Kategorie: Ernährung Seite 18 von 19

Ein Blick durchs Netz – Bundeswehr, Marketing, Schweinegrippe, McDoof, FDP, Bezahlmedien sowie der Kapitalismus als solcher

seetaubeIn den letzten Tagen haben sich bei mir so viele lesenswerte Artikel angesammelt, dass ich heute mal eine kleine mittelgroße Rundschau über ein paar aktuelle, aber auch grundsätzliche Themen und Beiträge bieten möchte.

Der Schweizer Think About-Blog verdeutlicht in „Marketing – der Feind des Verzichts“ das, was ich hier im Blog schon des öfteren dargelegt habe: Werbung schadet und ist mehr als nur ein Ärgernis am Rande!

Marketing ist also die Kunst, Ihnen das Gefühl zu nehmen, im Überfluss des Angebots zu schwimmen, mehr zu nehmen und zu kaufen und NICHT zu meinen, sie hätten schon alles, was Sie brauchen. Glauben Sie, ein satter Konsument zu sein, so will Ihnen das Marketing das Gegenteil beweisen. Sie wissen gar noch nicht, was Ihnen alles fehlt!

In die Rubrik „Überraschung in den Mainstreammedien“ können wohl die beiden folgenden Texte einsortiert werden – in der FAZ (!) berichtet in der Reihe „Zukunft des Kapitalismus“ diesmal Ingo Schulze über „Das Monster in der Grube“. Es geht um Alternativen zum aktuellen System und darum, wie heutige (Wirtschafts-)Wissenschaftler betriebsblind geworden sind.

Der demagogische Satz, der in letzter Zeit immer wieder zu hören ist: „Der Staat ist der schlechtere Unternehmer“, sollte durch die Frage, wer der bessere Eigentümer ist und welche Interessen und Ziele der Eigentümer verfolgt, ersetzt werden. Wir müssen sagen, wofür wir die Wirtschaft brauchen und was wir von ihr wollen. Wir müssen uns darüber klarwerden, wie der Gesellschaftsvertrag aussehen soll, mit dem eine menschenwürdige Zukunft für alle möglich werden könnte.

Zweite Überraschung – die ZEIT (!) verbreitet offene Kritik an der FDP: „FDP: Vorsicht, Umfallgefahr!“. Der Wahlkampf ist also in den Medien schon längst angelaufen…

Das Problem mit der Haltung der FDP ist nur, dass sie sich seit dem Ausbruch der Krise auf zwei Sätze reduzieren lässt: Was die Liberalen ganz gut können, ist erst einmal Nein sagen. Was sie nicht so gut können, ist, dabei zu bleiben.

Einige interessante oder auch bedenkliche aktuelle Entwicklungen gibt es zudem zu vermelden – so steht ebenfalls in der ZEIT, dass der australische Medienmogul Rupert Murdoch, dem viele Zeitungen, aber auch Internetseiten wie Myspace gehören, eine Abkehr vom werbefinanzierten, dafür kostenlosen Onlinejournalismus plant. So soll man also zukünftig für viele Angebote von The Times, The Sun oder dem Wallstreet Journal löhnen. Na, ob das so ein großer Verlust für die Menschheit ist, wenn die manipulierten, lobbydurchtränkten Inhalte nicht mehr frei verfügbar sein werden… Dass es der Werbebranche schlecht geht, ist natürlich zu begrüßen. ;-)

Der australische Medientycoon Rupert Murdoch will im Internet alle Nachrichtenangebote seines weltweiten Konzerns kostenpflichtig machen. Murdoch reagiert damit auf die heftige Werbe- und Medienkrise. Immer mehr Medienhäuser denken inzwischen über eine solche Abkehr von Gratisnachrichten im Netz nach.

