Okt
11
2013
7

Überdruss im Überfluss – Vom Ende der Konsumkultur

Okay, ich habe wirklich lange mit mir gerungen und hin und her überlegt, ob ich wirklich in meinem Blog auf mein gerade erschienenes Buch hinweisen soll. Denn im Grunde ist das ja auch Werbung für ein Produkt. Aber da niemand unfehlbar ist, erlaube ich mir diesen Ausrutscher ausnahmsweise mal. Ist ja mein Blog. :-) Oder wie seht Ihr das, ist das bereits unzulässige Reklame?

Wer meinen Blog schon länger liest, wird in dem Büchlein „Überdruss im Überfluss – Vom Ende der Konsumkultur“ nun auch nichts weltbewegend Neues erfahren, es ist eher als Einstieg für all jene gedacht, für die Konsum bisher eine selbstverständliche Tätigkeit ist, über deren Folgen man sich keine Gedanken macht. Hier die Verlagsinfo des Unrast Verlags zu meinem Werk:

Kritischer Blick hinter die schillernde Fassade der Waren- und Werbewelt

Unser gesamtes Wirtschaftssystem fußt darauf, dass wir als Konsument_innen kaufen und verbrauchen, koste es, was es wolle. Unterstützt von Marketing, Reklame und medialer Berieselung wird ein Kreislauf in Gang gehalten, der inzwischen längst an seine Grenzen gekommen ist und droht, unsere Lebensgrundlagen zu vernichten. Ressourcenverschwendung, Umweltzerstörung und Müllberge sind nur einige der Probleme, die mit dem Konsumismus einhergehen.

Peter Marwitz beschreibt die Mechanismen, mit denen Unternehmen den Konsum ankurbeln, darunter Reklame und schleichende Unterwanderung journalistischer Inhalte durch Public Relations, Advertorials und Product Placement. Auch die Rolle der Medien bei der Aufrechterhaltung des schönen Scheins der glitzernden Warenwelt wird näher durchleuchtet und hinterfragt.

Außerdem werden Auswege aus dem Konsumenten-Hamsterrad gezeigt – alternative Konsumformen und nachhaltiges Verhalten, von Reparaturcafés und Tauschringen bis hin zu Transition Towns und Widerstand gegen die Reklamebeschallung durch Adbusting und Culture Jamming. Denn die Zeit ist reif für ein Umdenken.

Peter Marwitz

Überdruss im Überfluss

Vom Ende der Konsumkultur

ISBN978-3-89771-125-9

Erscheinungsdatum: Oktober 2013
Seiten: ca. 80
Reihe: transparent – linker alltag Band: 3

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Jan
23
2012
0

Werbung am Rande der Apokalypse (Teil 4)

Dies ist der vierte Teil meiner Übersetzung des Artikels „Advertising at the Edge of the Apocalypse“ von Prof. Sut Jhally über die negativen Auswirkungen der Reklame (und unseres auf Wachstum basierenden Wirtschaftssystems) auf unsere Gesellschaft. Teil 1 findet Ihr HIER, Teil 2 HIER und Teil 3 HIER.

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Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

Die Vision des Konsumismus, die durch die Werbung vorangetrieben wird und die Welt erobert, basiert im Grunde, wie ich es schon vorher anmerkte, auf der Annahme von wirtschaftlichem Wachstum. Wachstum erfordert Ressourcen (sowohl Rohstoffe wie auch Energie) und es gibt eine umfassende Übereinstimmung unter Umweltwissenschaftlern, dass die Erde frühere Raten des Anstiegs nicht verkraften kann, die auf ressourcenintensiven Arten ökonomischer Aktivität fußen, vor allem nicht, weil immer mehr Länder um die Futtertröge kämpfen.

Die Umweltkrise ist komplex und vielschichtig, und berührt sowohl Produktions- wie Konsumptions-Belange. Beispielsweise wissen wir in Bezug auf die Ressourcenerschöpfung, dass wir sehr schnell das erschöpfen, was die Erde bieten kann und dass, wenn die momentanen Wachstums- und Konsumratentrends sich ungebremst fortsetzen, die Grenzen des Wachstums auf diesem Planten irgendwann im nächsten (21.) Jahrhundert erreicht sein werden. Die industrielle Produktion verbraucht Ressourcen und Energie in nie zuvor gekanntem Ausmaß. Seit 1950 hat die Erdbevölkerung mehr Ressourcen verbraucht als alle Generationen zuvor zusammen gerechnet. (Durning 1991, S. 157) Innerhalb von 50 Jahren haben wir den Verbrauch von Tausenden von Jahren geschafft. Die Menschen der westlichen Nationen und allen voran die Amerikaner haben die meisten dieser Ressourcen gebraucht, so dass wir eine besondere Verantwortung für die nahende Krise tragen. In weiteren 100 Jahren werden wir den Planeten ausgebeutet haben.

Aber mehr noch werden wir der Umwelt irreparablen Schaden zugefügt haben, von der wir vollständig abhängen. Wie der Umweltaktivist Barry Commoner sagt:

Die Umwelt ist wie eine riesige, enorm komplexe lebendige Maschine, die eine dünne dynamische Schicht auf der Erde formt, und jegliche menschliche Aktivität hängt von der Unversehrtheit und dem Funktionieren dieser „Maschine“ ab… Diese Maschine ist unser biologisches Kapital, der Grundapparat, von dem all unsere Produktivität abhängt. Wenn wir sie zerstören wird auch unsere fortschrittlichste Technologie wertlos werden und jedes ökonomische und politische System, das darauf fußt, wird zerfallen. Die Umweltkrise ist ein Signal für eine herannahende Katastrophe. (Commoner 1971, S. 16–17)

Das deutlichste Zeichen dafür, dass wir mit unserer Produktion einen Effekt auf die Ökosphäre des Planeten haben, ist die Zersetzung der Ozonschicht, durch die die Menge an ultravioletter Strahlung, die zerstörerisch oder tödlich für viele Lebensformen auf der Erde ist, dramatisch zugenommen hat. 1985 entdeckten Wissenschaftler die Existenz eines riesigen Ozonlochs über dem Südpol, das die Größe der USA aufweist und zeigt, wie menschliche Aktivität das Äußere der Erde verändert. In seinem Buch „The End of Nature“ erinnerte uns Bill McKibben daran, dass „wir dies selbst getan haben… indem wir Autos fahren, Fabriken bauen, Wälder abholzen, Klimaanlagen aufdrehen.“ (1989, S. 45) Er schreibt, dass die Geschichte der Welt voll der unglaublichsten Ereignisse ist, die die Art, wie wir leben, verändert haben, aber sie werden alle in den Schatten gestellt durch das, was wir in den letzten 50 Jahren erreicht haben.

