… wurde mein Konsumpf-Blog zwar noch nicht, aber zumindest wurde er für die Blog-Awards The BOBs im Bereich „Best Weblog Deutsch“ der Deutschen Welle nominiert, zu meiner eigenen Überraschung. Bis zum 14. April dürfen die User noch über ihre Favoriten abstimmen – und zwar unter diesem Link. Wer also mein kleines Projekt ein wenig unterstützen möchte… :-) Ansonsten gibt es auch einige andere Kandidaten, die stimmwürdig sind, vor allem natürlich Bleib Passiv, aber auch FIXMBR!, Ad Sinistram und der „Platzhirsch“ NachDenkSeiten, die vermutlich das Rennen machen werden…
Kategorie: Internet Seite 9 von 12
Die WDR-Sendung markt brachte am Montag einen interessanten Beitrag über unser aller angegriffene Privatsphäre im Internet, die vor allem Datenkraken wie Google bedrohen, aber auch viele Benutzer selbst, indem sie auf sozialen Netzwerken bereitwillig private Informationen freigeben. „Google – Big Brother im Internet?“ fragt der Bericht und zeigt Erschreckendes, das mir in dem Umfang auch noch nicht komplett bekannt war.
(…) Das Internet bietet einen fast unbegrenzten Zugriff auf Informationen. Wer sie nutzt, verrät aber zunehmend auch Informationen über sich selbst. Vor allem der Suchmaschinenanbieter Google, der mittlerweile neben der reinen Suchfunktion verschiedenste Dienste anbietet, hat das Sammeln von Informationen über seine Nutzer zur Perfektion entwickelt. Wer seine Privatsphäre schützen und sich vor digitalen Nachstellungen schützen will, muss das Internet mit Bedacht nutzen. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch andere Onlinedienste und Suchmaschinenbetreiber speichern Daten. Google betreibt zwar die – soweit bekannt – größte Datensammlung, aber ganz sicher nicht die einzige. (…)
(…) Die Bilderkennung Googles – derzeit noch in der Pilotphase – funktioniert bislang nur mit Handys, in denen Googles Betriebssystem Android steckt. Der Nutzer fotografiert ein beliebiges Produkt und lädt es auf den Google-Server. Der erkennt es und liefert die entsprechenden Suchergebnisse. Wer etwa die Weinflasche fotografiert, die ein Gastgeber gerade serviert hat, kann so von Google erfahren, was diese Weinflasche kostet und wo sie gerade im Sonderangebot zu haben ist. Das klingt vergleichsweise harmlos. Doch diese Technik ist auch für die Gesichtserkennung fertig entwickelt. Wer die neueste Version von Googles Fotoverwaltungssoftware Picasa herunterlädt, kann die Gesichtserkennung schon testen. Sobald der Nutzer zu einem Gesicht einen Namen eingegeben hat, findet die Software jedes Foto, auf dem dieses Gesicht zu sehen ist. Diese Technologie lässt sich problemlos auch auf alle im Internet vorhandenen Fotos anwenden: Zu einer Person, deren Foto bei Google hochgeladen wurde, findet Google dann jedes andere im Internet vorhandene Foto, auf dem diese Person zu sehen ist – oder auch jede andere Information, die zu dieser Person im Internet zu finden ist. Dass dadurch Persönlichkeitsrechte verletzt werden können, ist auch Google aufgefallen. Deshalb wird dieser Dienst für Onlinebilder noch nicht angeboten. Doch auch wenn der führende Suchmaschinenbetreiber diese Technik dauerhaft in der Schublade hält, wird sie früher oder später sicher von einem anderen Anbieter genutzt werden. (…)
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Nein, keine Angst, ich will jetzt nicht auch noch in die allgemeine, medial geschürte iPad-Euphorie einstimmen. Tatsächlich habe ich sogar extra ein wenig gewartet, bis ich mich an das Thema heranwagte, obwohl der Rummel um Apples neues Spielzeug ein Musterbeispiel dafür ist, wie Markenfetischismus und Marketing heutzutage funktionieren und somit ein fast schon prädestiniertes Thema für den Konsumpf darstellt. Auch das NDR-Medienmagazin ZAPP schilderte, wie unkritisch in den Medien über Apples neues iPad berichtet und damit Reklame gemacht wurde – sogar in den Tagesthemen wurde man über die Produktvorstellung informiert…!
