Sep
03
2010
3

Lesetipps: I Can Stalk U, Leihen statt kaufen (Nachbarschaftshilfe im Netz) und Arbeit macht das Leben süß?

Das Wochenende naht, da wird es Zeit für ein wenig Lesestoff, den man gemütlich im Strandkorb schmökernd zu sich nehmen kann. Eine sehr schöne Aktion machte unlängst im Internet die Runde – die Website „I can stalk you“. Wie Pressetext.de zu berichten weiß, „schockt I can stalk you Twitter-User“. Wer also bisher naiv in seiner Facebook- und Twitter-Web 2.0-Welt sein digitales Dasein auslebte, unbeleckt von möglichen Konsequenzen der eigenen großzügigkeit mit seinen persönlichen Daten, der dürfte nun vielleicht ins Grübeln kommen:

Das Veröffentlichen von persönlichen Fotos auf Internetportalen wie Facebook oder Twitter kann für die betreffenden Nutzer böse Konsequenzen haben. Neben dem Bildinhalt selbst gefährdet vor allem der zunehmende Trend des sogenannten “Geotaggings” die Privatsphäre der User. Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, haben US-Sicherheitsexperten nun eine eigene Webseite gestartet, die den Twitter-Feed kontinuierlich nach Fotomaterial durchforstet, das mit Geo-Daten bestückt ist. Unter dem Titel “I Can Stalk You” http://icanstalku.com wird den Besuchern dann unverblümt vor Augen geführt, wie leicht es ist, ihnen mithilfe dieser Informationen nachzustellen. (…)

Ebenfalls auf Pressetext fand sich ein erfreulicherer Artikel, in dem es um einen zunehmenden Trend geht, Dinge nicht mehr zu kaufen, sondern via Internetplattformen zu leihen. Dieser Gedanke, nicht jede Sache selbst besitzen zu müssen, sondern – ressourcen- und geldbeutelschonend – nur zeitweise zu leihen, ist natürlich sehr begrüßenswert und vielleicht ein erster Schritt hin zum Umdenken und weg vom Besitzdenken. „Leihen statt kaufen – Nachbarschaftshilfe im Netz“:

Produkte verleihen und ausborgen anstatt zu verkaufen oder zu kaufen – auf dieser Idee basiert das Geschäftsmodell einer Reihe von neuen Start-up-Firmen wie SnapGoods http://snapgoods.com. Über den Online-Dienst können User Gegenstände anbieten und gegen eine Gebühr verleihen, beziehungsweise Dinge gegen Bezahlung ausborgen, berichtet die New York Times. Auch andere Webfirmen wie NeighborGoods http://neighborgoods.net oder ShareSomeSugar http://www.sharesomesugar.com arbeiten mit dieser Idee: Menschen, die im Idealfall nicht weit voneinander entfernt wohnen, sollen im Internet zusammenfinden und so voneinander profitieren. Das gemeinsame Prinzip der Dienste ist es, dass alleine der Zugang zu Dingen den Kauf obsolet machen soll. So bekomme man die Möglichkeit zu teilen, anstatt sich jeder ein eigenes Exemplar anzuschaffen. (…)

Für eine gewisse Verwunderung sorgte bei mir (und anderen Lesern) sicherlich der Artikel „Eine Umfrage zeigt: Die Deutschen zweifeln am Kapitalismus“, der in der ZEIT erschien und eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung vorstellt. Wie kann das sein, fragt man sich, dass ausgerechnet die Bertelsmänner so eine Studie in Auftrag geben bzw. durchführen? Denn wie bei allen Untersuchungen (nicht nur von Bertelsmann!) muss man sich immer fragen, mit welcher Intention solche Umfragen in die Welt gesetzt werden. Telepolis und gegen-stimmen haken da kritisch nach, und ich denke auch, dass Bertelsmann die zunehmende Unzufriedenheit der Menschen an einem Wirtschaftsystem, das nur auf (quantitatives) Wachstum ausgerichtet ist, sehr wohl erkennt – und dann in ihm genehme Bahnen lenken will. Das heißt, statt tiefgreifender grundlegender Änderungen doch nur eine begrünte „soziale“ Marktwirtschaft, also einem gezähmten Kapitalismus. Dieser wird so leider nicht funktionieren, fürchte ich…