Und, schon mit Medikamenten gegen die böse Schweinegrippe eingedeckt? Immer öfter liest man inzwischen Berichte, dass von den Regierungen großflächige Impfaktionen geplant werden – und das, obwohl diese Grippe in unseren Breiten auch nicht schlimmer ist, als die normale. quer berichtete letztens sogar, dass die Fälle in Bayern eher milder abliefen als bei einer handelsüblichen Grippe. Der Flensburger Arzt und SPD-Politiker Dr. Wolfgang Wodarg redet in seinem bemerkenswerten Artikel „Schweinegrippe – das Geschäft mit der Angst“ erfreulichen Klartext:

Ich halte die “Schweinegrippe” für eine unverantwortliche, wirtschaftlich motivierte Panikmache und sehe nach intensiven Recherchen und persönlichen Gesprächen, unter anderem mit dem Leiter des Robert-Koch-Institutes, keinen Grund, die Empfehlungen zum Grippeschutz anders zu handhaben als in den Vorjahren.

Apropos Gesundheit – wie die taz vor einigen Tagen schrieb, werden Schulklassen, die das Bundesverteidigungsminsterium besuchen, großzügig mit McDonald’s-„Essens“gutscheinen versorgt. Skandalös ist hier auch die dreist-dumme Antwort, die das Ministerium einer Anfrage durch die Grünen zuteil werden ließ – „Fettiges Fastfood für die Bildung“:

“Die angebotene Kombination von Getränken und Speisen, darunter auch Salat, und die ergänzende Beratung des Besucherdienstes sind ausdrücklich im Sinne des Programms der Bundesregierung”, verteidigt Kossendey die fettige Verköstigung. Außerdem entscheide ja über die Annahme der Gutscheine das begleitende Lehrpersonal – auch über die “Inanspruchnahme und die Speisenzusammenstellung die Schüler”.

Großartig, so sieht Verantwortung aus – dass der Fast-Food-Fraß im Sinne eines Programms für die Gesundheit der Jugend sein soll, ist ja wohl ein schlechter Scherz. Als wenn die momentane PR-Kampagne der Bundeswehr im Jugendmagazin Bravo nicht schon abstoßend genug wäre. Hier lohnt sich sowohl der Bericht auf TelepolisFrisches Blut – die Bundeswehr such Nachwuchs und bedienst sich dabei massiv zivilier Jugendmedien“ als auch der Originalbeitrag in der Bravo. Vorsicht, nüchtern ist diese versuchte Gehirnwäsche durch das Militär nicht zu ertragen.

“Liebst du das Abenteuer? Bist du topfit?” – Mit  diesen Fragen wirbt die Bundeswehr seit einiger Zeit auf einer Webseite (1)  von Deutschlands größtem Jugendmagazin BRAVO für “tolle Tage im  Ausbildungscamp der Einzelkämpfer” in der Luftlande- und Lufttransportschule  der Bundeswehr im oberbayerischen Altenstadt. Nicht das erste Mal, dass sich  die Bundeswehr ziviler Medien bedient um neuen Nachwuchs zu  gewinnen.

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Weise Worte (13)

Die Leute wollen verarscht werden. Niemand will wissen, was wirklich drin ist. Sonst würde sich das keiner gefallen lassen. Auch wenn Herr Bode (von foodwatch) immer gerne davon spricht, dass man sich mit der Leberwurst nicht so lange befassen kann, wie mit dem Kauf einer Eigentumswohnung. Das muss man nicht. Jeder weiß – auch dank foodwatch – dass in normalen Geschäften KEINE unbedenklichen Lebensmittel verkauft werden. Das ist den Leuten egal. Solange es billig ist, und kein Totenkopfsymbol davor warnt, wird es gekauft. Die anderen essen das doch auch. Würde man radioaktiven Abfall anbieten, auch der würde gehen. Heute nur 29 Cent statt 1,99. Kauf mich.

Es ist auch keineswegs ein Lebensmittelchemiestudium erforderlich um zu überleben. Nahrungsaufnahme ist etwas, was die meisten mehrmals täglich tun. Da kann man schon erwarten, dass es wichtiger ist als die technischen Details des neuen Autos oder Fernsehers zu kennen. Und wenn es nur das Wissen ist, dass man beim Discounter und im Supermarkt grundsätzlich verarscht wird. Das ist nicht schwer, das kann jeder lernen.

– Horst Klier, „Soylent Gourmet-Suppe“ (der komplette Artikel lohnt sich!)