Nicht alle springen jedoch auf den Jubelzug auf, denn mittlerweile hat Apple das Image, das sie in früheren Jahrzehnten (nicht ganz zu Unrecht) hatten – als querdenkende, fast schon rebellische Underdogs –, doch abgelegt und ist im Massenmarkt angekommen. Und bedient sich nun auch der gleichen Methoden, wie sie im kapitalistischen Verdrängungswettbewerb üblich sind und wie man sie früher dem „Erzfeind“ Micro$oft berechtigterweise vorhielt. Wiederum ZAPP zeigte letzte Woche die dunklen Seiten dieser Entwicklung auf, dass Apple (und andere privatwirtschaftliche Unternehmen) die neuen Vertriebswege bestimmen – „Verlage: Der Pakt mit Apple“:
(…) Zeitungen, Magazine, Fernsehsender: Alle großen deutschen Zeitungen bringen spezielle Inhalte auf das iPhone oder planen sie wenigstens. Täglich laden sich 10 Millionen Apple-Kunden diese Miniprogramme herunter – ein gigantischer neuer Medienmarkt. Stolz werben die Macher für ihr neues Angebot. Auch der “Stern” ist von Anfang an dabei. Es scheint so einfach für den Nutzer und für den “Stern”. Bis Apple das Angebot eines Tages plötzlich löscht. Christian Hasselbring, Geschäftsführer von Stern.de, erklärt: “Wir haben keinerlei Benachrichtigung oder Vorwarnung oder so bekommen, sondern stellten dann plötzlich über unsern technischen Dienstleister fest, dass die App im Store nicht mehr verfügbar war.” In ihrem Werbefilm für die “Stern”-App heißt es: “Überzeugen sie sich”. Zwei Wochen lang ist das unmöglich. Apple sperrt das “Stern”-Angebot, die Begründung auf Nachfrage des Magazins: Bilder wie das Bild einer italienischen Politikerin mit entblößten Brüsten seien unangemessen. (…)
Auch auf Macnotes.de wird in „AOL-Revival, der Tod der URL und Apples Rolle“ Nachdenkliches geschrieben:
(…) Statt einer “Universalmaschine Browser” werden dem User eine ganze Batterie von “Spezalmaschinen” präsentiert, die alle auf ihre Art den Medienzugriff möglichst beschränken. Der universale Zugriff auf Webinhalte wird einerseits immer mehr versteckt, andererseits scheint er immer weniger gewünscht. Zudem fallen die lästigen Begleiterscheinungen des “Standardbrowsers” – Möglichkeit für lokale Kopien, Quelltextansicht etc. – auf der App-Ebene in der Regel weg. (…)
Der Hype um die Apps befördert diesen Trend natürlich aufs effektivste und verschafft ihm eine technisch passende Plattform – denn in einer App ist ohnehin in der Regel nur der Content des Anbieters. Die “App-Metapher” auf dem Desktop tut ihr Übriges – unter der App-Auswahl eines iPhone oder iPod ist “das Web” nur eine (visuell gleichberechtigte) Wahl unter anderen. Und natürlich weckte Apple mit iPhone, iPad und Co. die Begehrlichkeiten all jener, die bereits vor der Jahrtausendwende angesichts des kostenlosen Contents im Web die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Eine zweite Chance, bei der man den Fehler vermeiden möchte, freien und kostenlosen Zugang zu Inhalten zum Standard zu machen? (…)
Noch schärfer formuliert es Georg Erber in Readers Edition – „Apples iPad – ein weiterer Schritt zur Kommerzialisierung des Internet“:
(…) Mit dem iPad plant er daher sehr viel mehr als nur mittels eines Jumbo-iPods einen Nischenmarkt zu befriedigen. Apple will über die volle Breite multimedialer Inhalte durch eine Integration mit den eigenen Vertriebsplattformen ein weltweites Internet-Imperium in Konkurrenz zu Firmen wie Google aufbauen. Mithin ist der iPad ein erster Schritt zu einer disruptiven Innovation in einen entstehenden multimedialen mobilen Breitbandinternetmarkt. Der iPad ist nur der sichtbare Ausdruck für eine sehr viel komplexere Markterschließungsstrategie. Man sollte daher ein waches Auge auf die nächsten Schritte von Steve Jobs und Apple in diesem Bereich haben.
Und, abschließend noch der Artikel „Apples Angriff auf den offenen Computer“ in Bits of Freedom:
(…) Solche geschlossenen Plattformen sind langfristig eine Gefahr für den Wettbewerb und die Entwicklung neuartiger Programme und Dienste. Wie sähe das Internet heute aus, wenn es in den 90er Jahren ein „AOLPad“ gegeben hätte, das unter der Kontrolle von AOL gestanden hätte? Hätte z.B. jemals so etwas wie Skype Verbreitung gefunden, wenn auf sämtlichen Endgeräten die Telekommunikationsanbieter ein Wort mitgeredet hätten? Apple nutzt seine marktbeherrschende Stellung bei der Hardware, um konkurrierende Plattformen für die Verbreitung digitaler Inhalte zu blockieren. Microsoft ist in Vergangenheit für ein sehr viel weniger wettbewerbswidriges Verhalten mit Kartellverfahren überzogen worden und musste zahlreiche technische Standards offen legen. (…)
Trotz allem benutze ich aber nach wie vor lieber einen Mac als einen Windows-PC. :-)
Der Hype um die Apps befördert diesen Trend natürlich aufs effektivste und verschafft ihm eine technisch passende Plattform – denn in einer App ist ohnehin in der Regel nur der Content des Anbieters. Die “App-Metapher” auf dem Desktop tut ihr Übriges – unter der App-Auswahl eines iPhone oder iPod ist “das Web” nur eine (visuell gleichberechtigte) Wahl unter anderen. Und natürlich weckte Apple mit iPhone, iPad und Co. die Begehrlichkeiten all jener, die bereits vor der Jahrtausendwende angesichts des kostenlosen Contents im Web die Hände über dem Kopf zusammenschlugen. Eine zweite Chance, bei der man den Fehler vermeiden möchte, freien und kostenlosen Zugang zu Inhalten zum Standard zu machen?Im Endeffekt ist das zugrundeliegende Prinzip jedoch dasselbe: Statt einer “Universalmaschine Browser” werden dem User eine ganze Batterie von “Spezalmaschinen” präsentiert, die alle auf ihre Art den Medienzugriff möglichst beschränken. Der universale Zugriff auf Webinhalte wird einerseits immer mehr versteckt, andererseits scheint er immer weniger gewünscht. Zudem fallen die lästigen Begleiterscheinungen des “Standardbrowsers” – Möglichkeit für lokale Kopien, Quelltextansicht etc. – auf der App-Ebene in der Regel weg.
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Es ist eine Weile her, dass ich an dieser Stelle mal ein paar Worte über die Piratenpartei verloren habe, aber eine neue Aktion erscheint mir sehr berichtenswert. Und zwar hat die Schweizer Piratenpartei eine Initiative ins Leben gerufen, in der es um ein in der Öffentlichkeit weitgehend unbekanntes Thema geht, das von den verantwortlichen Staatslenkern auch aus guten Gründen eher im Verborgenen, hinter den Kulissen, durchgezogen werden soll. „Stopp ACTA“ nennt sich die Aktion. Was ist ACTA?