(…) Zudem ist die Wachstumsskepsis nicht mehr nur Teil der politischen Debatten. Sie ist – zumindest als Idee – auch im Privaten angekommen. Immerhin vier von fünf Deutschen finden, dass »jeder seine Lebensweise dahingehend überdenken sollte, ob wirtschaftliches Wachstum für ihn alles ist«. (…)

In ihrer Sendung Zeitfragen ging Deutschlandradio Kultur der mehr als berechtigten Frage nach: „Arbeit macht das Leben süß? Über den Druck auf Angestellte und Freischaffende“ (Download als mp3):

Die Urgroßmütter haben es noch gewusst: Arbeit macht das Leben süß. Dahinter verbarg sich die romantische Umschreibung, dass der Mensch gefälligst hart arbeiten müsse – weil er es eben muss – basta. Eine Pflicht, die man nicht zu hinterfragen hat. (…)

(…) Werden die Leistungen nicht mehr erbracht, findet man Wege, langjährige Mitarbeiter vor die Tür zu setzen. In Einzelhandels-Unternehmen spricht man dann gar von “Aufarbeiten”: Unliebsamen Mitarbeitern, die den Anforderungen nicht mehr gewachsen, aber nur schwer kündbar sind, werden Aufgaben zugewiesen, von denen klar ist, dass sie deren Pensum nicht schaffen können. Gerade im Bereich der Arbeiten, für die nur eine geringe Qualifikation nötig ist, können sich Unternehmen das leisten – die “Reservearmee” auf dem Arbeitsmarkt ist groß genug.

Aber auch in anderen Bereichen ist der Druck auf diejenigen, die durch Arbeit ihr Geld verdienen, deutlich gewachsen. Von wegen Ausbeutung – das muss man jetzt schon selber machen: Selbstausbeutung heißt der Trend. Und wer sich ohne Festanstellung durchs Leben kämpft, kann schnell merken, dass es nicht nur schön ist, sein eigener Herr zu sein, denn notgedrungen ist man ein strenger Herr zu sich selbst.

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Sep
02
2010
9

Durch Sparen aus der Krise?

Heute nur mal ein kurzer Beitrag von Plusminus aus dem Juni, der einen Blick auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld wirft und in dem auch der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Senf zu Wort kommt, der für zinsfreies Geld eintritt – „Durch Sparen aus der Krise?“:

„Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“, so schwur die Kanzlerin unlängst Abgeordnete und Bürger auf einen harten Sparkurs ein. Aber wer hat denn da eigentlich über wessen Verhältnisse gelebt? Von dem Aufschwung vor der Krise haben die meisten Arbeitnehmer und Rentner so gut wie gar nicht profitiert: Trotz Wirtschaftswachstum sind Einkommen und Renten real sogar gesunken. So wurden Exporte ins Ausland billiger. Aber kann man sich mit Sparpaketen wirklich aus der Krise heraus sparen? (…)

(…) Die harte Sparpolitik verschont die eigentlichen Verursacher der Krise, ob Finanzmärkte oder große Anleger, kritisiert Senf:
„Die Gläubiger wollen sich ja keinen Verzicht auferlegen, aber sie fordern es von der Bevölkerung. Da kann sehr viel Unmut entstehen, auch gegenüber dem Euro.“ Ein Teilverzicht auf Zinsgewinne oder Umschuldung als Entschärfung der Schuldenproblematik? An den Finanzmärkten ein skandalöser Gedanke, weil dies Verluste für Anleger bedeutet, aber die Staaten wären deutlich entlastet – und das würde wiederum allen Bürgern zu Gute kommen.

