Kategorie: Internet

Zwei Lesetipps zum aktuellen digitalen Leben

digital_world

© ilco, stock.xchange

Internetzensur (von der Regierung mehr schlecht als recht getarnt als „Kampf gegen Kinderpornographie“) und Urheberrechtsschutz sind zwei brandaktuelle Themen, wenn es um das Internet bzw. um moderne Medien und Mediendemokratie geht. Zu beiden Thematiken fand ich dieser Tage interessante, höchst lesenswerte Artikel, die ich Euch unbedingt auch ans Leseherz legen möchte. Denn tatsächlich ist die Freiheit, an die wir uns im Internet gewöhnt haben, akut in Gefahr, den Überwachungsfantasien einiger Interessensgruppen geopfert zu werden.

Der Blog Pandoras Kekzdose befasst sich in seinem ArtikelMissbrauch missbrauchen sehr eingehend und auch kritisch mit der von Familienministerin von der Leyen angeleierten Internetzensur, die ja angeblich nur gegen Kinderpornographie gerichtet sein soll. Wer’s glaubt…

Es ist eine schöne Welt, von der man da in den Tageszeitungen liest. Dass endlich auch das Internet, bekannte Anlaufstelle für Pädophile, Nazis und Terroristen, nicht mehr sicher ist, vor dem harten linken Haken des Gesetzes. Bald können wir auch wieder unsere Kinder allein ins Internet gehen lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie sich ein Trauma fürs Leben einfangen. Bald ist auch endlich das Internet ein Teil der großen Demokratie der westlichen Zivilisation. Endlich all die Gesetze, die unsere Freiheit in der realen Welt regeln, auch im Internet. Ein Traum wird wahr. Ein Hoch auf die Ursula. Auf den Wolfi. Und auf den BKA.

Es ist fast zu schön um wahr zu sein. Quasi wie im Film. Am Ende siegt die Gerechtigkeit. Die Demokratie. Und was halt so dazugehört. Und keiner schreit mitten im Film “UNLOGISCH!”, keiner gibt in der Fernsehzeitung schlechte Kritiken ab und niemand zeigt mit dem Daumen runter. Einfach weil es alles so perfekt ist. Oder?…

Angefangen hat die neue, kritische und unzensierte Form des Journalismus mit den Blogs. Dabei geht es nicht um die HelloKittyEmoBlogs, die in der Blütezeit überall aus dem Boden sproßen. Es geht um die Blogs von Menschen aus Ländern, in denen freie Meinungsäußerung bestraft wird. Das Prinzip “ich schreib mal meinen Alltag ins Netz” wurde längst durch Twitter und Co. ersetzt. Mittlerweile wird richtig gebloggt. Über Politik, über Missstände, Gefahren, Ungerechtigkeit. Der Trend geht immer weiter zu einem virtuellen Protestschrei hin, der nun auch Deutschland erreicht hat. Die Blogs betrachten die aktuellen Geschehnisse aus einem neuen Blickwinkel. Aus einem Blickwinkel, der nicht nur wolkenlosen blauen Himmel und Sonnenschein widerspiegelt, sonder entsetzt auf die Gewitterwolken am Horizont zeigt, die immer näher kommen und alles in ein tiefes Schwarz tauchen.

(…) Zum Beispiel um weitere Sperrung von Seiten, wie zum Beispiel Pirate Bay und co., die der Unterhaltungsindustrie schon seit Jahren ein Dorn im Auge sind. Wäre die Welt nicht so viel schöner, wenn man diese ganzen bösen Copyrightverletzter mit einem Schlag ausradieren könnte? Wenn man mit ein paar Eingaben all die bösen Menschen von der Bildfläche bomben könnte, die unsere Welt so viel schlechter machen? Denn sein wir mal ehrlich – Kinderschänder, Killerspielspieler, Raubkopierer – wo ist denn da der Unterschied? Mittlerweile wird man sowieso schon härter fürs Raubkopieren als fürs Besitzen von Kinderpornografie bestraft. Wieso sollte man dann Kinderpornografie aus dem deutschen Web verbannen, Pirate Bay und Co. aber nicht?

