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Erfolgreicher Kampf gegen die Wasserflaschen

drinking_water_4Es ist doch auch schön, hin und wieder mal Erfreuliches berichten zu können, von Erfolgen nämlich der Bürger gegen die große, allesverwertende und verschlingende Wirtschaftsmaschine. Dieser Tage machte nämlich eine Meldung in der Medienlandschaft die Runde, die für unsere, an die Durchökonomisierung des Daseins gewöhnten Ohren und Augen, geradezu sensationell klingt. Das kleine australische Städtchen Bandanoon hat den Verkauf von Wasser in Flaschen verboten. Hintergrund dieser Aktion: ein internationaler Konzern plante, das Wasser des Ortes in Flaschen zu füllen, um es anschließend wieder in Bandanoon und dem restlichen Australien zu verkaufen. Statt dieses Irrsinns haben die Bürger beschlossen, dass das Wasser nun kostenlos abgegeben wird – wer einen Behälter mitbringt, kann sich dieses an mehreren Stellen im Ort gratis abfüllen. Dem leider ja auch hierzulande üblichen Quatsch, Trinkwasser aus aller Herren Länder über den Globus zu karren und in (Plastik-)Flaschen für horrende Summen weiterzuverkaufen, wurde damit sogleich, haha, das Wasser abgegraben. Die Stadtoberen sehen darin einen Schritt zum Umweltschutz (da der unsinnige Transport wegfällt) und auch zur regionalen Selbstversorgung. Ein Beispiel, das hoffentlich Schule macht, damit Kraken wie Nestlé (Vittel, San Pellegrino, Perrier) oder Coca Cola (Bonaqua) mit ihren Plänen, sich das Wasser der Welt unter den Nagel zu reißen, in ihre Schranken verwiesen werden. [Dass das Trinken aus Plastikflaschen auch gesundheitlich alles andere als unbedenklich ist, hatte ich ja HIER schon mal thematisiert.] Sicherlich werden jetzt einige FDP-Jünger, die ja gegen jegliche staatlichen Interventionen und für den angeblich „freien“ Markt sind, aufjaulen, allerdings muss man hier sehen, dass die Bürger ja selbst dafür gestimmt haben, es sich also um keine von oben herab verordnete Entscheidung wie bei dem unseligen Glühbirnenverbot handelt. Dass die Interessen der Menschen über die der Konzerne gestellt werden, geschieht schließlich selten genug.

Hier ein kleiner Blick ins Medienecho:

Gegen den Klimawandel: Kleinstadt verbietet Faschenwasser“ taz

Laut Kingston überlegen Gemeinden aus aller Welt, dem Beispiel zu folgen. “Wir haben Anrufe aus Schweden, Deutschland, der Schweiz.” Die Getränkehersteller sind dagegen erbost. “Sie werfen uns vor, wir würden die Leute zwingen, Süßgetränke zu kaufen.” Für Kingston unverständlich: “Wir geben das Wasser ja ab – wenn auch kostenlos. Und die Süßgetränke werden von genau diesen Firmen hergestellt.”

Australische Stadt verbannt Wasserflaschen“ und „Bandanoons Kampf gegen die Wasserpulle“ N24

Für die Flaschenwasserindustrie in Australien war es am Mittwoch die zweite Niederlage innerhalb weniger Stunden. Zuvor hatte der Regierungschef des Staates New South Wales es allen Behörden verboten, in Flaschen abgefülltes Wasser zu kaufen. Er nannte es eine Verschwendung von Ressourcen.

Klimaschutz extrem: Gemeinde verbietet Verkauf von Wasserflaschen!“ Blick.ch

Dies führte in dem Ort zu einem wahren Proteststurm, im Juli dann stimmten die Bürger für ein Verbot der Wasserflaschen. Mit seiner Idee wollte Dee die Menschen dazu anregen, über die Klimabelastungen durch die Produktion und den Transport von Plastikflaschen nachzudenken.

Der engagierte Umweltschützer, der sich mit seiner Organisation «Do Something» (Tu ´was) unter anderem auch für ein Verbot von Plakstiktüten in Tasmanien stark machte, hofft nun auf Nachahmer. Bereits der Bürgerentscheid sei weltweit auf Interesse gestossen, sagt er.