Die Abkürzung «ACTA» steht für das geplante plurilaterale Handelsabkommen «Anti-Counterfeiting Trade Agreement». Die teilnehmenden Nationen bzw. Staatenbünde geben an, damit den Kampf gegen Produktpiraterie verbessern zu wollen. Das angeblich wachsende Problem der Fälschungen und der Piraterie soll mit dem Abkommen besser bekämpft werden können. Die geheimen Verhandlungen laufen seit 2008 und sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die teilnehmenden Parteien sind die Schweiz, die USA, die EU, Kanada, Japan, Korea, Singapur, Australien, Neuseeland, Mexiko, Jordanien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Die österreichische Piratenpartei ergänzt in „ACTA: Befürchtungen der Piratenpartei bestätigen sich“ weitere Infos, um die Brisanz der Thematik zu verdeutlichen:
Vieles rund um ACTA muss seriöser Weise als Spekulation bezeichnet werden. Die geheimen Verhandlungen gestatten es den Verhandlungspartnern, ihre Kritiker als wahlweise als naiv, paranoid oder hysterisch darzustellen. Die EU-Kommission drückt sich in Form von knappen Mitteilungen aus, die jedoch den auftauchenden Puzzlesteinen widersprechen.
Nun wurde via Netzpolitik.org und Computerworld ein Teil des “digital chapter“ bekannt, welches sich mit der Rolle der Internet Service Provider und teilweise auch Digital Rights Management beschäftigt. Auch der EU-Datenschutzbeauftragte Peter Hustinx sah sich durch diese Informationen zu einer drastischen Stellungnahme gezwungen, was den offiziellen Charakter des Dokuments unterstreicht: siehe ORF Futurezone.
Eckpunkte sind die Verantwortung der ISP für die Tätigkeiten ihrer Benutzer. Service Provider werden ermuntert, den Verkehr auf mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht zu überwachen. Die Strafen für die Internetprovider sollen sowohl im Straf- als auch im Zivilrecht verankert werden. Provider sollen bei einer Aufforderung wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzungen durch einen Rechteinhaber sofort Maßnahmen einleiten. Dafür müssen die Staaten auf rechtlicher Ebene Eilverfahren etablieren. Die technischen Details der Maßnahmen wurden im Dokument offen gelassen, jedoch muss ein Provider auf jeden Fall den Zugang zum Internet sperren bzw. bei ihm gespeichertes Material entfernen. Den Benutzern wird die Möglichkeit eingeräumt, den Provider auf einen möglichen Fehler hinzuweisen. Wie sie das machen können und wie weit ihre Rechte dabei gehen, wird offen gelassen. (…)
Auf der stopp-acta-Site kann man eine E-Petition gegen diese am Bürger vorbei geschleusten Entscheidungen unterzeichnen.
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Das Wochenende naht und wie könnte man es besser verbringen als mit der Lektüre einiger interessanter, aufschlussreicher Artikel? Eben. Deshalb empfehle ich hier wieder einige Texte, die mir im Laufe der letzten Tage besonders aufgefallen sind.
Beispielsweise hat Die Zeit den lesenswerten Bericht „Einzelhandel: Sie können nur billig“ veröffentlicht, in dem es – man ahnt es schon – natürlich zum einen um meine speziellen „Freunde“, die Discounter, geht. Zwar werden, wie so oft in den Medien, nur einige der Folgen, die die Billigmasche für die Gesellschaft hat, angesprochen und insbesondere auf die Ausbeutung der Mitarbeiter abgestellt, aber immerhin zeigt der Artikel auch, dass durch den permanenten, durch die Discounter ausgelösten Preiskampf inzwischen auch die anderen Einzelhandelsketten, also Rewe, Edeka etc., voll einsteigen und ebenfalls Preise und Kosten zu drücken beginnen. Ich habe an dieser Stelle ja schon des öfteren gepredigt, die großen Ketten (und allen voran die Discounter) zu meiden; der Artikel bestätigt mich da wieder mal.
(…) Alle wissen um die verheerende Wirkung – und tun es trotzdem immer wieder: Sie senken die Preise. Die mächtigen Chefs der großen Handelskonzerne können es nicht lassen, weil die Deutschen Schnäppchenjäger sind und selbst für gute Lebensmittel angeblich kein Geld übrig haben. Manche Waren werden geradezu verramscht. Doch auch das hat seinen Preis. Den zahlen häufig jene, die in den Läden hinter der Theke stehen, Regale einräumen oder an der Kasse sitzen. Wer im Handel beschäftigt ist, muss mit Lohndrückerei, Schikanen oder Schnüffeleien rechnen. (…)
(…) Ein Mitarbeiter wagte es zu Beginn des Jahres allerdings, vor Gericht zu ziehen. Er war als sogenannte Pauschalkraft bei Netto beschäftigt und fordert eine Lohnnachzahlung. Das Verfahren läuft noch. Textilhändler KiK hat einen solchen Prozess schon hinter sich. Ende März vergangenen Jahres wurde das Unternehmen wegen der Zahlung sittenwidriger Löhne verurteilt. (…)
In einigen weiteren Artikeln zu dieser Problematik legt Die Zeit noch nach, so mit „Billiger geht’s nicht“:
(…) Für die Händler bedeutet das empfindlich schrumpfende Geschäfte. Sie sparen deshalb, wo sie können. Zum einen nutzen die Großen unter den Händlern ihre Nachfragemacht, um Lieferanten zu pressen. So beklagt die Ernährungsindustrie einen Umsatzrückgang von vier Prozent. Das sei der stärkste Einbruch seit Bestehen der Bundesrepublik gewesen, so die Hersteller. Die Entwicklung hat nichts damit zu tun, dass die Verbraucher weniger essen und trinken. Mengenmäßig sind die Produktion und der Absatz von Lebensmitteln und Getränken nämlich konstant geblieben. Die Konsumenten zahlten einfach nur weniger für die Nahrungsmittel.
