Aug
09
2010

BP plant neue Bohrung im Mittelmeer

„Aus Schaden wird man klug“, so fabuliert der Volksmund. Dass dies leider nicht immer stimmt, beweist BP gerade auf besonders ignorante Weise – gerade erst hat man im Golf von Mexiko eine Ölkatastrophe unbekannten Ausmaßes zu verantworten, da will der Konzern schon die nächste Tiefseebohrung vornehmen, diesmal im Mittelmeer an der Küste vor Lybien. Unglaublich… Campact ruft dazu auf, diesem Treiben die rote Karte zu zeigen, indem man an ihrer Online-Protestaktion teilnimmt. Also bitte alle mitmachen, um den Wahnsinn zu stoppen! (Und natürlich nie mehr bei Aral tanken, das ist klar.)

Vor rund zwei Wochen gelang es BP endlich, das Bohrloch im Golf von Mexiko zumindest provisorisch zu verschließen. Monatelang demonstrierte der Ölkonzern, wie wenig er Tiefseebohrungen im Griff hat. Doch anstatt hieraus Konsequenzen zu ziehen, will BP bereits in wenigen Wochen die nächste Bohrung starten. Im Mittelmeer, vor der Küste Libyens, will der Öl-Multi in noch größerer Tiefe als am Golf von Mexiko eine neue Ölquelle erschließen.

Gemeinsam können wir die dreisten Pläne von BP durchkreuzen! Das Unternehmen kämpft schon jetzt mit seinem ramponierten Image und wird auf Protest der hiesigen Konsument/innen sehr sensibel reagieren. Schließlich ist BP mit der Marke Aral bundesweit Marktführer beim Betrieb von Tankstellen.

Der Hunger nach neuen Ölquellen hat in den letzten Jahren zu einer enormen Zunahme von Tiefseebohrungen geführt. Dabei existiert für Bohrungen ab 200 Meter Tiefe keine Technik, mit der Störfälle zuverlässig behoben werden könnten. Taucher können hier auf Grund extremen Drucks, völliger Dunkelheit und eiskalten Temperaturen nicht zum Einsatz kommen und die eingesetzten Roboter scheiterten im Golf von Mexiko regelmäßig.

Die Rechte für die Bohrungen in der Mittelmeerbucht Große Syrte hat BP vor drei Jahren von Libyen für 900 Millionen Dollar erworben – die bis dato größte Einzelinvestition in der Geschichte des Konzerns. Doch noch ist offen, ob BP sich wirklich traut, nach der gigantischen Ölpest im Golf von Mexiko die nächste Tiefseebohrung in über 2.000 Meter Tiefe zu starten. Jetzt kommt es auf unseren Protest an!

Verlangen Sie von BP, die Tiefseebohrungen zu unterlassen!

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9 Kommentare »

  • rationalist

    “..gerade erst hat man im Golf von Mexiko eine Ölkatastrophe unbekannten Ausmaßes zu verantworten, da will der Konzern schon die nächste Tiefseebohrung vornehmen”
    Was soll das? Öl wächst nicht auf Bäumen und es ist ist nun
    mal der Job von BP nach Öl zu bohren so wie das viele andere
    auch tun. Wenn jemand sicherheitstechnisch kompetent (und
    sensibilisiert) ist, dann, nach allem vorgefallenen, ist das
    BP. Nicht auszudenken, wenn das einer kleinen Klitsche
    passiert wäre.

    Comment | 9. August 2010
  • Sehr ulkig, fürwahr, dieser Kommentar, ich musste doch fein schmunzeln. BP hat, wenn Du die letzten Jahre verfolgt haben solltest, schon viele Umweltsünden in ihrem Register und keine davon hat den Konzern bisher “sensibilisiert” oder sie “sicherheitstechnisch kompetent” gemacht. Generell sind Tiefseebohrungen aber – unabhängig von dem Konzern, der sie durchführt – eben gefährlich und die Risiken nicht wirklich beherrschbar. Das wenigstens hat die Katastrophe im Golf von Mexiko gezeigt.

    Comment | 9. August 2010
  • rationalist

    Was mir an Deinem Beitrag aufstiess war dieses moralinsaure
    Gutmenschentum, welches, implizit im Namen einer quasireligiösen Macht andere Meinungen/Einschätzungen zu
    tabuisieren sucht (“UmweltSÜNDEN”). Soll BP jetzt ewig in Sack und Asche gehen während andere unbehelligt weiterbohren?
    Dass BP kein “Umweltengel” war weiss ich wohl. Jede
    grössere technische Aktivität ist riskant, und zum Erhalt unserer(relativen) Freiheiten, (die sind u.a. abhängig
    vom energetischen Wirkungsgrad) werden wir auch zukünftig solche benötigen.
    Ob Tiefseebohrungen verboten werden sollten kann ich nicht
    beurteilen, auch da gibt´s gegensätzliche Einschätzungen.
    Die Sicherheiitstechnik ist scheint´s vorhanden; man muss
    sie allerdings auch einsetzen. Da liegt wohl das Problem.

    Comment | 9. August 2010
  • “moralinsaure Gutmenschentum”

    Was auch immer das genau ist…

    “im Namen einer quasireligiösen Macht andere Meinungen/Einschätzungen zu tabuisieren sucht (“UmweltSÜNDEN”)”

    Inwiefern haben Umweltzerstörungen und Naturausbeutung durch BP und andere Firmen etwas mit “anderen Meinungen/Einschätzungen” zu tun? Vermutlich mag es sogar Leute geben, die auch an der Sache im Golf von Mexiko gar nichts Schlimmes finden, klar, aber Sauereien als solche anzusprechen hat nix mit “Tabuisieren Andersdenkender” zu tun.

    “Soll BP jetzt ewig in Sack und Asche gehen”

    Wenn Du mich so direkt fragst: ja. Ich kann es sowieso nicht verstehen, wieso Konzerne, die viel Schaden angerichtet haben (das betrifft ja nicht nur BP sondern viele andere) einfach weitermachen dürfen, statt abgewickelt zu werden.

    “während andere unbehelligt weiterbohren?”

    Nein, wie gesagt, sollte man sowas ganz sein lassen und statt dessen sinnvollere Wirtschafts- und Lebensweisen entwickeln, die nicht auf Ölkonsum basieren.

    Comment | 9. August 2010
  • rationalist

    ““Soll BP jetzt ewig in Sack und Asche gehen”

    Wenn Du mich so direkt fragst: ja. Ich kann es sowieso nicht verstehen, wieso Konzerne, die viel Schaden angerichtet haben (das betrifft ja nicht nur BP sondern viele andere) einfach weitermachen dürfen, statt abgewickelt zu werden.”

    Genau das ist der irrationale Unsinn den ich kritisiere!
    BP war böse, also Rübe ab. BP wird moralisierend als
    Individuum betrachtet; aber ein Unternehmen ist in dieser
    Hinsicht sowas wie die Summe seiner jeweiligen Entscheidungsträger.
    Und ich hoffe: BP wird nach dieser Katastrophe nicht
    mehr die gleiche sein, d.h. die Schuldigen werden
    ausgewechselt sein (o.k., vielleicht etwas naiv…).
    Im Übrigen hat BP kleinlaut beigegeben, muss gewaltig blechen
    und will den Schaden wieder gutmachen (mal sehen…).
    Jedenfalls hat die Welt nichts davon wenn BP abgewickelt
    wird, d.h. von der Konkurrenz (die nach den gleichen
    Profitmaximierungs-Prinzipien arbeitet,bloss mehr Glück
    hatte) aufgekauft wird. Nachher gibts halt weniger,
    dafür noch stärkere Öl-Giganten.

    “Nein, wie gesagt, sollte man sowas ganz sein lassen und statt dessen sinnvollere Wirtschafts- und Lebensweisen entwickeln, die nicht auf Ölkonsum basieren.”
    Das wird noch ein Weilchen dauern. Ist mir auch lieber
    als Ökofaschismus und unausgereifte Konzepte.

    Comment | 9. August 2010
  • “Ökofaschismus”, “Gutmenschentum”… immer diese floskelhaften Anwürfe in solchen Diskussionen, seufz.

    “aber ein Unternehmen ist in dieser Hinsicht sowas wie die Summe seiner jeweiligen Entscheidungsträger.”

    Was dann dazu führt, dass Verantwortlichkeiten gerne von einem zum anderen geschoben werden bzw niemand an dem, was ein Unternehmen so anrichtet, wirklich “Schuld” ist. “Der Sound des Sachzwangs” fällt mir da wieder ein, ein sehr schönes Buch, nebenbei bemerkt… ;-) Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, haben Unternehmen Anfang des letzten Jahrhunderts (in den USA) sowas wie Persönlichkeitsrechte zugesprochen bekommen, was sie in mancherlei Hinsicht aus der Schusslinie nimmt… Davor konnten Unternehmen auch mal abgewickelt werden, wenn sie zuviel Schaden an der Allgemeinheit angerichtet hatten.

    “Und ich hoffe: BP wird nach dieser Katastrophe nicht
    mehr die gleiche sein, d.h. die Schuldigen werden
    ausgewechselt sein (o.k., vielleicht etwas naiv…).”

    Man wird sehen. Da die vorangegangenen Katastrophen, die BP angerichtet hat, den Konzern auch nicht zum Umlenken gebracht haben, sind leise Zweifel zumindest berechtigt. In diesem Falle war der Schaden natürlich um ein Vielfaches größer, so dass der vielleicht eintretende heilsame Effekt auch stärker ist. Da ein Unternehmen aber eben nicht nur aus Einzelpersonen, sondern auch aus festgezurrten Strategien und Strukturen besteht (und zudem in die weltweite Struktur der permanenten Gewinnsteigerung eingebunden ist), hege ich doch gewisse Zweifel daran…

    Comment | 9. August 2010
  • Oller

    Nicht nicht bei Aral tanken sondern ÜBERHAUPT NICHT tanken! Und so weit es geht, Plastik und den ganzen Dreck meiden. Keine Äppel aus China, Chile oder Neuseeland kaufen, wo doch hier genügend wachsen. Usw. usf. Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, dieser ganze Irrsinn wäre Lebensqualität. Und der einzige Weg, den zu beenden und denen das Wasser abzugraben, ist Verzicht auf das, weswegen dieses Zeug überhaupt erst aus der Erde geholt wird.

    Comment | 10. August 2010
  • Ole

    Finde ich super, dass hier trotz des heissen Sommers noch geschrieben wird.

    Comment | 16. August 2010
  • [...] hat BP im Golf von Mexiko einer der größten Umweltkatastrophen aller Zeiten verursacht, da schmieden sie schon neue Pläne. Nun soll im Mittelmeer eine Tiefseebohrung vorgenommen werden. campact.de hat eine Online Petition [...]

    Pingback | 23. August 2010

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