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Den Ausstieg aus dem Ausstieg verhindern!

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Nach der absolvierten Bundestagswahl gilt es, die schlimmsten Konsequenzen von Schwarz-Gelb zu verhindern oder doch zumindest zu bremsen. Die Internetaktivistenplattform Campact! hat derzeit eine neue Kampagne gestartet, in der es darum geht, den von CDU & FDP angepeilten Ausstieg aus dem Atomausstieg bzw. die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke (die, seien wir ehrlich, doch ausschließlich den Gewinnen der großen Energiekonzerne zugute kommt und nicht etwa zu niedrigeren Stromkosten führt) zu vermeiden. Also bitte alle mitmachen (>> HIER) – das geht schnell und einfach und unkompliziert, und je höher die Zahl der Unterzeichner, desto stärker auch das damit gesendete Signal. Man muss es zumindest versuchen, auch wenn man ja schon bei der E-Petition zu diesen Kinderpornographiesperren gesehen hat, wieviel sich „die Politik“ um die Wünsche der Bürger kümmert – nämlich gar nicht…

Zum Thema passt auch die aktuelle Meldung aus der Süddeutschen Zeitung: „Schavan hält angeblich brisante Atomstudie zurück“:

Ein bislang unbekanntes Gutachten könnte die Debatte um die Kernkraft in Deutschland neu befeuern. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hält laut einem Zeitungsbericht seit zwölf Wochen ein brisantes Gutachten zur Atomenergie unter Verschluss, das sie selbst in Auftrag gegeben hat.

Nach Angaben der Financial Times Deutschland regen in der Studie rund hundert Forscher unter anderem den Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland an.

Außerdem werben sie dafür, an anderen Standorten als Gorleben nach atomaren Endlagern zu suchen. Schavan, die als Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gilt, seien die Atom-Empfehlungen offenbar zu heikel.

Ergänzung: Statt nur auf die Politik zu warten, kann natürlich jeder auch von sich aus schon einen Teil zum Atomausstieg beitragen – indem er den Stromanbieter wechselt und die vier großen Konzerne mit ihren Ablegern wie Entega oder e wie einfach hinter sich lässt. Mehr Infos dazu gibt es, wie ich schon mal berichtete, auf www.atomausstieg-selber-machen.de.

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Panopti: Die schöne neue Welt der Überwachung

Schon eine ganze Weile, bevor die Piratenpartei die Themen Datenschutz und Überwachung auf die Tagesordnung hob, machte sich der Designer Johannes Widmer im Jahre 2007 daran, mit dem interaktiven Animations-Projekt panopti.com eine sehr anschauliche Darstellung dessen zu geben, was uns im normalen Alltag bereits so an Überwachungstechnik begegnet; oft ohne es zu ahnen. Tatsächlich berichtete damals sogar der Spiegel darüber und fand viele lobende Worte für Widmers aufklärende Website. Wer also schon immer mal hinter die Kulissen schauen wollte und wissen möchte, wie weit unser Alltag inzwischen durchdrungen ist (bzw. sein könnte) von solchen technischen „Errungenschaften“, sollte unbedingt einen Blick darauf werfen. Einen kleinen Auszug daraus (natürlich nicht interaktiv wie panopti) kann man sich auch bei YouTube anschauen:

Die Sache mit dem Frosch hatte ich ja schon mal in meinem Blog, aber manches darf man sich ruhig öfter anschauen:

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Vieles von dem, was Werbetreibende tun, ist eine Verletzung der Privatsphäre

