Jan
17
2009

Werbung schadet (3): Ressourcenverschwendung

Nachdem ich im ersten Teil meiner „Aufklärungsserie“ über die Schädlichkeit von Werbung über die Auswirkungen auf die Sprache und im zweiten Teil über die unselige Verquickung von Reklame und Redaktionellem berichtet habe, möchte ich heute – passend zu den grünen Suchmaschinen gestern – kurz auf die negativen Konsequenzen des Werbetreibens für die Umwelt und den Gesamtplaneten eingehen.

Bereits ein einfacher Blick in den eigenen Briefkasten macht uns jeden Tag den Wahnsinn des Reklameterrors deutlich: bei den meisten von uns dürfte dort mehr Werbung als eigentliche Post zu finden sein. Womit der erste, sichtbarste Teil der Ressourcenvergeudung direkt vor uns liegt: die Papier- und Plastikverschwendung. Dazu der Einsatz der ganzen Chemikalien, damit die Flyer und Prospekte so schön bunt sind, sowie die für den Prospektdruck notwendigen Energie. Zudem muss die Post deutlich mehr Kapazitäten bereit stellen (also mehr Volumen transportieren, woraus wiederum ein gesteigerter Treibstoffeinsatz resultiert) als in einer Welt ohne diese Wurfsendungen. (Übrigens, ein Eintrag der eigenen Adresse in sog. Robinsonlisten reduziert unerwünschte Post signifikant und schont somit auch die Umwelt.)

Die Initiative „Mach’s grün“ hat einmal durchgerechnet, was allein der deutsche Prospektmist alles so verschling5: 33 kg an Postwurfsendungen erhält jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr, das ergibt 2.7 Mio gefällte Bäume, um das Werbematerial für ganz Deutschland zu produzieren – was wiederum 1.157 Millionen kWh Strom verbraucht, 455.400 Tonnen CO2 freisetzt und die Verschmutzung von 4,62 Milliarden Litern Wasser mit sich bringt. Unglaubliche Zahlen.

fussgaengerzoneDazu kommt beispielsweise auch die Energieverschleuderung für Werbetafeln und sonstige Leuchtreklame – dagegen treten inzwischen sogar regelrechte Aktivistengruppen ein, wie die französischen Clan du Néon, die nachts durch die Städte ziehen und Neonwerbung einfach ausschalten (siehe auch den Schreibmaschine-Blog). Genauso nutzlos sind auch die von vielen Firmen verteilten kleinen „Werbegeschenke“ (die z.B. Bestellungen bei Versandhäusern beiliegen) – meist billiger Plunder, der entweder sofort weggeschmissen wird, unbenutzt herum liegt oder nach wenigen Anwendungen kaputt geht. Was sich allein hier an Rohstoffen etc. einsparen ließe! Natürlich wird auch im Entstehungsprozess eines Flyers o.ä. so einiges an Ressourcen vergeudet – mindestens schon mal die kreative Energie und die Lebenszeit einer ganzen Reihe von Menschen. Denn statt etwas Sinnvolles zu produzieren, das den Menschen nützt oder sie wenigstens erfreut, werden nur Kampagnen und Anzeigen erdacht, die die meisten von uns in der Regel nerven und die dazu dienen sollen, dass wir noch mehr kaufen und konsumieren. Somit ist Reklame das Schmieröl in dieser wahnwitzigen Maschine des stetig zu steigernden Gewinns und der immer weiter anwachsenden Produktion, die irgendwann zur Katastrophe führen muss – ergo trägt Werbung ganz direkt zur schleichenden Zerstörung der Umwelt und der Gesellschaft bei.