Menschliche Anstrengungen, selbst die größten, waren winzig im Vergleich zur Größe des Planeten – das Römische Reich war der Arktis oder dem Amazonas egal. Aber heutzutage verändert die Lebensweise der einen Hälfte der Welt jeden Zentimeter des Globus (1989, S. 46)

Die Situation ist so schlimm, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft verzweifelt versucht, die Aufmerksamkeit des Rests von uns zu bekommen, um uns auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Die Union of Concerned Scientists („Vereinigung besorgter Wissenschaftler“, der 1700 der weltweit führenden Wissenschaftler angehören, darunter die meisten Wissenschafts-Nobelpreisträger) veröffentlichte jüngst diesen Aufruf:

Die Menschheit und die Natur/Umwelt befinden sich auf Kollisionskurs. Menschliche Aktivitäten fügen der Umwelt und kritischen Ressourcen irreversiblen Schaden zu. Sofern sie nicht überprüft werden, werden viele unserer momentanen Handlungsweisen die Zukunft, die wir uns für die menschliche Gesellschaft und dem Pflanzen- und Tierreich wünschen, ernsthaft aufs Spiel setzen und so die Umwelt verändern, dass es unmöglich sein wird, in ihr zu leben, wie wir es kennen. Fundamentale Änderungen sind dringend nötig, wenn wir die Kollision, die unser aktueller Kurs hervorrufen wird, vermeiden wollen.

Es ist wichtig, die Vorhersage einer direkt bevorstehenden Katastrophe zu vermeiden. Wir haben bereits viel Schaden angerichtet, aber die wirkliche Umweltkrise wird uns nicht vor Mitte des 21. Jahrhunderts treffen. Aber um diese Katastrophe zu vermeiden müssen wir jetzt aktiv werden. Wir müssen die Schritte in die Wege leiten, die uns in 70 Jahren retten werden.

Die Metapher, die die vor uns liegende Aufgabe am besten beschreibt, ist die eines Öltankers, der drauf und dran ist, am Strand zu zerschellen. Wegen seiner Trägheit und seiner Größe muss die Wende weit vor dem Strand eingeleitet werden, seine eigene Trägheit voraussehend. Wenn er zu spät wendet, wird er auf die Küste prallen. Dort befindet sich die Konsumentengesellschaft im Moment. Wir müssen grundlegende Änderungen vornehmen, wie wir uns organisieren, wie sich unsere Wirtschaft aufbreitet, wenn wir die Katastrophe in 70 Jahren vermeiden wollen. Wir müssen JETZT aktiv werden.

In diesem Sinne hat die derzeitige Generation eine einzigartige Verantwortung in der Geschichte der Menschheit. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes an uns, die Welt zu retten, die notwendigen Änderungen einzuleiten. Wenn wir dies nicht tun, werden wir uns in 70 Jahren in Richtung Barbarei und Wildheit untereinander bewegen. Wir müssen kurzfristige Einbßen akzeptieren. Wir müssen unsere unnötigen Geräte/Hilfsmittel aufgeben. Wir müssen insbesondere unsere Beziehung zum Auto überdenken. Wir müssen wirkliche Önderungen vornehmen – nicht bloß recyceln, sondern fundamentale Änderungen an unserer Art zu Leben und zu produzieren. Und wir können dies nicht auf individueller Ebene tun, wir müssen es gemeinsam angehen. Wir müssen irgendwie den politischen Willen finden, dies zu tun, selbst wenn wir vielleicht schon tot sein werden, wenn die Auswirkungen spürbar sind. Das lebenswichtige Thema lautet „Wie sehr fühlen wir uns den Generationen in den kommenden Jahrhunderten verbunden?“. Der politische Philosoph Robert Heilbroner formuliert es so:

„Das ausschlaggebende Problem für die Welt in der Zukunft wird eine Besorgnis für kommende Generationen sein. Wo werden solche Sorgen auftauchen? … Der heutige industrielle Mensch, dessen Appetit nach der Gegenwart durch die Werte einer Hoch-Konsum-Gesellschaft und dessen Einstellung zur Zukunft durch die vorherrschenden Grundsätze der Selbst-Sucht verformt werden, had nur eine geringe Motivation, solch eine Bindung zu zukünftigen Generationen einzugehen. Es gibt viele Menschen, die fast alles für ihre Kinder aufgeben würden; erheblich weniger würden dies für ihre Enkel tun.“ (Heilbroner 1980, S. 134–135)

Eine solche Bindung (mit zukünftigen Generationen) wird iin unserer gegenwärtigen Umgebung, die die individuellen (nicht sozialen) Bedürfnisse und die kurzfristige Situation (nicht die langfristige) betont, um so schwieriger. Das Werbesystem wird die Grundlagen mitformen, auf dem wir über die Zukunft der Menschheit nachdenken, und dort gibt es nichts, was uns Hoffnung für die Entwicklung einer solchen zukunftsträchtigen Perspektive machen sollte. Der Zeitrahmen der Reklame ist sehr kurzfristig orientiert. Sie ermutigt uns nicht, über die Unmittelbarkeit der gegenwärtigen sinnlichen/lustbetonten Erfahrung hinaus zu denken. Es kann sogar so sein, dass – weil das Werbeumfeld immer umkämpfter und dichter wird, mit immer mehr von dem, was Werber als „Lärm“ bezeichnen, der droht, individuelle Botschaften zu ertränken – Reklame verstärkt auf die Ebenen unserer Erfahrung abzielt, die fern vom alltäglichen Wirrwarr sind, und die sofort und in tiefer Weise sehr emotionale Zustände von uns ansprechen. Eindrückliche gefühsbetonte Bilderwelten, die uns beim „Bauchgefühl“ packen lassen keinen Raum, um über etwas nachzudenken. Sexuell aufgeladene Bilder müssen, vor allem im Zeitalter von AIDS, in dem Sex mit Tod verknüpft wird, noch mächtiger und direkter werden, um mögliche negative Assoziationen zu überwinden, ja, um uns aus der Welt von Bedeutung und Sinn, die wir kognitiv gestalten, zu entfernen. Der Wert einer kollektiven sozialen Zukunft ist eine, die in unserer kommerziell dominierten Kultur keinen Ausdruck findet und niemals finden wird. In der Tat vermitteln uns die derzeit herrschenden Werte keinen Anreiz, eine Verbindung mit zukünftigen Generationen zu knüpfen, und hierin liegt ein wirkliches Gefühl von Nihilismus und Verzweiflung in Bezug auf die Zukunft, und ein Abschotten gegenüber der Außenwelt.

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In den nächsten Tagen folgt dann der letzte Teil des Artikels.

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Feb
02
2010
4

Aktuelle Adbusts: CDU, BILD-„Zeitung“ und Coca Cola

Es gibt mal wieder ein paar schöne Adbusts, also Parodien auf Reklamekampagnen, im Netz zu bewundern, die ich Euch hier vorstellen möchte. Zunächst eine Reaktion auf die CDU-Vorschläge, Hartz IV-Empfänger zum Arbeitsdienst zu zwingen – ein paar kreative Menschen bemächtigten sich dazu einer Kampagne einer Jobbörse (Originale siehe HIER) und bastelten die Motive per Photoshop passend um [via Fefe und Prototypen]:

