sind is ja nunmal kein Geheimniss. Die Leute wollen es halt, glaube ich, einfach nicht wahr haben.
    Hauptsache es schmeckt “gut” wonach es da aber eigentlich schmeckt kann meißt dann doch keiner sagen.

    Comment | 19. Oktober 2010
  • “also grade Brot und anderes Gebäck sind anders.
    Vielleicht ist es auch einfach ein regionaler Unterschied und eine gewisse Vertrautheit zu einheimischen Lebensmitteln. So das es einfach nur “anders” ist.
    Aber es richt schon ganz eigenartig in Brotabteilungen in den Staaten.”

    Ja, das Phänomen kenne ich auch – wieso schmecken Croissants und Baguettes in Frankreich so super und bei uns meist so furchtbar? Das liegt bestimmt auch an Zutaten und Zusatzstoffen…

    Comment | 19. Oktober 2010
  • [...] Wer ab und zu Pommes im Auto isst: einfach mal unter die Sitze schauen, ob da schon länger was liegengeblieben ist. Das Zeug gammelt meiner Erfahrung auch im Auto nicht, obwohl Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen da kein Problem sein sollten. (via) [...]

    Pingback | 19. Oktober 2010
  • Doreen

    Irgendwie muss man doch rausbekommen, was in so einem Happy Meal wirklich alles drin ist, oder? Sind die da nicht verpflichtet Auskunft zu geben? Auf der Homepage steht für den Hamburger nur “Zutaten: Weizenbrötchen, 100% Rinderhackfleisch, Zwiebeln, Salzgurkenscheiben, Ketchup und Senfsauce ”
    Das ist ja nun wirklich sehr dürftig und überhaupt nicht aussagekräftig.

    Comment | 20. Oktober 2010
  • Die Zutaten stimmen wohl, aber die Frage ist, ob auch das Fett, in dem das alles gebraten/fritiert wird, da aufgelistet ist (vermutlich nicht). Und bei einem kompletten Burger sind dann ja auch noch die ganzen Soßen/Senf etc. dabei, welche ja nun wirklich unheimlich viel Chemie enthalten. Die sind natürlich bei dem Kunstprojekt von Sally Davies zu vernachlässigen, ihr Happy Meal enthielt ja nur den “reinen” Burger + Brötchen + Fritten.

    Comment | 20. Oktober 2010
  • [...] Konsumpf findet das ganze ein “starkes Stück” [...]

    Pingback | 26. Oktober 2010
  • [...] bei dem ganzen Faschismus nun das Essen noch nicht hochgekommen ist, dem Empfehle ich mal wieder zu McDonalds zugehen… Insgesamt sechs Monate lang machte Sally Davies täglich ein Foto von den Speisen. Ihr [...]

    Pingback | 7. November 2010
  • caren

    …wer die Flickr Seite heute betrachtet wird feststellen, dass das Projekt immer noch läuft und sich nichts getan hat. Nach 3 Jahren nichts!!!!

    Comment | 30. Juni 2013

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