empty_signDas Thema (Anti-)Werbung bzw. der Widerstand gegen die um sich greifende Kommerzialisierung unseres kompletten Lebens ist ja bekanntlich eines der Kernthemen meines Blogs und beschäftigt mich ohnehin schon seit vielen Jahren. Und so freue ich mich, wenn ich in den Weiten des Netzes auf immer mehr Hinweise darauf stoße, dass dieses Problem des ausufernden Marketings – das auch in direkter Wechselwirkung steht zum ewigen Wachstumszwang der Wirtschaft, das unserem System zugrunde liegt – weltweit nach und nach ins Bewusstsein sickert. So fand ich neulich einen Artikel aus dem Jahre 2004, der in der amerikanischen Werber-Zeitschrift Advertising Age veröffentlicht wurde: Much of what advertisers are doing is an invasion of privacy – immerhin tauchen solch kritische Gedanken damit auch in Marketingkreisen (vereinzelt) auf. Wie gewohnt übersetze ich den Artikel für Euch, da ich ihn für sehr nett halte, auch wenn er sich in seiner Wortwahl etc. halt direkt an Marketingtreibende – die Leser dieses Magazins – richtet und deswegen z.B. den generellen Sinn von Reklame, also die Ankurbelung von (unnötigem) Konsum, nicht in Frage stellt.


Vieles von dem, was Werbetreibende tun, ist eine Verletzung der Privatsphäre
Warum die öffentliche Stimmung gegen rücksichtslos bedrängendes Marketing immer weiter steigt
Advertising Age 26. April 2004, Gary Ruskin

Gary Ruskin ist der Leiter der Non-Profit-Organisation Commercial Alert. Die in Portland beheimatete Gruppe zur Beobachtung/Überwachung von Marketing wurde 1998 von Ruskin und dem Verbraucherschützer Ralph Nader gegründet.
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In den USA und quer über den gesamten Erdball gibt es eine Vielzahl von Anzeichen einer wachsenden Revolte gegen die Werbeindustrie. Umfragen zeigen eine steigende Ablehnung dieser Industrie und ihrer aggressiven Taktiken. Einer neuen Umfrage von Yankelovich Partners zufolge sagen 65% der Amerikaner, dass sie „permanent mit zu viel Werbung bombardiert werden”; 61% denken, dass die Menge an Werbung und Marketing, der sie ausgesetzt sind, „außer Kontrolle geraten ist“; 60% berichten, dass ihre Einstellungen zur Reklame „erheblich negativer sind als noch einige Jahre zuvor“.

Öffentliche Proteste

Als Antwort auf die Abscheu der Fans darüber, dass San Francisco die Namensrechte an seinem Baseballstadion verkauft hatte, beschloss der Stadtrat, es wieder in Candlestick Park zurück zu benennen, womit es das erste Profistadion ist, das seinen alten Namen aufgrund von Protesten zurückerhält. In Denver war Bürgermeister John Hickenhooper der führende Gegner der Entscheidung, die Namensrechte des Mile High-Stadiums zu verkaufen. Das Platzieren von Werbung auf der Kleidung und den Helmen der Baseballprofis löste in diesem Monat eine Flut an negativen Berichterstattungen sowie einen Brief eines US-Senators und ein New York-Times-Editorial aus.

Werbetreibende werden in Massen aus den Schulen verbannt. Channel One, der Serviceanbieter für Werbung in Schulen, wurde letztes Schuljahr aus Nashville entfernt und wird demnächst aus Seattle herausgeworfen. Neue Beschränkungen für Reklame oder Verkauf von Soft Drinks und Junkfood in Schulen wurde z.B. in Kalifornien, Texas, New York City und Philadelphia beschlossen.

Mächtige Gegner

Dies sind nur einige Beispiele, ich könnte noch viele mehr anführen. Fakt ist, dass die Werbeindustrie sich eine gewaltige Gruppe an Gegnern heranzüchtet. Es täte der Industrie gut, darüber nachzudenken, warum dies geschieht. Der Hauptgrund, vermute ich, ist, dass diese Industrie keine Grenzen oder Beschränkungen anerkennt. Es gibt praktisch keinen Ort, an dem die Werber keine Reklame platzieren würden. Viele Amerikaner akzeptieren Werbung zwar als einen Teil des „Lebensspektakels“, aber die Werbeindustrie scheint in einer Todesspirale aus mangelndem Respekt zu stecken. In ihrem verzweifelten Kampf, die Aufmerksamkeit von potentiellen Kunden zu erhaschen, erfindet die Industrie praktisch jede Woche eine neue aufdringliche Methode – bis die Bürger alle in den Wahnsinn getrieben werden durch die ganzen Plakate, Product Placements, Spamfaxe, Pop-Up-Fenster und den ganzen anderen Kram.