Senf hält sogar eine völlig neue Form der Geldschöpfung für möglich. Er plädiert für die Einrichtung einer vierten Gewalt im Staate: er nennt sie Monetative, die neben Legislative, Exekutive und Judikative steht. Diese staatliche, aber regierungsunabhängige Institution solle berechtigt sein, Geld zu schöpfen – und zinsfrei dem Staat zur Erfüllung seiner Aufgaben zu Verfügung zu stellen. (…)

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Sep
01
2010
2

Surftipp: Packard Jennings’ Pocket Survival Guide und weitere Ideen für Aktivisten

Der amerikanische Künstler Packard Jennings zeigt auf seiner Website Centennial Society, wie vielfältig und sowohl amüsant wie auch subversiv Widerstand gegen den alltäglichen Konsumwahn sein kann. Er präsentiert dem verblüfften Leser eine ganze Reihe seiner Aktionen, mit denen er vor gut 15 Jahren begann und mit denen er nach wie vor Zeichen setzt gegen ein aus Reklame und kaufbaren Werten bestehendes medial vermitteltes Gesellschaftsbild. Aus der Fülle seiner in der Regel von ihm selbst illustrierten und durchgeführten Culture-Jamming.Aktionen möchte ich nur eine Handvoll ehrausgereifen – es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich auch die anderen anzuschauen. Vielleicht animieren sie den einen oder anderen ja, ebenfalls entsprechend tätig zu werden. Zwar sind diverse der von Jennigs zur Verfügung gestellten Aktivisten-Materialien schon auf den amerikanischen Markt abgestimmt und zum Teil im Grenzbereich von Kunst und Aktivismus, aber als Anregung taugen sie allemal!

Ein paar Aktionen möchte ich hier schlaglichtartig herausgreifen. Z.B. den liebevoll gestalteten Pocket Survival Guide, der zeigt, wie man mit den ganzen Plastikverpackungen den Klimaschäden, den die Produktion dieser Verpackungen auslösen, entkommen kann. Etwas zum Verwirren der Betrachter und so ganz ohne Text vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar… Dazu gibt es auch ein nettes Video, in dem wir erfahren, wie man den Guide bastelt und dann an die passenden Produkte im Supermarkt klebt.

Noch anarchistischer ist das „Business Reply Pamphlet“ – dieses soll man in die vor allem in den USA massenhaft versendeten „Porto bezahlt Empfänger“-Rückumschläge packen und an die entsprechenden werbenden Firmen zurücksenden. Das Pamphlet ist eine Anleitung zum Umsturz und zur Auflehnung gegen die (in diesen Firmen) herrschenden Zustände. Überzeichnet radikal aber wirklich unterhaltsam. Für heimische Zwecke könnte man sich sicherlich überlegen, irgendwelche anderen passenden Botschaften, Hinweise zu aufklärenden Websites (wie Konsumpf ;-) oder ähnliches in solche Umschläge zu tun und wegzuschicken.

Geradezu klassisch (im Sinne des Culture Jammings) sind Jennings’ „Überarbeitungen“ von Plakatwänden zu bezeichnen („Billboard Alterations“) – Adbusting, wie es sein soll:

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Aug
31
2010
3

Tricksereien der Lebensmittelindustrie: Sauerstoff-Fleisch und Nimm2

Der Verein Foodwatch wirft ja schon seit einigen Jahren ein kritisches Auge auf das, was die Lebensmittelindustrie so treibt. Gepanscht, gestreckt und gemogelt wurde natürlich schon immer, vermutlich seit es Menschen gibt. Aber je industrieller die Nahrungsproduktion und je stärker die Unternehmen den allgemein in unserem System geltenden Bedingungen der Effizienz- und Gewinnsteigerung unterworfen werden, desto findiger werden die Marketingabteilungen und die Laboranten. Die einen, um den potentiellen Kunden in Reklame das Blaue vom Himmel herunterzulügen, die anderen, um Mittel und Wege zu finden, Waren (in jeglicher Hinsicht) billiger zu machen, und zwar so, dass es nicht sofort auffällt.

Ein Beispiel für die Kreativität beim Zusammenmischen und Aufbereiten von Industrienahrung ist die Aufpeppung von „Frischfleisch“ mit Sauerstoff, um es appetitlicher aussehen zu lassen. Foodwatch beleuchtet in „Frische-Illusion mit Nebenwirkungen“, warum diese Verbrauchertäuschung keine gute Idee ist:

Die meisten großen Handelsketten verkaufen Frischfleisch in “Schutzatmosphäre”-Packungen. Dahinter verbirgt sich oft ein hochgradig mit Sauerstoff angereichertes Gasgemisch. Der Effekt: Auch nach Tagen sieht Fleisch außen rosig-frisch aus. Eine Illusion, denn Sauerstoff macht es gleichzeitig innen zäh und ranzig.

