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Mobile Werbetafeln verpesten und verstopfen Los Angeles

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Reklame nimmt bekanntlich seit jeher keine Rücksicht auf visuelle und andere Umweltverschmutzung – Hauptsache grell, Hauptsache auffällig, egal, wen man damit behindert, stört und nervt. Der Rubel muss schließlich rollen und der Konsument ordentlich kaufen! In Los Angeles rollt jedoch seit einer Weile noch viel mehr, wie Ban Billboard Blight zu berichten weiß – „Mobile Billboards: Bringing More Air Pollution, Traffic Congestion, Parking Problems“. Los Angeles stöhnt ohnehin schon unter einem viel zu hohen Verkehrsaufkommen, Staus und einer der schlechtesten Luftqualität der USA. Verzweifelt versuchen die Stadtoberen, den öffentlichen Nahverkehr aufzustocken, um dem Treiben Herr zu werden. Dies wird nun durch herumfahrende Trucks mit montierter Reklame konterkariert – diese LKW fahren kreuz und quer mit ihren Kommerzbotschaften durch die Stadt, verschmutzen die Luft weiter und belegen zudem auch noch Parkplätze (von der optischen Beleidigung des menschlichen Auges ganz zu schweigen). In San Francisco hat man solchen Bullshit bereits aufs Korn genommen, aber nicht überall hat man diese Weitsicht und erfrischend kritische Einstellung. Man lese sich bitte die offizielle Stellungnahme der Stadt durch – das sind mal erfreulich klare Worte in Richtung der Reklamefritzen!

So how should we regard the rapidly-growing phenomenon of mobile billboards mounted on trucks and trailers and driven through the streets or left sitting for days in highly sought-after parking spaces? As inevitable manifestations of commercial enterprise, or as destructive, anti-social assaults on our shared public spaces that ought to banned forthwith?

Some cities have done just that. San Francisco, for one example, and it’s worth reading the purpose section of its ordinance:

By their nature, commercial advertising vehicles are intended to distract, and aim to capture and hold the attention of, members of the public on or adjoining public streets, including drivers, pedestrians, bicyclists, and others. Moreover, such vehicles display commercial advertising from a mobile platform, including while the vehicle is moving within the flow of traffic, potentially stopping, starting, or turning abruptly, accentuating the inherent tendency of such advertising to seize attention and to distract. Additionally, the use of motor vehicles to display commercial advertising creates exhaust emissions. For these reasons, the Board of Supervisors finds that commercial advertising vehicles create aesthetic blight and visual clutter and create potential and actual traffic and health and safety hazards.

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Was ist mit Werbung nicht in Ordnung? (What’s wrong with advertising?) Teil 1

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Kritik an Reklame und Kommerz äußere ich ja nun seitdem ich mit dem Konsumpf begonnen habe, und in der ganzen Zeit habe ich bereits eine Vielzahl von Nachteilen, Problemen und Ärgernissen im Zusammenhang mit Werbung & Kommerz versammelt.  Was vielleicht noch fehlt, ist eine „Adelung“ solcher Kritikpunkte von wissenschaftlicher Seite. Tatsächlich gibt es an der Governors State University in Illinois mit Prof. Hugh Rank einen Professor, der sich intensiv mit dieser (dunklen) Seite von Marketing, Medien und Manipulation beschäftigt. Sein komplettes Material des Kurses „Persuasion Analysis“ steht online zur Verfügung, und dort findet sich so mancher Beitrag, der das Ringen mit der Konsumgesellschaft und die Methoden der Reklame dokumentiert. Netter Weise darf ich Euch einige Texte in Übersetzung präsentieren. Leider ist die Website sehr unübersichtlich und extrem verschachtelt (und umfangreich), so dass ich sicherlich nur Teile hier veröffentlichen werde. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, der sei auf die Webseiten von Prof. Rank verwiesen: „Persuasion Analysis“ / „Advertising“.

Den Anfang meiner Übersetzungen soll heute der kurze Übersichtsartikel „What’s wrong with advertising?“ machen, von dem aus eine ganze Reihe Links zu weitergehenden Beiträgen führen, die ich dann nach und nach in den kommenden Wochen übersetzen und in diesem Ausgangsartikel verlinken werde (hoffentlich).