Was den Spruch „Der Kunde ist König“ angeht – nun, niemand belästigt einen wirklichen König.

Mangel an Respekt

Die implizite Botschaft, die die Werber aussenden, ist eine komplette Ignoranz in Bezug auf unsere Zeit, unsere Privatsphäre, unseren klaren Kopf („peace of mind“) und nicht zuletzt in Bezug auf unsere Sorge um unsere Kinder, „Deine Aufmerksamkeit gehört mir“, sagt die Industrie indirekt. „Wir widmen uns ihr die ganze Zeit.“ Dieser implizite Mangel an Respekt vor den Konsumenten beginnt die expliziten Botschaften zu überlagern, die jeder Werbetreibende rüberzubringen versucht.

Der Mangel an Respekt dieser Industrie wird deutlich in der Verbreitung von aufgezwungener Werbung. Wenn Reklame beliebt wäre, wieso zwingt uns die Industrie dann, sie zu sehen? Aber sie tut es; die Industrie macht sich die „gefangenen“ Zuschauer in u.a. Schulen, Universitäten, Kinos, Flughäfen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Tankstellen und Arztpraxen zunutze. Noch schlimmer ist die Missachtung der Industrie für unsere Gesundheit und die unserer Kinder. Amerikanische Kinder leiden unter einer Vielzahl von mit Marketing zusammenhängenden Krankheiten, so wie Fettleibigkeit und Typ 2-Diabetes, während Millionen von Kindern durch die Werbung für Zigaretten sterben werden, wenn sie älter sind. Dennoch verneint die Industrie jegliche Verantwortung für die nachlassende Gesundheit unserer Jugend und die Aussicht, dass unsere Kinder eine kürzere Lebensspanne haben werden als wir.

Weltweit hat die Werbeindustrie eine mächtige Gegenreaktion in Bezug auf ihren Einfluss auf die öffentliche Gesundheit ausgelöst. Letztes Jahr hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die „Framework Convention on Tobacco Control“ beschlossen, die Werbung für Tabakprodukte in den Ländern verbietet, deren Verfassung sie erlauben. Hunderte Gesundheitsorganisationen, Wissenschaftler und Politiker auf der ganzen Welt haben sich für den Vorschlag eines weltweiten Verbots von Werbung für ungesunde Nahrung, die sich an Kinder & Jugendliche richtet, ausgesprochen

Korrumpierung bürgerlicher Einrichtungen

Und dann ist da die Korrumpierung öffentlicher Einrichtung, wie Stadtverwaltungen, Schulen und Polizei. Coca-Cola hat einen Marketing-Vertrag mit Huntington Beach und East Lansing geschlossen, während PepsiCo Verträge mit San Diego und Fresno hat. Die Schulen sind gespickt mit Werbung. Genauso wie unsere Postämter. Eine Firma hat sogar versucht, Reklame auf Polizeiautos durchzusetzen. Unsere öffentlichen Einrichtungen sehen immer mehr wie der kommerzielle Pfand in einer Banenenrepublik aus.

Wir Amerikaner sind ein toleranter Haufen, aber es gibt eine Grenze für das Maß an Ärger und Beleidigung, die wir hinnehmen.

Fazit: wenn Ihr Geringschätzung für uns Bürger habt, so haben wir für Euch ebenfalls nur Verachtung. Das Resultat dieser gegenseitigen Missachtung wird in Gerichten und Gesetzgebungen in den nächsten Jahrzehnten entschieden werden, aber die wachsende Aufdringlichkeit und Unbeliebtheit der Werbeindustrie lässt keine großen Hoffnungen auf deren Überlebenschancen aufkommen.

Gegenseitige Missachtung ist schlecht fürs Geschäft. Aber sie könnte zurückgedreht werden. Ihr könntet mit ein wenig Selbst-Beschränkung beginnen.

Richtlinienentscheidungen

Dieses Land hungert nach Entscheidungen für strengere Richtlinien im Werbebereich. Wenn Werber im allgemeinen Lärm auffallen wollen, sollten sie kommerzielles „unerlaubtes Betreten“ beenden. Sorgt dafür, dass Ihr uns respektiert, und unsere öffentlichen Einrichtungen, unsere Kinder, nichtkommerzielle Kultur, Gesundheit und öffentliche Plätze. Dann handelt entsprechend. Dies würde Werbung weniger belästigend und vermutlich auch effektiver machen.