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Die letzte Keine Anzeige des Greenpeace Magazins war auch mal wieder so recht nach meinem Geschmack, attackierte sie doch die widerwärtige Bild-„Zeitungs“-Reklame, in der Promis und bekannte Menschen des öffentlichen Lebens sich nicht zu blöd sind, ihr Gesicht für dieses Revolverblatt hinzuhalten. Von einigen Leuten wie JB Kerner oder Mario Barth würde man eh nichts anderes erwarten, als dass sie sich für jede Firma verkaufen, der mit genug Scheinen wedelt, aber dass selbst Gregor Gysi oder Richard v. Weizsäcker dieser Postille ihren guten Namen leihen, ist schon sehr erbärmlich und macht nicht etwa BILD glaubwürdiger, sondern eher die Mietpromis (noch) unglaubwürdiger. (Siehe dazu auch meinen offenen Brief an JB Kerner.) „Wir werben ohen Skrupel für Volksverdummung“ textet das Greenpeace Magazin folgerichtig:

keine-anzeige-bild-zeitung

Und hier noch etwas zum Thema Coca Cola und der Wasserdurst dieses Konzerns in Indien (und anderswo):

coca_cola_in_india_686909

Watersucking Coke in India von Carlos Latuff [via]

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Dez
29
2009
3

Was ist mit Werbung nicht in Ordnung? (What’s wrong with advertising?) Teil 1

whats-wrong-topics

Kritik an Reklame und Kommerz äußere ich ja nun seitdem ich mit dem Konsumpf begonnen habe, und in der ganzen Zeit habe ich bereits eine Vielzahl von Nachteilen, Problemen und Ärgernissen im Zusammenhang mit Werbung & Kommerz versammelt.  Was vielleicht noch fehlt, ist eine „Adelung“ solcher Kritikpunkte von wissenschaftlicher Seite. Tatsächlich gibt es an der Governors State University in Illinois mit Prof. Hugh Rank einen Professor, der sich intensiv mit dieser (dunklen) Seite von Marketing, Medien und Manipulation beschäftigt. Sein komplettes Material des Kurses „Persuasion Analysis“ steht online zur Verfügung, und dort findet sich so mancher Beitrag, der das Ringen mit der Konsumgesellschaft und die Methoden der Reklame dokumentiert. Netter Weise darf ich Euch einige Texte in Übersetzung präsentieren. Leider ist die Website sehr unübersichtlich und extrem verschachtelt (und umfangreich), so dass ich sicherlich nur Teile hier veröffentlichen werde. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, der sei auf die Webseiten von Prof. Rank verwiesen: „Persuasion Analysis“ / „Advertising“.

Den Anfang meiner Übersetzungen soll heute der kurze Übersichtsartikel „What’s wrong with advertising?“ machen, von dem aus eine ganze Reihe Links zu weitergehenden Beiträgen führen, die ich dann nach und nach in den kommenden Wochen übersetzen und in diesem Ausgangsartikel verlinken werde (hoffentlich).

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Was ist mit Werbung nicht in Ordnung?

Schon in der Vergangenheit war das Misstrauen in Werbung weitverbreitet, aber nicht fokussiert. Derart viele Menschen haben Werbeanzeigen aus dermaßen vielen Gründen kritisiert, dass dieser verwirrende Wortnebel manchmal die Aufmerksamkeit stärker auf triviale Sorgen und kleinere Probleme richtet als auf die ernsthaften Themen und schwerwiegenden Probleme.

Die Menschen müssen sich ihrer eigenen Ansichten und Gefühle klar werden, um diese wahrgenommenen „Risiken“ nach Art (direkt oder indirekt, sofort oder verzögert, möglich oder wahrscheinlich) und Grad (von kleineren Ärgernissen bis hin zu großen Gefahren) unterscheiden zu können, um Überschneidungen und Lücken und Grenzfälle zu erkennen. Werbekritiker machen sich dabei grundsätzlich Sorgen über die schädlichen Folgen, die Nachteile und die unerwünschten „Nebenwirkungen“.

Auch in Zukunft wird Werbung – und ihre Probleme und Kritiker – uns begleiten. Die Strukturierung der Kritikpunkte kann dabei helfen, die Extreme zu vermeiden: auf der einen Seite, Werbetreibende anzuklagen und sie zu alleinigen Sündenböcken zu stempeln; auf der anderen Seite die grundlegenden, ernsthaften Probleme zu ignorieren, die unserer Aufmerksamkeit und angemessenen Reaktion bedürfen. Die Diagnose dessen, was „falsch ist“, kann dabei helfen, eine Prognose zu entwickeln, „was zu tun ist“. Reklame hat so viele Kritiker, aus so vielen verschiedenen Gründen, und die Argumente werden schnell so komplex, dass es hilft, wenn wir zunächst ein wenig Struktur hereinbringen und die häufigsten offensichtlichen Klagen identifizieren:

  • Eindringen/Einmischung („zu viele Anzeigen…“)
  • Täuschung (Reklame lügt, führt in die Irre, betrügt)
  • Ernährung (Werbung für ungesundes „Junk Food“ führt zu einer nationalen Fettleibigkeitskrise)
  • Beleidigend (Anzeigen beleidigen Frauen, Minderheiten, ethnische Gruppen, Religion)
  • Persönliche Probleme (Werbung trägt zu einem Schulden-Kreislauf, zu familiärem Stress und einem schwachen Selbstbild bei)

Andere Kritiker befassen sich mit den eher indirekten und weniger offensichtlichen „versteckten Schäden“ von Werbung, wie: psychologische Folgen für das Individuum und die Familie; oder längerfristige, kumulierte Schäden, die mit Materialismus, Müll, Umweltzerstörung und sozialer Ungerechtigkeit zusammenhängen.

  • Materialismus (religiöse und säkulare Kritik)
  • Umweltprobleme (Verschwendung, Müll)
  • Soziale Ungrechtigkeit (Themen im Zusammenhang mit Überfluss und Armut; die Besitzenden und die „Habenichtse“)

Werbung kann nicht einfach deshalb von Kritik ausgenommen werden, weil sie „unsere gesamte Wirtschaft am Laufen hält“. Wenn das Wirtschaftssystem davon abhängt, dass Millionen von Menschen hoch verschuldet sind und dennoch immer mehr unnützes Zeug kaufen, gibt es vielleicht Fehler im System. Gary Ruskin, Direktor von Commercial Alert (einer Non-Profit-Verbraucherschutzorganisation) fasste eine ganze Reihe der Kritikpunkte in seinem kurzen Artikel im Heft Advertising Age (26.4.2004) zusammen, der sich direkt an Werbetreibende richtete. Sein Kommentar zu der direkten und offensichtlichen Aufdringlichkeit von Reklame lautet: „Die implizite Botschaft, die die Werber aussenden, ist eine komplette Ignoranz in Bezug auf unsere Zeit, unsere Privatsphäre, unseren klaren Kopf und nicht zuletzt in Bezug auf unsere Sorge um unsere Kinder.“ Seine Betrachtung der indirekten und weniger offensichtlichen Schäden durch Werbung beinhaltete nicht nur die öffentliche Gesundheit (Junk Food, Fettsucht), sondern auch die Korruption ziviler Institutionen.

Nahezu jede Universität und Wirtschaftshochschule der USA hat eine Abteilung für Werbung, um die zukünftigen Verführer in den Techniken ihres Berufs zu schulen, aber nur wenige Schulen bieten überhaupt auch nur einen einzigen Kurs an, um die jungen Bürger, die Verführten, darin zu unterrichten, diese Verführungen zu analysieren und zu durchschauen. Landesweit sind die meisten Akademiker, die sich für Reklame interessieren – die Professoren für Psychologie und Rhetorik –, „Berater“ der Werbeindustrie als „gemietete Rhetoriker“ und käufliche Seelenklempner!