Jedes zweite Stück Fleisch kaufen Verbraucher aus den Selbstbedienungs-Kühltheken von Supermärkten. Hackfleisch und Rinderrouladen, Gulasch und Schweineschnitzel liegen dort geschnitten und portioniert in praktischen Plastikschalen. In genau diesen Plastikschalen entsteht die große Frische-Illusion, einem speziellen Gasgemisch sei dank. Tagelang behält das Fleisch außen eine rosige Farbe, während es innen jedoch schneller altert, zäh und ranzig wird. Die Anbieter nehmen diese Qualitätsverschlechterung in Kauf: Um es besser verkaufen zu können, hübschen sie es optisch auf – und bieten minderwertiges Fleisch an. (…)

(…) Das ist nicht nur eine Irreführung der Kunden, denen Tage altes Fleisch als optisch schlachtfrisch untergejubelt wird. Denn Fachleute wissen: Der Einsatz von Sauerstoff ist alles andere als unproblematisch. Hochkonzentriert, reagiert er auch mit den Fetten und Eiweißen im Fleisch. Folge sind “vielfältige negative Auswirkungen”, die etwa Wissenschaftler des staatlichen Max-Rubner-Instituts seit längerem als “unstrittig” beschreiben: “Derartig dem Sauerstoff ausgesetztes Fleisch” werde “schlagartig ranzig, entwickelt Altgeschmack, erfährt vielfältig stoffliche Umsetzungen der Lipid- und Proteinfraktion und wird zäh”, heißt es in einem Artikel im Branchenblatt “Fleischwirtschaft” (6/2009). Sogar eine “massive Erhöhung der gesundheitlich als schädlich bekannten Cholesteroloxide” stellten die Wissenschaftler fest, also die Bildung von “anerkannt toxischen Substanzen mit diversen biologischen Wirkungen, speziell auch im Zusammenhang mit degenerativen Erkrankungsgeschehen, wie Arteriosklerose oder auch Krebs”. (…)

Dazu gibt es ein ausführliches „Hintergrundpapier: Fleischmarkt unterm Sauerstoffzelt“ (pdf-Format).

In der Rubrik Abgespeist ist foodwatch den dreisten Werbelügen der Industrie auf der Spur. Jüngste Enthüllung: „Nimm2 und der Trick mit den Vitaminen – der vielleicht längste Etikettenschwindel der Welt“:

Der Schwindel: „Wertvolle Vitamine“, die den Vitaminhaushalt „wirksam“ ergänzen, stecken laut Storck in nimm2, dazu „Fruchtsaft“ und „Traubenzucker“. Andere nimm2-Produkte wie die „Lachgummis“ werden mit dem Slogan „Lachen ist gesund“ beworben – rundum suggeriert Storck also, nimm2 seien im Vergleich zu anderen Süßigkeiten die bessere und gesündere Wahl.

Die Wahrheit: nimm2-Produkte sind nicht besser oder gesünder als andere Süßigkeiten. „Fruchtsaft“ ist nur in winzigen Mengen enthalten und Traubenzucker hat gegenüber anderem Zucker keinen Vorteil. Der künstliche Vitamincocktail in den Bonbons ist außerdem nicht nur sinnlos, sondern höchst problematisch. Denn Kinder bekommen vermittelt, dass Süßigkeiten so „wertvoll“ und reich an wichtigen Nährstoffen sein können wie Obst und Gemüse. Doch gerade für Kinder ist eine klare Trennlinie zwischen Süßigkeiten und anderen Lebensmitteln außerordentlich wichtig. Zuckerwerk darf Kindern nicht suggerieren, es sei „wertvoll“ und damit gesund oder unabdingbar. (…)