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Lebensmittel – mehr Schein als Sein

Ich möchte meine kleine „Serie“ über die unappetitlichen Auswüchse der Lebensmittelindustrie heute ein wenig fortsetzen, und präsentiere Euch einen kurzen Beitrag, wieder einmal aus dem markt-Magazin des NDR, in dem es um im wahrsten Sinne des Wortes Industriefraß geht – „markt deckt auf: Lebensmittel – mehr Schein als Sein“. Also darum, wie heutzutage in bunten Verpackungen gewisse Lebensmittel imitiert und vorgetäuscht werden und in Wahrheit nur zusammengepanschter ekliger Ersatz angeboten wird. Ich weise hier gerne immer wieder darauf hin, dass bitte niemand glauben sollte, dass das Billigzeug beim Discounter oder im Supermarkt irgendetwas mit richtiger Ernährung zu tun hat. Und der Preisdruck, der dazu führt, dass alles immer zu einem möglichst niedrigen Preis angeboten wird, bewirkt zwangsläufig solche Entwicklungen. Lecker ist anders…

Wir servieren Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg Delikatessen aus dem Supermarkt: Lachs, Feta und Garnelen nach Art der Lebensmittelindustrie. Der Verbraucherschützer meint dazu: “Wenn die Verbraucher wirklich wissen würden, was sie hier aufgetischt bekommen, dann würde ihnen schlecht, weil es Kunstprodukte sind. Es sind wirklich viele Zusatzstoffe drin. Von einem natürlichen Lebensmittel kann man hier nicht sprechen.”

(…) Beispiel Surimi (auf Japanisch etwa “zermahlenes, gehacktes Fleisch”): Das Produkt kann aussehen wie Garnelen, Krebsfleisch oder undefinierte rote oder pinkfarbene Blöcke. Mithilfe einer edlen Verpackung entsteht aber der Eindruck, der Verbraucher würde eine Delikatesse kaufen. Nur wer genau hinschaut, kann erkennen, dass es sich dabei um ein Imitat handelt. Fischmuskeleiweiß ist nur eine von vielen Zutaten von Surimi. Es enthält außerdem Aromen, Farbstoffe, Konservierungsmittel und sogar Hühnereiweiß. Selbst in Fischstäbchen steckt mehr Natur.

EDIT: Auf Spiegel Online gibt es ebenfalls einen Artikel zu dem Thema – „Analogkäse, Gel-Schinken und Co. – Verbraucherschütze decken Lebensmittel-Tricksereien auf“.

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Europäischer Elektroschrott vergiftet afrikanische Böden und Gewässer

In unserer Ex-und-Hopp-Gesellschaft, in der es immens wichtig ist, immer up to date und auf der Höhe der Trend-Zeit zu sein, sind Elektrogeräte, Hifi-Zeugs, Computer etc. längst keine langlebigen Güter mehr, sondern werden auch gerne nach Moden ausgetauscht bzw. bereits wegen kleiner Schäden weggeschmissen, weil Reparaturen sich nicht mehr lohnen. Eigentlich sind die Hersteller verpflichtet, die ganzen High-Tech-Sachen ordnungsgemäß zu recyclen, aber da dies natürlich Geld kostet, sind die Unternehmen (der globalisierten „Logik“ folgend) auf die Idee verfallen, den Schrott einfach nach Afrika zu verschiffen und dort dann von den Menschen ausschlachten zu lassen. Was vielleicht noch sinnvoll erscheint, wenn es sich um gebrauchsfähige Geräte handelt, wird zu einer die dortigen Menschen und Lebensgrundlagen bedrohenden giftigen Gefahr, wenn der hochkontaminierte Kram dort einfach in die Gegend gekippt wird, wo Leute leben und Kinder spielen. Das österreichische Fernsehen brachte vor einer Weile einen bedrückenden Bericht über den Export von Elektroschrott aus der EU nach Ghana – über die verseuchten Fische gelangt das Gift übrigens am Ende auch wieder zurück zu uns. Ein perverses System. [via fair-suchen]