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Sep
25
2009
11

Reklame – die Pest der Kommerzgesellschaft

kola-kaputtSelten hat mir ein Artikel so aus der Seele gesprochen wie Ludger Lütkehaus’ „Reklame – die Pest der Kommerzgesellschaft“ auf literaturkritik.de. Der Kampf gegen den Werbeterror habe ja auch ich mir hier im Blog auf meine Fahnen geschrieben, von daher passt dieser großartige Text natürlich genau hierher. Ich kann nur jedem von ganzem Herzen empfehlen, sich diesen Artikel in seiner Gänze zu Gemüte zu führen, vor allem denjenigen, die in Reklame noch etwas Tolles, Informatives oder Nützliches sehen. Auf gestrenge und schonungslose Art entlarvt Lütkehaus die ganze hohle Fassade, die die Werbeindustrie gerne um ihre Worthülsen und Bildblasen auftürmt. Ich zitiere nur mal einige besonders schöne Passagen:

Reklame ist nicht Reklame, sondern “Werbung” oder gar “Information”: So will es die Reklame, welche die Reklame für sich selber macht. Denn selbstverständlich ist die Reklame in Wahrheit nichts weniger als Information. (…)

Früher, in den Zeiten, als es noch um die Wahrheit ging, hätten wir gesagt: Das Gegenteil der Wahrheit ist, abgesehen vom Schein, die Lüge. Heute sagen wir: das Gegenteil von Wahrheit ist die Reklame. Nicht im Sinn einer bewussten Täuschung. Gott bewahre, alle wissen ja, was gespielt wird, sondern in dem Sinn, dass der Reklame die Wahrheit gleichgültig ist, völlig gleichgültig. Wahrheit ist für die Reklame überhaupt keine Kategorie, kein Maßstab. Und auch mit der Schwundstufe der Wahrheit im Informationszeitalter: eben der “Information”, hat sie nur zu Desinformationszwecken zu tun.

(…) Die Reklame kann diese Funktion aber nur um den Preis erfüllen, dass sie nur selten etwas, meist wenig, oft gar nichts mit den Produkten zu tun hat, für die sie Reklame macht. Die spröde, aber präzise Sprache der Bundesrechtsanwaltsordnung hat das auf einen angemessenen Begriff gebracht. Sie definiert Reklame als “allgemeine Anpreisung ohne sachlichen Inhalt”. Die Ökonomie selber drückt das so aus, dass die Produktionskosten der Produkte ein Bruchteil ihrer Reklamekosten sind. Die Herstellung kostet fast nichts, die Vorstellung fast alles. Die Mär, dass die Reklame die Produkte billiger mache, ist eines der merkwürdigsten Kapitel der Reklame, die sie für sich selber macht. Reklame ist eine gigantische Verteuerungsanstalt. Und selbst, wenn der reklamegestützte Massenkonsum die Produkte verbilligen sollte, so ist es doch noch billiger, wenn niemand verbraucht, was niemand braucht. Kein Wunder, dass das Verhältnis der Reklame zur Wahrheit von Grund auf gestört sein muss. Sie darf gar kein Interesse daran haben. Hätte sie es, könnte sie die Überproduktionsgesellschaft nicht entsorgen.

(…) Weil Reklame aber kein Verhältnis zur Wahrheit der Dinge und zum Bewusstsein der Menschen hat und haben darf, höhlt sie auch jeden Glauben an die Glaubwürdigkeit der Menschen und Dinge aus. Sie ist das praktizierte System des Zynismus. Die Einübung in einen nur zu berechtigten General verdacht geht mit ihr einher. Die Versprechen, die sie macht, sind die Lehrmittel eines permanenten Misstrauenstrainings, die von ihr vermittelte Psychologie ist eine Entlarvungspsychologie. Als die Leerform schlechthin, die sich jeden Inhalt einbilden kann, bringt die Reklame alles mit allem und allen in Verbindung – weil sie mit nichts und niemand eine Verbindung hat. Am Ende ist alles Abfall, die Welt überführt in die Halde, die sie für die Reklame von Anfang an war. Der Rest ist Schweigen? Nein, der Rest ist Müll. (…)

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Aug
26
2009
5

„Werbung ist eine wahre Pestilenz geworden”

Da meine Zeit heut mal wieder knapp bemessen ist, gebe ich Euch diesmal nur einen kurzen Lesetipp – und zwar wurde ZAF, der Macher des wunderbaren satirisch-kritischen Blogs Zenzizenzizenzic und zafikal – für Geld machen wir alles auf krit.de interviewt und hat sich dabei u.a. auch über Werbung und Kommerz geäußert. Dass diese Aussagen meiner eigenen Meinung sehr entgegen kommen, dürfte klar sein. :-)

zafWenn man Werbung mal globaler betrachtet, ist sie ein ökologisches Desaster. Es wird Papier bedruckt, das kaum jemand lesen will, es werden Werbefilmchen gedreht, die kaum jemand im Fernsehen oder im Kino sehen will, es werden Adserver bereitgehalten, um Werbung auszuliefern, die viele eh mit Adblock oder ähnlichen Maßnahmen blocken, die ansonsten aber sinnlos Bandbreite verbraten, die Gegend wird durch Werbetafeln verschandelt etc. Es werden also ohne Ende Ressourcen wie Holz, Energie usw. verschwendet für etwas, was mit etwas Glück nur einen kleinen Teil der Bevölkerung interessiert. Werbung ist in ihrer ungewollten Form doch eine wahre Pestilenz geworden. Ich kenne keinen, der Werbestrecken in Zeitschriften toll findet, der gerne Werbung im TV oder Kino schaut, der sich freut, von Call-Centre-Agents belästigt zu werden, der seinen Briefkasten gern durch Werbung zugemüllt vorfindet etc.

In Sao Paulo gab’s doch mal einen Erlaß der Stadt, daß Werbung im öffentlichen Raum verboten wird. Das finde ich eigentlich eine sehr schöne Idee. Denn Werbung ist vor allem auch undemokratisch. Ohne die notwendigen finanziellen Mittel, kann man keine Werbung schalten, um eine kritische Masse zu erreichen. Solange man es nicht schafft, Werbeflächen z.B. im öffentlichen Raum wirklich zu demokratisieren, daß also jeder, der will, dort plakatieren darf, solange finde ich ein Verbot wie in Sao Paulo – je länger ich darüber nachdenke – eigentlich immer besser. Und eigentlich wäre ein Verbot der Werbung im öffentlichen Raum nur konsequent, wenn man bedenkt, daß sogenannte Cold Calls (also Anrufe von Telemarketingunternehmen auf gut Glück, ohne daß ich explizit um den Anruf gebeten hatte) z.B. verboten sind. Ich habe ja die werbetreibenden Firmen (oder in Hamburg gerade wieder aktuell Parteien) nicht darum gebeten, mir mit ihren Werbemist meine Netzhaut zu versauen.