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Was ist mit Werbung nicht in Ordnung?

Schon in der Vergangenheit war das Misstrauen in Werbung weitverbreitet, aber nicht fokussiert. Derart viele Menschen haben Werbeanzeigen aus dermaßen vielen Gründen kritisiert, dass dieser verwirrende Wortnebel manchmal die Aufmerksamkeit stärker auf triviale Sorgen und kleinere Probleme richtet als auf die ernsthaften Themen und schwerwiegenden Probleme.

Die Menschen müssen sich ihrer eigenen Ansichten und Gefühle klar werden, um diese wahrgenommenen „Risiken“ nach Art (direkt oder indirekt, sofort oder verzögert, möglich oder wahrscheinlich) und Grad (von kleineren Ärgernissen bis hin zu großen Gefahren) unterscheiden zu können, um Überschneidungen und Lücken und Grenzfälle zu erkennen. Werbekritiker machen sich dabei grundsätzlich Sorgen über die schädlichen Folgen, die Nachteile und die unerwünschten „Nebenwirkungen“.

Auch in Zukunft wird Werbung – und ihre Probleme und Kritiker – uns begleiten. Die Strukturierung der Kritikpunkte kann dabei helfen, die Extreme zu vermeiden: auf der einen Seite, Werbetreibende anzuklagen und sie zu alleinigen Sündenböcken zu stempeln; auf der anderen Seite die grundlegenden, ernsthaften Probleme zu ignorieren, die unserer Aufmerksamkeit und angemessenen Reaktion bedürfen. Die Diagnose dessen, was „falsch ist“, kann dabei helfen, eine Prognose zu entwickeln, „was zu tun ist“. Reklame hat so viele Kritiker, aus so vielen verschiedenen Gründen, und die Argumente werden schnell so komplex, dass es hilft, wenn wir zunächst ein wenig Struktur hereinbringen und die häufigsten offensichtlichen Klagen identifizieren:

  • Eindringen/Einmischung („zu viele Anzeigen…“)
  • Täuschung (Reklame lügt, führt in die Irre, betrügt)
  • Ernährung (Werbung für ungesundes „Junk Food“ führt zu einer nationalen Fettleibigkeitskrise)
  • Beleidigend (Anzeigen beleidigen Frauen, Minderheiten, ethnische Gruppen, Religion)
  • Persönliche Probleme (Werbung trägt zu einem Schulden-Kreislauf, zu familiärem Stress und einem schwachen Selbstbild bei)

Andere Kritiker befassen sich mit den eher indirekten und weniger offensichtlichen „versteckten Schäden“ von Werbung, wie: psychologische Folgen für das Individuum und die Familie; oder längerfristige, kumulierte Schäden, die mit Materialismus, Müll, Umweltzerstörung und sozialer Ungerechtigkeit zusammenhängen.

  • Materialismus (religiöse und säkulare Kritik)
  • Umweltprobleme (Verschwendung, Müll)
  • Soziale Ungrechtigkeit (Themen im Zusammenhang mit Überfluss und Armut; die Besitzenden und die „Habenichtse“)

Werbung kann nicht einfach deshalb von Kritik ausgenommen werden, weil sie „unsere gesamte Wirtschaft am Laufen hält“. Wenn das Wirtschaftssystem davon abhängt, dass Millionen von Menschen hoch verschuldet sind und dennoch immer mehr unnützes Zeug kaufen, gibt es vielleicht Fehler im System. Gary Ruskin, Direktor von Commercial Alert (einer Non-Profit-Verbraucherschutzorganisation) fasste eine ganze Reihe der Kritikpunkte in seinem kurzen Artikel im Heft Advertising Age (26.4.2004) zusammen, der sich direkt an Werbetreibende richtete. Sein Kommentar zu der direkten und offensichtlichen Aufdringlichkeit von Reklame lautet: „Die implizite Botschaft, die die Werber aussenden, ist eine komplette Ignoranz in Bezug auf unsere Zeit, unsere Privatsphäre, unseren klaren Kopf und nicht zuletzt in Bezug auf unsere Sorge um unsere Kinder.“ Seine Betrachtung der indirekten und weniger offensichtlichen Schäden durch Werbung beinhaltete nicht nur die öffentliche Gesundheit (Junk Food, Fettsucht), sondern auch die Korruption ziviler Institutionen.