Im Kampf um die E-Books, die nun den Markt erobern und plötzlich das Problem aufwerfen, dass man die ganzen Bücher nicht mehr im Bücherladen kaufen muss, sondern sich einfach bei Bedarf eben die Zipdatei aus dem Netz zieht, schaltet sich nun Christian Sprang, Leiter der Rechtsabteilung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ein. Er plädiert dafür, Seiten zu sperren, die das Urheberrecht verletzen.

In diesem Zusammenhang ist auch das Interview mit Ursula von der Leyen von Interesse, das vor einigen Tagen von Radio Eins geführt wurde [via ZAF – der dazugehörige Artikel ist ebenfalls gut]. Bezeichnend finde ich dabei nicht nur ihr bemerkenswertes Gestammel, das von wenig Sicherheit zeugt:

Moderatorin: Das heißt speichern?
Ursula von der Leyen: Na ja, speichern…äh, ich habe Ihnen jetzt mal eben die Zahlen am Tag genannt. Das können Sie gar nicht, und das ist auch nicht das Ziel. Aber wenn Sie manchmal die diff, die diffizirn…also die komplexen Vorgänge des Suchens der Polizei nach bestimmten Täterringen, ähm, und und, ja, Pornoringen eben, Kinderschänderringen, äh, beobachten und soweit, äh, dieses Handwerk dann auch sich aus einem, einem Puzzle zusammensetzt, gehört mit dazu die Frage zu stellen, ob jemand immer wieder versucht, äh, einschlägige Seiten aufzurufen, und, äh, sich dort zu tummeln…nur das große Massengeschäft…und, ähm, wie gesagt, da sind viele auch dabei, die völlig harmlos sind, ähm, das ist, da interessiert uns nur deutlich zu machen, hier geht’s nicht weiter. Stopp!

– sondern auch einige ihrer Aussagen über Internetbenutzer allgemein:

Ursula von der Leyen: Na ja, wir wissen, daß bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent, die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann jetzt eigentlich sich selber fragen, wen kenn’ ich, wer Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent, die sind z.T. schwer Pädokriminelle, die bewegen sich in ganz anderen Foren, die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.

Soso, 20%, die technisch versierten, sind also die Schlimmen, quasi schon per se „Pädokriminelle“. Und so jemand sitzt hierzulande in der Regierung…!

kabelEbenso unerfreulich – die Versuche einiger Menschen, das Urheberrecht als Keule gegen die Entwicklung im Internet, gegen die Digitalisierung generell, einzusetzen. Der „Heidelberger Appell“ des Philologen Roland Reuß richtet sich direkt gegen „Open Access“, also freien Zugang zu Wissen und Daten im Netz. Fritz Effenberger kommentiert dies auf Telepolis in Geistiges Eigentum als Heidelberger Postkartenidylle sehr passend, denke ich:

Die Bundesregierung, so fordern Reuß und bisher über 1500 Unterzeichner (darunter Teile unserer nationalen Schriftsteller-Elite), müsse sicherstellen, dass keinerlei private oder Suchmaschinen automatisierte Verbreitung von geistigen Inhalten stattfinden könne, also letztlich ein Verbot von GoogleBooks, YouTube und anderen Internetplattformen dieser Art. “Das verfassungsmäßig verbürgte Grundrecht von Urhebern auf freie und selbstbestimmte Publikation” sieht Reuß bedroht und erkennt nicht, dass seine Argumentation eine spiegelverkehrte Darstellung der Wirklichkeit liefert: Erst durch Internet und digitale Datenträger kann jeder Urheber auch ohne Verlage publizieren.

(…) Ich fordere daher die politischen Kräfte in unserem Land auf, nicht weiter über naive, da technisch unwirksame Verbote nachzudenken, sondern über die aktive Gestaltung des Urheberrechts in einer Zeit des technischen Umbruchs: Jeder Bürger kann sich heute via digitaler Weitergabe jedes Buch, jeden Film, jedes Musikstück besorgen, ohne dass dies technisch verhindert oder mitverfolgt werden kann; der Preis für die Verhinderung oder Aufdeckung wäre die Zerstörung des Internet, wie wir es kennen. Die Gesetze müssen dieser Realität entsprechend reformiert werden, der Urheber muss die ihm zustehende Vergütung erhalten. Diese wird tatsächlich heute schon teilweise erhoben und ausgeschüttet: Geräte und Medien zur Herstellung von Kopien sind mit einer Abgabe belegt, die von den zuständigen Verwertungsgesellschaften an die Autoren, Komponisten, geistigen Schöpfer ausgeschüttet werden.