Wenn Ihr keine Verantwortung für Euer eigenes Tun übernehmt, seid nicht überrascht, wenn die Bürger Linderung verlangen. Zum Beispiel: Maßnahmen dagegen, dass jemand dazu gezwungen wird, Reklame zu schauen; das Verbot von Anzeigen, die die Verbreitung von Marketing-bezogenen Krankheiten fördern; keine Werbung für Kinder unter 12 Jahren; und keine Verwandlung von Verwaltungen, Schulen und öffentlichen Plätzen in Werbeflächen.

Es ist besser für die Industrie, freiwillig zu handeln. Ansonsten werden verärgerte Bürger nach langem Gerichtsstreit sich von der kommerziellen Beschallung befreien und sie durch das Recht, in Ruhe gelassen zu werden, ersetzen.

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Deutsche Universitäten beginnen, sich gegen den Einfluss von Bertelsmann zu wehren

uni-siDas ist doch mal eine erfreuliche Meldung – der Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften der Uni Siegen gab vor einigen Tagen bekannt, sich nicht mehr am CHE-Hochschul-Ranking zu beteiligen. Damit setzt sich der Trend fort, dass immer mehr Universitäten, u.a. auch in der Schweiz und in Österreich, an diesem federführend von der Bertelsmann Stiftung getragenen Ranking, nicht mehr teilnehmen. Bemerkenswert ist dabei die Stellungnahme des Fachbereichs, in der explizit auch auf Bertelsmann eingegangen wird (Hervorhebung von mir):

Am 1. Juli 2009 hat der Fachbereichsrat des Fachbereichs 3 (Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften) der Universität Siegen beschlossen, sich mit seinen Fächern künftig nicht mehr am Ranking des von der Firma Bertelsmann gegründeten CHE (Centrum für Hochschulentwicklung gGmbH) zu beteiligen.

Die Gründe für diese Entscheidung sind:

  • Die Leistungen eines Faches in Forschung und Lehre lassen sich nicht à la Aktienkurse oder Bundesligatabellen darstellen. Das Profil und damit die Qualität einzelner Fächer differenziert sich nämlich horizontal statt vertikal: mit den in Forschung und Lehre jeweils gewählten inhaltlichen Akzenten. Die besondere Attraktivität der Siegener Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften liegt genau darin.
  • Die geforderten Daten durch Fächer, Fachbereich und Verwaltung – für das CHE kostenlos – bereitzustellen, bedeutet einen erheblichen Aufwand. Das bindet Ressourcen, die anderweitig, nämlich für die tatsächliche Verbesserung von Forschung und Lehre dringend benötigt werden.
  • Da es viele Zweifel an den Methoden und Kriterien des CHE-Ranking und an der willkürlichen Auswahl von Vergleichsparametern gibt, macht es wenig Sinn, hier weiter zu investieren.
  • Ständiges Messen, Testen, Ranken im Bildungswesen führt dazu, dass ›gute Messergebnisse‹ als Handlungsziel von Bildungsinstitutionen überbewertet werden. Das ist alles andere als funktional. Es gibt aber dem rankenden Privatunternehmen die Möglichkeit, das öffentliche Bildungswesen faktisch zu steuern und es demokratischer Kontrolle zu entziehen.
  • Das Ranking erzeugt, was es zu messen vorgibt: Ungleichheit zwischen den Hochschulen. Das Ranking fördert die Entkopplung von Forschung und Lehre und trägt damit zur Demontage der traditionellen Stärken des deutschen Hochschulsystems bei.

Aus diesen und weiteren Gründen haben sich nicht nur Österreich und die Schweiz bereits im letzten Jahr aus dem CHE-Ranking verabschiedet. Auch in den USA, dem Ursprungsland des Ranking von Bildungsinstitutionen, verweigern sich gerade gute Hochschulen dem Ranking durch finanziell interessierte Akteure und wirtschaftsnahe Organisationen. Auch in Deutschland nimmt die Bereitschaft zur Teilnahme am CHE-Ranking ab, zuletzt hat sich die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Kiel daraus verabschiedet (vgl. Forschung und Lehre 7/2009). An der Universität Siegen haben die Fachbereiche 2 und 8 entsprechend entschieden.