Nahezu jede Universität und Wirtschaftshochschule der USA hat eine Abteilung für Werbung, um die zukünftigen Verführer in den Techniken ihres Berufs zu schulen, aber nur wenige Schulen bieten überhaupt auch nur einen einzigen Kurs an, um die jungen Bürger, die Verführten, darin zu unterrichten, diese Verführungen zu analysieren und zu durchschauen. Landesweit sind die meisten Akademiker, die sich für Reklame interessieren – die Professoren für Psychologie und Rhetorik –, „Berater“ der Werbeindustrie als „gemietete Rhetoriker“ und käufliche Seelenklempner!


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Reklame – die Pest der Kommerzgesellschaft

kola-kaputtSelten hat mir ein Artikel so aus der Seele gesprochen wie Ludger Lütkehaus’ „Reklame – die Pest der Kommerzgesellschaft“ auf literaturkritik.de. Der Kampf gegen den Werbeterror habe ja auch ich mir hier im Blog auf meine Fahnen geschrieben, von daher passt dieser großartige Text natürlich genau hierher. Ich kann nur jedem von ganzem Herzen empfehlen, sich diesen Artikel in seiner Gänze zu Gemüte zu führen, vor allem denjenigen, die in Reklame noch etwas Tolles, Informatives oder Nützliches sehen. Auf gestrenge und schonungslose Art entlarvt Lütkehaus die ganze hohle Fassade, die die Werbeindustrie gerne um ihre Worthülsen und Bildblasen auftürmt. Ich zitiere nur mal einige besonders schöne Passagen:

Reklame ist nicht Reklame, sondern “Werbung” oder gar “Information”: So will es die Reklame, welche die Reklame für sich selber macht. Denn selbstverständlich ist die Reklame in Wahrheit nichts weniger als Information. (…)

Früher, in den Zeiten, als es noch um die Wahrheit ging, hätten wir gesagt: Das Gegenteil der Wahrheit ist, abgesehen vom Schein, die Lüge. Heute sagen wir: das Gegenteil von Wahrheit ist die Reklame. Nicht im Sinn einer bewussten Täuschung. Gott bewahre, alle wissen ja, was gespielt wird, sondern in dem Sinn, dass der Reklame die Wahrheit gleichgültig ist, völlig gleichgültig. Wahrheit ist für die Reklame überhaupt keine Kategorie, kein Maßstab. Und auch mit der Schwundstufe der Wahrheit im Informationszeitalter: eben der “Information”, hat sie nur zu Desinformationszwecken zu tun.

(…) Die Reklame kann diese Funktion aber nur um den Preis erfüllen, dass sie nur selten etwas, meist wenig, oft gar nichts mit den Produkten zu tun hat, für die sie Reklame macht. Die spröde, aber präzise Sprache der Bundesrechtsanwaltsordnung hat das auf einen angemessenen Begriff gebracht. Sie definiert Reklame als “allgemeine Anpreisung ohne sachlichen Inhalt”. Die Ökonomie selber drückt das so aus, dass die Produktionskosten der Produkte ein Bruchteil ihrer Reklamekosten sind. Die Herstellung kostet fast nichts, die Vorstellung fast alles. Die Mär, dass die Reklame die Produkte billiger mache, ist eines der merkwürdigsten Kapitel der Reklame, die sie für sich selber macht. Reklame ist eine gigantische Verteuerungsanstalt. Und selbst, wenn der reklamegestützte Massenkonsum die Produkte verbilligen sollte, so ist es doch noch billiger, wenn niemand verbraucht, was niemand braucht. Kein Wunder, dass das Verhältnis der Reklame zur Wahrheit von Grund auf gestört sein muss. Sie darf gar kein Interesse daran haben. Hätte sie es, könnte sie die Überproduktionsgesellschaft nicht entsorgen.