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McD – I’m not loving it

Nachdem ich mir nach dem gestrigen Posten der aktuellen Nicht-Anzeige des Greenpeace Magazins von einem Kommentator anhören musste, ich würde gemeinsame Sache mit der Fleisch- (und sogar Chemie-)Industrie machen, weil ich es gewagt hatte, Biofleisch für nicht ganz so schlimm wie das aus reiner Industrieproduktion zu halten, hier ein anderes Adbusting zu diesem Thema, das vor allem das Elend des Tiers in den Mittelpunkt stellt – und die (Mit-)Verantwortung von McDonald’s und den anderen Burgerbratbuden für den unsinnig hohen Fleischkonsum weltweit thematisiert, all deren lächerlichen Imagekampagnen und „Qualitätsoffensiven“ zum Trotz. (Leider weiß ich nicht mehr, wo in den Weiten des Netzes ich dieses schöne Bild gefunden habe.) Natürlich ist auch dies keine Anzeige, sondern eine Parodie…

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EDIT: Und weil’s so schön zum Thema und zur gestrigen Diskussion passt, hier noch ein Verweis auf den Artikel von Klaus Werner-Lobo auf jetzt.de – „Kühe, die subventionierten Klimakiller“:

Was haben Adidas, Aldi, BMW, Carrefour, Clarks, Gucci, Honda, IKEA, Lidl, Makro, Nike, Reebok und Timberland mit Kühen zu tun? Und was mit dem Klimawandel? Sie alle wurden diese Woche von Greenpeace beschuldigt, zu einem erheblichen Teil mitschuld an der Abholzung brasilianischer Regenwälder zu sein. (…)

1,3 Milliarden Rinder werden auf der ganzen Welt für die Fleischgewinnung gemästet. Rund die Hälfte des weltweiten Getreideanbaus ist der Viehfutterproduktion vorbehalten – das sind jährlich 600 Millionen Tonnen. Würde man dieses Getreide nicht für die Fleischgewinnung, sondern als Lebensmittel nutzen, könnten damit zehnmal soviele Menschen ernährt werden. Man bräuchte also lediglich ein Zehntel der landwirtschaftlichen Fläche, um genauso viele Menschen täglich satt zu machen.

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Keine Anzeige – Rügenwalder Mühle

Die Rückseite des aktuellen Greenpeace-Magazins ziert wieder einmal eine sehr schöne Nicht-Anzeige, quasi ein Adbusting, in dem es diesmal um die Produkte der Rügenwalder Mühle geht, die in ihren peinlichen Reklamekampagnen vorzugsweise Naturnähe und ländliche Idylle vorgaukelt. Die Realität sieht leider anders aus… Ich hoffe, keiner meiner Leser ist so naiv und glaubt, dass diese Firma ein kleiner, beschaulicher Bauernhof mit glücklichen Kühen ist? Nicht mal ihr Symbol, die Mühle, existiert wirklich!

Keine Anzeige:

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Rügenwalder Mühle 4x mit!

Mit Fleisch aus Massentierhaltung
Mit Natriumnitrit (E250)
Mit Zucker
Mit Gensoja im Tierfutter

Natürlichkeit liegt im Trend, also macht die Rügenwalder Mühle jetzt auch mal ein bisschen auf “pur” und lässt vier überflüssige Zusatzstoffe weg. Aber selbstverständlich liefert ihnen Deutschlands umsatzstärkste Wurstmarke weiter echte Massenware – aus Agrarfabriken, in denen Tausende Schweine industriell gemästet werden

“Achten Sie doch meinetwegen auf Bio-Qualität. Ich tu’s nicht.” – Jörg Pilawa –

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Gefährliche PET-Flaschen

In einer der letzten markt-Sendungen im WDR gab es einen interessanten Beitrag zu Wasser in PET-Plastikflaschen, wie sie heutzutage ja generell üblich geworden sind – wieso man ausgerechnet französisches oder italienisches Wasser (gar welches von Nestlé wie Vittel oder San Pellegrino!) quer durch Europa karren muss, mit der damit zusammenhängenden Umwelt- und Verkehrsbelastung, damit der trendbewusste Deutsche es hierzulande statt der einheimischen Wässer verkostet, will ich jetzt gar nicht mal groß thematisieren, das wäre einen eigenen Beitrag wert. Auf jeden Fall sind diese Plastikflaschen, in denen Wasser und andere Getränke angeboten und ausgeliefert werden, alles andere als unbedenklich, wie mittlerweile herausgefunden wurde – siehe besagten Beitrag „PET – Gefährliche Getränkeflaschen“:

Wer Getränke aus Plastikflaschen (PET) zu sich nimmt, geht womöglich ein gesundheitliches Risiko ein: Experten haben hormonähnliche Substanzen im Mineralwasser nachgewiesen.