Gespart wird aber auch woanders. Selbst wenn man in vielen Läden inzwischen vergeblich nach Beratung sucht, zählt der Einzelhandel nach wie vor zu den personalintensiven Branchen. Was liegt da näher, als den Kostenfaktor Mensch zu reduzieren. Wie das geht, hat gerade die Drogeriemarktkette Schlecker vorgemacht: Verkäuferinnen entlassen und über eine Leiharbeitsfirma wieder einstellen. Zu viel geringerem Gehalt natürlich, Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden bei der Gelegenheit gestrichen. Wer das nicht akzeptiert, dem droht Hartz IV. Zwar wird immer wieder behauptet, dass Schlecker ein Einzelfall sei. Seltsam ist nur, dass es keine hinreichenden Zahlen über den Einsatz von Leiharbeitern im Einzelhandel gibt. (…)
Und in „Gericht begrenzt Expansionsdrang der Discounter“ wird darüber berichtet, dass der Widerstand gegen diese Entwicklung auch von politischer und juristischer Seite zumindest sporadisch vorhanden ist:
(…) In Köln befindet sich rund 500 Meter vom anvisierten Standort entfernt eine Ansammlung von Geschäften und Dienstleistern, die bisher die Versorgung der Anwohner sicherten. Die Stadt befürchtete den Niedergang des gesamten Nahversorgungsbereiches, wenn der Discounter mit knapp 700 Quadratmeter Fläche dazukäme. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diese Auffassung. (…)
Apropos Überwachung – die neuen Internetdienste wie Facebook erweisen sich ja als grandiose Datensammler. Nicht nur das, was die User bereitwillig in Massen von sich preisgeben, kursiert durchs Netz, nein, Facebook weiß noch viel mehr von unsereins, selbst wenn man gar keinen Facebook-Account hat. Die FAZ schreibt in „Soziale Netzwerke: Facebook weiß alles über uns“:
Wer Facebook nutzt, schenkt dem Unternehmen hinter dem sozialen Netzwerk viele private Informationen über sich. Und wer es nicht nutzt, behält seine Informationen für sich – könnte man meinen. Dass die Realität inzwischen anders aussieht, belegen immer mehr Erfahrungsberichte von Nichtmitgliedern, die sich von Facebook seltsam durchleuchtet fühlen. (…)
(…) Hendrik Speck, Professor für Digitale Medien an der FH Kaiserslautern, findet das sehr problematisch, aber ganz und gar nicht überraschend. „Facebook hat sich darauf spezialisiert, solche Verknüpfungen auszuwerten“, sagt er. Dabei mache es sich die Naivität und Faulheit derjenigen zunutze, die nur die Vorteile allumfassender Synchronisierung sähen. Gerade die „weichen Faktoren“, über die sich die Menschen definierten – wie Vorlieben und Kontakte –, seien für Facebook bares Geld wert und würden mit Hilfe von Algorithmen eingesammelt, „egal, ob der Betroffene seine Einwilligung gibt oder nicht“. Daraus macht Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kein Geheimnis: Erst im Januar sagte er in einem Interview, Privatsphäre sei nicht mehr zeitgemäß. Mit deutschen Datenschutzgesetzen kann man dem kaum beikommen – für das amerikanische Unternehmen Facebook gelten sie nicht. (…)
Der wohl wichtigste und tiefgreifendste Artikel wird diese Woche von Egon W. Kreutzer in seinem neuesten Paukenschlag geliefert – er analysiert die derzeitige Situation der Gesellschaft in Deutschland und stellt die Frage „Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle: Wann stehen die Deutschen auf?“. Kreutzer entwirft – basierend auf Naomi Kleins Schock-Strategien, drei mögliche Szenarien für die zukünftige Entwicklung im Land, die allesamt nicht übermäßig rosig, zum Teil auch sehr gefährlich klingen. Unbedingt lesen, auch die dazugehörige Diskussion!
(…) Die organisatorische Basis, die eine Revolte braucht, um wirkungsvoll und erfolgreich agieren zu können, ist also bundesweit nicht vorhanden.
Doch ist anzunehmen, dass sie bereits im Entstehen ist.
Wir werden, so meine Prognose, mit der Zunahme des Drucks im Kessel eine Entwicklung erleben, die auch in Deutschland nach dem Vorbildern in Nordirland, im Baskenland, in Kurdistan und Palästina, ein Zwitterwesen – halb offizielle Partei, halb Kampftruppe im Untergrund – hervorbringt, das sich – anders als die “Alten Kameraden”, ohne Rassismus, ohne Führerkult, ohne jede Anlehnung an das Dritte Reich, offen – und in verdeckten Aktionen – für die Wahrnehmung nationaler Interessen gegen die Übermacht der Global Player und für den Wiederaufbau des Sozialstaats einsetzen wird.
Massive Unterstützung aus der breiten Masse der Bevölkerung wird es dann geben, wenn die Kaufkraft der Hartz-IV-Empfänger nicht mehr ausreicht, um das Körpergewicht zu halten – und sich – neben den rund 10 Millionen Menschen, die heute schon zum Prekariat gezählt werden müssen, weitere 10 bis 15 Millionen in wirtschaftlichen Verhältnissen wiederfinden, die trotz fleißiger Arbeit kein menschenwürdiges Leben mehr ermöglichen.
Wenn die Bundesregierung dabei bleibt, die vollkommen unsinnige, neu ins Grundgesetz geschriebene Schuldenbremse und die EU-Vorgaben zur Neuverschuldung einzuhalten, ohne gleichzeitig die Steuern auf Kapitaleinkünfte und Vermögen und den Spitzensatz der Einkommensteuer massiv zu erhöhen, wofür es derzeit keinerlei Anzeichen gibt, wird dieser Zustand 2012 zwangsläufig erreicht und 2013 zu gewalttätigen Auseinandersetzung in ganz Deutschland führen.