(…) Weil Reklame aber kein Verhältnis zur Wahrheit der Dinge und zum Bewusstsein der Menschen hat und haben darf, höhlt sie auch jeden Glauben an die Glaubwürdigkeit der Menschen und Dinge aus. Sie ist das praktizierte System des Zynismus. Die Einübung in einen nur zu berechtigten General verdacht geht mit ihr einher. Die Versprechen, die sie macht, sind die Lehrmittel eines permanenten Misstrauenstrainings, die von ihr vermittelte Psychologie ist eine Entlarvungspsychologie. Als die Leerform schlechthin, die sich jeden Inhalt einbilden kann, bringt die Reklame alles mit allem und allen in Verbindung – weil sie mit nichts und niemand eine Verbindung hat. Am Ende ist alles Abfall, die Welt überführt in die Halde, die sie für die Reklame von Anfang an war. Der Rest ist Schweigen? Nein, der Rest ist Müll. (…)

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Neue Perversitäten der Werbeindustrie im Anrollen

Manchmal tun mir die Amerikaner ja schon wirklich etwas Leid, schließlich bekommen sie als erste die Absurditäten einer kommerziellen Entwicklung ab, die keine Grenzen mehr zu kennen scheint (etwas, das ja auch schon der Artikel „Vieles von dem, was Werbetreibende tun, ist eine Verletzung der Privatsphäre“ anprangert). Im Ban Billboard Blight-Artikel „Brave New World of Outdoor Advertising“ werden ein paar der neuesten uns erwartenden „Trends“ und „Innovationen“ im Bereich der Behelligung der Menschen mit Kommerzpropaganda aufgeführt. Man muss wohl selbst im Marketingbusiness arbeiten, um verstehen zu können, was in den Köpfen derjenigen vorgeht, die sich solch einen Dreck ausdenken – bloß die Menschen nicht mal in Ruhe lassen, immer schön auf Konsum trimmen…

Flogos: Sky advertising – als „best business idea“ von CNN angepriesene Ekelhaftigkeit, bei der der Himmel vermehrt mit Reklamelogos bestückt werden soll („enviromentally friendly“ – nur leider bezieht sich das nicht auf die mentale und visuelle Umwelt):

Clear Channel Branded Cities – dieses Unternehmen will die Plakatwände für Reklame noch weiter vorantreiben und in unvorstellbare Dimensionen wachsen lassen. Schaut Euch die abstoßenden Beispielbilder auf der Website dieser Firma ruhig einmal an. Städte, die dergestalt verschandelt werden, werden für Menschen eigentlich unbewohnbar.

Clear Channel Branded Cities transforms locations into destinations – places where consumers go for entertainment, dining, shopping, to work, and to live …and where brands are an integral part of that experience.

World Wide Weaveverwandelt Architektur/Fassaden in dynamische Werbung.

Mediamesh® offers a large spectrum of new design possibilities for architects ,investors and building owners – opportunities to medialize their buildings and adding a dynamic dimension to their architecture.

Apples iPhone interagiert mit dynamischen digitalen Werbetafeln, eigens von CBS und Clusta entwickelt, damit man die Inhalte der Werbeplakate zoomen, drehen etc. kann. Auf dass das iPhone noch nutzloser wird…

Und der letzte Schrei der kongenialen Ingenieure: eine Technik, die erkennen kann, ob jemand, der vor einem Plakat/einer Kamera steht, männlich oder weiblich ist – und dann vermutlich den Inhalt entsprechend gestaltet. Hurra, darauf hat die Welt noch gewartet!

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Welche Religion kommt nach dem Kapitalismus?

Wie wäre es heute zur Abwechslung mal mit etwas grundlegender Konsum- und Kapitalismuskritik? Das ORF brachte vor einiger Zeit die ausgesprochen gelungene Sendung „Der Kurssturz des goldenen Kalbes – Welche Religion kommt nach dem Kapitalismus?“, in der die Rituale, die unser heutiges Konsumentendasein bestimmen mit denen früherer Religionen in Bezug gesetzt werden: „der totale Markt als Erlösungsreligion“ oder „Werbung als milliardenschwere Verkündigungsmaschinerie“ sind einige der hübschen Formulierungen, die die Autoren finden. Generell zeichnet der Beitrag ein, wie ich finde, durchaus zutreffendes Bild dieses zerstörerischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, untermauert mit einigen (halb)philosophischen Gedanken. [via]

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„Werbung ist eine wahre Pestilenz geworden”