Dass wir den Vergleich mit anderen Hochschulen nicht scheuen, versteht sich. Wir entscheiden uns in keiner Weise gegen den Wettbewerb, vielmehr gegen den wachsenden Einfluss der Firma Bertelsmann und anderer Wirtschaftsverbände auf die Bewertung von Forschung und Lehre.

Wie gut wir sind, davon kann sich jede(r) ein eigenes Bild machen: in unseren Lehrveranstaltungen, auf unserer Homepage, auf den Homepages unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an unseren Forschungsergebnissen, in unseren Publikationen.

Bravo, kann man da nur sagen! Hoffentlich folgen noch viele andere Hochschulen diesem Beispiel.

bild-7„Bertelsmann, was soll an denen denn so schlimm sein, sind das nicht die netten Onkel mit dem Buchclub?“, fragt sich nun vielleicht der eine oder andere, der mit der Matiere bisher noch nicht so vertraut ist. Nun, dazu empfehle ich neben meinen älteren Beiträgen „Das Bertelsmann-Imperium“ und „Bertelsmann und die Bertelsmann-Stifung – die schleichende Untergrabung der Demokratie“ auch diese aktuelle Sendung der Initiative Freie-Radios.net: „Medienmacht & Arbeitsweise der Bertelsmann-Stiftung“ (mp3) [via]

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Madrider Adbusting: Cruzada antipublicitaria

Der Kampf gegen die Aufdringlichkeit von Werbung und der Penetranz der Reklame findet schon seit längerem nicht nur in dem besonders betroffenen anglo-amerikanischen Raum, in dem der Begriff „Adbusting“ schließlich geprägt wurde, statt sondern mittlerweile fast weltweit. Neuestes Beispiel – eine schöne Aktion in Madrid, bei der eine Gruppe von Culture Jammern insgesamt 32 Plakate an einer Einfallsstraße der Stadt bearbeitet hat. Mit einer im Grunde einfachen Idee, nämlich dem Aus-X-en der Werbebotschaft, wird ein, wie ich finde, sehr interessanter Effekt erzeugt – plötzlich fällt dem Betrachterauge wieder auf, womit es normalerweise jeden Tag ungefragt bedrängt wird, und bereits dieses schlichte Durchstreichen sorgt für ein mentales Aufatmen. Ich frage mich allerdings, wie die das wohl praktisch hinbekommen haben, da die Tafeln teils doch recht hoch angebracht sind – Respekt vor so viel Einsatz! [via Escrito en la pared und Alberto de Pedro]

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Die Yes Men planen den nächsten Coup

the-yes-man-150x150Die wohl bekanntesten Culture Jammer, die amerikanischen Yes Men, die in den letzten Jahren schon für so manchen Coup verantwortlich zeichneten (u.a. ihr Fake der NY Times), planen nun den nächsten Schlag gegen die großen Konzerne und ihre Handlanger in den Regierungen. Anlässlich des Weltklimagipfels in Kopenhagen im September soll es wieder eine spektakuläre Aktion geben, die hoffentlich auch für ein gewisses mediales Aufsehen sorgt. Ich leite Euch hier mal den offenen Brief der Yes Men weiter, inkl. Unterstützungsaufruf:

———————

Dear Friend,

We have some really stupid, really big plans for September, and we need
your help to make them come true.

Last summer, we asked you to help us print 100,000 copies of a “special
edition” New York Times, to be published just after Obama’s election and
set eight months in the future (July 4, 2009). You responded with
$15,000, and the paper made worldwide headlines – real ones:
http://www.ng.ru/world/2008-11-13/100_nyt.html?mthree=1
http://deser.pl/deser/1,83453,5917595,Dowcip___Falszywy___New_York_Times__oglasza_koniec.html
http://www.pcmag.com/article2/0,2817,2335607,00.asp

July 4, 2009 has now come and gone (http://www.nytimes-se.com/). A few
CEOs have had their salaries capped, Guantanamo is being closed, and
there’s a movement to prosecute the Bush regime for their war crimes.
But sadly, the paper’s most important predictions haven’t come true.
Worst of all, climate change isn’t being addressed in any serious way,
which is getting a lot of people really alarmed.