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Als vor längerer Zeit auf das Utopia-Portal stieß, fand ich die Grundidee, nämlich Menschen mit kritischem Bewusstsein und ökologischer Grundeinstellung zusammenzuführen, ihnen eine Web 2.0-Plattform zu bieten, auf der sie sich austauschen könnten, wo man über Sünden von Konzernen, aber auch positive Beispiele erfahren sollte, eigentlich prima. Wurde ja auch Zeit, dass die wachsende Zahl kritisch-politischer Konsumenten sich auf diese Weise vernetzt. Obwohl ich mich gleich angemeldet hatte, ließ meine Utopia-Aktivität durchaus zu wünschen übrig und diese Community geriet bei mir wieder ein wenig in Vergessenheit – allerdings nicht sehr lange, denn alsbald erreichten mich die E-Mail-Newsletter, in denen immer öfter unglaubliche Kooperationen mit Konzernen wie Schummelstromanbieter Entega (gehört teilweise zu E.ON!) oder der Deutschen Telekom bejubelt wurden und der Fokus also ganz eindeutig vermehrt auf die krampfhafte Begrünung des Konsums gelegt wurde. Hier ging es mitnichten mehr um wirkliche Änderungen der Strukturen, die die ganzen Msisstände zwangsläufig produzieren, sondern nur ums Beruhigen des Gewissens und darum, auch Großkonzernen die Gelegenheit zu geben, sich grünzuwaschen. Natürlich gibt es nachwievor auch viele gute Ideen und Projekte dort zu finden, das ist klar, nur ist mir persönlich das Ganze inzwischen doch vom ganzen Drumherum her zu LOHAS-esk.
Dass ich mit meiner kritischen Meinung nicht alleine dastehe, zeigen nicht nur diverse Diskussionen in der Blogosphäre, sondern auch der Utopia Watchblog von Andre Henze, den ich Euch als heutigen Surftipp empfehlen möchte. In seinem Blog befasst er sich mit den vielen Dingen, die bei Utopia inzwischen komplett schief laufen und zeigt auf, wo die Widersprüche dieser Community liegen und wie sich das dahinterstehende Unternehmen (die Utopia AG (!)) unangemessen aufführt, wenn es um Kritik an ihrer Firmenpolitik geht.
So wird in „Da freut sich der Ökokapitalist“ das Utopia-Top 10-Ranking der „10 größten Abnehmer von Bio-Baumwolle“ seziert und deutlich gemacht, dass viele der Konzerne, die dort auftauchen, vielleicht beim Anbau der Baumwolle etwas weniger zerstören, als bei rein industriellem Baumwollanbau, aber hinterher wird das meiste dann doch mit ordentlich Chemie zugekleistert, und faire Arbeitsbedingungen o.ä. sind gar nicht erst in dieses dubiose Ranking eingeflossen (aus gutem Grund, man will ja keine potentiellen Werbepartner verprellen (sag ich mal so frech)):
(…) Wal-Mart, laut utopistischer Bestenliste auf Platz 1. der Biobaumwoll-Käufer, bezahlt z.B. keine Überstunden und sackt so »hunderte von Millionen Dollar jährlich« zusätzlich ein. Mithin hat man sich nach Sammelklagen auf einen 650-Millionen-Dollar-Vergleich eingelassen, aus Angst das mit dem diesjährigen Regierungswechsel alles noch teurer für den Ausbeuter werden könnte.
Von den 6000 Angestellten arbeiten 4800 in chinesischen Zulieferbetrieben, unter gefängnisähnliche Bedingungen.
Neuigkeiten über Wal-Mart lassen sich bei Labour-Net nachlesen.C&A, der Zweitplatzierte, ist auch kein Saubermann. »Ausbeutung, sexuelle Belästigung und andere Missstände in Zulieferbetrieben« heißt es zusammenfassend im Neuen Schwarzbuch Markenfirmen und wird im Buch im Detail ausgeführt.
Der dritte im Utopia-Ranking, Nike, hat dermaßen viel Dreck am Stecken, dass gleich mehrere Organisationen ein Auge auf den Konzern haben. Als Einstieg darf der Abschnitt »Kritik« bei Wikipedia gelten.
Natürlich versucht Nike sich reinzuwaschen und hat sich u.a. bei der Initiative The Girl Effect eingekauft. Eine Replik auf die Ernsthaftigkeit derartiger Avancen kannst Du im Nike-Watch-Blog von Oxfam lesen Nike loves girls? Realy?.
(Derweil muss ich Verluste feststellen, www.sweatshopwatch.org scheint offline gegangen zu sein. Nach dem, noch existenten My-Space Profil zu urteilen, sogar schon vor zwei Jahren!)
Dass Nike nur handelt, wenn man der Firma ordentlich den Hintern versohlt und die Handlung dann weit hinter dem Erwarteten und Notwendigem zurückbleibt, kannst Du bei Fashioncheck im Nike-Artikel im Abschnitt »Violations of labour rights and public conflicts« nachlesen.H&M beutet aus, billigt Missstände und engagiert sich mit Lippenbekenntnis. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls, wenn man die kurzen Beiträge Kritik und Kontroversen auf Wikipedia ließt und mit dem Neuen Schwarzbuch Markenfirmen abgleicht. Eigentlich ist man schon gewillt sich zu bessern, bloß kosten darf es nichts. Das scheinheilige Marketing arbeitet schneller als die Produktion. Man wird bei vielen Organisationen Mitglied, nur die Lebensumstände z.B. der ArbeiterInnen in China wollen sich einfach nicht bessern.
Noch 2007 berichtete ein Schwedischer Fernsehsender darüber wie Hennes & Mauritz von Kinderarbeit profitiert.
Der Artikel Bekleidung hautnah (auf OneWorld, etwa aus dem Jahr 2006) beschreibt die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in Bangladesch recht eindrücklich, und dürfte leider weitestgehend aktuell sein. (…)
Schon allein das Auftauchen von Konzernen wie Nike oder Wal-Mart auf so einer Liste, die dem unbedarften Betrachter ja vermutlich schon suggerieren soll, dass hier „irgendwie ökologisch korrekte Klamotten“ angeboten werden, führt das Ganze natürlich ad absurdum.