(…) Wir wollen wissen, wie die Mineralwasserproduzenten zu den möglichen Gefahren von PET-Flaschen stehen. Aber weder der Branchenführer Gerolsteiner noch der Verband Deutscher Mineralbrunnen wollen sich vor der Kamera äußern. Auch eine schriftliche Stellungnahme lehnen sie ab.

Müsste man die Produzenten angesichts der denkbaren Risiken nicht zur Kooperation zwingen oder die PET-Flasche vorläufig aus dem Verkehr ziehen? Wir fragen bei den zuständigen Behörden nach: Das Bundesinstitut für Risikoabwägung will sich gar nicht äußern, und das Bundesumweltamt lässt uns telefonisch wissen, man müsse erst weiter forschen, bevor man weitere Schritte unternehme.

Wissenschaftler wie Professor Schönfelder, würden sich mehr Engagement wünschen: Das Thema ist so evident wichtig, weil es unsere Zukunft anbelangt. Wir wollen verstehen, was in den nächsten Generationen passiert. Mich persönlich interessiert nicht alleine, was morgen ist, sondern was passiert in 10, 20 und 150 Jahren. Weil das unsere ganze Population anbelangt.

(Übrigens, der Grund, wieso ich auch immer wieder solche „Verbraucherschutzthemen“ aufgreife, liegt vor allem darin, dass ich vor Augen führen will, wie unser System funktioniert, sprich, dass man (vor allem großen) Firmen eher nicht vertrauen darf, da diese erst einmal ihren Profit und die Steigerung ihres Marktanteils im Auge haben und nicht das Wohl des Konsumenten. Es geht mir also idR nicht um den Einzelfall, sondern um die Verdeutlichung, wie Wirtschaft „funktioniert“ und dass unser System fast schon zwangsläufig dazu führt, dass Unternehmen derart kostenminimierend auftreten.)

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Neues aus der Welt der industriellen Nahrungsmittelproduktion: Gift im Frühstücksei

Wieder einmal überraschte mich das N3-Magazin markt neulich mit einer kritischen Reportage, die ein Schlaglicht wirft auf die industrielle Nahrungsmittelproduktion (von LEBENSmitteln mag ich in dem Zusammenhang gar nicht mehr schreiben) und zeigt, mit welchen Methoden hier nach Profit gestrebt wird, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Konsumenten – „Gift im Frühstücksei – Nikotinsulfat in Hühnerställen”:

Anfang des Jahres wurden in einem Hamburger Gefahrgutlager 19,4 Tonnen  der hochgiftigen Lösung Nikotinsulfat gefunden. Dieses Mittel ist bei Hautkontakt schon in geringen Mengen giftig. Die tödliche Dosis liege bei ungefähr vier Kubikzentimetern, so Dr. Rainer Wujciak vom Pflanzenschutzamt Hamburg. Das sind nur wenige Tropfen.

Dieses Nervengift war für die Reinigung von Hühnerställen bestimmt.

(…) Wenn Nikotinsulfat als Schädlingsbekämpfungsmittel angewendet wird, können sich Nikotinrückstände in Geflügelprodukten finden. Das niedersächsische Verbraucherschutzministerium bestätigte, dass Rückstände von Nikotin in Ei und Legehennen in einer Verdachtsprobe von 2007 gefunden wurden.

(…) Auch in anderen norddeutschen Bundesländern wird jetzt verstärkt nach Nikotinrückständen in Geflügelprodukten gesucht. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Der Handel mit Nikotinsulfat ist äußerst lukrativ. Der Hamburger Chemikalienhändler soll einen großen Kundenkreis haben. Er bestreitet aber alle Vorwürfe.

Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kritisiert: „Der Handel mit dem illegalen Gift blüht.“ Sein Verdacht: Die kürzlich gefundenen 19,4 Tonnen Nikotinsulfat sind nur die Spitze des Eisbergs. Er hat mit Insidern aus der Geflügelbranche gesprochen. Nach ihren Angaben sind mindestens 100 Tonnen Nikotinsulfat im Umlauf. Eine gewaltige Menge für einen so giftigen, hoch konzentrierten Stoff, so Eckehard Niemann.