Five months from now, in Copenhagen, the world’s leaders will have the
chance to stop this mother of all runaway trains from taking us all off
the mother of all really big cliffs (http://www.sealthedeal2009.org/).
For a whole lot of reasons, it’s up to the U.S. to show how it’s done.
If we can do that, a lot of the other predictions in our “special
edition” will also come true.

Unfortunately, we’re showing no signs of doing that:
http://www.foe.org/global-warming,
http://www.greenpeace.org/usa/press-center/releases2/greenpeace-opposes-waxman-mark

So a lot of groups are planning actions this fall to show government
what we need it to do:
http://www.BeyondTalk.net/, http://www.350.org/, http://tcktcktck.org/,
etc.

As for us Yes Men, we have a very stupid three-part plan to publicly
ridicule our stupidest leaders. It’ll involve lots of stitching,
hammering, and risking arrest – which is fine, as we’ve assembled a
crack team of daredevil seamstresses. But unfortunately, it’s also going
to cost money.

If you can help with this side of things, please click here:
http://theyesmen.org/donate/now. For a donation of $50 or more we’ll
send you some copies of the “special edition” New York Times, along with
(while supplies last) the fake International Herald Tribune from last
month (http://www.iht-se.com/), the one that launched
http://BeyondTalk.net/.

Or, if you’d like to chip in over $500, we can consider it a loan, and
we’ll pay you back in the spring from revenues we hope come in from our
movie, hitting theaters in October: http://theyesmenfixtheworld.com.
For that, please write to us:
mailto:people@theyesmen.org?subject=Investment%20in%20action

Also, if you live in New York and know how to sew, please let us know by
clicking “costume design” on your profile and typing “sewing.” And if
you don’t mind getting arrested for a good cause, please sign up here:
http://BeyondTalk.net.

Please help as you can! If nothing else, it’ll be really funny. But it
could be a whole lot more too.

As worried as you are,
The Yes Men

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Hacktivisten – Rebellen im Internet

Der Fernsehsender arte befasste sich im Jahre 2002 mit dem Thema des „Cyber-Aktivismus“, also dem Widerstand gegen Ungerechtigkeit und herrschende Zustände via Internet und Computer – „Hacktivisten – Rebellen im Internet“. In Zeiten von Zensursula und den nun beschlossenen Internetsperren ist dies natürlich aktueller denn je und stellt zudem einen Kampf um den Erhalt von Bürgerrechten und freiheitlicher Demokratie dar. [via dokumentarfilm24] Die Reportage ist deshalb interessant, denke ich, weil man einen Einblick in den „digitalen Untergrund“ erhält. Besonders nett fand ich ja die Aktion, wie die Firma etoys u.a. durch „Hacktivisten“ in den Ruin getrieben wurde, hehe.

Das Filmteam von arte ist im April 2001 dabei, als die Protestveranstaltungen beim Wirtschaftsgipfel in Quebec vorbereitet werden. Doch neben den spektakulären Bildern dieser gewalttätigen Straßenproteste zeichnet sich ein anderer Krieg ab, in dem die Waffen ‘Maus’ und ‘Modem’ heißen: Tausende von Internetbenutzern bereiten in aller Stille eine Online-Protestaktion vor, mit der die offizielle Website der Veranstaltung lahmgelegt werden soll. Das Motto der Aktion “Die Maus ist stärker als der Schlagstock.” Anhand der Porträts einiger der führenden Köpfe der Hacktivisten-Szene liefert diese Doku Einblicke in das Innenleben dieser im Verborgenen arbeitenden Organisation, Bilder aus dem Zentrum des Cyber-Aktivismus. Die Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, in einer vollständig auf Handel und Wirtschaft ausgerichteten globalisierten Welt Unruhe zu stiften und ihren eigenen Zukunftsentwurf, geprägt von einem gewissen zivilen, politischen und informationsmedialen Widerstand, zu gestalten.