Schade, dass der Utopia-Watchblog keinen RSS-Feed besitzt, das würde es noch etwas bequemer machen, dort regelmäßig vorbeizuschauen, denn das scharfe Auge des Autors ist, wie man an obigem Beitrag schon sieht, nicht nur auf Utopias Gebaren gerichtet, sondern auch auf viele andere Fehlentwicklungen in der globalisierten Wirtschafts- und Konsumwelt.
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Was kommt heraus, wenn man den modernistischen Web 2.0-Trend, jede Facette seines Lebens voyeuristisch im Netz zu dokumentieren (Facebook, Myspace) und jede noch so belanglose Nichtigkeit in die Welt zu tröten (Twitter) mit dem uralten Bedürfnis des Menschen, das, was er hat, zur Schau zu stellen, sich also über seinen Konsum zu definieren, kombiniert? Etwas vollkommen Sinnloses und Beknacktes? Stimmt. Und es hat sogar einen Namen: Blippy. Dieser neue, an Twitter erinnernde „Dienst“ ermöglicht es den Teilnehmern, die ganze Bekanntschaft und auch das restliche Web quasi in Echtzeit, live und in Farbe an den eigenen Kaufvorgängen teilhaben zu lassen. Oder in den Worten des Anbieters:
A fun and easy way to see and discuss the things people are buying.
Wo genau jetzt der „fun“ sein soll, dass alle sehen können, für welchen Mist ich gerade mein Geld aus dem Fenster geworfen habe, erschließt sich mir leider nicht, aber die Tatsache, dass sich derzeit tatsächlich schon Benutzer bei Blippy tummeln, spricht dafür, dass keine Idee bescheuert genug sein kann, dass nicht noch Leute darauf anspringen. Der De-Branding-Blog schreibt in „Image-Konsum 2.0 und weiter“ passenderweise:
Konsum mag identitätsstiftend sein, aber vor allem dient er der Pflege des eigenen Image – doch nur, wenn die Anderen auch wahrnehmen, was ich konsumiere! Denn alles was ich sichtbar konsumiere verweist auf bestehende Images (von Marken, Lifestyles, etc.). Die Verlagerung des Konsums in’s Virtuelle verlangt neue Formen des sichtbar machens von Image-Referenzen. Nirgendwo werden Referenzen so explizit gesetzt, wie im Web: ich bin “Follower von…”, “Freund von…”, “Fan von…”, ich habe Lieblingslisten bei eCommerce-Anbietern, Links auf Social-Bookmark-Plattformen, etc. etc. Nur mein Konsum verbleibt im Netz wenig sichtbar. Man kann gespannt sein, was da noch so kommen wird. (…)
Auch im Heise-Artikel „Shopping-Porno“ wird kritisch zu Blippy Stellung genommen:
(…) Sharing ist doch die neue Tugend des Netzzeitalters, wieder mehr Gemeinschaftsgeist undsoweiter. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen bei Blippy ist unter “Information Sharing” zu lesen, dass man sich die Möglichkeit vorbehalte, verschiedene Dinge mit “vertrauenswürdigen Dritten” zu teilen, etwa für Direktmarketing-Kampagnen. Der Nutzer erklärt sich damit einverstanden, dass auch seine persönlichen Daten “im notwendigen Maß” mit diesen Dritten geteilt werden.
“Diese Leute”, sagt die Datenschützerin und Bürgerrechtlerin Rena Tangens, “dürfen sich nicht beschweren, wenn etwas Schlimmes mit ihren Daten passiert”. Mit anderen Worten: Wer sich auf einen Service wie Blippy einlässt, verdient kein Mitleid.
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Nein nein, keine Angst, ich bin nicht verrückt geworden und es steht auch niemand von der Lidlaldi-Mafia mit gezogener und entsicherter Waffe im Anschlag hinter mir – mein heutiger Surftipp ist keine von den unseligen Websites, bei denen es sich darum dreht, irgendwelchen Technik-Plunder möglichst billig kaufen und verkonsumieren zu können. Bei dem spannenden österreichischen Projekt Der Knauserer, das bereits 1999 von Michaela Brötz ins Leben gerufen wurde und sich im Laufe der Zeit eine große Beliebtheit erarbeitet hat, geht es vielmehr darum, Tipps für ein einfacheres Leben mit weniger Konsum zu geben (Freunde der knackigen Marketingschubladen bezeichnen dies sicherlich als LOVOS-Segment) und Kritik an unserer Verschwendungsgesellschaft zu üben. In den Worten von Michaela:
Nicht nur zu Weihnachten häufen sich die Klagen über Konsumterror, Werbebombardement, Schuldenfalle und Lohnsklavenarbeit. Das vom momentanen Turbokapitalismus amerikanischer Prägung vorgeschlagene Modell von Karriere und Konsum läßt viele am Sinn des Lebens zweifeln. Der Mensch wird zum Konsumenten degradiert, der sich nur ja nicht die Frage “Brauche ich das alles wirklich” stellen darf.
Das System zeigt mehr und mehr seine Schattenseiten. Viele bleiben auf der Strecke und müssen neidvoll anerkennen: Wer Geld hat, schafft an. Nicht nur in der Wirtschaft sondern auch in Belangen der Moral und Politik. Ehrenwerte Berufe wie Hausfrau, Mutter oder das Ehrenamt werden angesicht der Tatsache, dass sie kein Geld einbringen, zu mehr MISSachteten als GEachteten Tätigkeiten.Dennoch mangelt es der modernen Welt an wahren Alternativen zur aktuellen Lage des Konsumwahnsinns. Vielleicht ist aber gerade das Eindämmen des eigenen Konsums eine Lösung, die wenigstens die vielen häßlichen Gesichter der Konsumgesellschaft etwas entzerren kann.