Und apropos Werbelügen – dazu passt auch dieser schon etwas ältere Artikel/Film von foodwatch – „Was steckt hinter McDonald’s Bauernhof-Idylle?“, in der sie die verlogenen Reklamekampagnen des Fastfood-Konzerns gründlich zerpflücken:

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Aug
30
2010
8

Die Schädlichkeit der Discounter am Beispiel des Wassers (II)

Dass das Trinken von Wasser aus Plastikflaschen ein großer Unfug ist, hatte ich ja neulich schon berichtet (HIER). Wie immer, wenn es darum geht, ein umwelt- und sozialschädliches Verhalten zu propagieren, sind die Discounter natürlich ganz vorne mit dabei. Vor einer Weile waren die negativen Auswirkungen des Einwegpfands ja schon Thema in der NDR-Sendung markt (siehe „Umweltbeslastung durch Discounter-Einweg“), und nun befasste sich das Wirtschaftsmagazin Plusminus ganz speziell mit der Problematik, wie die Marktmacht der Billigläden wieder einmal eine ganze Branche in den Abgrund reißt – „Preiskampf Mineralwasser  – Discounter verdrängen Brunnenbetriebe und Mehrwegflaschen“. In diesem Beitrag wird auch sehr schön das Märchen von den vielen Arbeitsplätzen, die die Discounter angeblich schaffen, widerlegt, denn wie in dem Film bei den kleineren und mittleren Brunnenbetrieben zerstören Aldi, Lidl & Co. in ihrem Umfeld, also bei ihren Zulieferern, massiv das Arbeitsplatzgefüge. Von der Ausrottung einer (regionalen) Angebots-Vielfalt mal ganz zu schweigen.

Die Deutschen sind Weltmeister in Sachen Umweltschutz. Beim Mineralwasser aber scheitern viele, weil beim Pfand keiner mehr durchblickt. Mehrweg oder Einweg? Die Flaschen sehen gleich aus, auf beides zahlen wir Pfand. Nur wer ganz genau hinschaut, erkennt die Flasche mit diesem Zeichen als Einweg. Und nur wo Mehrweg draufsteht, werden die Flaschen wieder verwendet. Ein Pfand-Wirrwarr im Kleingedruckten, das die Discounter geschickt ausnutzen. (…)

(…) Wasser in Einwegflaschen: Das Geschäft mit den Discountern machen Großabfüller wie hier im hessischen Breuna. Kosten für Arbeitsplätze, Logistik und Abfüllanlage haben sie auf ein Minimum reduziert. Wie die Kampfpreise beim Wasser genau zustande kommen, wollen sie Plusminus nicht erzählen. Mittlerweile beliefern fünf Großabfüller fast den gesamten Discountmarkt in Deutschland. (…)

(…) Umwelt hin oder her, auch beim Wasser regiert der Preis. Und da haben die Discounter mit 19 Cent für 1,5 Liter die Kunden längst an der Angel. Billig, praktisch, lecker: Der Verbraucher hat den Umweltgedanken beim Wasser schon längst verloren. Der Preiskampf um das Mineralwasser ist ein Lehrstück über die Marktmacht der Discounter und das Scheitern der Politik in Sachen Umweltschutz.

Offenbar sind viele Leute offenbar so kurzsichtig, nicht zu erkennen, dass Wasser aus dem Wasserhahn (selbst wenn man es filtert) noch viel günstiger (und viel wenige rumweltschädlich) ist als das Discountergesöff…

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Aug
29
2010
3

Lesetipps: Blutdiamanten, Sklavenarbeit im Beerenwald und Bertelsmann

© underdogw, stoch.xchng

Dass die Globalisierung ein Geschäft von oft recht einseitigem Vorteil für einen der Akteure ist – nämlich die westlichen Industrienationen –, ist ja nun nichts Neues. Auch in meinem Blog finden sich viele Hinweise darauf, wie Konzerne das Einkommensgefälle und die unterschiedlichen Ansprüche in den Regionen der Welt gegeneinander ausspielen, um möglichst günstig zu produzieren. Von den Wanderarbeitern, die z.B. in Spanien, oft illegal eingeschleust, unterwegs sind, um dort die Drecksarbeit bei den Gemüse- und Obsternten zu machen, weiß man ja auch schon länger. Neu war für mich, dass es auch im hohen Norden, im so auf sein Sozialwesen stolzen Schweden, solche Zustände gibt – die taz berichtet in „Sklavenarbeit im Beerenwald“, wie Gastarbeiter aus Asien beim Blaubeerpflücken ausgenutzt werden:

In Schweden sind vor allem Gastarbeiter aus Asien für die Ernte zuständig. Sie leiden unter katastrophalen Arbeitsbedingungen. Schwedische Medien werfen Sklaverei vor. (…)

(…) Alle Jahre wieder um diese Zeit füllen sich die schwedischen Zeitungen mit Beerenpflücker-Geschichten. Aus Thailand, Vietnam oder China werden über mehr oder weniger zwielichtige Agenturen mehrere tausend SaisonarbeiterInnen in die nordschwedischen Wälder gelockt. Meterhohe Heidelbeerbüsche, dicht bewachsen mit Beeren so groß wie Weintrauben seien ihnen versprochen worden, erzählt ein 25-jähriger Chinese in gebrochenem Englisch einem Fernsehreporter. Und als sie in Långsjöby ankamen, hätte sich nicht nur das als Märchen erwiesen. Auch die tatsächliche Entlohnung für die Arbeit habe nur ein Bruchteil des Versprochenen betragen. (…)

Vielleicht noch tragischer sind die Kämpfe und Kriege, die in Afrika um reiche Diamantvorkommen geführt werden – um an die wertvollen Klunker zu kommen, wird über Leichen gegangen und Menschen vertrieben, und oft genug werden mit dem durch den Diamanthandel erzielten Gewinn Diktaturen am Laufen gehalten. Nicht ohne Grund nennt man diese Steine deshalb auch „Blutdiamanten“ – der Handel damit ist verpönt, wird aber dennoch weiter geführt. Der Spiegel widmete diesem Thema neulich gleich eine ganze Artikelreihe – „Funkelnde Treibsätze“:

Klein, funkelnd und ungeheuer wertvoll: Diamanten sind begehrte Luxusobjekte. In vielen Abbauregionen werden jedoch mit ihren Verkaufserlösen gewalttätige Konflikte finanziert, die Bevölkerung leidet. Nun droht das Kimberley-Abkommen, das die Finanzierung von Krieg und Terror durch Rohdiamanten stoppen soll, zu scheitern. (…)

(…) Der illegale Diamantenhandel erlebt eine Renaissance: Das Kimberly-Abkommen, das die Finanzierung von Krieg und Terror durch Rohdiamanten stoppen soll, hat nach Ansicht seines Erfinders Ian Smillie versagt. Beobachter berichten bereits von einer Zunahme beim Schmuggel der Steine. (…)

Leider auch ein ewig aktuelles Thema wird sicherlich auch noch für eine ganze Weile die Macht und der Einfluss des Bertelsmann-Konzerns bleiben. Wie ich an anderer Stelle schon mehrfach ausführt („Das Bertelsmann-Imperium“, „Bertelsmann und die Bertelsmann-Stiftung – die schleichende Untergrabung der Demokratie“) wächst hier seit längerem ein besonders mächtiger Mediengigant heran, der es sich zudem auf die Fahne geschrieben hat, die gesamte Gesellschaft in seinem Sinne zu beeinflussen, bis hinein in Studium und Schule. Man muss nicht verschwörungstheoretisch veranlagt sein, um hierin eine Gefahr für die Demokratie und die Gesellschaft zu sehen. Bleib passiv! gibt einen guten Überblick über die Problematik, die der wachsende Einfluss des Konzerns aus Gütersloh für uns alle mit sich bringt – „Bertelsmann – die brandstiftende Feuerwehr“:

Dass das sogenannte »Image« großer Unternehmen und Konzerne keinesfalls ein Abbild der jeweiligen unternehmerischen Wirklichkeit darstellt, sondern meist sogar im völligen Gegensatz zu den eigentlichen Konzernmachenschaften steht, ist ja inzwischen weder neu noch überraschend. Kapital und Einfluss, kurz: Profit ist der Zweck, der die Mittel heiligt. Überspielt wird das Ganze dann mit Unbeflecktheitspropaganda, also der eigenen Imagepflege.So weit, so schlecht. Wirklich abstoßend wird es aber, wenn ein Unternehmen nicht nur Unbescholtenheit vortäuscht, sondern sich sogar den heroischen Anschein des unschätzbaren Wohltäters gibt, der sich um nichts mehr als um das Wohl der Menschen sorgt und dabei insgeheim mit aller Kraft diese grausame Wirklichkeit selbst produziert, die er zu bekämpfen vorgibt. (…)

In der taz hatte sich Thomas Schuler, dessen Buch „Bertelsmann Republik Deutschland“ Anfang August auf den Markt kam, in „Die Methode Bertelsmann“ ebenfalls mit dem umtriebigem Treiben Bertelsmanns und seiner Stiftung befasst:

Die Bertelsmann-Stiftung regiert Deutschland mit. Dabei ist sie undemokratisch und dient als Steuersparmodell. Die Stiftung bestreitet dies. (…)

(…) Die Bertelsmann Stiftung ist auf das Vertrauen der Gesellschaft angewiesen. Glaubwürdigkeit ist ihr höchstes Gut. Weil sie das weiß, sucht sie fortlaufend nach Kooperationen mit dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin. Sie giert danach zu hören, wie sehr sie der Allgemeinheit nutzt. Die Bundespräsidenten Herzog, Rau und Köhler haben es ihr oft und allzu bereitwillig öffentlich bestätigt – ebenso die Kanzler Schröder und Merkel. Natürlich sind einzelne Projekte der Stiftung durchaus gemeinnützig. Aber verfolgt die Stiftung in der Gesamtheit ihrer Projekte und vor allem in ihrer Konstruktion ausschließlich gemeinnützige Zwecke? Ist sie glaubwürdig in ihrem Anspruch und in ihrer Reformarbeit? (…)

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Aug
27
2010
3

The Story of Cosmetics

Es ist soweit – Annie Leonard und ihr Team, die uns schon mit Kurzfilmen wie The Story of Stuff oder The Story of Bottled Water anschaulich und unterhaltsam den Wahnsinn unseres globalisierten Wirtschaftens vor Augen führte, ist wieder da. In The Story of Cosmetics nimmt sie sich diesmal die „Schönheitsindustrie“ vor, die uns mit Hilfe von plärrender Reklame und eigens dafür auf den Markt gebrachten „Beauty“-Magazinen zum Kauf unzähliger, mit Chemie angereicherter Kosmetikprodukte animieren will. Leonard legt das Augenmerk dabei vor allem auf die chemische Zusammensetzung und oft ungeklärte (Un-)Verträglichkeit kombinierter chemischer Stoffe. (Wobei ich es da mit dem Adbusters Magazin halte und den eigentlichen Skandal darin sehe, dass durch die Medien, durch Modelshows und Modemagazine sowie die allgegenwärtige Werbung den Menschen ein krankes und unerreichbares Schönheitsideal vorgesetzt und eingepflanzt wird.)

What a couple of weeks it’s been! More than 200,000 of you have watched the Story of Cosmetics since its launch July 21, and we’ve received an outpouring of support — from cancer survivors, salon workers who’ve been harmed by chemical exposures on the job, green business owners and people around the world who are thanking us for raising the debate about toxic chemicals in the shampoos, deodorants and lotions we rub on our bodies every day.

Um mich nicht den Verdacht einseitiger Propaganda auszusetzen, möchte ich Euch auch „The Story of Cosmetics – The Critique“ nicht vorenthalten, die der eher neoliberal ausgerichtete Politkommentator und Jurist Lee Doren verfasst hat (für den es allerdings offenbar schon „leftist“ ist, sich mit Umweltschutz oder kritsch mit dem Wirtschaftssystem auseinanderzusetzen). Dabei ist es schön zu sehen, dass er sich letztlich der selben manipulativen Mittel bedient, die er Leonards Team vorwirft. So versucht halt jeder seine Sicht der Dinge ins rechte Licht zu rücken… Bei der Kürze der Filme bleibt einem sowieso nicht viel anderes übrig, als die Sachverhalte stark vereinfacht darzustellen. Urteilt selbst, was Ihr in welchem Maße für plausibel haltet.