Eine weitere wichtige Ressource, die in rauen Mengen in diesen Apparat gepumpt wird, darf ebenfalls nicht vergessen werden: das Geld! Schätzungen gehen davon aus, dass inzwischen weltweit jedes Jahr die unfassbare Summe von über 400 Milliarden US$ für Reklame ausgegeben wird – bereits ein kleiner Teil davon würde genügen, um viele wirklich wichtige Probleme auf der Erde zu bekämpfen, wie Hunger, Seuchen, Bildungsnotstand etc. Ist es nicht pervers, dass die Verbraucher diese immensen Kosten dann wiederum durch höhere Produktpreise selbst bezahlen, und das, obwohl die meisten Menschen gar nicht mit den perfiden, verlogenen Reklamebotschaften beschallt und bedrängt werden wollen? Somit finanzieren wir – überspitzt formuliert – also unseren eigenen Henker.

Die Werbewirtschaft hat 2001 einen Umsatz von 32 Mrd. Euro und kostet jeden Einwohner Deutschlands einen auf die Produkte aufgeschlagenen Betrag von 400 Euro. Tendenz steigend. [Quelle]

>> Teil 1: Die Versaubeutelung der Sprache
>> Teil 2: Die untrennbare Vermischung von Reklame und Redaktionellem
>> Teil 2b: Medienmanipulation durch Werbeentzug
>> Teil 4: Die Verschandelung des öffentlichen Raums und die Durchkommerzialisierung des Alltags

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2 Kommentare »

  • Melanie Gatzke

    Gut, dass mal jemand über Ressourcenverschwendung schreibt.
    Was wir uns da in unserer “sogenannten “zivilisierten” Welt leisten ist wirklich beachtlich.
    Allein der Werbemüll um mal ein Beispiel zu nennen, umfasst mittlerweile bis zu 100 Seiten pro Woche.Ich habe mir mal die Mühe gemacht das zu zählen.
    Da kommt ein Gratisblatt- Hallo- dann Wochenblatt-
    Darin befinden sich pro Zeitung sage und schreibe 50 Seiten– sprich 25 Blätter voller Werbung- seitenweise Obst-Fleisch-Gemüse-Säfte – Butter Joghurt-Käse-Schokolade kekse, u.s.weiter fotografiert. Muß das sein? Ich weiß doch , wie Salat-Karotten-Gurken- also Gemüse aussieht-oder Kaffee Orangensaft- oder wie Äpfel Bananen, Zitronen u. s. weiter aussehen. Eine Materialverschwendung sondersgleichen.
    Dann kommt das nächste Blatt-Wochenblatt-gratis– der gleiche Berg nochmal drinnen, dann kommt das dritte Blatt–Stadtteilanzeiger–eine ähnliche Größenordnung nochmal geliefert, fast gleiche Werbung-gleicher Inhalt. Die haben wirklich langsam einen Knall weg.
    Dann nimmt man das ganze und trägt es zum Müll.
    Darin befindliche Werbekampanjen sind in einem Ausmaß, dass einem die Wut packt.Eine Seite, mit Aufzählung der Angebotsartikel würde reichen. Dafür holzen wir die Wälder ab. Dafür verbrauchen wir sinnlos Fotomaterial, dafür lassen wir die Druckmaschinen laufen u.s.weiter.
    also auch noch eine gigantzische Energieverschwendung. Multipliziert man das für eine Stadt mit 2 mill. Haushalten, dann kann man die Menge erfassen.
    Dazu kommt noch die Energie für die Entsorgung dieser ganzen Müllpalette.
    Aber alle reden von Energieeinsparung. So sieht es doch überall aus. Ich kann keinen vernünftigen Umgang mit Ressourcen sehen. Was alleine jetzt an Autowerten vernichtet wird, da könnte man auch eine bessere Verwertung finden, als sie einfach zu verschrotten.
    Der Westen ist das verschwenden gewöhnt, er merkt das gar nicht mehr. Was wir als Wohlstand definieren, ist ein Raubzug und eine grenzenlose Verschwendung und hat mit Wohlstand nicht mehr das geringste zu tun.

    Comment | 14. März 2009
  • Steffi

    alles sehr richtig und traurig-leider wird ohne Gesetzesgrundlagen kaum eine Änderung dieser dekadenten Verschwendung erreicht werden können…

    Comment | 7. Mai 2013

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