So wird beispielsweise monatlich ein E-Mail-Newsletter mit verschiedenen grundlegenden Beiträgen wie auch Tricks für Ernährung etc. gegeben. Im neuesten Newsletter gibt es beispielswiese einen Einblick in Betrand Russells Buch „Lob des Müßiggangs“ mit seiner auch nach fast 100 Jahren erstaunlich aktuell klingenden Kritik an der Arbeitsgesellschaft:
“Ich möchte jedoch jetzt in vollem Ernst erklären, dass in der heutigen Welt sehr viel Unheil entsteht aus dem Glauben an den überragenden Wert der Arbeit an sich, und dass der Weg zu Glück und Wohlfahrt in einer organisierten Arbeitseinschränkung zu sehen ist.”
Und so orakelt er 1932 sehr zynisch und leider treffend: “Da es keinerlei zentrale Produktionskontrolle gibt, produzieren wir haufenweise Dinge, die gar nicht gebraucht weden. Wir halten einen hohen Prozentsatz der arbeitsfähigen Bevölkerung unbeschäftigt, denn wir könnten auf ihre Arbeit verzichten,indem wir die anderen Überstunden machen lassen. Wenn all diese Methoden sich als unzulänglich erweisen, haben wir immer noch den Krieg.”
Oder es wird das Projekt 2010 „Einen Monat lang kein Geld für … ausgeben“ angeregt – jeden Monat wird ein Artikel vorgeschlagen, auf dessen Kauf man einen Monat lang verzichten soll; eine Herausforderung für jeden Konsumbürger, der es gewohnt ist, sich heutzutage alles sofort zu kaufen, wenn es ihm in den Sinn kommt – egal wie unsinnig das Produkt auch sein mag.
Die auf der Website unter dem Motto „Weniger ist mehr“ aufgeführten Punkte kann ich so unterschreiben und sie gelten ja quasi auch seit jeher als Grundtenor für meinen Blog:
- Weniger Konsumgüter zu kaufen, heißt weniger Müll zu produzieren.
- Weniger Schnäppchen kaufen, heißt mehr Geld für qualitativ hochwertige Waren übrig zu haben.
- Weniger vorgefertige Lebensmittel zu vertilgen, heißt mehr BIO für seinen einen Körper.
- Weniger Shopping und Konsum heißt mehr Zeit für sich und die wahrhaft wichtigen Dinge.
- Weniger dem Geld nachzujagen, heißt mehr Lebensqualität.
- Weniger Sachen zu besitzen, heißt mehr Überblick über sein Leben zu haben.
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Mein guter Vorsatz für 2010? Mal wieder stärker aktivistisch in der realen Welt dort draußen vor der Wohnungstür und jenseits der Datenleitungen tätig werden und nicht nur via Blog und Unsinn des Systems anprangern. Leider bin ich arbeitsbedingt in den letzten Monaten viel zu selten dazu gekommen… Aber der folgende Vortrag „Im Herz der Bestie – Medien hacken“, der auf dem 26. Chaos Communication Congress gehalten wurde, regt mich natürlich wieder etwas an – Euch hoffentlich auch! Es werden einige schöne Beispiele dafür präsentiert, wie vor allem das Internet unsereins die Möglichkeit eröffnet, dem Mainstreammedienmaelstrom etwas entgegenzusetzen, was Kommunikationsguerilla ist und wie sie funktioniert – und dass das, was „Werbefritzen und PR-Fuzzis“ machen, wenn sie „virales Marketing“ u.ä. betreiben, halt nichts mit Medienguerilla (sondern bloßem Verkaufen) zu tun hat. (Danke an Michael Wenzl für den Tipp!)
Tatsächlich ist mir im Jahre 2002 mal ein (wenn auch unbeabsichtigter) Coup in dieser Art gelungen, bei dem ich „die Medien“ gefoppt habe – zusammen mit einem Freund schrieb ich damals einen fiktiven Artikel (in der Liste den 5. Artikel von unten auswählen) der als Aprilscherz für eine von mir betreute deutsche (nichtkommerzielle) Mylène Farmer-Fansite gedacht war. Wir gaben einen Ausblick auf das kommende Mylène-Album, das angeblich nur aus Coverversionen in Form von Duetten bestand (etwas, was bei den Fans wenig beliebt war) und dachten uns die abstrusesten Duettpartner und Konstellationen aus, u.a. soll Mylène auch einen Song mit Nirvana aufgenommen haben. Wie erstaunt waren wir, als wir feststellten, dass der Sender SWR3 diesen Artikel für bare Münze nahm und das Duett-Album kurz darauf im Radio ankündigte! Da hatte es sich ausgezahlt, dass die Website über die Jahre als seriöse Quelle galt und der entsprechende Redakteur weitere Recherche wohl für überflüssig hielt, hehe.
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Heute möchte ich Euch als Gastbeitrag einen interessanten Artikel von Jacob Chromy (dem Mann hinter Antipreneur) präsentieren, der ursprünglich im Stadtkulturmagazin P, Ausgabe September 2009, www.p-magazin.net erschienen ist.
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Gutes aus dem Netz
Kinderschänder, Terroristen, Raubkopierer – im Internet tummeln sich angeblich nur noch die Gesetzlosen. Das schreien in letzter Zeit immer wieder die Internetausdrucker (Politiker) und Mainstream-Medien. Höchste Zeit einmal die “guten” Seiten im WWW zu betrachten – denn davon gibt es jede Menge.
Wer Gutes tun will, aber von Spendenständen und “Schlechte Gewissen”-Briefen der Wohltätigkeitsorganisationen genervt ist, kann sich im Netz engagieren. Betterplace.de, helpedia.de und wikando.de sind Webseiten, die das Spendensammeln im Netz revolutionieren wollen.