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Nochmal Subversion – Wir sind doch nicht blöd!

Ich hatte neulich schon das Magazin Malmoe vorgestellt, das im Mai den Themenschwerpunkt „Subversion“ hatte. In die gleiche Kerbe schlug auch die Mai-Ausgabe des „Popkultur und Gegenwart“-Magazin Umag. Unter dem Titel Wir sind doch nicht blöd taucht die Autorin ein wenig ein in das schillernde und weite Feld von Subversion, Widerstand gegen die Kommerzkultur und Reklame.

Subversiv kann vieles sein: Street Art, politische Aktionen, gefakte Werbung und sogar Klauen. Aber die 150 Graffiti-Tags in Reih und Glied, die gerade im Pariser Grand Palais ausgestellt werden, sind es nicht – weil eigens fürs Museum gesprayte und noch dazu genormte Tags die ursprüngliche Funktion der Street Art, nämlich die Aneignung von öffentlichem Raum, verloren haben. Subversion hängt nicht im Museum, sondern sie rüttelt auf und unterwandert Herrschaftsverhältnisse und Normen, um eine gesellschaftliche Weiterentwicklung zu erreichen. Nichts davon passiert, wenn Widerstandformen in den Händen von Marketingstrategen oder in einer Ausstellung landen. Was noch lange nicht heißt, dass es vorbei ist mit der Rebellion: Widerstand ist möglich – wenn er sich ständig neu erfindet und kapitalistische Mechanismen nicht nur entlarvt, sondern auch kreativ aneignet.

megainfarktDass auch mein Blog in der Linkliste zum Thema empfohlen wird, ist natürlich nicht der Grund, den Artikel zu erwähnen :-) – sondern vielmehr, dass ich in dem Beitrag neben schon bekannten Aktionen wie dem Guerilla Gardening (dem heimlichen und illegalen Wiederbegrünen von brachen oder hässlichen Flächen in der Stadt) durchaus auf einige Facetten aufmerksam wurde, von deren Existenz ich bislang nichts wusste. So beispielsweise das Projekt der Gruppe Mega Infarkt, das mit der widerwärtigen MediaMarkt-Reklame arbeitet und diese in ihr Gegenteil verkehrt (siehe dieses pdf):

Unter dem Slogan “Lasst euch nicht verarschen, ihr bestimmt den Preis” machen sie Werbung fürs Klauen – oder um es in ihren Worten zusagen: Sie plädieren für Ladendiebstahl als persönliche Armutsbekämpfungsstrategie, den rückwärtslaufenden Stromzähler als ausgleichende soziale Gerechtigkeit und die Schutzehe für Bleiberecht.

(…) Bei der Messe werden die Mitglieder von Mega Infarkt versuchen, Ungerechtigkeiten im Alltag der Besucher aufzuspüren und gemeinsam Gegenmittel zu entwickeln. Denn Subversion bleibt wirkungslos, wenn sie nicht im täglichen Leben der Menschen passiert. Weil jeder einzelne von uns bestimmt, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft verändert. Und zwar jeden Tag aufs Neue.

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Kunst statt Reklame bzw. Weißheit statt Werbung

Widerstand gegen Reklame, vor allem gegen diejenige in öffentlichen Räumen, wächst glücklicherweise, und dies vor allem in den Gegenden der Welt, die besonders durch den Werbeterror heimgesucht werden wie die USA. Dort fand Ende April eine tolle Aktion von ca. 80 Künstlern und Helfern statt, die in New York 120 Plakatwände weiß übertünchten, einige mit Street Art versahen und einen gefälschten Warnhinweis für die kommerziellen Plakatierer hinterließen, dass die Stadt New York Werbung an diesen Stellen nun für illegal erklärt. Vier der Aktivisten wurden verhaftet, d.h. die ganze Aktion war nicht ungefährlich, aber sehr beeindruckend, wie man auch an unten stehendem Video sehen kann. [via] Organisiert wurde dieses sog. The New York Street Advertising Takeover (NSYAT) vom Groundswell Collective, einer Gruppe, die laut eigener Aussage an der Schnittstelle zwischen Kunst und Aktionismus/Widerstand arbeitet.

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