Jetzt werden wahrscheinlich ein paar in der Werbebranche Beschäftigte sagen “Ja, aber die Arbeitsplätze…”. Stimmt, Werbung schafft Arbeitsplätze. Aber diese bezahlen wir alle als Verbraucher durch höhere Kosten für die beworbenen Produkte mit. Werbung ermöglicht auch keinen Qualitäts-Journalismus. Da braucht man sich nur das Privatfernsehen anschauen, um eines besseren belehrt zu werden. Und auch Printmedien veröffentlichen eher einen Bericht nicht, als einen zahlkräftigen Werbekunden zu verlieren. (…)

Ganz abgesehen vom Menschenbild, das die Werbung meist transportiert. Man sieht kaum die durchschnittlichen Menschen, denen man täglich auf der Straße begegnet in der Werbung. In der Werbung sind alle schön, allzeit perfekt geschminkt, gesund, topfit, schlank, zu Tode gephotoshopped etc. Mit der realen Welt hat Werbung so gar nichts zu tun. Der Druck, den in der Werbung propagierte Schönheitsideale gerade auf Heranwachsende ausüben, dürfte bekannt sein.

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Jul
29
2009
2

Adbusting in Kiel

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Na sowas, solche Art von reklamekritischen Aktionen kennt man doch sonst nur aus Berlin – Studenten der Kieler Mutesius-Hochschule für Kunst und Gestaltung haben in der Stadt 22 Motive aufgestellt, bei denen der Betrachter zum Reflektieren über die Anreize, die von normaler Werbung und der üblichen Kaufpropaganda ausgehen, gebracht werden soll. Noch bis Donnerstag hängen diese Plakate, danach werden sie leider übergepinselt und wieder mit den üblichen dämlichen Parolen irgendwelcher Fastfoodketten, Autohersteller oder Fernsehsender zugekleistert. Wenigstens für eine Woche konnte in Kiel so wenigstens mal ein wenig Raum für abweichende Gedanken geschaffen werden. Siehe dazu die beiden erstaunlich konsum- und werbekritischen Artikel in den Kieler Nachrichten „Plakate mit Hintersinn“ und „Außergewöhnliche Plakataktion von Muthesius-Studenten in Kiel“, in denen es auch noch weitere Exponate zu bewundern gibt:

(…) Zum Beispiel den von Sonja Dierk, der in der Kirchhofallee 47 hängt, und auf dem lediglich die Zeile „erhältlich nur noch bis zum 30.07.2009“ abgedruckt ist. „Obwohl wir genau wissen, dass unser Konsumverhalten durch Kaufanreize beeinflusst wird, fallen wir trotzdem immer wieder darauf rein. Ich habe einen dieser klassischen Anreize herausgegriffen und präsentiere diesen auf meiner Plakatfläche, ohne ein Produkt abzubilden“, führt die 27-jährige aus. „Der Betrachter wird sich fragen, was denn genau nur noch bis zum 30.07.2009 erhältlich sei. Meine Intention ist es, dass sich der Betrachter dieser Anreize wieder bewusst wird und seine Kaufentscheidungen überdenkt.“

(…) Neben sprachlich ausformulierten Botschaften finden sich darunter auch abstrakte Entwürfe wie der von Lisa Fischbach. Die 22-Jährige spielt auf ihrem Plakat in der Saarbrückenstraße mit den verlockenden Preisangaben, die auf ein Produkt Appetit machen sollen. Auf Fischbachs Entwurf erscheinen sie bunt durcheinandergewürfelt und so verunschärft, dass sie wie ein Suchbild wirken. „Ich wollte dieses spezielle Rauschen einfangen, von dem wir Konsumenten heute umgeben sind“, sagt die Studentin.

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Apr
08
2009
16

The Culture of Commercialism, Nachtrag

Dem gestern von mir übersetzten Artikel „The culture of commercialism“ hat das Media Awareness Network eine unglaublich geschönte und unterschwellig manipulative Einleitung „spendiert“, die ich nicht unkommentiert stehen lassen möchte – man lese sich nur mal diesen Absatz hier durch:

Of course, no one would advocate a ban on marketing. Ads provide information that can be helpful to us as consumers. Ads increase our understanding of the product choices available to us. And in an economy based on free enterprise, ads play a vital role for the business community. Ads are a valid part of modern life.

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© rcsmith, stock.xchng

Kleines Suchspiel: wieviele Halb- und Unwahrheiten sowie Verzerrungen und Verharmlosungen hat der Autor dieser Zeilen in dem kurzen Absatz untergebracht? Schon der erste Satz – „no one…“ – ist schlicht falsch, und das vorangestellte „of course“ eine Frechheit. Es gibt glücklicherweise viele Menschen, die Reklame in größerem Umfange aus den öffentlichen Räumen etc. verbannen wollen. Das fängt mit den Adbusters an, geht aber auch über eine Reihe von Initiativen wie Ban Billboard Blight und der IG Plakat | Raum | Gesellschaft bis hin zu der von mir neulich erwähnten schwedischen Partei, die sich für ein Werbeverbot in Radio & Fernsehen ausspricht. Vermutlich will wirklich kaum jemand JEDE Form der Werbung abschaffen, denn ein gewisses Anpreisen von Waren & Dienstleistungen gehört selbstredend auch dazu, um auf sich/seine Firma aufmerksam zu machen, nur in der Form, wie es heutzutage betrieben wird, überwiegen die Nachteile „of course“ bei weitem.

Dass Werbung tatsächliche Informationen zur Verfügung stellt, wie der Autor behauptet, ist auch eine sehr naive Sichtweise. Klar enthalten die meisten Anzeigen etc. AUCH Informationen, nur sind diese natürlich durch die jeweilige Konzernbrille gefiltert, es wird viel weggelassen und oft ja auch einfach die Unwahrheit erzählt. Diese paar Produktinformationen kann sich also jeder auch aus anderen (objektiveren) Quellen holen.

Reklame verdeutlicht uns die Wahlmöglichkeiten der verfügbaren Produkte? Soso. Vor allem in den teuren Medien (TV, Radio, überregionale Zeitungen) können auf Grund der hohen Preise nur die großen Unternehmen werben, so dass nur die immergleichen Marken angepriesen werden und uns eine Wahlmöglichkeit vorgegaukelt wird, die de facto gar nicht existiert. Man denke da nur an die vielen Marken, die Nestlé oder Coca Cola oder Unilever vertreiben – man unterstützt also oft den gleichen Konzern, egal welchen beworbenen Schokoriegel man nun kauft. Echte Alternativen finden kaum statt. Und, nein, die Wahl zwischen Coca Cola und Pepsi Cola ist KEINE wirkliche Alternative. ;-)

„Ads play a vital role for the business community“ – das ist die m.E. einzig zutreffende Aussage. Für die Wirtschaft, vor allem natürlich die Reklameindustrie selbst, ist Werbung wichtig. Jedoch nur in einer Wirtschaft, in der immer mehr Kram unter die Leute gebracht werden muss und ein großer Verdrängungswettkampf den sog. „freien Markt“ ad absurdum führt. Und dass Wirtschaftswachstum nichts ist, was man noch weiter anstacheln sollte durch Reklame, hat ja auch schon „The Story of Stuff“ klar gemacht. Von daher ist Reklame in der heutigen Form also nur „vital“ für ein System, das den Planeten schrittweise zugrunde richtet.