Da meine Zeit heut mal wieder knapp bemessen ist, gebe ich Euch diesmal nur einen kurzen Lesetipp – und zwar wurde ZAF, der Macher des wunderbaren satirisch-kritischen Blogs Zenzizenzizenzic und zafikal – für Geld machen wir alles auf krit.de interviewt und hat sich dabei u.a. auch über Werbung und Kommerz geäußert. Dass diese Aussagen meiner eigenen Meinung sehr entgegen kommen, dürfte klar sein. :-)

zafWenn man Werbung mal globaler betrachtet, ist sie ein ökologisches Desaster. Es wird Papier bedruckt, das kaum jemand lesen will, es werden Werbefilmchen gedreht, die kaum jemand im Fernsehen oder im Kino sehen will, es werden Adserver bereitgehalten, um Werbung auszuliefern, die viele eh mit Adblock oder ähnlichen Maßnahmen blocken, die ansonsten aber sinnlos Bandbreite verbraten, die Gegend wird durch Werbetafeln verschandelt etc. Es werden also ohne Ende Ressourcen wie Holz, Energie usw. verschwendet für etwas, was mit etwas Glück nur einen kleinen Teil der Bevölkerung interessiert. Werbung ist in ihrer ungewollten Form doch eine wahre Pestilenz geworden. Ich kenne keinen, der Werbestrecken in Zeitschriften toll findet, der gerne Werbung im TV oder Kino schaut, der sich freut, von Call-Centre-Agents belästigt zu werden, der seinen Briefkasten gern durch Werbung zugemüllt vorfindet etc.

In Sao Paulo gab’s doch mal einen Erlaß der Stadt, daß Werbung im öffentlichen Raum verboten wird. Das finde ich eigentlich eine sehr schöne Idee. Denn Werbung ist vor allem auch undemokratisch. Ohne die notwendigen finanziellen Mittel, kann man keine Werbung schalten, um eine kritische Masse zu erreichen. Solange man es nicht schafft, Werbeflächen z.B. im öffentlichen Raum wirklich zu demokratisieren, daß also jeder, der will, dort plakatieren darf, solange finde ich ein Verbot wie in Sao Paulo – je länger ich darüber nachdenke – eigentlich immer besser. Und eigentlich wäre ein Verbot der Werbung im öffentlichen Raum nur konsequent, wenn man bedenkt, daß sogenannte Cold Calls (also Anrufe von Telemarketingunternehmen auf gut Glück, ohne daß ich explizit um den Anruf gebeten hatte) z.B. verboten sind. Ich habe ja die werbetreibenden Firmen (oder in Hamburg gerade wieder aktuell Parteien) nicht darum gebeten, mir mit ihren Werbemist meine Netzhaut zu versauen.

Jetzt werden wahrscheinlich ein paar in der Werbebranche Beschäftigte sagen “Ja, aber die Arbeitsplätze…”. Stimmt, Werbung schafft Arbeitsplätze. Aber diese bezahlen wir alle als Verbraucher durch höhere Kosten für die beworbenen Produkte mit. Werbung ermöglicht auch keinen Qualitäts-Journalismus. Da braucht man sich nur das Privatfernsehen anschauen, um eines besseren belehrt zu werden. Und auch Printmedien veröffentlichen eher einen Bericht nicht, als einen zahlkräftigen Werbekunden zu verlieren. (…)

Ganz abgesehen vom Menschenbild, das die Werbung meist transportiert. Man sieht kaum die durchschnittlichen Menschen, denen man täglich auf der Straße begegnet in der Werbung. In der Werbung sind alle schön, allzeit perfekt geschminkt, gesund, topfit, schlank, zu Tode gephotoshopped etc. Mit der realen Welt hat Werbung so gar nichts zu tun. Der Druck, den in der Werbung propagierte Schönheitsideale gerade auf Heranwachsende ausüben, dürfte bekannt sein.