Verwandte Beiträge:

GAP – von Kindern, für Kinder

bild-71Es gibt ein sehr bissiges und seit Jahren erfolgreiches Satiremagazin in den USA – The Onion. In bemerkenswert professioneller Art und Weise, technisch und optisch perfekt dargeboten, werden hier Nachrichten und Dokumentationen „gefälscht“ bzw. persifliert und viele Themen aus der Tagesaktualität, aber auch grundsätzliche gesellschaftliche Entwicklungen & Probleme, sonderbare technische Erfindungen u.ä. angesprochen. Einige davon sind so bitter, dass einem das Schmunzeln auf den Lippen gefriert, und einige sind so absurd, dass sie einen für einen Moment innehalten lassen und einem bewusst wird, wie absurd auch die „normalen“ Nachrichten sind, die einem das Fernsehen jeden Tag so vorsetzt. So ist dann das Motto von The Onion auch „You seem to be informed“. Immerhin 3 Millionen Menschen verfolgen Woche für Woche diese „Nachrichten“ aus einer Parallelwelt, die der unseren irgendwie erschreckend ähnlich sieht.

Zwei Beiträge möchte ich Euch heute mal ans Herz legen – zum einen „New Gap Collection – for Kids by Kids“, das die Problematik von Kinderarbeit in asiatischen Sweatshops thematisiert. Gerade die bei westlichen Jugendlichen so angesagten Marken und Ladenketten wie Nike oder Gap sind dafür berüchtigt, dass ihre Klamotten unter unwürdigen Bedingungen hergestellt werden, während sich die Konzerne via Reklame ein schillerndes Lifestyle-Image zurechtzimmern. [via]

Harte Kost ist auch „Hollow Point Bullets recalled that fail to explode targets” – mit voller Ernsthaftigkeit wird hier darüber berichtet, dass versehentlich schadhaft ausgelieferte Munition die inneren Organe nicht so gut zerstöre, wie sie es laut Versprechen des Herstellers eigentlich müsste. Schwarzer Humor, der fast schon weh tut. :-) Zugleich beleuchtet dieser Film auch die Abgebrühtheit, mit der Nachrichtensender sonst oft Gewalttaten für ihre Quote ausschlachten, durchaus kritisch.

Verwandte Beiträge:

Digital Detox Week 2009

digital-detox-weekOha, diesen Aufruf des Adbusters Magazins darf ich eigentlich gar nicht weiterverbreiten, grabe ich doch damit meinem Blog auch (zumindest für eine Weile) das Wasser ab. Aber ich finde die Idee der Digital Detox Week, also der digitalen Entgiftungswoche, spannend genug, um sie hier dennoch zum Thema zu machen. Analog zu ihrer „Mental Detox Week“, in der man den Medienzustrom, insbesondere via Fernsehen, reduzieren bzw. auf Null bringen soll, ist diesmal also das digitale Leben dran, vom 20.–26. April. Hand aufs Herz: Wer kann heutzutage noch eine ganze Woche auf Internet & Co. verzichten? Ich vermutlich nicht – schon allein, weil ich ja meine Blögge weiter betreuen will. ;-) Aber die mediale Dauerberieselung ist in unserer Gesellschaft so weit vorangeschritten, dass der Gedanke an „eine Woche ohne“ tatsächlich schon etwas Bedrohliches hat. Wobei ich sagen muss, dass ich es, als ich letztes Jahr ein paar Tage in London war, sehr genossen habe, eine Weile ohne Internetanbindung zu sein, keine E-Mails abzurufen etc. – der Geist beginnt wirklich ein wenig aufzuatmen.

Hier der dazugehörige Text von Adbusters:

The Digital Detox Challenge

Computer screens, iPods, TVs, phones and the dozens of other devices we’re cybernetically attached to are so pervasive that we can’t escape them. We live them, we breath them, we need them … Or do we?