„Ads are a valid part of modern life.“ Das ist so einfach nur eine schlichte Behauptung ohne Substanz. Die Art, wie Reklame bzw. die Kommerzialisierung sich durch alle Bereiche des Lebens gefressen hat, ist kein „valid part“ mehr, wie ich finde. Und der Artikel „The Culture of Commercialism“ belegt dies ja dann auch dementsprechend. Man muss dem Media Awareness Network, das obige Einleitung geschrieben hat, immerhin zugute halten, dass es den kritischen Artikel über die Kommerzkultur überhaupt anbietet.

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Apr
07
2009
2

The Culture of Commercialism

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© clix, stock.xchng

Bei meinen Recherchen stieß ich in der letzten Zeit auch auf einige interessante amerikanische Quellen, die sich mit Konsum- und Werbekritik auseinandersetzen. So entstand in den 90er Jahren in Washington das Center for the Study of Commercialism, das sich intensiv mit dem Themenfeld befasst(e) und auch einige Studien herausgab. Leider existiert keine Website dieser Initiative und das letzte Lebenszeichen einiger der Initiatoren habe ich in einem Buch von 2005 gefunden. Deshalb muss ich auf eine Sekundärquelle ausweichen – das Media Awareness Network (offenbar ein Lernmaterialpool für Eltern und Lehrer) hat immerhin eine Zusammenfassung des Artikels „The Culture of Commercialism: A Critique” des CfoSoC online gestellt, als Diskussionspapier für Schüler und Studenten. Diesen komprimierten Text, den man vielleicht auch als eine Art Ultrakurzfassung meiner Serie „Werbung schadet“ betrachten kann, möchte ich Euch heute übersetzt vorstellen.

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Was sind die Auswirkungen von Werbung und Kommerzialismus?

  1. Kommerzialismus verzerrt unsere Kultur, indem jedes Ereignis in einen Anlass zum Konsumieren verwandelt wird. Anthropologen sagen, dass Ferien die Werte einer Kultur widerspiegeln. In Amerika ist jeder Urlaub ein Verkaufsereignis.
  2. Werbung projiziert falsche Bilder/Images. Zum Beispiel suggerieren Anzeigen, dass du nicht cool bist, wenn du kein teures Auto fährst, dass Rauchen bedeutet, dass du ein Freigeist bist oder dass Reife heißt, Alkohol zu trinken.
  3. Kommerzialismus trägt zu Umweltproblemen bei, indem es zu verschwenderischem Umgang mit natürlichen Ressourcen ermutigt. Ein Übermaß an Verpackung, Wegwerfgüter und Dinge zu kaufen, die wir gar nicht wirklich brauchen, trägt zum unnötigen Verbrauch von begrenzten Ressourcen bei. Die Produktion und Entsorgung der Dinge, die wir kaufen, führt zu weiteren Umweltproblemen, zu denen der Verlust von Lebensraum und erhöhte Luft- und Wasserverschmutzung gehören. Plakatwände erzeugen visuelle Verschmutzung.
  4. Werbung erhält Stereotype/Klischees aufrecht. Zu den Beispielen zählen Stereotypen im Zusammenhang mit der Rasse (Afro-Amerikaner als Musiker und Sportler), des Geschlechts (Frauen als Sexobjekt, Männer als Geschäftsleute) und der Klasse (der Mittelklasse-Weiße als soziale Norm).
  5. Werbetreibende beeinflussen den Inhalt von Zeitschriften und Sendungen. Die Zensur der Medien durch die Regierung ist illegal. Dennoch gibt es eine Fülle von dokumentierten Fällen, dass Zeitungen und andere Medien durch Werbetreibende zensiert werden. Beispielsweise kann ein Bierproduzent Druck auf ein Magazin, in dem es Werbefläche kauft, ausüben, damit keine Artikel über die Gefahren des Trinkens erscheinen.
  6. Das Sponsoring von gesellschaftlichen, Umwelt- oder anderen Non-Profit-Gruppen durch Konzerne kann diese Gruppen beeinflussen. Zum Beispiel kann die Unterstützung durch die Tabakindustrie eine Organisation davon abhalten, Anti-Raucher-Kampagnen zu unterstützen.
  7. Kommerzialismus hat unsere Politik beeinflusst. Viele Politiker versuchen Stimmen zu gewinnen mit Hilfe eines Images, das durch Werbung und Medienberichte erzeugt wurde. In der Vergangenheit versuchten Kandidaten Stimmen durch ihre politischen Standpunkte zu erlangen.
  8. Die öffentliche Wahrnehmung der Aktivitäten und Prioritäten eines Unternehmens kann durch Werbung verzerrt werden. Beispielsweise können Anzeigenkampagnen große Umweltverschmutzer als ökologisch bewusste Firmen darstellen, die für eine gute Sache spenden.
  9. Werbung kostet uns Geld. Die Wirtschaft wälzt den Großteil ihrer Werbekosten auf uns ab. Außerdem steigt der Preis eines Produkts, wenn es der Reklame gelingt, die Idee zu etablieren, dass ein bestimmtes Produkt uns Status oder ein cooles Image verschafft.
  10. Werbung kostet uns auch vieles an Steuern. Werbung stellt voll absetzbare Geschäftskosten dar. Aus diesem Grund erhalten kommunale und nationale Kassen Jahr für Jahr Milliarden von Dollar weniger an Steuern. Die Steuerquoten der Bürger müssen dies ausgleichen, so dass der einzelne Steuerzahler indirekt Werbung bezuschusst.
  11. Werbung kann irreführend sein. Sie fokussiert auf die Vorteile eines Produkts oder einer Dienstleistung und ignoriert die Nachteile.
  12. Werbung ermuntert zu einer Markenmentalität oder dazu, weniger auf der Basis der Qualität oder des Preises zu entscheiden, sondern mehr aufgrund des Namens/Herstellers.
  13. Werbung fördert Unzufriedenheit, Neid und Unsicherheit. Sie kann uns unattraktiv, uncool und unglücklich mit dem, was wir haben oder nicht haben, fühlen lassen.
  14. Unsere kommerzialisierte Gesellschaft legt hohen Wert auf die Erscheinung und ermutigt uns somit, mehr Wert auf unser Aussehen und das von anderen zu legen als auf den Charakter, Talente oder die Persönlichkeit.
  15. Konstantes Werbungs-Ausgesetztsein kann Materialismus und Egoismus fördern. Dies kann dazu führen, dass Menschen weniger dazu geneigt sind, anderen zu helfen. Statistiken zeigen, dass die Spendenbereitschaft in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Gleichzeitig gab es einen Rückgang in der öffentlichen Unterstützung von Regierungsprogrammen, die denjenigen helfen sollen, die vom Leben benachteiligt sind.
  16. Das Sponsoring von Wissenschaftsausstellungen und Kunstmuseen durch Unternehmen kann deren Inhalt beeinflussen und die Objektivität untergraben. Ist es zum Beispiel wahrscheinlich, dass eine von einer Firma, die Insektizide herstellt, gesponsorte Ausstellung die Beziehung von Menschen und Insekten in einer fairen und ausgewogenen Art und Weise behandelt?
  17. Werbung kostet viel Zeit. Der durchschnittliche Mensch verbringt fast eine Stunde am Tag damit, Werbung zu lesen, zu sehen der zu hören, im Fernsehen, Radio, Theater, auf Video, in Zeitungen und Zeitschriften, Mails, Briefen oder am Telefon. Wenn der durchschnittliche Amerikaner 75 Jahre alt ist, wird Werbung ihn 4 Jahre seines Lebens gekostet haben.
  18. Bezahltes Product Placement beeinflusst den Inhalt von Filmen, Fernsehshows, Büchern und Spielen. Das gefährdet künstlerische Integrität.
  19. Werbung preist Alkohol- und Tabakkonsum an, welcher jedes Jahr eine halbe Million Amerikaner das Leben kostet. Probleme, die mit Alkohol in Zusammenhang stehen, verletzen das Leben von mehr Menschen und kosten die Gesellschaft mehr Geld als alle illegalen Drogen zusammen genommen.
  20. Marketingleute stellen detaillierte elektronische Käuferprofile zusammen. Firmen verkaufen Mailinglisten für alles mögliche, vom Besitz ausländischer Autos bis hin zu sexuellen Vorlieben. Diese Computerdatenbanken stellen ein gefährliches Missbrauchspotential dar.
  21. Kommerzialismus hat sich in nahezu jeden Winkel unseres Lebens ausgebreitet. Viele Menschen stört es, diesem nicht entfliehen zu können.
  22. Werbung, die auf junge Kinder abzielt, dringt in die Eltern-Kind-Beziehung ein, kann die Autorität der Eltern untergraben und zu Spannungen führen.
  23. Kommerzialismus kann Werte wie Teilen, Zusammenarbeit und Genügsamkeit aushöhlen, die durch Familien, religiöse Institutionen und Schulen gefördert werden.
  24. Industrienahrung und die Reklame für diese neigen dazu, zu ungesunden Ernährungsgewohnheiten zu ermutigen.
  25. Die Kommerzialisierung von Schulmaterial und -ausrüstung kann unabhängige, ungestörte Ausbildung torpedieren.
  26. Das intensive Anpreisen von Shoppen und Kaufen hält uns von anderen Aktivitäten wie Lesen, Denken und Spielen ab. All die Werbung, der wir ausgesetzt sind, macht es leicht zu vergessen, wie viele (andere) Arten von Aktivitäten wir genießen können.
  27. Unsere kommerzialisierte Kultur ermuntert Menschen, Geld auszugeben, das sie gar nicht haben. Die Zahl der Amerikaner mit finanziellen Problemen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. (Anm. PM: Spätestens seit Ausbruch der „Finanzkrise“ wissen wir, dass dies in den vergangenen Jahren erst recht der Fall ist.)
  28. Werbung suggeriert, dass es eine einfache Lösung für alles gibt, vom Gesundsein bis hin dazu, Freunde zu haben.
  29. Viele Anzeigen implizieren, selbst wenn sie es nicht offen aussprechen, dass Glück etwas ist, das wir kaufen können. Wenn wir uns so verhalten, als wenn dies wahr wäre, begrenzen wir unseren persönlichen Horizont und unsere Fähigkeit, Erfüllung im Leben zu finden.
  30. Kommerzialismus preist nicht nur einzelne Produkte an. Er predigt Konsum als Lebensstil.