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Surftipp: Erklärung von Bern / Kinderarbeit für Schokolade

Nicht nur die aktuelle Ausgabe des Greenpeace Magazins befasst sich mit einem Thema, über das viele Konsumenten in den westlichen Industrieländern vermutlich wenig Gedanken machen, wenn sie ihre 60 Cent-Schokolade im Supermarkt kaufen – nämlich dem bitteren Beigeschmack, den solch niedrige Preise und die industrielle Massenproduktion für die Menschen in den Kakao-Produzentenländern haben.

Fast zehn Kilogramm Schokolade verspeist der Durchschnittsdeutsche jedes Jahr. Für diesen alltäglichen, selbstverständlichen Genuss schuften in der Elfenbeinküste Kindersklaven, oft gerade mal zehn Jahre alt, unter katastrophalen Bedingungen in Kakaoplantagen.

schoggihase_ausverkauft_endNein, auch in der Schweiz hat sich deshalb eine eigene Initiative gegründet, die sich aktiv dafür einsetzt, diese Zustände bei der Schokoladeherstellung bzw. Kakaoernte, vor allem die Kinderarbeit, nicht länger zu dulden – die Erklärung von Bern.

Obwohl die Schweiz als Schokoladenland gilt, ist bei uns kaum bekannt, dass in vielen Schokoladesorten Kinderarbeit steckt.
60 Prozent des weltweit gehandelten Kakaos kommt aus Westafrika. Kinderarbeit und Kindersklaverei ist auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste gängig und werden von den Schokoladeherstellern seit Jahren bewusst in Kauf genommen.

Die Schweizerischen Schokoladenkonzerne gehören zu den grössten der Welt. Sie haben die Möglichkeit, die ausbeuterische Kinderarbeit zu beenden.

Darum fordert die EvB
* die Ausbeutung von Kindern auf Kakaoplantagen zu verhindern.
* Kakaopreise zu zahlen, die den Bauern erlaubt, faire Löhne an erwachsene Beschäftigte zu zahlen.
* den Kakaobauern durch Abnahmegarantien eine finanzielle Sicherheit zu schaffen.

KonsumentInnen haben Macht. Machen Sie Druck. Fragen Sie mit der Postkarte der EvB die Hersteller ihrer Lieblings-Schoggi, ob in dieser Schokolade garantiert keine Kinderarbeit steckt. Verlangen Sie von den Konzernen, alles zu unternehmen, damit nie wieder Kinder für Schweizer Schoggi leiden müssen.

Die Aktivitäten meiner speziellen „Freunde“ von der Genbude Nestlé kommentiert die EvB folgendermaßen:

Nestlé blockt den Dialog ab. Die firmeneigene Website ist mit CSR- und anderen Berichten sehr grosszügig gestaltet, Informationen zum Kerngeschäft sind jedoch nicht zugänglich. Das soziale Engagement vor Ort wird facettenreich beschrieben, das Hauptproblem, nämlich die konkreten Arbeitsbedingungen, wird hingegen mit keinem Wort erwähnt. Es geht nicht an, dass die Konsumierenden mit solchen Ablenkungsmanövern abgespiesen werden.

Nestlé hat als weltweit zweitgrösster Akteur im Kakao-Buisness direkte Kontrolle über die Lieferkette. Der Konzern besitzt damit reichlich Möglichkeiten, dem Elend auf den Plantagen entgegen zu treten. Der Ursprung der Missstände liegt nicht einfach bei den Kakaobauern, sondern bei den Strukturen des internationalen Kakaohandels, welche von mächtigen Unternehmen wie Nestlé massgeblich beeinflusst werden. Nestlé könnte mit dem Preis, den sie für Kakao bezahlt, die Lebensbedingungen der Bauern nachhaltig verbessern. Daher sollte der Konzern über seine konkrete Preispolitik offen kommunizieren und die Konsumierenden nicht mit Feigenblatt-Projekten abspeisen.