On Monday, April 20, Adbusters challenges you to do the unthinkable: unplug. Say good-bye to Twitter and Facebook. Turn off your TV, iPhone and Xbox. Reconnect with the natural world and the people around you. You’ll be amazed at how the magic creeps back into your life.

Go to www.adbusters.org for inspiration, articles, videos, posters and more. Next Monday, don’t be afraid and don’t find excuses … take the plunge and see what happens.

Verwandte Beiträge:

Aufstehen für ein freies Internet – Mahnwache am morgigen Freitag in Berlin

http_Diesem Aufruf des Chaos Computer Clubs sowie von Netzpolitik gegen die unselige Internetzensur-Entscheidung der Bundesregierung schließe ich mich gerne an – die Mediendemokratie steht wieder einmal auf dem Spiel. Man sollte den Verantwortlichen für das neue Gesetz zumindest zeigen, dass sie damit auf Widerstand stoßen und nicht alles klaglos hingenommen wird, was in der Politik so ausgebrütet wird. Also alle in und um Berlin morgen früh aufstehen!

Am Freitag Vormittag machen die Internetausdrucker Ernst: Der erste deutsche Zensurvertrag soll unter Dach und Fach gebracht werden. Wir wollen dabei und präsent sein, wenn die größten deutschen Internetprovider händchenhaltend mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen den Vertrag unterzeichnen werden, mit dem sie sich ohne jegliche gesetzliche Grundlage verpflichten, unliebsame Inhalte nach Gutdünken des Bundeskriminalamtes (BKA) zu sperren und zu filtern.

Die Internetanbieter werden dabei knallhart erpresst: Um nicht in einem Atemzug mit Kinderschändern erwähnt zu werden, sollen sie am offenen Verstoß gegen das Grundgesetz mitwirken. Dabei soll es vorerst nur um die Erschwerung des Zugangs zu strafbaren Inhalten gehen. Zur Erweiterung des Systems auf die Zensur beliebiger anderer Webseiten ist lediglich eine Anpassung der Filterliste notwendig.

Jeder weiß, dass Kindesmissbrauch mit den geplanten Geheimlisten nicht bekämpft werden kann. Auch die Verbreitung von Bildern und Filmen missbrauchter Kinder ließe sich einfacher verhindern: Ginge es ihr wirklich darum, könnte Zensursula die Betreiber der Server mit den Mitteln des Rechtsstaats belangen. Die Strafverfolgungsbehörden könnten die Anbieter und Produzenten zwar effektiv verfolgen, tun es aber nicht. Denn eine bessere Ausstattung und mehr Zusammenarbeit der Ermittler sind nicht geplant. Damit entsteht erst der angeblich rechtsfreie Raum, von dem die Internetausdrucker so gern reden. Deswegen:

Wer keine Lust mehr hat auf die dreisten Lügen, wer was dagegen hat, dass Zensursula mit dem BKA geheime Sperrlisten ohne jegliche Gesetzesgrundlage vereinbart, wer offenen Verfassungsbruch nicht toleriert, wer ein unzensiertes Internet genauso wichtig findet wie wir, der nimmt seinen Hund, seine Kinder und alle seine Freunde und Kollegen am Freitag, dem 17. April 2009, mit zum Reichstagsufer am S-Bahnhof Friedrichstraße in Berlin-Mitte.

Wir wissen, dass 9 Uhr eine Herausforderung ist, aber die Devise lautet: Aufstehn für ein freies Internet!

Wann?

  • Am Freitag, den 17. April 2009
  • Zwischen 9 Uhr und 9:30 Uhr

Wo?

  • Vor dem Presse- & Besucherzentrum der Bundesregierung
  • Reichstagsufer 14 | U- und S-Bhf. Berlin-Friedrichstraße
  • [Externer Link]Karte

Verwandte Beiträge:

Nachtrag zu Google/Scroogle sowie: sind Spammer mit Schuld am Klimawandel?

bild-5Kurzer Nachtrag zu meinem Google/Scroogle-Beitrag von vorhin – es gibt sogar tatsächlich auch „grüne“ Suchmaschinen. Zum einen Forestle, die mit Yahoo zusammen arbeiten und dort für jeden Klick, den ein User auf eine der Ads an der Seite tätigt, eine Spende an The Nature Conservancy zum Erhalt von Regenwald leisten. Pro Suche sollen so durchschnittlich (schließlich klickt nicht jeder auf die Textwerbeeinblendungen an der Seite) 0,1 Quadratmeter Regenwald gerettet werden. Hier steht, wie es funktioniert (siehe dazu auch den Beitrag von Spreeblick).