Im hippen Web 2.0-Look können Nutzer eigene Hilfsprojekte eintragen, mit Hintergrundinformationen versehen und den nötigen Finanzierungsbedarf erklären. User und Spender sehen sofort, wie viel Geld schon gesammelt wurde, wer ihr Geld bekommt und was mit ihren Moneten erreicht wird. Die Nutzer der Spendenportale können sich ähnlich wie auf Social Network Seiten vernetzen und austauschen.
Auf betterplace.de sucht zum Beispiel der Darmstädter Verein “Zündholz – Hilfe zur Selbsthilfe e.V.” für sein Projekt “Kaufhaus der Gelegenheiten” Unterstützung. Der Verein “BBK Darmstadt e.V.” nutzt helpedia.de zum Spenden sammeln. Auf den beschriebenen Hilfsseiten kann man aber nicht nur sein Geld spenden, sondern auch seine Zeit. Denn nicht alle Organisationen oder Projekte suchen nach finanzieller Unterstützung, sondern manchmal auch nach Wissen, Erfahrung und helfenden Händen.
Wer nicht so der Spendertyp ist und eher die “Hilfe zur Selbsthilfe” propagiert, der kann einen Mikrokredit vergeben. Seit der Verleihung des Friedensnobelpreis im Jahr 2006 an Mohammed Yunus und seine Grameen Bank ist diese Form der Entwicklungshilfe weltbekannt. Dabei werden Kleinstkredite von wenigen Dollars an Unternehmer in Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt, die bei keiner “normalen” Bank eine Finanzierung bekämen oder bei Kredithaien Wucherzinsen von 100 Prozent oder mehr berappen müssten.
Auf kiva.org können solche Mikrokredite jetzt auch von Jedermann vergeben werden. Angemeldete Nutzer können Kleinstunternehmern 25 Dollar oder mehr leihen. Die Kreditnehmer stellen sich und ihre Projekte auf der Plattform vor, wie z.B. eine peruanische Bierverkäuferin, die 100 Dollar für einen neuen Kühlschrank brauchte.
Wem die Kohle zum Spenden oder Mikrokredit vergeben fehlt, kann sich dennoch im Netz engagieren. Kampagnenplattformen wie campact.de und greenaction.de bieten Nutzern die Möglichkeit sich online politisch zu äußern oder Mitstreiter für aktiven Umweltschutz zu finden. Mit ein paar Klicks kann man zum Beispiel auf campact.de einen Appell gegen das AKW Krümmel unterzeichnen oder sich gegen Kohlekraftwerke auf greenaction.de aussprechen. Je mehr Unterstützer die Appelle finden, desto größer wird die mediale Aufmerksamkeit und der Druck auf die Politik.
Man kann aber auch direkt den Politikern seine Meinung geigen. Seit 2005 können Netzbürger auch im Web mittels einer öffentlichen Petition auf Missstände und Gesetzeslücken hinweisen oder eine E-Petition mit ihrem Namen unterstützen. Wer binnen drei Wochen 50.000 Bürger zum Mitzeichnen bewegt, darf sein Anliegen persönlich vor dem Petitionsausschuss des Bundestags vortragen und bekommt mediale Aufmerksamkeit für sein Vorhaben. Erfolgreiche E-Petitionen waren “Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” mit mehr als 130.000 Unterstützern oder der “Antrag für ein bedingungsloses Grundeinkommen” mit mehr als 50.000 Mitzeichnern.
Wer von einem Fremden plötzlich in einer Bar einen Drink oder eine Capputchibo spendiert bekommt, sollte nicht gleich das Schlimmste oder Schönste denken. Der oder die Beschenkte könnte in diesem Moment teil eines Spieles werden. Und zwar des ersten “Social Reality Game” der Welt: Akoha. Das aus Kanada stammende Spiel versucht spielerisch Gutes zu tun und verknüpft dabei die Offline- mit der Onlinewelt. Doch wie funktioniert das?
Auf akoha.com kann für fünf Dollar ein Kartenspiel mit 20 so genannten “Missions” bestellt werden. Dieses Kartenset hat einen Code, der mit dem eigenen Akoha-Profil auf der Webseite verknüpft wird. Im Kartenset sind verschiedene Missionen enthalten wie z.B. “Give Someone a Book”, “Donate an Hour of Your Time” oder wie anfänglich erwähnt “Invite Someone for Drinks”. Für jede Mission gibt es “Karma Points”.
Auf jeder Missions-Karte ist ebenfalls ein Code aufgedruckt. Wird die Karte “Invite Someone for Drinks” gespielt und der Beschenkte gibt dann den Karten-Code auf der Akoha-Webseite an, werden dem Kartenbesitzer 175 Karma-Punkte gutgeschrieben. Weitere Details wie Foto, kurze Story oder Lokalisierung auf einer Landkarte geben Extrapunkte.
Der eigentliche Clou: die Karte wechselt nach der Registrierung den Besitzer und kann weiter gespielt werden. Auf der Webseite sieht man dann, wer alles die Karte gespielt und wo auf der Welt jemand auf einen “Drink” eingeladen wurde. Außerdem gibt es auf akoha.com eine Weltkarte mit allen bisherigen Missionen – in Darmstadt wurden schon zehn Karten der Nettigkeiten gespielt.
Wer die vorgegeben Akoha-Missionen nicht so prickelnd findet, der spielt einfach die “Wild Mission Card”. Mit dieser Karte kann mich sich selber eine Aufgabe stellen und sie ausspielen – z.B. den Flohmarkt auf dem Karolinenplatz retten oder einen Artikel für das P-Magazin schreiben. Auch dafür gibt es dann Karma-Punkte.
Auf einen Klick:
Spenden & helfen
http://betterplace.de
http://helpedia.de
http://wikando.de
Mikrokredit vergeben
http://kiva.org/
Appelle unterzeichnen
http://campact.de
http://greenaction.de
https://epetitionen.bundestag.de
Spielerisch Gutes tun
http://akoha.com/