(c) International Labour Rights Forum

(c) International Labour Rights Forum

Wie sehr Aufklärung im Konsumbereich dringend nötig ist, zeigte mir eine Erfahrung, die ich unlängst in einem Supermarkt hatte – dort reagierte die Kassiererin auf den Hinweis eines Freundes, der mit mir Gepa-Schokolade kaufte, dass in der „normalen“ Industrie-Schokolade ja Kinderarbeit stecke, mit der gleichgültigen Aussage, dass die Kinder dort auf diese Wiese wenigstens etwas verdienen. Solange diese bräsige, satte Ignoranz den Grundtenor in unserer Gesellschaft darstellt, wird sich sicherlich nichts ändern, behaupte ich mal so.

Fraglich bleibt für mich bei all diesen eindeutig löblichen Aktionen natürlich immer, ob es überhaupt möglich ist, in diesem System der Profitmaximierung und des „ewigen“ Wirtschaftswachstums für faire Bedingungen weltweit zu sorgen oder ob nicht vielmehr bei der Fortführung der kapitalistischen Produktionsweisen immer eine kleine Gruppe privilegierter Menschen (zu denen wir in Deutschland bzw. Europa fraglos gehören) auf Kosten des Großteils der Welt lebt. Mit dieser Frage setzte sich neulich auch Klaus-Werner Lobo in seiner jetzt!-Kolumne in der Süddeutschen Zeitung auseinander – Zum Beispiel Konsum – LOHAS werden die Welt nicht retten.

(…) Weil es erstens unmöglich ist, weltweit agierende Konzerne mit Tausenden Zulieferbetrieben so umfassend zu kontrollieren, dass man sie „freisprechen“ könnte. Zweitens hat jeder Multi, der seine Profite auf Basis der Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern erwirtschaftet, ein systematisches Interesse daran, diese Unterschiede aufrecht zu erhalten: Das liegt nicht an „bösen“ oder unwilligen ManagerInnen, sondern an einem Wirtschaftssystem, das Ausbeutung ökonomisch belohnt und so zur Geschäftsgrundlage macht.

(…) Ein Beispiel für die Blauäugigkeit vieler Lohas ist auch das deutsche „Internetportal für strategischen Konsum und nachhaltigen Lebensstil“ Utopia. „Kaufe dir eine bessere Welt“, heißt es da, als ob es nicht im Gegenteil darum ginge, die Welt vor ihren Verkäufern zu retten. Weil man „nicht von Spenden oder anderen gemeinnützigen Zuwendungen abhängig sein“ will, finanziert sich Utopia „durch das private Engagement der Gründer und erste Kooperationen“. Darunter auch Konzerne wie OTTO und Henkel. OTTO stand 2006 im „Schwarzbuch Markenfirmen“ noch für „Ausbeutung, sexuelle Belästigungen und andere Missstände in Zulieferbetrieben“, die Kampagne für Saubere Kleidung vermutet, dass China, die Türkei und Indien die Hauptlieferländer für Textilien sind. Überall dort sind desaströse Arbeitsbedingungen die Regel. Im Dezember 2006 wurde einem OTTO-Lieferanten sogar Kinderarbeit vorgeworfen. Immer mehr Utopia-User beklagen sich übrigens, dass ihr Account wegen kritischer Bemerkungen gelöscht worden sei.

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Der neue Verpackungs-Schmu

Als ich vor einigen Wochen über die neue EU-Verpackungsverordnung berichtete, mutmaßte ich (und nicht nur ich), dass diese Aufweichungen der Richtlinien die Hersteller dazu animieren würde, eine gewisse Kreativität in Bezug auf Verpackungsgröße, geringerem Inhalt und gleichbleibendem Preis an den Tag zu legen. Nun schrieb mich gerade ein Leser an und wies mich auf die aktuelle Vorgehensweise bei der Zentis Fruchtkonfitüre hin – auf deren Website wird vollmundig vom „praktischen und formschönen 200-g-Schalenbecher“ geschrieben, allerdings lasse man die nicht unwichtige Information unter den Tisch fallen, dass der Becher bislang 225g enthielt. Ach so, der Preis sei natürlich gleich geblieben, trotz über 10% Gewichtsreduktion. Ich kann diese Information nun nicht aus eigener Anschauung verifizieren, da ich industriell gefertigte und gezuckerte Marmelade („50% Fruchtanteil“, na super…) seit vielen Jahren nicht mehr kaufe, aber so etwas passt eindeutig in die Strategien vieler großer Konzerne (siehe auch abgespeist.de).