Die Suchmaschine Znout arbeitet mit den Google-Ergebnissen und will den Energieverbrauch und damit CO2-Ausstoß verringern kompensieren, der durch die Internetnutzung entsteht. Zum Ausgleich werden Zertifikate für erneuerbare Energien erworben (wobei nicht ganz klar wird, woher das Geld dafür eigentlich kommt; vermutlich auch durch die Klicks auf die AdWords).

Eine ausführlichere Übersicht zum Thema „grüne Suchmaschinen“ und eine Liste mit möglichen Alternativen hat gestern auch der Markus Trumann zusammengestellt (habe ich eben erst gesehen, so ein Zufall).

Und weil’s so gut zum Thema Energieverbrauch durchs Netz passt – die verdammten Spammer sind nicht nur durch ihre Penetranz eine Pest, sondern verschwenden auch ungeheure Mengen an Ressourcen, wie man hier nachlesen kann:

Viele Leute schalten aus diesem Grund ihre Computer am Arbeitsplatz überhaupt nicht mehr aus, da sie am Morgen nicht 30 Minuten Zeit haben die Spam Welle auszusitzen. Somit ist es klar, dass Spammer und Virenversender nicht nur einen volkswirtschaftlichen Schaden wegen erhöhter Kosten anrichten sondern auch noch unsere Umwelt aufs ärgste schädigen. Ein Grund mehr dem Spam den Kampf anzusagen – finden Sie nicht auch?

Ihr einfacher Beitrag zum Umweltschutz: kaufen Sie nicht bei Spammern. Wenn diese damit nicht verdienen, dann stellen sie die Aktivitäten ein.

Verwandte Beiträge:

Scroogle – Google ohne Kommerz und ohne Spuren im Netz zu hinterlassen

scrooge3Es gab einmal eine Zeit, da galt Google als das kleine, sympathische Außenseiterunternehmen, das angetreten war, den großen, marktbeherrschenden Suchmaschinen von Yahoo! (und MSN) das Fürchten zu lehren. Tatsächlich schaffte Google es in wenigen Jahren, Yahoo! vom Thron zu stoßen und sich damit selbst an die Spitze des Feldes zu setzen. Seitdem hat Google einen Marktanteil von an die 90% erreicht und besitzt damit quasi eine ähnliche Monopolstellung wie Micro$oft bei den Betriebssystemen. So viel Marktmacht löst nicht nur bei mir ein ziemliches Unbehagen aus, denn wenn ein Konzern die Spielregeln bestimmen kann, geht das in der Regel zu Lasten von Vielfalt und Freiheit (und im Falle von Microsoft-Produkten eindeutig auch zu Lasten der Qualität). Und so hört man immer öfter darüber, dass Google Daten der User beim Benutzen ihrer Dienste mit übertragen lässt und somit eine Art Surfprofil anlegen kann. Da klingeln natürlich auch beim Thema Datenschutz die Alarmglocken. Und nicht nur nur bei mir – Mehmet Toprak schrieb am Mittwoch in der eWeek EuropeGoogle: Der stille Skandal“:

An die Übermacht von Google hat sich die Internet-Branche weltweit gewöhnt. Das ist ein Fehler. Denn die Risiken sind beträchtlich. Auch für Unternehmen. (…)

(…)  Früher war eine Suchmaschine dazu da, das Internet nach Informationen zu durchsuchen. Heute hat sich das Verhältnis umgedreht. Das Internet ist zum Diener Googles geworden. Unternehmen, die von ihrer Web-Präsenz leben, sind darauf angewiesen, im Google-Ranking gut abzuschneiden. Wer da nicht mit allen Tricks arbeitet und unter den Top 10 bei den Suchanfragen landet, kann den Laden gleich dicht machen. Folglich werden auch die Inhalte mit Keywords, passenden Schlagzeilen und anderen Tricks immer mehr fürs Google-Ranking zurechtgebogen. Dabei bleiben Qualität und Unabhängigkeit vielfach auf der Strecke.