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Dichtung und Wahrheit – McDonald’s-Adbusting in Kiel

Holla, Kiel mausert sich ja so langsam zu einer heimlichen Hochburg im Kampf gegen den Kommerz – nach der ebenfalls gelungenen, aber im Rahmen einer Kunstaktion noch „gemäßigten“ Aktion einiger Kunsthochschulstudenten im Juli stieß ich gestern auf ein sehr gelungenes Adbusting direkt an der Straße zum Kieler Hauptbahnhof. Einer oder mehrere Unbekannte haben dabei zwei McDonald’s-Plakate gekapert und aus den Original-Reklamelügen eine passendere Aussage geschält. Beim linken Plakat wurde ein dezentes „?“ hinzugefügt, beim rechten hat man gleich aus „Snack“ „Death“ gemacht. So ergibt das Ganze dann doch mehr Sinn. :-)

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PR im Namen von Zensursula und Ulla Schmidt

Das Ausmaß, in dem Public Relations (PR) seit längerem schon die Mainstreammedien durchzieht und damit zum Spielball der Interessen von Wirtschaft und Politik macht, habe ich hier im Blog ja schon einige Male angesprochen (z.B. HIER). Tatsächlich stockt mir dennoch jedes Mal wieder der Atem, wenn ich einen Beitrag wie den folgenden des Magazins Zapp! sehe, in dem klar wird, wie weit sich die PR-Krake mittlerweile ausgebreitet hat und dass sie nicht nur für Firmen-, sondern auch für die Propagandazwecke von Politikern eingesetzt wird, beispielsweise im Radio. Was dort wie ein unabhängig recherchierter Beitrag eines Senders daherkommt, ist in Wirklichkeit nicht selten eine vorproduzierte Angelegenheit mit einem ganz speziellen Zweck, nämlich dem, den Hörern Objektivität vorzugaukeln, wo doch nur schnöder Lobbyismus vorliegt.

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Product Placement im Fernsehen wird zukünftig noch präsenter werden

bild-62… EU sei Dank! Wurde bisher im Fernsehen schon häufig und plump Inhalt mit Markenpropaganda vermengt, dies aber teils noch etwas schamhaft vertuscht, so wird es bald in noch stärkerem und offenerem Maße erlaubt sein, dass Firmen ihre Produkte in Serien, Filmen etc. platzieren und es so für den TV-Schauer gar kein Entkommen vom kommerziellen Bombardement mehr gibt (ein Grund mehr, die Kiste nicht mehr anzuschalten). Die FAZ berichtete neulich über die Auswirkungen der Umsetzung einer neuen EU-Richtlinie im deutschen Medienrecht, in der es um die3 Ausweitung des sog. Product Placement geht. Wobei man sagen muss, dass solche schrecklichen Sendungen wie Germany’s Next Topfmodell ja ohnehin schon Dauerwerbesendungen darstellten und die Macher völlig ungeniert jeden verfügbaren Zentimeter, den Kameras einfangen konnten, mit Reklame und Marken zupflasterten. Schlimmer geht es eh nicht mehr… Also, die FAZ: „Product Placement. Ich sehe was, was du nicht sehen sollst“.

Wenn bei „Germany’s Next Topmodel“ der McFit-Fitnesstrainer zu Besuch kommt und die Kandidatinnen am Yogurette-Fotoshooting teilnehmen oder sich von den Marketingspezialisten des Handyherstellers Sony Ericsson beurteilen lassen, dann glaubt auch bloß Pro Sieben, dass das noch etwas mit dem Programm zu tun hat. Eigentlich ist Heidi Klums Modelsuche eine clevere Verlängerung der Werbezeit – und wird sich vom kommenden Jahr an noch besser vermarkten lassen. Denn dann ist vieles von dem, was sich der Sender bisher getraut hat, ohne die Vorgaben der Landesmedienanstalten allzu ernst zu nehmen, gesetzlich erlaubt. (…)

(…) Dabei passt sich die Politik mit der Neuregelung nur den derzeitigen Verhältnissen an. Schon jetzt sind viele Programme so mit Werbung durchsetzt, dass viele Zuschauer keinen Unterschied bemerken werden. Vor allem die Sender der Pro Sieben Sat.1-Gruppe biegen sich seit Jahren die Regeln nach den eigenen Vermarktungszielen zurecht. (…)

(…) Dass die partielle Öffnung für Werbung im Programm genauso gut dazu führen kann, dass künftig noch mehr Shows entstehen, die inhaltlich den Wünschen der werbenden Unternehmen entsprechen, spielt in der Debatte bisher keine Rolle. Das Problem am Product Placement sind nicht die Cornflakes. Es ist das Signal an die Sender, sich im Zweifel für ein Programm zu entscheiden, das sich am ehesten eignet, um Markenbotschaften zu transportieren. (…)