Falls jemand schwerwiegende Schwächen in einem der beiden Beiträge entdecken sollte – immer her damit!

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Aug
26
2010
3

IKEA – Alter Schwede…

Es gibt so Firmen, denen es gelungen ist, trotz ihrer immensen Größe immer noch das Image eines sympathischen Familienkonzerns zu versprühen und die sich quasi als Kumpel von nebenan profiliert haben. Das schwedische Möbelhaus IKEA ist hier sicherlich das Vorzeigeunternehmen, das für Lockerheit, unkonventionelle Atmosphäre und Reklame steht und „irgendwie einfach anders“ ist. Bzw. hätten die IKEA-Leute es gerne, dass alle Welt ihnen dieses Image abkauft. Leider sieht die Realität wieder einmal etwas anders aus – wie Frontal 21 in „Niedrigsteuern auf Milliardengewinne“ zu berichten weiß. Letztlich funktionieren die Großkonzerne offenbar alle ähnlich, egal ob es sich um Discounter oder andere Firmen handelt – Profite werden irgendwann auch zu Lasten der Gesellschaft generiert und maximiert. Solange es aber legal ist, über ein undurchsichtiges Firmengeflecht Steuerzahlungen zu umgehen oder zu minimieren  (ich erinnere da an die „Stiftungs“struktur von Aldi oder Lidl, die nur der Steuerverschleierung dient), kann man den Unternehmen nicht einmal vorwerfen, dass sie sich rational-wirtschaftlich verhalten. Schließlich geht es in unserer Welt darum, für sich (oder seine Firma) möglichst das Maximum herauszuholen. Traurig…

“Organisierte Steuerflucht” wirft der Wirtschaftsexperte der Gewerkschaft ver.di., Dierk Hirschel, IKEA vor. Nach Recherchen von Frontal21 machte die in den Niederlanden ansässige IKEA-Muttergesellschaft, die Ingka Holding, allein im Jahr 2008 einen Gewinn von 2,28 Milliarden Euro. Der von Firmengründer Ingvar Kamprad kontrollierte Möbelkonzern hat auf diesen Milliarden-Gewinn lediglich 19,3 Prozent Steuern bezahlt. Hier würden massiv Steuerschlupflöcher genutzt, so der ver.di-Experte: “Wenn ordnungsgemäß versteuert würde, müssten zwischen 30 und 35 Prozent gezahlt werden.” (…)

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Aug
25
2010
3

Warnhinweise für bedenklichen Journalismus

Es ist schon merkwürdig – da gibt es für viele Produkte des täglichen Lebens gesetzlich vorgeschriebene Warnungen, die mehr oder (meist) weniger deutlich auf den Waren angebracht werden müssen, nur für ein tagtäglich konsumiertes Massenprodukte existiert so etwas nicht: für die Presse. Gerade dort wäre es aber vonnöten, denn wie oft geschieht es, dass Leser im Unklaren darüber gelassen werden, dass die Quelle eines Artikels eigentlich eine PR-Meldung ist oder der Verlag eine innige Beziehung zu einem Unternehmen unterhält, dessen Produkt es gerade in den Himmel hebt. Dies dachte sich wohl auch Tom Scott, der auf die glorreiche Idee kam, Warnhinweise zu drucken, die er auf besonders bedenkliche Druckerzeugnisse klebt – „Journalism Warning Labels“:

Für alle, die Ähnliches auch hierzulande vor haben und Zeitungs- und Zeitschriftenleser ein wenig ins Grübeln bringen wollen – es existiert auch eine deutsche Version der Aufkleber, erstellt von Robert Harm: http://www.ihrwebprofi.at/journalismus-warnhinweise. (Natürlich muss man darauf achten, Etiketten zu drucken, die sich auch rückstandslos wieder entfernen lassen, um nicht der Sachbeschädigung bezichtigt zu werden.)

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Kommentare: 3 | Aktionen, Lobbyismus, Medien | Schlagwörter:, , , , , |

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