Was ist der kumulierte Effekt von all dieser Kommerzialisierung?

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© sufinawaz, stock.xchng

Kommerzialismus hat klare Parallelen zur industriellen Verschmutzung. So wie eine gemäßigte Menge an Müll von der natürlichen Umgebung absorbiert werden kann, können auch moderate Mengen an Kommerzialisierung von unserer kulturellen Umgebung verarbeitet werden. Große Mengen können jedoch beide Umgebungen überfordern, und dies ist heutzutage der Fall.

Jahrzehnte lang haben wir den Schaden, den industrielle Praktiken erzeugen, nicht erkannt, geschweige denn kontrolliert. In einigen Fällen wie der Luftverschmutzung durch kohleverbrennende Hochöfen, waren die Probleme offensichtlich, aber wir ignorierten sie oder rechtfertigten sie auf der Basis kurzfristiger wirtschaftlicher Gewinne. In anderen Fällen, so wie giftigen Chemikalien, die Luft und Wasser verschmutzen, wurden die Gefahren nicht einmal erkannt. So sieht es auch beim Kommerzialismus aus: wir entschuldigen seine offensichtlichen Defekte im Namen des wirtschaftlichen Fortschritts; wir versuchen nicht einmal, die subtileren Auswirkungen zu identifizieren.

Genauso wie mit der Verschmutzung vor mehreren Jahrzehnten bleiben die Folgen exzessiven Kommerzialismus schwach untersucht und unbewiesen. Unser Verstehen beruht auf einer Handvoll oft vorläufiger oder nicht beweiskräftiger akademischer Studien. Tatsache ist, dass Soziologen/Wissenschaftler trotz der Dominanz des Kommerzialismus in unserer Kultur kaum damit begonnen haben, die Konsequenzen und das Wesen des Kommerz zu erforschen. Zudem sind politische Regulierungen nicht angemessen ausgestattet, um Kommerzialismus zu bearbeiten. Agenturen, die sich mit den Täuschungen durch Werbung beschäftigen, haben nur sehr kleine Budgets – insgesamt nur ein Tausendstel von dem, was für Werbung ausgegeben wird –, so dass nur die aller offensichtlichsten Lügen in der Werbung gestoppt werden können. Andere Formen des Kommerzialismus bleiben komplett unerforscht.

Was sind also die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, wenn, wie Advertising Age (eine Fachzeitschrift für Leute, die in der Werbeindustrie arbeiten) schrieb, „Werbung in Massenmedien wie aus einer Schrotflinte kommt und jeden in ihrem Weg, auch Kinder, trifft“? Und was sind, jenseits der Werbung, die Folgen, in einer Kultur zu leben, wo selbst Schulen, Museen, Sport und nicht-kommerzielle Sender kommerzialisiert wurden? Verwandelt Kommerzialismus engagierte Bürger in bloße Konsumenten?

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Mrz
09
2009
3

Werbung schadet (4): Die Verschandelung des öffentlichen Raums und die Durchkommerzialisierung des Alltags

In meiner kleinen Aufklärungsserie „Werbung schadet“ möchte ich heute auf zwei eng miteinander verwobene Sachverhalte eingehen, die zu den vielen negativen Seiten der Reklame(industrie) zählen. Zunächst wäre da die Verschandelung des öffentlichen Raums, über die ich in meinem Blog ja schon des öfteren referiert habe (siehe den Artikel „Du kannst uns nicht entkommen” aus der ZEIT oder meinen Beitrag „Ban Billboard Blight – Kampf den Werbeplakaten” über den wachsenden Widerstand an der Zuplakatierung der Städte) – immer mehr ehemals freie Flächen dienen der Produktanpreisung und Präsentation einzelner Konzerne und lassen ihre unermüdlichen Konsumbotschaften pausenlos auf die Menschen einströmen. So manch einer merkt es vermutlich kaum noch bewusst, wenn er durch eine mit Schildern, Logos und Reklame zugepflasterte Innenstadt geht, und auch in den Geschäften (z.B. Supermärkten) wird ja meist weiter um die Aufmerksamkeit mit bunten Aufstellern und von den Marketingheinis ersonnenen Dumpfsprüchen gebuhlt. So wird die kommerzielle Propaganda der Firmen zu einem stetigen Hintergrundrauschen unseres Lebens – kunstvoll (und bedrückend) visualisiert durch den Kurzfilm „Kapitaal – Walking through a branded city“:

In „Die Allgegenwart der Werbung“ hat sich der Unser täglich Spam-Blog mal die Mühe gemacht und eine erschreckend lange (sicherlich immer noch unvollständige) Liste der Orte gemacht, an denen uns die Reklame im Alltag inzwischen überall begegnet (Ihr könnt sie dort im Beitrag selbst nachlesen) – spätestens dann wird das Ausmaß des Reklameproblems deutlich: man kann ihr an kaum einem Ort noch entkommen.