Ich habe auf jeden Fall gleich mal bei Zentis angefragt, wie es sich denn mit dem Preis der neuverpackten Marmelade verhalte, also ob dieser dementsprechend auch um 10% gesenkt werde, und erhielt jetzt diesen erklärenden Brief, den ich auszugsweise wiedergebe:

Mit der Reduzierung der Bechergröße haben wir auf den allgemeinen Trend zu kleineren Verpackungen reagiert.

(…) Neben dieser Aufwertung müssen aber auch die gestiegenen Rohstoffpreise der Vergangenheit, die gestiegenen Energiepreise sowie andere Preisfaktoren für die neue Frühstückskonfitüre beachtet werden. Alle Faktoren zusammen machten eine Verteuerung unumgänglich.

(…) Da die grundlegende Überarbeitung aber bereits feststand, haben wir uns dazu entschlossen, die Preiserhöhung erst mit der neu gestalteten Verpackung umzusetzen.

Naja, es ist aber schon ulkig, dass man mit der Preiserhöhung so lange wartete, bis man eh eine kleinere Verpackung auf den Markt bringt, wahscheinlich in der (vermutlich berechtigten) Hoffnung, dass der normale Kunde die kleinere Verpackung nicht als solche wahrnimmt. Die NDR-Sendung Markt brachte Anfang der Woche übrigens einen passenden Bericht zum Thema Preisgestaltung – „Neue Mogelpackungen: Schmu beim Grundpreis“:

Seit dem 11. April 2009 ist diese 95-Gramm-Tafel nun erlaubt. Laut einer EU-Richtlinie müssen sich Lebensmittelhersteller nicht mehr an die bisher geltenden Verpackungsstandards für Grundnahrungsmittel halten. Diese Richtlinie wird in Deutschland in der sogenannten Verpackungsverordnung umgesetzt.

Wurde Milch bisher in den festen Größen 0,5, 0,75 oder 1 Liter verkauft, sind nun auch 0,85 oder 0,96 Liter möglich. Mehl oder Zucker können in 275-Gramm-Packungen, Butter in 75 Gramm, Wasser in 1,25 Liter-Flaschen verkauft werden. Gleiches gilt für Kaffee oder Schokolade. Einzig in der Spirituosen-Abteilung ist Verlass auf alte Größen. Die Verpackungsgrößen für Alkoholisches sind noch nicht freigegeben.  Verbraucherschützerin Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg befürchtet, dass “die Verpackungen alle verkleinert werden, ohne dass man das auf den ersten Blick erkennt. Das ist ein deutlicher Nutzen für den Anbieter, denn er verkauft weniger Ware für den gleichen Preis, und für uns eine versteckte Preiserhöhung.“

Beispiele dafür gibt es genug: Anbieter von Kosmetik-, Hygiene-, Putz- oder Süßwaren können schon seit Jahren freie Mengen wählen: Die ehemalige Pampers-Packung hatte zum Beispiel 44 Windeln, die neue hat nur noch 40. Der Preis ist gleich geblieben: 8,95 Euro. Beispiel Calgonit, Spezialsalz für den Geschirrspüler: Die alte Packung beinhaltet 1,8 Kilo Salz, die neue nur noch 1,5 Kilo. Beide kosten aber 5,99 Euro. Der alte Bärenmarke Schüttel-Shake hat einen Inhalt von 475 Milliliterb, der neue nur noch 400 Milliliter – beide kosten aber 76 Cent.

(…) Besonders wachsam sollten Kunden sein, die meist zu den gleichen Produkten greifen. Sie achten aus Gewohnheit meist weder auf den Preis noch auf die Packungsgröße. Doch auch für alle anderen Verbraucher gilt: Augen auf im Supermarkt. Um nicht auf Mogelpackungen reinzufallen, ist es wichtig, sowohl die Füllmenge als auch den Grundpreis zu kontrollieren.

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