Das meistgehörte Wort in den Besprechungsräumen vieler Unternehmen ist heute »Google«. Als Unternehmen ist man praktisch gezwungen, seine Web-Präsenz auf dem Google-Marktplatz auszurichten. Dem weltweiten Marktplatz der Informationen, dessen Spielregeln von einem einzigen Unternehmen bestimmt werden. Wem da nicht gruselt …

Es gibt aber zum Glück neben den anderen kommerziellen Anbietern auch Alternativen – so z.B. Scroogle, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die eigene IP-Adresse bei der Suchanfrage an Google wegzufiltern. Zu den Vorteilen gehören: * ohne Werbung * ohne Übertragung der IP * ohne Platzierung eines Cookies * ohne langfristige Speicherung der Suchanfragen [via] / zur deutschen Suchmaske von Scroogle Wer nicht auf Googleverzichten mag, jedoch die GoogleAds ausblenden (und auch andere Dienste in seine Suche mit einbeziehen) möchte, kann dies übrigens mit der schönen kostenlosen Firefox-Erweiterung CustomizeGoogle tun.

Verwandte Beiträge:

Atomstromfreies Internet

Oh oh, das geht ans Eingemachte… Wer nur zu Hause sitzt und die Welt via Internet erlebt, lebt doch eigentlich ein relativ CO2-neutrales Leben? Leider nicht wirklich. Zwar verbraucht der eigene PC oder Mac nicht unbedingt übermäßig viel Strom (hängt natürlich vom Modell ab), aber wer hat schon einmal darüber nachgedacht, welche Energiemengen benötigt werden, um die Infrastruktur des Netzes, die ganzen Server etc., am Laufen zu halten? Das Greenpeace Magazin brachte zu diesem Thema vor einer Weile den interessanten Artikel „Stromfresser Internet – Verbrauch lässt sich halbieren”. Dort wird vorgerechnet:

Allein die Suchmaschine „Google“ – bei der täglich etwa 280 Millionen Anfragen eingehen – läuft auf 450.000 Servern, schätzt Jonathan Koomey von den Lawrence Berkeley National Laboratories. Der Wissenschaftler hat jetzt den Stromverbrauch der Server weltweit überschlagen: 123 Milliarden Kilowattstunden waren es 2005. Nach anderen Schätzungen könnte der Verbrauch dieses Jahr bei 208 Milliarden Kilowattstunden liegen – das entspricht der Leistung von 23 Atomkraftwerken.

(…) Die gute Nachricht: Die Einsparpotenziale sind enorm. Der Energieverbrauch der deutschen Server ließe sich durch effiziente Technologien – etwa durch eine bessere Kühlung der Server – binnen vier Jahren halbieren, ergab eine Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums. Jeder Betreiber kann zudem einfach auf Ökostrom umsteigen.

Doch auch jeder User kann etwas für die Verbesserung der Energiebilanz beim Surfen tun – beispielsweise statt seine kostenlose E-Mail-Adresse bei einem „normalen“ Anbieter zu haben, der seinen Strom aus Atomkraft oder Kohle bezieht, empfiehlt sich der Wechsel zu einem Anbieter mit Ökostrom. Auf der Website Atomstromfreies Internet könnt Ihr Euch z.B. schnell, einfach und kostenlos eine Mailadresse bei Greenpeace Energy/Solar Generation sichern.

atomstromfreies-internet

Wer selbst einen Blog oder eine Website betreibt, sollte darauf achten, einen Webhoster zu wählen, der auf „grüne Energie“ setzt (siehe auch den Beitrag „Anbieter von ökologischem Webhosting“ bei Nachhaltig beobachtet). Aber aufgepasst: auch hier lauern Fallstricke. So wirbt beispielsweise die Domainfactory mit klimaneutralem Hosting, doch wer genau hinliest, erkennt, dass die Server ganz normal wie immer betrieben werden, das Unternehmen dafür eine Kompensationszahlung an ein Klimaprojekt in Indien leistet (vergleichbar mit dem Vorgehen vieler Fluglinien). Das ist zwar besser als nichts, dennoch erscheint es mir sinnvoller, gleich direkt beim Energieverbrauch des Providers anzusetzen – echtes „green hosting“ bieten zum Beispiel Host Europe oder NetRoom an. Eine (nicht vollständige) Übersicht findet Ihr auch bei Ecologee.net.