Der Aufwand, mit dem zurzeit Werbung betrieben wird, ist monströs. Er muss es auch sein, da mithilfe der Werbung eine große psychische Kraft im Individuum unten gehalten werden muss. Die meisten Menschen, die ehrlich zu sich selbst sind, werden unter „Selbstverwirklichung“ etwas deutlich anderes verstehen als die Reduktion des eigenen Selbstes auf das Dasein eines Konsumtrottels. Der Zweck der Werbung ist die Unterdrückung der Lust an der und am Ausleben der eigenen Persönlichkeit, das Ziel der Werbung ist kaufender Konformismus durch genormte, in gut behandelbare Zielgruppen passende Kunden. Jeder industriell produzierte Tinnef wird mit Hilfe der Werbung mit einer psychischen Kraft aufgeladen, die aus sehr persönlichen und gut unterdrückten Quellen stammt und über dieses Vehikel an den Kauftrottel gebracht — als Surrogat für ein wirkliches Leben.

bild-1Und die Kommerzialisierung schreitet schier unaufhaltsam voran – früher spielten Bands noch in der Ostsehalle Kiel, jetzt in der Sparkassen-Arena. „Meine“ Arminia aus Bielefeld kämpfte ehedem auf der Alm gegen den Abstieg, jetzt in der profanen SchücoArena. Der Sprusko-Blog (mit seinem die Kommerzmalaise gut zusammenfassenden Motto „Schund produzieren, um Schund zu konsumieren“) erstellte vor einiger Zeit seine „Top Ten der besonders bescheuerten (um)benannten Veranstaltungsorte“, und ließ darin keinen Zweifel, was er von dieser neuen Unsitte hält: nämlich nichts. Denn nicht nur vergewaltigen Namen wie die Lanxess Arena (früher KölnArena) oder easyCredit-Stadion das Sprachgefühl der Menschen und degradieren sie beim Sprechen über diese Hallen und Stadien zu unfreiwilligen Markenverbreitern, sondern selbstverständlich gelingt es den Konzernen so, ihren Namen auch in eigentlich sachlichen Berichterstattungen prominent zu platzieren, ohne dass man es offiziell als Schleichwerbung deklarieren würde. Dennoch führt dies dazu, dass Marken und Unternehmen allgegenwärtig sind und bleiben – die Akademie für Publizistik untersuchte in ihrem Ethikrat diese Problematik unter der Fragestellung „Zwingen Namen wie AWD-Dome zur Schleichwerbung?“ genau diese Problematik.

(…) ist es ein Ärgernis, dass Markenunternehmen es durch Namenskauf und Sponsoring schaffen, den Kernbereich journalistischer Berichterstattung zu infiltrieren: die Nachrichten. Wo die Sprache nüchtern und der Ton überwiegend sachlich sein muss, ist die Sensibilität für PR-Botschaften immer noch hoch. Ein Markenname, der ohne aktuellen Informationszusammenhang in den Nachrichten genannt würde – das ist sogar für ungeübte Leser und Hörer als Missgriff erkennbar, von Profis ganz zu schweigen.

Womit wir bei einem weiteren wichtigen Negativeffekt von Reklame angelangt wären, nämlich der gnadenlosen, keine Grenzen kennenden Durchkommerzialisierung des Daseins. Manchmal kommt sie so offen und aggressiv daher wie bei Werbepaketen, die unsere Blicke beim Bummel durch die Stadt beleidigen, oder bei TV-Spots, die die Spannungskurve eines Films zerstören, manchmal etwas weniger deutlich wie bei der eben angesprochenen Art und Weise, Sportveranstaltungen, Mannschaften (siehe das Team Telekom beim Fahrradsport) oder eben gleich Stadien oder gar komplette Fußballligen (Coca Cola Championship in England – irgendwann wird die 1. Fußballbundesliga hierzulande sicherlich Deutsche Bank- oder Telekom-Liga heißen) zu sponsern und damit in die Marketingstrategie eines Konzerns einzugliedern. Und diese Sponsorverträge gehen in aller Regel ja nicht nur damit einher, dass der Name des „Gönners“ überall groß erscheinen muss, nein, oft wird mit diesem Sponsoring dann auch in den Reklamekampagnen der Firmen groß geworben, um das eigene Image aufzupeppen, so dass die Verquickung der verschiedenen Ebenen (z.B. Sport oder Prominenz) mit Produkten und Unternehmen fast schon normal und selbstverständlich erscheint.

werbtr-klFolglich sickert die Logik der kommerziellen Verwertung von allen Aspekten des Lebens auch zunehmend in das normale Leben der Menschen – es wird von vielen schon als völlig natürlich, als Naturgesetz empfunden, private Nutzenmaximierung (koste es die anderen, was es wolle) und Profitorientierung als Lebenssinn zu betrachten (man höre sich nur die Floskeln so mancher neoliberaler Politiker an). Wer beispielsweise solche Sendungen wie Germany’s Next Top Model mitfiebernd verfolgt, setzt sich nicht nicht nur einem kranken, dümmlichen Frauen- und Menschenbild aus (auf diesen Punkt wird noch in einem gesonderten Beitrag einzugehen sein), sondern findet es offensichtlich auch vollkommen akzeptabel und  sogar unterhaltsam, dass sich dort junge Menschen (Models) einzig mit dem Ziel, auf ihre zukünftige kommerzielle Verwertbarkeit als Werbesubjekt hin durchleuchtet und optimiert zu werden, in die große Konsummaschine einspannen lassen.

Gerade das Kommerzfernsehen hat natürlich viel dazu beigetragen, Kommerz und Konsum zum alltäglichen Gegenstand ihrer Ausstrahlungen und damit dem Inhalt von dem, was viele Leute heute unter „Unterhaltung“ verstehen, zu machen und dabei „Content“ und Reklame/Kaufaufforderung untrennbar zu vermischen – was sicherlich auch die Absicht dieser Form des Fernsehens sein dürfte, denn so findet eine noch bessere Zielgruppenansprache und effektivere Verkaufsförderung statt.

Ich zitiere zum Abschluss noch einmal den Unser täglich Spam-Blog:

Dem traurigen gesellschaftlichen Zerfall unter dem Diktat der totalen Verwirtschaftung ging ein ebenso trauriger persönlicher Zerfall der meisten Menschen voraus, der ebenfalls unter dem Banner der totalen Verwirtschaftung vonstatten ging. Kaum etwas könnte den deprimierenden, gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozess besser illustrieren als die Allgegenwart der Reklame.

>> Teil 1: Die Versaubeutelung der Sprache
>> Teil 2: Die untrennbare Vermischung von Reklame und Redaktionellem
>> Teil 2b: Medienmanipulation durch Werbeentzug
>> Teil 3: Ressourcenverschwendung

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