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Nervige Internetwerbung schadet dem Firmenimage

bild-61Die Zeiten, als das Internet noch ein quasi kommerz- und werbefreier Raum war, sind lange vorbei. Heutzutage begegnet dem Surfer auf Schritt und Tritt ungebetene Kaufpropaganda, die Bandbreite kostet und an den Nerven zerrt, manchmal sogar den Zugriff auf die eigentlichen Informationen erschwert. Dies ist ein so großes Ärgernis geworden, dass Popup-Blocker schon standardmäßig in modernen Browsern integriert sind und Adblocker sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Aber die Werbebranche wäre nicht die Werbebranche, wenn sie sich nicht einen feuchten Kehricht um die Wünsche der Menschen scheren würde und statt dessen permanent auf Abhilfe sinnt, um ihre „Botschaften“ doch noch irgendwie dem User gegen dessen Willen aufs Auge zu drücken. Seit einer Weile boomen deshalb die besonders lästigen sog. „Layer-Anzeigen“, also Reklame, die von links oder von rechts in eine Seite reinrollt und den ganzen Inhalt überdeckt – und auch nicht mehr automatisch weggeblockt werden kann. Die Werber reiben sich erfreut die Hände ob solcher „Erfolge“, die Internetbenutzer hingegen sind sauer. Dies belegt nun auch eine aktuelle Studie: „Layer-Werbung schadet dem Firmen-Image“, die sich die verantwortlichen Marketingleute vielleicht mal zu Herzen nehmen sollten (zu dem Thema intrusive Reklame werde ich sicher auch noch öfter hier im Blog etwas schreiben (müssen)):

So schenken Internet-Nutzer den Layer-Anzeigen zwar, gezwungenermaßen, verhältnismäßig viel Aufmerksamkeit, empfinden sie dabei jedoch als aufdringlich und akzeptieren sie nur in den seltensten Fällen. Letztlich kann sich die Nutzung dieser Werbeform sogar negativ auf das Image des anwendenden Marketers auswirken.

So gab in einer Umfrage unter Internet-Usern im Alter von 18 bis 45 Jahren die überwältigende Mehrheit von 97 Prozent an, sich an dieser Art von Werbeeinblendungen zu stören. Knapp 43 Prozent erklärten sogar, dass Layer-Werbung extrem stört und sie bestrebt sind, Websites mit solchen Werbeformen gar nicht erst zu besuchen. Doch damit nicht genug, bei immerhin 68 Prozent der Befragten produzieren Werbeeinblendungen durch Layer zudem einen erheblichen Image-Verlust: 40 Prozent geben an, dass bei ihnen die jeweiligen Firmen bzw. Produkte an Ansehen verlieren, 28 Prozent gehen sogar soweit, zu sagen, dass sie künftig bei anderen Firmen einkaufen wollen. Trotz mangelnder Akzeptanzwerte und der potenziellen Gefahr für das Marken-Image verzichtet jedoch nur ein Teil der Werbenden auf Layer-Anzeigen.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Zwang zur Kommerzialisierung und der Erhöhung des Marktwertes auf vielen Websites eindeutig gegen die Interessen der Benutzer geführt wird, bietet seit neuestem die Musiknerd-Site last.fm. Bisher war es so, dass man sich das Album einer Band im dort integrierten Player komplett auf einer Seite anhören konnte (sofern die Band die Musik zur Verfügung stellt, natürlich). D.h. mit einem Seitenaufruf war man dort, wo man hin wollte und durfte sich die Musik dann auch in einem Rutsch anhören. Nun ist last.fm auf die Idee verfallen, dass es doch viel einträglicher für den Verkauf der Werbeplätze ist, wenn man die Klickraten steigert und fortan jeder Song nur noch einzeln auf einer jeweils eigenen Seite zu hören ist. Da dieses Vorgehen keinen Nutzen, sondern nur Nachteile für den User bedeutet, zeigt sich wieder einmal, wie der Hase auch im Internetbusiness läuft (zumal, seitdem last.fm vor einiger Zeit vom Mediengiganten CBS aufgekauft wurde).

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