Übrigens hat die Computerzeitschrift Chip gerade ein eigenes Sonderheft zum Thema Nachhaltigkeit, Energiesparen und Klimaschutz im IT-Bereich namens „Die grüne Ausgabe“ herausgebracht, das mir durchaus ganz interessant erscheint.

Verwandte Beiträge:

Miro – Demokratisch fernsehen

Wer heutzutage den Fernseher anschaltet, muss auf der Suche nach halbwegs gehaltvollem Inhalt durch jede Menge visuellen Schund & Schrott waten. Selbiger wird in verblödender, von Reklame zerfressender Manier durch die vielen Privatsender – die wiederum einigen wenigen großen Medienkonzernen verpflichtet sind – tagtäglich nonstop ausgestrahlt. In meist etwas geschickter verpackter, dennoch (bzw. gerade deswegen) oft ebenso der Des- bzw. Pseudoinformation und Einlullung dienenden Weise finden wir solche „Inhalte“ auch zuhauf im öffentlich-rechtlichen Sendebereich (niemand, der z.B. Polittalkshows wie von Anne Will o.ä. sieht, sollte sich der Illusion hingeben, hernach irgend etwas Substantielles über ein Thema erfahren zu haben). Ist Fernsehen also letztlich demokratieschädlich, weil nur gemainstreamte „Informationen“ ausgestrahlt werden, die die Menschen vom Bilden eigener, nicht vorformatierter Meinungen abhalten (sollen)? Wie schwierig es ist, mit Anliegen abseits der ökonomischen Verwertungslogik Gehör zu finden, erlebt beispielsweise auch Kalle Lasns Adbusters Magazine, das versucht, ihre aufklärerischen Uncommercials bei einzelen Sendern unterzubringen und regelmäßig abblitzt.

Es geht aber auch anders. Das Internet befreit denjenigen, der möchte, schon seit einiger Zeit von der tumben Beschallung mit Einheitssoßen-Radio, weil man hier eine riesige Auswahl an kostenlosen und werbefreien Inernetsendern finden kann. Auch im TV-Bereich ist Rettung in Sicht – der gratis erhältliche Open Source Miro TV-Player soll Fernsehen zu einer demokratischeren Angelegenheit machen. Die Website Solidarische Ökonomie schreibt zu diesem interessanten Projekt:

Mit dem Open Source Media Player Miro hat die Zukunft des offenen Fernsehens begonnen. Der Mediaplayer ist ein Produkt der Participatory Culture Foundation, die sich die Demokratisierung des Mediums Fernsehen zur Aufgabe gemacht hat. Über 3400 verschiedene Kanäle können derzeit über Miro abgerufen werden.

Mehr als 100 Kanäle widmen sich sozialen Bewegungen und zeigen Bilder von Aktionen, die man im konventionellen Fernsehen nicht zugesicht bekommt. Auch zu Wissenschaft, Technik und Kultur sind interessante Kanäle zu finden.

>> Zur Miro-Website

Verwandte Beiträge:

Kompliment an die Blogleser

Dieser Hinweis in eigener Sache sei gestattet – ich bin doch sehr erfreut darüber, dass immerhin gut 50% der Leser mit Firefox (in seinen verschiedenen Varianten) unterwegs sind, weitere jeweils 6% mit Opera und Safari, während der virulente Internet Explorer mit ca. 35% doch erstaunlich dürftig abschneidet – das sah vor einigen Jahren noch ganz anders aus, die Microsoft-Dominanz scheint hier endgültig gebrochen zu sein. Warum überhaupt noch jemand den IE benutzt (abgesehen von den Menschen, die von ihrer Firma dazu verdonnert werden; sowas gibt’s tatsächlich, bspw. bei Siemens), ist mir ohnehin nicht ergründlich…

Verwandte Beiträge:

Seite 12 von 12

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén